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17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unzufriedenheit mit dem Schicksal ist eine der allgemeinen Leidenschaften
Im Jahre 1774 erschien unter dem Titel "Die Leiden des jungen Werthers" der wohl prägendste Text des Sturm und Drang. Eine ganze Generation entdeckte in diesem recht knappen Briefroman das elementare Lebensgefühl der Hemmung angestrebter Persönlichkeitsentwicklung. Und noch weit mehr als das, denn der Jugendroman Goethes ist eine ausgesprochen große...
Veröffentlicht am 11. März 2007 von A. Wolf

versus
8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen eigentlich enttäuscht...
Eigentlich mag ich den Schreibstil von Goethe und Faust (1) hat mir wirklich sehr gut gefallen, aber mit "Die Leiden des jungen Werther" konnte ich mich nicht anfreunden. Vielleicht hat es damit zu tun, dass wir das so oft im Deutschunterricht durchgekaut haben, aber ich konnte den Namen Werther nach einer Zeit einfach nicht mehr hören!
Eierseits finde ich es...
Veröffentlicht am 13. Juli 2011 von Lena


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17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unzufriedenheit mit dem Schicksal ist eine der allgemeinen Leidenschaften, 11. März 2007
Von 
A. Wolf (Wiesbaden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Im Jahre 1774 erschien unter dem Titel "Die Leiden des jungen Werthers" der wohl prägendste Text des Sturm und Drang. Eine ganze Generation entdeckte in diesem recht knappen Briefroman das elementare Lebensgefühl der Hemmung angestrebter Persönlichkeitsentwicklung. Und noch weit mehr als das, denn der Jugendroman Goethes ist eine ausgesprochen große Liebestragödie. Schon bald nach Veröffentlichung grassierte das "Werther-Fieber": Der Text wurde kopiert und parodiert, vielfach illustriert, der Schreibstil der Briefe adaptiert und manch sensible Gemüter verwechselten gar die ästhetische Schönheit der Texte Werthers mit ethischer Schönheit und ahmten den großen Liebesmelancholiker bis in die letzte Konsequenz hinein nach.

Keiner wusste besser als Goethe selbst, wovon er da eigentlich schrieb. Zwei Jahre zuvor, also 1772, hatte es ihm, als er in Funktion eines Praktikanten am Reichskammergericht in Wetzlar arbeitete, die junge Charlotte Buff angetan. Der einzige Haken an der Sache: Charlotte war bereits einem gewissen Johann Christian Kestner versprochen. Goethe wusste seiner Leidenschaft letztlich nur mit Flucht von dort zu begegnen. Wenige Wochen später beging dann in Wetzlar der hochintelligente, sensible, feinsinnige, aber verkannte Gesandschaftssekretär Carl Wilhelm Jerusalem Selbstmord durch Pistolenschuss. Kestner selbst hatte ihm die Pistolen nach dessen Bitte, sie würden zum Zweck einer Reise benötigt, zur Verfügung gestellt. Goethe wusste, wie es in einer melancholischen Seele ausschaut und ahnte, zu welchen Taten eine solche Verfasstheit führen kann.

In der Ausgabe von 1775 stellte Goethe dem Text einen Vierzeiler voran, der das Liebesgefühl in seinem Roman in der Tat bestens pointiert:

Jeder Jüngling sehnt sich so zu lieben,

Jedes Mädchen so geliebt zu sein,

Ach, der heiligste von unsern Trieben,

Warum quillt aus ihm die grimme Pein.

Im Zentrum der Handlung steht das Verhältnis von Werther zu Lotte, einer bürgerlichen jungen Frau. Dass beide eine starke Seelenverwandtschaft miteinander verbindet, wird deutlich, wenn sie in den Gewitterregen blicken und ihnen dabei dasselbe Klopstock-Gedicht in den Sinn kommt. Doch Lotte hält, der bürgerlichen Konvention gemäß, instinktiv an ihrem versprochenen und späteren Mann Albert fest. Werthers Gefühlsüberschwang, der stets mit der Hoffnung verbunden ist, es ginge irgendwie doch noch mit Lotte, kollidiert mit der Aussichtslosigkeit einer Verwirklichung seiner Sehnsüchte.

Er muss erkennen: "Ich habe so viel, und die Empfindung an ihr verschlingt alles; ich habe so viel, und ohne sie wird mir alles zu nichts."

Goethe trifft psychologisch die Liebe mit all ihren hellen und dunklen Farbenspielen sehr gut. Dem Leser offenbart sich ein tiefer Einblick in die Gefühlswelt dieses jungen Mannes, der mit seiner Persönlichkeit an der Umwelt scheitert.

Aus heutiger Sicht mag manches, was im "Werther" geschrieben steht, überhöht, unter Umständen gar verkitscht anmuten. Man darf jedoch nicht vergessen, dass zur Entstehungszeit des Textes, Innerlichkeit und echter Ausdruck von Gefühlen als hochmodern galten. Die Empfindsamkeit hatte dem Menschenbild der Moderne, der Aufklärung, die Qualität des Fühlens als grundlegende Eigenschaft hinzu geschrieben. Im Sturm und Drang wurden die Entfesselung des Gefühlsüberschwangs und die Persönlichkeitsentfaltung zu starken Triebkräften - jedoch nur literarisch. Den Zwiespalt zwischen Gefühl und Gesellschaft thematisiert Goethe in seinem Werther, wenn er ihn schreiben lässt:

"Lieber Wilhelm, ich habe allerlei nachgedacht, über die Begier des Menschen, sich auszubreiten, neue Entdeckungen zu machen, herumzuschweifen; und dann wieder über den inneren Trieb, sich der Einschränkung willig zu ergeben, in dem Gleise der Gewohnheit so hinzufahren und sich weder um rechts noch um links zu bekümmern."

Liebe, Liebe und nochmals Liebe in vielen Facetten, Entfaltung und Eingesperrtsein, das sind die Themen im "Werther". Von Goethes Romanen sticht dieser gewiss hervor, da in ihm das aus England bekannte Genre des Briefromans in ein modernes Gewand gekleidet ist, das die Handlung zugleich gut trägt. Die Ästhetik der Sprache ist enorm hoch. Viele Sätze und Passagen passen bestens in Zitaten- und Aphorismensammlungen zum Thema Liebe - und es überrascht nicht, dass sie dort auch zu finden sind. Dieser Roman ist ein Klassiker der Weltliteratur - einer, der des Lesens mehr als wert ist.
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28 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die momentan beste und günstigste Werther-Lesung, 30. Juli 2008
Von 
Scarlett - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Leiden des jungen Werther (Audio CD)
Als Johann Wolfgang von Goethes Briefroman Die Leiden des jungen Werther" 1774 im Zeichen des Sturm und Drang erschien, polarisierte er die Nation.
Während sich die jüngere Generation mit der Absage an die moralisierende Aufklärungskultur identifizierte und ein regelrechtes Werther-Fieber ausbrach, übten Kirche und Bürgertum heftige Kritik an Goethes Roman, der dem Genietypus des Sturm und Drang entspricht. Die Kirche warf ihm vor, den Freitod zu verherrlichen und für den Tod junger Selbstmörder verantwortlich zu sein, die sich auf Werthers Beispiel beriefen. Es kam zu Verkaufsverboten, wie sie etwa von der Stadt Leipzig ausgeführt wurden. In einer Zeit, in der sich überwiegend junge Autoren aus dem Mittel- und Kleinbürgertum gegen die soziale Determiniertheit des Individuums und seiner Gefühle richteten, avancierte der Werther" jedoch trotz einer Gegenbewegung zum Bestseller und brachte seinem Autor europäische Berühmtheit ein.
Der monoperspektivische Briefroman, in dem Goethe seine unglückliche Liebe zu Charlotte Buff verarbeitet, gibt uns einen chronologischen Einblick in die letzten 1 œ Jahre des Protagonisten. Das Werk ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil, der den Zeitraum von Mai-September 1771 umfasst, enthält Briefe Werthers an seinen Freund Wilhelm. Der Ich-Erzähler, der davon träumt Künstler zu werden und seine Heimatstadt beruflich frustriert verlassen hat, berichtet von den Menschen und seinem neuen Leben auf dem Land. Er sucht die Nähe zu der Natur, die für ihn ein Refugium vor der Stadt repräsentiert. Auf einem Ball verliebt sich Werther leidenschaftlich in Lotte. Doch Lotte ist bereits vergeben. Auf das berufliche Unglück folgt nun das private. Lottes Verlobter Albert befindet sich auf einer Geschäftsreise und Werther trifft die junge Frau häufiger. Als Albert von seiner Reise wiederkehrt, freunden sich die beiden Männer zunächst an. Doch Werther wird bewusst, dass seine Liebe aussichtslos ist. Der zweite Teil des Romans (Oktober 1771-Dezember 1772) enthält neben Werthers Briefen den Bericht eines fiktiven Herausgebers, der die letzten beiden Wochen in Werthers Leben mit dem Ziel der Katharsis schildert. Der Protagonist kehrt in seine Heimatstadt zurück, in der er eine neue Anstellung erhalten hat. Doch schon bald sucht er wieder die Nähe zu Lotte, da er sie vermisst. Als sich Lotte und Werther näher kommen, bittet sie ihn jedoch, Abstand zu ihr zu halten. Werther ist zutiefst verzweifelt. Er erschießt sich an seinem Schreibtisch mit der Pistole Alberts.

Das Werther"-Hörbuch aus dem HörGut!-Verlagsprogramm wird von dem renommierten Musik- und Schauspieltalent Marek Harloff gelesen, der durch eine Vielzahl von Fernseh- und Kinoproduktionen einem breiten Publikum bekannt sein dürfte und mit seiner Band TempEau die Charts eroberte. Der Lesung liegt die zweite Werther"-Fassung aus dem Jahre 1787 zugrunde. Harloff, zu dessen Markenzeichen seine einfühlsame Stimme zählt, ist prädestiniert für diese Lesung. Mit Sensibilität und Tiefgang empfindet er gleichsam Werthers Euphorie und tiefsten Schmerz.
Das vorliegende Hörbuch umfasst vier CD's und ist schon alleine aufgrund des hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnisses zu empfehlen. Neben der ungekürzten Lesung enthält es außerdem eine gesprochene Biografie Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832) sowie den Gesamttext inklusive Worterklärungen als computerlesbare PDF-Datei. Marek Harloffs Authentizität und der Taschengeldpreis lassen die Produktion zur momentan besten und günstigsten Werther"-Lesung werden. Besonders für alle Schüler und Studenten, die sich mit der monologischen Form des Werther" abmühen, wird die charismatische Lesung eine große Erleichterung sein.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Typisch Goethe: Faszinierend!, 21. November 2004
Als das Werk vor über 200 Jahren erschien löste es eine Welle der Entrüstung aus, aber auch eine der Begeisterung.
Die "Alten" hätten es wohl am liebsten verboten, die "Jungen" verschlungen die Leiden des jungen Werther.
Warum? Sie konnten sich mit Werther identifizieren, sie konnten seinen jugendlichen Drang und seine Leidenschaft mitfühlen.
Dieses Werk aus Goethes Sturm und Drangzeit begeistert auch heute noch, denn an der Emotionalität der Jugend hat sich nichts geändert. Darum kann man gerade Jugendlichen und Heranwachsenden empfehlen sich den Werther zu Gemüte zu führen.
Dieses in Briefform verfasste Werk zeigt Geothe in der ersten Phase seines Schaffens und die ist auf jeden Fall nicht schlechter als seine "klassische".
Urteil: Sollte man unbedingt gelesen haben!!!
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35 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zeitloses und emotionales Drama, 12. November 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Leiden des jungen Werthers: Leipzig 1774 (Suhrkamp BasisBibliothek) (Taschenbuch)
Johann Wolfgang von Goethe, Die Leiden des jungen Werthers (1774)
Goethe schreibt auf eine sehr emotionale, manchmal sogar mystische, Art, die es vermag, dem Leser einen sehr genauen Einblick in Werthers Gefühlsleben zu geben. Wir verstehen seine Handlungsweisen, weil seine Briefe das Innerste seines Herzens wiedergeben. Sein Herz spielt eine viel grössere Rolle als sein Verstand, und genau das macht ihn so verletzlich gegenüber seiner Umwelt. In einer Zeit des politischen Friedens hat er die Möglichkeit, sein Inneres zu ergründen, was ihm irgendwann zum Verhängnis wird und ihn schliesslich ans Ende seiner Kräfte führt. Er macht sich viele Gedanken, es gibt nichts, was ihn ablenkt, und niemanden, der ihn unterstützt. Obwohl er seine Briefe stets an einen Freund richtet und sie von diesem auch beantwortet werden, wirken sie auf den Leser wie ein Monolog, der Werthers Einsamkeit noch stärker betont. Er ist auf sich allein gestellt, sieht sich als Individuum, das von der eigentlichen Gesellschaft isoliert ist, weil es völlig anders empfindet. Zudem widerstreben ihm die damals in der Gesellschaft noch vorherrschenden rationalen Vorstellungen der Aufklärung. Er handelt nicht aus einer Zweckmässigkeit heraus, sondern weil er etwas empfindet und es in diesem Moment intensiv geniessen will. Dies ist eine Auffassung, die mit derjenigen Alberts, des Verlobten der von Werther geliebten Lotte, nicht zu vereinbaren ist. Werther hat von Anfang an nicht genügend Kraft, Albert als Konkurrenten ernst zu nehmen. Er stellt sich abseits und akzeptiert viel zu schnell die Beziehung zwischen Albert und Lotte. Er kämpft nicht um sie, sondern verliert sich in seinen Gedanken, die schliesslich in völliger Resignation enden. In einer Resignation, die weit über die Liebe hinaus reicht und ihn schliesslich zerstört.
Die unbedingte Liebe zu Lotte verändert Werthers Leben unwiderruflich. Als sie sich kennen lernen, empfindet er überwältigende Liebe, es sind Gefühle, die Lotte auf eine besondere Weise ebenso fühlt. Dies zeigt sich in der gemeinsamen Verbindung zu den Gedichten Klopstocks: Sie zeigt ihnen die übersinnliche Spannung, die ihre Beziehung ausmacht. Als Albert zurückkommt, verschliesst sich Lotte und akzeptiert weiterhin das Heiratsversprechen, das sie ihm gegeben hat. Sie ist eine Frau, die stets an das Wohl anderer denkt und ihre Bedürfnisse hintanstellt. Auch wenn ihre Liebe sicherlich genau so stark ist wie die Werthers, versteht sie es, ihre Gefühle zu verbergen, ihnen nicht so blindlings zu folgen, wie er dies tut. Sie spottet über seine übertriebene Empfindsamkeit, sehnt sich jedoch gleichzeitig danach, selbst so ehrlich sein zu können. Nachdem Werther das Lied Ossians vorgelesen hat, weinen sie gemeinsam und sind in diesem Moment für kurze Zeit, wie schon bei den Gedichten Klopstocks, miteinander verbunden. Lotte würde sich ihren Gefühlen gerne hingeben, sie wird jedoch immer von gesellschaftlichen Zwängen davon abgehalten. Sie verschliesst sich und treibt Werther so in die Verzweiflung. Werther glaubt, dass die Selbsttötung der einzige Weg aus seinen Problemen ist und setzt sich vermehrt damit auseinander. Kurz vor seinem Tod erlebt er einen einzigen Kuss Lottes, der ihn endgültig dazu bringt, sein Leben zu beenden.
Goethe beschreibt die Gefühle Werthers eindrücklich, wir können uns in seine Verschmelzung mit der Natur hineinversetzen und fühlen seine Leiden. Obwohl die Episoden zum Teil sehr ausgeschmückt sind, spüren wir die Aufrichtigkeit, die hinter seinen Empfindungen steckt. Die Fähigkeit Werthers seine Gefühle in Worte zu fassen, wirkt auf uns unterschiedlich: als Frau beeindruckend, als Mann befremdend. Wir spürten die Verzweiflung und die Kraft, die es in Wirklichkeit kosten würde, solche Dinge jemandem mitzuteilen. Die Sprache des Romans reisst einen mit, nicht etwa die Spannung, denn irgendwie ist von Anfang an klar, dass die Geschichte kein gutes Ende nehmen wird. Wir beide gingen auf die Gefühlsschwankungen Werthers ein und empfanden als Leser oft Ähnliches wie im Roman Werther selbst. Natürlich war das nur möglich, weil wir uns auf den Roman und seine Problematik einliessen. Dazu kommt, dass wir jung sind, und Jugendliche reagieren, wie schon zur damaligen Zeit, betroffenener, weil sie noch ähnlicher empfinden. Goethe selbst konnte sich mit zunehmendem Alter bald einmal selbst nicht mehr mit seinem Roman identifizieren. "Die Leiden des jungen Werthers" sind ansonsten jedoch zeitlos, Jugendliche jedes beliebigen Zeitalter können sich in den Roman hineinversetzen, sie empfinden vielleicht auf ähnliche Art und Weise oder erkennen Probleme anderer darin wieder. Der Roman zeigt ihnen, dass sie nicht allein sind mit ihren Problemen.
Die Sicht Werthers gegenüber dem Suizid ist sehr modern, sie fand deshalb im 18. Jahrhundert auch einige Kritiker, vor allem aus dem Umfeld der Kirche. In unserer Zeit versucht man, weniger tabuisierend mit diesem Thema umzugehen, dennoch besteht eine grosse Distanz. Aus diesem Grund beeindruckte uns die Art und Weise, wie Werther über seine Verzweiflung schreiben kann, was zeigt, dass er seine Situation eigentlich genau überdenkt und trotzdem keine andere Lösung findet. Sein Suizid ist überlegt und klar entschieden und steht so ganz im Gegensatz zu seiner sonstigen Handlungsweise. Er will, dass seine vernunftgeprägte Umgebung ihn ernst nimmt, seine letzte Entscheidung soll endgültig sein und niemanden an seiner, durchaus auch bestehenden, Vernunft zweifeln lassen.
Werther schreibt in vielen Metaphern, was uns zeigt, dass er seine Gefühle zu veranschaulichen versucht. Diese Metaphern erleichterten uns oft das Verständnis, weil sie die unsichtbaren Empfindungen Werthers in Bilder verwandeln, die für uns manchmal einfacher nachzuvollziehen sind.
"Die Leiden des jungen Werthers" ist durchaus ein Roman, dem man Sentimentalität vorwerfen kann. Wir empfinden diese Sentimentalität jedoch als angebracht, weil man in der Liebe oftmals selbst dazu neigt. Nimmt man Werther ernst, spürt man seine Aufrichtigkeit, mit der er seine Empfindungen beschreibt, was wiederum gegen übertriebene "Gefühlsduselei" spricht.
Nadja Guggiana & Gian Luck,
Bündner Kantonsschule, Chur
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Absturz, 8. Mai 2004
Werther, ein Intellektueller und Außenseiter, macht eine Erfahrung, die seine Kräfte übersteigt. Eine große, ergreifende und ihn schließlich vollkommen beherrschende Liebe, die aufgrund der Umstände aber unerfüllt bleiben muß. Er versucht, auf die guten Ratschläge seiner venünftigen Umwelt zu hören und sich loszureißen, es gelingt nicht mehr. Der einzig verbleibende Ausweg ist der Tod.
Manche Leute finden Werther lächerlich, übersteigert oder pubertär. Das sind sozusagen „Albert-Argumente" (eine Figur aus dem Buch), die Werthers Erfahrungswelt einfach nicht gerecht werden können, vorgetragen von Menschen, die Intensität und Entgrenzung, ob in der Liebe oder anderswo als unreif oder pathologisch ansehen und stattdessen Mäßigung und Vernunft empfehlen. Doch gibt es Situationen, in denen steht das einfach nicht mehr zur Debatte und gute Ratschläge dieser Art sagen dann vor allem etwas über die Begrenztheit desjenigen aus, der sie äußert. Worum es bei Werther geht, der zu diesem Überwältigtsein fähig ist und dem es zum Verhängnis wird, ist der Sturz einer Seele auf direktem Wege in den Abgrund, in eine Hölle auf Erden, dann - konsequenterweise - in den Tod. Diesen Weg kann der Leser anhand der Briefe Werthers aus seiner Innenperspektive heraus unmittelbar mitverfolgen.
Sprache und Gebräuche des 18. Jh. mögen heute ungewohnt, übertrieben, sogar lächerlich wirken. Von solchen Oberflächenhürden muß man sich frei machen und zum Kern vorstoßen. Die Belohnung ist ein Leseerlebnis von unglaublicher Wucht.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dieses Buch ist ein Freund fürs Leben, 25. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Leiden des jungen Werther. (Broschiert)
In diesem kleinen Reclambüchlein habe ich wirklich ein neues Lieblingsbuch gefunden. An einigen Stellen habe ich böse Schmähungen gelesen: 'eklig' sei die Ausdruckweise von Werther, 'so rede doch heute niemand mehr'.
Meiner Meinung nach verpasst man aber so viel, wenn man dieses Buch nicht liest und ich möchte kurz darlegen warum ich 'Die Leiden des jungen Werther' so empfehle.

In Kurzform zunächst einmal die Handlung:
Der junge Mann Werther lernt auf einem Tanzabend die schöne Lotte kennen und ist gleich fasziniert von ihr. Sie ist allerdings schon fest an Albert vergeben. Werther freundet sich zunächst auch mit diesem an, er kann allerdings seine starken Gefühle zu Lotte nicht unterdrücken und sucht weiterhin ihre Nähe.
Um die Beziehung der beiden nicht zu gefährden, entschließt sich Werther bei Hofe zu arbeiten, dort fühlt er sich als 'Bürgerlicher' jedoch ausgeschlossen und kehrt nach einiger Zeit wieder in die Heimat von Lotte und Albert zurück.
Diese haben in der Zwischenzeit geheiratet, doch trotzdem sind Werthers Liebe und Begehren ungebrochen und er besucht sie täglich. Lotte fühlt sich von seinem Verhalten bedrängt und es kommt zum Eklat als Werther sie an sich zieht und küsst. Lotte reißt sich los und Werther beschließt, dass er seine starke Liebe zu ihr nicht aufgeben kann, er aber auch nicht ihre Ehe zerstören will. In letzter Konsequenz begeht er Selbstmord, indem er sich, mit einer von Albert geliehenen, Waffe erschießt.

Warum ist dieses Buch nun so spannend und wundervoll?
Es ist in Tagebuch-/Briefform geschrieben, die höchstens über eine Länge von zwei Seiten gehen. Man kann sich die Lektüre also wirklich gut einteilen und es auch in kleinen Abschnitten langsam aber sicher lesen.

Dieses Werk enthält soviel herrliche Abschnitte, in denen so viel Wahrheit und Schönheit steckt, dass man sie am liebsten in seinem Herz einschließen möchte. Ein kleines Beispiel: 'Ich begreife manchmal nicht, wie sie ein anderer lieb haben kann, lieb haben darf, da ich sie so ganz allein, so innig, so voll liebe, nichts anderes kenne, noch weiß, noch habe als sie!'

Hier dürfen Männer noch Gefühle zeigen, kein gesimstes 'Hdl', das als Gefühlsausbruch zu deuten ist.

Es ranken sich zwei handfeste Skandale um dieses Buch. Zum einen folgte eine 'Selbstmordwelle' junger Männer auf die Erstveröffentlichung im Jahre 1774, woraufhin Goethe in der zweiten Auflage einfügte, dass man das Buch als Freund ansehen sollte, falls man so fühle wie Werther. Außerdem war die Ausführung des Selbstmordes, aber auch die genaue Beschreibung von Werthers Todeskampf ein Tabubruch.

Natürlich ist es eine andere Sprache, als sie heute gesprochen und geschrieben wird. Man muss sich vielleicht etwas einlesen, aber sind wir wirklich so faul geworden, dass wir nur noch Bücher lesen, die wir sofort sprachlich erfassen können und die beinahe nur aus aneinandergereihten Hauptsätzen bestehen?
Etwas Arbeit ist bei dieser Lektüre erforderlich, aber man wird mit diesem Buch, ganz nach Goethes Wunsch, mit einem Freund fürs Leben belohnt werden.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Man leidet mit dem armen Kerl mit, 8. Januar 2010
Von 
Josephine Sterner "Bücher-Liebhaberin" (Hérimoncourt, Frankreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Leiden des jungen Werther. (Broschiert)
Wie Goethe schon als kleines Vorwort schrieb, kann ich ihm als Leserin nur zustimmen: Man kann in diesem Briefroman einfach nicht umhin mit dem jungen Werther mitzuleiden. Er glaubt Lotte zu lieben, obwohl sie Albert gehört und sich später mit ihm verheiratet. Er läuft ihr dauernd hinterher, versucht sie zu betören und an sich zu nehmen, doch sie kann und will es nicht. Heute würde man sagen, Werther wäre ein Stalker, doch damals gab es den Begriff noch nicht. Ich habe mit der Figur wirklich mitgelitten, als seine Liebe nicht erwidert wurde. Auch wenn es eine Liebe war, die er sich nur eingebildet hat, er hat alles mögliche in Bewegung gesetzt um Lotte zu erobern... bis er merkte, dass er keine Chance mehr hat, unerwünscht ist und sie nichts mehr von ihm wissen will sobald sie mit Albert verheiratet ist; da bringt er sich dann um!

Ein Stück Weltliteratur in Form eines Briefromans aus Goethes Feder entstanden und aufgenommen in die Liste von "Das Buch der 1000 Bücher".

Ich habe es freiwillig gelesen und ein Jahr später in der Schule bearbeitet, es mag für junge Leute so wirken als ob es langweilig geschrieben wäre, doch man muss sich schlichtweg an den Stil Goethes gewöhnen, genauso wie an den Stil von Jane Austen beispielsweise. Es ist nur eine Frage der Übung, des Wissensdurstes und der Liebe zum Lesen.

Von dem her kann ich auch Jugendlichen dieses Buch empfehlen, es ist immerhin so geschrieben, dass ich persönlich während des Lesens tiefste Empathie entwickelt habe.

~Bücher-Liebhaberin~
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19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen unbedingt lesen, 8. Juli 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Leiden des jungen Werther (Broschiert)
Damals in der Oberstufe hatte ich dieses Buch schon einmal gelesen, aber erst jetzt habe ich das Gefühl, zu verstehen, worum es dort letztlich geht. Was in der Schule fehlte, war der geistesgeschichtliche Hintergrund, der für das Verständnis ausschlaggebend ist: der Geniekult des 18. Jahrhunderts. Geschrieben auf dem Höhepunkt dieser Phase (1774) ist es gleichzeitig ein herausragendes Beispiel für dieses "Zeitthema", kritisiert aber auch die möglichen Konsequenzen der Verabsolutierung der Subjektivität und Empfindsamkeit. Werthers subjektive Haltung geht ausschließlich von seinen Empfindungen aus, die die Welt in ihm erregt und pflegt dabei lediglich seine eigene Innerlichkeit (Bedürfnisse seines Herzens). Werther beschwört das naturhafte Genie und will ganz in der Natur aufgehen - ähnlich dem expansiven Element des hermetischen Mythos. Damit verkörpert er eindeutig die Eigenschaften eines "Genies". Hinzu kommt sein Drang, aus allem auszubrechen: Beruf, gesellschaftliche Konventionen und schließlich sein Leben. Doch sein Schicksal ist seine Unfähigkeit. Er ist nicht fähig, die Natur zu malen (was ohnehin nur Mimesis wäre). Werther ist so eine Art Genie, das seiner Kräfte "beraubt" wurde. Er strebt nach etwas, das er nicht erreichen kann. Er ist Goethes gescheiterter Prometheus. Man sollte dieses Meisterwerk der Genie-Äesthetik keinesfalls so eindimensional als "Trostbüchlein" verstehen! Und mehr als ein Mal lesen! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Werthers zeitlose Leiden, 11. April 2005
„Die Leiden des jungen Werther" wirkte für viele Jugendliche, die die Vorbilder aus dem Buch imitierten, beeindruckend und auf alle Leser polarisierend.
Während die meisten Intellektuellen unserer Zeit an der Kritik an der damaligen Gesellschaft den Reiz und die Wichtigkeit dieses Romans ausmachen, interessiert mich der Charakter „Werther" am meisten.
Jemanden wie Werther gibt es im wahren Leben nicht, dennoch scheint er einem seltsam vertraut. In ihm vereinte Goethe drei Qualitäten, nämlich Intelligenz, Emotionalität und pietistische Gottesfurcht. Werther nimmt seine Umwelt anders wahr als andere und verleiht verschiedenen Werten andere Gewichtungen, als es die meisten tun würden. Aufgrund seiner ungewöhnlichen Art findet Werther auch keinen rechten Platz in der Welt. Das Bürgertum ist ihm zu gemäßigt und zu gehalten und um ein einfacher Arbeiter zu sein ist er zu reich und seine Herkunft zu edel.
In seiner tiefen Emotionalität stellt er die liebe zu seiner verheirateten Bekannten Lotte absolut. Alles Weltliche und alle Gedanken müssen sich dieser Liebe unterordnen, was Werther letztendlich auch verzweifeln lässt, da ihm jegliche Rationalität und Selbstbeherrschung fehlt, sich aus seinem eigenen Käfig zu befreien.
Die Thematik dieses Buches ist dennoch zeitlos. Jeder Mensch findet sich irgendwann in einer ähnlichen Situation wieder und es tut gut, zu merken, dass man nicht der einzige ist, der solche Leiden erfahren hat.
Hierzu schrieb auch Goethe selbst einst am 2.1.1824: „[...]es müsste schlimm sein, wenn nicht jeder einmal in seinem Leben eine Epoche haben sollte, wo ihm der "Werther" käme, als wäre er bloß für ihn geschrieben." (Johann Wolfgang von Goethe: Gespräche mit Eckermann. In: Goethes Werke, Band 6, S. 534 f. Ausschnitte)
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Immer noch aktuell, 28. März 2004
Von Ein Kunde
Nachdem ich einen 15-seitigen Hausaufsatz über das Buch geschrieben habe zum Thema "Zeitgebundenheit und Zeitlosigkeit von Literatur, können die Leiden des jungen Werthers einem jungen Menschen heute noch etwas bedeuten", bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Goethes Werk nach wie vor aktuell ist. Mit Sicherheit mag die Sprache ebensowenig angebracht sein wie die historischen Hintergründe des Sturm & Drang (Ständegesellschaft zu dieser Zeit etc.), aber das fortwähren von Gefühlen kann man nicht bestreiten. Und je öfter man das Buch liest bzw. sich mit den Hintergründen befasst, desto mehr versteht man. Am Ende mag ich die Leiden zwar nicht soooo besonders, aber es ist dennoch ein gutes Buch.
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Die Leiden des jungen Werthers: Leipzig 1774 (Suhrkamp BasisBibliothek)
Die Leiden des jungen Werthers: Leipzig 1774 (Suhrkamp BasisBibliothek) von Johann Wolfgang Goethe (Taschenbuch - 27. Juli 1998)
EUR 5,50
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