Fashion Sale Hier klicken Jetzt informieren calendarGirl Cloud Drive Photos Sony Learn More fissler Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Autorip Summer Sale 16

Kundenrezensionen

4,4 von 5 Sternen99
4,4 von 5 Sternen
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:5,50 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 25. April 2007
Das Leben des Galilei" von Bertolt Brecht - eine endlose, langweilige Biografie über einen Wissenschaftler aus längst vergangenen Zeiten. Wieder einmal tausende Informationen über Studium und Arbeit eines schon seit langem verstorbenen Mannes".

So verfehlten meine ersten Impressionen völlig die Aufmachung des Buches. Bertolt Brecht stellt über 131 Seiten mit Witz und Charme die Höhen und Tiefen des Lebens des Galilei dar. Man erlebt die damalige Situation rundum fassbar mit: Von der Entdeckung des Kopernikanischen Weltsystems und der Erfindung des Fernglases bis zum Ausbruch der Pest durchlebt man mehrere historische Ereignisse.

Obgleich Brecht vor dem Problem des Vergangenem stand, und so die Szenen in seinem eigentlichen offenen Drama nicht mehr austauschbar sind, vollzieht er meisterhaftes episches Theater. Durch diverse Demonstrationen und Historiserung wird dem Leser die Welt der Verleumdungen und Ignoranz nahe gebracht. Als Kämpfer für die Wissenschaft und für Erkenntnisse trifft Galilei auf profitorientierte Theologen, Philosophen und Mathematiker.

Diese Ambivalenz wird noch deutlicher durch den wissbegierigen Schüler Galileis, Andrea. Offen für neue Erkenntnisse und deren Beweise bildet dieser das Gegenstück zu den Gelehrten". Durch Verfremdung wird dem Leser die Neuartigkeit der Entdeckungen klar. Denn ist für uns im 21. Jahrhundert das mit dem Kippernikus seinem Drehen" nicht offensichtlich?

Mit dem Leben des Galilei" hat Bertolt Brecht ein sowohl absolut lehrreiches als auch unheimlich unterhaltsames Drama hervorgebracht, das sich für jeden zu lesen lohnt.
0Kommentar|9 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. Februar 2008
Berthold Brecht vollendete das Theaterstück "Leben des Galilei" im Jahr 1938 im dänischen Exil. Die Uraufführung des Stückes war am 09.09.1943 in Zürich.
In dem Theaterstück "Leben des Galilei" geht es um, wie der Name schon verrät, das Leben des Galileo Galilei. Die Geschichte spielt in Italien im 17.Jahrhundert. Dem Physiker Galileo Galilei gelingt es mithilfe des gerade neu erfundenen Fernrohrs das kopernikanische Weltbild zu beweisen und somit das ptolemäische, nach welchem die Erde Mittelpunkt des Universums sein soll, zu wiederlegen. Für die damals sehr mächtige katholische Kirche ist die Verbreitung des Kopernikanischen Weltbilds Ketzerei. Hieraus entstehen die Konflikte zwischen Galilei und der kathloischen Kirche, die das wesentliche Thema der Geschichte sind.

Das Stück ist in 15 Szenen unterteilt und am Beginn jeder Szene befindet sich eine Strophe eines Gedichtres und ein einleitender Satz, welche das Geschehen in der nachfolgenden Szene kurz zusammenfassen.

Die Handlung der Geschichte verläuft nicht geradlinig, das heisst es gibt Sprünge in Ort und Zeit. Die gesamte Handlung erstreckt sich über einen Zeitraum von 28 Jahren und wechselt zwischen den Orten Venedig, Florenz und Rom. Unter anderem daran lässt sich erkennen, dass das Stück ein episches Theaterstück ist.

Ein episches Theaterstück hat verschiedene Eigenschaften und Aufgaben, die sich auch mehr oder weniger gut an diesem Werk erkennen lassen.
Durch Verfremdungseffekte soll es dem Zuschauer schwer gemacht werden, sich mit den Figuren zu identifizieren. Dieser Aspekt gelingt in diesem Werk meiner Meinung nach nur teilweise. Die nicht sehr ausführliche Beschreibung von Galilei und die Sprünge in der Zeit zwischen zwei Szenen erschweren es zwar sich in die Lage Galileis hineinzuversetzen, aber durch die nachvollziebaren Handlungen des Galilei wird dies trotzdem ermöglicht. Auch wird die Figur des Galilei nicht nur durch wissenschaftliche Neugier angetrieben, sondern auch aus finanziellen Gründen, was ihn in meinen Augen auch eher menschlich erscheinen lässt. Diese Verfremdungseffekte gelingen Brecht meiner Meinung nach in dem Werk "Die Dreigroschenoper" besser. Hier ist es wesentlich schwerer sich in die Lage der Figuren hineinzuversetzen.

Allerdings gibt es auch Dinge, die beide Werke gemeinsam haben. Das Stück "Leben des Galilei" ist wie auch die Dreigroschenoper in einer einfachen und verständlichen Sprache geschrieben, was das Lesen des Textes sehr einfach macht. Auch sind beide Werke an einigen Stellen ein wenig komisch, was das Lesevergnügen erhöht.

Eine wichtige Aufgabe des epischen Theaterstücks ist, dem Zuschauer gesellschaftliche Missstände aufzuzeigen und sie zum Nachdenken anzuregen. Blickt man hinter den Text, wird das eigentliche Thema des Stückes deutlich. Es geht um den Konflikt zwischen Glaube und Vernunft. Durch das Verhalten der Geistlichen wird die Frage aufgeworfen, inwieweit der Mensch an seinen alten Überzeugungen hängt und bereit ist sein eigenes Weltbild zu überdenken. Dieser tiefere Sinn des Stückes ist ziemlich leicht zu erfassen. Ich denke, dass man darüber auch heutzutage noch nachdenken sollte, weshalb ich das Stück durchaus geeignet für eine Schullektüre halte.

Auch zu anderen Zeiten schien dieses Thema aktuell zu sein. So schrieb Albert Einstein in einem Brief an Brecht im Jahre 1939, dass ihm das Stück "Galilei" große Freude gemacht habe und der Inhalt des Buches angesichts der politischen Probleme seiner Zeit besonders interessieren müsse. Auch lobte Einstein besinders die Darstellung des Galileo Galilei und den Einblick in die Problemstellung, wie sie Galileo vorlagen.
Andere Rezensenten aus der heutigen Zeit schreiben, dass ihnen die Sprache des Werkes sehr gefalle, ihnen aber ein wenig die Spannung fehlt.

Meine zusammenfassende Wertung des Stückes fällt weitesgehend positiv aus. Gut ist, dass das Stück in verständlicher Weise geschrieben wurde und die Handlung durchgehend nachvollziehbar ist. Dadurch ist es nicht so anstrengend das Buch zu lesen und der tiefere Sinn des Stückes erschließt sich einem leichter.
Weniger gut ist, dass die Geschichte zum Ende hin ein wenig langweilig wird, was sich aber nicht ins Endlose hinzieht, da das Stück sowieso nicht so lang ist.
0Kommentar|16 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 25. April 2007
Das Leben des Galilei... war es wirklich ein erfülltes Leben? Galileo Galilei - berühmter Wissenschaftler und Verbreiter des kopernikanischen Sys-tems. Er war so konzentriert und versessen auf seine Forschungen, dass er die ihn umgebenden Menschen in den Hintergrund stellte. Selbst als die Pest ausbrach, floh er nicht davor, um seine Wissenschaften weiter voran zu treiben, sodass seine Hausdame Frau Sarti und ihr Sohn Adrea eben-falls blieben. Doch auch für ihn gab es Nachteile, denn durch die Weiter-entwicklung des Fernrohrs und die ständigen Untersuchungen wurde sein Augenlicht geschwächt. Sein gezwungener Widerruf vor der römisch-katholischen Kirche war die Folge davon, dass Galilei seine Forschungser-gebnisse der ganzen Welt offenbaren wollte. Da er seine Leidenschaft je-doch nicht untergraben konnte, forschte er im Exil weiter, und gab seine Ergebnisse an Andrea weiter, der diese über die Grenze schmuggelte.

In meiner Hinsicht befindet sich das Werk Brechts immer noch auf einem lehrenden Pfad, denn wer früher schon aufklärerisch und revolutionär ge-sonnen war, der würde auch in der heutigen Welt Anlass haben, die Ge-sellschaftsform zu kritisieren. Diese Kritik muss nun gar nicht gegen die römisch-katholische Kirche gerichtet werden, es genügt schon, einige poli-tische Systeme näher zu betrachten.

Wir müssen uns ja nicht mehr fragen, wieviel Einfluss die Kirche auf die Politik zu Zeiten Galileis ausübte.

In einer Zeit zwischen Klimawandel, Korruption und Hartz-IV gibt es ge-nügend Anstöße, die man den Politikern zureichen könnte. Diese würden vielleicht nicht die Ideologie umstoßen, jedoch muss man sich doch deut-lich vor Augen halten, dass auch in einer Demokratie nicht alles zum Wohle des Volkes" getan wird (Zentralabitur, Mindestlöhne, Gesundheits-reform...).

Ich möchte hervorheben, dass man Brechts Galilei auch heute noch an- und verwenden kann, jedoch unter Auslegung bestimmter Aspekte.
0Kommentar|2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 29. November 2001
Was soll man groß zu diesem Stück sagen. Mir gefiel es sehr, um einiges besser als die "Kleinbürgerhochzeit", eines von Brechts frühen Werken.

Was mir aber am besten gefiel war die Ausgabe, die wirklich hervorragend ist. Suhrkamp hat sich viel Mühe gegeben, den Leser beim Lesen mit zusätzlichen Informationen oder Erklärungen zu einigen Textstellen zu versorgen ohne dabei den Fluss zu unterbrechen. Zusätzlich befinden sich im Anhang noch Interpretationsansätze, eine Biographie des Autors und eine umfangreiche Bibliographie. Die Ausgabe ist vor allen Dingen für die Schule zu empfehlen.
0Kommentar|32 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 22. Juni 2011
Brechts 'Leben des Galilei' ist ein 1939 in Dänemark geschriebenes Theaterstück, welches 1943 uraufgeführt wurde. Im Grossen und Ganzen ein den historischen Tatsachen entsprechendes Stück- insofern man die Details genau rekonstruieren kann-, bei dem es um die allseits bekannte (Lebens)Geschichte des italienischen Forschers und Wissenschaftlers Galilei geht, der durch seine Beobachtungen herausfand, dass sich die Welt um die Sonne dreht und rund ist und damit beim Klerus und der katholischen Kirche auf wenig Verständnis stiess. Interessant ist der geschichtliche Hintergrund der Renaissance, das Italien des 17. Jahrhunderts in einem Europa, in dem die Mächtigen und die Kirche in ihrer Rolle hinterfragt wurden und es zunehmend zum Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft kam. Kern des Stücks ist der kritische Umgang mit Wissenschaft bzw. Wissen und der Macht bzw. der Kirche. Wissen war damals keine Macht, sondern stellte in erster Linie eine Gefahr dar, man stellte sich dieser oder- wie es im wirklichen Leben des Galilei auch war- man 'widerrief' und unterstellte sich der Obrigkeit, ohne jedoch wirklich an seinem Wissen bzw. bei Galilei an der Wissenschaft zu zweifeln. Galilei entsagt also seinen 'ketzerischen' Lehren am Ende und bleibt doch zurückgezogen und von der Kirche streng beobachtet im tiefsten Inneren der Wissenschaft verpflichtet und erkennt, dass eine neue Generation- in diesem Stück verkörpert in der Person des jungen Andrea, Sohn seiner Haushälterin, der sich auf den Weg nach Holland macht, um dort seine wissenschaftlichen Forschungen weiter zu betreiben- den Weg zur Wahrheit bzw. zur 'Vernunft' weiter beschreitet. Galilei wirkt während des ganzen Stückes zunehmend depressiv und karrikiert auch seine Gegner, kritisiert sie, lehnt sich auf und macht spöttische Bemerkungen, ohne sie letztlich von seiner Wahrheit überzeugen zu können. Selbst für die Wissenschaft und das Wissen zunächst offene Personen, z.B. der Kardinal, der als späterer Papst Galilei zum Schweigen verdammt, sind letztlich 'wissend', aber schwach. Am Ende ist es Galilei selbst, der sich nahezu einredet, einen falschen Weg begangen zu haben und erkennt am Ende in seiner letzten Begegnung mit Andrea, dass sein Verrat an der Wissenschaft letztendlich lediglich Angst vor körperlichen Schmerzen war, als man ihm 'die Instrumente zeigte'. So war es auch, dies dürfte Brechts Hauptaussage sein, Feigheit, die Galilei sein Wissen und seine eigene Vernunft verleugnen wissen. Insofern ist das Leben des Galilei auch ein Spiegel der deutschen Gesellschaft in den Jahren um 1939, deren alles dominierende Klasse die Nationalsozialisten waren, die die Menschen beeinflussten, ihnen vorschrieben, was 'Wissen' und 'Vernunft' ist und unter deren Knute auch Menschen, die gewisse Dinge längst verstanden hatten, aus persönlicher Angst lieber darauf verzichteten, sich aufzulehnen, wohl wissend, was eigentlich um sie herum geschah. Zudem ist es auch ein Beispiel dafür, wie stark 'höhere' Gruppen- in diesem Beispiel der Klerus- eine ganze Gesellschaft dominieren und selbst darüber bestimmen vorzuschreiben, was wahr und was falsch ist. Insofern ein historisches Stück, bei dem Andrea am Ende korrekt feststellt, dass die Welt für manche Dinge noch nicht bereit ist. Eine schöne Ausgabe, ein schöner und kurzweiliger Klassiker, sehr zu empfehlen!
0Kommentar|2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 25. April 2007
Die Gestirne hängen nicht an Schalen, die Erde dreht sich um die Sonne und wir sind nicht der Mittelpunkt des Universums!

Indem Bertold Brecht diese heute selbstverständlichen Erkenntnisse, die Galileo Galilei einst durch Benutzung des Teleskops erwarb, meisterhaft abstrahiert und historisiert, gelingt ihm ein zeitloses Meisterwerk.

Das Drama begleitet Galilei von der Ausarbeitung der Lehren des Kopernikus, über die Entdeckung des Teleskops als Beweismittel für seine Argumentation und die ignoranzbedingte Weigerung seiner zeitgenössischen Wissenschaftskollegen, den Sprung von der Hermeneutik zum Empirismus zu wagen, sowie die Bestätigung seiner Lehren durch das Collegium Romanum, bis hin zu der Indizierung der kopernikanischen Lehre aufgrund des befürchteten Machtverlusts der Kirche und Herrscher, sowie Galileis Inquisition und Widerrufung und seinem Lebensende als Gefangener der Kirche.

Trotz seiner eigentlich aristotelischen Form erfüllt das „Leben des Galilei“ vorbildlich den Lehrauftrag des epischen Theaters: Anhand der Denkstruktur und Handlungen zeitgenössischer Geistlicher und Wissenschaftler wird dem Leser offenbart, wozu Profitgier, Ignoranz, Opportunismus und Machtmissbrauch führen. Dies gelingt Bertold Brecht durch eine Demonstration der Missstände in der Gesellschaft, die durch eine verfremdete Darstellung besonders auffällig und daher eindringlich sind.

Zwar ist Brechts Schlussfolgerung, Galileis Widerrufung habe die Möglichkeit, einen hippokratischen Eid für Wissenschaftler zu etablieren, der die Entwicklung der Atombombe verhindert hätte, zunichte gemacht, so nicht haltbar, da auch jener Eid der Ärzte z.B. Josef Mengele nicht aufgehalten hat, seine grausamen Versuche durchzuführen. Aber dennoch ist das vermittelte Pathos sowohl umsetzungswert als auch durch die Art seiner Inszenierung niemals kitschig oder überzogen.

Mit diesem Appell an die Vernunft ist Bertold Brecht sein opus summum gelungen, das ich auch heutzutage aufgrund seiner Lesbarkeit und zeitlosen Aussage jedem empfehlen kann.
0Kommentar|2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 25. April 2007
Ich denke, Bertold Brecht ist sein Werk "Leben des Galilei" gelungen,da er sehr deutlich die damalige Engstirnigkeit der Kirche darstellt, genauso wie den Versuch eines Forschers, unermüdlich seine Forschungsergebnisse durchzusetzen.

Hierbei versucht der Protagonist Galilei auf die Hilfe seiner Freunde zu bauen, denn ohne sie hätte er kaum Möglichkeiten, das "normale" Leben und seine Experimente zu vereinbaren.

Leider muss Galilei feststellen, dass die damals weltliche Macht nicht dazu bereit ist, sich auf neue Thesen, die eine Veränderung der Welt bedeuten könnten, einzulassen, hier am Beispiel von Galileis Theorie erläutert. Galilei scheint durch Berechnungen heraus gefunden zu haben, dass die Erde nicht der Mittelpunkt der Welt ist, sondern ein Himmelskörper wie alle anderen Sterne und sich ebenso um die Sonne dreht.

Wenn die Kirche sich auf diese "waghalsige" These einließe, würde ihre bis dahin unbestrittene Allwissenheit in Frage gestellt, weil ein einfacher Forscher die "geistlichen Wissenschaften" hinter fragt bzw neu belegt.

So kann man in diesem äußert leicht zu lesenden Drama die ganze Geschichte des verbitterten Kampfes Galileis miterleben, wie er versucht, sich gegen eine scheinbar unbesiegbare Macht durchzusetzen. Brecht hat sein Drama mit einer humorvollen Note geschrieben, aber auch mit einer gewissen Kritik, sowohl an der unflexiblen Kirche als auch an den sturen Galilei.

Abschließend möchte ich dieses Drama im Allgemeinen loben, es ist leicht verständlich und in unserer Zeit auch nachvollziehbar, aber über die Unflexibilität der Kirche lässt sich nur schmunzeln.

Verglichen mit anderen Dramen wie Woyzeck" oder Antigone" ist dieses Werk verständlicher und hat zudem eine Lehre in Form von Galileis Theorie.
0Kommentar|2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 12. Juni 2006
Bertolt Brechts "Leben des Galilei" ist eines der beachtetsten und meistgelesenen deutschsprachigen Theaterstücke des 20 Jahrhunderts. Inhaltlich geht es, wie zu erwarten war, um das Leben des Mathematikers, Physikers und Astronomen Galileo Galilei und um den Konflikt zwischen kopernikanischem und ptolemäischem Weltbild, in dem der Wissenschaftler an vorderster Front steht. Doch wie stets im Epischen Theater ist es allein mit der offenkundigen inhaltlichen Ebene nicht getan, sondern der Zuschauer oder Leser ist angehalten nachzudenken und sich selbst ein Urteil zu bilden. Blickt man also hinter den Text und versucht, seine allgemeine Aussage zu erfassen, so wird das wahre Thema des Dramas, nämlich der Konflikt zwischen Vernunft und Glaube überhaupt, zwischen Überzeugung und Einsicht klar. Wie sehr klebt der Mensch an seinen Überzeugungen, wie schwer fällt es ihm, Neues anzuerkennen, wenn es sein bisheriges Weltbild in Frage stellt. Und wie unendlich schwer haben es jene, die für die Erkenntnis kämpfen, ist es überhaupt möglich, eine Position, so gerechtfertigt sie auch sei, in einer feindlichen Umwelt zu halten?

Brechts Stücke stimmen uns nachdenklich und oft auch betroffen. Grausame Anklage ist darin, kompromisslose Desillusionierung, aber auch die Aussicht und vielleicht der Aufruf zur Besserung. Für mich ist "Leben des Galilei" das beste Stück von Brecht, das ich bisher gelesen habe.
0Kommentar|17 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 3. März 2007
Natürlich ist die Erde das Zentrum der Welt und am Himmel befestigt, natürlich dreht sich die Sonne um die Erde, ebenso wie alle übrigen Gestirne um die Erde rotieren, in ihrer jeweiligen Schale, die verhindert, dass sie vom Himmel herabfallen. Natürlich ist die Erde das Zentrum der Welt - wo, wenn nicht im Mittelpunkt der Schöpfung Gottes solle der Mensch denn stehen?

Das Bibel-fundierte selbstverständliche Selbstverständnis der römisch-katholischen Kirche, das Jahrhunderte überdauerte, wird erschüttert, als ein Professor der Mathematik zu Padua mittels des jüngst erfundenen Teleskops vier kleine Möndchen entdeckt, die scheinbar harmlos kreisend sich um den Jupiter bewegen - nach Verständnis des Ptolemäischen Weltsystem hätten sie dies gar nicht tun können, da die Monde die obligaten Begrenzungen der gedachten Himmelsschalen durchgebrochen hätten und vom Himmel einfach hätten herabfallen müssen.

Galileis Entdeckung, die den Beweis des Kopernikanischen Weltbilds bedeutet, erzeugt einen wissenschaftlichen Enthusiasmus, der den Physiker in morbidem, realitätsimmunem Optimismus alle pragmatischen Verhältnisse übersehen lässt: Vom Glauben an die Vernunft im Menschen und dessen Streben nach Wahrheit angetrieben, publiziert der renommierte Physiker seine Entdeckungen, um sie dem gewöhnlichen Volk zu Nutzen kommen zu lassen, nicht in Latein, der Sprache der Wissenschaft, sondern in der Nationalsprache Italienisch, der Sprache der Plebs, und erreicht damit die Massenwirksamkeit der Physik und ihrer Erzeugnisse. Galileo Galilei wird zum Popstar der Physik und begründet ein neues Zeitalter: ein Zeitalter des Zweifelns an gottgegebenen Verhältnissen.

"Sollen wir die menschliche Gesellschaft auf den Zweifel begründen und nicht mehr auf den Glauben?" - die Heilige Kongregation des Vatikans diffamiert Galileis Publikationen als Frevel und Blasphemie und denunziert die Vernunft als Substitut für den Glauben. Sie sieht das Ptolemäische Weltbild, das jeher als Legitimation der Macht des Klerus und des Adels diente, gefährdet durch Galileis Entdeckungen und damit die Autorität der Kirche und der Grundherren in Zweifel gezogen: Die Ehrfurcht des gewöhnlichen Volkes vor der Allmacht Gottes droht durch die vor der Wissenschaft und deren generierte Maschinen ersetzt zu werden.

Der Klerus droht - Galilei spricht: "Ich muss es wissen.", und forscht weiter. Die gesellschaftlichen Folgen seines Forschens und Entdecken in toto tangieren ihn kaum. Als ihm jedoch die persönlichen Konsequenzen in Form von Folter und Verhören durch die Heilige Inquisition präsent werden, die ihn bereits einmal acht Jahre lang wissenschaftlich pausieren ließen, sagt er seinen Idealen ab, widerruft das bereits Bewiesene und erschüttert hiermit die Grundfeste der freien Forschung: der Popstar der Physik also nicht als Märtyrer der Wissenschaft.

Bis zu seinem Tod steht Galileo Galilei unter der strengen Observation der Kirche und betätigt kirchenfreundliche und folglich belanglose Forschungsarbeit. Die beständige Furcht vor der Inquisition scheint ihn zu einen braven, streng religiösen Pseudo-Wissenschaftler mutiert haben zu lassen, dem nichts hochheiliger ist als die hochheiligen Prinzipien der hochheiligen Kirche. Erst spät wird dem Leser offenbart, wie die wahren Ambitionen hinter der Maske der religiösen Seligkeit aussehen: Die "Discorsi", eine Abhandlung Galileis die Mechanik und Fallgesetze betreffend, die auch heute noch als Grundlagen der Physik elementare Bedeutung genießt, belegen Galileis weiterhin vorhandenen Forschergeist, der eingezwängt im engen Korsett kirchlicher Unvernunft zwar gezähmt, nicht jedoch gänzlich unterbunden werden konnte.

Bertolt Brecht ist ein Drama gelungen, das unter Verwendung von humorvoll ironischer Untermalung, die mit zunehmender Brisanz der Handlung (im Dienste der Authentizität) in ihrer Präsenz geringer wird, das Leben und Wirken eines der bedeutendsten Physiker schildert, der keinesfalls als charismatischer Held dargestellt wird, sondern sich vielmehr als begeisterter Forscher exponiert, den einerseits die realitätsferne Überzeugung von der Vernunft im Menschen prägt, andererseits als Mensch wie Du und ich an Enttäuschung und Selbstkritik leidet nach dem scheinbar feigen Widerruf seiner belegbaren Entdeckungen ("Ich habe meinen Beruf verraten"). Durch Brechts implizierter Kritik an einem Zeitalter des Glaubens und nicht des Denkens stellt "Leben des Galilei" ein literarisches Werk dar, das auch in unserer als modern und aufgeklärt imprägnierten Welt von Belang ist: Galileo Galilei war seiner Zeit voraus und auch heute noch scheint wiederum die röm.-kath. Kirche noch nicht bereit die längst notwendige Anpassung an geänderte gesellschaftliche Umstände zu tätigen (Verbot der Verwendung von Präservativen, Untersagung der weiblichen Besetzung des Priesteramtes, Festhalten am geweihten Amt in der apostolischen Sukzession, etc.).

"Leben des Galilei" ist ein Lehrstück über Lüge, Selbstbetrug aus Machtgründen und ein Desiderat an Toleranz, das nur zu gut in das Entstehungsjahr 1938/39 und den Unterdrückungsapparat des NS-Regimes passt: "Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!"
0Kommentar|16 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 22. Juni 2016
Zum bekannten Stück von Bertolt Brecht muß nichts weiter gesagt werden, außer daß die biographischen Idealisierungen, die der Bühnenautor vornahm, im ausführlichen und ansonsten guten Kommentar nicht hinreichend aufgeklärt werden.

GALILEIS PERSÖNLICHKET
So hatte Galilei seiner Sache keinen guten Dienst erwiesen, indem er sich durch übertriebenen Spott in seinem Dialog über die zwei wichtigsten Weltsysteme die Gunst des ihm wohlgesonnenen Papstes leichtfertig verspielte. Auch seine Reserviertheit gegenüber dem wissenschaftlichen Austausch mit Johannes Kepler, dessen wegweisende Entdeckung der Ellipsenbahnen der Planeten er nicht anerkannte, zeugen von Defiziten in der Persönlichkeit des großen Physikers, die weder in der idealisierenden Darstellung Brechts noch im Kommentar ihren Niederschlag finden.

Insofern irrt auch Albert Einstein in seinem lobenden Brief vom 4.5.1939 aus Princeton an Bert Brecht, als er schrieb: "Sehr geehrter Herr Brecht, Sie haben mir mit Ihrem ,,Galilei” eine grosse Freude gemacht. Nicht nur scheinen Sie mir die Persönlichkeit Galilei’s tief erfasst zu haben, sondern auch die Bedeutung seiner Erscheinung in der Entwicklung der Geistesgeschichte und damit in der Geschichte überhaupt…. Freundlich grüßt Sie Ihr Albert Einstein".

Bisweilen ist das Urteil über den Charakter Galileis sogar über alle Maßen vernichtend. So zitiert Paul Badde in einem Zeitungsartikel aus dem Jahre 2012 den Schriftsteller Hans Zander: «Der Fall Galilei ist also ein heiliges Tabu der Moderne, und es braucht eigentlich schon einen so frechen Hundling wie den Kisch-Preisträger Hans Conrad Zander aus der Schweiz, der es wagen darf, ihn "rücksichtslos, überheblich, größenwahnsinnig", jedoch auch ein "Marketing-Genie (mit Verfolgungswahn)" zu nennen. Bei diesem "epochalen Januskopf" redet sich der ebenso witzige wie bedächtige Schweizer heute noch in Fahrt. Der "Champion der Emanzipation der Wissenschaft aus kirchlicher Knechtschaft und Märtyrer moderner Geistesfreiheit", sei, von vorn betrachtet, "das schöne Gesicht der Kultfigur Galilei." Von hinten betrachtet hingegen habe er "die häßlichste aller akademischen Fratzen: ein Naturwissenschaftler, der übereifrig, skrupellos sein Wissen und seine Technik in den Dienst politischer Tyrannen stellt. Der Archetyp des verwilderten Naturwissenschaftlers heißt Galileo Galilei."»

ASTRONOMIE
Nüchtern astronomisch betrachtet sind die auch in Brechts Stück mehrfach erwähnten Phasen der Venus, die die römischen Jesuiten unabhängig von Galilei entdeckt hatten, ein eindeutiger Beleg dafür, daß sich die Venus um die Sonne drehen muß. Allerdings ist auch das von den Jesuiten bevorzugte Tychonische Weltmodell, bei dem alle Planeten außer der Erde um die Sonne kreisen, in der Lage, die Phasen und den Größenwechsel der Venusgestalt zu erklären. Die Tatsache, daß sich die schlußendliche Sicherheit, daß die Erde sich um die Sonne bewegt, erst 300 Jahre später mit dem Nachweis der sog. Fixsternparallaxe gelang, zeigt, daß sich Galilei nicht gegen den Hypothesen-Status seiner Lehre hätte sträuben dürfen.

Der agnostische Wissenschaftstheoretiker Paul Feyerabend formuliert es so: "Die Kirche zur Zeit Galileis hielt sich viel enger an die Vernunft als Galilei selber, und sie zog auch die ethischen und sozialen Folgen der Galileischen Lehren in Betracht. Ihr Urteil gegen Galilei war rational und gerecht, und seine Revision läßt sich nur politisch-opportunistisch rechtfertigen."

MODERNE PHYSIKER
Durch den Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki sah sich Brecht zu einer Überarbeitung des Stückes veranlaßt, um Galileis negative Züge kräftiger zu entfalten. Bissig ist Brechts Kommentar zur Verteidigung des Physikers Robert Oppenheimer: "Seine Schrift liest sich wie die eines Mannes, der von einem Kannibalenstamm angeklagt wird, er habe sich geweigert, Fleisch zu besorgen, und der jetzt, sich zu entschuldigen, vorbringt, er sei während der Menschenjagd beim Holzsammeln für den Kochkessel gewesen! Was für eine Finsternis!"
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden