newseasonhw2015 Hier klicken mrp_family lagercrantz Cloud Drive Photos UHD TVs Learn More praktisch Siemens Shop Kindle Shop Kindle Sparpaket Autorip SummerSale

Kundenrezensionen

176
4,2 von 5 Sternen
Unter Linken: Von einem, der aus Versehen konservativ wurde
Format: TaschenbuchÄndern
Preis:8,99 €+Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Selten habe ich mich bei einem Buch so amüsiert wie hier, wenn doch bloß der eigentliche Sachverhalt nicht so fürchterlich traurig wäre.

Hervorragende, detailreiche Rezensionen zu diesem Buch gibt es schon zur Genüge, sodass ich mich kurz fassen kann: Eine schon fast normative "linke" Grundeinstellung hat unser Land mit Tabus und Denkverboten überzogen, wodurch dieser Republik schwerste Schäden zugeführt worden sind, deren Hauptauswirkungen wir in wenigen Jahrzehnten zu spüren bekommen werden. Wir haben es hier mit einem insbesondere in den Medien mehrheitlich anzutreffenden - gemeinhin Gutmensch genannten - Anti-Mephisto zu tun, der "ein Teil von jener Kraft [ist], die stets das Gute will und stets das Böse schafft", und zwar letztlich aus Eigeninteressen, oder sagen wir es direkt: aus Egoismus.

Logisches Denken und sachliche Argumentation wird von ihm nicht verlangt. Verlagern etwa ausländische Unternehmen Arbeitsplätze von Deutschland in die Dritte Welt, dann handelt es sich hierbei angeblich um Raubtierkapitalismus. Tut der deutsche Bürger es ihnen gleich, in dem er keine Kinder mehr in die Welt setzt, und stattdessen lieber auf die in anderen Ländern erbrachten Erziehungs- und Bildungsleistungen zurückgreifen möchte ("woanders werden genug Kinder geboren"), dann ist das plötzlich keine unsoziale Verlagerung von Erziehungsarbeiten mehr, sondern human.

Stellen Statistiken etwa fest, dass der durchschnittliche Verdienst von Frauen niedriger als der von Männern ist, dann ist das angeblich ein Skandal, auf den es permanent herumzureiten gilt, setzen die gleichen Frauen dann aber etwa drei Kinder in die Welt, um anschließend zusammen mit ihren Alleinverdiener-Ehemännern und ihren Kindern zu verarmen, dann war das wohl einfach nur dumm. Als spätere Rentenbeitragszahler mag man deren Kinder dann aber doch.

Auffällig ist auch, dass man in solchen Kreisen keine Rückkopplungsschleifen zu kennen scheint, komplexeres Denken also nicht gewohnt ist. Gibt es etwa irgendwo einen Mangel, dann ist der übliche Vorschlag, dort nun Ressourcen zuzufügen (an denen es wohl niemals mangelt), und gut ist. Dass diese zusätzlichen Ressourcen aber auch zu massiven Verhaltensänderungen und damit ggf. zu einer Verschärfung des Ausgangsproblems führen können, will ihnen irgendwie nicht in den Sinn kommen.

Insgesamt ein ganz hervorragendes Buch, dem ich eine weite Verbreitung und rege Diskussion wünsche.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
413 von 486 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 1. Juni 2009
Eigentlich ist der Titel dieses Buches nicht richtig gewählt. Jan Fleischauer ist nicht aus versehen konservativ geworden, er ist nicht einmal konservativ, sondern outet sich eher als Liberaler. Was blieb ihm anderes übrig, hat er sich doch entgegen seiner linken Zeitgenossen mit seiner ideologischen Vergangenheit selbstkritisch und konsequent auseinandergesetzt. Wer so an die Sache herangeht, kann nicht wie die Mehrheit der Deutschen in einer linken Gedankenwelt seinen Frieden finden.

Daher bleibt er in seinem Buch auch nicht bei der Aufzählung linker Klischees stehen, sondern wirft einen aufmerksamen Blick hinter die Kulissen der linken Nächstenliebe, in der man sich selbst oft der Nächste ist. Er hat bemerkt, dass linke Vorstellungen von Wirtschaftspolitik verzweifelt versuchen ohne elementare Grundkenntnisse des Wirtschaftens auszukommen. Linke reden lieber über eine Welt finsterer Mächte, in der sie es sich behaglich als Opfer eingerichtet haben. Er muss feststellen, dass die verbissene Abneigung der Linken gegenüber dem Nationalsozialismus eher die Angst vor dem eigenen Spiegelbild ist. Die Parallelen zwischen Nationalsozialismus und Sozialismus beschränken sich nicht nur auf die Bezeichnung, nein, sie umfassen auch die politische Methodik und folgerichtig das mit Leichen gepflasterte Ergebnis. Auch kann er sehr gut belegen, dass Karrieren und Weltanschauungen von Bildungspolitiker und soziale Befindlichkeiten von Lehrern im deutschen Schulsystem inzwischen wichtiger sind als die Schüler. Nicht der Lernerfolg der Schüler und die Förderung ihrer Bildungschancen stehen im Vordergrund der bildungspolitischen Forderungen der Linken, sondern ein empirisch fragwürdiges Gleichheitsideal, gewürzt mit einer ordentlichen Portion Klientelpolitik. Immer wieder kann er belegen, dass sich hinter linker Betroffenheits- und Gerechtigkeitsrhetorik regelmäßig individuelle, nicht gerade selbstlose Belange verbergen, ein Phänomen, das sich entsprechend in der Wahl des sozialpolitischen Instrumentenkastens widerspiegelt. Pompös und häufig unwirksam, könnte man diesen umschreiben. Sehr schön arbeitet er heraus, wie selektiv die Wahrnehmung vieler Linker ist, wenn er beispielsweise die eigenartige Konzentration Linker auf den Nahostkonflikt anspricht und sich darüber wundert, dass andere oft gravierendere Konflikte und Menschenrechtsverletzungen keines Blickes gewürdigt oder gar unter den Teppich gekehrt werden.

Genau dieser bewusste Erkenntnisprozess und der wirklich gelungene Versuch ihn anhand von Literaturbelegen und Datenquellen nachzuzeichnen macht die Qualität dieses Buches aus. So gelungen die Polemik des Autors gegen linke Denkschablonen und Verhaltensmuster ist, er gibt sich nicht damit zufrieden, sondern macht sich auch die Mühe, diese Breitseite mit nachvollziehbarer Argumentationslogik und Datenmaterial zu unterfüttern.

Linientreue Linke werden hieran zu knabbern haben, weshalb es auch nicht weiter verwunderlich ist, dass Fleischauers negative Rezensenten hier in aller Regel nicht mehr als ihre rhetorischen Zähne fletschen, statt sich an der Substanz des Buches abzuarbeiten. Sie sind letztlich ein Spiegelbild des linken Umgangs mit Kritik. Dass sich die Mehrheit der Deutschen auch im Zeitalter nahezu grenzenlos verfügbarer Sachinformationen immer noch links einordnet, ist wahrlich kein Qualitätsmerkmal ihrer weltanschaulichen Positionen, sondern Ausdruck der Tatsache, wie sehr ideologischer Konformitätsdruck und geistige Faulheit unseren politischen Alltag bestimmen.
2525 KommentareWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 14. Januar 2014
Was würde Sie mehr entsetzen: Ihr pubertierendes Kind kehrt nach einem Stadtbummel begeistert mit einer Werbebroschüre a) der Scientologen oder b) der Linken nach Hause? Nach der Lektüre von Jan Fleischhauer bin ich jetzt nicht mehr sicher, ob ich – wie zuvor – Antwort a) geben würde. Meine Eingangsfrage ist ebenso suggestiv und provokativ, wie viele bissige Vergleiche, die der Autor in seinen wirklich sehr gelungenen Bekenntnissen formuliert. Ich habe viel gelacht, genickt und meine eigene Entwicklung als Kind des linksbürgerlichen Milieus gespiegelt gesehen. Doch noch bin ich nicht ganz so weit wie er.

Ich folge Jan Fleischhauer in der gesamten Analyse der bigotten, linksbürgerlichen Attitüde, die besonders augenfällige bei der Mehrheit der medialen Meinungsbildnern und den Kulturschaffenden wird. Doch ich bekenne auch, dass mir das saturierte, bräsige und schnöselige Gehabe der Konservativen in vielen Metiers ebenso wenig einen Hafen bietet. Jan Fleischhauer selbst läuft auf diesem schmalen Grad zwischen aufklärerischem Nonkonformismus und selbstgefälligem, süffisanten Besserwisser-Habitus, wenn man ihn als Talkshow-Gast betrachtet.

Doch was er in diesem Buch schreibt und aktuell im Spiegel kommentiert – gleich zu welcher politischen Seite man tendiert – ist ein sehr empfehlenswertes Korrektiv bei der persönlichen Meinungsbildung. Die Links-Konditionierung in meiner Jugend verführt mich bis heute zu Schubladendenken. Einem Kommentar in der SZ von dem mir sehr geschätzten Heribert Prantl bin ich wohlwollender gegenüber als der Einschätzung eines Frank Schirrmachers in der FAZ. Obwohl sich beide politisch nicht in ein bestimmtes Lager setzen ließen.

Die Empörung, die dieses Buch bei vielen auslöst, entlädt sich sicher auch an der teils verletzenden, zynischen Rhetorik. Ich mag das und habe kein Problem damit, wenn es mich auch selbst trifft. Aber sicher tut sich der ein oder andere eifrige Missionar schwer damit, wenn er lesen muss, dass zum Beispiel sein vehementes Eintreten für Vegetarismus, Homöopathie und Nichtrauchen nicht zwingend bessere Menschen hervorbringt, wie man an Hitler konstatieren muss. Und viele möchten sich auch ihre Ansichten nicht verwirren lassen, wie beispielsweise, dass der Strafvollzug primär der Resozialisierung dienen sollte. Denn während das linke Lager viel Milde beim drogenabhängigen Beschaffungskriminellen walten lassen möchte, fordert es zugleich bei korrupten Unternehmern, gierigen Bankern und Steuerhinterziehern bewährungslose Höchststrafen. Dabei sind doch auch diese Täter sicher oftmals nur Opfer einer repressiven, asozialen und lieblosen Kindheit.

Jan Fleischhauer teilt kräftig aus. Mit Recht und viel Vergnügen, wie ich finde. Das muss man auch als Linker abkönnen. Wenn man es nicht kann, sollte man sich auch das Lachen bei der Heute Show verkneifen.
11 KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. Juni 2013
Der trocklene Hanseatische Humor Jan Fleischhauers ist nicht zu übertreffen, wenn er "Linke Lebenslügen" verreißt.
So witzig und gleichzeitig mutig hat schon lange keiner mehr die Selbstherrlichkeit der Linken aufs Korn genommen.
Respekt!
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
129 von 159 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Endlich, möchte man ausrufen, endlich ein Tabubrecher, der es wagt, was noch keiner gewagt hat. Der es wagt, die unfassbare Behauptung aufzustellen, dass "links" nicht automatisch mit "gut" gleichzusetzen ist. Der es wagt, die Betroffenheitsapostel, die Gleichstellungsbewegten (Gleichstellung von Frauen, Behinderten, Linkshändern, Biertrinkern, Ostwestfalen), die Verheißungsprediger anzugreifen.

Endlich ein sachlicher Blick auf die Realitäten unseres Gemeinwesen, auf die Defizite und die Stärken. Endlich eine Entzauberung des ewigen linken Lieds von der Benachteiligung fast aller gesellschaftlichen Gruppen gegenüber jeweils fast allen anderen. Endlich ein Plädoyer gegen Gleichmachung dessen, was nicht gleich ist (z.B. im Schulwesen). Endlich eine Abhandlung darüber, dass Umverteilung zwar wünschenswert sein mag, in einer globalisierten Welt aber im nationalen Alleingang nicht möglich und die Verheißung eines solchen Alleingangs dementsprechend utopistisch ist.

Ja, ätzend ist vieles geschrieben. Und dennoch sachlich. Beispiel gefällig? Fleischhauer berichtet über das Beauftragtenwesen (Gleichstellung, Behinderte, Schwule, Lesben und, und, und). Und darüber, dass Guido Westerwelle einst erklärt habe, demnächst werde man noch einen Radfahrerbeauftragten brauchen. Woraufhin Westerwelle von der Hamburger Radfahrerbeauftragten angeschrieben wurde, er solle sich gefälligst nicht über sie lustig machen.

Politisch unkorrekt ist das Ganze. Und wie! Warum Zuwanderung eigentlich per se gut sein soll, wie es viele Linke perzipieren, fragt Fleischhauer. Und - das ist die stärkste Stelle des Buches - er beschreibt, welche gesellschaftliche Spaltung uns droht, wenn es nicht gelingen sollte, die Zuwandererkinder besser zu integrieren und auszubilden. Anstatt immer nur mit Verständnis, Gesundbeten und sozialer Hängematte zu arbeiten.

Sicher, vieles ist nicht nur wissenschaftlich, ist ein wenig oberflächlich. Dennoch gelingt es dem Autoren das linke Weltbild mit all seinen Tabus, Denkverboten und vermeintlichen Selbstverständlichkeiten durch zielgenaues, schmerzhaftes Hinterfragen im Handstreich zu Fall zu bringen, mit einer Leichtigkeit, dass man fast schreiben möchte: "mit links"!

Wunderbar zum Beispiel die Passage über die Betroffenheitspolitik: "Vor der Beschäftigung mit den Produktionsbedingungen des Proletariats kam die Analyse der persönlichen Beziehungsverhältnisse, neben die gesellschaftliche Realität trat die "gefühlte" Wirklichkeit: Unter Menschen, die "mit dem Herzen denken" (Konstantin Wecker) bedarf es nicht länger der mühsamen Auseinandersetzung mit Argumenten, um sich über die Wichtigkeit eines Vorhabens zu verständigen, nun reichte schon, dass man sich "mitbetroffen" (...) fühlte, damit das Problem als politisch bedeutsam anerkannt war. Tatsächlich ist die eigene Beziehung zum politischen Gegenstand damals erstmals zu einem wesentlichen Kriterium für die Relevanz von Themen und Ereignissen geworden; was keine Emotionen hervorzurufen vermag, gilt seitdem als nebensächlich und nicht weiter verhandlungswürdig. Oder wie es die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth zum Jahreswechsel in einem Spiegel-Gespräch sagte: "Wie soll ich zum Beispiel Sozialpolitik machen, wenn ich nichts empfinde?""

Danke, Jan Fleischhauer, für diese Polemik! Das beste und schwungvollste politische Buch des Jahres!
44 KommentareWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
50 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. Oktober 2009
Obwohl es an dieser Stelle zum gegenwärtigen Zeitpunkt bereits 67 Kundenrezensionen zu Jan Fleischhauers "Unter Linken" gibt, bedarf es da noch unbedingt einer weiteren? Ich denke ja, vor allem wegen des aktuellen Bezugs:

In einem Kapitel "Türken und andere Juden - Die Linke und die Fremden" widmet sich Fleischhauer der "Inländerfeindlichkeit" (S. 268), womit er die Einstellung der Migranten gegenüber Deutschland und den Deutschen meint. Und, man ahnt es schon, mag es aber gleichwohl kaum glauben, was hier schwarz auf weiß zu lesen ist, stellt die heute immer noch aufs heftigste diskutierten Äußerungen eines Thilo Sazazins weit in den Schatten! Eine kleine Leseprobe gefällig?
Über junge Türken schreibt Fleischhauer beispielsweise:
"Sie sind gelangweilt, genervt, aggressiv, sie bilden die Eckensteher-Milieus der deutschen Innenstädte. In Ermangelung anderer Aufgaben beschäftigen sie sich mitunter sogar nahezu obsessiv mit dem Privatleben ihrer weiblichen Familienangehörigen und verstricken sich in ein stammesgesellschaftliches Wahnsystem, das um Begriffe wie Ehre" und Respekt" kreist. Gewalt gehört zum Alltag dieser Gruppen." (S. 271)
Und weiter:
"Sie verachten die deutsche Gesellschaft dafür, dass sie ihnen zusteckt, was ihnen nicht zusteht, sie halten sie für weich und feige. In der Welt, aus der sie kommen, gilt "appeasement" als Unterwerfungsgeste. ... Niemand hat für möglich gehalten, dass eine Antwort auf Großzügigkeit Hass sein könnte." (S. 269)
Mit Verwunderung stellt der Autor fest, daß die Vertreter türkischer Gruppen zunehmend eine fragwürdige Opferrolle für sich entdecken und ihr Süppchen darauf kochen. Als Vorbild dazu diene diesen offensichtlich die jüdische Opfergeschichte:
"Erstaunlich ist, wie die Wortführer des türkischen Opferkults mit ihrem Versuch durchkommen, sich die jüdische Opfergeschichte anzueignen. Man sollte meinen, dass diese Form der diskurspolitischen Erbschleicherei wenigstens ein paar kritische Stimmen auf den Plan ruft." (S. 257)
Sehr deutlich bemängelt Fleischhauer, daß der deutsche Sozialstaat darauf verzichtet, den Bezug seiner Wohltaten an Bedingungen zu knüpfen. Er kommt zu dem Schluß:
"Auf die Zukunft gesehen, geht es nicht mehr um die Integration einer Minderheit, sondern um die drohende Desintegration der Mehrheit". (S. 273)

Merkwürdig, daß die Schreihälse dieser Republik, die sich seit Wochen auf Thilo Sarazins "Kopftuchmädchen" eingeschossen haben, diese provokanten Passagen bei Fleischhauer noch nicht für sich entdeckt haben!
11 KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
108 von 135 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 7. Juni 2009
Dieses Buch ist für mich nicht nur das Buch des Jahres sondern des Jahrzehnts. Eigentlich ein Generationsbuch, denn es behandelt den Einfluss linker Ideologie auf die gesellschaftliche Entwicklung Deutschlands von den 60er Jahren bis in die Gegenwart.
Dabei wird ein großer Themenbereich behandelt, z.B. Sozialstaat, Antisemitismus, Strafrecht, Ausländer-/Integrationspolitik, Faschismus und noch ein paar mehr.

Der Leser wird bei nahezu jedem Kapitel ein Aha-Erlebnis haben. Viele Dinge in unserer Gesellschaft, die man selbst bereits festgestellt hat, sich aber nicht unbedingt bis ins letzte erklären konnte, werden in einen Gesamtzusammenhang gebracht. So entsteht eine mehr als gelungene Analyse unserer Gesellschaft.

Ich möchte das Buch jedem ans Herz legen, auch und vor allem Linken, die sich ein wenig Offenheit gegenüber anderen Meinungen bewahrt haben. Sie werden sich zunächst freuen, denn der Autor beschreibt die zahlreichen Erfolge, die Linke in unserer Gesellschaft erreicht haben. Doch Ihnen wird schnell ein Spiegel vorgehalten und nicht wenige werden erkennen müssen, welch falsche Voraussetzungen und Schlüsse sie in der Vergangenheit erlegen waren. Ja, so etwas kann, ja muss schmerzhaft sein.

Hinweis an die Leser der Leseprobe: Die Leseprobe ist ein Teil des Einleitungskapitels. Dieses ist, ich will man sagen "flappsiger" geschrieben als der Rest des Buches. In den "echten" Kapiteln kommen harte Fakten auf den Tisch.

Bevor ich das Buch in die Hand genommen habe, hatte ich die Befürchtung, der Autor macht es sich vielleicht einfach. Man kennt sowas: Ein Autor nennt nur die ihm gelegenen Fakten, verschweigt die Erkenntnisse, die gegen seine Überzeugung stehen und alles Neutrale wird kritiklos in die gewünschte Richtung gedeutet.
Umso positiver war die Überraschung, dass hier das Gegenteil der Fall ist: Der Autor gibt sich sehr viel Mühe um seine Thesen zu belegen, beruft sich auf zahllose nachprüfbare Quellen und diskutiert Gegenmeinungen. So soll es sein, bravo!

Aber keine Angst, das Buch ist keine langweilige wissenschaftliche Abhandlung. Dem Autor ist es sehr gut gelungen, dem Werk trotz seiner Ausführlichkeit auch Unterhaltungswert mitzugeben. So folgten nach Absätzen fachlicher Schilderungen ironische oder nicht selten böse Bemerkungen, die die Argumente der "Linke" ins lächerliche ziehen.

Einige werden diese sprachlichen Auflockerungen sicherlich zum Anlass nehmen um dem Autor Unsachlichkeit vorzuwerfen, was aufgrund der massiven Übermacht der sachlichen Abschnitte aber nicht korrekt wäre.

Irgendwie habe ich sogar das Gefühl, dass der Autor beim Schreiben der Auflockerungen den meisten Spaß hatte. Denn ihm war klar, dass er damit den einen oder anderen Linken zum Schäumen bringen wird.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
65 von 82 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 16. Mai 2009
ich habe das Buch gelesen und fand es zumindest amüsant. Es ist nicht unbedingt das Buch, auf das die Welt gewartet hat und es wird auch nicht eine konservative Revolution auslösen.
Der Autor wirft auch nicht alles "Linke" seines bisherigen Lebens über den Haufen, er hinterfragt es. Er stellt Fragen, die man in Deutschland kaum noch zu fragen wagt. Er stellt fest, dass es in diesem Land Probleme gibt die nicht angesprochen werden, da sie nicht in die herrschende Ideologie passen.
Meinungen werden von der -oftmals als solche empfundenen- Diktatur des (gutversorgten und oftmals verbeamteten) Proletariat einfach niedergebügelt. An den Reaktionen der Gutmenschen merkt man, dass er den Nerv getroffen hat.

Fazit: ein zumindest stilistisch gutes Buch, an dem die - meistens schweigende Mehrheit - seinen Spass haben wird. Als Urlaubslektüre sehr geeignet - gerade zur Selbstreflektion in der Toscana.
11 KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
100 von 127 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 16. Mai 2009
Auf das Buch bin ich durch eine Rezension von Arnulf Baring in der Welt aufmerksam geworden, habe es gekauft und in wenigen Tagen gelesen. Fleischhauer schreibt präzise, böse, gut - ein Genuß.

Der Autor schreibt nicht nur ein aktuelles Buch, er wagt einen straffen, aber umfassenden Rundumschlag: Von den Anfängen Rousseaus über die sozialistischen Gulagparadiese zur Hafenstraße, von protestantischen Aufrührern bis zur Toskanafraktion, von Vermögensgleichverteilungsfantasien der französischen Revolution bis zur Schmalspurprofessur bohrt er den Finger in die Lücke zwischen linkem Anspruch und linker Wirklichkeit.

Neben Abschnitten zur Kulturgeschichte der Linken, ihrem gegenwärtig bevorzugten Habitat und ihrem immer gleichen ideologischen Angriffs- und Verteidigungsverhalten wird gleich mehreren besonders ideologiebefrachteten Debatten unserer Tage ein eigenes Kapitel gewidmet, den Diskussionen um Bildungsreform, Kuscheljustiz und Integrationschaos.

Wer ein sachliches politisches Buch sucht, wer wissen will, welche Reformwerke anstehen und wie diese auszusehen haben, der sollte besser weitersuchen. Zwar werden in einigen Kapiteln nicht nur die immer gleichen Lebenslügen der politischen Linken und ihre Auswirkungen auf unser reales Leben benannt, sondern wie z.B. im Abschnitt zu linker Bildungspolitik auch angerissen, wie man es besser machen könnte, das sind jedoch nur leise Randbemerkungen, die beinahe zufällig anmuten.

Dieses Buch kommt einem ausgestreckten Zeigefinger gleich, von lautem Gelächter begleitet. Jan Fleischhauer lacht die Linke aus, und das mit Recht und äusserst treffsicher.

Gleich mehrere negative Rezensionen hier, das sei am Rande angemerkt, beziehen sich ausschliesslich auf das Drittel des ersten Kapitels, welches auf Spiegel-Online veröffentlicht wurde. Man darf daher mit Fug und Recht schlußfolgern, daß die Moserei der Kritiker auf kaum mehr als dem Klappentext basiert. Auch das übrigens typisch links, wie Fleischhauer am Beispiel des selten in Gänze studierten und trotzdem fleissig zitierten Kapitals von Marx süffisant bemerkt...

Ich kann das Buch wirklich empfehlen, für Linke, die über sich selbst lachen können, für deren Kritiker sowieso und ansonsten für alle, die wissen wollen, warum die Lebenslügen der Linken uns in Sachen Bildung, Integration, Soziales und Kriminalität auch in Zukunft noch viel Kummer bereiten werden.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. Juni 2013
Für ein politisches Buch extrem gut zu lesen. Jan Fleischhauer beschreibt seine Entwicklung von einem "Linken" aus einem links geprägten, allerdings eher gutbürgerlichen Elternhaus in einem bevorzugten Hamburger Stadteil zu einem eher prgamatisch denkenden Konservativen. Unbeding zu empfehlen.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
     
 
Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen

Warum ich kein Linker mehr bin
Warum ich kein Linker mehr bin von Manfred Kleine-Hartlage (Gebundene Ausgabe - 2012)