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15
4,2 von 5 Sternen
Bauplan für eine Seele
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53 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 19. Oktober 2005
1. Ausgangsposition

Anhand einer Dampfmaschine entwickelt Dörner seine These, dass sich Denken, Fühlen, Wollen und Bewusstsein „aus den Merkmalen eines Steuerungssystems ergeben. Die Maschinen-Metapher wird durchgehalten, sodass die ganze dörnersche Seele durch diese Klammer als aus einem Guss wirkt und damit auch überzeugend ist. Dörner gehört zur experimentellen Psychologie, wo bewiesen gehört, was behauptet wird, mit segensreichen Folgen.

2. Beispiele

Alle Motive kennen einen Sollbereich. Wird dieser unterschritten, dann bemühen wird uns, den Sollbereich wieder zu erreichen. Das gilt zum Beispiel für das Streben nach Legitimität, das zu entsprechendendem Verhalten führt und zur Affiliation, zu Kollegialität, Freundschaft und Liebe. Ein grosses Motiv ist die Bestimmtheit, denn unter Unbestimmtheit scheinen wir zu leiden. Das Dumme dabei ist, das mit dem Sprechen und Denken jede geklärte Frage eine Vielzahl offener Fragen bringt, also mehr Unbestimmtheit. Die erste Lösung der Menschen dafür, sagt Dörner, ist die Religion, die Zweite die Ideologie. Hauptsache, wir fühlen uns irgendwo zuhause, wo alles klar ist, bestimmt und nach Möglichkeit einfach. Dafür nehmen wir gerne in Kauf, dass die Realität beschnitten wird, dass vieles ausgeblendet wird, dass wir einer Wirklichkeitsstörung unterliegen.

Wichtigkeit, Bedürfnisstärke, Erfolgserwartungen bestimmen die Motivselektion und die bilanzierende Lust-Unlust-Bilanzierung greift ein, wo nötig. Das setzten wir um in ein Handeln, das aufgedröselt wird nach Auflösungsgrad, Aktiviertheit, Dringlichkeit und mitbestimmt wird durch die Kompetenz. So ungefähr. Bei Dörner werden alle Begriffe aufgeklärt und es geht hier mehr darum, in welche Detailliertheit, Fülle und Tiefe der Stoff ausgebreitet wird.

3. Ausweitung der Kampfzone

Weil jeder lernt, indem er sich selber einen Weg sucht, sagt Dörner im Vorbeigehen, dass elterliche Fürsorge ein Lernhindernis sei und an Berliner Balkonen analysiert er die Unbestimmtheitsreduktion auf homöopathische Dosen, die gerade noch erträglich sind. Solche Kicks liest man immer wieder, so auch gegen die verbreiteten, wolkigen Unklarheiten in gewissen Wissensgebieten.

Kommen wir zum Eindruck, denn wir können hier nicht 800 Seiten ausbreiten.

4. Der dörnersche Ton

Der dörnersche Ton ist heiss: Es geht Schritt für Schritt, ganz vor- und umsichtig. Bei Gelegenheit werden Witzchen eingestreut und an Beispielen für die Thesen mangelt es nicht, sodass wir z.B. oft vom Leberkäsebrötchen hören, das der Bäcker bei der Uni anbietet. Jeder Schritt wird in Schemen und Grafiken aufgelöst, sodass man bei Bedarf alles daran memorieren oder verfestigen kann. Immer wieder fallen Stoffrepetitionen an, weil alles zusammenhängt. Die Fragestellungen werden klar aufgerissen und die Beantwortung wird zusammengefasst. Das verweist auf den Vorlesungshintergrund und macht das Buch lesbar und didaktisch. Der Autor nimmt einen bei der Hand und erklärt die Welt according to Dörner. Der Bezug zum eigenem Verhalten ist oft eklatant, sodass wir im Ergebnis bewusster agieren und vielleicht Fehler vermeiden, also auch ein aufklärerisches Buch.

5. Fazit:

„Bauplan einer Seele" ist ein hochinteressantes, detailliertes, lesbares und hilfreiches Buch.
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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. Juni 2007
Die Stärken von Dietrichs Dörners Ansatz liegen vor allem in seinem integrativen Potential: es ist schon beachtlich innerhalb eines Modells die unterschiedlichsten Felder der Allgemeinen Psychologie - wie Wahrnehmung, Motivation, Kognition und Emotion - derartig treffend zusammenfassen zu können. Dabei über den Tellerrand der klassischen Psychologie zu blicken ist eine weitere Stärke und gleichzeitig aber auch die zentrale Schwäche des Bauplans: Erklären lässt sich sicherlich viel mit dem kybernetischen Ansatz, die Frage ist nur wieviel Substanz dabei die einzelnen Erklärungen noch besitzen. Sobald sich Dörners Seelenmaschine nämlich in philosophische Höhen begibt wir die Luft zusehends dünner - bis zu einem asthmatischen Kollaps im Bereich der Religionskritik. Bei aller Liebe zu einem schlichten und verständlichen Wissenschaftsstil: Religionskritik zu betreiben ohne eine einzige religionswissenschaftliche Referenz (außer "Sophies Welt") ist doch gelinde gesagt etwas zu sorglos.
Alles in allem: ein in sich stimmiger Ansatz, der Grund zu manchem (produktiven) Ärger gibt.
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31 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. Juni 2005
Dietrich Doerner packt den Stier bei den Hoernern und wartet mit einer These auf, die wir alle schon gehoert haben, aber eigentlich nicht recht glauben wollen und auch nicht moegen: Der Mensch ist nicht frei. Ja, wir fuehlen uns frei, aber das ist eine Illusion. Alles, was wir denken, alles, was wir entscheiden und wer wir sind, all das laesst sich aus unserer Erziehung, Erfahrung und Vererbung begreifen.
Wenn wir denken, wir entschieden uns frei, dann ist das eine Illusion, und in Wirklichkeit entscheidet fuer uns - unbewusst - jene Basis aus Erziehung, Vererbung und Erfahrung, die uns tagtaeglich lenkt.
Wenn wir nun zum Beispiel eine Schokolade nicht essen, obwohl wir eigentlich Hunger haben, und dabei gluecklich, befriedigt denken, dass wir hier bewiesen haben, wir seien frei, dann, so Doerner, irren wir uns. Denn unser Koerper entscheidet fuer uns in jedem Augenblick danach, was fuer uns im Moment der optimale Zustand waere. Und wenn dieser optimale Zustand im Moment darin besteht, dass wir uns gut fuehlen, weil wir uns bewiesen haben, dass wir stark und frei sind, dann ist dies eben die optimalste Entscheidung in diesem Moment.
Augenwischerei? Ganz und gar nicht. Doerner legt in diesem grossen Buch alles nieder, was wir als Entscheidungsbasis fuer einen Prozess - unbewusst oder bewusst - heranziehen. Er erklaert, warum Menschen die Illusion haben, sie seien frei (denn das kann man sich ja fragen: Warum gaukelt uns die Natur einen freien Willen vor?), und er erlaeutert alle Raedchen und Parameter, die zu unserem Ich-Bild und der Entscheidung des Ichs fuer oder gegen etwas beitragen.
Ein ganz wunderbares, herrlich durchdachtes, logisches Buch, viele gute kluge Kapitel. Eine gute Gliederung und ein langer Index ermoeglichen dem Leser, auch einfach Abschnitte zu lesen oder das Buch sogar als Nachschlagewerk zu nutzen.
Aber natuerlich besonders als Gesamtwerk zum Lesen am Stueck ist es zu empfehlen - sehr lesenswert als Plaedoyer fuer den unfreien Willen und dann zuletzt aber mit einem Ausweg aus der Verzweiflung ueber unsere Unfreiheit und einer Idee, wie wir damit dennoch gluecklich werden koennen!
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19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. Dezember 2003
Der Autor Dietrich Dörner geht sehr sorgfältig bei seinem Plan vor. In den ersten Kapitel werden zahlreiche bei diesem Projekt kritische Begriffe untersucht und erläutert. So gibt es gleich zu Beginn ein eigenes Kapitel über Leib und Seele mit einer gewagten, mutigen Definition des abstrakten Begriffes Seele. Es folgen Untersuchungen rudimentärer Instinkte bei Grabwespen, die eher mechanisch, als biologisch auf den Leser wirken. Die Welt im Kopf wird der Wirklichkeit gegenübergestellt und die Unterschiede werden detailliert herausgearbeitet.
Nachdem das Fundament an Wissen gelegt ist, geht es weiter mit darauf aufbauenden Begriffen, wie Bedarf und Motive, Sprechen und Handeln. An Ende steht die notwendige Selbstreflexion, das Erkennen des Ichs. Das Buch enthält zahlreiche rhetorische Fragen, die auf den Leser provokativ und unterhaltsam wirken, aber geschickt ausgewählt sind, um Problemzonen auszuleuchten. Nützlich und hilfreich sind ebenfalls die eingesetzten Abbildungen und deren Unterbildtexte zum Visualisieren von abstrakten Vorstellungen. Überhaupt strotzt das Werk vor didaktischen Qualitäten. Der Leser fühlt sich in eine Universitätsvorlesung über ..... Ja über was eigentlich? Ist das ein Vortrag über Psychologie, Philosophie oder gar Robotermechanik?
Der Autor setzt sich aufgrund des gewählten Thema mit einer Vielzahl von Wissenschaften und Themengebieten auseinander. Er stellt die notwendigen Verbindungen her, ist Erfinder, Planer, Erbauer, Philosoph und Psychotherapeut. Das was da im Buch entsteht, ist das ein Produkt, ein Kind, ein Prometheus? Funktioniert das Gebilde überhaupt und gibt es irgendwo einen Prototypen? Diese Fragen gehen an dem Projekt vorbei. Es geht sicher nicht darum den Bauplan umzusetzen, sondern es gilt den Plan, der hier vorliegt zu verstehen, zu diskutieren und möglicherweise zu verbessern. Das Buch ist Anstoß und Einblick.
Mit dem gewagten Titel provozierte der Autor sicher ganze Herscharen von Kritikern und hat das wohl auch beabsichtigt. An Titel und Inhalt des Buches ist nichts auszusetzen. Hier ist ein mutiges, lehrreiches Produkt entstanden, das nach Diskussionen und Fortsetzung verlangt. Egal wie der Leser zu der Realisierbarkeit des Projektes steht, die Technologie in Raumfahrt und auf dem Gebiet der Robotermechanik haben sicher nicht nur Teile dieses Buches bereits in Angriff genommen, sondern auch schon umgesetzt.
Das umfangreiche Werk enthält ein sehr detailliertes Inhaltsverzeichnis und am Buchende ein hervorragendes weiterführendes Literaturverzeichnis zu diesem interessanten Thema. Ein Sach- und ein Namensregister fehlen ebenfalls nicht.
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17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 21. April 1999
"Bauplan einer Seele" stellt das Extrakt einer vollkommen neuen und bisher noch zu seltenen Forschungsweise in der Psychologie dar. Im vorliegenden Buch wird ein Modell vom Funktionieren der gesamten menschlichen Psyche vorgestellt. Untermauert durch empirische Belege wird eine Theorie dargestellt, wobei sowohl auf sehr globaler Ebene, wie z.B. Weltbilder, als auch auf sehr spezifischer Ebene, der der Neuronenverschaltungen, argumentiert wird. Deutlich wird dadurch, daß der Verfasser der Theorie, Dietrich Dörner, immer wieder den Anspruch an sich stellt, ein umfassendes Konzept vom GANZEN Menschen zu erstellen und dabei gleichzeit konkret und überprüfbar zu bleiben. In bewundernswerter Weise gelingt ihm die Integration so verschiedener, psychischer Modalitäten wie z.B. "Gefühle", "Funktionsweise der Netzhaut", "Wirkung von Witzen" oder "Sprechen". Das Buch ist wegen seiner Vielseitigkeit an psychologischen Themen, der Vielzahl an Beispielen, der anschaulichen Sprache und seines Witzes bei gleichzeitiger Wissenschaftlichkeit für jeden interessant: Vom Hundeliebhaber (zahlreiche Beispiele ziehen sich konsequent durch die 830 Seiten) über den Marienverehrer (S.732 "Evas Apfel") bis hin zum Wahrnehmungspsychologen (S.145, Hypercept-Prozeß). Viel Spaß beim Lesen!
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27 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 3. Mai 2003
Dietrich Dörners äußerst umfängliches Werk ist nichts für den eiligen Leser. Es geht darum, eine Maschine namens Phi zu bauen, die alles kann, was Menschen auch können: Wünsche, Glauben, Motivationen haben, Musik lieben, willensfrei handeln etc. Deswegen sollte es sich jeder zu Gemüte führen, der mit der Programmierung von Kognitionsmodellen in irgendeiner Form zu tun hat. Im Grunde ist es auch ganz gut zu lesen, allerdings muß man als Nichtpsychologe mit der gewaltigen Materialfülle fertig werden. Leider erlebe ich, der ich Computersimulationsmodelle für historische Forschungszwecke einsetzt, immer wieder unter rein geisteswissenschaftlich ausgebildeten Fachleuten, daß die Vorstellung von der Einzigartigkeit des gefühls- und intellektbegabten Menschen zu dem Fehlschluß führt, daß er nicht simulierbar sei. Ärgerlicherweise wird dieser Ansatz gerne auch noch mit einem fast schon totalitär wirkenden moralischen Anspruch gegen vermeintliche Sozialphysik vertreten. Man wünschte sich, alle hätten sich einmal Dörners Werk angesehen, weil es diese Scheinwidersprüche gnadenlos offenlegt und Phi baut, ohne in einen forschungsgeschichtlich überholten Funktionalismus zu verfallen. Leider dürfte sein Umfang einer sehr weiten Verbreitung im Wege stehen.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. November 2007
Sehr gut lesbar, obwohl das Buch so lang ist. Eine sehr interessante Sicht, die beim Lesen anderer Bücher immer wieder hilft: Das dargestellte Modell ist sehr eingängig. Besonders begeisterte mich die Behandlung übergreifenden Wissens, da mich an anderen Büchern oft geärgert hatte, daß die Einbettung in ein Ganzes schwer fiel.
Aufgrund der Buchlänge versuchte der Autor, einige Passagen abzusetzen, damit der nur grob interessierte dise überspringen kann. Selbst diese Teile waren interessant und einfach verstänlich.
Ich bin sehr interessierter Laie und hatte vor dem Buch 8-10 andere Psychologiebücher gelesen. Ich habe den Eindruck dieses hat mich am schnellsten weitergebracht. Auch jetzt - nach dem Lesen weiterer Bücher - ist mir das Modell immer noch sehr klar im Kopf und ich nutze es um neue Theorien dort einzubetten.
Was aus meiner persöhnlichen Sicht noch stärker hätte hervorgehoben werden können sind Gefühle/Seele (was jedoch schon in 1 Kapitel vorkam). Das Kapitel über Sprache war meiner Meinung nach weniger fundiert als andere.
Vielleicht könnten Spiegelneurone auch gut mit in das Modell aufgenommen werden, um noch detaillierter erstaunliche soziale Aspekte mit einzubringen?
Mit den winzigen Abstrichen eines der besten Fachbücher, die ich je gelesen habe. Vielen Dank dafür.
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21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. Mai 2001
Ein Leckerbissen der populärwissenschaftlichen Literatur - und eine Offenbarung für mich, der ich trotz Wissen um Neurobiologie und künstliche Intelligenz (KI) erst hier verstanden habe wie Bewußtsein funktioniert: Von Searles "chinesischem Zimmer" ist nichts mehr übrig!
Das Buch verlangt etwas Verständnis für neuronale Schaltungen, dafür entschädigt es mit dem profunden Eindruck, dass alle wesentlichen Ergebnisse durch Computer-Experimente untermauert sind. Beeindruckend ist die zwanglose Parallele der Entwicklung des "Bauplans" mit der Evolution des Gehirns. Marvin Minskys "Mentopolis" bekommt hier - gerechterweise - das Gewicht einer Fußnote.
Sehr empfehlenswert nicht nur für kognitive Psychologen und KI-ler...
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Als ich anfing Psychologie zu studieren, wurde ich überhäuft mit den unterschiedlichsten Theorien und Modellen, die mehr oder weniger zusammenhanglos nebeneiander standen. Zu allem Übel wurde der Mensch, seine Psyche, auch noch ohne ersichtlichen Grund in einzelne wissenschaftliche Arbeitsfelder gegliedert: Wahrnehmung, Denken, Emotion, Motivation... - als ob diese Begriffe untereinander überhaupt keinen Bezug hätten. Was ich aber leidenschaftlich wünschte, war, den Menschen zu verstehen, natürlich nicht in einem radikal reduktionistischen Sinne, denn menschliches Erleben und Verhalten läßt sich nicht auf 3 oder 4 fundamentale Gesetzmäßigkeiten herunterbrechen. Aber ich hätte es mir von ganzem Herzen gewünscht, all die Einzelerkenntnisse, zumindest als Theorie, in einem Gesamtzusammenhang, einem System, dargestellt zu sehen.

Erst als ich schon im Hauptstudium war, kam Dörners Buch heraus. Für mich war es eine Offenbarung. Natürlich, mit kybernetischer Rückkoppelung lässt sich nicht alles erklären, und die Wahrnehmung lässt sich wohl leichter mit neuronalen Netzen als mit Kybernetik modellieren. Dennoch: nachdem ich die ersten Seiten gelesen hatte, geriet ich förmlich in Aufregung. Das war es, was ich mir immer von einem Psychologie-Studium erhofft hatte: Einen "Bauplan" der Seele, fortschreitend von den einfachsten Bedürfnis-Rückkoppelungen bis hin zu den höchsten Stufen der Selbstreflektion!

Es stimmt, dass die ersten Kapitel des Buches schlüssiger sind als die letzten, offenbar, weil der Autor sich auf manchen Gebieten besser auskennt als in anderen. Aber es bleibt der Eindruck, man könne auch die komplexesten Ebenen und die staunenswertesten Eigenheiten der Psyche durch geschickte Verknüpfung systemtheoretischer Elemente nachahmen. Es steht schließlich jedem frei, aus Dörners dickem Buch entsprechende Hypothesen abzuleiten und diese empirisch zu prüfen. Wer Dörners Versuch von vornherein einfach aus einem Bauchgefühl heraus Schwächen attestiert, überschätzt einerseits den Anspruch dieses Sachbuches und zeigt andererseits einen Mangel an wissenschaftlicher Redlichkeit.

Mit diesem Buch zeigt sich erneut, dass unsere Max-Planck-Institute immer noch große und unabhängige Geister hervorbringen (Dörner arbeitete lange Zeit am MPI für Psychologie).
Das Buch kann man jedem empfehlen, es sind nur wenige Vorkenntnisse erforderlich.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 16. Dezember 1998
Der Mensch - eine Maschine? Im 18. Jahrhundert reagierte dasPublikum auf diese These empört(Julien Offray de LaMettrie: L'homme machine), im frühen 20. Jahrhundert immerhin noch amüsiert-irritiert (Charlie Chaplin: Modern Times). Zu groß scheint die mit dieser Ansicht verbundene Ent-Täuschung, die den Menschen in das Reich des bloß Mechanischen zu degradieren scheint. Der renommierte Bamberger Psychologe Prof. Dr. Dietrich Dörner unternimmt nun einen ebenso grundlegenden wie mutigen Versuch, die Maschinen-Metaphorik nüchtern, doch nicht ohne großes Einfühlungsvermögen gegenüber den Situationen und Befindlichkeiten des Alltags, dabei durchgängig wissenschaftlich kontrolliert produktiv für menschliches Selbstverständnis ein- und umzusetzen. "Bauplan für eine Seele" erzählt in allgemeinverständlicher Sprache den Werde- und Bildungsgang einer kleinen virtuellen Dampfmaschine namens "Psi", deren gelbes Gehäuse zunächst nur von so basalen Bedürfnissen wie der Aufnahme von Treibstoff und der Selbsterhaltung vorangetrieben wird. Um sich in einer komplexen Umwelt behaupten zu können, erwirbt "Psi" sukzessive höhere Fähigkeiten, bis es schließlich dahin gelangt, seine Welt und sich selbst zu versprachlichen, reflexives Bewußtsein zu entwickeln und sich schließlich im Austausch mit ArtgenossInnen als Gemeinschaftswesen zu verstehen. Humorvoll und anekdotenreich läßt der Autor diese Entwicklungsgeschichte zu einem unterhaltsamen Spaziergang durch Geschichte und Gegenwart der Psychologie geraten. Insbesondere wird deutlich, daß die Maschinen-Metaphorik nicht unbedingt zur Entmenschlichung des Menschens führen muß, sondern umgekehrt - auf die erwähnte menschlich-intelligente Weise angewandt - auch zu einem besseren Verständnis unserer selbst als Wesen beitragen, die sich selbst mit ihrer Kreativität wie auch mit ihrer notwendigen Begrenztheit annehmen müssen und auch können.
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