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5.0 von 5 Sternen Ausgewogene Blicke auf eine unausgewogene Persönlichkeit, 12. April 2009
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Rezension bezieht sich auf: Wittgenstein, Ludwig (Taschenbuch)
Rowohlts Bildmonographien zu den Philosophen fallen, was das Verhältnis zwischen Darstellung von Leben und Einführung ins Denken angeht, recht unterschiedlich aus. Wer sich z.B. von Franz Wiedmanns Monographie zu Hegel inhaltliche Einblicke in dessen Gedankenwelt verspricht, wird sie enttäuscht zurücklegen. Walter Biemels Buch zu Heidegger hingegen legt den Schwerpunkt auf die Vermittlung von Heideggers Philosophie. Die von Kurt Wuchterl und Adolf Hübner gemeinsam verfasste Monographie zu Wittgenstein, die in diesem Jahr ihren dreißigsten Geburtstag feiert, ist wieder hauptsächlich biographisch angelegt. Hierfür gibt es freilich Grund genug, kann man doch Wittgensteins Leben ohne Übertreibung als äußerst abwechslungsreich und seine Persönlichkeit als schillernd bezeichnen: Als Sohn eines der reichsten Männer des Österreichs der Donaumonarchie, dem Großindustriellen Karl Wittgenstein, wächst er in einem familiären Milieu auf, das von zahlreichen kulturellen Impulsen geprägt ist. Im Hause Wittgenstein verkehren regelmäßig bedeutende Musiker und Komponisten wie Gustav Mahler, Johannes Brahms, Clara Schuhmann und Richard Strauß. Das Vermögen, das Wittgenstein nach dem Tod des Vaters erbt, verschenkt er in Gänze. Von seinen vier Brüdern begehen die drei älteren Selbstmord; Paul, der jüngere Bruder, wird berühmter Pianist. Von der philosophischen Lehrtätigkeit, die er in Cambridge ausübt, abgesehen, nimmt er im Laufe seines Lebens die unterschiedlichsten Berufe bzw. Stellen an, vom Volksschullehrer über den Job eines Klostergärtners zum Krankenpfleger in einem Londoner Hospital. Als Soldat im ersten Weltkrieg kämpfend, schreibt er seine als "Tractatus logico-philosophicus" in die Philosophiegeschichte eingehende Abhandlung, deren Inhalte er wiederum später zu Teilen als Irrtum bezeichnen wird, um seine neue Auffassung von der Natur der Sprache in der als "Philosophische Untersuchungen" herausgegebenen Schrift niederzulegen, die zu den bedeutendsten sprachphilosophischen Werken des zwanzigsten Jahrhunderts gehören wird.
Hinzu kommt Wittgensteins Persönlichkeit, in der Wuchterl und Hübner nicht zu Unrecht "widerspruchsvolle[n] Charakterzüge", "Ungereimtes, ja Paradoxes" entdecken (S.7).
Stoff genug also für jeden Biographen. Gefahr oder zumindest Anreiz allerdings auch zur Legendenbildung, zu Übertreibungen und Verklärungen. Obwohl sie von Wittgenstein als einer Existenz "erregender Faszination" (S.132) und einem "faszinierende[n] Lebensweg" (S.7) sprechen, verfallen die beiden Autoren dieser Verführung jedoch nicht; fast schon im Gegenteil widmen sie sich ihrem "Gegenstand" aus der gebotenen sachlich-nüchternen Distanz. Dabei wird Wittgensteins Bedeutung sicherlich nicht durch die Feststellung geschmälert, dass gewisse "Erkenntnisse, die man zunächst Wittgenstein zugeschrieben hat [...] als Weiterentwicklungen oder als Parallelismen von Gedanken anderer erkannt" wurden, etwa die Rolle des Sprachgebrauchs bei Peirce (S.80). Aus seinem Verzicht auf das Millionenerbe auf eine sozialkritische, gar sozialistische Gesinnung zu schließen, sei abwegig, zumal er das Vermögen "nicht für karitative Zwecke" verwendete (S.85), eine Beobachtung, die in ihrem Kern sicher nicht dadurch erschüttert wird, dass Wittgenstein Teile seines Vermögens Künstlern wie Trakl, Rilke und Kokoschka gab (S.52f). Zu den wichtigsten Voraussetzungen des Versuchs, ein - soweit dies eben geht - objektives Bild Wittgensteins zu entwerfen, gehört sicherlich das Quellenmaterial. Hier erfuhren die Autoren eine "weitreichende Unterstützung durch Dr. Thomas Stonborough-Wittgenstein" (dem Sohn von Wittgensteins Schwester Margarete), der neben seinem Wissen über Familienverhältnisse vor allem Material aus Familienchroniken, Briefe und sonstige Dokumente zur Verfügung stellte (S.8).
Von Wittgensteins Philosophie erhält der Leser (wie bereits angedeutet) bloß eine grobe, skizzenhafte Vorstellung. Die Bedeutung des Tractatus bestehe darin, dass hier zum ersten Mal "die Philosophie ganz im Medium der Sprache erscheint" (S.74). Näher besehen handele es sich dabei um eine "Grenzziehung zwischen klar Sagbarem und Unsinn" (S.75). Diese Aufgabe verbinde zudem Früh- und Spätphilosophie. Auch in letzterer gehe es um "die Aufklärung von sprachlichen Mißverständnissen in allen möglichen philosophischen Fragestellungen und damit um die Begrenzung des Sagbaren" (S.83). Hierbei können die Autoren anschaulich, sprich textuell, belegen, dass für Wittgenstein philosophische Scheinprobleme und Verwirrungen vor allem durch Hypostasierungen und falsche Analogiebildungen (S.117f und 124) entstehen, etwa die Behandlung von Bewusstseinsakten nach der Art von Gegenständen. Bei einem Buch dieses Formats kann bei der inhaltlichen Wiedergabe der Philosophie naturgemäß vieles nur gestreift werden. Einziges Manko ist vielleicht, dass die Autoren das Problem des Regelbefolgens völlig auslassen - vielleicht ist das damit zu erklären, dass die Bedeutung dieses Theorems insbesondere im Zusammenhang mit dem so genannten Privatsprachenargument erst später (durch die Arbeiten von Kripke) erkannt wurde. Auf jeden Fall gilt, dass jedem, der sich einen kompetenten Überblick über Leben und Persönlichkeit von Ludwig Wittgenstein verschaffen möchte, das exzellent recherchierte und mit Augenmaß geschriebene Buch von Wuchterl und Hübner auch nach nunmehr dreißig Jahren wärmstens empfohlen werden kann.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zeugnisse eines spannenden Daseinsverlaufes, 17. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Wittgenstein, Ludwig (Taschenbuch)
Kurt Wuchterl (geb. anno 1931) arbeitete seit 1982 als Professor für Philosophie an der Universität Stuttgart; Adolf Hübner (1929 - 1998) arbeitete als Tierarzt und Nuklearbiologe und gründete die "Österreichische Ludwig-Wittgenstein-Gesellschaft". Diese beiden Autoren verfertigten die vorliegende Monographie über Ludwig Wittgenstein (1889 - 1951), in der sie nicht nur dessen geschriebenen Worte und Gedanken wiedergeben, sondern versuchen, den äußeren Werdensweg Wittgensteins mit dessen innerer Entwickelung einbezüglich darzustellen.
Es gelingt ihnen, den spannenden Verlauf des Daseins Ludwig Wittgensteins mit äußeren wie inneren Meilensteinen und Stationen angenehm vorzustellen. Angefangen in der Geburtsstadt Wien, zieht der gewundene Weg über die Orte des ersten Weltkrieges (an dem Wittgenstein auf Seiten Österreichs teilnahm, schließlich Offizier wurde und mehrfach wegen Tapferkeit ausgezeichnet wurde), einer Zeit als Volksschullehrer in entlegenen Alpenorten (Trattenbach, Puchberg, Otterthal) und einer Episode an einer noch entlegeneren Förde ("Sognefjord" bei Skjolden) in Norwegen, und in Island, Irland bis schließlich nach Cambridge in England.
Geprägt von den Gedanken Gottlob Freges, kam Wittgenstein mit Bertrand Russell zusammen, dessen Arbeit er mittels seines Logikvermögens befruchtete oder auch durch respektlose Einwände lähmte. Man setzte sich dafür ein, Wittgenstein in Cambridge einen Lehrstuhl einzuräumen, was auch geschah. Seinen "Tractatus logico-philosophicus" (1918) nahm man als Dissertation, für die er den Doktortitel empfing, der für die Lehre an der Universität unverzichtbar war/ist. Den Unterricht aber empfanden seine Schüler als langatmig und monoton. Quälend langsame Gedankenfolgen und Denkzerlegungen auf der Suche nach echter Gewissheit. Nie fand er sie, es sei denn innerhalb der Mathematik. Dass diese aber kein Instrument zu 'r Gewinnung der Erkenntnis der unveränderlichen Wahrheit ist, sondern nur ein Denkgefüge, dessen Elemente nur vergängliche Getrenntheiten benennen und deren Größenverhältnisse oder Veränderungsgrößen ermitteln, fiel ihm nicht auf. Er dachte die Logik als "Wissenschaft", nicht lediglich als Denkgefüge, und behauptete die ganze Philosophie sei "die Lehre von der Form wissenschaftlicher Sätze". Was nicht für die ganze Philosophie zutrifft. Eben so wenig, wie sein erster Satz aus dem "Tractatus": "Die Welt ist alles, was der Fall ist.", denn Wittgenstein lässt unbestimmt, was er zu den Namen 'Welt' und 'Fall' hinzudachte. Die "eine weite Welt" der Umgangssprache existiert nicht.
Am Ende starb er drei Tage nach seinem 62. Geburtstag an Krebs.
Die Aufzeigung des spannenden Daseinsverlaufes Wittgenstein gelingt den beiden Autoren vortrefflich. Die Erörterung der Denkprobleme etwas zu folgsam den Deutungen Wittgensteins.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Guter Ueberblick, 26. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Wittgenstein, Ludwig (Taschenbuch)
Wie immer liegt auch mit dieser rororo Monographie eine exzellente Uebersicht ueber das Leben und Werk eines Denkers vor; hier: Ludwig Wittgenstein.

Geboren in Wien in eine reiche Grossfamilie wuchs Ludwig als einer der juengeren Brueder eigentlich unauffaellig auf. Waehrend seine aelteren Geschwister musizierten (teilweise mit Brahms und Mahler) oder Schopenhauer diskutierten ( wie seine aeltere Schwester), widmete Ludwig sich, wie sein Vater, zunaechst der Drehbank und dem Ingenieurwesen. Erst spaet entstand in dem Jungen ploetzlich das Bedurfnis, sich kritischer und intensiver mit der Frage auseinanderzusetzen, was "Erkenntnis bedeutet". Im Umkreis des Wiener Kreises, aber bewusst eigenstaendig, und in Naehe zur mathematischen Logik, entwickelte der junge Wittgenstein schliesslich sein erstes und zu Lebzeiten einzig veroeffentlichtes Buch, den "Tractato logico-philosophicus", ein positivistisches Werk ueber die Moeglichkeit dessen, was erkannt werden kann, und ueber das Werkzeug, mit dem dies zu bewerkstelligen sei.

Fuer Wittgenstein wurde frueh die Sprache relevant: Waehrend in fruehen Phasen nur das Aussprechbare zum Diskussionsgegenstand werden durfte, wurde es ihm spaeter wichtig, dass die Bedeutung der Worte sich erst aus dem Kontext erschliessen liess.

Fuer die Philosophen um Moritz Schlick wurde er so zum wichtigen Vorkaempfer. Wittgenstein studierte bei Bertrand Russell und knuepfte weitreichende Kontakte. Dennoch litt er zeitlebens unter Depressionen und manischen Anfaellen. Alle seine Brueder begingen Selbstmord und auch er hat in seinem Leben viel daran gedacht. Einige Lebensjahre verbrachte er philosophiefern, einmal war er Dorfschullehrer, einmal Architekt, bis er zurueckkehrte und die zweite Phase seiner Philosophie eroeffnete, in der er auch in Cambridge unterrichtete.

Insgesamt sehen wir in diesem Band - der wieder viele gute Fotos und Literaturhinweise enthaelt, einen zerrissenen Menschen vor uns, dessen Werk zum Sockel mancher philosophischer Bewegung weden sollte.

War Wittgenstein nun so brilliant? Wird er zurecht mit Nietzsche (dem Dichterphilosophen) oder Schopenhauer (dem Begruender der westlichen Philosophie der Kontemplation) verglichen?

Der Autor dieses Buches bejaht es, der Leser bleibt vielleicht kritisch.

Dieses Buch als Einsteig und Uebersicht ueber Leben und Werk sei (vielleicht gerade deswegen) sehr empfohlen.
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Wittgenstein, Ludwig
Wittgenstein, Ludwig von Adolf Hübner (Taschenbuch - 11. Mai 1979)
EUR 7,50
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