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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
zu sehr kirchlich orientiert, 27. April 2009
Es handelt sich um ein sehr konservatives Buch. Propagiert wird die Hinwendung zur Kirche, sozusagen: ohne kirchliche Werte ist die Gesellschaft verloren. An diese Lösung glaube ich nicht, auch das Buch konnte mich da nicht überzeugen. Insofern: recht einseitige Beleuchtung der Probleme (die teilweise auch reichlich überspitzt dargestellt werden).
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55 von 70 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Diagnose: Hedonismus - Therapie: (Religiöse) Werte, 9. Januar 2006
Man kennt die 'zwei Gesichter' des Peter Hahne: Einerseits sehr professioneller Sprecher der "heute"-Nachrichten, der seine Meldungen ohne erkennbare Meinungsäußerung in Verbal- oder Körpersprache verliest; andererseits bekennender protestantischer Christ, dessen Meinungsstärke man wöchentlich in der Bild am Sonntag nachprüfen kann. In der vorliegenden kurzen Schrift (ca. 140 S. Kleinformat Großdruck) tritt nur letzteres in Erscheinung. Peter Hahne beklagt den Zustand unserer Gesellschaft. Er empfindet sie als labil und orientierungslos. Man traue sich aus Indifferenz und falsch verstandener Toleranz nicht mehr, Gutes gut und Schlechtes schlecht zu nennen. Weil dies so sei, werden positive Dinge und Entwicklungen nicht mehr verteidigt bzw. gefördert, Verirrungen werde freien Lauf gelassen. Mangels Maßstäben gehe die allgemeine Moral verloren. Die Eliten stellen in ihrem Handeln keine Vorbilder (mehr) dar. Aus Mangel an Orientierung ergehe man sich in einer Kultur oberflächlicher (Massen-)Unterhaltung und ironiegeladener Bespaßung. In der Beobachtung dieser Sachverhalte muss man dem Autor in erheblichem Maße recht geben. Tatsächlich kann man eine Reihe von Fehlentwicklungen kaum übersehen. Es findet eine langsame, aber stetige Entsolidarisierung statt, sei es durch eine Auflösung des Familien- und Nachbarschaftsverbandes oder durch die zunehmende Betonung der Selbstverwirklichung, der Eigenverantwortung und der Suche nach dem persönlichen (materiellen) Vorteil. Wenn man sich ansieht, was so im Fernsehen läuft, wenn die Kinder von der Schule nach Hause kommen, kann einem schon schlecht werden. Diese Liste könnte man noch lange fortsetzen. Als Therapie schlägt Peter Hahne die Rückkehr zu traditionellen Werten vor, und zwar nicht zu irgendwelchen, sondern zu denen des kirchlichen Christentums, der konfessionell gebundenen Theologie, der Bibel. Doch er geht noch weiter: Er fordert nicht nur die Rückkehr zu den Werten, sondern auch die Rückkehr zum Glauben selbst. Und darin ist er kompromisslos. Er fordert zwar nicht ausdrücklich Missionierungskampagnen in Deutschland, aber das ist dann auch schon alles. Seiner Meinung nach ist ohne einen festen christlichen Glauben keine Orientierung in der Welt möglich - weder was die Moral, noch was die Lebensziele angeht. Diese Ansicht hat mich persönlich schon getroffen. Ich bin nicht religiös, habe also weder Gottglauben, noch Gottvertrauen oder Gottesliebe, glaube aber trotzdem für mich in Anspruch nehmen zu können, sozialkompatible Moralvorstellungen zu haben und mich im Leben zurechtfinden zu können. Aber für Peter Hahne ist das nicht möglich. "Es gibt keine Ethik ohne Religion." "Holt Gott zurück in die Politik - das heißt dann: Holt das Maß zurück. Den Maßstab, an dem sich alles messen lassen muss. Denn wenn Gott weichen muss und der Mensch an die erste Stelle tritt, sind Extremismus und Fanatismus die Folge." Da fragt man sich schon, ob nicht umgekehrt ein Schuh draus wird. Wenn der Glaube im Zweifel alles dominiert und der Mensch an die zweite Stelle tritt, führt nicht gerade das zu Extremismus und religiösem Wahn? Aber nein: "Der atheistische Fundamentalismus ist die größte Bedrohung unserer Gesellschaft" - "Christus oder Chaos". Es fällt auch auf, was Hahne nicht aufführt. Die Werte der Aufklärung, die säkular begründeten Freiheiten und Rechte der Menschen und der Bürger, auf der nicht nur unsere Verfassung gebaut ist, finden keine Erwähnung. Dieses Buch ist ganz klar eine Streitschrift, in weiten Teilen sogar eine Polemik, die den Boden einer nüchternen Analyse klar verlässt. Peter Hahne bringt seine tief sitzende Abneigung gegen die gesamte gesellschaftliche Entwicklung der letzten 40-50 Jahre zum Ausdruck, vor allen Dingen gegen die 68er-Bewegung. Bei der Begründung seiner Thesen nutzt Hahne gerne Binsenweisheiten sowie Zitate, die vom Wortlaut her gerade gut in den Text passen, deren Autoren mit der jeweiligen Verwendung jedoch häufig wohl kaum einverstanden wären. Warum habe ich für dieses Buch drei von fünf Sternen vergeben? Die Sterne sollen angeben, ob es sich lohnt, es zu lesen. Wenn man eine ausgewogene und logisch begründete Meinung zu einem gesellschaftlichen Thema wünscht, ist dieses Buch aus den geschilderten Gründen keine gute Investition. Doch man soll ja nicht nur das lesen, von dem man weiß, das es der eigenen Meinung nahekommt. Peter Hahne hat das, was er publiziert hat, sicherlich mit bestem Willen und in ehrlicher Sorge um unsere Gemeinschaft geschrieben. In diesem Sinne gibt das Buch eine gute Einsicht in das, was in praktizierend christlichen Kreisen gedacht und sicherlich von einem erheblichen Teil unserer Gesellschaft goutiert wird. In einer Demokratie muss es möglich sein, auch ein solches Buch zu schreiben - und man sollte es ernst nehmen.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Schluss mit lustig?, 5. Juli 2009
"Schluss mit lustig"? Wem soll das dienen? Jenen, die davon profitieren, Menschen ein schlechtes Gewissen zu machen, die ein freudvolles, selbstbestimmtes Leben führen wollen! Wir brauchen keine Besinnung auf Werte, wir brauchen die Besinnung auf uns selbst. Das reicht völlig, um mehr Spaß ins Leben zu bringen. Denn darum geht es nämlich: Leben ist dazu da, um Spaß zu haben. Das werden selbstgefällige "Mahner" wie Peter Hahne natürlich niemanden verraten. Sie verdienen ja mit ihrer Botschaft sehr gut und haben auf dem Weg zur Bank sehr viel Spaß.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Spaßverderben als Selbstzweck, 14. April 2009
Da schaut er grimmig drein auf dem Buchdeckel, und genau so grimmig ist dann auch der Inhalt. Ich habe mir die Mühe gemacht, das Werk durchzulesen und bin auf einen Berg von Kulturpessimismus, Asketismus und penetranter religiöser Ansichten gestoßen.
Zunächst mal fällt an Hahnes Stil das nahezu zwanghafte Zitieren auf; überall ist das Buch durchsetzt mit irgendwelchen Wortschnipseln mehr oder weniger prominenter Institutionen, die dem Geschriebenen einen Hauch von Wichtigkeit und allgemeiner Lebensweisheit verleihen sollen.
Dann zeigt er ellenlang seine Verachtung für all die Dinge, die unserer Zeit (noch, heute weniger als zur Erscheinenszeit des Buches) ihre Lebensqualität verleihen: Soziale Absicherung, weitgehend freie Medien, Spiel und Spaß und das Leben eines individuellen Lebensstils, anstatt sich überall einfügen und beschränken zu müssen. Recht schnell beschreibt er, was ihm lieber wäre: er listet die Arbeitszeiten auf, die in den USA, Japan und Korea mehr als anderthalb mal so lang sind wie in Deutschland, klagt unsere ach so vielen Urlaubstage an und erwähnt lobend Länder, wo es im Jahr nur 10 Tage Urlaub gibt.
Was es daran zu beklagen gibt, kann er nicht begründen, aber für ihn ist offenbar grundsätzlich Leid und Beschränkung gut und Spaß schlecht. Und folglich werden auch die USA lobend erwähnt, wo einem im Supermarkt die Ware von Packern in Tüten gesteckt wird, das US-"Jobwunder", wo Leute 2 oder 3 Jobs nur zum blanken Überleben brauchen und auch nach 70 Stunden Arbeit pro Woche noch in einer öffentlichen Suppenküche essen müssen und keine Krankenversicherung haben. Fragwürdige Märchen liest man, wo er schreibt, dass auch der Burgerverkäufer mit 6 Dollar pro Stunde (immerhin ein gesetzlicher Mindestlohn!) noch ein angesehener Mann ist und sein Dienst geschätzt wird. Abgesehen davon, dass er von Wertschätzung weder Essen, noch Haus oder ärztliche Versorgung kaufen kann, sind Burgerverkäufer und Tütenpackerinnen in den USA genau so wenig angesehen wie bei uns.
Klischees über andere Länder prägen auch sein Türkei-Bild, wo er sich so grobe Schnitzer leistet, wie man sie macht, wenn man den türkischen Staat mit Kreuzberg oder der Dortmunder Nordstadt gleichsetzt: Er bemängelt fehlende Trennung von Kirche und Staat, obwohl die Türkei seit Ende des 1. Weltkriegs ein absolut säkularer Staat ist, wo Religion in der Politik nichts zu suchen hat und es eine Staatskrise auslöst, wenn die Frau eines Präsidentschaftskandidaten ein Kopftuch trägt. Und was er von anderen Ländern fordert, will er für Deutschland ganz und gar nicht umsetzen.
Was Hahne propagiert, ist klar: er will viele billige und willige Sklaven, die bis zum Umfallen schuften und auch nicht den leisesten Anspruch auf Vergnügen und gutes Leben anmelden. Passend dazu sein Bedauern für die ach so armen Unternehmer, die ob der Steuerlast aus Deutschland fliehen, weil sie nicht wollen, dass die abgeschöpften Leistungserträge der Mitarbeiter etwa nicht nur ihnen, sondern via Steuer auch wieder dem Bürger zu Gute kommen.
Und wie kriegt man die Leute zu solchem Spaßverzicht? Ganz klar: weg mit Cannabis und Ecstasy, her mit dem Opium für's Volk! Den 11. September sieht er dabei als Zeitenwende und als Anlass, sich doch vom Islam eine Scheibe abzuschneiden. Bewundernd schaut er auf die strenggläubigen Moslems, verachtungsvoll auf die westlichen Wischiwaschi-Christen, die ihren eigenen Glauben "nicht ernst nehmen". Der islamische Fundamentalismus ist für ihn nicht etwa der Anlass, die Grund- und Freiheitswerte, die elementarer Bestandteil der "Spaßgesellschaft" und somit Gegenpol zu den repressiven, sexual- und lebensfeindlichen Haltungen der Fundamentalisten sind, zu verteidigen.
Nein, er fordert, die Bibel als feste Grundlage für verbindliche gesellschaftliche Normen, er fordert die Abschaffung der individuellen Moral und weit reichende gesellschaftliche Norm- und Moralvorschriften. So, wie er es schreibt, sollen die Normen der Bibel absolut sein und nicht etwa kritisch hinterfragt und gegebenen Falls aufgehoben und ignoriert werden. Zwar schreibt er es nicht im Klartext, aber die Absolutheit seines Pochens auf die Bibel lässt vermuten, dass er gerne die Schöpfungsgeschichte wörtlich genommen und die rigide Sexual"moral" vergangener Jahrhunderte wieder eingeführt haben will. Er schreibt von fester Grundlage und Fundament, und was heraus kommt, ist: Fundamentalismus. Vielleicht nicht mit heiligem Krieg, Steinigen und Hexenverbrennungen, aber in der geforderten Gesellschaftsstruktur totalitär. Statt dem islamischem Fundamentalismus Freiheitswerte, Lebensfreude und individuelle Lebensbestimmung entgegen zu setzen, will er das Gleiche auf Basis des Christentums aufziehen!
Was dieses Verdammen von Spaß und Vergnügen und die Aufnötigung religiöser Vorgaben dem Leser bringen sollen, wird nirgendwo erwähnt, es werden immer nur düstere Katastrophenszenarien gesponnen: keine Kinder, Überalterung, moralischer Verfall, der Islamismus, der sich nur deswegen ausbreitet, weil wir mit dem Christentum nicht dasselbe machen. Ebenso düstere wie nebelhafte Bedrohungen werden an die Wand gemalt, gegen die nur Askese, Zucht und Ordnung und Rückbesinnung auf den Glauben aus nicht näher geschildertem Grund der einzige Ausweg sein sollen. Es geht nicht um glückliche Individuen, sondern es wird im Nebel gestochert und "die Gesellschaft", "der Staat" und "die Kultur" in den Mittelpunkt gestellt.
Das Buch hat keinen nennenswerten intellektuellen Wert, aber es ist eine typische Äußerung aus einer korrupten Landeselite, die dem "gemeinen Volk" die Lebensqualität nehmen, sie mit religiöser Scharlatanerie gefügig und folgsam machen und zum Sklavenheer ohne geistige und handlungsmäßige Freiheit machen will. Es ist auch der gleiche Mist, auf dem Programme wie die "Agenda 2010", nach korrupten Politikern benannte Armutsreformen, das Lobbyistengerede über den zu hohen Lebensstandard der Deutschen (außer dem dieser Agitatoren), Computerspiel-Verbote und Internetzensur, Hetzberichte über "Sozialschmarotzer" mit Flachbildschirmen und "sexuelle Verwahrlosung" durch Pornografie wachsen.
Und in dieser Rolle hat das Buch dann doch einen gewissen Wert, denn es zeigt, in welche Hölle auf Erden uns professionelle Spaßverderber gerne stürzen wollen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Christlicher Glaube als Allheilmittel?, 15. November 2009
Ich hatte mir dieses Buch gekauft, weil ich viele Entwicklungen in unserer Gesellschaft sehr bedenklich finde und mir Antworten oder zumindest Anregungen für eine bessere Zukunft erwartet hatte. Allerdings hat mich Peter Hahne sehr enttäuscht, mag er auch im Kern mit einigen Beobachtungen recht haben, für die er wenigstens zwei Sterne verdient. Unsere dekadente Gesellschaft ist also wertelos geworden und dem Untergang geweiht. Mag sein. Was mich extrem stört: Gerettet werden können wieder mal leider nur diejenigen, die sich auf ihre christlichen Wurzeln zurückbesinnen. Christentum als Manifest der europäischen Union, Christentum zurück in die Politik, Frauen zurück an den Herd, halleljua.
Wann werden Menschen wie Hahne endlich aufhören, die ganze Welt zum ewig gestrigen Erzkatholizismus bekehren zu wollen? Gerade die Religionen schaffen seit jeher viel Leid, Intolleranz und Kriege. Und ausgerechnet sie sollen nun die Welt retten? Mein Gegenfazit: Vielleicht sollte die Welt es einmal ohne Religionen vesuchen. Moral, Ethik und Nächstenliebe sind auch ohne Glaubenswahn zu haben.
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43 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
In der Beobachtung oft treffend, insgesamt aber fragwürdig, 16. Mai 2005
Von Ein Kunde
Ein äußerst zwiespältiges Buch. Meine Haltung dazu ist letztlich doch ablehnend, auch wenn so einiges von dem, was Hahne schreibt, zutrifft. Ich fange mal mit dem Positiven an. In seiner Bestandsaufnahme der Spaßgesellschaft sind Hahnes Beobachtungen und Aussagen oft sehr treffend. Die Jagd nach Adrenalinkick, ständigem Lustgewinn und frustrationsfreier Sofortbefriedigung hat etwas ungemein krankes an sich. Die authentischen Gefühle, die ihrer Natur nach nicht nur angenehm sein können, werden ständig übertüncht durch Reize, Reize und noch stärkere Reize. Statt in ihrem Leben wirklich anzukommen, wollen viele Menschen ihrem Leben nur noch entfliehen. Die Gründe dafür liegen auch darin, daß die heutige Welt (wie Hahne richtig feststellt) von einem Verlust bzw. Bedeutungsverlust vieler gewachsener Strukturen gekennzeichnet ist. Es ist (fast) alles erlaubt, nichts durch Tradition und Überlieferung bestimmt, so manches grenzüberschreitend und global. Die Folge ist, daß der Einzelne heute einem hohen Maß von Orientierungslosigkeit ausgesetzt ist. Die Angst, die dadurch entsteht, ist unangenehm und muß durch "Spaß" beiseite geschoben und so unfühlbar gemacht werden.Soweit Hahne dies konstatiert, hat er Recht. Aber die Lösung, die er anbietet, kann so nicht der wahre Jakob sein. Es ist aus seiner christlichen Sicht zwar verständlich, daß er eine Rückbesinnung auf Gott und die Bibel vertritt. Meiner Meinung nach ist dies jedoch keine Antwort, die wirklich zu einer Lösung der Probleme unserer Zeit führt. Hahnes "Lösung" kommt darin zum Ausdruck, daß er alle verloren gegangenen alten Strukturen wieder aufgebaut sehen möchte, - insbesondere die Autorität von Kirche, Eltern und Lehrerschaft. Das ist eindeutig konservativ-reaktionär und nicht progressiv (wie Hahne behauptet). Sicher, nicht alles, wogegen die 68er angegangen sind, war schlecht. Das traditionell Gewachsene hat auch seine guten Seiten. Aber Hahne begreift nicht, daß es angesichts der barbarischen Dinge, die im christlich geprägten Deutschland während des Dritten Reiches Realität wurden, absolut notwendig war, alles zu hinterfragen, was nach dem Krieg so einfach weitergehen sollte. Die seit '68 verlorenen Strukturen sind Vergangenheit. Die Antwort auf die daraus resultierende Situation kann nicht in einer Restaurierung des Alten bestehen. Aus meiner Sicht kann die Lösung nur darin bestehen, daß wir endlich selbst aktiv werden, für unser Leben selbst die Verantwortung übernehmen und unsere Orientierung aus eigenen, selbst aufgebauten, neuen Strukturen schöpfen. Wir müssen uns selbst geben, was wir brauchen. Aber dafür müssen wir erst mal wahrnehmen, was wir wirklich brauchen und das bedeutet, sich um das von Hahne so sehr geschmähte Selbst zu kümmern. Hahnes Buch krankt daran, daß er vieles völlig undifferenziert hinwirft. Auch stimmen viele seiner Prämissen einfach nicht. Er will z.B. die Autorität von Eltern und Lehrern wiederherstellen, ohne ein differenzierendes Wort darüber zu verlieren, welche Art von Autorität er meint. Er hat recht, Eltern und Lehrer brauchen Autorität, aber nicht eine Autorität der Marke "Du tust jetzt gefälligst, was ich sage!" sondern eine, die Kinder als eigene Menschen respektiert und unterstützt und sie nicht, wie es früher üblich war, unterdrückt. Ein anderes Beispiel: "Selbst" heißt bei Hahne automatisch "grenzenloser Egoismus". Aber das ist ein sehr eingeengtes und vereinfachtes Verständnis. Wenn wir mit uns selbst wirklich verbunden wären und uns selbst geben könnten was wir brauchen, dann würde sich die zwanghafte Gier nach "Spaß" und Konsum erübrigen. Aber dem christlichen Menschenbild liegt es fern, den Menschen als seiner Natur nach zum Guten fähig anzusehen. Welch großes Mißtrauen in dieser Sicht auf den Menschen zum Ausdruck kommt und wie sehr dies zu Abneigung gegen sich selbst führen muß, ist Hahne nicht im entferntesten bewußt. Er scheint auch nicht die leiseste Ahnung zu haben, daß daraus ein hohes Maß an psychischem Geschwächtsein und die dies kompensierende Neigung resultiert, sich an eine äußere Autorität zu klammern (statt mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen und auf die eigene Kraft zu vertrauen). Sein Leben ernst nehmen heißt für mich, sich seinen Bedürfnissen und Gefühlen zu stellen, anstatt vom Staat oder von Gott oder sonstwem zu erwarten, daß er das eigene Leben richten soll. Aber wenn man keinen Zugang mehr zu seinen Gefühlen hat, weil man sein Leben lang Karriere machen mußte, dann ist das natürlich schwierig. Ich möchte Hahne nichts unterstellen, aber die Tatsache, daß sein Buch vor Widersprüchen nur so strotzt, kann einen schon nachdenklich machen. Vieles wurde von anderen Rezensenten schon genannt, beispielsweise, daß er sich über das Wehklagen beklagt, aber selber das ganze Buch hindurch wehklagt! Ein anderes und mir besonders sauer aufstoßendes Beispiel ist das folgende. Auf Seite 70/71 schreibt Hahne im Hinblick auf Toleranz: "So kann ich um des anderen willen selbst Überzeugungen achten, die ich nicht teile." Nur um schon im übernächsten (!) Satz zu schreiben: "Und wenn ich's mit meinem Gegenüber gut meine (und das sollten wir ja als tolerante Menschen!), dann werde ich versuchen, sie ihm auszureden. Das nennt man Mission." Also, ich finde, das spricht für sich selbst. Soll das etwa die "Achtung" sein, nach der wir unser Leben ausrichten sollen?! Nein, wir müssen uns auf uns selbst und vor allem unsere wahren Gefühle und Bedürfnisse besinnen und aus diesem Kontakt zum eigenen Selbst heraus unsere Orientierung im Leben schöpfen. Als wirklich selbstbestimmte Menschen. Hinzuzufügen ist noch, daß das Buch aus Vorträgen entstand, die der Autor ohne festes Manuskript gehalten hat. Das mag die etwas unstrukturierte Aneinanderreihung von "Informationshäppchen" und die fehlende Differenzierung vieler Begriffe erklären. Aber nicht entschuldigen. Denn wenn man etwas zu so wesentlichen Fragen sagen will, dann sollte man das nicht oberflächlich und vereinfachend tun. Insgesamt hat Hahne zwar mit vielen Feststellungen zum Status Quo der Gesellschaft recht, zu den wahren Ursachen erfährt man jedoch so gut wie nichts. Vielleicht hält er das für nicht so wichtig, weil er ja vor allem seine gute Botschaft von Gott unters Volk bringen will. Wenn ihn die tieferen Ursachen nicht interessieren, dann soll er aber - bitte schön! - auch keine populistischen Bücher fabrizieren.
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12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Unsäglich, 20. Juli 2007
Das Buch ist eine unsägliche Sammlung von Platituden, Halbwahrheiten, Hypothesen, Vorurteilen, Mystifikationen, falschen Behauptungen, aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten und ähnlichem mehr, dass man ein dreimal so dickes Buch schreiben müsste, um das alles einzeln zu entlarven.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Verfasser so dumm ist, dies nicht zu wissen. Ich vermute eher, dass er schlau genug ist zu wissen, dass man mit einem derartigen Machwerk eine große Zahl von Menschen erreicht, die ein Bündel von - vielfach einander sogar widersprechenden - Vorurteilen mit sich herumtragen und sich in einem derartigen Machwerk wiederfinden, frei nach dem Motto: Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen. So entlarvt sich das, was im Kleid des angeblichen moralischen Furors herbeikommt, als nichts denn bloße Geldschneiderei. Ebenso wie die Taliban, die die von ihnen errichtete Religionsdiktatur zum Drogenhandel und zur persönlichen Bereicherung genutzt haben, nutzt Hahne die Gutmeinendheit vieler religiös orientierter Menschen dazu aus, sich fettzuverdienen. Für schlechte Bücher gebe ich gemeinhin einen Punkt. Schade, dass man für unerträgliche und niederträchtige nicht Null oder Minuspunkte vergeben könnte.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Überzeugendes Plädoyer für Intoleranz und gegen Pluralismus, 1. Juni 2009
Viele Argumente von Autor Peter Hahne bezüglich der Gottlosigkeit und des Hedonismus unserer Gesellschaft sind sicher nicht von der Hand zu weisen. In einem Land wo Leute mit Ansichten von Peter Hahne in der Mehrzahl sind möchte ich jedoch nicht leben. Geradezu alarmierend finde ich seine Rethorik gegen Toleranz und Pluralismus. Das finde ich nicht nur "stark" sondern auch beängstigent.
Obwohl ich gläubig bin, teile ich die Auffassungen von Peter Hahne nicht. Man kann die Geschichte nicht 50 Jahre zurück drehen. Ich empfehle "Generation Doof" als eine gute Alternative zu diesem Buch. Vor allem hat dieses Werk den Vorteil, nicht so eindeutig die politischen Standpunkte nur eines Lagers zu vertreten. Wegen dieser Einseitigkeit kann ich auch nicht mehr als nur 2 Sterne geben.
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24 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Kurzweilige Lektüre die zum Nachdenken anregt, 10. September 2005
Ich bin ganz zufällig auf dieses Buch gestoßen und habe es gekauft, ohne daß ich wußte, was mich erwartet. Als ich dann zu Lesen angefangen hatte, konnte ich gar nicht mehr aufhören.Selten habe ich so viele gesellschaftskritische Gedanken in kurzer, prägnanter und leicht zu lesender Form gelesen. Im Gegensatz zu anderen Lesern hatte ich sehrwohl das Gefühl, einem roten Faden zu folgen, nur das dieser nicht klassisch wissenschaftlich verfolgt wird. Inhaltlich spürt Peter Hahne den momentanen Zustand unserer Gesellschaft auf. Das geht über fehlende gemeinsame Werte, Selbstverwirklichung als Tarnwort für übersteigerten Egoismus, demographische Entwicklung und Jugendkult bis hin zu der Tatsache, daß wir lieber zu Zuschauern als zu Gestaltern geworden sind. Seine persönliche Quintessenz aus der derzeitigen Lage Deutschlands lautet: Rückbesinnung auf die Bibel, ein konsequent christlich ausgerichtetes Leben. Hier ist nun der Punkt, weshalb ich dem Buch keine 5 Sterne gegeben habe. Die Besinnung auf christliche Werte kann eine mögliche Lösung sein, muß aber nicht. Von dieser Meinung ist Peter Hahne allerdings überzeugt. Des weiteren stimme ich auch seinen Gedanken bezüglich Frau und Familie überhaupt nicht zu. Dennoch, er bringt vieles auf den Punkt, was nachdenklich stimmt und zur weiteren Diskussion einlädt.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
Ein zutiefst undemokratisches Buch, 10. November 2008
Peter Hahnes Buch besteht aus vielen einzelnen meist recht kurzen Kapiteln, die sich mit der Spaßgesellschaft und dem Werteverfall in Deutschland beschäftigen. Dabei greift er durchaus wichtige Themen auf, beispielsweise Drogenkonsum, Jugendwahn, Amokläufe von Jugendlichen, Kinderarmut usw. Die einzelnen Kapitel bauen kaum aufeinander auf, so dass das Buch in seiner Themensammlung weniger als in sich abgerundete Gesamtanalyse sondern vielmehr als exemplarische Aufzählung der Probleme unserer modernen Gesellschaft verstanden werden muss. Das ist jedoch kein Manko, sondern ein eigener Stil, der wohl auch darin begründet ist, dass in dem Buch nachträglich viele Reden von Peter Hahne zusammengestellt und dabei nur schwach systematisiert worden sind. Aufbau und gewählte Thematiken sind für mich somit durchaus interessant, damit endet aber schon meine Zustimmung an dem Buch. Alles andere ist in meinen Augen eine Katastrophe, die ich anhand allgemeiner Kritikpunkte mit jeweils ein bis zwei konkreten Beispielen erläutern will.
1. Als Belege für seine Problemanalyse werden häufig Zitate bekannter Persönlichkeiten gebracht. Welchen Wert hat das? Für jede Meinung kann ich jemanden finden, der sie vertritt, aber dadurch wird sie auch nicht wahrer. Welche Bedeutung für die Beurteilung von Pornografie in Deutschland hat schon die Tatsache, dass der Sohn von Thomas Gottschalk findet, dass Deutschland ein riesiger Pornoladen" ist? (S.30)
2. Ursachenanalysen sind platt und vollkommen undifferenziert. Da wird beispielsweise gegen zu geringe Geburtenrate gefordert, dass Frauen wieder zu Hause bleiben sollen (S. 43). Als "Beweis" wird der niedersächsische Landkreis Cloppenburg angeführt (S. 47), mit hoher Geburtenrate und niedriger Erwerbstätigkeit von Frauen. Aber dieser Landkreis zeichnet sich durch eine reiche bäuerliche Struktur (also viele Familienbetriebe), viel Grundbesitz und ein hohes Maß an eigenem Wohneigentum aus. Was soll das einer Familie sagen, welche die Miete in München nicht bezahlen kann?
3. Er liebt Phrasen, welche nur scheinbar eine Lösung beinhalten. "Wenn du nicht weist woher du kommst, kannst du auch nicht wissen, wohin du gehst." (S.55) Und daraus wird dann gefordert, dass wir uns unserer christlichen Wurzeln erinnern müssen.
4. Überhaupt ist diese Lösungsformel für alle Probleme ebenso platt und undifferenziert wie die Analyse. Ein "kompromisslos-radikaler, an der Bibel orientierten Lebenstil" ist die allumfassende Lösung, die wie von Zauberhand alle Probleme wegwischen würde, den Beweis bleibt er uns schuldig.
5. Im Laufe des Buchs werden alle Gruppen, welche nicht in dieses konservativ-religiöse Weltbild passen, pauschal verdammt. Berufstätige Frauen, Atheisten, Moslems: Feindbilder werden geschaffen und dabei wird regelmäßig mit zweierlei Maß gemessen. Er beschwert sich in Bezug auf konservative Christen, dass wer "feste Überzeugungen proklamiert, als Fundamentalist diffamiert wird." (S. 71) Ein bisschen weiter findet man dann den Satz "Der atheistische Fundamentalist ist die größte Bedrohung unserer Gesellschaft." (S.88) Wer diffamiert hier wen? Wer darf für seine Überzeugung eintreten und wer nicht?
6. Demokratische Grundwerte bedeuten ihm nichts. Beispiel: Er klagt das Kopftuch an, ein Ausdruck "einer deutlich staatspolitisch agierenden Religion" (S.66) zu sein. Meinetwegen - kann ich als diskussionswürdige Meinung akzeptieren. Nicht akzeptieren kann ich dann aber seine sich durch das ganze Buch ziehende Forderung "Holt [den christlichen] Gott zurück in die Politik". (Darf nun Religion staatspolitisch agieren oder nicht? Die Antwort des Buches ist eindeutig: Peter Hahnes Religion soll staatspolitisch agieren, allen anderen sollte man es verbieten.)
Eigentlich ist es vor allem der letzte Punkt, der mir keinen Spielraum für eine gute Bewertung lässt. Beim Lesen des Buches könnte man Angst um unsere demokratischen Grundwerte, wie Gleichberechtigung, Religionsfreiheit etc. bekommen. Aber die vielen Kritiken hier bei Amazon, die das ähnlich sehen wie ich, machen dann doch wieder Mut.
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