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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Russen und Schulfreunde!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Ingrid Babendererde: Reifeprüfung 1953 (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
"Uwe Johnson beschreibt hier die Geschichte einer Abiturklasse 1953 in Güstrow in der DDR. Die Geschehnisse drehen sich vorwiegend um die Woche vor den Reifeprüfungen, die dort zunehmend durch den Klassenkampf, der dem 17. Juni vorausging, belastet wird. Die Schülerin Ingrid Babendererde hält auf einer Schulversammlung statt des geforderten Redebeitrags gegen die christliche Junge Gemeinde eine Rede sowohl für die Meinungsfreiheit, als auch gegen das Sozialismusverständnis der SED und ihres Schulleiters. Es kommt zum Ausschluss Ingrids von der Schule, zusammen mit Elisabeth Rehfelde, welche ihr FDJ-Mitgliedsbuch einem Funktionär vor die Füße geworfen hatte. Als Reaktion darauf verlässt auch Ingrids Freund Klaus Niebuhr freiwillig die Schule, einen Tag vor den Reifeprüfungen. Sie beide bestehen jedoch eine Reifeprüfung der besonderen Art: der Roman mündet in Ingrids und Klausens gemeinsamer Flucht in den Westen, in eine Lebensweise, 'die sie beide eigentlich als die falsche erachten'."In vielen Rezensionen, aber auch im Klappentext des Buches, wird Uwe Johnson als Zeuge der DDR-Herrschaft vereinnahmt, der "uns Wissen und Gewissen über eine schlimme Zeit verschafft hat." Das ist nicht falsch, und doch ist es nur die halbe Wahrheit, denn Johnson zeigt auch andere Möglichkeiten als die Flucht vor dem Regime auf. So bestehen in dem vorliegenden Roman nicht nur Ingrid Babendererde und Klaus Niebuhr "eine Reifeprüfung der besonderen Art", sondern auch und in erster Linie deren Schulfreund Jürgen Petersen, der letztendlich zur Hauptperson des Romans wird. Seltsam ist nur, daß Jürgen, der die "Demokratische Republik" nicht verläßt, von so vielen sog. Rezensenten unterschlagen wird, beschert er uns doch die wohl schönsten Passagen dieses Buches: * Pius bewegte ungeduldig seinen grossen Kopf zu Jürgens Bemerkung vom Verständnis. Er beugte sich vor über den grossen Tisch und sprach: Jürgen. Dann sagte er wer er war: Er rede jetzt nicht mit Jürgen als Schulleiter. Und auch nicht als Vorsitzender der Sozialistischen Einheitspartei. Jürgen möge sich vorstellen Pius sei - wenn er auch nicht aufhöre all das zu sein - ein Freund. Der ihm helfen wolle. Und zu dem man Vertrauen haben könne. Jürgen sah dass Pius' Gesicht bei aller lächerlichen Gemessenheit besorgt war und gutwillig. Aber er mochte ihn nicht mehr ansehen, als Pius so fortfuhr: Jürgen wisse. Dass Pius. Ihn immer. Für einen der besten der Parteijugend gehalten habe. Und darum sei er. So enttäuscht. Verstehst du. Abgesehen davon. Dass das Ansehen der Partei. Schwer gelitten habe! Dadurch. Dass einer ihrer - aktivsten Vertreter. SichplötzlichgegendieLiniederParteigewendethabe! * Die Partei werde Jürgen eine Rüge erteilen. Wegen parteischädigenden Verhaltens. Und den Bewährungsauftrag: nächstens in der 12A durch eingehende Diskussion die Überzeugung herzustellen. Dass Gestalten wie Babendererde, und Niebuhr. Schandflecke seien für eine demokratische Oberschule. Die Partei gebe ihm den Rat. DichvonsolchenElementen konsequentzuisolieren! Jürgen hatte überrascht zugehört. Er wandte eilig ein: Pius möge entschuldigen ... so sei das nicht. Pius scheine zu meinen Jürgen sei durch Fräulein Babendererde ... nein. Jürgens persönliche Gründe seien diese: er sehe zwischen den Artikeln der Verfassung 41 42 43 und dem Vorgehen der Partei einen Unterschied, dessentwegen und in Erachtung der Artikel 9 12 habe er gegen den Ausschluss von Fräulein Babendererde gestimmt. Ich bin nämlich der Meinung sie hat recht, verstehen Sie? fragte er Pius' hilflos empörtes Gesicht. Er meine dass die benutzten Argumente Vorwände seien, die das Verbot einer anderen Meinung rechtfertigen sollten. Anstatt darüber zu diskutieren. Das halte er sowohl für der Partei schädlich als er das auch überhaupt nicht leiden möge. Wer noch Herbert Wehner im Ohr hat, dem sei - zur eigenen Genußsteigerung - dringend angeraten, die Beiträge des Schulleiters in diesem Tonfall nachzusprechen. Wer zusätzlich Reich-Ranicki, Karasek und Heidenreich, den Päpsten, Bischöfen und Laienprediger(inne)n des Literaturbetriebs nicht uneingeschränkt vertraut, dem sei aber dringend empfohlen, das Buch selbst zu lesen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Tiefgründige Literatur,
Von Rhyma (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Ingrid Babendererde: Reifeprüfung 1953 (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
Zum Inhalt und zur Stilistik ist hier alles gesagt worden.Festzuhalten bleibt, dass Uwe Johnson hier keine Untehaltungsliteratur geschaffen hat, sondern ein zutiefst komplexes Stück, dass mit Muße und Geduld gelesen werden will. Dann aber schimmert zwischen den schwerfälligen Sätzen ein so wunderbar unvoreingenommener, sich nicht mit schnellen und wohlfeilen Beurteilungen eines Menschen abgebende Humanismus hervor, wie man ihn selten findet. Ein Buch zum immer wieder in die Hand nehmen, ein guter Freund für viele Jahre. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
8 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
So wahr!,
Rezension bezieht sich auf: Ingrid Babendererde: Reifeprüfung 1953 (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
Beim Lesen dieser Erzählung von Uwe Johnson wurden meine Erfahrungen, Gefühle, Erinnerungen an meine Flucht aus dem vermaledeiten Arbeiter- und Bauernstaat DDR wieder wach.Ich lebte in der wunderbaren Mecklenburger Landschaft um dieselbe Zeit, flog fast von der Oberschule wegen kritischer Kommentare, durchlitt mit vielen anderen Jugendlichen die Enge der Bonzengesellschaft, suchte und fand Trost im Freundeskreis, der bereit war, über die künstlichen Grenzen des Regimes hinauszuschauen. Heute bestelle ich dieses Buch für eine jüngere Generation und hoffe, daß der junge Leser noch nicht durch die gängigen Darstellungen von Sex und Crime abgestumpft ist. Dann könnte er diese sublime Form der Erzählung nicht verstehen. Wie schade wäre das. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
Sperrig,
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ingrid Babendererde: Reifeprüfung 1953 (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
Ich habe die Mutmaßungen gelesen und auch Teile der Jahrstage. Dieser Text hier ist davon der schwerste. Er ist sehr sperrig und noch oberflächlicher als Johnson ohnehin ist. Johnsons Stil finde ich nicht schlecht, ich mag mitunter seinen Ton, hier aber wirkt er noch nicht geformt, weil es eben auch sein erster Roman ist. Der Plot ist interessant, aber teilweise nicht "aggressiv" genug vorgetragen, alles plätschert so dahin,was aber nicht immer schlecht sein muss. Die Charaktere sind liebevoll erzählt, auch wenn sehr sperrig. Man bekommt einen Eindruck der Jugend im damaligen Mecklenburg. Dennoch bleibt für mich dies, der bisher schwächste Titel. Viel zu sehr verliert der Autor sich in alle möglichen Richtungen und wird teilweise so sperrig in der Satzbildung, dass ein weiterlesen schwer wird. Dies kann nur von sehr wenigen Leuten in einer kurzen Zeit gelesen werden. Ansonsten heißt es, jeden Tag ein bisschen, denn die Ingrid ist es wert.
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7 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen
lÃsst sich nicht flÃssig lesen,
Von
Rezension bezieht sich auf: Ingrid Babendererde: Reifeprüfung 1953 (edition suhrkamp) (Taschenbuch)
Dieser Roman von Uwe Johnson spielt in einer Kleinstadt im sÃdöstlichen Mecklenburg in einer Woche im Mai 1953. Die zwei Hauptpersonen, die in die 12. Klasse gehen, geraten aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur Jungen Gemeinde in Konflikt mit den Lehrern und der FDJ. Die Folge ist, dass Ingrid von der Schule fliegt und Klaus freiwillig die Oberschule verlÃsst.Klaus und Ingrid sind ein Paar, dies merkt man allerdings fast nicht; ihre Beziehung ist recht ï¿backfischseligï¿ und es gibt kaum Liebesszenen oder Ähnliches. Mir persönlich gefÃllt das Buch vom Leseeindruck her nicht. Das Buch lÃsst sich nicht flÃssig lesen. Man muss es langsam und nicht hastig lesen, da die ErzÃhlweise zu geduldigem Mitdenken auffordert. Außerdem gibt es viele Passagen in plattdeutsch, die ich nicht verstehen konnte. Uwe Johnson verwirft mit diesem sehr autobiografischen Roman den Sozialismus nicht grundsÃtzlich, er hofft eigentlich auf einen humanen Sozialismus, einen Sozialismus mit menschlichem Gesicht. Mit diesem Buch wird der Stalinismus und das Vorgehen des Staates kritisiert, obwohl sich weder der Autor, noch die Gestalten des Romans fÃr das Christentum an sich engagieren. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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Ingrid Babendererde: Reifeprüfung 1953 (edition suhrkamp) von Uwe Johnson (Taschenbuch - 31. August 1992)
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