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am 25. Dezember 2007
Bereits der Titel des historischen Romans "Die Kathedrale des Meeres" von Ildefonso Falcones weckt Erinnerungen an Ken Folletts Bestseller "Die Säulen der Erde". In der Tat haben beide Romane einiges gemeinsam: beide Romane handeln im Mittelalter, das Leben des Protagonisten ist eng mit dem Bau eines Gotteshauses verbunden und beide Romane haben Schmökerqualitäten, die den einen bereits zu einem Weltbestseller gemacht haben, den anderen zumindest zu einem Bestseller in seinem Ersterscheinungsland Spanien. Beide Romane erzählen uns aber eine völlig unterschiedliche Geschichte.

Katalonien im 14. Jahrhundert: Bernat Estanyol sieht sich gezwungen mit seinem kleinen Sohn Arnau vor seinem grausamen und ungerechten Lehnsherren in das mittelalterliche Barcelona zu fliegen. Im aufstrebenden Barcelona finden Vater und Sohn Unterschlupf in der Töpferei seines Schwagers. Der Vater hofft darauf sich ein Leben als freier Bürger erarbeiten zu können, während sein Sohn Arnau durch die Straßen und Gassen Barcelonas zieht. Durch eine Intrige seines Cousins und seiner Cousine wird Arnau in der Familie ausgegrenzt, lernt dadurch aber auch Joan kennen, der für ihn wie ein eigener Bruder wird. Die beiden Außenseiter erleben den Bau von Santa Maria del Mar, einer riesigen Kirche, die vom Volk für das Volk gebaut wird. Sie bewundern die Arbeit der Bastaixos, der Lastenträger, die den Bau mit Steinen versorgen und unterstützen diese durch Wassergaben. Als Arnau und Joan zu Waisen werden, sind die Bastaixos die einzigen stützen der Kinder und der vierzehnjährige Arnau schleppt erstmals einen der riesigen Felsblöcke des Montjuic zum Hafen. Während der Bau der Kathedrale voranschreitet und Arnau bis zum Seekonsul der Stadt Barcelona, einem der angesehensten Bürger der Stadt, aufsteigt, muss das Volk von Barcelona viel erleiden: die Willkür des Adels lässt die Menschen um das tägliche Überleben kämpfen und auch die Pest hält in Barcelona Einzug. Arnau macht sich auf seinem Weg vom Steinträger zum Geldwechsler und schließlich zum Seekonsul nicht nur Freunde und so droht schließlich eine bösartige Intrige seine Zukunft zu zerstören...

Mit Arnau Estanyol hat Ildefonso Falcones einen Protagonisten für seinen Roman geschaffen, der ein Sympathieträger ist, mit dem es sich lachen und leiden lässt. Zwar ist Arnau meines Erachtens in seiner Ausgestaltung zu modern geraten, dennoch versteht der Autor den Leser so zu faszinieren, dass dieser Makel schnell verschmerzt ist, weil das Interesse an Arnaus Schicksal deutlich höher ist. Auch einige der weiteren Schlüsselfiguren sind dem Autor teils zu modern teils zu klischeehaft geraten und die Figurenzeichnung hätte einer deutlich höheren Aufmerksamkeit bedurft. Dennoch merkt man dem Roman "Die Kathedrale des Meeres" an, dass dieser mit viel Herzblut und einer großen Leidenschaft für Barcelona, seine Geschichte und seine Einwohner geschrieben wurde. So wird auch Barcelona und sein Volk zum heimlichen Helden der Geschichte und zum eigentlichen Grund, warum ich diesen Roman für empfehlenswert halte. Ildefonso Falcones macht detailliert und ausführlich katalanische Geschichte lebendig und erläutert dem Leser auf angenehme Weise interessante Details katalanischer Rechtssprechung des Mittelalters.

Ildefonso Falcones versteht es die Geschichte von Arnau Estanyol bis zum Ende mit vielen Wendungen spannend zu gestalten, auch wenn diese nicht immer vollständig überzeugen können. Es empfiehlt sich, Personen, die in Arnaus Leben auftauchen immer volle Aufmerksamkeit zu schenken. So mancher der zunächst als unwichtige Nebenfigur erscheint, taucht im weiteren Geschehen mit tragender Rolle wieder auf. Sprachlich ist "Die Kathedrale des Meeres" zwar flüssig, aber schlicht und unpoetisch gehalten.

Der Scherz Verlag hat den gebundenen Roman mit Schutzumschlag mit einem Nachwort des Autors, in dem er zwischen Fakten und Fiktion differenziert, und einer Stadtkarte Barcelonas im 14. Jhdt. mit ausführlicher Legende herausgegeben.

Mit seinem historischen Roman "Die Kathedrale des Meeres" ist Ildefonso Falcones ein Werk gelungen, das katalonische Geschichte äußerst unterhaltsam vermittelt, und seine Leser einlädt, für einige Stunden im mittelalterlichen Barcelona zu versinken. "Die Kathedrale des Meeres" wartet ebenso mit informativen Elementen wie auch mit echten Schmökerqualitäten auf und ist daher für eine breite Leserschaft empfehlenswert.
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am 6. November 2008
Ein schöner historischer Roman, auf den Inhalt möchte ich nicht weiter eingehen, dazu wurde schon viel gesagt. Trotz meiner 4 Sterne habe ich einige Kritikpunkte die ich gerne äußern möchte..Der Plot ist manchmal sehr sprunghaft,so kommt z.B.nach dem Krieg gleich die nächste Katastrophe, die Pest. Die schöne Ausarbeitung (und Länge) der Säulen der Erde fehlt. Auch die Entwicklung einiger Charaktere ist meiner Ansicht nach nicht immer nachzuvollziehen, so die Entwicklung des netten Mädchens Aledis zur sexbessessen Furie und später wieder zu einer fürsorglichen Person. Oder die Entwicklung Joans...
Trotzdem gebe ich dem Roman 4 Sterne, da er sehr liebe-und eindrucksvoll die Gefühle Arnaus und der Bastaix beschreibt,und mit Arnau, Bernat, Guillem und einigen anderen sehr erinnerungswürdige Charaktere geschaffen hat. Auch die Situation und die Probleme der Juden und des restlichen Volkes werden gut beschrieben. An vielen Stellen hat mich der Roman sehr berührt. Alles in allem vielleicht nicht mit Ken Follett zu vergleichen, aber ein sehr lesenswerter Roman (v.a.wenn man schonmal in Barcelona war..)
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am 17. Januar 2008
Die Kathedrale des Meeres" wurde in Spanien millionenfach verkauft und ist auch in anderen Ländern ein Erfolg. Natürlich musste sich der Autor Ildefonso Falcones häufige Vergleiche mit Ken Folletts Werk Die Säulen der Erde" gefallen lassen, schon allein weil es um den Bau einer Kathedrale geht. Dennoch geht es hier um etwas anderes.
Mit vielen historischen Details beschreibt Falcones das Leben der einfachen Leute im Katalonien des 14. Jahrhunderts, den andauernden Klassenkampf - und natürlich den Bau des Gotteshauses Santa María del Mar, das nach 55 Jahren Bauzeit im Jahr 1384 vollendet wurde. Die Kathedrale gilt heute als herausragendes Beispiel katalanischer Gotik; die Lastenträger von La Ribera, von denen der Autor im Buch berichtet, sind auf dem Hauptportal verewigt.
Der brutale Beginn des Romans ist aufwühlend, empörend und mitreißend, er zwingt den Leser, immer weiterzublättern. Dieser Teil des Romans, in dem von Bernats Freiheitskampf und Arnaus Kindheit erzählt wird, ist insgesamt der beste des Buches - spannend, traurig und realistisch. Die Geschichte des erwachsenen Arnau vermag nicht mehr so deutlich zu fesseln. War der junge Arnau mit seinem aufopferungsvollen Vater noch voller Farbe, lebendig und außergewöhnlich, so ist der erwachsene Arnau nicht mehr ganz so überzeugend - etwa, wenn er in den Krieg zieht, das wirkt merkwürdig leidenschaftslos.

Dem Autor ist die Verquickung von Fiktion und historischen Fakten nicht an jeder Stelle unterhaltsam gelungen; oft wirkt es, als würden einzelne Abschnitte, gerade wenn Falcones in Schwung ist, ziemlich abrupt unterbrochen, um langwierige Passagen mit historischen Erklärungen einzuflechten. Auch wirken manche Handlungsteile - vor allem für Viel-Leser historischer Romane - zu altbekannt und klischeehaft. Da sind natürlich die Schicksale der rechtlosen Frauen, die meistens irgendwo als Hure enden oder denen sonst wie Unrecht angetan wird - und die einem bei allem Mitgefühl und allem Realismus irgendwann zum Halse raushängen -, da ist die Begegnung mit einem Juden, die zum Abbau von Vorurteilen führt, da ist die Pestepidemie, die die Hälfte der Bürger dahinrafft. Dennoch ist Die Kathedrale des Meeres" ein gut geschriebener und gut recherchierter Historienroman, der die meisten seines Genres deutlich übertrifft. Der allerletzte geniale Funke, der das Buch einzigartig machen würde, fehlt bei allem Lob, das der Autor erhalten hat, dennoch.
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am 14. Februar 2008
Ildefonso Falcones Die Kathedrale des Meeres
Scherz Verlag ISBN 3502100977

Dramatisch beginnt die Geschichte, in der das Leben des Arnau Estanyiol seinen Anfang nimmt.
Wir schreiben das Jahr 1320.
Brutale Lehnsherren machen den Bauern, die den Status von Leibeigenen haben, das Leben zur Hölle. Bernat, der Vater von Arnau, muß erleben, dass bei seiner Hochzeit mit Francesca der Lehnsherr auf dem Recht der ersten Nacht, dem Ius primae noctis, besteht. Mit seinen gröhlenden Soldaten plant er weitere Schandtaten. Francesca ist dem Überfall nicht gewachsen und bleibt innerlich erstarrt zurück. Als Arnau geboren wird, kann sie keine Liebe für den Sohn empfinden. Nachdem der Lehnsherr sie auch noch als Amme abkommandiert hat, und ihr Sohn in einem Schuppen zu verhungern droht, wird er von seinem Vater entführt. Er flieht mit ihm nach Barcelona.

Hier beginnt ein Leben in Armut und Abhängigkeit, mit Demütigungen und Schwerstarbeit. Die Schwester von Berat, die mit einem hoch gekommenen Handelsherren verheiratet ist, kann zuerst helfen. Nach ihrem Tod heiratet ihr Mann erneut, dieses Mal eine Adlige. Sie lässt ihren Hass und Spott an den armen Hilfsleuten aus.
Hass gebiert Hass und zieht immer neue Schikanen nach sich.

Arnau findet einen Freund und Bruder im Geiste, Joan. Dank der Protektion eines Priesters kann dieser eine Domschule besuchen. Berat sieht beide Jungs nun als seine Söhne an.
1334 kam es in einem Hungerjahr zum Aufstand der Barcelonesen. Dabei kommt Berat zu Tode.
Arnau wird mit erst 14 Jahren in die ehrenwerte Zunft der Bastaixos, der Lastenträger, aufgenommen. Es sind die Basteixos, die im Hafen die Schiffe beladen und entladen.

Inzwischen ist Arnau gläubig geworden. In Ermangelung einer Mutter hat er die Jungrau Maria für sich entdeckt.
In Barcelona sucht er die Kirche Santa Maria auf, die einen Überbau bekommen soll: dort entsteht die Kathedrale Santa Maria del Mar, die Kirche des Volkes. Sie gilt als eine der schönsten gotischen Kirchen der Welt und ist in nur 55 Jahren erbaut worden. Den Bastaixos gereicht es zur Ehre, in ihrer Freizeit kostenlos die Steine für die Kathedrale herbeizuschleppen!
Arnaus weiteres Schicksal bestimmt den Fortgang der Geschichte.

Falcones hat in seinem opulenten Roman die Geschichte Spaniens im Mittelalter verarbeitet. In einem Nachwort kann man lesen, wo er sich an historische Tatsachen gehalten hat, und wo sein Roman fiktiv bleibt.
Gelungen ist der Einblick in eine Zeit, in der schroffe Verhältnisse herrschten. Die Reichen und Adligen hatten das Sagen. Bauern und Leibeigene sind den Gräueltaten der Herrschenden ausgesetzt. Recht und Ordnung wurden mit martialischen Maßnahmen durchgesetzt.
Was einfach beginnt und als Geschichte sofort gefangen nimmt, weitet sich zu einem gewaltigen Gesellschaftsepos.
Da fehlt nichts: von der Pest und dem Judentum, vom Geldwechsler zum Angeklagten, von der Liebe und dem Sumpf der Verkommenheit, Intrige, Glanz und Gloria ist jedes Genre der Geschichte vertreten.
Der Focus richtet sich auf die Hauptpersonen, die dem Erzählstrang den roten Faden liefern. In erster Linie sind das Arnau, sein Vater Berat, Joan und der Pater Albert. Später finden noch weitere wichtige Personen Eingang in das Handlungsgemenge. Für sie interessiert man sich, möchte jede Einzelheit ihres Lebens mit ihnen teilen, und man empfindet Sympathie, Anteilnahme oder je nach Lage der Dinge auch Hass.
Aus den Anfängen einer ländlichen Gemeinschaft, der Hochzeit von Berat mit Francesca, in der es zuerst noch heiter und fröhlich zuging, erblüht ein Roman, der die Zeit in ausufernder und mit Detailkenntnissen versehener Manier ausmalt. Die Architektur, Kriege, Inquisition, Marterungen und Fehden zwischen Adelshäusern bieten ausreichend Stoff, um einen spannenden Schmöker daraus zu erdichten.
Von gelegentlichen Längen einmal abgesehen kann man sich dem Sog der Lektüre nicht entziehen.
Die Personifizierung von Geschichte ist lehrreich, weil trockene Daten ein Gesicht bekommen.

Der erste Roman von Ildefonso Falcones, eines Anwalts aus Barcelona, steht schon lange auf Bestsellerlisten und wird sicher seinen Erfolg fortsetzen!
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am 11. August 2010
"Die Kathedrale des Meeres" ist ein mitreißender historischer Roman. Die Geschichte bietet alles, was es dazu braucht: Man kann sich mit den Protagonisten identifizieren, leidet und freut sich mit ihnen. Gerne würde man ihnen an mancher Stelle ins Gewissen reden, damit sie Entscheidungen überdenken. Und man möchte am liebsten selber aufspringen und den Antagonisten eins auswischen, denen es immer wieder gelingt, der Titelfigur Arnau Estanyol das Leben schwer zu machen. Diese Steine, die der Hauptfigur in den Weg gelegt werden, bauen eine hohe Spannung auf, denn immer wieder scheint das Ende des Helden nahe zu sein. Kurzum: Man fiebert mit. Doch trotzdem, wegen seines Charakters und seiner Freunde, gelingt es Arnau Estanyol, seinen Weg zu gehen: Von einem flüchtigen Bauernjungen zu einem sehr angesehenen und reichen Bürger Barcelonas. Dank des Handlungsverlaufes, des "Mitfieberns", der Spannung, liest sich das Buch sehr gut.
Ein wichtiger Aspekt des Schreibstils ist die auktoriale Erzählperspektive. Dabei verbleibt der Autor jedoch nicht nur bei der Hauptperson, sondern wechselt ab und zu auch zu den anderen Personen, ohne dass sich dauerhaft mehrere Erzählstränge aufbauen. Leider kommt es dadurch häufig vor, dass die Bezüge fehlen und man nicht genau weiß, wer nun mit dem "er" oder "sie" gemeint ist. Das verwirrt ein wenig. Ebenso verwirrend sind des öfteren abrupte Übergänge von einer Szene zur nächsten. Manchmal weiß man gar nicht, wie einem geschieht, und schon steckt man plötzlich in ganz anderen Ereignissen. Obwohl das manchmal zu einer gewissen Desorientierung des Lesers führt, wird er gleichzeitig ab und an überrascht von einem plötzlichen Ereignis, sodass die Spannung dadurch gesteigert wird. Erwähnenswert ist weiterhin, dass der Roman gestückelt ist und immer wieder Zeiträume ausgelassen werden, in denen nichts passiert. Das geht in Ordnung, denn so werden nur die spannenden Wendepunkte der Figuren geschildert.
Der Roman stellt eine Mischung aus fiktiven und realen Ereignissen dar. Im Nachwort erklärt der Autor auch, was nun real und was fiktiv ist. Als störend kann man dabei die etwas überladenen historischen Ausschweifungen empfinden. Viele dieser Hintergründe sind für die Geschichte unbedeutend und der Leser kann die vielen Informationen, Namen, Daten usw. sowieso nicht behalten. Dadurch gerät die Geschichte teilweise ins Stocken.
Insgesamt ist es ein durchaus lesenswertes Buch. Die geringen negativen Aspekte werden durch eine mitreißende Geschichte nahezu aufgewogen.
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am 30. Januar 2008
Ein Männerbuch! Mittelalter live mit allen Grausamkeiten, die es zu bieten hatte. Leibeigenschaft unter widerlich arroganten Grundherren, das Recht der ersten Nacht für sie, Sklaverei, die totale Abhängigkeit der Lehrlinge von ihren Meistern, Pest, Hungersnot, Progrome gegen die Jugendviertel, Kriege ohne jede Rücksicht auf die Zivilbevölkerung.

Hier gibt es keine früh emanzipierten Frauen, die fürs ihre Zeit viel zu klug sind, keine Ärztinnen, Heilerinnen, Hebammen, Juristinen, Astronominnen. Sie waren damals die absolute Ausnahme und werden trotzdem in so vielen History-Fictions zu "Heldinnen" hochgejubelt. Deshalb gibt es hier auch keinen Kitsch mit lang ausgewälzten Liebesleiden. Ildefonaso Falcones, Kenner der mittelalterlichen Rechtsgeschichte, berichtet, wie es wirklich war. Das Erstaunliche an diesem zu Recht zum internationalen Bestseller aufgestiegenen Roman:

Falcones kennt sich nicht nur im Balcelona des 14. Jahrhunderts, in der Juristerei und in der Historie des alten Katalaniens perfekt aus. Er ist auch ein Meister der Literatur, schreibt lakonisch, mitfühlend, ist genau in der Charakteranalyse, brillant in den Dialogen, ungeheuer spannend, mitreißend. Obwohl "Die Kathedrale des Meeres" sein erster Roman ist.

Notwendig ist allerdings eine Warnung an sensible Leserinnen: Das Wort "brutal", das ich zur Beschreibung des Inhalts gewählt habe, trifft zu. Wer also nichts über Vergewaltigungen, Auspeitschungen, die Folter der Inquisition, die Gräuel eines Krieges Mann gegen Mann und gegen wehr- und rechtlose Bauern lesen will, sollte dieses Buch meiden. Damit entgeht des Sensiblen zwar ein wirklich großartiger Roman, aber sie ersparen sich neue Alpträume.
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am 12. Mai 2008
Da ich ein eingefleischter Fan von Ken Follett bin, stand ich diesem Werk ehrlich gesagt etwas skeptisch gegenüber. Doch ich wurde eines besseren belehrt: dem Autor gelingt es, seine Leser anschaulich, und auch fachlich kompetent, in ein weit zurückliegendes Jahrtausend zu versetzen. Man lacht, liebt und leidet mit den einzelnen Protagonisten mit, und es fällt einem zunehmend schwerer das Buch aus der Hand zu legen.

Dennoch vergebe ich nur vier von fünf Punkten, weil das Buch meiner Meinung nach ein paar Längen hat. Trotzdem kann ich "Die Kathedrale des Meeres" als gute Unterhaltung empfehlen!
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am 8. November 2009
Die Geschichte zu beschreiben erspare ich mir, denn das ist hier ja bereits mehrfach geschehen.
Falcones riskiert einen Vergleich mit Ken Follets Meilenstein an den er aus meiner Sicht nicht ganz heranreicht. Das Buch setzt aber andere Akzente und stellt den Kathedralenbau nicht so in den Mittelpunkt.
Ich finde es lesenwert, da Falcones sehr sorgfältig mit den historischen Fakten und Rahmenbedingungen des 14. Jhds. in Katalanien umgeht.
So erfährt man viel über eine aus unserer Sicht recht grausame Zeit mit ihren nahezu unüberwindlichen gesellschaftlichen Schranken. Man erfährt viel über die Kraft der Religion die Antrieb sein konnte für zum Teil fast übermenschliche Anstregungen beim Bau einer Kathedrale, die Zufluchtsort sein konnte, Geborgenheit geben und sich gleichzeitig auch unerbittlich gegen Andersgläubige richten konnte.
Die Verknüpfung des Kontextes mit den im Roman handelnden Personen (und dem Happy End) finde ich etwas schwächer, ist aber handwerklich gut gemacht.
Das Buch kommt deshalb für mich nicht über die Kategorie "gutes Handwerk" hinweg, daher möchte ich keine 5 Sterne vergeben.

Nicht eingeflossen in die Bewertung ist ein weiterer Punkt:
der recht großzügige Satz macht das Buch (ich habe die Paperback-Variante gelesen) etwas unhandlich, das wäre nicht nötig gewesen.
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am 1. Oktober 2010
Fast 24 Stunden Hörvergnügen sind vorüber - Wolfgang Condrus verleiht der Geschichte ein Leben, das sie nach meinem Gefühl in der gedruckten Version garnicht hat. Dort wäre sie mir wohl stellenweise zu langatmig und zu eintönig geraten ...

Zur Geschichte selbst ist zu sagen, dass diese permanente schwarz-weiß-Darstellung der Personen und Geschehnisse dem Buch leider viele Möglichkeiten verbaut mehr in die Tiefe zu gehen. Vieles ist zu simpel, zu sehr auf den Plot hingetrimmt. Die junge Francesca wird gleich beim ersten Mal schwanger (muss sie ja, weil ein zweites Mal gibt es nicht), das Kind hat genau das Muttermal, das es braucht, um keine Zweifel aufkommen zu lassen ...

Mit Arnau Estanyol hat Ildefonso Falcones einen Protagonisten für seinen Roman geschaffen, der grundsätzlich langweilt, da er keine Ecken und Kanten, keine Schwächen besitzt. Er ist immer lauter, edel, anständig, arglos, aufrecht, ehrlich, grundanständig, rechtschaffen, redlich und unverdorben. Nie flucht oder rülpst er und wegen eines Ehegelübdes für ein dürres und aufgezwungenes Eheweib verzichtet er selbstverständlich Jahrzehnte auf Sex. O sancta simplicitas !

Gut recherchiert und mitreissend realistisch dargestellt sind die unbestrittenen, aber bis heute nie entschuldigten Verbrechen der ach so katholischen Kirche, der katholisch - antisemitischen, katholisch - ausrottenden Inquisition, welche über Jahrhunderte im Namen von Christus nach Blut und Mammon lechzt.

Der immmer wiederkehrende Vergeich mit Follet's "Säulen der Erde" ist unverständlich, denn abgesehen davon, dass beide Bücher im Mittelalter spielen, haben sie nicht viel gemeinsam. Steht bei "Säulen der Erde" der Kathedralenbau im Mittelpunkt, ist er hier ein Rahmen für die Geschichte der Stadt Barcelonas und Katalaniens. Wir erfahren wenig darüber, wie sich der Bau selbst und seine Planung gestaltet haben.

Insgesamt gilt: "Die Kathedrale des Meeres" ist Freunden historischer Literatur zu empfehlen.
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am 6. Januar 2010
Ich konnte das Buch nicht beiseitelegen.
Nicht weil das Buch von einer schönen Sprache "umgarnt" ist. Auch nicht weil die Charaktere so grandios beschrieben sind.
Nein: Wegen dem Inhalt. Man lernt sehr viel über die damalige Zeit, auf dem katalanischen Land bzw. die Stadt Barcelona selber. In dem Buch wird realitätsnah beschrieben, wie groß die Kluft zwischen arm und reich war. Das ist was mich an historischen Romanen auch wirklich "interessieren" soll.

Punktabzüge gibt es leider weil die Geschichte oft langatmig und an manchen Stellen zu hastig erzählt wird.
Auch negativ: Bei den Charakteren gibt es entweder gut oder böse. Als "Mittelding" davon konnt ich nur Arnaus Ziehbruder Joan "entlarven". Aber sonst sind die Personen entweder "ganz" gut oder böse.
Das schlimmste ist aber, dass die Hauptperson Arnau Estanyol nahezu perfekt erscheint und keine Schwächen vorweist.

Wer in die katalanische Welt im 14. Jahrhundert eintauchen will, sollte sich die "Kathedrale des Meeres" anschaffen.
Wer aber nach "besseren" Personen lenzt sollte sich weiter auf dem Büchermarkt umschauen.
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