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5.0 von 5 Sternen "Das ist es: wir leben mit Toten, und die denken nicht um." (Max Frisch)
"Wir sind als Nation inzwischen so reich, [...]. Doch wenn die Konsumenten sich entscheiden sollten, einen Großteil dessen, was wir produzieren, nicht mehr zu kaufen, dann steht eine tiefgreifende Depression vor der Tür." So am 24.Oktober 1955 im 'Advertising Age' erschienen als Botschaft an die amerikanischen Unternehmer. Der Psychomacht des Marketings wird...
Veröffentlicht am 23. Oktober 2009 von kpoac

versus
3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Falsche Angabe
Ich weiss nicht ob es Amazon's Schuld ist oder wer weiss wessens...Dieses Buch ist nicht der zweite, nachfolgende Band des ersten "Prendre soin 1" sondern Auszüge gereade aus diesem letzteren Bandes.
Deswegen sollte oben in der Vorstellung nicht "Logik der Sorge 2" stehen, sondern "Logik der Sorge 1.2".

Da es in Frankreich noch nicht erschienen ist...
Veröffentlicht am 28. Oktober 2009 von J. Schwipper


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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Das ist es: wir leben mit Toten, und die denken nicht um." (Max Frisch), 23. Oktober 2009
Von 
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(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Von der Biopolitik zur Psychomacht: Logik der Sorge I.2 (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
"Wir sind als Nation inzwischen so reich, [...]. Doch wenn die Konsumenten sich entscheiden sollten, einen Großteil dessen, was wir produzieren, nicht mehr zu kaufen, dann steht eine tiefgreifende Depression vor der Tür." So am 24.Oktober 1955 im 'Advertising Age' erschienen als Botschaft an die amerikanischen Unternehmer. Der Psychomacht des Marketings wird derjenige widerstehen, dem Äsops Maxime gilt: "Einem anderen gehöre nicht, wer sich selbst gehören kann!"

Im ersten Band von Die Logik der Sorge (I.1), den der Rezensent nun unbedingt empfiehlt, wurde deutlich, dass es im 21. Jahrhundert darum geht, die Kontrolle über den psychischen und sozialen Apparat der Kinder zu übernehmen. Generationszusammenhänge werden zerstört und damit die biologische Reproduktion der Bevölkerung neu geformt. Kindermangel ist die Folge, der Eingriff erfolgt direkt auf die Sexualität und damit auf die Themen der Biopolitik und auf die Techniken des Selbst in der Foucaultschen Vorlage. Stiegler nimmt diesen zweiten Band (I.2) als konsequente Erweiterung der bisherigen Gedanken. Er erweitert die bisherige rein auf Kinder und junge Erwachsene gerichtet Sichtweise um die direkte Sicht auf alle. Er spürt dem gesellschaftlichen Wechsel von der Produktions- in eine Dienstleistungs-Gesellschaft nach und entdeckt so die offensichtliche Veränderung, Biopolitik durch Psychomacht zu ersetzen. Wie das anfängliche Zitat aufzeigt, ist das Credo der Postmodernen bzgl des Produktabsatzes eher im Marketing als im Gebrauch zu suchen. Das 'Advertising Age' wird zum Programm. Diesem Trend entgegenzuwirken, ist selbst gesetzte Aufgabe Stieglers in der Sorge um das Ganze.

Dabei verweist er äußerst kritisch auf Foucault und seine Schriften (Vorkenntnisse sind von Vorteil), nimmt dessen Disziplinierungsanstalten aus den Frühwerken (Überwachen und Strafen) als Erklärung einer Produktions-Gesellschaft (Produktionsmaschine) im Sinne der Biopolitik und führt den Ansatz fort, begleitet von den Texten Kants und dem späten Foucault, hin zu einer Psychomacht des strategischen Marketings. Diese Macht ist eine, die die Ur-Tugenden des Menschen in der Sorge um sich untergräbt und daher zu überwinden ist. Stiegler wird somit zum modernen Aufklärer, der Faulheit und Feigheit aus dem Kanttext zur Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? eliminieren will zu Gunsten einer elementaren Sorge um sich, wie es die frühen Schriften Platons (Menon, Alkibiades, Phaidros) bereits offenbarten. Diese Sorge um sich wird zu einer Sorge um Bildung und Intelligenz. Wird noch die Schrift als Hilfsmittel der Erkenntnis abgewertet (Phaidros), sieht Stiegler selbst nach dem Siegeszug der Schrift durch den Buchdruck in der vehementen Verteilung von Schriften im digitalen Zeitalter Sokrates Zweifel gegenüber Phaidros begründet. Unterstützung all seiner Befürchtungen findet er bei Kant im besagten Aufklärungsbrief und den Schriften des späten Foucaults, insbesondere der Individuation durch den Brief, den er (Foucault; in den Schriften zur Literatur) am Beispiel Senecas Briefe an Lucilius deutlich macht. Beide zeigen deutlich, dass eine individuelle Aufmerksamkeit zu den Dingen aus einer von der Schriftmeinung abweichenden kritischen Mündigkeit entstehen kann und muss. Denn im Gegensatz dazu, verfährt die Gesellschaft in ihrer Absicht, den nicht mehr produzierenden Menschen einer Dienstleistungsgesellschaft zum Konsumenten des nicht eigentlich Notwendigen zu machen. Stiegler beklagt somit eine Gesellschaft unmündiger Konsumenten und ficht für eine Erweckung des Geistes in der Schlacht um eine Intelligenz in Verbindung mit Ethik und Verantwortung.

Staat und Schule müssen vom Image der Disziplinierung, wie es Foucault noch in den frühen Jahren sah, raus aus eben dieser Strafkolonie und hinein in eine Welt der Technologien des aufgeklärten Wissens - in eine Welt der Bildung. So wie Kant Schreiben und Lesen als Faktoren einer geistigen Bildung ansah, sieht auch Stiegler diese Disziplinen als pharmakon mit Wirkung auf die Individualisierung und damit auf das Kollektiv an sich. So wie Sokrates Alkibiades klarmachen konnte, dass seine Sorge um sich auch der Polis dienen wird, so verficht Stiegler in der klassischen Sorge um sich, als Vorbedingung des delphischen Leitspruchs: Erkenne Dich selbst! eine klare Position des Menschen gegenüber Biomacht und Psychomacht, eine individuelle Abwehr gegenüber der unmündig machenden Marketingstrategen durch Bildung - und im Detail durch Lesen und Schreiben.

So wie Pierre Teilhard de Chardin eine Noosphäre als Entwicklungsstufe der Menschwerdung und -fortschreibung sieht, so fordert Stiegler eine Noo-Politik, die in der Sorge den Kern erweitert um die Gesamtheit des Geistes, im Prinzip um den einen Geist. Stiegler verlässt - so könnte man meinen - sein Gebiet in Richtung Metaphysik. Und doch nimmt er nicht mehr in Anspruch, als die alte Protagoras-Story um Prometheus und seinem Zwillingsbruder Epimethus, die Scheu in Hinblick auf Antizipation zur Bedingung der Sterblichen macht. Prometheus hat den Göttern das Feuer gestohlen und sie beim Opfer betrogen. Dieses war notwendig, weil zuvor Epimetheus den Fehler begangen hatte, die Menschen nicht mit den Gaben auszustatten, die sie zum Überleben brauchen. Der Mensch lebt seitdem im Zwiespalt von epimetheia, dem im Nachhinein nachdenken, und prometheia, der Vorausschau. Zeus verweist in der Tat nur darauf, um deutlich zu machen, dass Sorge tragen im strengen Sinn bedeutet, nur jenes zu kultivieren, für was man sorgt. Damit geht es um die berühmten Früchte, die einem richtigen Handeln notwendig folgen und dieses um so besser, je mehr man sich für die Sache einsetzt. Sloterdijks Exerzitien mögen helfen, sein Leben zu ändern. Das Individuum erscheint nun in Selbstsorge "wie ein Trainer, der die Auswahl seiner Talente betreut und die Mannschaft seiner Gewohnheiten antreibt. Ob man dies "Mikropolitik" nennt oder "Lebenskunst" oder "Selbstdesign" oder "Empowerment" ist bloß eine Geschmacksfrage." (Sloterdijk)

Schreiten wir zur Tat, zur noesis des Aristoteles oder zu den Foucaultschen Techniken des Selbst oder aus der Kantschen selbstverschuldeten Unmündigkeit heraus. Und mit Stiegler darüber hinaus, nämlich in ein metastabiles Gleichgewicht, was nur hält, wenn die Dinge in Bewegung bleiben. Dieses ist das Zeichen für die Abkehr von der Biopolitik hin zu einer neuen Formierung der wachen Aufmerksamkeit gegen jede Gleichgültigkeit und Nachlässigkeit. "Die Sorge und die Fahrlässigkeit sind heute jene polaren Kräfte, die das Feld aufspannen, auf dem sich die Interessierten (die Sorge tragenden) und die Fahrlässigen (die es nicht kümmert) gegenüberstehen."

Was kümmert es mich? Eine Frage, die sich nun nicht mehr stellt in einer Zeit der Verantwortung und im Angesicht der Unendlichkeit der Generationenfolge. In diesem Sinne ist Stieglers gerade erschienenes Buch zu lesen. Dazu gelernt hat er auch. Die Sprache ist tendentiell verständlicher. Für den Leser: Foucault zu kennen ein Vorteil, die Kant Schriften zur Aufklärung und zur Pädagogik eine Hilfe. Die Vorbereitung zum dritten Band heißt: Hans Jonas: Das Prinzip Verantwortung: Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation zu lesen.

Auffallend ist, dass ein Buch aus dem Jahre 2009 deutlich verweist auf die tradierten Werte gewesener Philosophen. Alles, so sagte Whitehead, könne man als Fußnote von Platon begreifen. Alles ist gesagt oder schon mal gedacht (Goethe). "Das ist es: wir leben mit Toten, und die denken nicht um." (Max Frisch) Und gerade dieses scheinbare Paradoxon ist der Anlass Stieglers, wieder in eine Ära der Verantwortung zu führen, in der Absicht, "Entscheidungen in Hinblick auf das zu treffen, was das Langfristige vom Kurzfristigen unterscheidet".
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3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Falsche Angabe, 28. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Von der Biopolitik zur Psychomacht: Logik der Sorge I.2 (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
Ich weiss nicht ob es Amazon's Schuld ist oder wer weiss wessens...Dieses Buch ist nicht der zweite, nachfolgende Band des ersten "Prendre soin 1" sondern Auszüge gereade aus diesem letzteren Bandes.
Deswegen sollte oben in der Vorstellung nicht "Logik der Sorge 2" stehen, sondern "Logik der Sorge 1.2".

Da es in Frankreich noch nicht erschienen ist (dieser zweite Band) könnte man meinen daß man in Deutschland schon den neuen Band in der Hand hat...
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Von der Biopolitik zur Psychomacht: Logik der Sorge I.2 (edition suhrkamp)
Von der Biopolitik zur Psychomacht: Logik der Sorge I.2 (edition suhrkamp) von Bernard Stiegler (Taschenbuch - 25. Oktober 2009)
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