earlybirdhw2015 Hier klicken Jetzt Mitglied werden lagercrantz Cloud Drive Photos WHDsFly Learn More blogger fleuresse Fire HD 6 Shop Kindle Sparpaket Autorip SummerSale

Kundenrezensionen

13
4,4 von 5 Sternen
Imperien: Die Logik der Weltherrschaft - vom Alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten
Format: TaschenbuchÄndern
Preis:9,99 €+Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

82 von 88 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 14. September 2005
Immer häufiger werden die Vereinigten Staaten neuerdings als Imperium bezeichnet. Nur unter dieser Voraussetzung, so heißt es, seien ihr Verhalten und die gegenwärtige Konstellation der internationalen Politik angemessen zu begreifen. Aber was sind Imperien eigentlich? Worin unterscheiden sie sich von anderen politischen Einheiten, wie Nationalstaaten oder Stammesverbänden, und gehören sie im 21. Jh. nicht längst der Vergangenheit an?

In seinem neuen Buch versucht Herfried Münkler diese Fragen zu beantworten. Dabei geht er von der Feststellung aus, daß die Erklärungskraft der traditionellen Imperialismustheorien (Hobson, Lenin, Schumpeter usw.) enttäuschend sei. Sie konzentrierten sich nämlich auf die europäischen Kolonialreiche des 19. Jh., vernachlässigten die Peripherie zugunsten des Zentrums, berücksichtigten fast nur die Entstehungsphase von Imperien und seien weitgehend normativ statt deskriptiv-erklärend ausgerichtet.

Ihnen möchte Münkler eine theoretische Alternative gegenüberstellen, die all diese Schwächen überwindet. Sie soll universalhistorisch fundiert sein, eine umfassende Typologie von Imperien entwickeln, deren Konsolidierung und Untergang gebührend berücksichtigen, und vor allem ihre inneren Zwänge, die „Logik der Weltherrschaft“ (S. 9) herausarbeiten. Was Münkler also anstrebt, ist nichts geringeres als eine historische Soziologie der Imperien, vergleichbar etwa mit Max Webers Soziologie der Herrschaft. Auf dieser Grundlage möchte er auch die weltpolitische Situation der Gegenwart verorten und Prognosen über Dauer und Stabilität des amerikanischen Imperiums wagen.

Anders als Weber bezieht Münkler sein theoretisches Instrumetarium ganz offen von fremden Autoren. Seine Soziologie der Imperien beruht auf einer Kombination von Machiavellis Zyklentheorie, Michael Manns Typologie der Machtformen (militärisch, politisch, ökonomisch, ideologisch) und Michael Doyles Idee der „augusteischen Schwelle“.

Zusammengehalten wird diese Mischung durch einen simplen Gedanken: Imperien, so Münkler, werden mit militärischer oder wirtschaftlicher Macht gegründet, können aber nur unter Zuhilfenahme anderer Machtformen stabilisiert werden. Gelinge dieser Übergang (z. B. Rom, China), könne von einem Überschreiten der „augusteischen Schwelle“ gesprochen werden, was die Grundvoraussetzung für den längeren Bestand eines Reiches darstelle. Scheitere er hingegen (z. B. Spanien, Rußland, osmanisches Reich), müsse die Reichsbildung prekär bleiben.

Je mehr Machtsorten einem Imperium zur Verfügung stünden, desto größer sei der Handlungsspielraum seiner Führer und Eliten, und desto günstiger seine Aussichten auf Stabilität. Auch die beste politische Führung könne jedoch nur den Aufenthalt ihres Reiches im oberen Zyklussegment verlängern, nicht aber die zyklische Abfolge von Aufstieg, Blüte und Niedergang als solche beseitigen.

Dieses einfache theoretische Modell ergänzt Münkler durch eine Reihe locker angefügter, eher impressionistischer Überlegungen zur Legitimation von Großreichen (Hauptthemen: Frieden und Wohlstand), zu den Gefahren imperialer Überdehnung sowie über die Aussicht beherrschter Völker, der Imperialmacht durch asymmetrischen Widerstand (Guerillakrieg, Terrorismus) Niederlagen zuzufügen.

Sehr aufschlußreich ist Münklers Einschätzung, daß die Entstehung von Weltreichen nur wenig mit der Eroberungslust einzelner Führer zu tun habe und mehr auf objektive Strukuren der Staatenwelt zurückgehe, die eine solche Entwicklung begünstigten oder sogar herausforderten.

Hält Münkler sich in seinen historischen Ausführungen weitgehend an die Beispiele des römischen, des chinesischen, des spanischen, des osmanischen und des russischen Reiches, so gelten seine aktuellen Schlußfolgerungen überwiegend den Vereinigten Staaten. Aus seiner Unterscheidung zwischen Imperium (großer, institutionalisierter Machtunterschied zwischen Herrschern und Beherrschten) und Hegemonie (relativ geringer Machtunterschied; Führungsmacht kann nicht ohne Zustimmung der Verbündeten dominieren) folgt, daß Amerika gegenwärtig beides ist: Imperial- UND Hegemonialmacht. In der Tat scheint es plausibel, die Position der USA in der Karibik und im Nahen Osten als imperial, in Europa dagegen als hegemonial und in Ostasien nur als die einer Großmacht unter anderen zu bestimmen.

Zu den interessantesten Passagen des Buches gehören Münklers Ausführungen über die imperiale „Dynamik“ der Gegenwart. Die Vereinigten Staaten seien - ebenso wie die europäischen Mächte des 19. Jh. - durch Konflikte und Krisen der Peripherie in eine von ihnen ursprünglich nicht erstrebte imperiale Rolle hineingezogen worden. Da die Globalisierung auf vormoderne gesellschaftliche Strukturen zersetzend wirke, schaffe sie Zustände (Anarchie, Völkermord, ethnische Säuberungen, Fundamentalismus), die den Industrieländern inakzeptabel erscheinen. Nachdem die UNO an diesen Herausforderungen völlig gescheitert sei, habe Amerika der imperialen Versuchung nicht mehr widerstehen können. Die Europäische Union, so schließt Münkler an, werde auf entsprechende Vorgänge in ihrer Umgebung mittelfristig ähnlich reagieren müssen.

Nicht minder bedenkenswert sind Münklers Überlegungen zum Verhältnis von Demokratie und imperialer Herrschaft. Unter dem Zwang, ihrer Bevölkerung kurzfristige Erfolge zu präsentieren, neigten demokratische Imperien stark zu militärischen Lösungen und wirtschaftlicher Ausnutzung ihrer Macht. Demokratische Großreiche seien also nicht friedlicher als autoritäre, sondern im Gegenteil aggressiver und ausbeuterischer.

Trotz der Vielzahl wertvoller Informationen und Anregungen, die Münkler zusammenträgt, gelingt es ihm jedoch nur begrenzt, eine historische Soziologie der Imperien zu entwerfen. Schon seine theoretischen Grundannahmen bleiben unklar. Was bedeutet etwa die Rede von verschiedenen Machtformen? Michael Mann mag sie im Einzelnen erläutert haben, Münkler tut es nicht. Auch für Machiavellis Zyklenlehre fehlt bei ihm jede Begründung. Entsprechend dünn ist die historische Auswertung der Theorie. Keines der von Münkler behandelten Welteiche wird dem Leser in seiner Geschichte und Struktur wirklich verständlich. Wer nach den Gründen für den Untergang des Römischen Reiches fragt oder wissen möchte, warum sich die Staatsgründung der Osmanen als die langlebigste aller Turkvölker erwies, wird die Antwort bei Münkler nicht finden.

Münklers Gegenwartsanalyse bleibt ebenfalls fragmentarisch, was nicht erstaunlich ist. Um die Zukunftsaussichten des amerikanischen Imperiums beurteilen zu können, reicht es eben nicht aus, seine Probleme mit der „Macht der Schwachen“, im wesentlichen also der islamischen Welt, zu analysieren. Viel wichtiger dürfte in dieser Hinsicht das Verhältnis Amerikas zu den „Starken“ von morgen sein (China, Indien, Europa, Rußland).

Andererseits ist zu bedenken, daß die Theorie der Imperien, wie Münkler zu recht bemerkt, noch in ihren Anfängen steckt. Nimmt man sein Buch als einen ersten Ansatz, so hat es trotz mancher Schwächen allen Respekt verdient.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. Januar 2007
Alle Imperien der Geschichte erlebten drei Phasen: Aufstieg, Höhepunkt und Untergang. Was für das Osmanische Reich, das britische Empire und die Sowjetunion galt, trifft also auch auf die Hegemonialmacht USA zu. Das jedenfalls verspricht der Untertitel des Buches: "Die Logik der Weltherrschaft - vom Alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten".

Es macht Spaß, Autor Münkler bei seinem Streifzug durch die Geschichte zu begleiten. Leider baut er vor dem Leser jedoch die ein oder andere Hürde in Form von Fremdwörtern auf: Hand aufs Herz, wissen Sie auf Anhieb, was "Hegemonialmacht" bedeutet? Der "Hegemon" ist laut FremdwörterDuden ein Wort aus dem Griechischen und bezeichnet einen "Fürst, der über andere Fürsten herrscht".

Lesen soll ja bilden, trotzdem wäre ein Glossar bei diesem Buch sinnvoll gewesen. Wenn der Leser allerdings bereit ist, solche Wissenslücken quasi nebenbei zu klären, die leider bei Autoren aus der Wissenschaft häufig vorkommen, dann öffnen sich Ein- und Seitenblicke in beziehungsweise auf bestehende und untergegangene Weltreiche.

Münkler ist Professor für Politikwissenschaft in Berlin. Sein Buch unterscheidet sich wohltuend von anderen Publikationen. Denn der modischen Versuchung zur US-Schelte entgeht er. Vielmehr beschreibt er den gegenwärtigen Zustand ' wertneutral, sachlich, präzise.

Das Buch beinhaltet zehn Karten, vom Athener Seeimperium bis zur Weltkarte mit US-Stützpunkten und den jeweiligen Truppenstärken. Selbstverständlich bietet es Quellenverweise und Erläuterungen.

Münkler zufolge prägt der große Machtunterschied zwischen dem Herrscher und den Beherrschten ein Im'perium, während eine Hegemonie nicht ohne Zustimmung der Verbündeten dominieren kann. Für ihn ist Amerika beides, Hegimonialmacht und Imperium in

einem. In seinem Buch geht Münkler auf die Suche nach Strukturen und Gesetzmäßigkeiten. Gibt es eine Linie, die allen imperialen Bestrebungen innewohnt?

Dem Leser erschließt sich so, aus seinem historischen Interesse heraus, eine Deutung für die weltpolitischen Probleme der Gegenwart. Ein Blick ins Verzeichnis der sechs Hauptkapitel zeigt, dass hier keine Langeweile aufkommt. Kapitel eins fragt: "Was ist ein Imperium?", das letzte Kapitel lautet: "Die überraschende Wiederkehr des Imperiums im postimperialen Zeitalter".

Was der Titel wirklich nicht vermuten lässt: Gerade dieser letzte Buchteil hat es in sich. Neben einer präzisen Diagnose der heutigen US-Politik leitet Münkler Erkenntnisse für die Europäische Union ab. Wie viel Imperium muss Europa sein, um im 21. Jahrhundert zu bestehen? Reichen unsere Fähigkeiten und Konzepte für die Herausforderungen der Zukunft?
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
23 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 14. Januar 2006
War nach der Selbstauflösung der Sowjetunion schon voreilig vom "Ende der Geschichte" und "vom Ende des imperialen Zeitalters" die Rede, so wirft dieses Buch die Frage auf, ob es auch heute Imperien geben darf, kann oder muss. Dieser Frage widmet sich Herfried Münkler in einem sehr lesenswerten und interessanten politischen Sachbuch.
Dabei wird der Begriff aus verschiedenen Richtungen beleuchtet, werden die bekannten Autoren zu diesem Thema vorgestellt und der Begriff Imperium definiert. Immer auch - und das macht dieses Buch sehr lesenswert - aus der heutigen Perspektive, die das Imperium schon tot glaubte.
Münkler stellt die verschiedenen Imperien der Weltgeschichte dar, so z.B. das Rom, China, sowie die "Steppenimperien" und klärt die Frage warum und unter welchen Bedingungen Imperien als stabile Gebilde anzusehen sind, und ob es Ihnen darüber hinaus gelingt Stabilität aus dem Zentrum des Imperiums in die Randgebiete (sog. Peripherie) zu tragen.
Überhaupt nimmt die Frage, wie diese Randgebiete Einfluss auf das Machtzentrum eines Imperiums nehmen und welche Auswirkungen die Vernachlässigung der Peripherie auf das Zentrum hat, einen großen Raum ein. Hierbei wird der sog. Barbarendiskurs vorgestellt und erläutert.
Nicht zuletzt widmet sich Münkler natürlich der Frage, welcher Einschätzung die USA heute unterliegen. Handelt es sich um ein Imperium? Eine Hegemonialmacht oder gar beides? Kenntnisreich schildert Münkler hier alle Aspekte und Möglichkeiten, die der "letzten Supermacht" zur Verfügung stehen und wie Europa in das durchaus komplexe Bild aus Wirtschafts- und Militärmacht hineinpasst.
Ein Buch, welches jedem Leser, der Interesse an dieser Thematik hat, empfohlen werden kann. Nach Lektüre dieses Buches kann sich jeder ein Bild über den wieder zu "Ehren" gekommenen Begriff "Imperium" machen. Uneingeschränkt auch deshalb empfehlenswert ist, weil Herfried Münkler ein Meister des Erzählens ist.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 31. Juli 2005
Herfried Münkler ist in seiner Aussage, dass sich in der deutschen Wissenschaft nur noch wenige mit Theorie und Geschichte von Imperien beschäftigen, nur zu unterstützen. Er legt nun eine Arbeit vor, die sich mit Imperien vom Römischen Reich bis zu den USA beschäftigt. Dabei nimmt Münkler die 4 Machtformen der politischen, ökonomischen, militärischen und ideologischen Macht nach Michael Mann als Grundlage. Auf dieser Grundlage erörtert er anhand des Römischen Reiches, China, des Osmanischen Reiches, Spanien und Portugal, des Britischen Empire und schließlich den USA die Entstehung, Erhalt und Niedergang von Imperien.
Dabei geht er nicht nur auf die Zentren der Imperien ein, sondern stellt stark auch die Peripherie von Imperien in den Vordergrund, beleuchtet nicht nur die Push- sondern auch die Pull-Faktoren.
Etwas ausführlicher hätte ich mir den Faktor Geographie für die Bildung und Erhaltung von Imperien gewünscht (deshalb auch nur 4 Sterne).
Das Buch hat schließlich als Zielpunkt die Frage, ob die derzeitigen USA ein Imperium sind oder nicht. Münkler läßt diese Frage eigentlich offen, da sie (noch) nicht zu entscheiden ist. Umso interessanter ist dafür die Aussage, dass sich die Europäische Union stärker am Modell des Imperiums orientieren muss, will sie ihre Peripherie und Umwelt im Griff behalten.
Ein rundum gelungenes Buch, das sich auch sehr gut liest.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Dieses Buch ist nicht ganz das, was ich erwartet habe. Es geht um die "Logik der Weltherrschaft", also um eine politikwissenschaftliche Betrachtung, wie Imperien entstehen, wie sie spezifische Herausforderungen meistern und weshalb sie schließlich untergehen. Obwohl der Titel verspricht, dies "vom alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten" darzustellen, ist es *kein* historisches Werk, weil es nirgendwo eine chronologische Ordnung einhält, sondern sich an allgemeinen, nach Ansicht des Autors überzeitlichen Strukturen orientiert. So wird einmal auf das Beispiel des britischen Empire, ein anderes mal auf das des Osmanischen Reiches zurückgegriffen, um etwa zwischen Imperialität und Hegemonie oder zwischen den Faktoren imperialer Macht (militärisch, ökonomisch, ideologisch u.s.w) zu unterscheiden. Neben der allgemein wissenschaftlichen Ausbreitung der Theorie kommt als zweiter Gegenstand in Münklers Betrachtungen die zeitgeschichtliche Frage hinzu, ob die USA bereits ein Imperium sind (oder etwa nur ein Hegemon), inwieweit sie den Übergang zu einer Phase imperialer Stabilität (Stichwort: Augusteische Schwelle) schaffen könnte und was die zu erwartenden Hindernisse oder Hemmnisse sein könnten auf diesem Weg.
Obgleich die Datengrundlage sehr schmal ist, einfach weil es in den letzten 6000 Jahren eben nur eine begrenzte Anzahl auch langlebiger Weltreiche geben konnte, sind die Ausführungen Münklers durchaus einleuchtend. Andererseits stellt sich die Frage, ob die letzten zweihundert, dreihundert Jahre nicht einen so dermaßen großen Wandel in Technologie und Wissenschaft mit sich gebracht haben, der jeden Vergleich zu früheren Epochen unmöglich macht. Nur zwei große Wandlungen seien erwähnt: Zum einen leben wir zum ersten mal im Verlauf der letzten 6000 Jahre wieder in einer Zeit, in der die Mehrzahl der Menschen ihre Existenz nicht von der Bebauung eigenen Landes bestreitet. Eine solche Umwälzung vollzog sich zuletzt im Anschluss an die Jungsteinzeit, als der Mensch vom Jagen und Sammeln zur sesshaften Agrarkultur überging. Können wir feudal-agrarisch strukturierte Gesellschaften wirklich mit unseren Staatswesen sinnvoll vergleichen? Zum zweiten haben sich auch die Verhältnisse von Lebenszeit und technischem Fortschritt vollkommen verschoben. Im zweiten Jahrhundert nach Christus konnte ein Mensch in einem wohlorganisierten und weitgehend friedlichen Empire wie dem römischen leben und seinen Lebtag lang keinen nennenswerten Wandel der Technik, der Produktion, et cetera..., erfahren. Das war die meiste Zeit der Geschichte für fast alle Menschen wahr. Heute hat sich die Lebenszeit eines Menschen nur geringfügig geändert, vielleicht lebt der moderne Mensch doppelt so lang wie der alte Römer, aber der Zeittakt technischer und ökonomischer Veränderung hat sich verhundertfacht oder gar vertausendfacht (wie einige Optimisten behaupten). Da stellt sich die Frage, ob die USA wirklich etwas aus der Betrachtung der Geschichte des byzantinischen Reiches lernen können oder ob nicht ganz neue Spielregeln gelten und dazu noch die Veränderung (...der Veränderung...) der Spielregeln sich exponentiell beschleunigt.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
67 von 87 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 22. Dezember 2005
Münkler versucht in seinem Buch, die Herrschaftsstrukturen von Imperien im historischen Kontext zu erarbeiten. Der Ansatz, dies nicht nur staubtrocken und theoretisch zu tun, sondern seine Argumentation auch durch Beispiele zu belegen, machen das Buch interessant und auch für den interessierten Laien ohne Studium der Politikwissenschaften lesenswert.
Allerdings offenbart Münklers Werk einige fundamentale Schwächen, die es letztendlich zu einem enttäuschenden Buch machen:
1) Der Autor hat sich zu sehr auf die gegenwärtige (Außen-) Politik der Bush-Administration in den USA eingeschossen. Eine Betrachtung der Politik anderer Präsidenten findet oft nur in Nebensätzen und Randbemerkungen statt. Teilweise wird die Fixierung auf die Bush-Administration derart überspitzt, dass Münkler die Grenze zur Unsachlichkeit überschreitet. Der Untertitel "... vom Alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten" ist ebenfalls irreführend. Es geht für den Autr ausschließlich um die USA, er nutzt die hsitorischen Beispiele nur als schmückendes Beiwerk.
2) Bei dem Versuch, seine Imperiums-Theorie anhand von Beispielen zu belegen, offenbart Münkler das Phänomen der selektiven Wahrnehmung. Anstatt existierende Imperien zu analysieren und dort Gesetzmäßigkeiten herauszuarbeiten um anschließend eine ganzheitliche Imperialismus-Theorie zu entwickeln, betreibt der Autor Rosinenpickerei in der Geschichte, um seine Hypothesen zu bestätigen. So werden selbst von Imperien, die Münkler eigentlich nicht als solche anerkennt, Beispiele angebracht, wenn dies zur Untermauerung seiner Thesen hilfreich erscheint. Objektivität, Koheränz und eine klare Argumentationslinie bleiben auf der Strecke.
3) Das ganze Buch, sofern es nicht von den USA handelt, ist sehr im westeuropäischem Gedankenraum verhaftet (zudem man die USA aufgrund Ihrer Geschichte ja auch zählen muss). Auch in anderen Gegenden der Welt stattgefundenen Entwicklungen zu berücksichtigen wäre wünschenswert gewesen. Dies geschieht leider nur unzureichend.
Fazit: Der für das Buch gut gewählte Ansatz wird von methodischen und fachlichen Unzulänglichkeiten leider zu nichte gemacht. Dies ist ärgerlich und bedauernwert, da der Autor durchaus ein richtiges Ziel verfolgt. Die Fixierung auf die USA und das gelegentliche, zur Zeit offensichtlich populäre, "USA-Bashing" sind ebenfalls sehr störend. Dass gegenwärtige Ereignisse naturgemäß intensiver betrachtet werden, als Jahrhunderte zurückliegende ist verständlich. Für ein Buch mit dem Anspruch, eine ganzheitliche Imperialismus-Theorie zu entwickeln, ist derartiges in dieser Weise aber nicht opportun.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
24 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Sicherlich erfreut sich der Begriff Imperium im Augenblick einer ziemlich großen Beliebtheit. Da er aber meistens polemisch eingesetzt wird, wenn es darum geht der USA „Weltmachtgehabe“ vorzuwerfen, hat es der Politwissenschaftler Herfried Münkler sich zur Aufgabe gemacht, den Begriff „Imperium“ gegen einen unreifen, unsachlichen, bissigen Alttagsgebrauch einmal zu rekonstruieren.
Die zentralen Kategorien des Begriffs Imperium sind das Zentrum und die Peripherie. Ein Imperium und ein Staat unterscheiden sich in zentralen Punkten. Staaten gibt es im Plural, ein Imperium versteht sich in der Welt als etwas Besonderes, es kennt keine „Gleichen“.
Der Autor untersucht in seinem Buch nicht nur die heutige Situation bei der Begriffsanalyse sondern er setzt sich auch mit den Imperien auseinander, die wir historisch kennen, dem Osmanischen Reich und dem Imperium Romanum. Zur Imperiumsbildung gehörten verschiedene Machtkonstellationen. Im Osmanischen Reich spielte die militärische Überlegenheit eine große Rolle. In der römischen Geschichte gab es einen interessanten Vorgang, den der Autor das Überschreiten der „Augustineschen Schwelle“ nennt, das heißt, die Beherrschung des Raumes wurde zunehmend umgestellt, von vorher militärischer Beherrschung, auf jetzt kulturelle Attraktivität. Die Leute aus der Peripherie kamen nach Rom, sie waren auf das Zentrum fixiert, das Verhalten wurde kooperativ, zugleich sanken die „Beherrschungskosten“. So wurden Frieden und Wohlstand, also eine Periode allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs organisiert. Und dann, als das Römische Reich im Westen zu Ende ging, begann eine Zeit der „Inneren Auseinandersetzung“.
Heute erleben wir im Irak, dass es den USA nicht gelingt, die“ Augustinesche Schwelle“ zu überschreiten. Vielleicht ist man heute aber auch optimistischer?
Heutige Imperien werden im Großen und Ganzen durch die Vergabe von Sicherheitsgarantien begründet, eigentlich nicht mehr durch Okkupation. Was das im Einzelnen bedeutet, hat man in Westeuropa in Zeiten des West-Ost Gegensatzes bis ins Jahr 1989 gesehen. Und wenn die USA ihre Sicherheitsgarantien heute für einige Staaten des asiatischen Raumes zurücknehmen würden, dann entstünden dadurch weltweit erhebliche Probleme.
Unglaublich präzise, grandios geschrieben, klug recherchiert, ein die Aufmerksamkeit der Leserschaft sehr stark herausforderndes Buch. Es rechtfertigt die Anstrengung, sehr genau mit ihm zu sein. Es gibt viele interessante Reflexionsebenen.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
19 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 22. August 2005
Herfried Münkler hat - ausgehend von der aktuellen Diskussion, ob die USA - in Anlehnung an Raymond Arons: "Die imperiale Republik", ein Titel, der im sonst umfangreichen Literaturverzeichnis leider nicht angeführt wird, sich tiefer mit der Frage, was Imperien sind, beschäftigt. Wodurch zeichnen sich Imperien aus? Welche Gefahren birgt eine imperiale Ordnung? Welche Chancen bietet sie? Das Buch ist sehr interessant geschrieben und kann in etwa mit Peter Benders Werk: "Weltmacht Amerika - das neue Rom" verglichen werden. Winkler unterscheidet die Begriffe "Hegemonie" und "Imperium", wobei er - zu Recht - diese Entscheidung "heikel" nennt. Aber für mich sind zwei Fragen offen geblieben: Sind die USA ein Imperium? Münkler spricht immer von der "imperialen Mission" der USA, wobei er auch alternative Traditionslinien der amerikanischen Politik aufzeigt. Er erklärt, es könne sein, dass das amerikanische Imperium nicht so sehr an seinen äußeren Feinden, sondern an der moralischen Überlastung durch seine Mission scheitert. Dies hätte ich dann doch gerne genauer ausgeführt. Außerdem geht mir Münkler zu wenig auf Theorien in den "Internationalen Beziehungen" ein. Der vielgescholtene (Neo-)Realismus, dem in Deutschland etwa der Politikwissenschaftler Werner Link, dessen Werke bedauerlicherweise nicht im Literaturverzeichnis zu finden sind, hat ganz klar erklärt, dass Macht(ausehnung) bislang immer in der Geschichte zu Gegenmacht führte. Diese theoretische Untermauerung mit politikwissenschaftlichen Theorien fehlt mir. Ich hätte mir auch bei der Frage, ob ein demokratisches Imperium möglich sei (S. 235 ff.) die Frage gewünscht, ob die USA in Wirklichkeit noch eine Demokratie oder nicht doch eine Oligarchie sind. Dies hätte natürlich bedeutet, sich mit der Theorie des "Demokratischen Friedens" stärker auseinanderzusetzen. Diese Frage hat Emmanuel Todd in seinem buch: "Weltmacht USA" thematisiert. Dessen - schwer zu widerlegendes - Fazit: Unter der Präsidentschaft von George W. Bush habe sich die USA in eine Oligarchie verwandelt, in der die Interessen der Ölindustrie den Ton angäben. Insofern könne die These des "demokratischen Friedens", die Michael Doyle und - in der deutschen Politikwissenschaft - Ernst Otto Czempiel entwickelt haben (Czempiel wird bedauerlicherweise im Literaturverzeichnis ebenfalls nur mit einem Werk zitiert)nicht durch die Politik der Regierung Bush widerlegt werden.
Außerdem hätte es sich angeboten, mehr über die Herausforderung durch die Weltmacht China zu hören. China und die USA werden - darüber sind sich Politikwissenschaftler einig - die großen Konkurrenten um die Weltherrschaft im 21. Jahrhundert werden. Helmut Schmidt hat etwa in seiner hervorragenden Publikation: "Die Mächte der Zukunft" (ebenfalls nicht im Literaturverzeichnis aufgeführt) darauf hingewiesen.
Fazit: ein interessantes Werk des deutschen Politikwissenschaftlers, der den Begriff der "neuen Kriege" einer breiten Öffentlichkeit verdeutlicht hat, aber - leider - mit Lücken. Mir ist die Zielgruppe nicht ganz klar. Als populärwissenschaftliche Einführung ist das Buch ausgezeichnet - hierfür allerdings stellenweise zu komplex. Als politikwissenschaftliches Grundlagenwerk hat es Lücken - wie oben dargestellt. Dennoch eine insgesamt interessante Einführung in ein Forschungsgebiet, welches in der deutschen Politikwissenschaft meines Erachtens noch zu wenig Beachtung gefunden hat. Dass dies nicht so bleibt, dafür hat - neben Paul Kennedy mit seinem interessanten Werk: "Aufstieg und Fall der großen Mächte" vor allem Münkler mit seiner vorliegenden Publikation gesorgt. Dafür gebührt ihm Dank.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
am 12. Juni 2015
In zugegeben langsam schon ungewohnter fachlicher Strenge werden Fragen über den aktuellen Zustand der Welt, speziell das Verhältnis Europas zu den USA behandelt.
Kernfragen sind dabei: Was sind Imperien, was macht sie aus, warum entstehen und vergehen sie und was hat das alles mit Heute zu tun ?
Die Analyse ist spannend, aber ernüchternd. Man sollte das Buch zur Pflichtlektüre für Poroschenke, Erdogan und andere machen. Man versteht sogar den Nohostkonflickt, wenn man sich die Argumentationsweise des Autors zu Eigen macht.
Und man versteht plötzlich: Die Konflikte, die uns tagtäglich (zum Glück nur) in den Medien heimsuchen, sind noch lange nicht vorbei.
Schade fand ich die Unterbelichtung des historischen Teils des Buches, etwas mehr Geschichte über vergangene Imperien hätte ich sehr gut gefunden.
Die Kindle-Umsetzung ist einwandfrei.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
am 14. Januar 2015
Herfried Münkler ist laut Zeit ein wandelnder einmann think-tank: Und tatsächlich - das schier grenzenlose Wissen des Autors ist erstaunlich. Münkler erklärt in seinem Exkurs zur Zeitgeschichte historische Zusammenhänge in verständlicher Sprache und macht damit viele zeitgeschichtlichen Konflikte verständlich. Für jeden politisch Interessierten Leser eine absolute Pflichtlektüre.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
     
 
Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen
Imperien
Imperien von Herfried Münkler (Gebundene Ausgabe - 31. Januar 2013)

Die neuen Kriege
Die neuen Kriege von Herfried Münkler (Taschenbuch - 2. Februar 2004)
EUR 9,99

Die Deutschen und ihre Mythen
Die Deutschen und ihre Mythen von Herfried Münkler (Taschenbuch - 1. Juli 2010)
EUR 14,99