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45 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Bereicherung
Ein Kompass gibt stets eine Richtung an, aber nie ein Ziel. Das ist genau die Orientierungshilfe, die uns Natalie Knapp mit ihrem neuen Buch "Kompass neues Denken" an die Hand geben möchte. Es ist kein Ratgeber im herkömmlichen Sinne, mit konkreten Anweisungen, die einem beruflichen Erfolg, Gesundheit oder eine funktionierende Beziehung garantieren, sondern eher...
Vor 18 Monaten von Felix Richter veröffentlicht

versus
12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Anhaltspunkte in einer Welt der Ungewißheiten
Die über Heidegger, Derrida und Rilke promovierte Autorin Natalie Knapp schreibt vom Menschen in einer von Interaktionen und Rückkopplungen beherrschten Welt und hat sich damit teilweise zu viel vorgenommen.

Einerseits macht sie ihre Sache gut, wenn sie ihre Kompaßübungen anbietet oder z.B. referiert über:
•...
Vor 9 Monaten von Benedictu veröffentlicht


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45 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Bereicherung, 23. Februar 2013
Von 
Felix Richter - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kompass neues Denken: Wie wir uns in einer unübersichtlichen Welt orientieren können (Taschenbuch)
Ein Kompass gibt stets eine Richtung an, aber nie ein Ziel. Das ist genau die Orientierungshilfe, die uns Natalie Knapp mit ihrem neuen Buch "Kompass neues Denken" an die Hand geben möchte. Es ist kein Ratgeber im herkömmlichen Sinne, mit konkreten Anweisungen, die einem beruflichen Erfolg, Gesundheit oder eine funktionierende Beziehung garantieren, sondern eher eine Anleitung, wie wir uns in einer hochkomplexen, sich schnell verändernden Welt positionieren und zurechtfinden.

Dazu müssen wir erst einmal erkennen, was uns tatsächlich wichtig ist und uns glücklich macht, wie gesagt nicht im Sinne eines konkreten Ziels, sondern eher, wie wir uns ein wirklich sinnvolles Leben vorstellen. Dabei macht Natalie Knapp unmissverständlich klar, dass unsere Welt es nicht verkraften wird, wenn wir weiter auf unserem wachstums- und konsumorientierten Weg voranmarschieren. Die Glücksverheißungen der Werbung führt sie dabei sehr schön ad absurdum.

Immer wieder streut sie konkrete "Kompassübungen" ein, mit denen wir diese Fragen strukturieren können, und die uns helfen, uns selbst besser einzuschätzen und uns so Entscheidungen ermöglichen, die eigentlich an der unendlichen Zahl von Variablen scheitern müssten. Und sie hilft uns dabei, in unübersichtlichen Situationen gelassen zu bleiben und auch dem Zufall einen Vertrauensvorschuss zu geben.

Leitmotiv des Buchs aber ist unsere Vernetzung mit allem und allen. Nichts, was wir tun, ist ohne Auswirkung auf Umwelt und Mitmenschen und, durch mehr oder weniger starke Rückkopplung, auch auf uns selbst. Nur miteinander und nicht gegeneinander können wir unsere Zukunft gestalten. Wir müssen uns dabei fragen, mit welchen Menschen wir uns umgeben wollen und wie wir mit ihnen umgehen. Wir müssen lernen, erst einmal zuzuhören und so eine Atmosphäre schaffen, in der wir kreativ neue Antworten und Lösungen finden können. Das gilt im Privaten ebenso wie im Berufsleben, und hier spürt man die langjährige Erfahrung als Unternehmensberaterin.

"Kompass neues Denken" ist ein außerordentlich bereicherndes Buch, auch für jemanden wie mich, für den die Zeit der lebenswichtigen Entscheidungen leider (oder gottseidank?) vorbei ist, und ich fand es etwas stimmiger und hilfreicher als den "Quantensprung des Denkens", den Natalie Knapp vor etwa fünf Jahren veröffentlicht hat.

P.S. Auf einen Schnitzer muss ich aber doch noch hinweisen (S. 151/152): Unser Erbgut besteht aus nicht aus periodischen Sequenzen von Aminosäuren, sondern aus getakteten Sequenzen von Nukleinsäuren, und die Buchstaben des Erbguts sind nicht einzelne Moleküle, sondern Teile riesiger Molekülketten, der DNS. Der Philosophin sieht man das gerne nach, dem Lektor oder der Lektorin eher nicht.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Komplexität verständlich und lebensnah erklärt, 1. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Kompass neues Denken: Wie wir uns in einer unübersichtlichen Welt orientieren können (Taschenbuch)
Eigentlich wollte ich schon vor Monaten eine Rezension zu diesem Buch schreiben, war dann aber, wie immer, zu träge. Nun wollte ich das Buch als Geschenk wieder bestellen und musste feststellen, dass die Rezensionen kein ausgewogenes Bild mehr abliefern. Also doch noch eine schreiben.

Den meisten Menschen dürfte inzwischen aufgefallen sein, dass unsere Welt immer komplexer wird und es uns immer schwerer fällt, die Zukunft zu planen oder verantwortungsbewusste Entscheidungen zu treffen. Das gilt für Privatpersonen ebenso sehr wie für Politiker oder Wirtschaftsexpertinnen. Der eher ratlose Umgang mit den zahlreichen Krisen unserer Zeit (Finanzkrise, Klimakrise, Jugendarbeitslosigkeit in Europa usw.) belegt die These einer kollektiven Überforderung.

Die Autorin erklärt in einem ersten Schritt allgemein verständlich, warum die Welt, in der wir leben, notwendigerweise immer unübersichtlicher wird. In einem zweiten Schritt zeigt sie, wie wir unser Leben trotzdem sinnvoll gestalten können – als Einzelne und als Gesellschaft. Beides ist ungeheuer anspruchsvoll, aber Natalie Knapp beschreibt und erklärt die Phänomene unserer Zeit mit einer solchen Anschaulichkeit, dass es einem fast so vorkommt, als hätte man das alles schon immer gewusst. Wer allerdings einige der Bücher, die die Autorin hier auswertet, im Original gelesen hat (Gregory Bateson oder Stuart Kauffman, um nur zwei zu nennen), der weiß, welch vielschichtige Theorien hier verarbeitet und für eine Vielzahl von Leserinnen und Lesern zugänglich gemacht wurden. Hut ab! Die Autorin schafft es, die anspruchsvollen Erkenntnisse der Komplexitätsforschung so bildhaft in alltagstaugliche Beispiele zu übersetzen, dass man ohne Fachkenntnisse versteht, warum die Kosten bei Großprojekten ständig explodieren, wie man allein durch Zuhören Lösungen entwickeln kann oder warum es notwendig ist, Bürgerinnen und Bürger viel öfter direkt an politischen Entscheidungen zu beteiligen. Besonders beeindruckt hat mich die klare und umfassende Darstellung der Selbstorganisationsprozesse des Lebens. Am Ende der Lektüre hat man begriffen, warum wir gelingende Beziehungen brauchen, um planloses Scheitern in kreatives Chaos verwandeln zu können.

Obwohl ich mich mit einer Vielzahl der im Buch behandelten Themen schon vorher auseinander gesetzt hatte, teilweise auch als Wissenschaftler, habe ich dieses Buch als außerordentlich bereichernde Lektüre empfunden. Denn Theorie ist eine Sache, die einfache praxistaugliche Übersetzung eine andere. Der Stil der Autorin mag manchem Lesenden zu einfach erscheinen, aber genau das ist ihr besonderes Verdienst.

Auf die kleinen, für den Argumentationsstrang der Autorin allerdings immer unwesentlichen Fehler oder Ungenauigkeiten wurde bereits in anderen Kritiken hingewiesen, aber ich gehe davon aus, dass einige davon in der inzwischen dritten Auflage des Buches ohnehin bereits korrigiert wurden.

Den durchweg interessanten Analysen der Autorin kann man zustimmen oder widersprechen und beides würde die Autorin sicher erfreuen (denn auch zum Widerspruch fordert sie stets auf!).

Mit klugen Beispielen und einem warmherzigen Ton erklärt sie komplexe Sachverhalte, gibt wertvolle Handlungsimpulse und ermutigt zum Selbstdenken.

Ich werde es sicher noch oft weiterverschenken.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hochinteressant und äußerst empfehlenswert!, 27. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kompass neues Denken: Wie wir uns in einer unübersichtlichen Welt orientieren können (Taschenbuch)
Hätte ich einen ersten Preis zu verleihen, so würde dieses Buch ihn erhalten. Ich habe es verschlungen wie einen Roman! Die Autorin bietet eine Fülle spannender Denkansätze, Hinweise und Hintergründe, überzeugend dargestellt und gut recherchiert, zum Leben in unserer modernen Gesellschaft mit ihren komplexen Problemen, die einen im Grunde zur Verzweiflung bringen müssten.

Um die Probleme lösen zu können, kommen wir mit den alten Überzeugungen nicht weiter. Vielmehr brauchen wir ein anderes Denken und neue Lösungswege, die wir nur in kleinen, behutsamen Schritten angehen können. Immer ohne den Anspruch auf die große Wahrheit, den großen Wurf oder das allumfassende Konzept. Und so liefert auch das Buch keine fertige Gebrauchsanleitung für ein gelingendes Leben, weil es eine solche nicht gibt, sondern einen Kompass, der in eine vielversprechende Richtung weist.

Die Autorin richtet unser Augenmerk immer wieder auf das enge und sich ständig verändernde Beziehungsgeflecht, das alle Lebewesen und Dinge miteinander verbindet. Alles ist Beziehung in Bewegung - diese Erkenntnis ist ein wichtiger Schlüssel, der uns helfen kann, unser Leben und das auf unserem Planeten besser zu verstehen.
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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Revolution der Denkungsart, 3. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Kompass neues Denken: Wie wir uns in einer unübersichtlichen Welt orientieren können (Taschenbuch)
Wer Natalie Knapps Arbeiten kennt, wird dieses Buch mit Spannung zur Hand nehmen und bestimmt nicht enttäuscht werden. Auch diesmal kann der Leser die Erfahrung machen, von einer philosophisch versierten Autorin mit sanfter Hand über schwieriges Gelände geführt zu werden. Der „Kompass neues Denken“ ist ganz auf der Höhe der Zeit und schlägt dabei einen sehr besonderen Ton an. Das Buch ist ganz unberührt von den verbreiteten intellektuellen Allüren, die sich mit aufgeblasenen Begriffen und Satzungetümen vom Denken der vielen abzusondern mühen. Vermieden wird ein erhabener Standort außerhalb des Spiels. Souverän und dennoch ohne jeden Überlegenheits-Habitus unternimmt die Autorin hier einen wahren Kraftakt, um die Schwierigkeiten der modernen Lebenswirklichkeit für möglichst viele Menschen durchschaubarer und handhabbarer zu machen. Sie will ihre Leser darin unterstützen, „einen Orientierungssinn für unsere unübersichtliche Welt zu entwickeln.“. Ausgangspunkt ist ihr die allgegenwärtige Überforderung der Menschen durch die moderne Lebenswelt, deren unberechenbare Dynamik zunehmend bedrohliche und krank machende Züge angenommen hat. Ihr erklärtes Ziel liegt darin, den Lesern – angesichts aller unleugbaren Schwierigkeiten – neues Vertrauen in die eigene Kreativität und Gestaltungsfähigkeit zu vermitteln. Vor allem aber geht es ihr dabei um die Entfaltung einer lebendigen Logik der Beziehungen, die sich von allen allzu gradlinigen Haltungen des Bescheidwissens emanzipiert. Deshalb gilt es zu lernen, Unsicherheiten auszuhalten, offen zu sein für Neues und auf Patentrezepte zu verzichten. Wie ausdrücklich gesagt wird, soll lediglich eine Richtung aufgezeigt werden, in die wir uns bewegen müssen. Denn das Buch versteht sich als Kompass.
So wie die Dinge liegen, ist die zerstörerische Kraft unserer eindimensionalen Orientierung am unmittelbaren Nutzen und Profit inzwischen unübersehbar geworden. Die zahllosen Krisen und Katastrophen der letzten Jahre zeigen uns dies. Auch wenn manche es immer noch nicht wahrhaben wollen, wir müssen – so Knapp - die gewohnten Denkbahnen und Handlungsroutinen durchbrechen, um den Problemen dieser Welt gewachsen zu sein. Oft genug ist es gerade die Angst vor Unsicherheit, die ins Unglück treibt. Indem wir uns auf starre Schemata und innere Gewissheiten zurückziehen, wird jene Blickfreiheit behindert, die wir benötigen, um in Zusammenarbeit mit anderen anstehende Fragen in angemessener Weise analysieren und bewältigen zu können. Deshalb ist, so Knapp, „die Unsicherheit unsere eigentliche Sicherheit, weil sie uns daran erinnert, dass wir die Folgen unseres Handelns im Blick behalten und unsere Entscheidungen möglicherweise revidieren müssen.“
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Umdenken, 22. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kompass neues Denken: Wie wir uns in einer unübersichtlichen Welt orientieren können (Taschenbuch)
Immer wieder ist die Rede von globaler Vernetzung u.ä. Natalie Knapp eröffnet überraschende und, wenn sich der Leser, die Leserin darauf einlässt, ungemein interessante, hilfreiche und nachvollziehbare Wege, die eigene Wahrnehmung und gewohntes Denken zu ändern. Dies eröffnet, sowohl das Leben als auch sich selbst neu sehen zu lernen als auch neu zu erfahren, wie vernetzt tatsächlich alles mit allem ist und wie tief es eigentlich geht, wenn man sagt: wir kommunizieren miteinander.
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12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Anhaltspunkte in einer Welt der Ungewißheiten, 11. November 2013
Von 
Benedictu - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Kompass neues Denken: Wie wir uns in einer unübersichtlichen Welt orientieren können (Taschenbuch)
Die über Heidegger, Derrida und Rilke promovierte Autorin Natalie Knapp schreibt vom Menschen in einer von Interaktionen und Rückkopplungen beherrschten Welt und hat sich damit teilweise zu viel vorgenommen.

Einerseits macht sie ihre Sache gut, wenn sie ihre Kompaßübungen anbietet oder z.B. referiert über:
• Kreiskausalität oder zirkuläre Verursachungsketten aus dem Kontext der berühmten Macy-Konferenzen,
• Dietrich Dörners Laborversuche unter komplexen Randbedingungen Die Logik des Mißlingens. Strategisches Denken in komplexen Situationen.,
• Resonanzbeziehungen (nach dem kanadischen Philosophen Charles Taylor und dem deutschen Soziologen Hartmut Rosa),
• das Wesen menschlicher Verständigung (nach Michael Tomasellos Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation (suhrkamp taschenbuch wissenschaft)) und
• die Frage menschlicher Autonomie anhand der Forschungen des Sozialpsychologen Harald Welzers.

Andererseits: Was soll man denn von einer Autorin halten, die sich zum Thema Komplexität und Vorausberechenbarkeit äußert, aber den dafür einschlägigen Schmetterlingseffekt nicht einordnen kann? Und selbst wenn man ihr einen Rabatt in den Naturwissenschaften einräumen wollte, müßte sie sich denn nicht, wenn es um die Orientierung in der Welt geht, adäquat zur Frage äußern können, welche positive oder negative Rolle Medien dabei spielen? Unser Altbundeskanzler Helmut Schmidt orientiert sich in der unübersichtlichen Welt mit zehn Zeitungen am Tag. Allein daraus könnte die Autorin den Verdacht schöpfen, daß wenn ein großes Blatt nicht reicht, mit den Medien etwas nicht stimmen kann. Wenn sie dann auch noch das öffentlich-rechtliche Mediensystem über den grünen Klee lobt, weil sie offenbar das Buch des Medienexperten Hans-Peter Siebenhaar vom Handelsblatt Die Nimmersatten: Die Wahrheit über das System ARD und ZDF nicht zur Kenntnis genommen hat, stellt sich die Frage, wieviel Geduld man halb informierten Autoren insgesamt zugestehen soll.

Im folgenden habe ich die wichtigsten positiven Einsichten, die die Autorin liefert und ihre größten Irrtümer kommentiert:

► P O S I T I V

■ VERZICHT AUF AUSWAHL
Die Autorin macht plausibel, daß die meisten Menschen sich mit dem Durchdenken nebensächlicher Wahlmöglichkeiten zu lange aufzuhalten und nach einer Entscheidung auch noch hin und her überlegen, ob sie denn richtig war. Sie rät, bei nachrangigen Fragestellungen Alternativen einfach zu ignorieren und durch eine beherzte Entscheidung den Zufall zu akzeptieren. Damit rettet man Zeit für das Wichtige.

■ AUTONOMIE - Mitläufer und Helden (I)
Besonders aufschlußreich ist m.E. das Kapitel "DER STOFF AUS DEM DIE HELDEN SIND". Es führt zum wertvollsten Rat der Autorin, der aber dadurch getrübt wird, daß beim Thema Medien (s.u.) offenkundig wird, daß die Autorin kein eigenes Gespür für Helden und Mitläufer entwickelt hat. Knapp erzählt von dem Sozialpsychologen Harald Welzer, der sich zusammen mit anderen fragte, was eine Sophie Scholl oder einen Oskar Schindler von den vielen Mitläufern des Nationalsozialismus unterschied. Welche Eigenschaften muß jemand haben, um selbständig denken und autonom handeln zu können? Bei einem einfachen Experiment konnte Welzer mittels Gruppendruck drei Viertel aller Testpersonen dazu bringen, eine ganz offensichtlich falsche Mehrheitsmeinung als wahr zu bezeichnen. Als Welzer schon glaubte, bei den standhaften Versuchspersonen die gesuchten Eigenschaften gefunden zu haben, machte die Aussage eines der Probanden, der bei der eigenen, richtigen Meinung geblieben war, klar, wie fragwürdig sozialwissenschaftliche Versuche sein können. Der meinte nämlich, daß das Experiment doch verlangt hätte, daß er ehrlich antwortete. Diese Autonomie war in Wirklichkeit Gehorsam. Welzer erinnerte sich dabei an die Aussage einer Sekretärin, die während der Zeit des Nationalsozialismus Juden versteckt hielt. In einem Zeitungsinterview sei sie gefragt worden, aus welchem Grund sie damals geholfen habe. Ihre Antwort: «Mein Chef hatte mich darum gebeten.» Historische Untersuchungen hätten bestätigt, daß viele moralische Vorbilder keine Einzelkämpfer waren. Die meisten Menschen, die etwa den Verfolgten des Naziregimes halfen, wären Teil von sozialen Netzwerken gewesen. Sie hätten sich gegenseitig stabilisiert, sie hätten einfach der richtigen Gruppe angehört, zu der manche aus moralischer Überzeugung, andere durch Zufall gelangt wären. Doch was die Mitglieder der Helfemetzwerke den Mitläufern Naziregimes vorausgehabt hätten, wäre ihr Einfallsreichtum gewesen. "Ohne Phantasie keine Moral", schreibt die Autorin vielleicht etwas überpointiert und dann weiter: "«Nicht der Charakter war entscheidend, sondern ob jemand in einer bedrängenden Situation Handlungsmöglichkeiten erkennen konnte oder eben nicht», meint Harald Welzer zur Frage, was die von ihm untersuchten Widerständler gegen das Naziregime auszeichnete. Ein Mann wie Oskar Schindler sei nicht per se ein <guter> Mensch gewesen, sondern eher ein Spielertyp. Und dieser erkenne oft Handlungsmöglichkeiten, die anderen verborgen blieben." «Schindler hat die Gelegenheit ergriffen, um das Leben der Juden zu spielen, weil sich ihm die Gelegenheit dazu bot», sagt Welzer. Der Historiker Marten Düring, der die Geschichte einiger Helfernetzwerke untersucht hat, meint, daß viele einfach halfen, weil sie darum gebeten wurden, und so in ihre Rolle hineingewachsen wären. So wie es etwa Maria Gräfin Maltzahn beschrieben hätte, die während des Naziregimes über 60 Verfolgte versteckte oder unterstützte: «Durch Zufall gerät man rein, und dann steckt man drin und macht einfach weiter!» Der Psychologe Richard Wiseman spricht in seinem Ratgeber MACHEN - nicht denken!: Die radikal einfache Idee, die Ihr Leben verändert von der Fuß-in-der-Tür-Technik.

Es ist klar, daß diese hochinteressanten Netzwerkphänomene unabhängig von dem obigen, speziellen Kontext im guten wie im schlechten und im großen wie im kleinen wirksam sind. Der m.E. wertvollste Rat der Autorin im Kontext menschlicher Gemeinschaften, ist also der: "Wir müssen sehr viel mehr darauf achten, mit wem wir Beziehungen führen, in welchen Kreisen wir uns bewegen und an wem wir uns ausrichten." Dem muß man fast nichts hinzufügen, außer vielleicht dem, daß diese Einsicht in die Bedingungen menschlicher Autonomie für die Erziehung Heranwachsender besondere Bedeutung hat.

► N E G A T I V

■ SCHMETTERLINGSEFFEKT
Auf S. 296f schreibt Knapp: "So wie der Flügelschlag des Schmetterlings einen Wirbelsturm auslösen kann, hängt die Entwicklung gesellschaftlicher Prozesse auch von unseren Gedanken ab, von unseren Entscheidungen, unseren Gesprächen, unseren Handlungen." Ganz falsch ist der zweite Teil des Satzes vielleicht nicht, aber der Schmetterlingseffekt taugt weder als Begründung noch als Analogiebetrachtung. Die Autorin sitzt da einfach einem weitverbreiteten Mißverständnis und einer irreführenden Redeweise zu diesem naturwissenschaftlichen Phänomen auf. Die Schmetterlings-Metapher hat einen ganz anderen Sinn, nämlich zu veranschaulichen, wie empfindlich ein nicht-lineares System von der Ausgangssituation ist. Wenn man etwa das Wetter sehr weit in der Zukunft berechnen wollte, müßte man alle Luftbewegungen bis ins kleinste kennen. Wie absurd dann die Aussage ist, daß eine einzige dieser kleinsten Bewegungen - sagen wir eines Schmetterlings - die Wetterlage am Ende verursacht hätte, sieht man auch daran, daß auf einen Wirbelsturm leicht eine Billion mutmaßlich verdächtiger Schmetterlinge kommt. Welches der vielen Flügelchen hätt's denn gewesen sein sollen ;-)?

■ MEDIEN - Mitläufer und Helden (II)
Auf S. 52ff argumentiert Natalie Knapp für ein gemeinschaftliches Mediensystem, das den Bürgern gehört. In der Tat ist ein Rundfunk, den die Bürger bezahlen und der daher ausschließlich ihnen gehört, der einzige Ausweg aus dem Dilemma, daß trotz allgemeiner Pressefreiheit in den über Anzeigenwerbung finanzierten Presseerzeugnissen nur solche "Wahrheiten" stehen, die an die politischen Überzeugungen der stärksten Käufergruppe angepaßt worden sind. Die Autorin tut so, als ob wir ein solches Gemeinschaftssystem mit den gegenwärtigen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten schon hätten. Hätte Sie in das Buch des Politologen und Medienexperten Siebenhaar vom HANDELSBLATT Die Nimmersatten: Die Wahrheit über das System ARD und ZDF einmal hineingeschaut, wüßte sie, daß jedoch die deutschen Politiker diese Anstalten als ihr Eigentum betrachten. Die Autorin versteigt sich sogar in die abwegige Behauptung, daß das deutsche System, weil es uns den Erfahrungen des Nationalsozialismus hervorgegangen sei, das beste in Europa sei. Nichts ist falscher als das, wenn man Kriterien eines hochwertigen Journalismus zugrunde legt. Während die BBC (British Broadcasting Corporation) in der Lage und willens ist, Fehler der eigenen Regierung aufzudecken und dem Druck staatlicher Stellen lange standzuhalten, wäre das in Deutschland, wo ehemalige Politiker in die Führungsetagen gehievt werden, ganz undenkbar. Solange die Bürger von der ARD und dem ZDF nicht mehr erfahren als aus der FAZ und der WELT und anderen großen Zeitungen ist das öffentlich-rechtliche System de facto ein kostspieliges Unterhaltungsprogramm, das nur einen beschränkten gemeinschaftlichen Nutzen besitzt. Was sollte man denn von Mainstream-Journalisten, die den Auftrag haben, dem Mainstream nach dem Mund zu reden, auch erwarten? Die Autorin irrt gewaltig darin, wenn sie den Unwillen vieler Bürger, Gebühren für ein von ihnen kaum genutztes und überteuertes Unterhaltungsprogramm zu bezahlen, als fundamentalen Verlust des Gefühls, was Gemeinschaft bedeutet, interpretiert. Auch wenn sie für den SWR arbeitet, muß sie unbedingt einmal Siebenhaar lesen, um klarer zu sehen.
Nur durch eine grundlegende Reform der öffentlich-rechtlichen Anstalten,
• die zu 100% von der Bürgerschaft finanziert werden müßten (was außerdem Werbefreiheit bedeutete),
• um auch zu 100% von den Bürgern kontrolliert werden zu können und
• deren Budget in erster Linie für Journalisten und erst in zweiter Linie für Showmaster da sein müßte,
kämen wir zu einem Mediensystem von großer gemeinschaftlicher Bedeutung.

Die Autorin kann Helden (wie z.B. Noam Chomsky Media Control: Wie die Medien uns manipulieren oder Phillip Knightley The First Casualty: The War Correspondent as Hero and Myth-maker from the Crimea to Iraq (Johns Hopkins paperback) (Paperback) - Common) und Mitläufer nicht auseinanderhalten, sonst wäre ihr der Mechanismus der Selbstzensur von großen Teilen der westlichen freien Presse nicht unbekannt. Diese Selbstzensur insbesondere großer Zeitungen ist kaum böse Absicht. Sie ist im Grunde genommen ein ganz normales Phänomen der freien Marktwirtschaft, denn sie folgt einfach nur daraus, daß die großen Verlage nicht der Wahrhaftigkeit, sondern zuerst der Profitabilität verpflichtet sind. Große Tageszeitungen wie die FAZ und die WELT sind quasi marktwirtschaftlich bedingte Mitläufer oder Opportunisten. Bisweilen betreiben sie aber auch aktive Desinformation, wenn sie Systemkritiker, also die Helden unserer Tage, verächtlich machen. Der amerikanische Politikwissenschaftler Norman Finkelstein hat das im Hinblick auf die deutschen Premium-Blätter als «The Shame and Cowardice of Germany's "quality press"» bezeichnet. Unterhalb der Klasse der hochseriösen Zeitungen ist die Verwirrung für die Leser noch größer. Der SPIEGEL z.B. ist bekannt dafür, gerne einmal Fakten zu verfälschen, damit die Meldung ja interessant genug für seine Käufer ist. Diese Situation ist die Hauptmotivation für ein reformiertes, nichtkommerzielles, werbefreies öffentlich-rechtliches Mediensystem, das keinen Profit machen muß, das ganz den Bürgern gehört und bei dem politische Kompetenz wichtiger ist als Unterhaltsamkeit. Die Einschätzung der Autorin ist in dieser Sache sehr weit von der Realität entfernt.

FAZIT
Ganz zum Schluß im Epilog greift die Autorin über ihre Einblicke in das Improvisationstheater, das einen wichtigen Aspekt des menschlichen Lebens widerspiegele, den Gedanken der Zusammenarbeit noch einmal auf. Kooperation, Kommunikation und Interaktion sind wichtige Inhalte, bei denen der Leser etwas lernen kann. Wer sich über die größten Irrtümer der Autorin hier oder anderswo informiert hat und sie ausblenden kann, wird das Buch insgesamt mit Gewinn lesen.
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4.0 von 5 Sternen ein sehr interessantes Buch, 21. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kompass neues Denken: Wie wir uns in einer unübersichtlichen Welt orientieren können (Taschenbuch)
1.) Man muss das Buch nicht von vorne bis hinten lesen, an kann uh irgendwo anfangen und sich dann nach vorn oder hinten durchhangeln
2.) Es ist ausgesprochen gut lesbar und verständlich
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8 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nicht-Empfehlung, 25. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Kompass neues Denken: Wie wir uns in einer unübersichtlichen Welt orientieren können (Taschenbuch)
Ich habe das Buch nach einer Empfehlung auf Deutschlandradio Kultur gekauft. Die Erwartungen wurden nicht erfüllt. Im Grunde ist es eine Ansammlung von Allgemeinplätzen ausgeschmückt mit "Beispielen aus dem Leben". Sehr langatmig, schweifend und oberflächlich. Wirklich neue Denkanstöße werden leider nicht gegeben.
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6 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen An vielen Stellen zu schlicht, 26. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Kompass neues Denken: Wie wir uns in einer unübersichtlichen Welt orientieren können (Taschenbuch)
Mir ist das Buch an zu vielen Stellen zu schlicht, z.Bsp. (S. 61): "Kurzum: Denken Sie selbst! Glauben Sie nicht alles, was Sie lesen, sondern werden Sie zu einem kompetenten Gegenüber, das neue Erkenntnisse immer wieder mit der eigenen Lebenserfahrung abgleicht."
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