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am 10. Oktober 2007
Die Gründe für den Untergang des Römischen Reiches beschäftigen Gelehrte seit Jahrhunderten und die Fülle der Publikationen wirkt auf den unbefangenen Leser leicht erschreckend. Edward Gibbons "Decline and Fall of the Roman Empire" ist bis heute ein Klassiker, aber seine Erklärungsmuster von einer dekadenten Militärdespotie und der Rolle des Christentums überzeugt heute kaum mehr. Alexander Demandt hat 1984 in akribischer Arbeit mehrere hundert Erklärungsentwürfe in seinem Buch "Der Fall Roms" festgehalten. Eine eindeutige Antwort konnte auch er nicht geben.

Die moderne Forschung betont ohnehin, dass nicht ein Grund, sondern mehrere Gründe für den Untergang des (West-)Römischen Reiches verantwortlich waren. Ebenso wird betont, dass kein Verfall, sondern eine Transformation der spätantiken Welt stattgefunden hat. In gewisser Weise ist das vorliegende Buch von Peter Heather ein Gegenentwurf dazu - und dann doch wieder nicht. Für Heather, ein angesehener Experte für die spätrömische Geschichte, hat es keinen Verfall gegeben, aber auch keine mehr oder weniger friedfertige Transformation der spätrömischen Welt hin zur germanisch-romanischen Welt des Mittelalters.

Heathers Entwurf ist elegant und prägnant zugleich: die Hauptschuld am Untergang Roms trugen die Hunnen. Ihre um 375 einsetzende Expansion nach Ostmitteleuropa setzte eine Lawine in Gang, die heute recht unscharf als Völkerwanderung bezeichnet wird. Dem konnten die hochtrainierten römischen Legionen nicht auf Dauer widerstehen. Diesen Grundgedanken hatte Heather schon 1995 in einem akademischen Aufsatz formuliert.

Nach 406/07, als die Germanen massenweise über den Rhein zogen und 410 auch noch Rom von den Westgoten geplündert wurde, sank die Macht der weströmischen Regierung immer mehr ab. Am Ende dieser Entwicklung entstanden auf dem Boden des westlichen Imperiums eigenständige Reiche: in Nordafrika das Vandalenreich, in Spanien und Teilen Galliens das Westgotenreich, während in Italien die Ostgoten einfielen - allerdings erst Jahre nach der Absetzung des letzten Kaisers in Italien (476).

Heather ist wie gesagt ein Kenner der Materie. Erfreulicherweise kann er auch leicht verständlich schreiben. Plastisch zeichnet er die Entwicklung nach der Schlacht von Adrianopel 378 nach, in der gotische Gruppen (nach ihrer Flucht vor den Hunnen) über die Römer siegten und einen Prozess in Gang setzten, der zur Ansiedlung autonomer Barbarengruppen auf dem Boden des Imperiums führte. Gerade die Rekonstruktion der Ereignisse im 5. Jahrhundert ist sehr gut gelungen, zumal die Quellen für diese Zeit eher spärlich fließen. Seine Darstellung für den Untergang Roms vermag zwar nicht in allen Punkten zu überzeugen (das Überleben des Ostreichs wird weitgehend ausgeblendet, während alternative Szenarien für den Fall des Westens kaum zur Sprache kommen), ist aber dennoch insgesamt sehr gelungen. Und meiner Meinung nach weniger einseitig als etwa Bryan Ward-Perkins ähnlich gelagerte, aber mehr strukturgeschichtlich ausgerichtete Darstellung zum Fall Roms, die kürzlich auch in dt. Übersetzung erschien (Der Untergang des Römischen Reiches, Theiss, Mainz 2007).

Jeder, der sich für den Untergang Roms, spätantike Geschichte oder ganz allgemein für gut recherchierte und spannend erzählte Geschichte interessiert, sollte Heathers Buch lesen. Es regt zum Nachdenken an.
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am 31. Oktober 2008
Der Untergang des Römischen Reiches ist selbst nach 1.500 Jahren noch eine Herausforderung für die Geschichtswissenschaft. Unzählige Autoren haben sich seit der Spätantike um eine Erklärung dieses Vorganges bemüht. Der insgesamt nur mäßige Ertrag ihrer Arbeit hat den Oxforder Althistoriker Peter Heather nicht davon abgeschreckt, einen weiteren Anlauf zu unternehmen. Das Ergebnis ist eine fundierte, gut strukturierte und auf dem neuesten Forschungsstand stehende Geschichte des spätrömischen Reiches, die literarisch ebenso überzeugt, wie sie hinsichtlich ihrer Erklärungskraft enttäuscht.

Heather entwickelt seinen Ansatz im Anschluss an das von M. Rostovtzeff und A. H. M. Jones geprägte Bild der Spätantike. Dieser Sicht zufolge hatte die Krise des 3. Jahrhunderts zu einer verhängnisvollen Umgestaltung des römischen Staates geführt. Die Verdoppelung der bis dahin eher kleinen (nur etwa 300.000 Mann zählenden) Armee und die Aufblähung des Beamtenapparates habe die Steuerlasten derart vergrößert, dass die Vertreter der städtischen Selbstverwaltung ruiniert, die Bauern ins Elend getrieben, weite Landstriche der Verödung preisgegeben und eine nachhaltige Schrumpfung der Bevölkerung hervorgerufen worden seien. Rekrutenmangel habe die Armee gezwungen, immer mehr Barbaren anzuwerben, was ihre Loyalität und Schlagkraft beeinträchtigte und schließlich dazu führte, dass sie sich der Germanenflut des 5. Jahrhunderts nicht mehr erwehren konnte.

Indem er die Bevölkerung politisch knebelte und wirtschaftlich auspresste, habe der spätantike Zwangsstaat seine eigenen Grundlagen zerstört. Der Untergang Roms sei, so lautete die Schlussfolgerung, nur das unvermeidliche Ergebnis eines schleichenden inneren Verfalls gewesen.

Wie Heather überzeugend demonstrieren kann, ist diese Erklärung inzwischen hinfällig. Seit den Expeditionen des französischen Archäologen Georges Tchalenko in den fünfziger Jahren sei deutlich geworden, dass die meisten Territorien des Reiches wirtschaftlich nicht nur nicht verfielen, sondern im 4. Jahrhundert sogar den Höhepunkt ihrer Leistungskraft erreichten. Auch von einem Rückgang der Bevölkerung und einem Niedergang der Armee kann, so betont Heather, nicht die Rede sein. Im Gegenteil: Das Reich Julians mache auf den heutigen Betrachter einen wohlhabenderen und stärkeren Eindruck als das des Augustus.

Kann die Ursache für den Untergang Roms aber nicht in inneren Schwächemomenten liegen, muss sie, so schließt Heather, in der Erstarkung seiner Feinde gesucht werden. Auch dafür habe die Archäologie eindrucksvolle Belege zusammengetragen. Inzwischen wisse man, dass die Verbesserung der landwirtschaftlichen Methoden in den germanischen Nachbarregionen des Imperiums für einen kräftigen Bevölkerungszuwachs und eine Zunahme der gesellschaftlichen Stratifikation gesorgt habe. Diese Entwicklung ermöglichte es den germanischen Königen des 5. Jahrhunderts größere Stammes- und Völkergruppen zu beherrschen, als ihre Vorgänger. Damit sei die Kräfterelation zwischen Römern und Barbaren so nachhaltig verschoben worden, dass die Eroberung der geographisch besonders ungeschützten westlichen Reichshälfte langfristig kaum zu verhindern war. Der Einfall der Hunnen habe diesen Vorgang nur beschleunigt.

Heather lässt keinen Zweifel daran, dass das Römische Reich nicht friedlich einschlief, sondern erschlagen wurde. Ohne äußere Angriffe würde es noch viele Jahrhunderte fortbestanden haben. Sein Zusammenbruch sei gewaltsam und plötzlich erfolgt. Noch im Jahre 467 habe man auf Rettung hoffen können. Nur zehn Jahre später, nach dem gescheiterten Versuch der Rückeroberung Nordafrikas, sei der Untergang unumkehrbar gewesen. Zeitgenössische Beobachter hätten sich der weltgeschichtlichen Tragweite der Ereignisse, die sich vor ihren Augen abspielten, durchaus bewusst sein können.

Allerdings habe es kaum eine Möglichkeit gegeben, das Schicksal zu wenden, da das Imperium auf Dauer einfach nicht die nötigen Mittel besaß, um der Barbaren Herr zu werden. Dem Rom des Augustus wäre es, so suggeriert Heather, angesichts der Völkerwanderung nicht anders ergangen.

Als Beleg dient ihm folgende Kalkulation: addiere man die wahrscheinlichen Zahlen der in dieser Zeit auftretenden Barbarenheere (Goten, Vandalen, Alanen, Sueben, Burgunder, Franken, Heruler usw.), komme man auf etwa 120.000 Krieger, denen das weströmische Reich nur knapp 80.000 Soldaten der Feldarmee (comitatenses) gegenüberstellen konnte. Trotz seiner enormen Bevölkerung (über 70 Millionen) habe das Reich nicht mehr Soldaten ausheben können, weil es schon mit dem Unterhalt der bestehenden Armee an seine ökonomischen Grenzen stieß. So sei nur allzu verständlich, dass Rom nach der Niederlage bei Adrianopel (378), in der nach Heathers Schätzung etwa 10.000 Legionäre fielen, keine größere Schlacht mehr mit den Goten riskierte und sich auf eine diplomatische Lösung einließ.

Nirgends wird die Fragwürdigkeit von Heathers Argumentation deutlicher als an dieser Stelle. In der römischen Geschichte existiert eine aufschlussreiche Parallele zum Gotenkrieg des 4. Jahrhunderts: der Einfall der Kimbern und Teutonen im späten 2. Jahrhundert v. Chr. Damals wurde nicht EINE römische Armee von den Germanen geschlagen, sondern VIER hintereinander, deren letzte nicht weniger als 80.000 Mann stark war (die 105 v. Chr. fast alle in der Schlacht bei Arausio umkamen). Dennoch dachte die römische Republik nicht daran, sich mit den Barbaren zu arrangieren, sondern stellte unverzüglich ein fünftes Heer auf, das unter der Führung des Marius die Kimbern und Teutonen schließlich schlug.

Wenn das Imperium des 4. Jahrhunderts sich bereits nach EINER Niederlage zu Verhandlungen bequemen musste, während die viel kleinere und ärmere Republik des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts selbst nach der VIERTEN noch weiterkämpfte, kann Heathers Überzeugung, es habe in Rom keinen inneren Verfallsprozeß gegeben, nicht zutreffen. Die Völkerwanderung wurde dem Imperium nur zum Verhängnis, weil es längst nicht mehr die militärische Leistungsfähigkeit früherer Zeiten besaß.

Offenbar ist Heather wie Rostovtzeff und Jones der Versuchung erlegen, aus wirtschaftlichen Daten kurzerhand ein Gesamtbild des Imperiums abzuleiten. Seine Deutung der Spätantike ist im Grunde nur eine Modifikation der von Rostovtzeff und Jones präsentierten Sicht durch Einarbeitung neuerer archäologischer Erkenntnisse. Die Vorstellung einer homogenen Gesellschaft, in der es entweder allgemeinen Verfall oder allgemeinen Fortschritt geben muss, ist jedoch ein Trugbild. Eine differenzierte Betrachtung wird mit der Möglichkeit zu rechnen haben, dass Fortschritt und Verfall einhergingen, das späte Imperium also trotz wirtschaftlicher Blüte und wachsender Bevölkerung militärisch schwächer sein konnte, als die ausgehende Republik.

Diese analytische Schwäche mindert nicht die erzählerische Leistung Heathers. Es ist ihm gelungen, die Ereignisgeschichte der Spätantike mit einer Klarheit und in einer Anschaulichkeit zu schildern, die ihresgleichen suchen. Von deutschen Historikern ist man derartiges seit langem nicht mehr gewohnt. Heathers literarisches Talent wird seine Leser darüber hinwegtrösten, dass er den Untergang des Römischen Reiches ebenso wenig erklären kann, wie die meisten seiner Vorgänger.
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Peter Heather zeigt in seinem Buch dass der Niedergang Roms nicht durch inneren Machtverfall und Dekadenz zustande kam, sondern dass der äussere Völkerdruck die Hauptursache darstellt. Mit dieser Meinung weicht er von den Ansichtspunkten älterer Historiker ab, welche annahmen dass interner Verfall hauptausschlaggebend für den Untergang war.

Anhand von neueren Forschungsergebnissen zeigt sich dass das Römische Reich keinen wirtschaftlichen Niedergang vor dem Untergang erlebte. Es kam zwar zur Umgestaltung der Gesellschaft durch die Zunahme der Bürokratie, das Auftauchen des Christentums, das Abnehmen Roms als Machtzentrale und die Verlagerung zu grenznahen Machtzentren. All diese Umstände verliefen jedoch ohne grössere Probleme.

Knackpunkt stellte dann der Druck der auswärtigen Bevölkerung dar. Ausgelöst durch das Eindringen der Hunnen nach Europa. Letztere verdrängten andere Volksgruppen (Goten, Vandalen, Burgunder,....), welche um Aufnahme ins Reich baten. Diese Gruppen bilden dann auch grössere Verbände, welche schwerer zu kontrollieren waren. Dieser Bevölkerungsdruck entglitt dann immer mehr den Römern, welche zudem an der persischen Grenze militärisch gebunden waren. Die eindringenden Völker eignen sich so nach und nach Territorien an, profitieren hierbei auch von Perioden politischer Instabilität Roms. Die so verlorenen Gebiete fallen dann aus dem Steuersystem der Römer heraus, wodurch die Staatseinnahmen fallen. Besonders schmerzhaft fallen so verlorene Gebiete wie Tunesien an die Vandalen ins Gewicht. Fehlende Einnahmen bewirken weniger Mittel zur Aufstellung von Armeeen, wodurch eine Kettenreaktion entsteht. Militärische Fehlgriffe beschleunigen den Verfall zudem weiter.

Trotz des Verschwindens der römischen Autorität im Westreich, verschwinden die römischen Strukturen nicht vollends, sondern werden teilweise übernommen und haben in verschiedenen Gebieten noch länger Bestand.

Der Autor hat ein kritisches Werk verfasst. Hierbei nutzt er alle ihm zur Verfügung stehenden Quellen, hinterfragt diese, und versucht bei spärlichem Material trotzdem ein aufklärendes Bild zu zeigen.

Peter Heather hat ein hervorragendes Buch verfasst. Da der Autor noch relativ jung ist darf man sich auf weitere Werke seinerseits in Zukunft freuen. Für jeden der sich mit der römischen Geschichte befasst ein absolut lesenswertes Buch.
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TOP 1000 REZENSENTam 27. März 2016
Heather räumt mit den gängigen Untergangsmythen auf und zeigt, dass das Ende Westroms auf viele Ursachen zurückgeht. So trieben die Hunnen die Germanen vor sich her, die wiederum ins römische Reich drängten. Die ständigen Bürgerkriege und das Schwinden der finanziellen Basis zur Bezahlung der Heere waren aber viel entscheidender. Katastrophal war das Jahr 406. Der Einbruch von Wandalen und Alanen wäre normalerweise kein Problem gewesen, wenn nicht das britannische Entsatzheer statt der Germanen die römische Zentralmacht bekämpft hätte. So hatten die Westgoten unter Alarich leichtes Spiel und eroberten Rom. Danach gings nur mehr bergab.
siehe auch: Die Legionen des Varus
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am 7. Juni 2015
Zu allererst: Ich bin ziemlicher Geschichtslaie, mich interessiert einfach das Thema. Einiges ist mir aber auch nach der Lektüre noch nicht klar geworden. Ich hätte gerne noch mehr herausgelesen, was die Römer falsch gemacht haben, was sie hätten anders machen können. Manchmal fragt man sich, warum wurde dies oder das nicht unternommen. Beispiel: Wenn die Vandalen von Spanien nach Nordafrika übersetzen, warum scheint die Bedrohung erst so spät wahrgenommen worden zu sein ? Wo doch Africa eine der wichtigsten Prvoinzen war. Funktionierte das Informationssystem nicht ? Wenn das Römische Reich Mühe hatte, neue Soldaten auszuheben, warum hatten die Barbaren damit offensichtlich keine Probleme ? Waren das alles Idealisten und Patrioten, die für die Sache und nicht für Geld kämpften? Und war das bei den Römern eben genau nicht so ? Ich muß das Buch wohl noch ein zweites mal lesen... Interessant ist es trotzdem
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am 31. Mai 2014
Peter Heather schildert in "Der Untergang des Römischen Reiches" das letzte Jahrhundert Westroms. Peter Heather beschreibt nicht nur den Zusammenbruch, sondern schildert auch den römischen Staat und die römische Gesellschaft. Damit wird klar was Rom leisten kann und was nicht.

Ich habe sehr viel über diese Epoche gelernt, die Darstellung und Argumentationslinien im Buch sind konsistent. Das Buch ist flüssig zu lesen und vermittelt eine Fülle von Details und Zusammenhänge, die zeigen, dass die monokausalen Erklärungen (Dekadenz, wirtschaftlicher Niedergang, ...) nicht stimmen können.

Im Grunde erklärt Peter Heather den Zusammenbruch Westroms wie folgt:

1. Der Aufstieg des Sassanidenreichs, direkte Folgen:
. a) Rom ist zur Reichsteilung gezwungen, weil die Grenzen des Reichs nicht mehr von einem Zentrum aus zu verteidigen sind.
. b) Rom benötigt mehr Truppen und der Finanzbedarf des Kaisers steigt.
. c) Der Kaiser entzieht den Städten Gelder, die kommunale Selbstverwaltung der Städte zerbricht, es entsteht eine kaiserliche Verwaltung.
. d) Rom liegt abseits der Gefahrenpunkte, deshalb verlassen die Kaiser Rom.
2. Fragiles politische System, das stark von der persönlichen Führungstärke der Kaiser abhängt. Ohne führungsstarke Kaiser drohen immer Ränkespiele, Unruhen, Aufstände und letztendlich die Selbstzerfleischung durch Bürgerkriege.
3. Verstärkung der inneren Konflikte durch die Reichsteilung.
4. Mit den Hunnen taucht ein Reitervolk auf, das ein Machtzentrum an der Donaugrenze etabliert und die Grenzen bedroht.
5. Als Folge der Hunnengefahr dringen germanische Völker auf römisches Gebiet vor. Rom kann nicht verhindern, dass diese Völker Machtzentren innerhalb des Reichs bilden. Rom verliert die Kontrolle über Provinzen. Dadurch und durch die von Kämpfen und Plünderungen verursachten Verwüstungen sinken die Einnahmen des Reiches.

Bei Ostrom können sich die Germanen nur auf den Randprovinzen des Balkans festsetzen. Westrom verliert den Zugriff auf wichtige Kernprovinzen. Katastrophal ist schließlich die Eroberung der Kornkammer Afrika durch die Vandalen. Dies entzieht Westrom die Resourcen für eine umfassende Gegenoffensive. Westrom gerät immer stärker in die Defensive.

Peter Heather zeigt dass die germanischen Völker im Vergleich zum Reich eine beachtliche Truppenstärke ins Feld führen konnten. Das Gesamtreich hatte zwar ein halbe Million Soldaten, diese waren jedoch zu großen Teilen an den Grenzen gebunden. Zu dieser Zeit konnte Rom nicht mehr an mehreren Grenzen Krieg führen.

Kritisch war auch, dass der römische Staat nur durch die kleine Schicht der Grundbesitzer getragen wurde. Alle anderen waren von politischer Teilhabe ausgeschlossen und bloße Untertanen. Die Truppen waren seit dem 1 Jahrhundert vor Christus Berufssoldaten. Die Truppenstärke war deshalb durch die Staatseinnahmen begrenzt. Die große Bevölkerungszahl konnte nicht mehr durch Rekutierung der Bürger in die Waagschale geworfen werden.

Zur Zeit Hannibals konnte Rom katastrophale Niederlagen durch das Ausheben neuer Legionen kompensieren. Das war im 5. Jahrhundert, als man dringend neue Truppen gebraucht hätte, nicht mehr möglich.

Alles in allem, gut zu lesen, lehrreich und sauber argumentiert.
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am 20. Juni 2011
Da ich das Buch in den letzten zwei Wochen gelesen habe, will ich hier auch noch etwas beitragen, auch wenn einige der Kommentare sehr gut sind. Zunächst einmal muss klar gestellt werden, dass Heather eine groß angelegte Spekulation vornimmt. Viele seiner Behauptungen und Hypothesen versucht er durch antike Literaturstellen, archäologische Befunde und logische Überlegungen zu belegen, aber er selbst gibt zu, dass vieles auch Spekulation ist.

Seine wichtigsten und interessantesten Hypothesen, die mir im Kopf geblieben sind:

- Die Rhein-Donau-Grenze des römischen Reiches kam letztlich dadurch zustande, dass die Gebiete jenseits dieser Grenzen ("Germanien" - das damals bis in die Ukraine reichte) war im 1. JH einfach nicht wert erobert zu werden, die Germanen waren ökonomisch einfach zu weit zurück. Zudem waren diese "natürlichen" Grenzen auch einfach zu verteidigen. Das hat sich aber im Verlauf der Jahrhunderte, nicht zuletzt unter dem Einfluss Roms, geändert. Die germanische Wirtschaft und Gesellschaftsordnung holte auf und die Germanen wurden damit ein ernster zunehmender Gegner.

- Das römische Imperium hatte sich in allen Regionen als Zivilisationsmodell durchgesetzt. "Römer" waren auch Völker geworden, die ursprünglich zu den Unterworfenen gezählt hatten, sei es in Frankreich, Spanien oder Nordafrika. Nutznießer und Unterstützer Roms waren dabei in erster Linie die Großgrundbesitzer.

- Das späte römische Kaiserreich unterschied sich (nach 400 Jahren kein Wunder!) gewaltig nicht nur von der römischen Republik, sondern auch von seinen Anfängen. Die Stadt Rom hatte ebenso wie der Senat nur noch symbolische Restbedeutung. Entscheidend war der Kaiser (oder die Kaiser) und seine (ihre) Verwaltung, egal wo diese ihren Sitz hatten. Der größte Teil der Reichssteuern wurde für die Armeen verwandt, die - bei Unzufriedenheit - auch neue Kaiser ausrief. Das römische Wirtschaftssystem - basierend auf einer frühen Form der Marktwirtschaft, so würde ich das kurz zusammen fassen - funktionierte ausnehmend gut und es gab - laut Heather - vor dem Verlust von Gebieten keine Anzeichen für einen selbstgemachten Niedergang.

- Die äußeren Bedrohungen hatten zugenommen. Das parthische Reich bildete im Osten über viele Jahrzehnte einen ernst zunehmenden Gegner, der große Teile der Armeen band, auch nachdem diese im 3. JH verstärkt worden waren. In dieser Situation erschienen die Hunnen, die mit ihren germanischen Hilfsvölkern das römische Reich von Norden aus bedrohten und in Bedrängnis brachten. Entscheidend war nicht nur die Bedrohung durch die Hunnen, sondern dass es aufgrund der Druck erstmals germanischen Völkern gelang, dass sie als handlungsfähige politische Einheiten auf römischen Territorium angesiedelt wurden. Damit gab es insbesondere in Notsituationen jetzt auch "innere Feinde".

- Noch entscheidender war laut Heather, dass den Vandalen der Übergang über das Mittelmeer nach Nordafrika gelang. Damit war die lange ungefährdete Kornkammer des Reichs verloren gegangen, die Italien brauchte, um ausreichend Steuern für neue Armeen erheben zu können. Eine Rückeroberung wurde mehrfach in Angriff genommen, wäre möglich gewesen und scheiterte letztlich eher aufgrund von Zufällen, insbesondere unbeständigen Winden.

- Keine wirkliche Rolle spielte dagegen das Christentum, da dieses stark "romanisiert" wurde. Rom wurde christlich, aber gleichzeitig das Christentum stark römisch und übernahm eigentlich die Reichsideologie. Als Ex-Katholik möchte ich hinzufügen: Das merkt man stark bis auf den heutigen Tag.

- Das Datum des "Untergangs" Roms ist letztlich eher ein Zufall: Der über das "Restrom" (Italien und etwas mehr) herrschende Germane Odoaker sah keinen Anlass, an der "Reichsidee" fest zu halten. Die Herrschaft über wichtige Kerngebiete (West-)Roms war schon vorher verloren gegangen. Das Ende hätte man auch vorher oder auch erst später verkünden können.

Unbefriedigend ist meines Erachtens am Ende, dass Heather nicht erklärt, warum die Armeen der Kaiserzeit und mehr und mehr auch die Heerführer Roms nicht mehr "Römer" waren, sondern Germanen. Nach Heathers Meinung spielte das keine Rolle, weil auch die germanischen Führer der Endzeit letztlich wie Römer gehandelt hätten. Meines Erachtens liegt hier aber doch etwas Erklärungsbedürftiges, was Heather vernachlässigt: Die Armeen der römischen Republik und der ersten Kaiserzeit bestanden aus Römern oder stark romanisierten Völkern, am Ende traf dies wohl nicht mehr zu. Und dies obwohl die romanisierte Bevölkerung Italiens, Frankreichs, Spaniens und Nordafrikas eigentlich gegenüber den sie erobernden germanischen Völkern zahlenmäßig ein gewaltiges Übergewicht hatten. Möglicherweise kann man das dadurch erklären, dass die Armeen Roms ab einem gewissen Zeitpunkt weitgehend "Söldnerarmeen" waren, während sie früher eher "Volksarmeen" gewesen waren. Was Heather vielleicht auch zu wenig berücksichtigt ist, dass sich sehr wahrscheinlich die Kräfteverhältnisse verändert hatten. Die Armeen Roms im 1. JH waren ihren Gegnern militärtechnisch eindeutig überlegen, später traf dies wohl nicht mehr zu, sei es dass Gegner militärtechnisch aufgeholt hatten (Parther, Germanen) oder über neue, überlegene Kampfmethoden verfügten (Hunnen).
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am 1. Mai 2008
Kein Untergang hat wohl so viele Interpretationen und Thesen heraufbeschworen wie das Ende des Römischen Imperiums. Gründe dafür liegen neben der Mehrdeutigkeit der wenigen Quellen und der zeitlichen Distanz vor allem in der Tatsache, dass dieser Untergang als Folie für viele zeitgeschichtliche Ereignisse herhalten musste.

Von der Idee der Wiedererrichtung des Römischen Reiches im Mittelalter bis zum Vergleich Roms und seines Untergangs mit der Entwicklung der Rolle der USA für die internationale Politik in unseren Tagen, war Rom als Idee nie aus der Mode.

Seit Edward Gibbons einseitig auf schleichender Dekadenz aufbauendem Erklärungsansatz hat sich die Forschung neben vielen monokausalen Ansätzen auch immer stärker bemüht, ein bunteres und vielfältigeres Mosaik von Gründen zu konstruieren. In den letzten Jahren und Jahrzehnten führte diese Tendenz dazu, dass weniger ein Ende, als viel mehr der Übergang und die Überführung von Errungenschaften in die mittelalterliche Welt in den Mittelpunkt gerückt wurden.

Gegen diese bruchlose Transformation wendet sich Peter Heather in seinem Buch Der Untergang des Römischen Weltreichs". Bereits im Titel (im englischen Original The Fall of the Roman Empire") wird deutlich: hier geht es um eine Zäsur, einen Bruch - nicht um geräuschlose Überführung.
So lautet Heathers dem Buch zugrundeliegende These, dass der Druck von außen, vor allem ausgelöst durch die Hunnen, das jahrhundertealte Erfolgsmodell Römisches Reich" zum Einsturz brachte.

Zur Begründung seiner These erklärt er am Anfang des Buchs erst einmal worauf dieses Erfolgsmodell zu Beginn der von ihm besprochenen Phase des Untergangs beruhte. Der Pax Romana" überschriebene Abschnitt schildert die Vorzüge des römischen Lebens und die Attraktivität, die diese Lebensform auch auf alle damals Außenstehenden ausübte. Im Kapitel Barbaren" schildert Heather erstmals die drohenden Gefahren jenseits der Grenzen des Imperiums. Trotz der im darauf folgenden Kapitel verdeutlichten offensichtlichen Mängel in der Organisation des Reiches, schildert Heather das Imperium im 4. Jahrhundert als ein blühendes Gebilde, dessen Strahlkraft immer noch ausreichend ist, auch auf eroberte Gebiete und deren Bevölkerung eine starke integrierende Wirkung zu erzielen. Besonders die ausführlich geschilderten archäologischen Befunde der letzten Jahre widerlegen eindeutig die Thesen vom schleichenden ökonomischen Niedergang in dieser Zeit.

Im zweiten Abschnitt schildert Heather anschaulich die im folgenden Jahrhundert auf das Imperium einstürzenden Probleme durch Raubzüge, Aufstände und Usurpationen. Die weit jenseits der Reichsgrenzen entstandenen Bewegungen von Völkergruppen die diese immer wieder über die Grenzen in das Reich treiben, führen zu Krisen die von der Donau bis in die spanischen Provinzen, von Britannien bis Nordafrika zu schweren Verlusten führen. Diese Verluste stellen die zusätzlich durch Machtkämpfe geschwächte Zentralgewalt vor Probleme, denen sie nur noch in den immer selteneren Momenten der inneren Stabilität, meist unter der Führung begabter Heerführer, gewachsen ist. Parallel dazu schildert Heather den allmählichen Aufstieg der Hunnen zur zeitweise gleichwertigen imperialen Supermacht" unter Attila.

Dass paradoxerweise erst der Niedergang dieses Gegners den endgültigen Untergang des römischen Westreiches herbeiführte erklärt Heather im letzten Untergang der Imperien" überschriebenen Abschnitt. Das bereits durch den Verlust wichtiger Gebiete geschwächte Reich hatte, dem Ansturm Attilas und seiner Verbündeter noch widerstehen können. Den aus der Auflösung des hunnischen Reiches, nach Attilas Tod, entlassenen Gruppen konnte Westrom selbst mit tatkräftiger Unterstützung aus Konstantinopel nicht mehr ausreichend Widerstand entgegen setzen. Eine Provinz nach der anderen entglitt der Zentralgewalt. Die Absetzung des letzten römischen Kaiser in Rom im Jahr 476 markierte nur noch den formalen Abschluss einer Entwicklung, die in den einst blühenden Provinzen des Reiches die romanitas" als Idee eines Lebens in und mit Rom zum Erliegen gebracht hatte.

All dies schildert Heather mit hohem erzählerischen Können. Die in den ersten Kapiteln bisweilen noch etwas den Lesegenuss hemmenden Verknappungen und Sprünge verlieren sich spätestens ab dem zweiten Abschnitt im rasant anschwellenden Erzählstrom. Heather gelingt das seltene Kunststück den Fluss seiner Erzählung aus zeitgenössischen Quellen, der Schilderung aktueller Forschungsergebnisse und klassischer Geschichtsschreibung so zu speisen, dass sich nie das Gefühl von Längen oder gar Langeweile einstellt. In kleinen Miniaturen stellt uns der Autor zeitgenössische Autoren - Symmachus, Ammianus, Jordanes, Priskos und Prokop - vor, führt in die Schwierigkeiten mit den vorhandenen Quellen ein und lässt diese dann ausführlich zu Wort kommen.

Hier schreibt ein Autor der seinen Stoff nicht nur kennt, sondern beherrscht. Dass ihm beim Versuch möglichst anschaulich zu erzählen, der eine oder andere Vergleich allzu modisch überspitzt ausfällt, verzeiht man bereitwillig und kann sich, wenn ein Hauch von Jane Austen in klassischer Toga durch die Welt der spätrömischen oberen Zehntausend weht" oder in Konstantinopel die Spalte freie Stellen in Italien in der Konstantinopler Allgemeinen" studiert werden sogar eines Schmunzelns nicht erwehren. Dass sich der Spaß beim Lesen auch in der deutschen Ausgabe des Werkes einstellt, verdanken wir der Arbeit des mittlerweile leider verstorbenen Übersetzers Klaus Kochmann.
Einziger Wehrmutstropfen bei der Lektüre sind jedoch die zahlreichen Syntax- und Rechtschreibfehler die den Eindruck entstehen lassen, dass auf ein Lektorat komplett verzichtet wurde. Will der Verlag in Zukunft der beachtlichen Leistung von Autor und Übersetzer gerecht werden, muss eine Neuauflage diese Mängel unbedingt beheben.

Dennoch ist die Lektüre des Buches in jedem Fall ein Gewinn. Dem Fachmann bietet es die Chance, das eigene Wissen an Heathers geschliffen präsentierten Thesen zu überprüfen, dem interessierten Laien verschafft es einen spannend zu lesenden Einstieg in die Zeit der Spätantike.
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am 26. Januar 2012
Nachdem ich viele Bücher zum römischen Reich gelesen hatte, die sich meist auf Entstehung und Glanzzeit bezogen, schenkten mir meine Kinder dieses in der Fachliteratur sehr angesehene Werk.
1. Grundsätzlich:
Ja, das Buch ist sicherlich eines von denen, nach deren Lektüre man sich thematisch bereichert fühlt. Denn es rückt Einzelteile zurecht oder stellt sie in einen neuen oder sinnvolleren Zusammenhang. Herrn Westerwelle auf jeden Fall empfohlen, dann weiß er wenigstens, wovon er redet, wenn er wieder mal über spätrömische Dekadenz faselt, die es es so nicht gab. Das vorweggenommen: es waren nicht Sklavinnen, Tänzerinnen und der Konsum von Nachtigallenzungen und gefüllten Schweinskaldaunen wie bei Asterix an denen das Imperium Romanum zugrunde ging.
2. Der rote Faden:
Die Wirkungskette, die das Buch entwirft, beginnt bei den Hunnen, die als das Nonplusultra der Kriegs-und Waffentechnik ihrer Zeit auf die Germanenstämme drücken und diese in die Schwachstellen des Reiches hineinzwängen. Entscheidende Wendepunkte sind die verlorene Schlacht von Adrianopel gegen die Westgoten und im Westen die Eroberung Afrikas, der reichsten Provinz um Neu-Karthago herum, der Kornkammer. Der Untergang der römischen Kultur gründet darin, dass es nicht mehr gelang, die Germanen zu romanisieren und durch Sold dem römischen Heer einzugliedern, sondern dass in der Folge neue Verwaltungskonstrukte auf dem Boden West-Roms entstanden, mit neuem Gesetz, neuen Loyalitäten, neuen Steuerstrukturen.
3. Das Plus des Buches:
Es entwirft ein - zumindest für mich - neues Bild Römischer Kultur in der Spätzeit, die immer noch eine gewaltige integrative Klammer war und zeigt, wie diese eben nicht nur durch verlorene Schlachten und die Völkerwanderung an sich, sondern auch durch den Verlust der Steuerbasis und der administrativen Strukturen gesprengt wurde.
4. Was ich vermisse:
Man ahnt durch das Buch hindurch, dass da eine militärisch/politische Begründung angelegt, aber nicht ganz ausgearbeitet ist. Warum waren die Hunnen so überlegen -auch früher hatten es die Römer mit Gegnern mit leichter und schwerer Kavallerie zu tun?
Warum konnten die Römer nicht mehr wie in den Gallier und Punierkriegen immer wieder neue Massenheere rekrutieren? Waren es politische Gründe - republikanische Freibauern kann man mobilisieren, kaiserliche Untertanen mit hoher Steuerlast dachten wohl, ein Herrscher sei wie der andere(?)
Manchmal deutet das Buch dies an - aber schlüssig ist es bei den Plünderungen durch die immer noch reichlich barbarischen, oberflächlich romanisch angehauchten Germanen nicht. Hier fehlt dem Buch eine militärische - dem Thema angemessene - Komponente. War etwa der Weg zum Ritter (bestausgebildeter Berufskrieger mit starker Defensivbewaffnung) schon zu weit fortgeschritten, so daß sich allein aus menschlich begreiflichen Gründen (ich bin doch nicht blöd und lass mich von diesen schrecklichen Kriegern zusammenreiten) kein Miliz-Bauernheer mehr mobilisieren ließ? Oder war das Kaiserreich aus ideologischen Gründen zu einer derart republikanisch-demokratischen Massnahme nicht mehr fähig?
Ich vermute letzteres, weil die Schweizer Bauern im Hoch-Mittelalter sehr wohl zeigten, was ein Gevierthaufen mit Spiessen gegen Ritter auszurichten vermag, wenn er diszipliniert zusammenhält.
Wie gesagt- hier fehlt etwas.
Fazit:
klare Kaufempfehlung, weil vor allem letzterer Sachverhalt erstaunlich aktuelle Bezüge enthält: wir leben wieder in einer Zeit der kleineren Berufsheere, die an fernen Grenzen uns gegen die Barbaren (Terroristen) verteidigen - während der Rückhalt dieses Heeres in der demokratischen Masse nicht gerade bei 100% liegt. (Vielleicht weit hergeholt - regt aber zumindest mal an, drüber nachzudenken).
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am 8. Juli 2014
Heathers Buch ist für denjenigen, der sich mit dem Thema nicht auskennt, durchaus interessant zu lesen. Er erzählt von der Geschichte Roms v. a. zwischen der Schlacht von Adrianopel 378 n. Chr. und dem Untergang des weströmischen Reichs 476 n. Chr. und führt als Grund für den Untergangs des Reichs das Auftauchen der Hunnen und die dadurch bewirkte Westwanderung der Germanen an.

Mich hat jedoch einiges an dem Buch gestört. Zunächst ist es schlecht gegliedert. Was soll man denn mit Kapitelüberschriften wie "Jenseits von Afrika" anfangen? Die einzelnen Kapitel zu lang. Auch sind die einzelnen Themen schlecht untergebracht. Warum etwa behandelt Heather die Frage, ob das Christentum zum Ende des Reichs beigetragen hat, im Kapitel "Grenzen der Weltherrschaft"? Will man bestimmte Abschnitte noch einmal lesen, ist langes Suchen angesagt.

Heathers These ist zu monokausal. Er argumentiert, dass von Germanen und Hunnen eroberte Provinzen nicht mehr von den Römern zur Besteuerung herangezogen werden konnten, weshalb sich die Finanzierungsbasis für die Armee verschlechterte, wodurch weniger Soldaten angeheuert werden konnten. Interessant ist aber, wieso denn die Römer die Wehrpflicht nicht mehr einführten, zumindest für das noch nicht eroberte Italien. Lag es daran, dass es kaum noch Kleinbauern gab und die Landwirtschaft von Großbetrieben durchgeführt wurde, deren Arbeiter der Staat gegen den Willen der Grundbesitzer nicht einziehen konnte. Eine Behandlung dieser Frage wäre interessant.

Auch die Veränderungen in der Kampfweise und Ausstattung der Germanen und Römer kommen zu kurz. Dasselbe gilt für die die Auswirkungen der Bürgerkriege des 4. Jahrhunderts auf die Mannstärke und Motivation der Armee. Hohe und ungerechte Steuerbelastungen könnten ferner die Motivation des Volks, für das Fortbestehen des Reichs zu kämpfen, vermindert haben.

Heathers Buch ist somit zur Einführung in das Thema ganz brauchbar, es gibt aber bessere Bücher. Alexander Demandt bietet meiner Meinung nach bessere Werke zu dem Thema.
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