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4.0 von 5 Sternen Scharf beobachtet und im Wortgefüge einzigartig Adorno., 18. Dezember 2001
Rezension bezieht sich auf: Eingriffe. Neun kritische Modelle (Taschenbuch)
Buchbesprechung
Erfahrungen und Erinnerungen waren die Werkzeuge, die Theodor W. Adorno bei seinen Betrachtungen oft benutzte. Wem es ähnlich ergeht oder gar schon von der Beobachtungskunst Adornos profitiert hat, wird das Buch gewinnbringend lesen.
Das vorliegende Buch: "Eingriffe: Neun kritische Modelle" enthält mehrere Vorträge, unter anderem eine Rede Adornos, die er im Frankfurter Studentenhaus hielt. Um ein weiteres Beispiel zu nennen, seien die vom hessischen Rundfunk übertragenen Vorträge erwähnt. Des weiteren Arbeiten aus seinen Studien, die er, in der Zeit als wissenschaftlicher Leiter der Hacker Foundation, erhob.
Eine wahre Themenvielfalt tut sich in den Essay-ähnlichen Modellen auf. Bemerkenswert ist Adornos Schreibstil, der sich der Thematik anpasst. Die ersten zwei `Eingriffe' könnten bei Akademiker und Studenten Beachtung finden und zwar bei denen, die Interesse an spezielle Schwierigkeiten eines Lehrstuhls für Philosophie zeigen. Adorno gewährt Einblicke in seine Gedankenwelt und legt persönliche Erfahrungen als Hochschullehrer offen.
Doch im Vorwort ist auch die Rede von `unakademischen Komplexen'. Diese Arbeiten entstanden während seines Exils in Amerika. Seine Eindrücke und Beobachtungen wären von einer anderen Person nicht in gleicher Weise erfahrbar, weil er sie vor dem Hintergrund seiner Erfahrung (Beispiel: Kindheitserfahrungen im Urlaubsort Amorbach) als einzigartig wahr genommen hat. Oder um es einfacher zu beschreiben, Niemand konnte so begreifen wie er, denn niemand war wie er. Da ging es ihm wie jeden. Leise impliziert Adorno auch in diesem Buch, dass er einer der wenigen Menschen ist, die die Dinge so sehen wie sie sind.
Weil er sich mit der amerikanischen Kultur vor seiner Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland der dreiziger Jahre noch nie beschäftigt hatte, gewinnen seine Beobachtungen die seltene Qualität eines objektiven Neuankömmlings. Doch kamen bald berechtigte Zweifel an der Kunst und dem Musikwesen Amerikas auf, die kritisch in seinen Werken spiegeln.
Plötzlich fand sich Adorno in einem Land wieder, wo man seinen Lebensunterhalt hervorragend damit verdienen konnte, beispielsweise das Verhalten der Fernsehzuschauer zu erforschen. Es war als träumte er den amerikanischen Traum, doch Adorno schlief nicht...
Der Titel seiner - zuerst im amerikanischen Sprachraum erscheinenen - Arbeit lässt sich in einer inhaltlicher Lesart etwa mit: "Wie man TV schauen sollte" übersetzen. Provokanter und nicht simplifizierend ist da schon der deutsche Titel: "Fernsehen als Ideologie" zu verstehen. Diese Arbeit, dem ein "Prolog zum Fernsehen" vorausgeht und daher zusammengelesen werden will, könnte man als Ratgeber begreifen. Adorno entdeckt hier `versteckte Botschaften' - ähnlich der heutigen Werbung für das Unterbewusstsein.
Vor fast fünfzig Jahren geschrieben, hat das Buch an Aktualität nichts verloren - im Gegenteil. Das Amerika der `50er Jahre des letzten Jahrhunderts war nicht ohne weiteres auf das damalige Deutschland übertragbar. Diese Rückständigkeit hat Deutschland im neuen Jahrtausend bedauerlicherweise aufgeholt. Nun hetzt die BRD mit zwei bis drei Jahren verspätung dem konsumorientierten Amerika hinterher. Persönlich empfand ich deswegen das fünfte und sechste Modell als `Augenöffner'.
Abschliessend wäre zu raten: Adorno lesen und bewusster, Metaebene-artig Fernsehen.
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Eingriffe. Neun kritische Modelle
Eingriffe. Neun kritische Modelle von Theodor W. Adorno (Taschenbuch - 29. September 1996)
Gebraucht & neu ab: EUR 2,98
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