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4.0 von 5 Sternen "Phasic Instinct" (Dueck)
Mobilmachung in Permanenz ist ein gern verwendeter Begriff Sloterdijks und die Assoziation der militärischen Vereinnahmung liegt auf der Hand. Mobilmachung und Abrüstung scheinen die beiden strategischen Merkmale der Modernen und doch sind sie mehr, weil sie erst im Zusammenhang von kopernikanisch und ptolemäisch zur Entfaltung kommen. Sloterdijk ist...
Veröffentlicht am 19. Februar 2008 von kpoac

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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Philosophie der (post-)modernen Musik
Peter Sloterdijk ist ein unheimlich eloquenter Autor, der es versteht, mit seinem Sprachwitz philosophische Theorien, seien sie auch noch so komplex, amüsant und mit einem teilweise ironischen Unterton darzustellen, was die Lektüre seiner philosophischen Werke zu einem recht lebendigen Unterfangen macht - allerdings mit dem Nachteil, dass der Leser Gefahr...
Veröffentlicht am 6. Juni 2005 von J. Hoss


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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Philosophie der (post-)modernen Musik, 6. Juni 2005
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kopernikanische Mobilmachung und ptolemäische Abrüstung: Ästhetischer Versuch (edition suhrkamp) (Broschiert)
Peter Sloterdijk ist ein unheimlich eloquenter Autor, der es versteht, mit seinem Sprachwitz philosophische Theorien, seien sie auch noch so komplex, amüsant und mit einem teilweise ironischen Unterton darzustellen, was die Lektüre seiner philosophischen Werke zu einem recht lebendigen Unterfangen macht - allerdings mit dem Nachteil, dass der Leser Gefahr läuft, im Labyrinth der sich verflechtenden Ideen den Überblick zu verlieren. So ging es mir jedenfalls, und so musste ich das Buch zweimal zur Hand nehmen, um die zentralen Gedankengänge zu verinnerlichen. - Das Buch entstand aus einem Vortrag, den der Autor auf einem Musikfestival gehalten hat und thematisiert die aktuelle Situation der Musik aus dem Blickwinkel der postmodernen Philosophie. Moderne ist geprägt durch „kopernikanische Mobilmachung", d.h. durch den durch die radikale Entfaltung der Wissenschaften bedingten Verlust der im ptolemäischen Zeitalter gegebenen Selbstverständlichkeiten. Dazu rechnet Sloterdijk auch gewisse Regeln der Ästhetik (z.B. den Dreiklang), die die neue Musik radikal umgekehrt hat (z.B. in die Dodekaphonie, den Serialismus etc.). Eine Folge der Entwicklung zur Moderne ist auch die kontinuierliche Desintegration und Spezialisierung der drei Bereiche Wissen, Moral und Ästhetik, die in vormodernen Gesellschaften eine Einheit bilde(t)en - die zu dem allseits bekannten Symptom von „Schwindel", sprich: Orientierungslosigkeit in der modernen Gesellschaft geführt hat. Konsequenz davon sind immer wieder neue Versuche, unter der Hoheit eines dieser Bereiche eine neue Synthese herzustellen.
Sloterdijk sieht nun Anzeichen, dass postmoderne Strömungen dazu tendieren, unter dem Vorzeichen einer ptolemäisch ausgerichteten Ästhetik, d.h. der Wiederkehr der Tonalität, eine solche Synthese zu bewerkstelligen, und das bedeutet aus seiner Sicht: die in der Moderne gewonnenen Freiheitsräume wieder einzuengen, ja letztlich die künstlerische Weiterentwicklung zu hemmen. Meines Erachtens eine aus vielerlei Gründen weithergeholte These, die sich auch durch andere Passagen in dem Buch durchaus entkräften lassen. Dennoch liefert das Buch interessante Einblicke in Probleme der Postmoderne - sowohl in gesellschaftlicher, als auch in musikologischer Hinsicht.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Phasic Instinct" (Dueck), 19. Februar 2008
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kopernikanische Mobilmachung und ptolemäische Abrüstung: Ästhetischer Versuch (edition suhrkamp) (Broschiert)
Mobilmachung in Permanenz ist ein gern verwendeter Begriff Sloterdijks und die Assoziation der militärischen Vereinnahmung liegt auf der Hand. Mobilmachung und Abrüstung scheinen die beiden strategischen Merkmale der Modernen und doch sind sie mehr, weil sie erst im Zusammenhang von kopernikanisch und ptolemäisch zur Entfaltung kommen. Sloterdijk ist wieder Reisender durch die Geschichte und erkennt, dass der Mensch sich an Gewohnheiten orientiert und dass Sprache ihn verrät. "Jeden morgen geht die Sonne auf", ist eine Sichtweise der guten alten Zeit, in der man wusste, was der Tag brachte und wo Beständigkeit und Regel dem Menschen Sicherheit gaben. Man wusste, dass die Welt der Fall war und mit der neuen Entdeckung Kopernikus entfaltete sich eine Sichtweise auf diese Welt, wie sie nun zum neuen Fall wurde. Doch die emotionale Geschichte in Bild und Sprache einer aufgehenden Sonne beinhaltet die Stabilität der Erinnerung. Auch wenn die Zeit zu Spatzenchören sich veränderte, die schnell und im Tiefflug Gezwitscher als Gerede von den Dächern pfeifen, erinnern wir uns an die Eule Minervas, die bekanntlich erst am Abend, wenn der Tag Geschichte ist, sich meldete.

Sloterdijk (1947-) hat dieses kluge Buch, konzipiert als Rede in Seoul, im Jahre 1986 veröffentlich. Auch vor 20 Jahren gab es einen Wechsel von den festen Größen der 50er, die gestürzt wurden und zerstäubten in den Reden und Veränderungen der 60er und 70er. Die Moderne mit ihrer schnellen Veränderung und dem aufgeklärten Denken, welches mit Kant auch kopernikanisch im übertragenen Sinn daherkam indem er eben offenkundig machte, dass die Notwendigkeit bestand, auf Selbsttäuschungen und auf Weltbilder zu verzichten, die der Täuschung bedurften.

Transponiert man Sloterdijks Denken auf die Jetztzeit, mögen sich gleiche Retrospektiven zeigen. Politische Veränderungen seit 1989 können als eine weitere kopernikanische Wende begriffen werden. Mauerfall und Kollaps des Kommunismus führten zu einer Eigendynamik des Kapitalismus, der in der zunehmenden Globalisierung alles Flüssige und Bewegliche ortsungebunden und frei verfügbar definierte. Identitätsverlust und fehlendes Zugehörigkeitsgefühl war die Folge. Die Veränderung erforderte unterschiedliche Ich-Strukturen (vgl. Keupp), neue Identitäten und Sichtweisen. Bisherige Werte veränderten sich in der Orientierung, im permanenten Strom der Kommunikation via Internet (1995) und mail und mit ihnen das bisherige Leben. Abrüstung im Sinne Sloterdijks führt zur Wiederkehr eines festen Horizontes mit Verweis auf das ptolemäische Weltbild, "The world is flat" konstatiert Th. Friedman gar aktuell, während außerhalb des Ichs die Welt in permanenter Mobilmachung Neues im Sinne des modernen kopernikanischen Weltbildes schaffen musste. Innovation als Credo ließ Genuss des Erfundenen nicht zu. Die Postmoderne konnte diesem Trend keine neue Richtung geben, wie der Weltinnenraum des Kapitals es deutlich zeigt. Die moderne Veränderung trifft auf reale Gegenwart in der Postmodernen. Fehlende Feindbilder heute gelten als Ursache für fehlenden Zusammenhalt und fehlende Identität (vgl. U. Beck). Darüber hinaus scheint die Wertediskussion in einer postsäkularen Gesellschaft (Habermas) eine Notwendigkeit aus diesen Voraussetzungen. Politische Veränderungen heute, eine neu aufkommende Wertestruktur bis hin zur Positionierung neuer Strömungen und Denkbilder ergänzt um subjektive Sinnsuche in Gemeinschaften zeigen deutlich eine ewige Wiederkehr Desselben (Nietzsche), einen Phasenwechsel aus dem Instinkt und einen Wunsch in eine Wiedereingliederung des bekannten Horizontes. Wie Hamlet schon wusste, "time is out joint", und daher gilt es jederzeit, die Fugen zu erkennen und ein Füllmittel zu finden, welches nicht aus fundamentalistischen oder gar diktatorischen Ingredienzien besteht.

Sloterdijk verwendet als durchgängige Präsenz Ästhetik, deren Überspannung auf Grund der Missstände der schweigenden Philosophie und der Betrachtung von Modern im Verhältnis zu den stabilen Festen des antiken Wohlbefindens. Rückwärtsgewand verliert der Mensch, er muss sich lösen vom Schein der aufgehenden Sonne und den neuen Blick wagen, Wirklichkeit sehen, die Erde im leeren Weltall, auftauchend zu den Strahlen der Sonne. Wahrheit jenseits von Realität und apriorisches Wissen erinnern an Russell und mit diesen Hintergründen gewinnt Klarheit über die Imagination.
Und doch sieht er den Menschen auch in der Höhle, in der Sicherheit des Bekannten und impliziert in gewisser Weise einen Phasenwechsel der Menschheit und ihren Vorlieben. "In dubio pro usu" könnte man das Sicherheitsdenken nennen "Im Zweifel das Übliche" und doch ist Sloterdijk ganz Warner. Sphärenklänge zeigen sich schon hier, ein Hören, welches den Raum und die Horizonte überwindet und nicht wie das Sehen an diesem begrenzt ist.

Wie immer eine essayistische Philosophie, dieses Mal ein brillantes Glasperlenspiel (wie er sagt) aus dem Geiste der Ästhetik und der Musik. Und durchaus aktuell zu lesen.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Viele Ideen, 31. Dezember 2004
Rezension bezieht sich auf: Kopernikanische Mobilmachung und ptolemäische Abrüstung: Ästhetischer Versuch (edition suhrkamp) (Broschiert)
Kopernikanische Mobilmachung und ptolemäische Abrüstung - das klingt nach Krieg. Der Mensch, der seit Kopernikus lernen muss, dass er sich nicht mehr auf seine Sinne verlassen darf und dass die Naturwissenschaften ihm die Welt ganz anders erklären, als er sie einst verstand oder aufgrund seiner eigenen Beobachtung gerne verstehen würde - ist verwirrt, überfordert, kämpft um sein Überleben im Chaos. Es zieht ihn zurück zu vereinheitlichenden Mythen. Bücher, die propagieren "Die Welt ist Klang" versprechen eine einfache Sicht auf die Welt, geben dem Menschen einfache Leitlinien, die er der Wahrheit vorzuziehen beginnt.
Sloterdijk fasst dieses Buch in drei große Hauptabschnitte:
Im ersten geht es um die Erschöpfung des ästhetischen Modernismus - was einst revolutionär erkämpft wurde von Schönberg und anderen Künstlern (Abschaffung von Grenzen, Einführung freier künstlerischer Prinzipien) wird dem heutigen Künstler wieder zum zu festen Rahmen, er sehnt sich zurück nach der Erlaubnis, der Natur verhafteter zu sein.
Im zweiten Abschnitt geht es um die philosophische Überlastung der Ästhetik - es geht um das Zerbrechen von Wahrheitsbegriffen als Anzeichen einer zerbrechenden Kultur, und wie Künstler damit umgehen. Drei moderne Weltbilder gibt Sloterdijk an: das wissenschaftliche, das politische oder das ästhetische. Problem sei, dass heute keine einheitliche Sicht mehr existiere, vielmehr versuche jedes einzelne Teilgebiet der Weltsichten die ganze Welt aus allein der eigenen Perspektive zu beschreiben. Für die Kunst liege nun das Problem darin, dass die Interpretation (aus Sicht je eines dieser Teilgebiete) die Kunst dominiere. So schüfen die "Spatzen, die von den Dächern pfeifen" gerade die Kunst, die sie interpretatorisch vorantreiben wollten. Die Kunst würde so neben dem Sog von Wahnsinn und Entfremdung, den sie in der Moderne meint sich zu eigen machen zu müssen, sich auch allzusehr der Interpretationsfähigkeit des Dargestellten und den Interpretatoren unterwerfen.
Im dritten Teil geht es Sloterdijk nun um die kopernikanische Mobilmachung und die ptolemäische Abrüstung. Die Ausschließung des alten Selbstverständlichen wird zur neuen Selbstverständlichkeit. Dem Naturalismus wird eine Absage erteilt: Die postmoderne Gesellschaft entsteht. Wir dürfen die Welt nicht mehr sehen, wie sie ist, sondern wir sollen uns die "Wirklichkeit" vorstellen gegen den Eindruck der Sinne - die kopernikanische Wende prägt unser Weltbild. Ptolemäische Künste, die sich auf Nachahmung natürlicher Harmonien gestützt hatten, werden verworfen.
Der bewusste Rückzug des überforderten Menschen aus dem kopernikanischen Vorstellungswirbel nennt Sloterdijk schließlich "ptolemäische Abrüstung". Und für manchen kann die ptolemäische Illusion wahrer werden als die kopernikanische Wahrheit.
Ein viertes Kapitel schließt Sloterdijk dem an, in dem es schließlich um Tonalität als neue Synthese geht.
Können wir noch vorurteilsfrei beobachten? Wie wäre es, wenn das Komponieren Forschungscharakter besäße? Berendts "Nada Brahma. Die Welt ist Klang." wird als Beispiel zitiert, an dem man sieht, wie Laienphilosophie versucht, mit Hilfe von Musik eine Vereinheitlichung in der Beobachtung und der Sicht auf die Welt herbeizuführen. Das Buch suggeriert, dass es im Chaos der Erkenntnisse wenigstens einen wahren Aussagesatz gäbe: Die Welt ist Klang. Wer eine neue Synthese suggeriert, verspricht Ordnung im Chaos zu geben. Die Neo-Synthetiker seien deshalb die Komponisten unter den Philosophen, folgert Sloterdijk.
Der Mensch der Neuzeit soll wieder hören lernen, soll lernen, vor dem Entdeckten stehenzubleiben und es zu bestaunen.
Dies nur als ein kleiner Auszug, eine versuchte Zusammenfassung des Inhaltes dieses kleinen Büchleins, das 1985 entstand als Zusammenfassung einer Rede, die Sloterdijk in Seoul verfasste.
Wieder dominiert in diesem Text die feuilletonistische Sprechweise Sloterdijks, oft hat man das Gefühl, der Autor lehne sich zurück und beginne, seitenlang zu plaudern. Wenn man diesen Plauderton aber mag, der dabei viele interessante Ideen (wenn auch nicht unbedingte eine große Leitidee) transportiert, dann kann man das Buch sehr schätzen.
Mir hat es Spaß gemacht und genügt, die vielen kleinen guten Ideen, die der Text enthält, Stück für Stück für mich zu durchdenken. Ich suchte also weniger eine große philosophische Linie, sondern kleine Glasperlen, und die findet man hier sicherlich. In diesem Sinne ist dieses Büchlein ausserordentlich lesenswert.
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Kopernikanische Mobilmachung und ptolemäische Abrüstung: Ästhetischer Versuch (edition suhrkamp)
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