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5.0 von 5 Sternen
Sensible Einführung in Leben und Werk, 23. Januar 2003
Rezension bezieht sich auf: Schopenhauer, Arthur (Taschenbuch)
"Wenn alle Menschen dächten wie ich, so würde überhaupt mehr gedacht, und es gäbe dann wahrscheinlich weder Bankrotte noch Kriege..." wird Schopenhauer in dieser Monographie zitiert. Ein sicher wichtiger Grund, sich diesem Buch zu nähern.
Von den ca. 48 rowohlt-monographien, die ich bisher gelesen habe, scheint mir dies die sensibelste zu sein. Vielleicht liegt es daran, dass der Autor - Walter Abendroth - sich als bekennender "Schopenhauerianer" ausweist. In einer Vorbemerkung wird auch gleich darauf hingewiesen, dass es wohl nicht im Sinne Schopenhauers wäre, sich dem Werk nur aus zweiter Hand zu nähern. Schopenhauer und Abendroth fordern daher ausdrücklich, die Werke im Original zu lesen! Dem schließt sich der Rezensent an.
Die Zeittafel ist unglaublich konzise und gehaltvoll - dies zeigt wie souverän Abendroth seine Materie kannte. Auf circa 16 Seiten wird in dem 1967 erstmals publizierten Buch das Hauptwerk "Die Welt als Wille und Vorstellung" zusammengefasst. Aus meiner Sicht ist dieser wertvollen Zusammenfassung auch heute nichts hinzuzufügen. Abendroth hat die Kerngedanken der Schopenhauerschen Philosophie voll erfasst.
Gleichzeitig wird das Leben des Menschen Arthur Schopenhauer spannend und facettenreich erzählt. Was hat es mit der "Affäre Marquet" auf sich? Was hat es mit der Frau auf sich, die Schopenhauer liebevoll "Prinzeßchen" nannte? Wer wurde in seinem Testament berücksichtigt?
Für wenige Euros wird man kostbare Antworten reicher. Und vielleicht wird auch "überhaupt mehr gedacht"...
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5.0 von 5 Sternen
Schopenhauer in Werk und Leben, 7. September 2005
Rezension bezieht sich auf: Schopenhauer, Arthur (Taschenbuch)
Diese Schopenhauer-Monographie halte ich fuer eine sehr qualifizierte Einfuehrung in das Leben und Werk Schopenhauers. Walter Abendroth stellt hier neben Fakten des Lebens auch Briefe, Zitate, dann aber auch ein eigenes Kapitel, in dem er den Inhalt von Schopenhauers wichtigstem Werk "Die Welt als Wille und Vorstellung" nicht nur grob wiedergibt, sondern wirklich zu erklaeren versucht, indem er gezielt zitiert und Zitate anhaeuft an Stellen, wo Inhalte schwer verstaendlich sind.
Er will - das schickt er der Biographie voraus - keinesfalls mit dieser kleinen Einfuehrung den Menschen Schopenhauer und sein Werk ganz fassen. Vielmehr moechte er im Leser Lust erwecken, sich weiter mit der Philosophie dieses 1788 geborenen Denkers auseinanderzusetzen. Dies gelingt. Durch wunderbare Quellenangaben, gezielte Zusammenfassungen und Hinweise auf weiterreichende Lektuere hat diese Biographie den Charakter eines Sprungbretts.
Schopenhauer wird sichtbar als ein Mensch, der aus seiner eigenen Biographie resultierend, die Erfahrung dem Lesen vorzog, das pralle Leben dem Gebildetentum. Nach einer Kaufmannslehre, die er bald abbrach, reiste er viel, studierte dann in Weimar, machte die Bekanntschaft Goethes, Herders und Fichtes, bis er schliesslich sein eigenes grosses Werk schrieb: Die Welt als Wille und Vorstellung.
Hinter allem, so Schopenhauer, steckt ein "Wille". Dieser Wille tritt uns in seiner Objektivierung (in den "Dingen") entgegen. Wir sehen nur seine Erscheinung, nie ihn selbst... normalerweise. Dann aber, wenn wir uns willenlos fallen lassen in der Betrachtung eines Objektes, koennen wir vordringen bis zum dahinterliegenden Willen, bis zur "Idee" hinter dem Objekt. Dies, so Schopenhauer, ist die Aufgabe der Kunst. Und keiner Kunst gelingt unmittelbarer die Darstellung des Willens, als der Musik, die ihren Ursprung nicht in Erscheinungen hat, die ein Kuenstler durchdringen musste, um zur Idee zu gelangen.... sondern in der der Wille sich unmittelbar offenbart.
Schopenhauer, der so oft als Nietzsches dunkler Vorgaenger abgestempelt wird als duesterer Rufer aus der Wueste, erscheint uns hier als nachdenklicher, kuensterlisch-schaffender Geist, der an der Banalitaet der Welt und der Menschen litt, strengste Ansprueche stellte an die Menschen, die er verehrte... und zu Lebzeiten erst langsam Anerkennung erlangte fuer ein Werk, das dem modernen aufgeklaerten Menschen auch heute noch zeigt, dass es vielleicht doch nicht unbedingt bloss die Naturwissenschaften sind, die uns zur tieferen Erkenntnis ueber unsere Welt fuehren - und welche fundamental wichtige Rolle die Kunst, das Kontemplieren und das Genie spielen koennen.
Lesenswert.
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