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4 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gute Aufdatierung
Sicherlich nützlich für alle, die sich auf den neuesten Stand bringen wollen. Leider nicht alle Kapitel flüssig lesbar, was wohl an den sehr verschiedenen Autoren liegt. Betonung alter Fakten als neu, v.a. die schon lange bekannte und aufgedeckte tiefe Verbundenheit und Deckungsgleichheit des Personals mit der Allgemeinen SS oder die geschönten...
Vor 9 Monaten von fid veröffentlicht

versus
23 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Mythen und (zwei) Lichtblicke
Vorliegender Band ist das Ergebnis zweier wissenschaftlicher Tagungen vom Dezember 2010 bzw. Mai 2011 zum Thema „Waffen-SS“, deren Aufsätze hier zusammengefaßt sind. Entgegen des Untertitels des Werkes präsentieren die Herausgeber keineswegs ausnahmslos „neue Forschungen“, sondern sie geben u.a. Autoren einschlägiger Arbeiten...
Vor 6 Monaten von Tacfarinas veröffentlicht


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23 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Mythen und (zwei) Lichtblicke, 27. November 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Waffen-SS. Neue Forschungen (Gebundene Ausgabe)
Vorliegender Band ist das Ergebnis zweier wissenschaftlicher Tagungen vom Dezember 2010 bzw. Mai 2011 zum Thema „Waffen-SS“, deren Aufsätze hier zusammengefaßt sind. Entgegen des Untertitels des Werkes präsentieren die Herausgeber keineswegs ausnahmslos „neue Forschungen“, sondern sie geben u.a. Autoren einschlägiger Arbeiten der Vergangenheit die Gelegenheit, ihre bereits in Büchern publizierten Erkenntnisse nochmals in Aufsatzform vorzustellen. Dazu zählen die Verfasser Karsten Wilke (Die „Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit“ (HIAG) 1950–1990: Veteranen der Waffen-SS in der Bundesrepublik, Paderborn 2011), René Rohrkamp („Weltanschaulich gefestigte Kämpfer“: Die Soldaten der Waffen-SS 1933–1945, Paderborn 2010) und Franz Josef Merkl (General Simon: Lebensgeschichten eines SS-Führers, Augsburg 2010), Carlo Gentile (Wehrmacht und Waffen-SS im Partisanenkrieg: Italien 1943–1945, Paderborn, 2012), Nils Weise (Eicke: Eine SS-Karriere zwischen Nervenklinik, KZ-System und Waffen-SS, Paderborn 2013) sowie Jens Westemeier (Himmlers Krieger: Joachim Peiper und die Waffen-SS in Krieg und Nachkriegszeit, Paderborn 2014).
So wie die erwähnten Bücher sind auch die 23 Aufsätze in diesem Sammelband von unterschiedlicher Qualität. Sie befassen sich zum Beispiel mit den militärischen, politischen und ideologischen Gründen für die Expansion der Waffen-SS (Jean-Luc Leleu), mit der SS-Gerichtsbarkeit in Polen (Christopher Theel), mit dem SS-Obergruppenführer Karl Wolf (Kerstin von Lingen), mit den estnischen, norwegischen und muslimischen Freiwilligen der Waffen-SS (Toomas Hiio, Sigurd Sorlie, Franziska Zaugg) und weiteren Themen. Einem modischen Trend der wissenschaftlichen Forschung folgend, arbeiten sich viele Autoren an dem Elite-Charakter der Waffen-SS ab und versuchen, dieses „Konstrukt“ zu dekonstruieren.
Wie bereits in einigen Besprechungen gezeigt wurde, gelingt dies nicht immer. Der Grund liegt in der Regel an fehlender Kenntnis militärhistorischer Zusammenhänge und operativ-taktischer Abläufe sowie an mangelnden Einfühlungsvermögen in die handelnden Personen. Jens Westemeiers Versuch (Die Junkerschulgeneration, S. 269–285), die Ausbildung an den Junkerschulen vor Kriegsausbruch als fachlich mangelhaft zu diskreditieren, da die Lehrer, ausrangierte Offiziere, Pensionäre und ehemalige Unteroffiziere, allesamt „unterqualifiziert“ (283) gewesen seien, findet ihre Ursache in ideologisch bedingten Vorurteilen. Waren etwa Paul Hausser und Felix Steiner „unterqualifizierte“, von der Reichswehr „ausrangierte Offiziere“, die ihren Lehrgangsteilnehmern auf den Junkerschulen nichts beibringen konnten? Ihr Einsatz im Krieg hat das genaue Gegenteil bewiesen. Und wer ist besser geeignet für die Ausbildung an Waffen, Gerät, für Formal- und Felddienst, wenn nicht kriegserfahrene Unteroffiziere? Und all dies geschah unter der Aufsicht der Wehrmacht, die neben dem Material zusätzlich Ausbilder stellte. Wie erklärt sich Westemeier, daß diese fachlich angeblich so mangelhaft ausgebildeten Soldaten der ersten drei Regimenter der Waffen-SS von den Kommandeuren der Wehrmachtverbände, in deren Reihen sie 1939/40 kämpften, z.T. höchste Belobigungen erhielten? Er erklärt es gar nicht, denn für ihn zeichne sich der Einsatz der Waffen-SS lediglich durch „menschenverachtende Gefechtsführung und Kriegsverbrechen“ aus. Konkretisierungen oder Begründungen fehlen.
Einer der wenigen deutschen Militärhistoriker, die ihre Kompetenz vielfach unter Beweis gestellt haben, ist Roman Töppel. In seiner vergleichenden Studie (Waffen-SS und Wehrmacht in der Schlacht bei Kursk, S. 317-335) geht er drei Fragen nach: Waren die an der Schlacht bei Kursk beteiligten Verbände der Waffen-SS besser ausgerüstet als die Divisionen des Heeres? Bewährten sich die SS-Divisionen bei Kursk militärisch? Erlitten sie höhere Verluste als das Heer? Hiermit möchte der Autor einen Beitrag leisten zur Bewertung der militärischen Effizienz der Waffen-SS, die Autoren wie Westemeier, Weise oder Merkl ohne Beleg völlig in Abrede stellen.
Bekanntlich nahm das II. SS-Panzerkorps mit den Divisionen „Leibstandarte“, „Das Reich“ und „Totenkopf“ im Verband der 4. Panzerarmee an der Offensive im Sommer 1943 teil. Alle drei Verbände waren zusammen mit der Division „Großdeutschland“ des Heeres besonders gut ausgerüstet und verfügten über mehr Panzerfahrzeuge als herkömmliche Panzerdivisionen des Heeres. Während die SS-Divisionen je eine Kompanie mit 14 Panzern des Typs „Tiger“ verfügten, hatte „Großdeutschland“ sogar eine Sollstärke von 45 „Tigern“. Auch wurden SS-Verbände früher mit Panzern vom Typ „Panther“ ausgestattet. (322) Diese scheinbare Bevorzugung hatte allerdings einen besonderen Grund: Sie sollten den Schwerpunkt des Angriffs auf Kursk bilden.
Wie sah es nun mit den Verlusten aus? Hatten die SS-Divisionen aufgrund „menschenverachtender Gefechtsführung“ höhere Verluste zu beklagen als Heeresdivisionen? Eindeutig nein: Mit Personalverlusten von 12 bis 13 Prozent im Vergleich zur Ausgangsstärke lagen die SS-Divisionen im Mittelfeld, mit 7 bis 8 Prozent bei den Panzern sogar am Ende. Und dies alles eingedenk der Tatsache, daß die drei Einheiten die Speerspitze der Angriffsverbände bildeten. „Vor diesem Hintergrund sind ihre Ausfälle nicht als auffallend hoch anzusehen.“ (327) Töppel bescheinigt den drei Divisionen der Waffen-SS außerdem „bemerkenswert geringe Panzerverluste.“ (328)
Töppel konstatiert jedoch einen „chronischen Führer- und Unterführermangel“ (329), der der „gewaltigen Aufblähung“ der Waffen-SS innerhalb kurzer Zeit geschuldet sei. „Allein in der ersten Jahreshälfte 1943 wurde die Aufstellung von sechs neuen SS-Divisionen befohlen.“ Ihr Rahmenpersonal kam von den bestehenden SS-Einheiten. Diesbezüglich waren die Heeresdivisionen besser aufgestellt, sie wiesen vergleichsweise nur wenige Fehlstellen auf. Führungsfehler traten jedoch sowohl beim Heer als auch bei Einheiten der Waffen-SS auf. Diese waren aber immer Ausnahmen. In der Regel dominierte der Lob der Heeresgeneralität für die Energie und den Einfallsreichtum der Divisionen der Waffen-SS. Töppel betont: „Trotz erheblichen Führer- und Unterführermangels konnte ein militärischer Verband demnach gut geführt werden.“ (333)
Dies treffe auf die sieben „Elite-Divisionen“ (333) der Waffen-SS zu, und zwar auf die Divisionen „Leibstandarte“, „Das Reich“, „Totenkopf“, „Wiking“, „Hohenstaufen“, „Frundsberg“ und „Hitlerjugend“. Dabei versteht es sich von selbst, daß die Kampfkraft der erst 1945 aufgestellten 38. SS-Grenadier-Division „Nibelungen“ niemals so hoch sein konnte wie die der Divisionen der ersten Stunde. Daher könne man nicht alle Einheiten der Waffen-SS als „Elitetruppen“ bezeichnen, sondern nur die sieben oben genannten. Töppel kommt zum Schluß, daß die bei Kursk eingesetzten SS-Divisionen fraglos zu den Elitetruppen gehörten. „Das sahen auch ihre Gegner so: In sowjetischen Dokumenten vom Sommer 1943 werden die Divisionen ‚Leibstandarte‘, ‚Das Reich‘, ‚Totenkopf‘, ‚Wiking‘ und ‚Großdeutschland‘ als ‚Elitedivisionen‘ (‚otbornye divizii‘) bezeichnet.“ (334)
Peter Lieb verfolgt in seinem Beitrag (Militärische Elite? Die Panzerdivisionen von Waffen-SS und Wehrmacht in der Normandie im Vergleich, S. 336-353) denselben Ansatz wie Töppel. Er setzt die in Nordfrankreich 1944 zum Einsatz gekommenen Verbände der Waffen-SS „Leibstandarte“, „Das Reich“, „Hohenstaufen“, Frundsberg“ und „Hitlerjugend“ in Beziehung zu den Heereseinheiten 2., 9., 21. und 116. Panzerdivision sowie der Panzer-Lehr-Division und stellt fest, daß „die Divisionen der Waffen-SS tendenziell über eine etwas bessere materielle Ausstattung als die Panzerdivisionen der Wehrmacht verfügten, doch substanziell war dieser Unterschied nicht.“ (339) Wo die Heeresverbände aufgefüllte Offiziers- und Unteroffiziersstellen (339)aufwiesen, sah das Bild bei der Waffen-SS anders aus. Der Division „Götz von Berlichingen“ fehlten 40 Prozent der Führer und Unterführer, die „Hitlerjugend“ stand mit 22 Prozent Fehlstellen bei Führern und sogar 48 Prozent bei Unterführern vor noch größeren Problemen.
Die Qualität des eingesetzten Führungspersonals bei der Waffen-SS war hingegen hoch. „Sämtliche Ia-Offiziersstellen waren mit SS-Offizieren besetzt, die den Generalstabslehrgang der Wehrmacht besucht hatten bzw. im Falle des Ia der Division ‚Das Reich‘ von der Wehrmacht zur Waffen-SS versetzt worden waren.“ (340) Insgesamt hatten sich die Stäbe der Waffen-SS professionalisiert. „Mit Paul Hausser und Sepp Dietrich drangen erstmals Generale der Waffen-SS […] als Armeeoberbefehlshaber in die höchsten Spitzen der Wehrmacht vor.“ (341) Auch lasse sich durch die Kommandoübernahme von Hausser und Dietrich keine Radikalisierung in der Kriegführung ablesen.
Der Ansatz Liebs, von der Häufigkeit der Verleihung von Eisernen Kreuzen 1. oder 2. Klasse auf den „Elite“-Charakter einer Division zu schließen, muß allerdings fehlgehen. Die Verleihung erfolgte nach Vorschlag des Kompaniechefs durch den Divisionskommandeur. Dafür stellte die Wehrmachtbürokratie Formblätter und Vorschlagslisten zur Verfügung. Jedoch war in den wenigsten Fällen der Kompaniechef an vorderster Front, und wenn doch, konnte er nicht überall zugleich sein. Er war also abhängig von Meldungen Dritter zum Einsatzverhalten der Soldaten. Und ob das bürokratische Vorschlagsreglement in der Heftigkeit der militärischen Auseinandersetzungen im letzten Kriegsjahr noch überall beachtet worden ist, kann bezweifelt werden. Die Zahl der nachweisbar verliehenen Eiserne Kreuze sagt mehr aus über die funktionierende Militärbürokratie als über die militärische Effizienz der betreffenden Einheit.
Was die Vermißten angeht, lagen die Divisionen der Waffen-SS prozentual mit 10 bis 23 Prozent der Gesamtverluste auf dem Niveau der Heereseinheiten mit 7 bis 27 Prozent. Auffallend ist jedoch, daß bei den SS-Divisionen im Vergleich zur Wehrmacht „ein prozentual deutlich niedriger Anteil der vermißt gemeldeten Soldaten auch tatsächlich in Gefangenschaft ging.“ (346) Dies biete Raum für die Interpretation, daß die Angehörigen der Waffen-SS entweder erbitterter kämpften oder daß die Alliierten sehr häufig Soldaten der Waffen-SS kurz nach der Gefangennahme erschossen. (346) Denn Tatsache ist: „Soldaten der Waffen-SS waren überproportional Opfer alliierter Kriegsverbrechen.“ (350) Das so offen auszusprechen trauen sich nicht alle Forscher.
Die Urteile der deutschen Kommandobehörden zur Kampfkraft der SS-Divisionen waren positiv, ganz besonders wurde die „Hitlerjugend“ gelobt. (347) Die Kampfgruppe Wisliceny der Division „Das Reich“ wurde als beispielgebend hervorgehoben. Sogar „Götz von Berlichingen galt „als eine der wenigen Divisionen im westlichen Sektor der Normandiefront als ‚voll kampfkräftig‘.“ Auch die Briten hoben die Division „Hitlerjugend“ hervor, die selbst die besten Heereseinheiten in den Schatten gestellt habe. (348) Generell sahen die Briten Ende September 1944 nach den Kämpfen bei Arnheim, daß die Waffen-SS „bemerkenswert kampfkräftiger als das Heer“ sei.
Lieb zieht das Fazit, daß die Waffen-SS in der Tat verbissen gekämpft habe, ihre Soldaten seien seltener in Gefangenschaft gegangen als ihre Kameraden vom Heer. Sie war stets an den Brennpunkten der Front eingesetzt, allen voran im Großraum Caen. „Einige Divisionen der Waffen-SS waren sicherlich nicht erstklassig, doch selbst der mit Material am schwächsten ausgerüsteten Division ‚Frundsberg‘ kann man immer noch eine klar überdurchschnittliche Kampfkraft bescheinigen.“ (352) Substanziell sei die Waffen-SS in der Normandie nicht besser ausgerüstet gewesen als die Panzerdivisionen des Heeres. (353)
Wie man anhand der beiden Beiträge von Roman Töppel und Peter Lieb erkennen kann, gibt es noch Wissenschaftler, die mit großer Fachkenntnis und einer unvoreingenommenen Herangehensweise zu ausgewogenen Urteilen kommen. Eine Reihe von politisch korrekten Stereotypen wurde als Mythen entlarvt: Die Verluste der Waffen-SS waren nicht unverhältnismäßig hoch, ihre Ausrüstung war nicht überdurchschnittlich gut, auch unterhalb der SS-Divisionen gab qualitative Unterschiede, die Einheiten wurden trotz großer Fehlstellen im Führerkorps nicht schlechter geführt als andere Wehrmachtverbände; es ist durchaus angebracht, zumindest sieben SS-Divisionen als „Elite-Verbände“ zu bezeichnen.
Die „Gender“-Forscherin Jutta Mühlenberg nimmt in ihrem Artikel (Die SS-Helferinnen und das weibliche Gefolge der SS. Tätigkeiten, Dienststellen und Einsätze von Frauen im Organisationsapparat der Waffen-SS, S. 99–114) die SS-Helferinnen in den Blick (99) und will ihre unmittelbare Beteiligung an Massenverbrechen belegen. Wer wissen will, wes Geistes Kind die Autorin ist, dem sei gesagt, daß sie von 2001 bis 2004 Mitarbeiterin der Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht. Dimension des Vernichtungskrieges 1941-1944“ unter Hannes Heer gewesen ist.
Wie alle Wehrmachtteile zog auch die Waffen-SS Frauen zum Kriegsdienst heran. Es handelte sich um etwa 3.500 Frauen, die sich entweder freiwillig gemeldet hatten oder aufgrund der Notdienstverordnung dienstverpflichtet worden waren. Sie sollen als SS-Angehörige direkt in die Vernichtungspolitik der SS eingebunden gewesen sein.
Mühlenberg betrachtet zwei Dienststellen der Waffen-SS näher, nämlich die Fürsorge- und Versorgungsämter im Rasse- und Siedlungshauptamt sowie die Amtsgruppe C im SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamt. Die Tätigkeit der Frauen in der SS-Verwaltung, die sie vorstellt, ist alles andere als spektakulär. Die Frauen bearbeiten als Sachbearbeiterinnen Familienbücher, Mietquittungen, Einkommensbescheinigungen (104), waren aber auch für die Freiwilligenbesoldung (106) zuständig. Dies alles geschah nicht an verantwortlicher Stelle, sondern stets unter der Anleitung und Aufsicht männlicher Vorgesetzter. Als Nachrichtenhelferinnen machten sie außerdem Männer für die Front frei (108).
An der Ausbildungsstätte der SS-Helferinnen, der Reichsschule-SS im Elsaß, wo Häftlinge des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof beschäftigt waren, sollen die Frauen hautnah erlebt haben, wie brutal die Häftlinge von den SS-Wachen behandelt wurden. (109) Ist das so gewesen? Gibt es dafür zeitgenössische Zeugenaussagen? Wir erfahren es nicht, denn die Autorin führt keine an.
Unterm Strich liegt die Schuld der weiblichen SS-Angehörigen für die Autorin in der „Selbstverständlichkeit, mit der viele Frauen in den Dienststellen […] der Waffen-SS tätig waren“, was „deutlich die Verstrickung weiter Teile der deutschen Gesellschaft einschließlich der Frauen in das nationalsozialistische Herrschaftssystem“ (114) zeige. Dieses Verdikt trifft zweifellos auch auf andere Menschen zu, die in der Zeit des Dritten Reiches einer Beschäftigung nachgegangen sind, sei es der Förster, der Holz zum Bunkerbau schlagen ließ, der Pimpf, der Altmetall sammelte oder die Großmutter, die im kalten Winter 1941/42 warme Strümpfe für die Soldaten der Ostfront strickte. Wohin soll es führen, wenn derartige Banalitäten nachträglich zu Verbrechen aufgeblasen werden, nur weil man nicht in der Lage ist, sich in eine konkrete historische Situation hineinzuversetzen? Welcher Erkenntnisgewinn ist daraus zu ziehen? Nur dieser: Daß Menschen – unter welchem politischem System auch immer – sich ihren Lebensunterhalt normalerweise täglich verdienen müssen.
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4 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gute Aufdatierung, 14. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Waffen-SS. Neue Forschungen (Gebundene Ausgabe)
Sicherlich nützlich für alle, die sich auf den neuesten Stand bringen wollen. Leider nicht alle Kapitel flüssig lesbar, was wohl an den sehr verschiedenen Autoren liegt. Betonung alter Fakten als neu, v.a. die schon lange bekannte und aufgedeckte tiefe Verbundenheit und Deckungsgleichheit des Personals mit der Allgemeinen SS oder die geschönten lügnerischen Biografien, die v.a. in rechtsextremen Verlagen immer noch erscheinen.
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Die Waffen-SS. Neue Forschungen
Die Waffen-SS. Neue Forschungen von Bernd Wegner (Gebundene Ausgabe - 18. Juni 2014)
EUR 39,90
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