Fashion Sale Hier klicken Sport & Outdoor calendarGirl Cloud Drive Photos Sony Learn More madamet designshop Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Lego NYNY

Kundenrezensionen

3,5 von 5 Sternen102
3,5 von 5 Sternen
Format: Taschenbuch|Ändern
Preis:14,99 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

am 7. September 2010
Eine neue Erklärung des Universums versuchen die Autoren und Wissenschaftlicher Stephen Hawking und Leonard Mlodinow in ihrem neuen Buch zu geben. Warum gibt es etwas und nicht einfach nichts? Warum existieren wir? Warum dieses besondere System von Gesetzen und nicht irgendein anderes? Ohne Formelsammlungen und massivem Fachchinesisch erklären die beiden ihre Sicht der Welt in mikro- und makrokosmologischer Betrachtungsweise und richten sich dabei an den interessierten Laien, der nur geringe Vorkenntnisse und ein offenes Wesen braucht, um den Autoren folgen zu können.

Wer zwar interessiert genug ist, sich das Buch zu kaufen, aber mit dem Namen Leonard Mlodinow nichts anfangen kann, dem sei gesagt, dass auch Mlodinov Wissenschaftler im Bereich der Quantenmechanik ist und derzeit am California Institute of Technology als Gastdozent tätig. Einige Drehbücher für "Star Trek: The Next Generation" hat er übrigens auch verfasst.

Relativ am Anfang des Buches stellen die Autoren fest, dass die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und einfach allem nicht "42" ist, was den Laien nicht verwundern dürfte, aber Douglas-Adams-Fans ein Lächeln auf das Gesicht zaubern.

Nicht verwunderlich ist es auch, dass die Kirche pauschal schon im Vorfeld der Veröffentlichung seiner Bestürzung darüber Ausdruck verliehen hat, dass Hawking und Mlodinow in ihren Theorien behaupten, dass es nicht zwangsläufig eines Gottes bedarf, um ein Universum zu erschaffen. Wobei die beiden nicht behaupten, es gebe keinen Gott, lediglich, dass man niemanden braucht, der den ersten Dominostein anschubst, damit der Rest an seinen Platz fällt.

Der Aufbau des Buches ist so gewählt, dass der Leser nicht direkt mit den neuesten Erkenntnissen torpediert wird, sondern langsam an die Materie herangeführt. So beschreiben die Autoren auch eine Geschichte der Physik und deren Gesetze und vor allem deren Gesetzgeber, die sich im Laufe der Jahrhunderte, gar Jahrtausende die Klinken und Theorien in die Hand gegeben haben. Vom Glauben der Urvölker in Afrika, über Newton und Einstein bis hin zur M-Theorie. Letztere sei der beste Kandidat tatsächlich eine einzige Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und einfach allem zu geben. Leider kann auch die M-Theorie derzeit noch nicht vollständig bewiesen werden und deshalb kommt das Wort "Theorie" im Buch ebenso häufig vor wie das Wort "Gesetz".

Unterstützt durch viele anschauliche Bilder und einige lustig gezeichnete Cartoons erklären Hawking und Mlodinow, dass die newtonschen Gesetze nicht unfehlbar sind, sich nicht zwangsläufig alles mit einem Gott im Hintergrund abspielen muss und dass die Naturgesetze immer weniger Gültigkeit haben, je kleiner die betrachteten Dinge werden. Auf Quantenebene verhält sich vieles nicht so, wie anfangs erwartet und so mussten Quantenversionen der Naturgesetze gebildet werden. Diese beiden sich teilweise unterscheidenden und widersprechenden Gesetze doch unter einen Hut zu bringen, daran versucht sich die obengenannte M-Theorie.

Und so bekommt der Leser einen umfassenden Überblick darüber wie früher und heute über die Entstehung des Universums gedacht wurde und wird, dass es jede Menge Paralleluniversen gibt und dass "Außerirdische, deren stammesgeschichtliche Entwicklung sich unter dem Einfluss von Röntgenstrahlen vollzog, gute Berufsaussichten beim Sicherheitsdienst von Flughäfen haben" (S. 91).

Außerdem kommen gegen Ende des Buches dann die Steine des kirchlichen Anstoßes, dass die Multiversumstheorie zur Erklärung der Entstehung des Universums mit Darwins Evolutionstheorie verglichen werden kann, denn beide kommen ohne einen "gütigen Schöpfer" aus.

Und irgendwo gibt es auch ein Universum, in dem die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und einfach allem tatsächlich "42" ist! Nur halt nicht in unserem. Das allerdings behauptet der Rezensent, nicht die Autoren.

Wer ist die Zielgruppe?

Wie anfangs schon erwähnt, richtet sich das Buch an interessierte Laien, die sich offen und unvoreingenommen anhören möchten, was Stephen Hawking und Leonard Mlodinow zu sagen haben. Sprachlich nicht abgehoben und vieles mit Beispielen in Wort und Bild erklärend, ist es nicht schwer den Ausführungen zu folgen.

Ob der Leser nach der Lektüre für sich auch ausschließt, dass es zwangsläufig einen Gott geben muss, bleibt jedem selbst überlassen.

Mein Fazit:

Mir hat es Spaß gemacht auf so lockere Art und Weise Wissen vermittelt zu bekommen. Die Sprache ist sympathisch leicht und nicht oberlehrerhaft. Hier und da lockert ein Scherz den Text im richtigen Maß auf, dass sich das Buch nicht wie eine Lehrstunde an der Universität liest, bei der der Leser mit Fakten druckbetankt wird.

Mir wurde im Buch sogar eine Frage beantwortet, die ich schon lange hatte: Was war eigentlich vor dem Urknall? Falls auch Sie sich das schon einmal gefragt haben, die Antwort steht in "Der große Entwurf".
1010 Kommentare|285 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 31. Oktober 2010
Seit Stephen Hawking einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde, scheinen viele Menschen ihn für den Einstein unserer Zeit zu halten. So ist es nicht verwunderlich, dass seine jüngste Veröffentlichung, "Der große Entwurf" sich gut verkauft. Nimmt man das Buch zur Hand, wird man schnell die äußeren Vorzüge registrieren. Die Aufmachung ist eindrucksvoll, die Papierqualität hervorragend, die zahlreichen Abbildungen sehr ästhetisch. Inhaltlich hinterlässt es jedoch einen zwiespältigen Eindruck.

Auf kaum 180 Seiten haben Hawking und sein Co-Autor Mlodinow sich nichts Geringeres vorgenommen, als einige der großen Menschheitsfragen zu beantworten:

Warum gibt es etwas und nicht einfach nichts?
Was ist das Wesen der Wirklichkeit?
Warum existieren wir?
Warum dieses besondere System von Gesetzen und nicht irgendein anderes?
Braucht das Universum einen Schöpfer?

Den ersten Schritt zur Beantwortung dieser Fragen macht Hawking mit einer erkenntnistheoretischen Überlegung. Wissenschaftliche Theorien müssten ebenso wie unsere Alltagsüberzeugungen als Modelle aufgefasst werden. Ihr Wert hänge nicht von ihrer Ähnlichkeit mit der Realität ab, sondern von Eigenschaften wie Eleganz, Übereinstimmung mit den Beobachtungen sowie prognostischer Kraft.

"Wir bilden mentale Konzepte von allen möglichen Dingen - unserem Haus, Bäumen, anderen Menschen, dem elektrischen Strom, der aus der Wandsteckdose kommt, Atomen, Molekülen und anderen Universen. Diese Konzepte sind die einzige Wirklichkeit, die wir erkennen können. Es gibt keinen modellunabhängigen Test der Wirklichkeit. Daraus folgt, dass ein gut konstruiertes Modell eine eigene Realität schafft" (S. 168). Mit jeder neuen Theorie hätten sich unsere Begriffe von der Wirklichkeit und den fundamentalen Bestandteilen des Universums verändert (S. 54). Verfügten wir über zwei Modelle, die sich beide mit den Beobachtungen deckten, könnten wir nicht sagen, das eine sei realer als das andere, selbst wenn sie sich widersprächen. "Wir können jeweils das Modell verwenden, das in der betrachteten Situation praktischer ist" (S. 44).

Hawking nutzt diesen Standpunkt, um seine Deutung der Quantentheorie plausibel zu machen. Ausgehend von Richard Feynmans Pfadintegralformalismus interpretiert er das berühmte Doppelspaltexperiment als Indiz dafür, dass Elektronen und Photonen im Unterschied zu den Gegenständen der Alltagserfahrung in der Lage sind, verschiedene Bahnen gleichzeitig zu durchmessen und mit sich selbst zu interferieren. Außerdem sei ihr Verhalten nicht genau determiniert. Der gesunde Menschenverstand müsse sich damit abfinden, dass sein Wirklichkeitsmodell auf die Quantenwelt nicht anwendbar sei.

Übertrage man diese Einsichten auf die Entstehungsphase des Universums, gelange man zu der Annahme, dass es sich ähnlich den Quantenobjekten auf alle möglichen Weisen zugleich entwickelt habe. "Ein paar dieser Universen ähnelten dem unseren, doch die meisten waren ganz anders. ... Tatsächlich gibt es viele Universen mit vielen verschiedenen Versionen physikalischer Gesetze. Einige Menschen machen ein großes Geheimnis aus dieser Hypothese - die manchmal als Multiversums-Konzept bezeichnet wird - dabei handelt es sich einfach um einen anderen Ausdruck für Feynmans Summe über alle Geschichten" (S. 136).

Die Hypothese zahlreicher, vielleicht Milliarden paralleler Universen, eröffne die Möglichkeit, dass die Gesetze und Konstanten der Natur in einigen davon zufällig so abgestimmt seien, dass menschliches Leben möglich werde. Auf diese Weise ließen sich die grundlegenden Eigenschaften unserer Welt auch ohne einen Schöpfergott erklären.

Selbst die Frage nach dem Ursprung des Universums glaubt Hawking beantworten zu können. Wie die Quantentheorie zeige, sei ein vollkommen leerer Raum physikalisch unmöglich. Aus Heisenbergs Unschärferelation folge, dass im Vakuum unablässig Fluktuationen aufträten, die man als spontane Entstehung und Vernichtung von Teilchenpaaren auffassen könne. Davon ausgehend dürfe im Einklang mit der Stringtheorie vermutet werden, das Universum sei durch eine Quantenfluktuation entstanden und habe sich anschließend im Bruchteil einer Sekunde gigantisch aufgebläht.

Natürlich lassen sich die von Hawking aufgeworfenen Themen auf knappem Raum nur oberflächlich behandeln. Allerdings wären die zahlreichen geistesgeschichtlichen Fehler des Buches vermeidbar gewesen. Die Behauptung, Aristoteles habe die Erde aus "mystischen" Gründen für den Mittelpunkt des Universums gehalten (S. 39), ist ebenso unsinnig wie die Feststellung, das Mittelalter habe "kein einziges schlüssiges philosophisches System" hervorgebracht (S. 28). Und wenn Hawking schreibt, Epikur, einer der Hauptvertreter der Atomlehre in der Antike, habe den Atomismus abgelehnt (S. 25), kann man als Leser nur noch den Kopf schütteln. Warum äußert sich der englische Professor zu Themen, von denen er offenkundig nichts versteht?

Zunächst bleibt die Hoffnung, Hawking werde an Sicherheit gewinnen, sobald er die moderne Physik behandelt. Leider stellen sich bald Zweifel ein. Ist es zulässig, so fragt man sich, einen mathematischen Formalismus wie Feynmans Pfadintegralmethode als Modell der Wirklichkeit aufzufassen? Darf man dem Universum nach der Inflation noch die Entwicklung auf parallelen Pfaden zuschreiben, obwohl Hawking einräumt, dass makroskopische Objekte keine Quanteneffekte aufweisen? (S. 67). Es fällt schwer zu entscheiden, ob hier Mängel der Darstellung oder inhaltliche Fehler vorliegen.

Hinzu kommt, dass Hawking den Bogen überspannt. Zwar räumt er ein, die von ihm favorisierte Stringtheorie sei unfertig, versäumt es aber, darauf hinzuweisen, dass selbst jahrzehntelange Forschung nicht den geringsten empirischen Beleg für sie erbringen konnte. Die Stringtheorie ist eine der spekulativsten Konstruktionen der Wissenschaftsgeschichte. Eines Tages könnte sie sich als reines Phantasieprodukt erweisen. Ist aber schon die Stringtheorie fragwürdig, wie soll man dann erst Gedankenspiele über "Paralleluniversen" einschätzen?

All dies ist Grund genug, bereits in der Mitte des Buches skeptisch zu werden. Die große Enttäuschung wartet freilich am Schluss. Hier muss der geduldige Leser feststellen, dass Hawking drei Voraussetzungen benötigt, um die Entstehung des Multiversums zu erklären: Das Vakuum, einige elementare physikalische Gesetze (die Prinzipien der Quantentheorie und den Satz über die Erhaltung der Energie) und die Gravitation.

Wie Vakuum und Gravitation entstanden sind und warum sie bestimmten Gesetzen unterliegen, kann Hawking nicht sagen. Er fragt erst gar nicht danach.

Das Ergebnis dieses spekulativen Galoppritts ist bescheiden: Hawking ist einen Schritt über die meisten kosmologischen Modelle hinausgegangen. Er hat den Urknall durch einen anderen Anfangszustand ersetzt, den er so wenig erklären kann, wie andere Physiker den Urknall. Der Vorhang unserer Unwissenheit wurde nur um ein paar Millimeter zurückgeschoben, ein Rätsel gegen das andere eingetauscht. Die Ausgangsfragen des Buches werden nicht überzeugend beantwortet.

Das soll der große Entwurf sein? Ich kann mir nicht helfen, mir kommt er kläglich vor.
2222 Kommentare|211 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
VINE-PRODUKTTESTERam 7. September 2010
Warum gibt es etwas und nicht einfach nichts? Warum existieren wir? Warum dieses besondere System von Gesetzen und nicht irgendein anderes?" Stephen Hawking, der berühmteste Wissenschaftler der Gegenwart, hat die ganz großen Fragen noch nie gescheut. Aber er gehört zu den wenigen, die auch dazu beigetragen, den Antworten etwas näher zu kommen.

In seinem neuen Buch geht es vor allem um die Naturgesetze, um Materie, Energie, Raum, Zeit und die Entstehung sowie Entwicklung des Universums. Doch philosophische Fragen kommen ebenfalls nicht zu kurz. Ein großer Wurf also hinsichtlich des Themas und des exzellenten Verkaufsstarts. Als Entwurf ist das Buch aber kleiner. Denn es hat nur 190 Seiten einschließlich Glossar, Register und den großformatigen, aber mitunter viel zu knapp erklärten Illustrationen. Außerdem enthält es pfiffige und durchaus passende, wenn auch nicht eigens für das Buch angefertigte Karikaturen des berühmten amerikanischen Karikaturisten Sidney Harris. Auch lockern immer wieder humorvolle Nebenbemerkungen in Hawkings typischem Stil die schwergewichtigen, aber leicht eingängig dargestellten Themen auf.

Das Buch fasst in acht kurzen Kapiteln die Entwicklung der modernen Physik und Kosmologie zusammen, wobei die wichtigen Entdeckungen, Hypothesen und Probleme der letzten zehn Jahre erstaunlich kurz oder gar nicht dargestellt sind. Exkurse in den reichen Schatz der überlieferten Mythen sowie in philosophie- und wissenschaftsgeschichtliche Themen rücken die Physik und Kosmologie in größere kultur- und geistesgeschichtliche Zusammenhänge. Schwerpunkt sind jedoch die grundlegenden bekannten Naturgesetze und die noch gesuchten Erweiterungen.

Hawking und Mlodinow argumentieren dafür, dass das Universum mitsamt seinen Eigenschaften und dem Urknall rein wissenschaftlich erklärt werden kann. Sie weisen Gott als Schöpfer und Erhalter der Welt zurück. Sie räumen aber auch ein, dass eine umfassende physikalische Theorie (Weltformel") noch nicht gefunden ist, auch wenn sie eine Lanze für die M-Theorie brechen. Sie verkünden sogar den Tod der Philosophie - und wiederbeleben sie doch zugleich, indem sie mit dem modellabhängigen Realismus" einen wissenschafts- und erkenntnistheoretischen Vorschlag machen.

Das Buch ist wesentlich leichter verständlich als Eine kurze Geschichte der Zeit und stellt eine gewisse Fortsetzung von Die kürzeste Geschichte der Zeit dar. Allerdings sind die neuesten Forschungen von Hawking nur kurz oder gar nicht erklärt. Nicht erwähnt ist beispielsweise - im Gegensatz zu Hawkings neues Universum: Wie es zum Urknall kam - , dass der Urknall auch ein Übergang gewesen sein könnte, der aus einem früheren Universum heraus entstand, das eine umgekehrte Zeitrichtung besitzt. Auch Hawkings revidierte Vorstellung von Schwarzen Löchern, die Tunnel durch Raum und Zeit: Von Einstein zu Hawking: Schwarze Löcher, Zeitreisen und Überlichtgeschwindigkeit ausführlich beschreibt, ist kaum mehr als in einem Halbsatz erwähnt.

Auch bleibt die Erklärung, wie unser Universum entstand, wie es also zum Urknall kam, im Buch relativ vage. Diese Wortkargheit ist eigentlich verwunderlich, denn Hawking hat darüber viel zu sagen. Tatsächlich ist dies gegenwärtig wieder der Schwerpunkt. seiner Forschung. Doch vermutlich wollten Hawking und Mlodinow ihren Lesern die diffizilen und schwierigen Überlegungen einfach nicht zumuten. Problematisch ist, dass die Erklärung des Urknalls noch keineswegs so weit gediehen ist, wie es die Lektüre suggerieren mag. Und konkurrierende Modelle werden ganz ausgeblendet.

Die Diskussion des Anthropischen Prinzips ist aufgrund einer veränderten Begriffsverwendung missverständlich und der Zusammenhang von Theologie und Kosmologie. Geschichte und Erwartungen für das gegenwärtige Gespräch kommt sicherlich zu kurz. Theologen und Philosophen werden daher nicht so begeistert sein. Doch ist das Buch ja auch keine fachliche Abhandlung, sondern eine populärwissenschaftliche Darstellung der großartigen Forschungsleistungen der letzten Jahrhunderte. Und dabei ist der Mensch schon weit gekommen. Das Buch macht die Faszination deutlich, die daraus entspringt, mithilfe der Naturwissenschaft die Welt zu verstehen. Wer es liest, hat mehr von der Welt.

NACHBEMERKUNG:
Eine allgemeinverständliche Darstellung zum wissenschaftlichen und philosophischen Gesamtwerk von Stephen Hawking einschließlich seiner neuesten Forschungen (die er in "Der Große Entwurf" gar nicht beschreibt!) gibt Hawkings Kosmos einfach erklärt: Vom Urknall zu den Schwarzen Löchern.
44 Kommentare|65 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 1000 REZENSENTam 27. Januar 2011
Warum existieren wir?
Warum gibt es etwas und nicht einfach nichts?
Warum dieses besondere System von Gesetzen und nicht irgendein anderes?
Die meisten Wissenschaftler wollen sich um derartige Fragen eher herumdrücken und sie in den Bereich von Philosophie oder Religion verweisen. Stephen Hawking und Leonard Mlodinow wagen sich in diesem Buch an ihre Beantwortung.

Zunächst stellen sie fest, dass sie vom Konzept des modellabhängigen Realismus ausgehen. Demnach sei die Frage, ob ein Modell real sei, sinnlos - entscheidend sei nur, ob es mit den Beobachtungen übereinstimmt. Dies ist auf jeden Fall ein interessanter Gedanke.
Wie man es bei populärwissenschaftlicher Literatur gewöhnt ist, findet sich danach ein kurzer Abriss über die Geschichte der Naturwissenschaft. Anschließend wird eine Einführung in die Quantentheorie gegeben, wobei vor allem darauf hingewiesen wird, dass diese den Vorstellungen der klassischen Physik widerspricht, wonach das Universum eine einzige wohldefinierte Geschichte habe und man aus dem Zustand eines Systems zu einem bestimmten Zeitpunkt dessen zukünftige Entwicklung ableiten könne.
Viele dieser Inhalte sind schon aus Hawkings früheren Werken bekannt, hier erfährt der Leser also nichts wirklich neues.
Nun wenden sich die Autoren der Suche nach der "Theorie von Allem" zu. Dabei wird die sogenannte M-Theorie als derzeit einziger Kandidat propagiert. Es handelt sich hierbei letztlich um eine Variante der String-Theorien, welche von elf Raumzeitdimensionen ausgeht, von denen die meisten aber so aufgewickelt sind, dass wir sie nicht bemerken. Das Interessante daran ist, dass es sich hierbei eigentlich um ein Netzwerk mehrerer Theorien handelt, deren jede nur für einen Teilbereich physikalischer Situationen eine gute Beschreibung bietet. Dort, wo sich die Anwendungsgebiete zweier Theorien überschneiden, liefern sie aber übereinstimmende Ergebnisse.
Gegen Ende des Buches kommen die Autoren auf die eingangs erwähnten Fragen zu sprechen. Zunächst wird gezeigt, wie viele Parameter passende Werte haben müssen, um unsere Existenz zu ermöglichen. Diese scheinbar perfekte Abstimmung wird aber ausdrücklich nicht mit einem Eingriff Gottes erklärt, sondern mit der Multiversen-Theorie. Demnach können eine Vielzahl von Universen spontan entstanden sein, die jeweils mit unterschiedlichen Naturgesetzen ausgestattet sind, und wir leben eben in einem (vielleicht dem einzigen), das die Entstehung von intelligentem Leben ermöglicht.

Insgesamt ist das Buch über weite Strecken flüssig zu lesen und allgemein verständlich. Vor allem im letzten Kapitel bleiben die Ausführungen aber relativ vage, sodass einige Argumentationen nicht wirklich überzeugend sind.
Außerdem entsteht durch die ganze Gestaltung der Eindruck, dass diese Werk ein bisschen zu sehr darauf ausgerichtet ist, einer möglichst breiten Masse zu gefallen. Großformatige Seiten mit einer Vielzahl an hübschen bunten Bilden wirken auf den ersten Blick eindrucksvoll. Da das ganze Werk nur knapp 200 Seiten hat, beschleicht einen aber der Verdacht, dass hier eine schöne Aufmachung über den mangelnden inhaltlichen Tiefgang hinwegtäuschen soll.
Fazit: Wer sich einen ersten Einblick in die Materie verschaffen (oder mit dem Besitz dieses Buches angeben) möchte, liegt hier sicher richtig. Es sind für mich aber doch einige Fragen offen geblieben bzw hätte ich mir zu einigen Punkten nähere Ausführungen gewünscht.
11 Kommentar|13 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 1000 REZENSENTam 22. März 2016
Das Beste an Hawking sind seine schriftstellerische Begabung und seine Fantasie. Wer Science Fiktion liebt, sollte dieses Buch lesen.
Ein großer Entwurf ist es aber nicht. Seit 30 Jahren sucht Hawking die große Weltformel, die alles erklärt. Seine Erklärungen werden aber immer schlechter, weil komplizierter. Jetzt haben wir also ein Multiversum als Quantenfluktuation. Großartig! Leider wird man nie ein einziges Teilchen davon beobachten können. Da glaube ich doch lieber an den lieben Gott.
Schon die von Hawking schlecht zitierten Vorsokratiker hatten viele gute Vorstellungen von der Welt, die immer noch teilweise gültig sind. Keiner von ihnen glaubte aber, die einzig richtige Wahrheit zu kennen. Als die christlichen Philosophen überzeugt waren, die einzige Wahrheit zu kennen, mussten sie auf einmal beweisen, wie viele Engel auf einer Nadelspitze tanzen können. Lächerlich! Na ja: heute philosophieren wir, wie viele Naturgesetze man in eine Singularität packen kann, ohne dass sie gelten. Klingt mir nach einem ähnlichen Problem.
Ein bisschen Wissenschaftstheorie würde nichts schaden: eine Theorie, die alles erklärt, ohne dass man Ergebnisse voneinander unterscheiden vorhersagen und widerlegen kann, hat nichts mit Wissenschaft zu tun
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 3. Februar 2011
Mit Begeisterung hatte ich damals "Das Universum in der Nußschale" verschlungen und durch die Audio-CDs wirklich
viel verinnerlichen können...Das mit dem Verstehen ist ja bei dem Themengebiet so eine Sache, man kann die meisten Effekte ja nur verinnerlichen, da kommt es halt drauf an wie anschaulich das gemacht wird...
Bei dem neuen Buch hier finde ich leider nicht viele neu erörterte Fragen die in irgendeinem anderen Werk oder
auch guten Fernseh-Dokus nicht schonmal beackert worden wären.
Auch die Idee der Branen und Strings am Ende wird bereits in der "Nußschale" beleuchtet.
Insofern ein gutes Buch für alle die sich neu mit der Materie vertraut machen wollen.
Aber schlussendlich würde ich immer wieder zur "Nußschale" raten...wenn möglich mit den CDs.
Man merkt, dass es wohl stimmen mag, dass all diese Ideen und Theorien im Moment stagnieren und die Weltformel,
sollte sie existieren, doch noch weit im Dunkeln liegt.
Es bleibt spannend.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 9. Mai 2012
Wie "malaek" schon ausgeführt hat kommt die Arroganz der Autoren deutlich hervor. Der Satz die "Philosophie ist tot", gleich zu Anfang, erschreckte mich zuerst vor dem Gesamtinhalt, aber auch ich habe angenommen, dass die folgenden Thesen und Erläuterungen einer sehr hohen Präzision - frei von irgendwelchen Deutungen und vom Himmel gefallenen Interpretationen - unterliegen würden.

Das Buch liest sich wie eine Gute-Nacht-Lektüre. Recht anspruchslos und doch relativ flüssig, aber ohne wesentlich neueren Inhalt für mich persönlich. Die Bilder in dem Buch (und davon gibt es sie zu Hauf) sind definitiv sehr schön gewählt, äußerst dekorativ und rauben daher leider gleichzeitig dem Buch seinen ernsthaften Charakter. Ich habe nichts gegen gute Bilder in (Lehr)Büchern! Ich bin sogar ein starker Befürworter für farbige Bilder in Büchern die komplexere Inhalte deutlicher illustrieren. Aber die Menge an Illustrationen im Verhältnis zu deren eigentlichen Aussage hat dem Buch einen Comic Charakter verlieren.
Was mir überhaupt gar nicht gefallen hat, ist die vernachlässigte Präzision. Hier zwei Beispiele:

S. 70: "Wenn wir das Wirkungsquantum [...] wiedergeben, hat es einen numerischen Wert von rund 6/10 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000 000."
-> Meine Fragen: Welche Einheit? Was kann sich ein normaler Mensch unter diesen vielen 0-en vorstellen? Muss diese Ausdrucksform wirklich sein?

S.176: "Doch bevor sie größer als die positive Energie der Materie werden kann, stürzt der Stern zu einem Schwarzen Loch zusammen, und Schwarze Löcher haben positive Energie."
-> Meine Gedanken: Wie bitte? Was um alles in der Welt soll diese ominöse Energie sein? Wie wird sie berechnet? Grundlagen? Referenzen?

S. 160 und S. 176: "[...] ein Effekt, der nur möglich ist, wenn irgendeine Abstoßungskraft im gesamten All wirkt. [Einsteins] Kosmologische Konstante war wiederauferstanden."
"Wir müssen Arbeit leisten, um ein gravitativ gebundenes System wie die Erde und den Mond zu trennen."
-> Meine Gedanken: Ich studiere selbst eine Naturwissenschaft, daher weiß ich was der Autor mir eigentlich sagen wollte, aber um meine Gedanken hier für jeden verständlich zu machen: Der Autor hat die Sachverhalte "nicht schön" ausgedrückt und man kann meiner Meinung nach relativ leicht verwirrt werden, weil die Themen ziemlich eng nebeneinander existieren, ohne dass darauf näher eingegangen wird.

Was mir persönlich den Ausschlag gegeben hat auf Amazon eine Rezension zu schreiben war der Schluss des Buchs. ER IST EINFACH NUR S-C-H-R-E-C-K-L-I-C-H! Der Schluss vom "Großen Entwurf" hat überhaupt keine Aussage, kein Elan, keine Take-Home-Message und wirkt wie de facto "hingeklatscht"! Gegen Ende waren einige Formulierungen unsauber, teilweise unnötig SEHR sehr komplex geschrieben und nichtschön. Es hat mich sogar in so weit verwirrt, dass ich diesen mehrfach lesen musste, weil die Seite mit dem letzten Satz: "Dann haben wir den Großen Entwurf gefunden.", einfach zu Ende war. Danach kamen die weißen Seiten...

Insbesondere das Verhältnis: (Prosa-)Text zu Bildern zu Mängeln, macht mir Angst falsche Informationen aufgenommen zu haben. Ich bemühe mich nichts "Neues" längerfristig davon zu merken, solange ich dies nirgends verifiziert bekommen habe. Wenn ich darüber nachdenke wird es mir schwer ums Herz, weil ich nicht einmal genau sagen kann für "wen" dieses Buch eigentlich geschrieben ist... Teilweise sind in Klammern sehr triviale Erläuterungen drinnen, damit Laien damit auch etwas anfangen können, zum anderen ist beispielsweise das Doppelspalt-Experiment so plump mit vielen unnötigen Komplikationen geschrieben, sodass ich mir - ohne meinen vorherigen Kenntnisstand - nur noch ein sehr großes Fragezeichen hätte aufstellen könnten.

Wirklich sehr ungerne würde ich dem Buch eine schlechte Bewertung geben, weil ich mir durchaus vorstellen kann, dass dahinter eine Menge Arbeit steckte; aber ich bin tatsächlich im Gesamtbild nicht zufrieden! Es wird voraussichtlich so sein, dass dieses Buch die nächsten Jahre bei mir höchstens als Bilderbuch im Bücherschrank zur Verfügung stehen wird, aber ich werde mich sicherlich nicht trauen, Auszüge aus dem Buch als Referenzen zu ziehen. Mitunter aus diesen Gründen kann ich das Buch leider niemanden weiterempfehlen.
33 Kommentare|44 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
VINE-PRODUKTTESTERam 18. September 2010
Wenn sich ein genialer Geist, den fundamentalen Fragen nach unser aller Existenz annimmt, dann erwartet man nichts Geringeres als ein neues Weltbild, eine Erklärung, die das bisherige Denken in seinen Grundfesten erschüttert. Wenn dieser Denker sein Werk in aller Bescheidenheit auch noch "Der große Entwurf" nennt, so dürften für den Leser nach der Lektüre dieses Buches keine Fragen mehr offen sein. Wer allerdings mit dieser Erwartungshaltung das Buch von Stephen Hawking liest, wird zwangsweise enttäuscht sein, denn Fragen bleiben weiter offen.
Hawking ist nicht ganz unschuldig daran, dass man das Buch mit den falschen Erwartungen liest. Drei Leitfragen ziehen sich als roter Faden durch das Werk. Ersten will er erläutern, warum überhaupt etwas exisitiert. Zweitens, warum die Entwicklung unseres Universums von ganz bestimmten Naturgesetzen bestimmt wird und warum nicht von anderen. Drittens stellt sich Hawking der Frage, warum der Mensch eigentlich existiert. Die zweite Frage nach der räumlichen und materiellen Beschaffenheit des Universums und seiner Gesetze beantwortet Hawking ziemlich umfangreich und plausibel, so dass man auch als Laie ein Verständnis für die Entwicklung des Universums bekommt.
Hawkings dritte Frage nach der menschlichen Existenz kann allerdings missverständlich aufgefasst werden. Der Physiker beantwortet nicht die Frage, warum aus unbelebter Materie Leben entsteht. Vielmehr legt er dar, welche Voraussetzung für Leben gegeben sein müssen und wie sich ein Universum entwickeln konnte, das Leben hervorbringt. Wer diese Nuance bei der Lektüre nicht beachtet, wird letztlich unzufrieden mit dem Werk sein.
Ein wenig kurz wird schließlich die eigentliche zentrale Frage nach der Entstehung des Universums abgehandelt. Während Hawking den Leser auf 165 Seiten auf die große Antwort vorbereitet, braucht er dann nur schlappe 14 Seiten (inklusive großen Bildern) zur Erklärung. Ich habe besonders dabei vermisst, wie Hawking seine Erklärung gegen andere Modelle verteidigt. So verliert er leider kein Wort darüber, warum seine Erläuterung wissenschaftlich fruchtbarer als beispielsweise die Schleifenquantengravitation ist.
Trotz dieser Kritikpunkt ist das Buch durchaus empfehlenswert, wenn man wissen will, warum unser Universum ist, wie es ist. Sehr anschaulich aber nicht immer leicht verständlich gibt Hawking einen guten Überblick, wie sich die Vorstellungen über das Universum mit der Zeit gewandelt haben: Die Reise beginnt bei den alten Griechen, greift christliche Konzeptionen auf (Thomas von Aquin), er erzählt von bedeutenden Physikern wie Kepler, Newton oder Einstein, und er erläutert die wichtigen Theorien wie die Relativitätstheorie, Unschärferelation, Quantenmechanik, Stringtheorie und M-Theorie. Auf alternative Erklärungen und theoretische Modelle verzichtet Hawking - "Der große Entwurf" ist eben ein populärwissenschaftliches Buch. Diese Erkenntnisse haben andere Autoren auch schon formuliert, nur eben auf 500 bis 600 Seiten. Hawking benötigt dafür gerademal 160 Seiten. Er geht dabei nur so tief in die Materie, wie er muss. Dennoch bleibt das Buch anschaulich, verständlich und für denjenigen, der sich mit der Materie noch nicht beschäftigt hat, äußerst erkenntnisreich. Insbesondere das letzte Kapitel zur Entstehung des Universums ist trotz seiner Kürze doch faszinierend, weil Hawking eine recht einfache, aber keine einfältige Erklärung liefert.
0Kommentar|21 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 11. Januar 2016
Der Großteil des Buches ist populärwissenschaftliches Blub, was Hawking selbst und zig Andere schon x-fach und deutlich besser in anderen Büchern verwurstet haben. Das Letzte Kapitel ist eine reine Anmaßung. Hawking sagt, dass alle die an irgendwas glauben eigentlich Idioten sind und sie ihren Glauben vergessen können, weil es für eine Welt keinen Gott braucht. Was soll das??? Vorab: Ich bin selbst Physiker und konfessionslos. Das Hawking nicht gläubig ist kann ich gut nachvollziehen, aber anderen zu sagen, dass sie Idioten sind weil sie an etwas glauben geht gar nicht. Außerdem ist seine Argumentation nicht mal schlüssig. Erstens sind auch wir Physiker gläubig. Wir glauben zumindest an die Richtigkeit der Axiome (Annahmen, die weder bewiesen noch widerlegt werden können). Sie bilden das Fundament aller naturwissenschaftlichen Theorien. Diese Annahmen sind zwar sehr sehr stabil und vernünftig, aber es sind nur Annahmen - genau wie "There is god". Hawking sagt, alles kommt einfach aus einem Supercomputer... Und wo kommt der bzw. die Software her? Bitte...Naturwissenschaft ist was wunderbares, aber auch wir können nicht alles erklären. Wenn wir doch bitte eines mal aus der Geschichte lernen möchten, dann ist es, dass man Naturwissenschaft und Religion nicht vermischen kann. Sie haben unterschiedliche Axiome :D. Und schon gar nicht haben wir das Recht jemanden seinen Glauben abzuschwatzen. Sonst sind wir nicht besser als irgendwelche religiösen Fundamentalisten.
22 Kommentare|5 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 1. Oktober 2010
Fuer mich war das Buch eher enttaeuschend, da es mir nicht viel Neues vermittelt hat. (Das Universum in der Nussschale und Eine kurze Geschichte der Zeit sind da um laengen besser).
Allerdings ist es eine gute, leicht verstaendliche Zusammenfassung des Standes der derzeitigen Forschung, wenn auch sehr oberflaechlich. Die M-Theorie wird zwar immer wieder erwaehnt, aber Hawking bleibt dem Leser letztendlich doch schuldig, was es denn damit auf sich hat.

Wer mehr ueber die String Theorie, M-Theorie und versteckte Dimensionen erfahren will, dem sei das Buch Das elegante Universum: Superstrings, verborgene Dimensionen und die Suche nach der Weltformel
von Brian Greene empfohlen. Es geht wesentlich mehr in die Tiefe und in den Anfangskapiteln wird sowohl die Relativitaetstheorie als auch die Quantenmechanik gut Verstaendlich, aber doch recht gruendlich und mit guten Beispielen zusammengefasst.

Hawking bezieht sich auf Feynman und das starke anthropischen Prinzip um unsere Existenz zu erklaeren. Dadurch das jedes moegliche Universum existiert, existiert daher auch das unsere. Da wir dieses nun beobachten stellen wir zwangslaeufig fest das es genau die Eigenschaften hat, die es ermoeglichen, das Lebewesen (bewusste Beobachter) wie wir entstehen. Dabei ist es dann egal wie wahrscheinlich es ist das ein bestimmtes von 10 hoch 500 Universen entsteht, da ja alle moeglichen Universen existieren. Ist in etwa so wie die Lottozahlen. Nachdem Sie gezogen wurden, ist es egal wie wahrscheinlich es war das genau diese Kombination gezogen wurde, da wir ja bereits festgestellt haben, das es diese ist.

Die 10 hoch 500 stammt aus der M-Theorie. Das Universum hat demnach 10 raeumliche Dimensionen + Zeit hat und die meisten dieser Dimensionen sind zusammengeknaeult in Calabi-Yau-Mannigfaltigkeiten (im Text nicht erwaehnt). Die genaue Art und weise bestimmt die Groesse der Naturkraefte im Universum und es gibt 10 hoch 500 Kominationen dieser Calabi-Yau-Mannigfaltigkeiten.
Allerdings bleibt Hawking die Antwort schuldig auf die Frage, warum das denn so ist. Warum sind es 10 Dimensionen und nicht 200 und warum bestimmen diese Kombinationen die Eigenschaften des Universums? Er gibt eine moegliche Erklaerung fuer das unsere Universum, nicht aber warum es denn ueberhaupt ein Multiversum gibt.
Er verschiebt die Frage nur eins weiter nach hinten und gibt keine Antwort.
Auch die Theorie das das Universum ein Quantenereignis war (Quantenfluktuation, die sich zum heutigen Universum aufgeblaeht hat) ist zwar plausibel, aber nicht neu.

Zum Schluss schreibt er noch ueber Conway's game of life um mit diesem Beispiel zu erklaeren, wie ein System, welches auf ganz einfachen Grundprinzipien beruht so Komplex werden kann, das es anschliessen von einem Lebenden System nicht mehr zu Unterscheiden ist. Analog dazu: Wie das Zusammenspiel der Naturgesetze Materie so Komplex werden laesst, das wir, die Beobachter entstehen, die unter der Illusion stehen einen freien Willen zu besitzen.
Wie koennten wir zum Beispiel feststellen, das ein Alien oder ein Roboter, sich seiner selbst bewusst ist oder nicht, wenn er sich so verhaelt als waehre er es?
Wenn solche Themen angeschnitten werden, wirft das viele Fragen auf.
Wenn das Universum nun quasi eine sehr komplizierte Kettenreaktion ist die am Ende ein Hirn hervorbringt welches sich darueber gedanken macht (was dann ja Teil dieser Kettenreaktion ist). Heisst das nicht das das Universum sich seiner selbst bewusst ist? Eine Kettenreaktion die sich (als Teil seiner selbst) ueber sich selbst den Kopf zerbricht?
Ist Bewusstsein nur ein sekundaeres Phaenomen der Materie? Der freie Wille ein Illusion die auf Komplexitaet beruht? Hawking scheint das fuer am wahrscheinlichsten zu halten.
Allerdings sind das alles hochphilosophische Fragen und das doch nachdem er die Philosophie ganz am Anfang fuer tot erklaert hat!
Ein sehr interessantes Buch zu diesem Thema sei an dieser Stelle empfohlen: Das bewusste Universum: Wie Bewusstsein die materielle Welt erschafft von Quantenphysiker Amit Goswami.
Dort geht er eingehend auf diese Fragen ein und stellt ein Theorie basierend auf der Quantenmechanik auf, die eine andere (durchaus erwaegenswerte) Antwort auf diese Fragen gibt.

Das vorliegende Buch ist daher meiner Meinung allenfalls fuer Leute interessant, die sich bisher noch kaum mit der Materie befasst haben und die einen kurzen Umriss erhalten moechten ueber die derzeit aktuellen Theorien aber dabei von zu viel Tiefgang nur abgeschreckt werden. Meine Hauptkritik ist also nicht der Inhalt, sondern das was fehlt. "Soll das schon alles gewesen sein" ist das Grundgefuehl, was bei mir am Ende des lesens zurueckgeblieben ist.
Es ist insgesamt nicht schlecht, gibt einige interessante Gedankenanstosse, bleibt aber an vielen Stellen spekulativ und haelt nicht, was es vom Titel her verspricht.
44 Kommentare|14 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden