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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ausführlich, Kritisch und Lesbar
Die Augustus-Biographie ist mit 688 Seiten zwar nicht gerade ein schmaler Band geworden, aber es gibt nur wenige Seiten, auf die man verzichten würde. Das Buch ist im wesentlich sehr gut lesbar und außerordentlich informativ.
Man kann dem Autor auch nicht vorwerfen, keinen Abstand zum Gegenstand der Biographie zu haben: die nicht wenigen dunklen Seiten...
Veröffentlicht am 23. März 2002 von Michael Six

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47 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Hätte Tacitus nur Bleicken gelesen...
Jochen Bleicken, der Göttinger Polyhistor, legt eine Augustus-Biographie vor, die man wohl nicht unbedingt gelesen haben muß, dieses kurze Resümee sei gleich an den Anfang gestellt. Zwar gehört Kaiser Augustus, der Begründer des römischen Prinzipats, sicherlich zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der antiken Geschichte, Bewunderer...
Am 19. August 1999 veröffentlicht


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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ausführlich, Kritisch und Lesbar, 23. März 2002
Rezension bezieht sich auf: Augustus (Gebundene Ausgabe)
Die Augustus-Biographie ist mit 688 Seiten zwar nicht gerade ein schmaler Band geworden, aber es gibt nur wenige Seiten, auf die man verzichten würde. Das Buch ist im wesentlich sehr gut lesbar und außerordentlich informativ.
Man kann dem Autor auch nicht vorwerfen, keinen Abstand zum Gegenstand der Biographie zu haben: die nicht wenigen dunklen Seiten dieses Charakters werden deutlich herausgestellt. Zu diesen abschreckenden Seiten gehören die unbedenkliche Grausamkeit gegenüber seinen Gegnern – ganz im Gegensatz zu seinem Adoptivvater Caesar – und die aus heutiger Sicht schrankenlose Verfügung über das persönliche Glück seiner Verwandtschaft. Das Befehlen von Eheschließungen und Scheidungen ganz wie es die augenblickliche „Erbfolgesituation“ für ihn wünschenswert erschien, stellt die heutige Situation in der Adelsgesellschaft nahezu als Wahlfreiheit dar.
Aufgrund der fehlenden oder zweckbestimmten Selbstzeugnisse und der selten objektiven Darstellung der Zeitzeugen, lässt sich Augustus allerdings weitgehend nur über seine Politik fassen. Diese stellt nach der Erlangung der Alleinherrschaft allerdings auch ein Glanzstück dar, denn er hat die römische Gesellschaft und das Römische Reich stabilisiert. Obwohl sicherlich ein ausgesprochener Egomane – hätte er sich sonst durchsetzen können – hat er sich soweit zurückgenommen, dass die Alleinherrschaft nicht provozierte. Vielleicht hat dieser Erfolg auch damit zu tun, dass die Gesellschaft einfach zu erschöpft und dezimiert war, um noch aufzubegehren.
Die herausgestellten militärischen Erfolge sind sicherlich nicht unbedeutend, aber sie sind nicht unbedingt mit seinen Namen verbunden. Interessanter als seine Feldzüge ist sein Verhältnis zum Militär, das auch ausführlich dargestellt wird. Letztlich beruhte seine Herrschaft auf den Speeren der Legionen.
Das Buch ist in jedem Fall eine Empfehlung.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Eine Biographie." - nach 2000 Jahren?, 16. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Augustus: Eine Biographie (Taschenbuch)
Biographie, f. [gr. = Lebensbeschreibung], Darstellung der Lebensgeschichte einer Per-sönlichkeit, v.a. in ihrer geist.-seel. Entwicklung, ihren Leistungen und ihrer Wirkung auf ihre Umwelt. Genauigkeit in der Wiedergabe der Fakten, Objektivität in der Wertung sowie Verzicht auf romanhafte Ausschmückung ['] gelten als wesentl. Merkmale dieser ['] Gattung.

Vorweg: Nimmt man den Untertitel Eine Biographie wörtlich, so wird bei der Lektüre der vorliegenden Darstellung schnell klar, dass sie weitaus mehr bietet. Jochen Bleicken, ein an-erkannter deutscher Althistoriker, liefert neben einer bloßen Biographie gleichzeitig allgemeine Ausführungen über Politik, Gesellschaft und Kultur des römischen Weltreichs. Kurz: Augustus. Eine Biographie. ist ebenfalls (oder vielmehr?) eine Geschichte Roms zu Lebzeiten des ersten princeps. Dass dies nach rund 2000 Jahren noch reizvoll sein kann, will die Bemerkung auf der Buchrückseite signalisieren, schließlich wird die Augusteische Ära durchaus gewagt als eine Zeit beschrieben, 'die heute auf so verblüffende Weise modern erscheint.' Aber wie soll so ein aktueller Bezug aussehen?

Doch der Reihe nach: In insgesamt 16 Kapitel gliedert Bleicken seine Darstellung über jene historische Gestalt, die er mal als 'Bluthund', mal als 'Friedensbringer' bezeichnet. Augustus scheint, und das streicht Bleicken mehrmals heraus, eine Person voller Kontraste zu sein. Zwar fällt die 'Biographie' mit 688 Seiten Umfang alles andere als knapp aus (im Vergleich dazu benötigt Werner Eck knapp 118 Seiten), die narrativ-lebendige und häufig bildhafte Er-zählform Bleickens sowie der ausgewogene Mix zwischen Struktur- und Ereignisgeschichte lassen die Lektüre nur sehr selten langatmig und trocken ausfallen.
In der ersten Hälfte, inklusive dem sechsten Kapitel, geht Bleicken streng chronologisch vor. Ausgehend von den Iden des März 44 v.Chr. zeichnet der Autor den sowohl politischen als auch gesellschaftlichen Aufstieg eines Mannes nach, der dank guter Beziehungen, diplomati-scher Meisterleistungen und nicht zuletzt mit viel Glück (man bedenke nur einmal den Blitz, der Augustus' Sänftenträger erschlug) den Aufstieg zum Triumvirn, später gar zum princeps schafft. Wie skrupel- und kompromisslos Augustus dabei oftmals vorging, zeigt u.a. die sehr detailliert beschriebene Beziehung zu Cicero. Dessen Tod sei 'Symbol für die Auslöschung der Republik'. Besonders viel Raum wird in diesem ersten Teil auch den wichtigsten Schlachten Augustus' (Mutina, Philippi, Perusia ' und nicht zuletzt Actium) gewidmet. Da-von abgesehen, dass zum besseren geographischen Verständnis weitere Karten hilfreich ge-wesen wären, ist Militärgeschichte nicht jedermanns Interessensgegenstand (vgl. S. 227, wo ausführlich die Funktionsweise einer harpax beschrieben wird). Andererseits ist der Schwer-punkt auf die militia nicht völlig unberechtigt, wird dadurch doch offensichtlich, welch inzwi-schen wichtige Rolle sie im römischen Staat in der spätrepublikanischen Epoche spielte. Je-denfalls war das Militär grundlegende Stütze für die 'Willkürherrschaft der Generäle', ab 30 v.Chr. dann für die Alleinherrschaft Augustus', das Prinzipat.
Kapitel sieben bis zwölf beschäftigen sich näher mit dieser neuen Herrschaftsform. Auch wenn sich Augustus dabei an der republikanischen Ordnung orientierte, stellt Bleicken ' ganz im Gegensatz zu Tacitus und Mommsen ' fest: 'Die res publica ['] existierte nicht mehr', vielmehr handelte es sich um eine 'verfaßte Monarchie' (nicht zu verwechseln mit einer Dik-tatur!). Auch übt Bleicken klare Kritik an diesem auf nur eine Person ausgerichteten Herr-schaftssystem, macht aber gleichzeitig deutlich, dass nur auf diese Weise ein dauerhafter, 250-jähriger Fortbestand des römischen Weltreichs möglich war.
Weniger chronologisch, dafür umso schematischer gibt Bleicken daraufhin einen Überblick über die innen- und außenpolitische Regierung des Reiches. Besonders hier galt es für Augus-tus, ein ' Bleicken nennt es ' rechtliches Gewand zu 'weben', mit anderen Worten die Illusi-on zu schaffen: Der Senat war als 'politisches Gremium' gestärkt und wieder völlig selbst-ständig. Aber nur formal, denn tatsächlich herrschte eine 'Spannung zwischen Form und Wirklichkeit', faktisch sei der Senat unter Augustus 'Akklamationsinstanz' und keine reelle Exekutive mehr. Dass Bleicken dermaßen hart mit dem princeps ins Gericht geht, ist zwar beachtlich; steckte aber hinter jeder politischen Aktion tatsächlich ein solch kalkulierter Hin-tergedanke? Und war der Senat wirklich derart machtlos? Augustus hätte doch auch einfach aus dem Fehlverhalten seines tyrannischen Großonkels lernen und mit weitaus weniger Kalkül den Senat an der Herrschaft teilhaben lassen können. Und tatsächlich schwächt Bleicken einige Seiten später sein Urteil ab, indem er feststellt, dass Augustus auch faktisch größtenteils im Einvernehmen mit dem Senat handelte, 'bisweilen sogar dessen persönliches Vo-tum' einholte.
Einen weiteren Schwerpunkt legt Bleicken auf Augustus' Baumaßnahmen, die einerseits zur Verbesserung der Infrastruktur, vor allem aber andererseits zu dessen Selbstdarstellung dien-ten und ihm die notwendige Legitimation gaben. Auch wenn so eine 'Vereinheitlichung der politischen Ideenwelt' erschaffen wurde, für Bleicken war es keine Propaganda (vgl. Zanker ), sondern vielmehr die Entsprechung des allgemeinen Weltgefühls zu dieser Zeit.
Den Abschluss bilden die Kapitel über die weitere militärische Expansion gen Norden (haupt-sächlich unter Tiberius) und Ausführungen über seinen Lebensabend ' eine Phase, in der Au-gustus mehrere persönlicher Schicksalsschläge (innerhalb kurzer Zeit starben Agrippa, Octavia, Drusus, Maecenas, Lucius und Gaius Caesar) sowie innerfamiliäre Zerwürfnisse hinnehmen musste, während parallel dazu die Suche nach einem Nachfolger in vollem Gange war. So dargestellt wirken Augustus' letzte 20 (!) Jahre allerdings sehr reduziert, von politischen Herausforderungen (abgesehen von der verlorenen Varus-Schlacht) berichtet Bleicken nicht. Pointierter formuliert: Geht man nach Bleicken, so wurde aus dem princeps mehr und mehr ein maior domus, der nicht mehr auf der großen politischen Bühne, sondern im häuslichen Bereich Sorge für Zucht und Ordnung zu tragen hatte.

Einzelne Kritikpunkte, wie der vorhergegangene, sollen in meiner abschließenden Wertung aber nicht zu stark gewichtet werden. Damit wird man der 'Biographie' Bleickens nicht ge-recht. Auch wenn mir (zumindest zu diesem Zeitpunkt) kein Vergleich zu anderen Augustus-Überblicksdarstellungen möglich ist, so scheint Bleicken doch sein gestecktes Ziel der empi-rischen Lückenlosigkeit zu erreichen und dabei sehr objektiv, wenn nicht sogar verhältnismä-ßig kritisch, an eine der bedeutendsten Gestalten der Antike heranzutreten.
Bleickens hoher Grad an Wissenschaftlichkeit lässt sich für mich an einem Musterbeispiel veranschaulichen: Während gemeinhin das Postulat hingenommen wird, Marc Antonius sei wie zuvor Caesar schlichtweg der verliebt-verblendete Verehrer Kleopatras gewesen, der sich vor deren Charme nicht mehr retten konnte, scheut Bleicken eine solch vorschnell geknüpfte Kausalkette. Hinter Marcus Antonius' Entscheidung, Kleopatra einige römische Provinzen zu übergeben, vermutet Bleicken vielmehr ganz rationales, politisches Kalkül, um u.a. mit Klientelkönigen den Osten abzusichern.
Vorteilhaft empfand ich bei der Lektüre auch, dass jedes Kapitel, trotz des roten Fadens, für sich selbst stand und als solches unabhängig von den anderen gelesen werden konnte. Anmer-kungen, (Quellen-) Anhang (inklusive einer zusammenfassenden Zeittafel, Stammbäume und weiterführende Literatur und ein Nachwort von Uwe Walter, deutscher Althistoriker und Re-dakteur) runden das Werk ab und zeugen einmal mehr von der Komplexität dieser Darstellung. Ebenso komplex ist die Zielgruppe, denn aufgrund des hohen Informationsgehalts in Verbin-dung mit der lebendig-bildlichen Sprache ist Bleickens Werk gleichermaßen Studierenden wie historisch Interessierten zu empfehlen.

... Augustus. Eine Biographie. ' Wer also war Augustus? Abgesehen von einigen trivialen Erkenntnissen (Augustus war dunkelblonder Langschläfer mit ohne Bart, dafür aber mit Vor-liebe für sportliche Wettkämpfe) ist der princeps als Person, wie Bleicken gesteht, 'kaum zu greifen' ' dafür gibt die antike Berichterstattung und die oftmals auf Augustus ausgerichtete Quellenlage schlichtweg zu wenig her. Warum sich Bleicken im Epilog ' und das soll mein letzter Kritikpunkt sein ' dennoch an dessen Privatsphäre heranwagt und (ausgehend vom Zerwürfnis mit seiner Tochter Julia) Augustus geradezu pauschal als sozial inkompetente, gefühlskalte und humorlose Persönlichkeit darstellt, scheint etwas unklar zu sein. Ja, womög-lich war Augustus ein emotionsloser 'Schauspieler auf politischer Bühne', wahrscheinlich vermischte er dabei auch häufig Berufliches und Privates; für eine Charakterisierung seiner Persönlichkeit, wie sie Bleicken teilweise in seiner Schlussrede wagt, muss meiner Ansicht nach aber zu viel spekuliert werden, als dass man dem geschichtswissenschaftlichen Anspruch gerecht werden könnte. Als Gegenbeispiel sei nur einmal die intensive und lebenslange Freundschaft mit Agrippa oder dessen tiefe Trauer über die Todesfälle seiner Enkel in Be-tracht gezogen werden' Kurzum: Eine geistig-seelische Entwicklung, wie sie die oben zitier-te Biographie-Definition fordert, ist nicht (mehr) rekonstruierbar. Der Untertitel Eine Biogra-phie wird dadurch unpassend.
Nur politisch betrachtet ist Augustus eindeutig fassbar ' eindeutig uneindeutig. Der princeps, und das hebt Bleicken mit seiner Darstellung deutlich und wirksam hervor, steht zwischen res publica und Monarchie, zwischen Humanität und Brutalität, er ist die Personifikation eines schrecklichen Friedens. Und genau diese Komplexität, diese Amalgame sorgen dafür, dass die Augusteische Ära, wie oben bereits angedeutet, 'auf so verblüffende Weise modern er-scheint.' Denn eines gilt heute wie vor rund 2000 Jahren: Akteure der Politik handeln oftmals taktisch sowie gewinnorientiert und opportun, treten einerseits medienwirksam auf, sind ande-rerseits in Skandale verwickelt, und festigen durch komplexe Bündnisse, wenn auch nicht mehr unbedingt in Form dynastisch-politisch motivierten Heiraten, ihre Stellung. So gesehen ist der aktuelle Bezug durchaus gerechtfertigt.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Spannender als jeder Roman",, 15. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Augustus: Eine Biographie (Taschenbuch)
Jochen Bleicken gibt einen umfassenden Überblick zu Augustus und dessen Zeit. Wohltuend fällt auf, dass er im Gegensatz zu den meisten Biographen nicht in das Objekt seiner Beschreibung verliebt ist, sondern sich durchaus einen kritischen, distanzierten Blick bewahrt hat. Ein Buch, das sowohl den interessierten Laien zu fesseln vermag als auch den wissenschaftlichen Ansprüchen der Fachwelt genügt. Sprachlich handelt es sich um ein wahres Juwel, dem man anmerkt, dass sein Schöpfer nicht umsonst Latein und Deutsch gelernt hat. Ich habe auf den fast 700 Seiten keinen einzigen Sprach- oder Druckfehler gefunden, wohl aber jede Menge feinst geschliffener Formulierungen, die das Lesen zum Hochgenuss machen!!!
Ein schwerer Vorwurf ist alledings dem Verlag zu machen, der das von einem Herrn Uwe Walter verfasste, sprachlich kaum zu verdauende, dem Werk von J. Bleicken in keinster Weise würdige Nachwort abgedruckt hat. Es versucht auf 16 Seiten in holprigen, von meist sinnlosen Fremdwörtern (sollen wohl einen wissenschaftlichen Anschein erwecken!?) nur so strotzenden Sätzen den Inhalt von knapp 700 Seiten zu wiederholen. Nach dem sprachlichen Höhenflug aus der Feder Bleickens ein einziger Graus. Hätte dieses Pamphlet nicht als Nach- sondern als Vorwort gedient, ich hätte das Buch nicht gekauft und somit auch nicht gelesen.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Sternstunde der deutschen Historiographie!, 13. März 2007
Von 
Caliban (Süddeutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Augustus (Gebundene Ausgabe)
Bleicken erweckt die Person des Augustus ohne jegliche spekulativen Elemente in beeindruckender Weise zum Leben. Kritische Recherche und eine gekonnte, wirklich spannende Darstellungsform gehen hier Hand in Hand. Für mich als privat interessierter Leser stellt es eine geradezu ideale Ergänzung zum Standardwerk von Symes über die römische Revolution dar, wo biographische Elemente ja bewusst in den Hintergrund treten. Und um es gerade heraus zu sagen: Das Werk bewegt sich auch wissenschaftlich auf dem Niveau von Symes. Ich scheibe dies vor allem nach der Lektüre der etwas anachronistischen Rezension über die Missetaten des Octavian, denen hier angeblich nicht ausreichend Rechnung getragen werde. Sie ist einerseits zu stark geprägt von unserem heutigen Werteverständnis und wird auch dem vorliegenden Werk in keiner Weise gerecht: Bleicken stellt die unbarmherzige Härte des Augustus gegen seine Feinde (etwa Cicero) völlig ungeschminkt dar, zeigt aber auch, dass die Person des Princeps keineswegs völlig verroht war. Nachzulesen ist dies in der beeindruckenden Episode über Velodius Pollo, einen Emporkömmling, der sich in einem Meerwasserbecken ausgehungerte Muränen hielt und diesen Sklaven zur Belustigung zum Fraß vorwarf: Es war Augustus, der mit einer Geste diese und ähnliche Praktiken abstellte. Unvergesslich sind auch die Szenen, in denen Augustus mit hochrotem Kopf den Senat fluchtartig verlässt, um sich auf eine Provokation hin nicht hinreißen zu lassen. In diesen Szenen wird die Person des Princeps als eine Jahrtausendgestalt erkennbar, die für das römische Reich einen Kompromiss zwischen Tradition und Fortschritt fand, der eine Weiterexistenz des Staatsgebildes erst möglich machte.

Die spätere Schmähkritik von Tacitus ist bekanntlich interessengeleitet, schmälert nichts am Verdienst dieses Historikers, erhebt ihn aber auch nicht in den Olymp der Unfehlbarkeit.
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5.0 von 5 Sternen Ungewöhnliche Tiefe in einer universalen betrachtung, 22. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Augustus: Eine Biographie (Taschenbuch)
Jochen Bleicken hat eine, für einen Historiker, ungewöhnlich universelle Biografie des Octavius alias Octavian alias Augustus geschrieben, in der er die Persönlichkeit und die Entwicklung des jungen Adoptivsohns von Gaius Julius Cäsar sorgfältig heraus arbeitet. Dazu analysiert er gekonnt den Übergang von der alten Republik zum Prinzipat des Augustus und macht deutlich, was Augustus aus dem Scheitern seines Adoptivvaters gelernt hat. Deutlich wird, dass Augustus mit seiner Familie wenig Glück gehabt hat. Die Biografie des Augustus von Jochen Bleicken ist beste Historikerarbeit und lohnt das Lesen.
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5.0 von 5 Sternen Sehr interessante Biografie, 23. August 2014
Von 
A. Kunze (Weißenburg, Bayern Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Augustus: Eine Biographie (Taschenbuch)
In diesem Buch beschäftigt sich der Autor um die Biografie des Augustus und beginnt ab dem Tod Caesars.
Der Schreibstil ist manchmal etwas ausschweifend, aber da sich diese Ausschweifungen mit den Hintergründen beschäftigen runden diese das Bild der damaligen Zeit perfekt ab.
Das ist die Biografie, nach der ich lange gesucht habe, wobei die Biografie des Augustus vom Dahlheim auch sehr empfehlenswert ist, aber bereits Hintergrundinformationen abverlangt - ganz im Gegensatz zu diesem Buch. Hier wird der Leser an die Hand geführt ohne das er bereits Dinge vorher wissen muss.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großes Werk, 23. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: Augustus (Gebundene Ausgabe)
hat Herr Bleicken abgeliefert. Sachlich, verständlich, umfassend und differenziert zeigt er den Mann,
der die Römischen Eroberungen zum uns bekannten Römischen Reich ordnete. Erschöpfend wird die Ausgangssituation
vor der Diktatur Cäsars bis zu seiner Ermordung dargestellt, die politische Situation und die machtpolitischen Wechselbeziehungen aufgezeigt um dann die "andere" Politik des Augustus kenntlich zu machen.
Die jeweiligen Zeitabschnitte sind erstaunlich gut mit Zeitkollorit ausgeschmückt. Immer um die Umstände
von Entscheidungen zu erklären, ohne dabei in Entschuldigungen zu verfallen. Sachlich ist die Darstellung der
Person und die Einordnung seiner Leistungen.
Sicherlich versprühen andere Princeps bzw. Kaiser mehr Glanz. Aber ohne die Leistung des "Technokraten" Augustus wäre das Römische Reich nicht annähernd das geworden, was es war.
Nicht erschöpfend war die finanzielle Seite. Es werden zwar seine Finanziers genannt. Aber sicherlich wäre es
interessant gewesen, zu erfahren aus welchen Gründen sie Geld gaben und wie sich die "Transaktion Octavian" für sie
gerechnet hat. Insgesamt eine hervorragende Leistung.
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47 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Hätte Tacitus nur Bleicken gelesen..., 19. August 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Augustus (Gebundene Ausgabe)
Jochen Bleicken, der Göttinger Polyhistor, legt eine Augustus-Biographie vor, die man wohl nicht unbedingt gelesen haben muß, dieses kurze Resümee sei gleich an den Anfang gestellt. Zwar gehört Kaiser Augustus, der Begründer des römischen Prinzipats, sicherlich zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der antiken Geschichte, Bewunderer freilich hat er in der Moderne anders als Alexander oder Caesar kaum gefunden (sieht man einmal vom italienischen Faschismus ab). Allzu häßlich ist die Fratze des jungen Octavian, der durch einen Strom von Blut geht, um am Ende die Alleinherrschaft über das römische Reich zu erringen. Trotz einer ausgefeilten Öffentlichkeitsarbeit (um den Begriff der Propaganda zu vermeiden) war das Bild der Nachwelt von Augustus immer ambivalent. Friede, sagt Tacitus über die Zeit des Augustus, herrschte ohne Zweifel, aber es war ein blutiger. Bei Bleicken ist mancher Nachhall dieser Ambivalenz noch zu spüren, wenngleich er Augustus als die bedeutendste Gestalt der römischen Geschichte eingeordnet sehen will. Am Ende zieht Bleicken eine Bilanz, die überraschen muss - Augustus' einzigartige Blutspur in der römischen Geschichte sei auf die widrigen Zeitumstände zurückzuführen und damit zu entschuldigen. Eine vergleichbare Einschätzung hätte bei neuzeitlichen Gegenständen sicher einen Aufschrei der Entrüstung zur Folge, in der Alten Geschichte geht dergleichen leichter durch. Tacitus, der in seinen Annalen 1,10 Augustus vorwirft, er habe die Zeitumstände nur zum Vorwand genommen für die Aufrichtung seiner Tyrannis - von ihm hält Bleicken nicht viel. Mit großem Erstaunen liest man auf den letzten Seiten, daß Tacitus den Prinzipat des Augustus und seiner Nachfolger gar nicht verstanden habe. Vielleicht mag man ihm ja zugute halten, daß er das Werk Bleickens noch nicht kannte. In jedem Fall wirkt eine derartig abqualifizierende Bemerkung über einen der größten antiken Historiker nicht unbedingt vertrauenerweckend. Weitere Äußerungen in diesem Stil ließen sich in dem Buch leicht finden - das macht es nicht unbedingt besser. Gleichwohl bietet Bleicken in seinem Werk einen guten Überblick über die Zeit des Augustus, der für einen bloß an allgemeinen Zusammenhängen und noch nicht näher informierten Leser sicherlich seinen Zweck erfüllen wird. Demjenigen aber, der sich schon länger mit dem augusteischen Zeitalter beschäftigt hat, wird so manches Ärgernis geboten - wenn etwa die Politik der Caesarmörder nur unter der Perspektive ihres letztendlichen Scheiterns bei Philippi gelesen wird, oder einem Mann wie Cicero - trotz mancher Milderungen und Einschränkungen gegenüber dem Verdikt Mommsens ("ein Mann ohne Ansicht, Umsicht und Einsicht") - ein vernichtendes Zeugnis über seine Politik nach der Ermordung Caesars ausgestellt wird. Bedauerlich ist weiterhin, daß Gestalten wie die Bankiers Oppius und Balbus, die dem 19jährigen Caesarerben den Karrierestart finanzierten, bei Bleicken reine Randfiguren bleiben, mit schwächeren Konturen als die Quellenlage sie ermöglichen würde. Daß Bleicken an dem Gemetzel von Perusia noch eine Milde des Octavian zu entdecken weiß, muß nicht überraschen, da seine Kritik sich meist auf den Umgang des Augustus mit Mitgliedern seines Freundes- und Verwandtenkreises beschränkt (Salvidienus, Gallus, Iulia, Tiberius). Bedauerlich ist auch, daß eine systematische Analyse der Propaganda fehlt - so hätte sich ein Kapitel mit einer systematischen Behandlung der Literatur und der öffentlichen Bautätigkeit sicherlich gelohnt. Alles in allem bleibt die Biographie Bleickens klassisch, um es vorsichtig zu formulieren, und mag als Einstieg in die Beschäftigung mit der Epoche ihren Zweck erfüllen, bietet darüberhinaus aber viele Anstöße und Ärgernisse. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gelungene Biographie, 23. Januar 2007
Von 
Gromperekaefer "gromperekaefer" (Luxembourg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Augustus (Gebundene Ausgabe)
Bleicken erzählt auf lebendige Weise das Leben des Augustus/Octavian. Der erste Kaiser versteht es jeweils die richtigen Entscheidungen zu treffen und somit seine Macht zu konsolidieren. Er führt das Erbe Caesars fort und richtet eine solide Machtbasis auf worauf sich seine späteren Nachfolger stützen können. Das Buch gibt des weiteren einen generellen Überblick über jene Epoche.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Für den interessierten Laien sehr gut verständlich, 3. Oktober 2012
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Rezension bezieht sich auf: Augustus: Eine Biographie (Taschenbuch)
Als Laie auf dem Gebiet der Geschichtswissenschaften war ich nicht sicher ob dieses Buch für mich geeignet sein würde oder ob es zu trocken und wissenschaftlich sei. Nach dem Lesen kann ich beruhigt sagen, dass es kein trockenes Wissenschaftsbuch ist, sondern sich auf von Laien gut und leicht verständlich lesen lässt. Es ist sinnvoll aufgebaut und auch die einzelnen Kapitel schweifen nur in wenigen Fällen in eher langweilige Bereiche ab.

Alles in allem kann ich auch den anderen Laien wie mir, die sich dennoch für Augustus und den Beginn der römischen Kaiserzeit interessieren, die jedoch keine Lust haben sich trocken und wissenschaftlich mit dem Thema zu beschäftigen, dieses Buch nur empfehlen.
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Augustus: Eine Biographie
Augustus: Eine Biographie von Jochen Bleicken (Taschenbuch - 2. August 2010)
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