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5.0 von 5 Sternen Dieses Buch ist eine wahre Fundgrube für den politisch, philosophisch und religiös interessierten Zeitgenossen und Bürger
Dieses Buch ist eine wahre Fundgrube für den politisch, philosophisch und religiös interessierten Zeitgenossen und Bürger. Heiner Geißler, mittlerweile 79 Jahre "jung", beweist mit diesem über 200 Seiten umfassenden Essay über die U-Topie, dass er zu Recht einer der "aufregendsten Denker" in Deutschland genannt wird.

Man kann das...
Veröffentlicht am 3. Juni 2009 von Winfried Stanzick

versus
59 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein rechter Freidenker
Heiner Geißler war im Laufe seines langen Politikerlebens immer für eine Überraschung gut. Als Jesuitenschüler, examinierter Philosoph und promovierter Volljurist war er intellektuell und rhetorisch den meisten Parteikollegen oft weit überlegen - etwas, das nicht unbedingt zu seiner Beliebtheit beigetragen hat.

Wenn auch der CDU treu...
Veröffentlicht am 21. Juni 2009 von Karl-Heinz Heidtmann


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59 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein rechter Freidenker, 21. Juni 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Heiner Geißler war im Laufe seines langen Politikerlebens immer für eine Überraschung gut. Als Jesuitenschüler, examinierter Philosoph und promovierter Volljurist war er intellektuell und rhetorisch den meisten Parteikollegen oft weit überlegen - etwas, das nicht unbedingt zu seiner Beliebtheit beigetragen hat.

Wenn auch der CDU treu ergeben, hat ihn dies nie dran gehindert, eine abweichende Meinung in Sachfragen einzunehmen. Vermutlich ist Heiner Geißler auch der einzige Realpolitiker Deutschlands, der dem Kapitalismus sein Scheitern offen voraussagt. Geblieben ist er immer Christ, wenngleich sein Gottesbild ein anderes ist, als manchem Kleriker lieb sein wird - eben typisch Jesuit.

Geißler unterscheidet eben zwischen der grundsätzlichen Frage, ob es einen Gott gibt und ob man persönlich an ihn glaubt: "Da die Existenz Gottes der Vernunft nicht widerspricht, die Vernunft aber nicht alles erfasst, was existiert, bleibt Raum für die Religionen und für den Glauben an Gott".

Heiner Geißler nimmt uns in diesem Buch einmal mehr mit auf eine "Tour d' horizon" über Religion, Gut und Böse, Toleranz, Bildung, Tugenden, Idealen und diversen Utopien der Welt- und Wirtschaftsordnung. Dabei schöpft er aus seinem unendlichen Wissen aus nahezu 80 Lebensjahren.

Er, der heute als Publizist, Autor und Redner arbeitet und gern gesehener Gast in diversen Talk Shows ist, ist immer ein freier Geist geblieben. Bei ihm geht zusammen, was bei anderen nicht geht: Seine Mitgliedschaft in der CDU spricht für ihn nicht gegen ein Engagement als Globalisierungskritiker bei attac.

Einzig seine große Popularität hat ihn vor dem Parteiausschluss bewahrt - gefordert haben das viele. Ja, man hat den Eindruck, dass er mit zunehmendem Alter radikaler im Denken geworden ist - vielleicht auch, weil ihn inzwischen "keiner mehr kann".

Fazit: Und so gerät dieses Buch zu einem öffentlichen Nachdenken über Seinsfragen und Gesellschaft gleichermaßen - das alles bei einem vertretbaren Maß an Selbstdarstellung.
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49 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dieses Buch ist eine wahre Fundgrube für den politisch, philosophisch und religiös interessierten Zeitgenossen und Bürger, 3. Juni 2009
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Dieses Buch ist eine wahre Fundgrube für den politisch, philosophisch und religiös interessierten Zeitgenossen und Bürger. Heiner Geißler, mittlerweile 79 Jahre "jung", beweist mit diesem über 200 Seiten umfassenden Essay über die U-Topie, dass er zu Recht einer der "aufregendsten Denker" in Deutschland genannt wird.

Man kann das kleine Büchlein lesen wie eine Autobiographie, man kann es lesen, um zu erfahren, was die CDU einmal war bzw. sein sollte, man kann es als kritische Auseinandersetzung eines Christen mit seinem Glauben an Gott rezipieren und als Dokument eines Menschen, der redet von der Hoffnung, die in ihm ist und ihn antreibt und ihm Kraft gibt wohl bis zum letzten Atemzug.

Wichtige Beobachtungen sind dabei zum Thema der Religion, der Rolle der Kirchen, dem Gedanken des Multikulturalismus, und vor allem und immer wieder taucht auf die Idee von der Toleranz gegenüber anderen als Grundlage einer parlamentarischen Demokratie. In Heiner Geißler hat diese nun 60 Jahre alt werdende Republik einen ihren überragendsten und überzeugendsten Vertreter, der nun, als politischer Ruheständler durch seine Bücher und seine Vortragstätigkeit nicht weniger bewirkt denn als aktiver Politiker im Bundestag und in der Regierung.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Paradies auf Erden..., 3. Oktober 2009
...könnten wir es uns nicht doch schaffen, wenn wir nur wollten?

Das ist die Frage, die Heiner Geißler in den Raum stellt. Und er macht uns Mut: wenn es gelungen ist, nach Jahrhunderten von Zank, Streit und Chaos in Europa die Europäische Union auf die Beine zu stellen, dann sollten uns auch andere Projekte gelingen, die uns bisher utopisch vorgekommen sind. Und benennt dazu einige der nach seiner Meinung schlimmsten Defizite, die es zu beseitigen gilt: eines davon ist das millionenfache Unrecht, das Frauen immer noch in aller Welt widerfährt. Der Autor steuert dazu schlimme Details bei, das ist vergleichbar mit der Kinderarbeit in den Minen von Manchester, die seinerzeit Karl Marx zu Recht so gegeißelt hatte. Der Kapitalismus kommt übrigens genauso schlecht weg. Aber ich will hier nicht alles vorwegnehmen.

Dazu schildert er seinen eigenen Werdegang. Das in kurze Kapitel unterteilte Buch bietet noch so einige Leckerbissen - Reflexionen, Analysen, Visionen; am Ende fragt man sich: worauf warten wir eigentlich noch, um...?

Heiner Geißler erweist sich als ein wirklich unabhängiger Geist; er geht mit allen Religionen ins Gericht, mit den Fundamentalisten aller Coleur und erweist sich in allem als ein streitbarer Geist für unsere Demokratie. Kein Wunder, dass er manchmal angeeckt ist. Aber das gehört zu seinem geradlinigen Charakter, der sich nicht verbiegen lässt. Wenn man so will, ein Preuße in der süddeutschen Diaspora...

Unser Land könnte noch ein paar mehr solcher Persönlichkeiten gebrauchen...

Unbedingt lesenswert!
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15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Heiner Geissler ' dieser Name ist Programm!, 1. März 2010
Eine großartige Sammlung von Einblicken und Ausblicken in unsere Welt, wie immer mit der gebotenen Schärfe und dem entsprechenden Scharfsinn von Herrn Geissler. Der Mann ist ein wenig wie alter Wein: Er wird immer noch besser. Allerdings springt er manchmal etwas sehr von Thema zu Thema, das haut einen beim Lesen etwas raus. Doch seine Schreibe macht dieses Problem wieder wett. Alles in allem: Sehr zu empfehlen für alle, die das ganze blabla von Guido und Co. nicht mehr hören wollen und mal wieder intellektuell (aber nicht anstrengend) abtauchen möchten.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Jenseits aller Parteipolitik!, 9. Dezember 2012
Von 
Cornelius Michels - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ou Topos: Suche nach dem Ort, den es geben müsste (Taschenbuch)
Hier schreibt einer, der sich frei gemacht hat von parteipolitischen Dogmen und sich auf das aufklärerische „Sapere aude“ besonnen hat. In „Ou Topos“ denkt Heiner Geißler als weltoffener Freigeist und sein Denken ist von einem übergeordneten Humanismus durchzogen.

Damit ist das Buch, zu mindestens für diejenigen, die Heiner Geißler noch als Generalsekretär der CDU in Erinnerung haben, eine außerordentlich positive Überraschung.

Das, was er zu sagen hat, wirkt fundiert und authentisch und liest sich angenehm, auch deshalb, weil er immer wieder persönliche Erinnerungen einfließen lässt.

Er fordert auf zum selbständigen Denken und zur mutigen intellektuellen Auseinandersetzung - und er ist fest davon überzeugt, dass ökonomische und gesellschaftliche Probleme immer lösbar sind. Dazu sind realistische Utopien notwendig, die mutig und transparent in der Öffentlichkeit diskutiert werden müssen.

Er kritisiert das derzeitige kapitalistische System, weist mit aller Deutlichkeit auf das anachronistische Denken der katholischen Kirche hin und prangert vehement die weltweit existierende Diskriminierung der Frauen an.

Heiner Geißlers „Ou Topos“ ist ein kritischer Rundumschlag, der Mut macht, sich für die Lösung von Problemen einzusetzen. Das Buch hat es verdient gelesen zu werden!
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gelungenes Buch mit vielen persönlichen Verweisen, 4. Oktober 2010
Nicht nur bei seinen öffentlichen Auftritten schafft es Heiner Geißler sehr kluge, aber vor allem nachdenkenswerte Dinge zu sagen. Alleine die Idee für dieses Buch ist außergewöhnlich.
Geißler streift hier sehr viele gesellschaftliche sowie politische Bereiche und fügt seine Lebenserfahrungen hinzu, was die Ergebnisse seiner Analysen ausgesprochen interessant erscheinen lassen.
Besonders gelungen finde ich die Beschreibung seiner Träume am Ende es Buches.
Eine Reflektion auf das eigene Leben fällt dabei leicht.
Einen kleinen Wermutstropfen hat das Buch doch - mir fehlt teilweise der Rote Faden.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Utopie, 8. November 2013
Der Titel ist täuschend und dadurch das Buch enttäuschend. Es wird im Wesentlichen nicht die Suche nach dem "Idealen Ort" beschrieben sondern es werden weitgehend zutreffend die real existierenden Missstände beschrieben, d.h. es fehlen m.E. einigermaßen konkrete Lösungsvorschläge. Die geschilderten Mißstände z.B. in der globalisierten Wirtschaft und dem Finanzwesen sind inzwischen leidlich bekannt (allerdings ist das Buch bereits 2009 erschienen, als vielleicht noch nicht alles so offenlag wie 2013), ebenso die demokratischen Defizite unserer Partei-Demokratur, die wohl als systemimmanent anzusehen sind. Die Schilderungen seiner privaten Umgebung und seiner persönlichen Haltung machen den Autor sympathisch, gehören aber eigentlich auch nicht zum Thema.
Die Suche nach "Ou Topos" verläuft im Sande. Ou Topos bleibt Utopia.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Heiner, 19. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
einige interessante Sichtweisen auf das Leben Heiner Geißlers, für mich manchmal nicht nachvollziehbare Interpretationen der gesellschaftlichen Ereignisse, dennoch ein lesenswertes Buch.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Viel versprochen, wenig gehalten, 11. August 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Titel verspricht ein großartiges Unterfangen: Suche nach dem Ort, den es geben müsste. Aber das Buch hält nicht, was es verspricht. Es ist keine Suche nach oder gar ein konzeptioneller Entwurf eines Ortes, den es geben müsste, sondern ein Sammelsurium von kritischen Überlegungen gegen dies und das - angereichert mit allerlei Biographischem. Das Buch sollte also eher heißen: Beschreibung eines Ortes, den es nicht geben sollte. Das ist mir aber zu wenig. Schade.
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17 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gescheitheit in typischen Grenzen, 25. November 2009
Von 
Der reichhaltige Inhalt dieses teil autobiographischen Buches des langjährigen CDU-Generalsekretärs und wahrscheinlich linkesten CDU-Prominenten ist schon vielfach wiedergegeben worden. Es sei mir daher erlaubt, etwas direkt, auf gewisse Grenzen, wenn nicht Halbheiten, hinzuweisen:

1. Wirtschaftlich: Der Kapitalismus wird scharf kritisiert, jedoch nicht vom Prinzip her abgelehnt, oder ist es nur begriffliche Unschärfe: "Das Kapital ist im Lichte des Evangeliums keineswegs per se schlecht, aber es hat den Menschen zu dienen und nicht den Menschen zu beherrschen" (87). Wenn Kapital aber "Geld heckendes Geld" ist (Marx), Geld, das scheinbar selbst arbeitet und sich daher per Zins-Rendite (nicht gleich Gewinn!) selbst vermehren kann, ist es per se schlecht und ungerecht. Der Kapitalismus wird daher von Geißler nicht im Prinzip getroffen, nur in gewissen Begleiterscheinungen - daher eigentlich gar nicht getroffen. Das ist typisch. Eine Aussage wie "Die Vergötzung des Marktes hat zum Bankrott des kapitalistischen Systems geführt" (103), müsste umgekehrt werden: Das kapitalistische Prinzip der Selbstvermehrung des Geldes hat zur Vergötzung des Marktes geführt. Der Markt als quasi-kommunikativer, nicht von oben planbarer Mechanismus ist wertvoll und haltbar, nicht aber das kapitalistische Prinzip. Eine Kleinigkeit? Von daher ist aber auch die kirchliche Absegnung des Zins- oder Rendite Kapitalismus seit der Enzyklika "Quadragesimo anno" (1931), die von dem von Geißler gelobten Jesuiten O. von Nell-Breuning entworfen worden war, ein grundsätzlicher Sündenfall in der kirchlichen Soziallehre, die Geißler als solche nicht kritisiert. Sicher keine Kleinigkeit für eine "christliche" Partei auf so fraglichen theoretischen Fundamenten!

2. Politisch: Der Autor stellt der herrschenden Parteiendemokratie als einzige Alternative die rein direkte Demokratie als "Basisdemokratie" gegenüber (165). Er hat scheinbar noch nichts von jender inneren Synthese von parlamentarischer und direkter Demokratie gehört, die in der Gliederung des Gesamtparlamentes in Teilparlamente (Wirtschafts-, Politik-, Kultur- und Grundwerteparlament) bestünde, was eine totale, realistische Verwandlung der jetzigen, strukturell unsachlich Allround-Parteien in Sachparteien zur Folge hätte. Schade, Geißler hat das Buch "Revolution der Demokratie. Eine Realutopie" seinerzeit (2003) erhalten, war aber wohl - wie bei den meisten Berufspolitikern üblich - nicht darauf gefasst, dass darin einmal etwas gründsätzlich Neues, Weiterführendes stehen könnte. Auch eine typische Grenze!

3. Kulturell: In Bezug auf die "Utopie einer multikulturellen Gesellschaft" (142-145)argumentiert Geißler rein vom "Verfassungspatriotismus" her, also rein rechtlich: Wer unser Grundgesetz anerkennt und hier wohnt, ist damit Deutscher. Dass die ganze Zuwandererungsfrage sowenig eine bloß rechtlich-politische wie eine bloß wirtschaftliche Frage ist, was der Unterzeichnete ihm bereits 1994 in einen Buch "Gastfreundschaft der Kulturen" nahezubringen versuchte,wird von ihm nicht verstanden und diskutiert. Er geht damit aber (wie weniger partei-typisch als fast allgemein üblich) am kulturpolitischen Kern der Einwanderungsfrage vorbei und begibt sich auch der Möglichkeit, dem bis zur Untauglichkeit mehrdeutigen Wort "multikulturell" einen präziseren Sinn zu geben. Für einen Vordenker ein bedauerlicher Widerspruch zu seiner beanspruchten Dialogoffenheit.

4. Weltanschaulich-religiös: Das Buch befasst sich besonders am Anfang mit existentiellen und religiösen Themen, teils sehr ehrlich Zweifel eingestehend. Aber auch da sind die Grenzen seiner Sozialisation deutlich sichtbar, selbst wenn der Autor gegen Schluss Sympathien für den Buddhismus bekundet. Anfangs heißt es etwa: "Die einzige total begründet Angst ist die Todesangst"(25). Mich persönlich würde, im Unterschied zu Heiner Geißler, beim extremen Bergsteigen und Gleitschirmspringen panische Angst überkommen. Das ist jedoch offenbar nicht die Angst vor dem Tod als solchem,keine Angst vor dem Fallen ins Nichts der Sinnlosigkeit, sondern eine animalische Angst vor dem körperlichen Verunglücken. Ein Buddhist würde zum Tod selbst eher wie ich stehen, da auch ich an vielfache Leben durch Wiedergeburt "glaube", d.h. diese Sicht vom Menschen für strukturell gut begründet und erfahrungsmäßig belegbar halte.Die Kirche hat diese Lehre erst im 7. Jhd. aus machtpolitischen Gründen verworfen. Eine verständliche und gewiss diskutable Grenze also für einen christlichen Politiker, aber eine vom Autor ignorierte. - Allgemeiner zu weltanschaulichem Pluralismus oder zur zeitgemäßen Institutionalisierung der Toleranz, die Geißler doch oft fordert: Das verfassungsmäßige Problem des (bislang fehlenden!) fairen Miteinanders der Weltanschauungen und Religionen wird von diesem "Vordenker" nicht gesehen. Nur ein Grundwerteparlament würde den jeweils möglichen Werte-Konsens der verschiedenen weltanschaulich-ethischen Positionen finden und in rechtliche Verbindlichkeit übersetzen können. Soweit sind wir im kollektivem Bewusstsein noch nicht, weil nicht faire Werte-Kommunikation, sondern die Macht der großen, konfessionellen Ethik-Lieferanten die Rechtspolitik bestimmen. Aber es geht ja um Vordenken.

Es gilt heute, auf allen besagten Ebenen entschieden weiter zu denken, zumal die Modelle schon vorliegen. Wie schön wäre es, wenn der demnächst 80-Jährige solche positiven Grenzerkenntnisse selbst noch machen würde! Seine Lebensleistung und sein hier vorliegendes Lebenszeugnis würden dadurch nicht an Wert verlieren.
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Ou Topos: Suche nach dem Ort, den es geben müsste
Ou Topos: Suche nach dem Ort, den es geben müsste von Heiner Geißler (Taschenbuch - 1. Oktober 2010)
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