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55 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bereit zum Entdecken, 18. November 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Werke. Frankfurter Ausgabe (7 Bände in Kassette) (Broschiert)
Die Ausgabe folgt der Frankfurter Ausgabe (sieben Bände, 298 Euro) und ist eine Überarbeitung der Übersetzung von Eva Rechel-Mertens durch Luzius Keller ("durchgehend revidiert und stellenweise neu gefaßt", Anmerkungen, Band 1, Seite 638).

Die Rechtschreibung ist dem Text angemessen (daß statt dass).

Die Bücher sind gebunden, die Buchdeckel jedoch dünn, aber dicker als bei einem Taschenbuch. Die Seiten sind nicht zu dünn und nur sehr wenig durchsichtig. Insgesamt ansprechende Qualität.

Jeder Band hat Nachwort, Anmerkungen und Kommentare, Resümee, Bibliographie und Namensregister. Der Anhang bezieht sich nur auf den jeweiligen Band.

Im ersten umfaßt er 96 von 715 Seiten, im dritten und umfangreichsten 156 von 997 Seiten.

Das Resümee benennt Ereignisse mit Seitenzahlen: "Trügerische Beruhigung durch die Liebesspiele mit Albertine (109)", (Band 5, Seite 679).

Auf Anmerkungen und Kommentare wird im Text durch hochgestellte Zahlen verwiesen, die auf jeder Seite wieder bei eins beginnen und im Anhang unter der Seitenzahl aufgeführt sind: "Seite 414: 1 Aus der Folge mehrerer, sich wiederholender Spazierfahrten wird im folgenden eine einzelne herausgegriffen. Seite 415: 1 Im unmittelbaren Kontext steht das Motiv der mit Efeu überwachsenen Kirche in Verbindung ..." (Band 2, Seite 809).

Wer 298 Euro nicht ausgeben will, hat in der "kleinen" siebenbändigen Ausgabe (98 Euro) einen Zuwachs an Qualität gegenüber der dreibändigen (68 Euro), der den Kauf nicht bereuen läßt.

Meine uneingeschränkte Empfehlung.
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32 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Exzellent!, 14. Januar 2004
Eine editorische Meisterleistung, fast so monumental wie der Roman selbst! Worum geht es? Ein junger Mann, Marcel, ist auf der Suche nach seiner Identität als Künstler. Begabt mit einer ausserordentlichen Sensibilität, verspürt er die Berufung zum Schriftsteller - dennoch zweifelt er an seinem Talent, das "Wesentliche hinter den Dingen" zu erfassen. Beglückend, aber auch irritierend empfindet er gelegentliche Momente rauschhafter Ekstasen, mystische Zustände erweiterten Bewusstseins, hervorgerufen durch einen Duft, einen Klang, ein Bild oder auch den Geschmack eines Sandtörtchens (die berühmte "Madeleine"-Episode). Marcel möchte dem Geheimnis dieser Ekstasen auf die Spur kommen, er fühlt, dass sie etwas mit Erinnerung an Vergangenes zu tun haben und macht sich auf die Suche nach der (vermeintlich) verlorenen Zeit. Er erinnert sich an seine Kindheit auf dem Lande (Combray) und in Paris, an Aufenthalte an der See, an wenig beglückende Liebes-, oder vielmehr Eifersuchtsbeziehungen und an seinen gesellschaftlichen Aufstieg in der Welt der Salons zur Zeit der "Belle Epoque", die in grandioser Ausführlichkeit, wenn auch wenig schmeichelhaft beschrieben wird. Die Themen Künstlertum und Homosexualität (bei Proust eng aufeinander bezogen) nehmen dabei breiten Raum ein. Doch der Blick zurück auf Vergangenes kann das Rätsel jener seltsam rauschhaften Ekstasen nicht lösen. Fast hat Marcel seine künstlerischen Ambitionen aufgegeben, als ihm, ganz am Ende des Werkes, doch noch die "Erleuchtung" zuteil wird: der Geschmack des Süssgebäcks, der Geruch eines Latrinenhäuschens, der Anblick einer Baumreihe evozieren in einer Art "deja-vu" Erinnerungen an ähnliche, früher erlebte Situationen, wobei Vergangenheit und Gegenwart in einer mystischen Zusammenschau verschmelzen und den Erzähler in einen Zustand ausserhalb der Zeit versetzen, einen Hauch der Ewigkeit spüren lassen. Doch wie lassen sich diese flüchtigen Momente festhalten? In der Kunst - und so schöpft der Protagonist neue Kraft, als Schriftsteller seinen Erfahrungen eine angemessene Form zu verleihen.
Prousts umfangreiches Werk ist ausserordentlich vielschichtig, psychologischer Roman und Gesellschaftssatire mit zahllosen Anspielungen auf reale Ereignisse, Personen und Orte der "Belle Epoque". Die "Frankfurter Ausgabe" kommentiert ausführlich und gibt auch wichtige und interessante Informationen zu Romanstruktur und Interpretation. Ohne lehrmeisterlich zu wirken, wird auch auf das Unfertige einiger Romanteile hingewiesen, auf Brüche und Fehler, die Proust (der im wahrsten Sinne des Wortes bis zu seinem Todestag an dem Roman gearbeitet hat) nicht mehr redigieren konnte. Die Nachworte zu jedem Band rekapitulieren nicht nur vorzüglich den Inhalt, sondern informieren auch über Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte. Darüber hinaus listet ein "Resümee" (als Erinnerungsstütze) für jeden Band die Szenen des Romans im Detail auf. Die gediegen ausgestatteten, malvenfarbenen (Odettes Lieblingsfarbe!) sieben Bände der "Suche" gibt es zusammen im Schuber, lassen sich aber auch einzeln mit Schutzumschlag als Teil der gesamten Frankfurter Proust-Ausgabe erwerben, die noch sechs weitere Bände umfasst. Ich hatte jedenfalls nach der Lektüre der "Suche" immer noch Lust, weiterzulesen und habe mir "Freuden und Tage" (frühe Proust-Schriften) und "Gegen Sainte-Beuve" (mit interessanten Vorstudien zur "Suche") aus dieser wunderbaren Reihe zugelegt!
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38 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endlich vollendet!, 13. November 2002
Endlich, Proust-Fans können sich freuen: Die neue Übersetzung des Riesenwerkes "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" mit Kommentar und Anmerkungen ist vollendet. Vielen Lesern erschien dieses Monumentalepos, das zwischen 1913 und 1921 die literarische Moderne einleitete, als der bedeutendste Roman des 20. Jahrhunderts. Und in der Tat, Proust hat hier nichts mehr und nichts weniger als die Neuschöpfung des modernen Romans geleistet, indem er sich selbst als literarisches Ich neu erschuf. Denn Ich-Erzähler und Autor sind keinesfalls identisch, wie man bald bemerken wird, wenn man die Biographie Prousts genauer studiert. Vielmehr war ihm die Kunstform des Romans die einzige Möglichkeit, nach dem Tod seiner allesgeliebten Mutter, von der er bis zu seinem 35.Lebensjahr völlig abhängig war, in schwer asthmakrankem Zustand zu überleben. Dabei diente ihm seine spontane Erinnerungsfähigkeit dazu, ein erzählendes Ich, den Erzähler Marcel zu erschaffen, der Dank dieser Fähigkeit das gewaltige Bild einer ganzen Epoche, der "Belle Epoque", vor den staunenden Augen der Leser entrollt.
Die Neuübersetzung des Schweizer Proust-Forschers Luzius Keller basiert auf der genialen ersten vollständigen Übertragung aus dem Französischen von Eva Rechel-Mertens aus den 50er Jahren. Sie wird ergänzt durch ausführliche Anmerkungen, ein Nachwort zu jedem Band und eine Zusammenfassung des Inhaltes jedes Bandes, angenehme Lesehilfen, um sich in diesem Riesenwerk nicht zu verlieren.
Die fliederfarben eingebundenen, beinahe zierlichen Leinenbände entsprechen dem Inhalt auf besondere Weise, ein Lesebändchen vervollständigt das Leseerlebnis, das sich bei den 5260 Seiten ja durchaus über Jahre erstrecken kann. Die Lektüre lässt sich übrigens gerade anhand dieser gefällig erscheinenden Ausgabe in literarisch interessierter Gesellschaft auch laut durchführen, denn Proust zu lesen, erfordert zwar eine gewisse Ausdauer, die Lektüre wird aber belohnt durch die schönsten Schilderungen von Naturerlebnissen, etwa an der Yvonne nahe dem mythischen Kindheitsort Combray, oder bezaubernde Beschreibungen der Musik eines ominösen Vinteuil, dessen Vorbild eine Mischung aus César Franck und Gabriel Fauré gewesen ist, nicht zu vergessen jenes Ur-Erinnerungserlebnis beim Eintauchen einer Madeleine in eine Tasse Lindenblütentee ...
Überhaupt sind die Vorbilder für die Figuren und die beschriebenen Kunstwerke des Romans, etwa die Gemälde des Malers Elstir, immer Konglomerate und niemals nur einer lebenden Person zuzuschreiben. Auch darin erweist sich Proust als der geniale Schriftsteller, der durch sein imaginatives, schöpferisches Vermögen eine neue, bezaubernde Welt zu schaffen vermochte. Lassen Sie sich also anhand der nun endlich vollständigen deutschen Neuübersetzung in diese Welt entführen ...
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32 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen „Die Wirklichkeit ist immer nur der Anfang eines Weges ins Unbekannte“, 19. Mai 2013
Von 
Mag Sarah Krampl "sarahkrampl" (Villach) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Werke. Frankfurter Ausgabe (7 Bände in Kassette) (Broschiert)
Proust zu lesen bedeutet eine Welt zu betreten, deren Luft so dünn wird, dass man das Gefühl hat, in eine eigene sterile, saubere Geisteswelt einzutauchen. In diesem Roman kommen nur die subtilsten, „saubersten“ Gedanken vor. Es gibt nur Geist, keine Erde. Die Keime, die wahrgenommen werden, strahlen ausschließlich aus dem Gewissen aus. In diesem Roman geschieht nichts ruckartiges, die „Action“ findet im Inneren des Protagonisten statt, die äußeren Ereignisse lösen eine Lawine an Gedanken, Erinnerungen, Gefühlen und Überlegungen aus, die der Autor meisterhaft in allen Details darlegt.
14 Jahre hat Proust an diesem 7-Bändigen Werk gearbeitet, immer wieder Änderungen und Korrekturen vorgenommen. Von schwächlicher Gesundheit, aber reich, konnte sich Proust ein Leben lang mit Kunst und Kultur befassen und in Kontakt mit Persönlichkeiten aus den höchsten Bildungs- und Aristokratiekreise treten.

„Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ ist ein grandioses Werk, das allgemein von Zeit, Erinnerung, Liebe, Eifersucht und bürgerlichem, aristokratischen Leben in der Zeit der Belle Epoque in Frankreich erzählt. Als Bildungsroman breitet sich die bürgerliche Welt des 19. und frühen 20. Jahrhundert zum Greifen nahe vor dem Leser aus, manche der zahlreichen Protagonisten, wie dem Ich- Erzähler oder Odette und Madame de Guermantes wird man nie wieder vergessen können. Minutiös werden sämtliche Landschaften beschrieben, Proust schreibt seitenlang nur über Sträucher und Blumen zum Beispiel, die er in einem Park sieht und zwei Bücher später tauchen dieselben Sträucher und Blumen wieder in seiner Erinnerung auf. Die Stärke von Proust Romans liegt aber nicht so sehr in der Beschreibung der äußeren Ereignisse und der materiellen Welt, sondern viel eher in der stilistisch und inhaltlich brillanten Beobachtung und minutiösen, bis ins letzte Detail ausgefeilten Beschreibung von Bewusstseinszuständen, Gefühlen und Gedanken, welche sich so in die Länge und Breite ziehen, dass die Zeit ausgedehnt wird und darin keine Chronologie, keine Messung mehr möglich ist. Am Ende der Lektüre wird man gewahr, wie unmerklich die Zeit vergangen ist.

Ich persönlich hatte das Gefühl, ins Innere, in die Gedanken- und Gefühlswelt vom Ich-Erzähler zu treten, als würde ich mit seinen Augen und seinen Gefühlen alles erleben, aber noch mehr, als würde ich in einem in jeglicher Hinsicht ausgedehnten Geist schweben, um aber immer wieder doch diese Art von punktueller Realität zu erleben und zwar immer dann, wenn der Protagonist, meistens durch andere Menschen und sich in Gesellschaft begebend, auf den Boden der Tatsachen katapultiert wird und die Mauer zwischen seinem Inneren und der Außenwelt dadurch durchbrochen wird.

Ein einzelner, bestimmter Bewusstseinszustand wird in diesem Werk oft auf mehr als zweihundert Seiten beschrieben und analysiert. Den zerhackten Assoziationsfluss, der uns heutzutage von einem Thema zum anderen springen lässt und unsere Gedanken infiziert, gibt es in diesem Buch nicht; ein Gedanke wird nicht nur zu Ende gedacht, sondern von allen, einem Menschen möglichen Blickwinkeln betrachtet und gefühlsmäßig erfasst, in seiner Oberfläche und seiner Tiefe. Ein Gedanke wird mit den Sinnen erfasst, mit dem Körper, mit dem Geist und Proust spielt fast damit, setzt diesen Gedanken mit anderen Gedanken in Bezug, mit der Welt, mit der Realität, mit der Phantasie. In Prousts Werk einzutauchen, sich darauf einzulassen zahlt sich schon deshalb aus, weil man am Ende das Gefühl hat, den eigenen Geist bereichert, das eigene Leben um eine wichtige Dimension erweitert und vertieft zu haben.

Die Gabe Prousts besteht darin, dem Leser vor Augen zu führen, wie man sich bei Ausführung bestimmter Tätigkeiten, beim Denken bestimmter Gedanken fühlt; die Beschreibungen darüber sind dermaßen ausführlich und doch sensibel und leicht nachvollziehbar, dass sämtliche Geisteswissenschaftler von ihm noch etwas lernen könnten.

Ein großer Teil des Romans untersucht das Phänomen der Liebe, der verliebten erwiderten und unerwiderten Liebe, der Leidenschaften, die Menschen füreinander empfinden. Proust wird nie ausfällig oder grob, alle leid- und freudvollen Regungen, selbst die stärksten und intensivsten, die negativsten und positivsten, werden auf sublime, geistreiche Art beschrieben. Darin liegt auch eine große Stärke des Autors, Gegenstände und materielle Manifestationen davon, ausschließlich mit seinem feinen Geist zu erfassen und zu beschreiben. Proust würde nie das Wort „Sex“ benützen, nicht einmal „Geschlechtsverkehr“ oder „küssen“, diese Tätigkeiten kommen alle im Buch vor, werden aber ganz anders beschrieben, seitenweise von Gedanken und Gefühlen geschmückt, so dass die Tätigkeit an sich ein kleiner Punkt inmitten eines großen Ozeans an Innerlichkeit bleibt. Und dies verhält sich mit allen äußeren Tätigkeiten und gesehenen Gegenständen und Landschaften auf die gleiche Weise. Proust lässt jemanden etwas sehen, berühren, sagen oder hören und bettet dies in einem großen Ganzen ein, so dass sich das Gesehene, Berührte, Gehörte und Gefühlte in einem breiten Raum im „Gehirn“ verliert und mehr noch, im Geiste sublimiert wird.

Proust gelingt außerdem eine genaue Interpretation und Darlegung des Phänomens der Erinnerung. In Band 7 erinnert sich der Ich-Erzähler an die Ereignisse von Band 1, aber nicht grob und zerhackt, sondern fein und doch präzise, dieser Regungen, Gefühle, die durch Sinneserfahrungen, wie beim Essen des in Tee eingetauchten Gebäcks zum Beispiel einige Jahre später bei derselben Tätigkeit unverändert und doch bereichert um die gegenwärtige Situation, zum Vorschein kommen und dieselben Gefühle, Impressionen und Gedanken evozieren. Die Lebensspanne vom Kind zum Greis wird in meisterhafter Form entwickelt und der siebente Band ist eine Rückschau auf das Leben des Protagonisten, die aber aufgrund eines realen Ereignisses geschieht, als der Ich-Erzähler all seine Bekannten und Freunde auf einem Salonempfang trifft, die mittlerweile auch alle älter, manche gleich geblieben, manche unkenntlich geworden sind. So schließt sich am Ende ein Lebenskreis auf meisterhafte Weise.

Die Übersetzung ins Deutsche durch Eva Rechel-Mertens und Luzius Keller ist sehr gut gelungen, ich fragte mich ständig, wie es jemand schaffen konnte, dieses Werk zu übersetzen und jene inneren Regungen und Bewusstseinszustände so meisterhaft in eine anderen Sprache zu übertragen.

Diese 7 Bände haben mein Leben und meinen Geist nicht nur bereichert, sondern auch erweitert und zum Teil verändert, insofern, dass sich meine Gedanken und Gefühle nach der Lektüre in hohem Maßen verfeinert haben.

Mich interessierten am meisten die philosophischen Passagen, derer es viele gibt und in meisterhaftem Stil von Proust zur Sprache gebracht wurden. Im Folgenden eine kleine Kostprobe aus jedem Band:

Band 1 – die von den meisten Kritikern zitierte Stelle:

In der Sekunde nun, da dieser mit den Gebäckkrümeln gemischte Schluck Tee meinen Gaumen berührte, zuckte ich zusammen und war wie gebannt durch etwas Ungewöhnliches, das sich in mir vollzog. Ein unerhörtes Glücksgefühl, das ganz für sich allein bestand und dessen Grund mir unbekannt blieb, hatte mich durchströmt. Es hatte mir mit einem Schlag, wie die Liebe, die Wechselfälle des Lebens gleichgültig werden lassen, seine Katastrophen ungefährlich, seine Kürze imaginär, und es erfüllte mich mit einer köstlichen Essenz; oder vielmehr: diese Essenz war nicht in mir, ich war sie selbst. Ich hatte aufgehört, mich mittelmäßig, zufallsbedingt, sterblich zu fühlen. Woher strömte diese mächtige Freude mir zu?

Band 2

Wie könnte man einen Menschen vergessen, den man von jeher liebt!

Gewöhnlich leben wir mit einem auf das Minimum reduzierten Teil unseres Wesens, die meisten unserer Fähigkeiten wachen gar nicht auf, weil sie sich in dem Bewusstsein zur Ruhe begeben, dass die Gewohnheit schon weiß, was sie zu tun hat, und ihrer nicht bedarf.

Unsere Aufmerksamkeit füllt ein Zimmer mit Gegenständen an, doch unsere Gewohnheit lässt sie wieder verschwinden und schafft uns selber darin Platz.

Band 3

Wir können ganz nach unserer Wahl uns der einen oder der anderen von zwei Kräften hingeben; die eine steigt aus uns selber auf, sie entströmt den Erlebnissen unseres Inneren, die andere kommt uns von außen zu. Die erste trägt von Natur eine Freude in sich, wie sie dem Leben schöpferischer Menschen entquillt. Die andere Strömung, die auf uns die Bewegtheit zu übertragen versucht, von der Personen außer uns bestimmt werden, ist nicht von Genuss begleitet; doch können wir ihr rückwirkend etwas Ähnliches hinzusetzen in Gestalt eines Rausches, der so künstlich ist, dass er sehr schnell zu Überdruss und Traurigkeit wird; daher die vielen trüben Gesichter in der mondänen Gesellschaft, daher auch die vielen nervösen Zustände, die zuweilen bis zum Selbstmord führen.

Band 4

Unaufhörlich verändern die Menschen im Verhältnis zu uns ihren Platz. In dem unspürbaren, aber ewigen Lauf der Welt halten wir sie für unbeweglich, denn unsere Sicht von ihnen ist zu kurz, als dass wir die Bewegungen, die sie weitertreibt, wirklich feststellen könnten. Doch wir brauchen nur aus unserer Erinnerung zwei Bilder von ihnen zu verschiedenen Zeitpunkten auszuwählen, die gleichwohl noch nahe genug beieinander liegen, dass sie sich objektiv mindestens spürbar nicht verändert haben, und es wird die Verschiedenheit der beiden die Ortsveränderung bezeichnen, die der Dargestellte in unserem Bewusstsein erfahren hat.

Band 5

Wir bilden uns ein, der Gegenstand der Liebe sei ein Wesen, das vor uns ruhend daliegen kann und in einem Körper eingeschlossen ist. Aber ach! Ihr Gegenstand ist vielmehr die Ausdehnung dieses Wesens bis zu allen Punkten des Raumes und der Zeit, die es je berührt hat und berühren wird.

Die einzige wahre Reise, der einzige Jungbrunnen wäre für uns, wenn wir nicht neue Landschaften aufsuchten, sondern andere Augen hätten, die Welt mit den Augen eines anderen, von hundert anderen betrachten, die hundert verschiedenen Welten sehen könnten, die jeder einzelne sieht, die jeder von ihnen ist.

Band 6

Die Bande zwischen einem anderen und uns existieren nur in unserem Denken. Wenn das Gedächtnis nachlässt, lockern sie sich, und ungeachtet der Illusion, der wir gern erliegen würden […], sind wir im Leben allein. Der Mensch ist das Wesen, das nicht aus sich heraus kann, das den anderen nur in sich selbst kennt und lügt, wenn es das Gegenteil behauptet.

Nur in der Vorstellung, die wir von ihnen haben, existieren andere Wesen.

Der Tod wirkt nur wie Abwesenheit.

Band 7

Ich hatte doch immer schon unser Individuum zu einem gegebenen Zeitpunkt als einen Polypen angesehen, bei dem das Auge als ein unabhängiger, wenn auch dem übrigen eingefügter Organismus in zuckende Bewegungen gerät, sobald ein Partikelchen vorüberzieht, ohne dass der Verstand den Befehl dazu erteilt, oder mehr noch, bei dem die Gedärme wie ein im Inneren versenkter Parasit sich infizieren, ohne dass der Verstand etwas davon weiß, und in gleicher Weise unsere Seele – auf die Dauer des Lebens betrachtet – als eine Folge von nebeneinander gestellten und deutlich unterschiedenen Ichs, die nacheinander sterben oder sogar miteinander abwechseln würden wie diejenigen, von denen in Combray für mich eines an die Stelle des anderen trat, wenn der Abend kam. Ich hatte aber auch gesehen, dass diese seelischen Zellen, aus denen ein Wesen sich zusammensetzt, beständiger sind als dieses Wesen selbst.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Natürlich unerreichbar, 21. April 2013
Proust ist natürlich unerreichbar. Wer allerdings anfängt, diesen Roman zu lesen ist immer in Gefahr zu scheitern. Ich selbst habe ca 100 bis 150 Seiten benötigt, um in diesen Duktus und vor allem in das Denken dieses unglaublichen Autors einzufinden. Dann ist aber wirklich ein tolles Erlebnis, das einen persönlich immer wieder betrifft.
Viele Feststellungen und Beschreibung der Gefühls- und Gedankenwelt haben mir eigene unklare Empfindungen und Beobachtungen klar werden lassen. Die Veränderung von Menschen im Zeitlauf und in der Wahrnehmung ist etwas, dass vermutlich jeder bei sich bermerkt. Aber so ausgearbeitet und so weit gedacht ergibt es eine meisterhafte Darstellung.
Daneben ist auch in der deutschen Übersetzung die Sprache unfassbar eindrucksvoll - auch wenn Proust selber es nicht immer schafft, seine eigenen Sätze sinnvoll zu Ende zu bringen.
Ich selbst bin gerade dabei den Roman zum zweiten Mal zu Ende zu lesen. Mein Empfehlung: Nicht als einziges Buch lesen, sonst dreht man durch. Ich selbst lese es in öffentlichen Verkehrsmitteln und im Sportstudio, da ich dort meine Konzentration am besten zusammenhalten kann. Und die ist nötig; denn auch wenn der Text einen in seinen Bann zieht, ist es kein Text der von selber Aufmerksamkeit herstellt.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr empfehlenswerte Ausgabe, 24. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Werke. Frankfurter Ausgabe (7 Bände in Kassette) (Broschiert)
Die Ausgabe hat ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis. Sie zeichnet sich aus durch ein angenehmes Format, unaufdringlich-geschmackvolle Gestaltung, dünne, aber feste Einbanddecken, gutes Papier und Lesebändchen. Die Ränder des Satzspiegels sind recht schmal, was aber andererseits eine gut lesbare Schriftgröße erlaubt. Die Übersetzung liest sich gut, die Anmerkungen sind hilfreich, wenn auch gelegentlich etwas idiosynkratisch. Alles in allem uneingeschränkt zu empfehlen.
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17 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wiederkehrende Impressionen, 12. Februar 2003
Von 
Klaus Grunenberg (97447 Gerolzhofen, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Im Wortlaut und in der Farbe, im Ton der Glocke - die Erinnerungen herbeizaubert - und auch im Blick durch das Fenster hinein ins Grün der Draußenwelt mit dem fernen Kirchturm, etwas blauer im Grün allerdings, gleichwertig die Innenwelt und die Außenwelt annehmend. So beschreibt - besser malt Marcel Proust seine Bilder in diesem bekannten großen Romangebilde.-
Und immer wieder die Eindrücke, verglichen mit früheren Impressionen, immer wieder auf der Suche nach der Zeit, der verloren geglaubten (A la cherche du temps perdu). Diese einzuholen ist es ihm wert, zumindest den Versuch zu unternehmen und die Überlegung des "Warum" eines zeitlichen Zustandes.
Ein Romancier nur?
Oder doch auch einer, der es genau nimmt, das Lineal anlegt, Parallelen zieht - zeitliche - wie diejenige zwischen seinem Leben etwa und der schon langen Dauerhaftigkeit der christlichen Kirche, lange vor ihm und lange nach ihm ?
Und dann die Bezüge auf das, was wir Inneres nennen, die Träume gar, das Ritual des Lesens, das Zubettgehen, das Sichwohlfühlen auch im kleinsten Raum, das Aufbrechen der Erinnerungsstürme durch Gerüche, durch Gaumeneindrücke.
Also nicht nur ein Romancier, der den modernen Roman entscheidend prägt, sondern auch ein Analythiker ?
Ein Vorläufer gar von Sigmund Freud, ermutigt durch Flaubert ?
Und dann die zarten Einschübe der malerischen Art, erinnernd an Bilder von Bonnard schon zu Beginn, doch wo ist Beginn, wo ist Mitte und wo Ende?
Hier in der neuen Herausgabe von Luzius Keller und Sybilla Laemmel ist der große Roman in seinen einzelnen 7 Bänden neu zu ergründen, auch in den vielfältigen Anmerkungen und einzelnen Nachworten. Dabei kommt es außerdem noch durch die vielen Hochziffern im Text für den interessierten Leser, der hinten nachschlagen möchte, zu manch ungewollt braven Erklärungen - meist historischer Art wie denen, daß die Franzosen zu Beginn des 1. Weltkrieges nur über 150 Flugzeugen verfügten, später aber weit mehr besaßen.
Übrigens bemüht Proust ganz zu Beginn einmal die Erinnerung an eine irgendwie wichtige Entscheidung bezüglich "des linken Flügels" in einer Schlacht bei Ulm. Und das wohl in Erinnerung an Napoleons Genie - obwohl doch die fürchterliche Flügelzange der Preußen gerade in seiner Zeit (1970/71)in aller Munde war.
Was gibt es sonst noch zu sagen anläßlich dieser sehr schönen fliederfarbenen Neuausgabe des SUHRKAMP -Verlages, als das, daß es gelungen ist und sich die Proust-Freunde natürlich freuen. Bleibt zu hoffen, daß sich viele neue Freunde dieses großen Romanciers finden lassen, der den Weg zur Moderne geöffnet hat, heraus aus der Romantik, aus dem Realismus, dem Impressionismus näher, verliebt in die Ästhetik des Lebens mit all ihren Farben und Schattierungen und weniger dem unruhigen Handeln eines etwas später auftretenden Nietzsche verpflichtet.
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5.0 von 5 Sternen Der Klassiker, 15. September 2014
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Rezension bezieht sich auf: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Werke. Frankfurter Ausgabe (7 Bände in Kassette) (Broschiert)
Es war ein Lebenswerk, das zu schreiben. Es wird genauso ein Lebenswerk sein, es zu lesen und am Text zu arbeiten. Eine Arbeit, auf die ich mich freue.
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0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein absoluter Klassiker, 25. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Werke. Frankfurter Ausgabe (7 Bände in Kassette) (Broschiert)
Ein absoluter Klassiker, ein wunderbares und opulentes Literaturwerk, das man jedenfalls nicht nur den Liebhabern der französischen Literatur empfehlen kann.
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