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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie Menschen so sind
Drei der obersten Götter gehen auf eine Reise durch Sezuan mit dem Ziel einen guten Menschen ausfindig zu machen. Ihre Favoritin ist Shen Te, eine Prostituierte, die ihnen Unterkunft gewährte. Als kleines Dankbarkeitsgeschenk erhält sie ein wenig Geld mit dem sie einen Laden eröffnet. Mit dem Erwirtschafteten will sie auch anderen Armen helfen, um vor...
Veröffentlicht am 8. Januar 2004 von Sigrid Platzer

versus
3.0 von 5 Sternen Gute Story, schlimme Charaktere
Eigentlich bin ich ja ein Fan von solchen klassischen Werken, aber hier konnte ich mit keinem Charakter wirklich sympathisieren. Dachte ich im einen Moment: diese Person spricht mich am meisten an, hat sie im nächsten Moment irgendwas Dummes gemacht. Aber vielleicht ist das auch der Sinn der Parabel, immerhin geht es um das Gute im Menschen. Inhaltlich und thematisch...
Vor 9 Monaten von Anna Wallis veröffentlicht


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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie Menschen so sind, 8. Januar 2004
Von 
Sigrid Platzer (Tieschen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der gute Mensch von Sezuan (Suhrkamp BasisBibliothek) (Taschenbuch)
Drei der obersten Götter gehen auf eine Reise durch Sezuan mit dem Ziel einen guten Menschen ausfindig zu machen. Ihre Favoritin ist Shen Te, eine Prostituierte, die ihnen Unterkunft gewährte. Als kleines Dankbarkeitsgeschenk erhält sie ein wenig Geld mit dem sie einen Laden eröffnet. Mit dem Erwirtschafteten will sie auch anderen Armen helfen, um vor den Göttern als guter Mensch dazustehen. Leider erweist sich die Aufgabe schwieriger als erwartet und so muss Shen Te zu außergewöhnlichen Mitteln greifen um ihren Laden und die anderen Armen zu retten. Brecht wirft die Frage auf, ob es wirklich möglich ist durch die Befolgung der Gebote, ein guter Mensch zu sein, ohne dass man am Ende als armer Lump dasteht. Ob ein luxuriöses Leben gleichzusetzen ist mit einem schlechten Lebensstil und ob ein Gottesfurcht gleichzeitig Armut bedeutet. Herrlich ist es auch zu erleben, wie schlecht die Götter mit der Kontraproduktivität ihrer Gebote zurechtkommen. Ein Theaterstück, das amüsiert und zum Denken anregt.
Besonders erwähnenswert wäre noch die exzellente Ausgabe die Suhrkamp in ihrer Reihe Basisbibliothek geschaffen hat. Text und Kommentar sind klug und verständlich. Fremdwörter werden sofort erklärt und Zusammenhänge aufgezeigt.
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21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sezuan ist überall auf der Welt, 27. März 2002
Bertolt Brecht, Der gute Mensch von Sezuan (1943)
Bertolt Brechts Theaterstück „Der gute Mensch von Sezuan“ ist in wesentlichen Teilen in den Jahren 1938-40 entstanden. Gleich zu Anfang des Buches erscheinen drei Götter auf der Erde. In der Prostituierten Shen Te meinen sie den von ihnen gesuchten guten Menschen gefunden zu haben. Für ihre Gutmütigkeit belohnen sie die Götter mit einer Summe Geld, womit sie sich einen kleinen Tabakladen kauft. Doch für die herzensgute Shen Te entstehen nun erst recht Probleme. Da sie niemandem eine Bitte abschlagen kann und jetzt die Möglichkeit hat, zu helfen, fühlt sie sich auch dazu verpflichtet. Doch wo so grosse Armut herrscht, hilft die Güte eines Einzelnen nicht viel. Als sie nicht einmal mehr ihre Ladenmiete bezahlen kann, sieht sie keinen anderen Ausweg, als sich in ihren angeblichen Vetter Shui Ta zu verwandeln. Seine Aufgabe ist es, durch Härte und einen gewissen Egoismus Shen Te aus aussichtslosen Situationen, in die sie sich durch ihre Gutmütigkeit gebracht hat, zu befreien.

Die Geschichte erfährt einen Wendepunkt, als Shen Te erfährt, dass sie vom Flieger Sun ein Kind erwartet. Von nun an möchte sie auch gut zu sich selbst sein, vor allem ihres Kindes wegen. Sie muss aufhören, selbstlos zu sein. Deshalb muss Shui Ta ein weiteres Mal erscheinen und den armen Leuten mitteilen, dass sie in Zukunft nur etwas von Shen Te bekommen, wenn sie für sie arbeiten. Alle verdächtigen Shui Ta, Shen Te etwas angetan zu haben. Sie bringen ihn vor Gericht, vor welchem er sich als Shen Te zu erkennen gibt. Die drei Götter, die als Richter agieren, entschuldigen Shen Tes Handeln als Missverständnis, weil sie nicht wahrhaben wollen, dass es in der von ihnen geschaffenen Welt nicht möglich ist, gut zu anderen und gleichzeitig zu sich selbst zu sein. Der Schluss des Stückes wird wider Erwarten vom Autor offen gelassen, der Zuschauer gar explizit aufgefordert, eine Lösung zu suchen.
Immer wieder zeigt sich, dass die Götter gar nicht an einer Verbesserung der sozialen Missstände interessiert sind, diese gar nicht wahrnehmen und deshalb nicht eingreifen. Die Bedeutung eines Gottes wird somit relativiert. Trotz aller schlechten Erfahrungen und obwohl sie gemerkt haben, dass ihre Gebote tödlich sind, dass die Welt in einem miserablen Zustand, ja sogar unbewohnbar ist, wollen die Götter immer noch nicht eingreifen. Sie zeigen hiermit, dass ihnen das Wohl der Menschen letztlich gleichgültig ist und sie aus egoistischem Interesse handeln.
Die Ursache für die hier aufgezeigte Problematik ist, dass das kapitalistische Denken nur die Versorgung des Einzelnen, nicht aber das Wohlergehen des Kollektivs einschliesst und dass die Besitzenden die Besitzlosen durch Missbrauch christlicher Normen noch besser ausbeuten können. Erst die Fähigkeit zur moralischen Rücksichtslosigkeit ermöglicht Shui Ta, seine Mitmenschen zu missbrauchen und auszunutzen, indem er sie als billige Arbeitskräfte in seiner Fabrik einstellt. Doch Shui Ta ist nur ein kleiner Teil des machthungrigen Systems, in welchem Menschlichkeit, wie sie die Götter fordern, nur noch als Mittel zum Zweck dient.
„Der gute Mensch von Sezuan“ hat uns auf diese heute noch aktuelle Problematik aufmerksam gemacht. Uns erscheint es beinahe unmöglich, für dieses Problem eine Lösung zu finden, obwohl dessen Ursachen bekannt sind. Wir erachten es als unbedingt notwendig, dass der Mensch auch seine eigenen Bedürfnisse achtet, um sich selbst zu schützen und seine Existenz zu sichern.
Dieses Parabelstück ist insofern empfehlenswert, als dass es einfach und verständlich geschrieben ist und trotzdem vieles in uns zu bewirken vermag. Während der Lektüre fühlten wir uns in die Handlung miteinbezogen, litten und freuten uns mit den Figuren. Da das Stück aber in erster Linie für das Theater konzipiert wurde und deshalb viele Regieanweisungen und Anmerkungen des Autors enthält, wurde unser Lesefluss manchmal gebremst. Doch es enthält viele Gedankenansätze, aus welchen wir auch etwas für uns selbst lernen können. Denn Sezuan ist überall auf der Welt ...
Sarah Job & Gianina Toller
Bündner Kantonsschule, Chur
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Können wir in einer kapitalistischen Gesellschaft gut sein?, 30. November 2004
Rezension bezieht sich auf: Der gute Mensch von Sezuan (Suhrkamp BasisBibliothek) (Taschenbuch)
Genau diese Frage wirft der Autor Bertolt Brecht in diesem Theaterstück auf. Drei Götter reisen ins ferne Sezuan, um einen durch und durch guten Menschen zu finden. Nach langem Suchen stoßen sie auf die Prostituierte Shen Te, die mehr an ihre Mitmenschen als an sich selbst denkt. Um Shen Te zu unterstützen, lassen die Götter ihr Geld zukommen, mit der sie einen kleinen Tabakladen kauft. Immer noch möchte sie den Ärmsten helfen und kommt dabei in arge finanzielle Probleme. Zudem erhält sie von den Menschen keine Dankbarkeit, nein, sie wird sogar noch ausgenutzt. Aus dieser ausweglosen Situation heraus kreiert Shen Te die fiktive Person Shui Ta, der das genaue Gegenteil von ihr darstellt. Er ist ein richtiger Kapitalist, er interessiert sich primär für seine eigenen Interessen und nutzt die Menschen zu seinem Vorteil aus. Doch er hat Erfolg und so kommt Shen Te zunehmend in den Konflikt zwischen ihren beiden Hälften.
Aus dieser Personkonstellation heraus entwickelt sich dann ein interessantes Stück, das ein Beispiel für Brechts "episches Theater" darstellt. Die Sprache ist relativ einfach gehalten, so dass man das Stück gut durchlesen kann. Alles in allem also Stoff, der zum Denken anregt. 4 Punkte deshalb von mir.
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zweifel an der Utopie einer gerechten Welt, 9. Oktober 2002
Es gibt ein Problem auf der Welt: Niemand kann es sich leisten, auf Dauer ein guter Mensch zu sein. Man würde zugrunde gehen. Egoismus ist eine Überlebensfrage. Um dies zu widerlegen, wird in diesem Drama einen guter Mensch gesucht. Brecht zeigt diesen guten Menschen nun mit brillanter Ironie in einer gespaltenen, schizophrenen Rolle, einer Doppelrolle: Shen Te, die nicht Nein sagen kann, die den Armen und Notleidenden zu helfen versucht, sieht sich ausgenutzt und vom Scheitern bedroht. Deshalb verkleidet sie sich als Shui Ta. Dieser Shui Ta, der "Vetter", trifft die harten Entscheidungen, vertritt das eigene Interesse, sichert die Existenz. Es stehen sich also gegenüber: Großzügigkeit, Naivität, Mitgefühl, Sensibilität, Solidarität bis zur Selbstverleugnung, und auf der anderen Seite Egoismus, rationales Denken, Abgrenzung, realistische Distanzierung ohne soziale Schuldgefühle. Brecht zeigt, wie der materielle Erfolg von der letzteren Einstellung, also von einer gewissen Kälte abhängt, und wie aus materiellem Erfolg unternehmerisches Denken bis an die Grenze der Ausbeutung entsteht. Nicht Gut und Böse stehen sich also gegenüber, sondern Solidarität und Brutalität. Die stärkste Szene: Ein hungerndes Kind fischt im Mülleimer - Shen Te hält das Kind ins Publikum und klagt an: So gehen die Menschen mit den Kindern der Menschheit, also mit sich selbst um. Am Ende sagt Brecht, er sehe selbst betroffen den Vorhang zu und alle Fragen offen. Betroffenheit ist die Konsequenz des Stückes - weil der Konflikt zwischen Solidarität und mitleidlosem Eigeninteresse in einer materiell unsicheren Welt unauflösbar ist. Klarer und schärfer als seinen anderen Dramen formuliert Brecht hier den Zweifel an der Möglichkeit humaner Verhältnisse. Es gibt für die Menschheit keinen einfachen Weg zu einer Welt des sozialen Miteinanders.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wie gut/schlecht ist diese Welt?, 20. Mai 2003
Bertolt Brechts "Guter Mensch von Sezuan" beschreibt die aktuellen Zustände auf dieser Welt. Drei Götter kommen auf die Erde, um nach guten Menschen zu suchen. Die Einzige, die jedoch bereit ist, die Götter für eine Nacht bei sich aufzunehmen, ist eine Prostituierte, die dafür sogar ihre eigenen Bedürfnisse hinten anstellt. Ursprünglich hätte sie eine Freier zu Besuch, der ihr ihre Monatsmiete finanzieren sollte, doch da sie immer noch genug Ehrfurcht vor den Göttern hat, versteckt sie sich vor ihm. Zum Dank bekommt sie von den Götter Silber, um siech einen kleinen Tabakladen kaufen zu können und so auch den Armen zu helfen und gütig zu sein. Doch diese Großzügigkeit wird schnell von den anderen durchschaut und gründlich ausgenutzt. Ohne externe Hilfe wäre sie nicht einmal einen Tag über die Runden gekommen, da jeder versucht, das meiste aus ihrer Freigebigkeit für sich selbst herauszuschlagen. Die Verhältnisse, die die Götter in Sezuan vorfinden, sind auf jeden anderen Ort zu übertragen. Jeder Einzelne von uns weiß, dass man wirtschaftlich denken muss, um ein Unternehmen zu führen, doch in diesem Buch stellt sich die Frage: ist das eigentlich nicht hinterhältig? Hier finden sich außerdem alle möglichen Verhaltensweisen von Menschen, aber nur eine ist wirklich gut. Mit der Zeit merkt der Leser, wie weltfremd diese Götter geworden sind, die hier die Erde besuchen. Sie verstehen nichts von Geschäften und glauben auch nicht, dass diese wichtig sind, um überleben zu können.
Sollte es wirklich nur einen guten Menschen in Sezuan geben? Und: wie kann dieser eine Mensch in einer Gesellschaft überleben, die aus Schmarotzern und Hilfebedürftigen besteht? Ist ganz Sezuan gottlos geworden?
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Guter Mensch in einer schlechten Welt, 14. Januar 2000
Von Ein Kunde
In dem Parabelstück von Bert Brecht geht es darum, ob es noch gute Menschen gibt auf dieser Welt. An einem Abend kommen drei Götter nach Sezuan, die ausgezogen sind, um einen guten Menschen zu finden. Damit wollen sie beweisen, daß die Welt nicht so schlecht ist, daß niemand auf ihr gut bleiben könne. Sie begegnen dem Wasserverkäufer Wang, doch schon die Suche nach einem Nachtquartier gestaltet sich schwierig, denn niemand will die Götter aufnehmen. Erst die arme Prostituierte Shen Te verzichtet auf den nächsten Kunden, der ihr das unentbehrliche Mietgeld gebracht hätte. Von dem Geld, daß ihr die Götter am nächsten Morgen geben, kann sie sich einen Tabakladen kaufen, und wird von nun an so ausgebeutet, so daß sie gar nicht gütig bleiben kann. Die Frage stellt sich, ob diese Parabel auch auf uns zutrifft? Brecht wählte absichtlich China als Handlungsspielort, denn dort gibt es sowohl fortgeschrittene Technik, als auch noch Götter, jedoch dienten die chinesischen Namen wie vergleichbare exotische Bezeichnungen in anderen Stücken Brechts, hauptsächlich der Verfremdung, die nötig ist, um „etwas zum Verständnis zu bringen" (Schriften zum Theater, 3) Letztenendes ist Sezuan gar nicht so weit weg! Und das Ende der Geschicht'?
„Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen Den Vorhang zu und alle Fragen offen. ... Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluß! Es muß ein Guter da sein, muß, muß, muß!" (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brechts bedeutendstes Drama - noch immer aktuell, 5. Juli 2008
Denkt man an Brecht, spricht man über Brecht, so ist es vor allem seine Lyrik, an die man sich erinnert, die seine literarische Größe ausmacht - Brecht, der "Jahrhundertlyriker", "der" Dichter des 20. Jahrhunderts. Zurecht wird er als großer Lyriker, zurecht gar - trotz Benn und Rilke - als größter des vergangenen Jahrhunderts gefeiert. Über Brechts dramatisches Werk allerdings wissen nur einige Wenige Bescheid - und wenn doch, so ist es vor allem die "Dreigroschenoper", die den meisten geläufig ist. Der Rest sei ja sowieso "sozialistische Propaganda", sowieso "ideologisch verbrämt" - und schon hat man sich die Legitimation geschaffen, Brechts dramatisches Werk nicht kennen zu müssen - anachronistisch sei es, von der Geschichte längst wiederlegt.
Zweifelslos gibt es solche Stücke in Brechts Werk, zweifelslos gibt es einige Dramen, die heute enttäuschen und längst verstaubt sind. Trotzdem gilt die Behauptung, Brecht propagiere nur kommunistische Maximen, nicht als Argument, um die literarische Qualität seiner Stücke zu schmälern. Denn nicht das Theater hat Brecht für den Sozialismus instrumentalisiert, sondern vielmehr den Sozialismus für das Theater; er benutzt ihn als Thema, um sich dramatisch entfalten zu können.
Und einige seiner Stücke sind heute noch so lesenswert wird in jener Zeit, als sie geschrieben wurden, vor allem zwei sind hier zu nennen: "Das Leben des Galilei" und "Der gute Mensch von Sezuan".
"Der gute Mensch..." beispielsweise thematisiert den zeitlosen Konflikt zwischen Individualismus und Kollektivismus, Egoismus und Altruismus, zwischen Selbst- und Nächstenliebe, stellt die Frage, wie weit man sich für andere einsetzen kann, ohne sich selbst dabei zu vergessen; wie weit man sein eigenes Wohl in den Mittelpunkt seines Handelns stellen kann, ohne dabei das Wohl der Gesellschaft zu missachten. Dss Stück stellt die Frage, ob man ein guter Mensch sein kann, ohne dass einem Hilfsbereitschaft und Guthertigkeit letztlich zum Verhängnis werden. Davon ausgehend zeigt Brecht zudem den Kontrast zwischen Schein und Sein, zeigt die Ambivalenz, die Zwiespältigkeit, die jeden Menschen ausmacht.
Dies alles fügt Brecht zusammen zu einer Parabel, die auch heute, obwohl mögliche Antworten auf die gestellten Fragen natürlich nicht in kommunistischen Thesen zu finden sind, vor allem eines nicht ist: anachronistisch.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wertvolle Literatur, 27. September 2012
Das Stück, eine Parabel, zeigt am Einzelfall des Mädchens Shen Te das allgemeine Gesetz dieser Welt auf, daß es unmöglich ist, "gut zu sein und doch zu leben". Drei Götter durchwandern die Welt auf der Suche nach einem guten Menschen. Sie wollen das Gerücht Lügen strafen, wonach die wirtschaftlichen Bedingungen auf Erden zu unerträglich seien, als daß die Menschen die Gebote der Götter zu befolgen vermöchten."Der gute Mensch von Sezuan" wurde in den Jahren 1938 bis 1940 in der Emigration geschrieben und am 4.2.1943 in Zürich uraufgeführt. Das Stück, eine Parabel, zeigt am Einzelfall des Mädchens Shen Te das allgemeine Gesetz dieser Welt auf, daß es unmöglich ist, "gut zu sein und doch zu leben". Drei Götter durchwandern die Welt auf der Suche nach einem guten Menschen. Sie wollen das Gerücht Lügen strafen, wonach die wirtschaftlichen Bedingungen auf Erden zu unerträglich seien, als daß Menschen die Gebote der Götter zu befolgen vermöchten.

Bertolt Brecht wurde am 10. Februar 1898 in Augsburg geboren und starb am 14. August 1956 in Berlin. Von 1917 bis 1918 studierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München Naturwissenschaften, Medizin und Literatur. Sein Studium musste er allerdings bereits im Jahr 1918 unterbrechen, da er in einem Augsburger Lazarett als Sanitätssoldat eingesetzt wurde. Bereits während seines Studiums begann Brecht, Theaterstücke zu schreiben. Ab 1922 arbeitete er als Dramaturg an den Münchener Kammerspielen. Von 1924 bis 1926 war er Regisseur an Max Reinhardts Deutschem Theater in Berlin. 1933 verließ Brecht mit seiner Familie und Freunden Berlin und flüchtete über Prag, Wien und Zürich nach Dänemark, wo er sich die nächsten fünf Jahre aufhielt. Außer Dramen schrieb Brecht auch Beiträge für mehrere Emigrantenzeitschriften in Prag, Paris und Amsterdam. 1948 kehrte er aus dem Exil nach Berlin zurück, wo er bis zu seinem Tod als Autor und Regisseur tätig war. Der Film Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt? aus dem Jahr 1931 ist in der Filmedition Suhrkamp erschienen.
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5.0 von 5 Sternen Wenn man "gut" sein will als Mensch, berücksichtigt man sich dabei selbst oder muss man anderen gegenüber gütig sein?, 4. November 2010
Von 
Josephine Sterner "Bücher-Liebhaberin" (Hérimoncourt, Frankreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Shen Te ist eine Prostituierte in der chinesischen Ortschaft Sezuan. Ihr wird zu Reichtum verholfen dank drei Götter, die ihr Geld geben, dafür, dass sie sie für eine Nacht bei sich beherbergt. Mit diesem Geld beschafft sie sich einen Tabakladen. Jedoch steht Shen Te bald vor dem Ruin, denn sie kann sich wirtschaftlich nicht weiterbilden, vor allem da sie ein guter Mensch sein möchte, der Arme beherbergt, ihnen Reis schenkt oder sogar so weit geht eine Tat zu bezeugen, die sie selbst gar nicht gesehen hat und Meineid zu schwören. Shen Tes angeblicher Vetter vertritt die Geschäfte für sie, wenn sie nicht gerade auf der Bildfläche erscheint. Im Gegensatz zu ihr ist er knallhart, eiskalt und diszipliniert in Geschäftsdingen. Shen Te verschwindet bald und wird von allen gesucht, ihr Vetter hängt mit ihrem Verschwinden zusammen, denn da ein "guter Mensch" und ein "knallharter Geschäftssinn" nicht miteinander in einer Person fusionieren können, wird alsbald aufgedeckt, was hinter Shen Tes Verbleiben wirklich steckt...

Bertolt Brecht hat hiermit ein episches Werk geschrieben, das sich als Theaterstück auf der Bühne aufführen lässt, jedoch im Vergleich zum klassischen Theater, indem der Betrachter mitleidet und mit der Hauptfigur mitfühlt, bleibt dem Betrachter im epischen Theater eine kritische Distance zum Schauspiel gewährt, die er sich kühn bewahren muss, um sich ein Urteil über die eigentliche Welt und das eigene Leben verglichen mit dem Stück, zu bilden. Diese Parabel von Bertolt Brecht setzt den Fokus auf die verschiedenen Bilder in der Parabel und nicht wie im klassischen Drama auf die verschiedenen Akte mit Exposition, Peripetie, Katharsis etc. Der MOMENT gilt und bringt das Blatt zum wenden und nicht der SCHLUSS des Werks.

Sehr empfehlenswerte Lektüre für Brecht-Liebhaber. Als Schullektüre ebenfalls erforderlich für die Oberstufe, um Unterschiede zwischen Parabeln, Bürgerlichen Trauerspielen, Klassischen Dramen, Antiken Tragödien etc. feststellen zu können.

~Bücher-Liebhaberin~
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lohnt sich Gutsein in einer schlechten Welt?, 4. Juli 1999
Von Ein Kunde
In diesem Parabelstück stellt Brecht diese Frage sehr eindringlich; schon die Wahl seiner Hauptfigur Shen Te, die als Prostituierte arbeitet und die ja für das von den drei Göttern zu erprobende Gut- Sein gar nicht in Frage zu kommen scheint, macht deutlich, daß Brecht den Zuschauer hinter die Kulissen der Gesellschafsordnung schauen lassen möchte.Interessant ist die von Shen Te entwickelte These, der Mensch müsse nur die Chance erhalten, damit sich Gut- Sein lohne. Sie selbst kann den Konflikt zwischen Gut- Sein- Wollen und Überleben- Müssen nur lösen, indem sie in die Rolle eines Vetters schlüpft, der ausschließlich nach wirtschaftlich vernünftigen Gesichtspunkten handelt.Wie immer im epischen Theater wird der Konflikt nicht gelöst, sondern sehr eindringlich an den Leser/Zuschauer weitergegeben: "Es muß ein guter Schluß da sein- muß, muß, muß!" Wer eine ausgezeichnete Bühnenfassung erleben möchte, möge nach Berlin fahren; das dortige "Maxim- Gorki- Theater" bringt dieses Stück zu neuem Leben (Katharina Thalbach in der Hauptrolle!).
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Der gute Mensch von Sezuan (Suhrkamp BasisBibliothek)
Der gute Mensch von Sezuan (Suhrkamp BasisBibliothek) von Bertolt Brecht (Taschenbuch - 28. Juli 2003)
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