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77 von 79 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Nachtigallenchöre" - gibt es nicht..., 25. Oktober 2001
Von 
FrizzText "frizz" (Wuppertal) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Zur Welt kommen - Zur Sprache kommen (Broschiert)
Wenn man zur Welt gekommen ist, kann man noch nicht sprechen. Das bedarf einer zweiten Anstrengung. Selbst das Nachplappern des Gehörten kann nicht gemeint sein. Falsche Vorbilder gibt es genug: das Besitzstandswahrungsdeutsch der Interessenverbände, die pedantische Objektivität und der zynische Schaum, das Ambitionsdeutsch der Habilitanden, das Therapeuten- und Mediendeutsch. Zielpunkt ist natürlich, zur eigenen Sprache zu kommen, das selbst Gefühlte andern verstehbar zu machen, eine begehbare Brücke zwischen Innen- und Außenwelt zu konstruieren. Sloterdijk beschreibt mit viel Liebe zum Detail des Themenkomplexes, dass die "Entbindung" von Sprachgewohnheiten der sozialen Umgebung in hohem Grade nötig ist, vielleicht auch eine psychoanalytische Selbsterforschung, die bis an den Anfang der eigenen Biographie zurückreicht, um von allen hinderlichen Fixierungen wirklich frei zu werden, außerdem sei notwendig ein Absagen an alle vordergründigen Ideologien oder nationalen Beeinflussungen. Ohne Dialogfähigkeit und die Bereitstellung einer Plattform ginge es zudem wohl auch nicht - sei es Papier oder Mikrofon (oder wie der Rezensent etwas spöttisch hinzufügen möchte: sei es Internet oder ZDF-Talkshow). Die Rolle der Poesie, betont Sloterdijk, sei in diesem Zusammenhang die Leistung, von keiner Ideologie mehr verhext zu sein. Den undialogischen Terror der Geschichte muß Dichtung beiseite legen können. Poesie darf nicht der Spiegel irgendeiner geistesgeschichtlichen Strömung sein; magnetische, kompassverdrehende Macht haben sie aber alle, das weiß der Philosoph Sloterdijk zu berichten: Sokrates hinterließ die Gefahr des "Tugenddünkels", Platon die der "Verstiegenheit", Diogenes die Gefahr der "Verwahrlosung". Buddha verleite zur Depressivität, die monotheistischen Religionen wärfen einen paranoiden Schatten. Der Marxismus habe zur Gewaltanwendung angestiftet und der "großdeutsche Sektenführer Hitler" habe mit dem Stoff hantiert, aus dem die "Höllenträume" seien. Sloterdijk verfasst hier also einen flammenden Aufruf zum Selbstwerden im Schreiben und Sprechen. Mut zur Individualität sei dabei konstituierend, wer sich im Chor der Meute aufhalte, habe nicht wirklich singen gelernt: "Nachtigallenchöre" - so formuliert Sloterdijk im wieder an Wortschöpfungen reichen Vortrag - "Nachtigallenchöre" - gibt es nun mal nicht...
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17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sprache als Metapher des Freispruchs, 4. Januar 2009
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zur Welt kommen - Zur Sprache kommen (Broschiert)
Man muss, schreibt Peter Sloterdijk (1947-) im ersten Band der "Sphären", wenn die theoretische Entfaltung wirksam sein soll, das Geschenkpapier rascheln hören, in dem etwas Fast-Bekanntes und auch Fast-Vergessenes dem Besitzer wie etwas Neues noch einmal überreicht wird. Hier ist sein Geschenk.

In der Tat ist so sein Werk zu verstehen. Gelingt es ihm aus der ersten rein physischen Geburt einen Mangel zu machen, der erst behoben wird, wenn die Sprache zur Welt kommt, der Mensch zur Sprache kommt, damit zum Denken. So kann der Leser Sloterdijks seine immerwährende Geburt feiern, wenn er durch Lesen dessen sprudelnder Vielfalt erneut zur Welt kommt, im Wiedererkennen die fortlaufende Schöpfung alter Gedanken in anderen Kontexten erlebt. Selbst das Hören des Rascheln des Geschenkpapiers versetzt in die Zeiten der Entdecker, jene terrane Depression erzwingt den Aufbruch ins maritime Erlebnis des längst Bekannten, aufgefangen und hochgehoben in die Sphären der Assoziationen.

Ob man ihm den Benjaminschen Begriff der Universalpolemik unterstellen will oder nicht; er reibt sich an der Sache und gebiert seine Sprache und bereichert die unsrige mit Neologismen. Er ist in der Welt der kinetischen Modernen zu Hause, eine Welt, die sich zu schnell bewegt, die ein sich zurückblättern bedarf, damit das Wagnis eines Neuanfangs nicht untergeht. Damit ist Sloterdijk Verfechter einer autarken Persönlichkeit, die die Poetik des Anfangens begreift als eine Selbstgestaltung, begleitet von der intensiven Sorge, einen schwierigen Anfang nicht noch zu einem bösen Ende zu führen. Denn die notwendige Erkenntnis, "dass für uns das Beste nicht auf der Linie des Wissens, Wollens und Könnens liegt, sondern in der Zuwendung zu dem allumfassenden Nichtwissen, in dem auch das Können und Wollen zur Ruhe und zur Schwebe finden".

Diesen Weg des Sokrates zu gehen, zur eigenen Sprache zu finden, die das persönliche Innen mit dem angebotenen Außen verbindet und reflektiert, ist ein Aufruf zum: Werde, der Du bist, der im Strome aller Überlieferungen zwischen Original und Kopie keine Rangfolge definiert, sondern jede Wiederholung als Premiere, als seine Premiere des ersten Mals empfindet.

Dass Sloterdijk schon hier zu dieser Zeit die Weltformel des Neokonservatismus beschreibt, mag prophetisch klingen:
Unbewusstheit plus Höchstgeschwindigkeit; oder: Immobilismus - der Explosion entgegen.

Nun folgt nicht daraus, dass wir den Kynismus frönen. Vielmehr sei an Heine gedacht, der den Übermut der Schreiber und Dichter als Versprechen und Zeugnis für die Utopie des Leichtsinns ansah.

Sloterdijks Poetik der Ent-Bindung, seine Poesie der Selbstgestaltung ist -wie immer - lesenswert. Ein Meister der fröhlichen Wissenschaft.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen gefällt mir, 13. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zur Welt kommen - Zur Sprache kommen (Broschiert)
wie nur an fang en ? hier steht es. und den rest schreibe ich nur, weil es erforderlich ist !
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0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schon die Überscrift trifft den Nagel auf den Kopf, 8. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Zur Welt kommen - Zur Sprache kommen (Broschiert)
Wir werden erst Menschen, wenn wir zur Sprache kommen. Bis dahin sind wir nur plappernde Lebewesen, die ihre besonderen Möglichkeiten und Aufgaben im Leben noch gar nicht erfasst haben, die sie einzig ihrer Sprachbefähigung verdanken. Die Sprache ist zwanglos zustande gekommene Gemeinschaftsleistung der Menschen. Erwirb sie, um sie zu besitzen.
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Zur Welt kommen - Zur Sprache kommen
Zur Welt kommen - Zur Sprache kommen von Peter Sloterdijk (Broschiert - 26. September 1988)
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