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78 von 84 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gut, aber zu kurz...
Ich hab das Buch, so weit ich konnte, in einem Rutsch durchgelesen - und dort mehr Wahrheiten über die aktuelle Lage unserer (Medien-)Gesellschaft und Politik auf den Punkt gebracht gefunden als in so gut wie jeder anderen Veröffentlichung mindestens der letzten Jahre, ob in Printform oder im Netz. Der entscheidende Unterschied zu allen anderen...
Veröffentlicht am 22. Juli 2011 von Antiart

versus
31 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Inhaltlich wie vom Umfang her aufgeblähtes Buch ohne neue Message
"Blödmaschinen - Die Fabrikation der Stupidität" ist sicher ein gut geschriebenes Buch von zwei Autoren, die sich in der Philosophie und den Geisteswissenschaften sehr gut auskennen. Dennoch fragt sich der Leser nach der Lektüre, was soll das alles? Auf 770 Seiten wird mit einer philosophischen aufgeladenen Sprache und mit einigen Redundanzen doch nur...
Veröffentlicht am 12. Januar 2012 von Andreas Schmidt (Media-Mania)


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78 von 84 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gut, aber zu kurz..., 22. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Blödmaschinen: Die Fabrikation der Stupidität (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
Ich hab das Buch, so weit ich konnte, in einem Rutsch durchgelesen - und dort mehr Wahrheiten über die aktuelle Lage unserer (Medien-)Gesellschaft und Politik auf den Punkt gebracht gefunden als in so gut wie jeder anderen Veröffentlichung mindestens der letzten Jahre, ob in Printform oder im Netz. Der entscheidende Unterschied zu allen anderen Veröffentlichungen zum Thema ist, daß die Blödheit hier nicht als bloßes Doofsein (über das man sich, vor allem als "gebildeter" Blödmann, gern und leicht erhebt) oder als monokausaler Medieneffekt beschrieben wird, sondern wirklich als "Maschine", also als komplexe Struktur, bei der alle Beteiligten auf ihre Art mit drin hängen, die blöden Journalisten und Fernsehfritzen genauso wie die blöden Leser und Zuschauer, die blöden Dozenten genauso wie die blöden Studenten, die Twitterer wie ihre Follower usw.. Natürlich ist das Buch lang, vielleicht zu lang, aber unsere Gegenwart ist eben auch ZIEMLICH blöd, vielleicht auch schon zu blöd, um ihre eigene Analyse ertragen oder auch nur wahrnehmen zu können. Es ist ja auffällig, daß ein Buch, das in Netzkommentaren mit Bourdieus "Feinen Unterschieden" verglichen wird und das offenbar (wenn ich das Impressum von meinem Exemplar richtig lese) nach kurzer Zeit schon in der dritte Auflage ist, in dieser Gegenwart nicht öffentlich wahrgenommen werden kann, in keinem größeren Feuilleton erwähnt wird, geschweige denn im Fernsehen, nirgendwo. Und das, obwohl es bei einem prominenten Verlag erschienen ist. Q.e.d.
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Radikaler Essay, 2. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Blödmaschinen: Die Fabrikation der Stupidität (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
Ich lese nun seit einigen Wochen an diesem Buch. Lasse Kapitel um Kapitel auf mich wirken. Mache dazwischen Pausen, lese andere Dinge, lese Romane, freue mich dann wieder auf ein Kapitel in der "Blödmaschine". Aktuell bin ich im letzten Drittel des Buches: Für mich ist es die luzideste Gegenwartsanalyse, die ich kenne. Ein langer, immer wieder abschweifender Essay, der unter anderem erklärt, warum der größte Blödsinn in den Medien den größten Erfolg hat, warum immer mehr Leute in Trachten und Pseudotrachten herumlaufen, warum Sportveranstaltungen die Massen anziehen, und warum es letztlich aussichtlos ist, gegen die Hydra der Blödheit kämpfen zu wollen.

Ich gestehe, passagenweise steige ich bei diesem Buch nicht durch - vor allem bei den Kapiteln über die Lalen konnte ich der Argumentation einfach nicht folgen. Aber insgesamt bringen die Autoren dermaßen viele Phänomene unserer Lebenswelt(en) so haarscharf auf den Punkt, dass es einfach erleichternd ist, einfach einmal nur die bzw. eine Wahrheit zu lesen - ohne den Schleier, den Werbung, Konsum und Wirtschaftswahnsinn in den letzten Jahrzehnten über unser Leben gelegt haben. Natürlich richten sich viele Aussagen der Autoren gegen den Neoliberalismus - ein Vorwurf, der dem Buch in vielen Besprechungen gemacht wird: Dass es so schnell beim Anti-Neoliberalismus lande. - Aus meiner Sicht ein Scheinargument, um die umfassende und tiefgreifende Kritik von Seeßlen & Metz mit einem oberflächlichen Schlagwort schnell einmal zu entkräften, damit man sich mit den Argumenten, die auf Kultur, Medien, Lebenswelten insgesamt abzielen, nicht weiter auseinandersetzen muss. Denn das ist für mich eine der großen Qualitäten des Buches: Dass es zu umfassend gedacht ist, um in einer Schublade Platz zu haben. Dass es nicht "konsumierbar" und auf zwei, drei mundgerechte Aussagen reduzierbar ist, wie der dumpfe Meinungseinheitsbrei, der sonst so gern mit Kritik verwechselt wird und von dem die Zeitungen voll sind.

Die Mühe des Lesens lohnt sich auf jeden Fall: Für mich sind die "Blödmaschinen" der erhellendste kulturphilosophische Essay überhaupt, um das Leben in Mittelwesteuropa zu verstehen. Wenn ich es fertiggelesen habe, werde ich von vorne beginnen.
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aufforderung zum Denken, 8. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Blödmaschinen: Die Fabrikation der Stupidität (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
Um mal allen Leuten hier zu widersprechen, denen schlicht der akademische Habitus im Buch fehlt - um die richtigen Dinge zu benennen, müssen sie
1. weder neu sein
noch
2. in akademisch verklausuliertem Sprech formuliert sein.

Man merkt den Autoren die seriöse Wut und Verzweiflung an, die sie beim Schreiben antreibt. Das ist für mich ein klares Plus. Das ist ein aus ehrlichem Denken entstandenes Buch und ich kann nur jedem empfehlen, es zu lesen - und vorher die "Oh! Wissenschaftliches Denken muss aber so und so aussehen" - Brille abzusetzen.
Dann eröffnet sich eine absolut treffende Analyse der "Blödmaschinen", die über Bild-Zeitungs-Bashing deutlich hinausgeht.
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31 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Inhaltlich wie vom Umfang her aufgeblähtes Buch ohne neue Message, 12. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Blödmaschinen: Die Fabrikation der Stupidität (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
"Blödmaschinen - Die Fabrikation der Stupidität" ist sicher ein gut geschriebenes Buch von zwei Autoren, die sich in der Philosophie und den Geisteswissenschaften sehr gut auskennen. Dennoch fragt sich der Leser nach der Lektüre, was soll das alles? Auf 770 Seiten wird mit einer philosophischen aufgeladenen Sprache und mit einigen Redundanzen doch nur erklärt, dass Hollywood, Bildzeitung, RTL II und co. nur Dummheiten produzieren und die Menschen das Denken verlernen. Was ist neu an diesem kulturpessimistischen Standpunkt? Was weiß der durchschnittlich geisteswissenschaftlich gebildete Leser nach der Lektüre, was er nicht auch schon vorher wusste?

Sicher, die Texte bieten an vielen Stellen durchaus interessante Fakten und stellen auch bedenkenswerte Zusammenhänge her. Aber der Eindruck bleibt insgesamt doch bestehen, dass hier nur versucht wurde eine unter Akademikern sehr verbreitete Medienkritik künstlich aufzublasen, sowohl mit einem Überschuss kritischer Philosophie wie auch mit einem massiven Überschuss an Textseiten.

Kritisch ist auch zu sehen, dass die Autoren ihren eigenen ideologischen Standpunkt wie selbstverständlich als Analyseansatz heranziehen. So führen sie das Buch beispielsweise mit einer ökonomischen "Analyse" der "Blödmaschinen" ein. Diese Analyse erschöpft sich darin, dass die Unterhaltungsindustrie wie alle anderen Branchen unter kapitalistischen Bedingungen von einem tendenziellen Fall der Profitrate betroffen sind. Dies mag ja aus marxistischer Sicht korrekt sein, ändert aber doch nichts daran, dass hier vielleicht für das Verständnis und einer wirklich tiefgehenden Analyse der Zusammenhang zwischen den "Blödmaschinen" und dem Kapitalismus ein wenig eingehender hätte untersucht werden sollen.

Dann hätte sich vielleicht auch eine interessante und neue Perspektive auf das Problem Unterhaltungs- und Informationsindustrie ergeben, die dem Buch eine Struktur hätte geben können, und dem Leser einen Erkenntnisgewinn. So bleibt ein Text mit hochtrabender und doch nur polemischer Begriffswahl, der zwar einige interessante und unterhaltende Fakten und Zusammenhänge herausarbeitet, aber insgesamt die 770-Seiten-Lektüre kaum lohnt.
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20 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Als gewohnter Krimileser komme ich an meine Blödheitsgrenzen;-), 29. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Blödmaschinen: Die Fabrikation der Stupidität (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
Erstaunlich für mich, auf welchem Niveau dieses Buch in den Kommentaren besprochen wird: "in einem Stück durchgelesen", "hält wisenschaftlichen Ansprüchen" nicht stand. Kompliment oder Verblüffung. Wer nicht über ein ausgeprägtes, wissenschaftliches und analytisches Wissen verfügt, könnte mit diesem Werk (welches ich schätze) Schwierigkeiten bekommen.
Ich habe mir dieses umfangreiche Werk in kleinen "Happen" erarbeitet,auch nicht chronologisch sondern nach thematischem Interesse. Die witzige Sprache + die genauen Beobachtungen sind die eine Seite des Werkes.Die andere besteht aus einem Fachjargon mit komplexen (soziologischen) Analysen.Es sind halt 780 ! eng bedruckter Seiten über den Blödheitsstand in unserer Gesellschaft. (Das Layout ist in bester Suhrkamptradition eine Bleiwüste;-) Im Prinzip bevorzuge ich inzwischen Krimis gegenüber derartigen Analysen. Daher spricht dieser Kommentar nur über meinen inneren "Blödheitszustand". Aber vielleicht gibt es auf dieser Welt noch mehr Krimileser, die - aus einer linken Ecke kommend - sich dieses Buch schon zulegen wollen, es lohnt sich. Allerdings sind die hiermit vorgewarnt.;-)
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13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft, 11. Dezember 2011
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Blödmaschinen: Die Fabrikation der Stupidität (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
"Menschen sind merkwürdige Wesen. Sie verfügen über ein hoch entwickeltes Denk- und Wahrnehmungsvermögen und können ihre Umwelt vom fernsten Stern bis zum kleinsten Atom präzise vermessen. Wenn es aber um die eigene Person geht, sind sie für das Offensichtlichste blind. Dann scheinen all ihre kognitiven Fähigkeiten nur dazu dienen, sich die Wahrheit schönzureden."

Was Ulrich Schnabel hier richtig konstatiert, ist die Folge einer Maschinerie, die nach den beiden Autoren dieses Buches von Einzelnen zur Gesellschaft sich als das fabrizierte Blöde entpuppt. Eine Maschine ist eine Gerätschaft größeren Zusammenhangs von Einzelteilen und deren wirksame gegenseitige Beeinflussung zum Nutzen ihrer ihr immanenten Eigenschaft. Eine Gesellschaft wirkt als Staat, dieser auf die Gesellschaft; ihre Individuuen auf eine Regierung und diese zurück auf die Einzelnen, die Gruppen und deren Anliegen. In allem wirkt wechselseitig der Anspruch, Wahrnehmung, Schlussfolgerung und Kommunikation zu beherrschen und in der Gesellschaft zwischen den Menschen zur Eintracht zu verhelfen. "BILD Dir Deine Meinung" ist so eine wechselseitige Bestimmung, die vom Medium auf den Einzelnen wirkt und dieser Einzelne bei Anerkennung einer eigenen Meinung diese bereits bei BILD vermutet. Der maschinelle Reflex zwischen Sehen und Schließen reduziert das Sehen auf das Ab-Sehen eigener Schlussfolgerungen und damit auf die Sicherheit, auf weitere Erklärungen verzichten zu können, weil man ja bereits im BILDe ist.

Diese Maschinen (Fernsehen, Presse, Theater, Kino, insbesondere Werbung und sonstige Ablenkungsmanöver vom Leben) sind die Produktionsstätten der Blödheit, wie die beiden Autoren uns glaubhaft machen, und sie sagen auch, dass sie, die Blödheit, als Genussware medial auf den Markt kommt. Auch nach der Analyse der Schreckensbotschaften, an der allgemeingültigen Blödheit sozialisiert teilnehmen zu müssen, schreckt der Leser nicht voller Argwohn zurück. Vielmehr scheint die alte Weisheit zu gelten, dass es grauenhafter als die Apokalypse ist, nicht an ihr teilzunehmen.

Dummheit erzeugt x und x erzeugt Dummheit, das ist die Erzählung und das dazugehörende Bild. Ein Kreislauf ohne Unterbrechung bis auf dieses Buch über die Fabrikation der Stupidität, in der nun klar wird, dass der Punkt der luziden Klugheit für einen Augenblick zur Erkenntnis just jener Beanstandung reicht, aber eben zu sternschnuppenhaft bleibt, um aus der Erkenntnis Handeln abzuleiten.

Als Beispiel dienen immer die Politik, der Kapitalismus und die darin liegenden Krisen überhaupt. Ortega schrieb in: Der Aufstand der Massen, dass das Untergangsgefühl Europas eine rein subjektive, in sich widerspruchsvolle Ursache habe. Der Wahn, dass es bergab gehe, gerade daran liege, dass die Fähigkeiten gewachsen seien und nun an die Grenzen einer alten Organisation stoßen, in die sie nicht hineinpassen. Betrachtet man die geistige Situation unserer Zeit, sollte ein Blick auf Karl Jaspers gleichnamiges Werk nicht fehlen. Für ihn war klar, dass die Zunahme der Denkenden und der in in den Fragen Stehenden über die Bedrohung unserer geistigen Welt nach dem Kriege zunahm. Aber er hielt dieses Thema auch nicht für fixierbar, weil es sich bereits mit den Gedanken verwandelt. Damit liegt es klar, dass das Erregende dieser Gedanken, wie sie hier von Metz und Seeßlen aufbereitet wurden, nicht in ihrer Analytik, sondern in der Beantwortung der Frage liegt: Was wird aus der Erkenntnis? Jeder weiß, dass der Weltzustand, in dem wir leben, nicht endgültig ist.

Diese treffende, wenn auch langatmige und durch Polemik interessant gemachte Gegenwartsbeschreibung ist nicht mehr und auch nicht weniger, als ein Beispiel der angebrachten Kritik gegenüber der Gesellschaft mit ähnlichen Mitteln, deren Teil sie ist und deren Gegenpart sie braucht für ihre mediale Beeinflussung. Einzig das Medium BUCH scheint sich abzuheben vom Medium BILD, weil es nur die trifft, die nicht in der a priori vermuteten Randlage der Gesellschaft leben. Nur dort, so die Autoren, verwandelt sich Blödheit in die sichtbare Gefährdung öffentlicher Räume.

Vielleicht greift einfach Polemik auch zu kurz. Denn welche Alternative bieten die beiden? Nach all der Durchsicht anderer Rezensionen und der gesamten Analyse bleibt es bei einer Gegenwartsbeschreibung. Darüber hinaus bleibt es bei der Erkenntnis jedes Einzelnen, sich wieder in die Sorge um sich zu begeben. Es ist diese alte antike Botschaft, die Foucault so bereitwillig aufgriff für seine Idee der Gegenwartsgestaltung. "Einem anderen gehöre nicht, wer sich selbst gehören kann", sagte der Fabulierer großer Wahrheiten Äsop. Und der von Metz und Seeßlen häufig angesprochene "öffentliche Raum" ist jener, den Hannah Ahrendt gern wieder in den Mittelpunkt rückt zur menschlichen direkten Kommunikation im "vita activa". Der Aufruf gilt, sich fernab aller Dummheit die Fähigkeit zu bewahren oder neu anzueignen, die Folgen der eigenen Handlungen zu erwägen. In dem man die Blödmaschinen durchschaut, entwertet man ihre Macht, wie in einem Rilke Sonett so passend formuliert: ("alles Erworbne bedroht die Maschine, solange / sie sich erdreistet, im Geist, statt im Gehorchen, zu sein"). Dieses mag verständliche und ernstzunehmende Botschaft sein im Zeitalter des Unsinns von Kontrolle, Coaching und Casting und der allabendlichen talk-belasteten Therapieversuche aus der (Fernseh-)Anstalt. Der Soziologe Georg Simmel (Philosophie des Geldes) formulierte es so: "Der Mangel an Definitiven im Zentrum der Seele treibt dazu, in immer neuen Anregungen, Sensationen, äußeren Aktivitäten eine momentane Befriedigung zu suchen."

Aber die Evolutionsbiologie mit Robert Trivers ("Wir sind Lügner durch und durch.") untermauert neuerdings, dass derjenige, der Erfolg haben will, sich für besser, klüger und schöner zu halten habe, als er tatsächlich ist. Die Blödmaschine für den Hausgebrauch - ein Ziel der Evolution, auch sich selbst auf den Leim zu gehen? "Der Intellekt [...] ist so lange frei, wie er täuschen kann, ohne zu schaden und feiert dann seine Saturnalien".(Nietzsche)

Durchaus lesenswerte Analyse mit viel Witz und Esprit.
~~
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unser Verhalten ist blöd, 25. März 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Blödmaschinen: Die Fabrikation der Stupidität (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
Dieses Buch beschreibt in eindrucksvoller Sprache unser zwischenmenschliches Verhalten:
wie werden die Eingangsgrößen beeinflusst?
woher kommen die Störgrößen?
was bezweckt das von außen wie von innen konditionierte Verhalten?
Die eindrucksvolle Herleitung, wie wir zu der kopfschütteln machenden Interaktion mit unseren Mitpersonen(-menschen, -leuten, ...) kommen, versetzte mich in zustimmendes innerliches Grinsen.
Die Lächerlichkeit unserer Wünsche, das japsende Rudern nach vermeintlicher Bedeutung wurde schonungs- und emotionslos zu Tage gefördert.
Wir individuellen Blödfrauen und -männer irren in einem Urwald von Blödmaschinen (Medien, Politik, Wirtschaft, Religion) herum.
Das Buch ist ausgesprochen lesenswert - vor allem für diejenigen, die sich selbst und ihr Umfeld nicht so ernst nehmen und sich über das Spiegelbild amüsieren.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vérgnügliche Analyse der postmodernen Spaß und Ausbeutungsgesellschaft, 1. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Blödmaschinen: Die Fabrikation der Stupidität (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
Ich habe dieses Werk mit erheblichem Gewinn und sehr viel Vergnügen gelesen. Die Autoren gehen den Zuständen in der neoliberal geprägten Gesellschaft intelligent und oft in wildem Denken auf den Pelz. Sie schildern Zustände und Wirkungen der Medien durchaus schlüssig (wer noch vor der Glotze sitzt, weiß es nicht besser, gell?) Und trifft den Nagel meist auf den Kopf. Allein die Untersuchung des Sports erhellt Zusammenhänge. Dass die Autoren, trotz oder gerade wegen ihres umfassenden Wissens den akademischen Jargon vermeiden, macht dieses Stück Aufklärung noch wichtiger. Nein, zu verändern ist unsere Gesellschaft kaum noch. Selbst der Widerstand ist längst vermarktet. Aber für Selbstdenker ist es zumindest nützlich, zu wissen, mit welchen Instrumenten ihm das Fell über die Ohren gezogen wird. Der Suhrkamp Verlag, einst einer der wichtigsten deutschen, besinnt sich offensichtlich mitunter seiner Möglichkeiten. Danke, Verlagsleitung.
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8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pflichtlektüre, 23. November 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Blödmaschinen: Die Fabrikation der Stupidität (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
...für jeden. Aber es ist wohl zu spät, die Maschinen haben ihr Werk i.W. schon vollbracht. Es gibt keine Leser mehr, jedenfalls nicht im hier angesprochen Sinne.

Im Ernst: In so klarer Sprache vorgebracht, was in unseren Gesellschaften passiert ist und noch fortschreitet, wurde die Problematik der Mediengesellschaft noch selten. Mehr zu sagen bedarf es nicht.
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3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Verstaubte Kulturkritik und gefrustete Nörgelei auf 770 Seiten, 23. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Blödmaschinen: Die Fabrikation der Stupidität (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
"Blödmaschinen" nennen die Autoren diejenigen Mechanismen der Gesellschaft, die Erkenntnis und Kritik dadurch verhindern, daß sie das Leben in Unterhaltung verwandeln. Damit wird unsere ganze Kommunikation zu einer tautologischen Endlosschleife, in der einmal Erkanntes immer wieder gesagt wird. Das verwandelt Argumente in Meinungen, Erkenntnis in Gefühle und eine Gesellschaft, die grundsätzlich intelligent sein könnte, in einen Haufen konsenssüchtiger Deppen.

Da ist durchaus was dran, nur wird diese bescheidene Einsicht dann auf 770 Seiten so lange ausgewalzt, bis schließlich die ganze Welt zur Verdummungsanstalt gerinnt. Das ist weder Systemkritik noch Philosophie, das ist nichts als eine der üblichen kulturkritischen Gardinenpredigten ("Wir amüsieren uns zu Tode"), die andere prägnanter und analytischer zustande gebracht haben. Im bekannten Sloterdijk-Ton werden die ewigen Feinde linksintellektueller Lebensunlust – BILD, McDonalds, Micky Maus, Neoliberalismus, Privatsender, Discounter und natürlich der jeweilige amerikanische Präsident – wieder einmal zu Tode geprügelt. Den Höhepunkt des Buches stellt eindeutig die vernichtende Kritik an der Semiotik des Überraschungeis von Ferrero dar – eine Meisterleistung unfreiwilliger Komik.

Dieser ambitionierte Ziegelstein zeigt recht schön, wie sehr die linke Gesellschaftskritik doch auf den Hund gekommen ist. Versuchen die Autoren trotz ihres fortgeschrittenen Alters am Anfang noch, zeitgeistig cool ("Die Klugheit des Systems beruht auf der Dummheit seiner Elemente") rüberzukommen, weicht diese Attitüde rasch einer gefrusteten Nörgelei, die alles, von der Casting-Show über IKEA-Regale bis zum Hamburger, mit dem Mehltau hilfloser Larmoyanz überzieht. Als Kronzeugen für die rhetorischen Rundumschläge müssen die unvermeidlichen linken Neandertaler von Adorno bis Wallraff herhalten.

Am Schluß möchte man den Autoren, die sich selber so überaus gescheit dünken, eine ihrer eigenen Weisheiten zurufen: "Der Schatten der eigenen Dummheit verfolgt noch den Klügsten."
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Blödmaschinen: Die Fabrikation der Stupidität (edition suhrkamp)
Blödmaschinen: Die Fabrikation der Stupidität (edition suhrkamp) von Markus Metz (Taschenbuch - 23. Mai 2011)
EUR 25,00
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