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Kundenrezensionen

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3,6 von 5 Sternen
Krieg und Frieden in Bosnien-Hercegovina
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 1. Juni 2007
Marie-Janine Calics Buch ist kein einfaches. Die erweiterte Neuausgabe erschien 1996, kurz nach dem Daytoner Abkommen, das - für viele überraschend - die Kriege um Bosnien-Hercegovina beendete.

Sorgfältig hat die Autorin aus hunderten von Quellen Fakten und Antworten zusammengetragen. Knapp und präzise berichtet sie von der Geschichte des Landes: Von der Schlacht auf dem Amselfeld, 1389, und dem Mythos, zu dem dieses eher beiläufige Ereignis für die serbischen Nationalisten wurde. Von der Entstehung Jugoslawiens aus der Konkursmasse Österreich-Ungarns, nach dem 1. Weltkrieg. Vom klerikalfaschistischen

Ustascha-Regime, das 1941-45 den Vasallenstaat Kroatien von deutschen Gnaden lenkte, Bosnier und vor allem Serben "kroatisierte", vor allem: zwangskatholisierte, und zu hunderttausenden ermordete - oft direkt nach der Bekehrung. Von Titos erzwungenem Pan-Jugoslawismus, der Unterdrückung jeglicher Nationalismen, dem Versuch des Ausgleichs. Vom Zerfall des Bundesautorität nach Titos Tod 1980, dem Aufstieg der Kirchen und des Nationalismus, beide gerade im serbisch-orthodoxen Raum eng miteinander verknüpft.

Ich erfuhr, wie Machtpolitiker den Nationalismus schürten, ihre Region als besonders benachteiligt herausstellten, die Historie zu nutzen wußten und mit ihr neuen Haß, neue Kriege zu begründen wußten. Wie die neue kroatische Führung direkt an die Symbolik und Traditionen der Ustascha-Zeit anknüpfte. Wie an die fünfzig militärische und paramilitärische Organisationen von den Kriegparteien ausgebildet, ausgerüstet und mehr oder minder stark kontrolliert wurden. Wie der serbische Politiker Milosevic 1989 mit einer Brandrede zum Führer der serbischen Nationalisten avancierte. Wie Medien in der Hand der Politiker die Völker zu hassen lehrten.

Calic nennt Fakten und Zahlen. Sie belegt, daß die ethnischen Konflikte nicht die Ursache des Zerfalls Jugoslawiens sind, sondern deren Folge. Sie zeigt, wie verbreitet "Mischehen" waren, wie wenig trennbar die Siedlungsräume der einzelnen Ethnien waren, wie fraglich die ethnischen Abgrenzungen sind. Sie erklärt, warum die Vorschläge des Westens, die Grenzen Jugoslawiens nach ethnischen Kriterien festzulegen, zu umfangreichen Vertreibungen und damit zur Konfliktverschärfung beitrugen.

Man kann nachlesen, was es mit den bosnischen "Muslimen" auf sich hat, die weniger eine religiöse denn eine Volksgruppe sind (und oft genug - Atheisten). Wer für die Aufteilung des multikulturellen Mittelteil des vormaligen Jugoslawiens Krieg führte - und mit welchen Zielen. Wie Uneinigkeit der Europäer und Amerikaner, Fehleinschätzungen, unerfüllbare Versprechen seitens des Westens den Krieg verlängerten, Dutzende von Friedensabkommen zur Makulatur werden ließen.

Karten, Daten, Zahlen, Tabellen, harte Fakten wechseln sich auf knapp 300 Seiten mit kurzen Analysen, Hintergründen und begründeten Einschätzungen ab. Der sachliche, gedrängte Stil macht es zu keiner einfachen Lektüre, trotzdem bleibt es durchgehend verständlich und lesbar. Die Genauigkeit, die Belegung aller Aussagen an der Literatur und die schiere Menge an Literaturhinweisen machen dieses Buch zum idealen Ausgangspunkt für alle, die wissen wollen, was in Jugoslawien vor sich ging. Es ist unverzichtbar, wenn man die späteren Konflikte im Kosovo und in Mazedonien verstehen will - und auch die Rolle, die Deutschlands Politiker und Soldaten seither in dieser Region spielen.

Trotz seines Alters (und der dadurch bedingten Un-Aktualität, was spätere Erkenntnisse und Ereignisse betrifft) ist das Buch immer noch einer der besten Ausgangspunkte für ein Verständnis dieser Region Südosteuropas.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 7. April 2003
...das sagt es eigentlich schon. Wer wissen will, was hinter den Kriegswirren in Bosnien steckte, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen. Calic umreisst Ursachen, Kriegsverlauf, Loesungsversuche und Folgen des Bosnienkrieges im Zusammenhang mit dem Fall Jugoslawiens und rundet das Ganze ab mit einer Analyse der Fehler, die vor allem bei der Vermittlung von internationaler Seite gemacht wurden. Calics Lekruere liest sich gut, verschafft schnell einen Ueberblick und versucht, die Geschehnisse moeglichst objektiv darzustellen.
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18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. Januar 2001
Wer verstehen will, was in Ex-Jugoslawien geschah und geschieht, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Die Autorin schildert die historischen Hintergründe, die Geschichte Jugoslawiens seit seiner Gründung, die zunehmende Ethnisierung der Politik seit dem Tode Titos, den Zerfall des alten Bundesstaates und den Krieg, der mehr als 200,000 Menschen das Leben kostete. Die Rolle des Auslandes, die internationalen Vermittlungsversuche und insbesondere die verschiedenen Pläne zur Aufteilung Bosnien-Hercegovinas werden detailliert beschrieben. Das Buch glänzt durch seine zahlreichen Fakten, seine genauen Analysen und seine Unparteilichkeit - es ist die differenzierteste und genaueste Analyse, die ich zu diesem aktuellen Thema kenne. An keiner Stelle verliert es sich in Gemeinplätzen.
In der Neuauflage von 1996 wurde der weitere Kriegsverlauf bis zum Abkommen von Dayton geschildert. Das Vertragswerk beendete den Krieg in Bosnien-Hercegovina, zahlreiche Probleme - wie die Kosovo-Frage - blieben allerdings ungelöst.
Wer verstehen will, was in Ex-Jugoslawien geschah und geschieht und sich nicht mit den üblichen Platitüden abspeisen lassen will, kommt an diesem Buch nicht vorbei.
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29 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. April 2001
Durch diese Darstellung avancierte Calic zu einer der gefragtesten Experten für den Balkan in Deutschland. Nicht zuletzt weil sie als eine der ersten eine wissenschaftliche Studie vorlegte. Dieses Buch wäre eine Pflichtlektüre für alle Interessierten, wenn Calic eine Sprache benutzte, die dem Gegenstand angemessen wäre. In ihrem Sprachgestus drückt sich die unerbittliche Selbstgewißheit einer Kaste aus, die meint für alles und jedes eine Erklärung und Lösung zu haben. Sie hat den Konflikt nie richtig begriffen, die Ursachen nicht richtig erkannt, sondern nur beschrieben, wie eine einflussreiche Elite dachte. Wen wundert's , daß Mord nicht Mord genannt wird.Für Calic ist es "Vernichtung von Humankapital". Glücklicherweise liegen heute eine ganze Reihe besserer Bücher zur Thematik vor.
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9 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. Dezember 2002
Ich finde es bemerkenswert, dass genau die Menschen, die den Balkankrieg maximal auf Ihrem Fernseher zu ließen solche Bücher für "toll", "genau das richtige" und im Endeffekt für die Wahrheit halten. Durch ein Buch erfährt man nicht welches Leid ca. 10 Jahre lang auf dem Balkan hauste. Geschweigeden das ?W? von Wahrheit. Wer wissen will was in den 90ern passiert ist kann vielleicht noch tiefer gehen und sich "Die Brücke über die Drina" von Ivo Andric bestellen. Es wurde lange vor dem Krieg mit eine Nobel-Preis ausgezeichnet und zeigt die Unterschiede der Völker ziemlich genau. Alles was in den letzten Jahren geschreiben wurde ist politisch angehaucht und kann nur einen Ausschnitt, nie aber das Ganze zeigen.
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