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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zwischen Mut und Scham
Ich erinnere mich noch erstaunlich gut an meine Schluckimpfung. Ich sehe den blau eingefärbten Zuckerwürfel noch vor mir. Der Arm, der mir den Würfel reichte, war überraschend behaart. Der Würfel, der haarige Unterarm, die tiefe Männerstimme (die mich beruhigen wollte), die große Sporthalle in der das alles stattfand, die vielen, vielen...
Vor 23 Monaten von Bernhard Horwatitsch veröffentlicht

versus
10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Solide. Aber etwas blutarm.
Philip Roth erzählt in "Nemesis", einem in puncto Umfang überschaubaren, kurzen Roman, der eher eine Novelle gleicht, die Geschichte des engagierten jüdischen Sportlehrers Bucky Cantor. Das Besondere an diesem Buch speist sich auch aus dem geschichtlichen Kniff Roths, der zum einen von der Polio-"Epidemie", jener grassierenden "Kinderlähmung" in den...
Veröffentlicht am 21. Januar 2012 von Gordian Ezazi


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5.0 von 5 Sternen Wieder ein großes Werk von Philip Roth- seine Hauptfigur hadert mit einem als grausam erlebten Gott, 1. Februar 2011
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Nemesis: Roman (Gebundene Ausgabe)
'Nemesis', der neue Roman des großen amerikanischen Schriftstellers Philip Roth, der schon lange den Literaturnobelpreis verdient hätte, ihn aber wohl nie erhalten wird, sticht unter seinen letzten Büchern heraus. Zunächst ist man nämlich, auch weil die Handlung 1944/45 spielt und es um ein Geschehen in Newark geht, versucht, das Buch für ein bisher unveröffentlichtes Frühwerk zu halten.

Und dennoch ist es nach seinen eigenen Aussagen der letzte, abschließende Teil einer Reihe, die er selbst 'Nemeses' nennt, eine Reihe, die mit 'Jedermann (2006) begann und dann im jährlichen Rhythmus von 'Exit Ghost' (2007), 'Empörung' (2008) und 'Die Demütigung' (2009) ergänzt wurde.

Eine Reihe, in der der Autor die Themenkomplexe Sterben, Altern, Krankheit, Unglück und Schuld im Großen wie im Kleinen beleuchtete und auf seine unverwechselbare und in ihrer Ausweglosigkeit
stellenweise schwer zu ertragenden Art beschrieb.
In 'Jedermann' kämpfte sein namenloser Protagonist gegen die Hinfälligkeit, in 'Exit Ghost' verschwand Roths jahrzehntelanges Alter Ego Nathan Zuckerman für immer von der literarischen Bühne. Und auch in den beiden letzten Romanen 'Empörung' und 'Die Demütigung' leiden die Hauptpersonen unendlich an ihrer zu Ende gehenden Existenz und ihren Aporien.

Der Protagonist von 'Nemesis', Bucky Cantor, hat diese Existenz zu Beginn des Buches durchaus hoffnungsvoll noch vor sich. Während seine Freunde, darunter auch viele Juden, so wie er, in Übersee gegen Nazideutschland kämpfen, ist er wegen eines Augenleidens vom Militärdienst befreit, was ihm schwer zu schaffen macht, denn auch er hat von den Gräueln der Nazis gehört. Doch zu Hause ist der Pädagoge und Sportler mit einem ganz anderen Kampf und mit ganz anderen Aporien konfrontiert.

Bucky Cantor muss mit ansehen, wie in seiner Heimatstadt Newark immer mehr ihm zum Feriensport anvertraute jüdische Jungen von dem Kinderlähmungsvirus befallen werden. Etliche von ihnen sterben. Die Stadt ist in Panik, Roths fiktive Schilderung (es gab 1944 keine solche Epidemie in Newark) hat zeitweise alttestamentarische Dimensionen.

Bucky flieht aus seinem Job in ein sicher geglaubtes jüdisches Ferienlager, wo auch seine Freundin Marcia Steinberg arbeitet. Als auch dort nach einiger Zeit die Polio ausbricht, fällt der Verdacht auf Bucky. Eine sofort angeordnete Untersuchung bestätigt den grausamen Verdacht und Bucky kehrt schon im Krankenhaus allem den Rücken. Nach seiner Heilung widersteht der nun behinderte Cantor allen Versuchen der ihn liebenden Marcia, an der Beziehung festzuhalten.

Wie eine Art moderner Hiob sucht er die Schuld nur bei sich und hadert mit einem Gott, an den er glaubt nach wie vor, dem er aber vorwirft, grausam zu sein. Weil die ganze Geschichte sozusagen parallel zu dem furchtbaren Geschehen in den Vernichtungslagern der Nazis spielt, ist man versucht, hier Verbindungen herzustellen, doch die führen nicht weiter, weil es, wie ich glaube, Roth darum gar nicht geht. Eher darum, zu zeigen, dass einer, der an den Gott der Väter (noch) glaubt, eben diese Theodizeeproblem bekommt.

Schon ziemlich am Anfang des Buches ist deutlich, dass es da einen Ich-Erzähler gibt, der aber lange anonym bleibt. Es ist Arnie Mesnikoff, ein jüdischer Junge, der zu Cantors Feriensportgruppe in Newark gehörte und ebenfalls an Polio erkrankte. Doch auch er, der als überzeugter Atheist vorgestellt wird, kann, als er lange Zeit später Bucky Cantor wieder trifft, dem zwar seine Geschichte entlocken, um sie der Nachwelt zu erzählen, ihn aber aus seinem Teufelskreis von Schuld und Selbstanklage nicht erlösen. Während Bucky weiter mit Gott hadert und scheitert, ist der Atheist Arnie ein erfolgreicher Geschäftsmann geworden, der behindertengerechte Wohnungen baut.

Das Buch ist spannend erzählt, sein Thema spricht an und bewegt. Ein Mann, der sich Nemesis, der Rachegöttin und ihrem Wirken ausgesetzt sieht, kommt anders als Hiob im Alten Testament aus dem Hadern mit Gott und aus der Hybris nicht heraus. Selbst die Liebe anderer Menschen kann ihn nicht retten, eine hoffnungslose Figur, der doch eine so hoffnungsvolle Zukunft offen stand.

'Nemesis', das sei abschließend bemerkt, ist einer der wenigen Romane aus dem Werk von Philip Roth, in der Sexualität, und insbesondere die schwierige Sexualität von in die Jahre gekommenen Männern, keine Rolle spielt. Auch das hat zu meinem Lesegenuss beigetragen.

Wie in vielen seiner Werke spielt Philip Roth in diesem Buch durchaus auf seinen jüdischen Familienhintergrund an. Doch er ist kein spezifisch jüdischer Autor. Sein Thema ist die gesamte amerikanische Gesellschaft, und weil er selbst einen jüdischen Hintergrund hat, gibt er vielen seiner Protagonisten einen ebensolchen. Doch in der Regel ist es für die Thematik und die Bedeutung seiner Romane nicht von erheblicher Bedeutung. Seine jüdischen Protagonisten beteiligen sich an keinerlei innerjüdischen Debatten oder gar religiös-politischen Auseinandersetzungen, etwa über die Politik die Bedeutung Israels, wie dies etwa die Figuren in Howard Jacobsons lesenswertem und preisgekröntem Roman 'Die Finkler-Frage' (DVA 2011) tun.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht der überzeugendste "Roth", 19. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Nemesis: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Nemesis" erzählt vom Ausbruch der Polio Epidemie in Newark Ende des zweiten Weltkriegs. Der Roman wird aus der Perspektive von Arnie Mesnikoff geschildert, der während der Epidemie als Kind an Polio erkrankte, die Erkrankung jedoch mit Gesundheitsschäden überlebte. Hauptfigur aber ist Bucky Cantor, ein junger Lehrer, der mit aller Macht versucht, die jüdischen Kinder, die er unterrichtet, darunter auch Arnie Mesnikoff, vor der oft tödlich verlaufenden Krankheit und ihren Folgen zu bewahren. Bucky hat es nie verwunden, dass er wegen seiner Kurzsichtigkeit nicht zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Daher sieht er in der Rettung der Kinder schnell eine Aufgabe. Aus diesem Grund wird er von vielen als Held gesehen. Als jedoch einige Kinder trotz seiner gutgemeinten Ratschläge, wie sie sich während der Epidemie zu verhalten haben, erkranken und teilweise sterben, wird er von einigen auch angefeindet. Buckys Freundin Marcia befindet sich zur Zeit des Ausbruchs der Epidemie fernab der tragischen Ereignisse in einem Camp, in dem sie jüdische Kinder beaufsichtigt, die dort ihre Sommerferien verbringen. Bucky verlässt trotz seines anfänglichen Vorsatzes, auf Gedeih und Verderb in Newark zu bleiben und für die Kinder da zu sein, die Stadt, um zu Marcia ins Camp zu kommen. Nachdem er einige Tage im Camp ist und die schrecklichen Ereignisse in Newark langsam verblassen und fast schon vergessen scheinen, zeigt eines der Kinder eindeutige Poliosymptome. Der bis dahin noch symptomfreie Bucky ahnt, dass er selbst die Krankheit ins Camp eingeschleppt haben könnte. Erneut sieht er sich dem schrecklichen Wüten der Polio ausgesetzt...

"Nemesis" ist meiner Ansicht nach nicht der stärkste Roman Roths. Die Hauptfigur Bucky Cantor wirkt nur allzu sehr in die Rolle des tragischen Helden gedrängt. Zwar gelingt Roth wie in den meisten seiner Romane ein überzeugender und dynamisch geschriebener Plot, der - was allerdings auch seinen Grund darin hat, dass das Buch nur 220 Seiten stark ist - völlig ohne Längen auskommt. Dennoch hat man trotz der plastisch dargestellten Tragik gerade Richtung Ende des Romans das Gefühl, dass Roth dem Leser seinen Helden erklären will. Denn nachdem Bucky sich für die ins Camp eingeschleppte Polio als verantwortlich ansieht und deswegen auch die Heirat mit Marcia ausschlägt, lässt Roth Arnie Mesnikoff über das Wesen und den Charakter Buckys nachsinnieren. Bucky habe aus übersteigertem Pflichtgefühl gehandelt und zudem zu geringe geistige Statur. Das Einschleppen der Polio werde von Bucky daher als ein von ihm selbst verübtes Verbrechen angesehen. Sein Heldentum bestehe letztlich auch darin, sich die Erfüllung seiner größten Sehnsucht, die Liebe zu seiner Freundin Marcia, selbst versagt zu haben. Dieses Resümee überzeugt meiner Meinung nach nicht und dürfte die wohl eklatanteste Schwäche des Romans sein. Denn hier wird das Bild von Bucky, wie man es von Beginn des Romans selbst hatte, wieder relativiert, zumal die angeblich geringe geistige Statur dem Leser an dieser Stelle völlig neu ist. Genau da stellt sich die Frage, warum Roth diese Befunde nicht schon von Anfang an in dialogischer Form in den Roman eingeführt hat, anstatt sie als Annex zum Geschehen anzuführen. Ungeachtet dieser nicht ganz unproblematischen Punkte ist "Nemesis" sehr lesenswert. Insgesamt daher vier Sterne!
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Roth ist eine Klasse für sich..., 6. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Nemesis: Roman (Gebundene Ausgabe)
"...Ein düsteres Meisterwerk ... eine spannende, bewegende und minuziös recherchierte Geschichte. Einmal mehr bewundert man die Souveränität dieses geborenen Erzählers (..) "Bewegend, radikal, meisterhaft: Der neue Roman von Philip Roth geht unter die Haut. ... Der Held Bucky Cantor erscheint uns als Opfer einer unbegreiflichen Tragödie, die niemanden, der diesen finsteren, wahrhaft großartigen Roman liest, unberührt lässt. Auch wenn es allmählich langweilig wird, Philip Roth zu loben: Er ist der Größte..."

Dieser Auszug aus der Produktbeschreibung von Amazon ist absolut treffend und keinesfalls übertrieben. Lesen Sie dieses beeindruckende Werk! Oder besser noch, lassen Sie es sich von dem kongenialen Sprecher Joachim Schönfeld (audible.de) vorlesen, Sie werden es nicht bereuen...
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1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Literarisch angehauchter Schüleraufsatz, 6. April 2012
Von 
Grüner Baum - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Nemesis: Roman (Gebundene Ausgabe)
In dem Buch geht es um eine fiktionalie Polio-Epedemie in Newark / New York im Jahr 1944. Der junge Sportlehrer Bucky Cantor beaufsichtigt Kinder in einem Sommercamp, in dem ein Kind nach dem anderen krank wird. Er ist betroffen von den Opfern, hat Angst vor einer eigenen Erkrankung und sinniert über die den Schrecken der Krankheit und hadert mit Gott, wie dieser es zulassen kann. Nach einiger Zeit bekommt er das Angebot, stattdessen mit seiner Verlobten in einem anderen Sommercamp in den Bergen zu arbeiten und überlegt dieses anzunehmen...

Das Buch ist ziemlich schwach. Die eigentliche Handlung ist äußerst dürftig und mit obigen Sätzen schon ziemlich komplett beschrieben (bis auf das, was sich hinter den Pünktchen versteck). Daneben gibt es noch ein ausführliche Figuren/Typbeschreibungen, z.B. von Cantor selber oder einem 'Dorftrottel. Schwerpunkt liegt aber auf der Beschreibung der schwül-heißen Atmosphäre, der Angst der Menschen und der Anklage gegen einen Polio zulassenden Gott.

Das könnte im ganzen ein starkes Thema und eine starke Geschichte sein und auf den ersten 30-40 Seiten geht es auch gut an, wenn die aufkommende Angst bei den ersten Poliofällen beschrieben wird und die Situation sich zunehmend enger anfühlt. Dann aber erschöpft es sich schnell in sterotypen Beschreibungen von energetischen kraftvollen Jungs im klischeehaften Sommercamp in einem heißen Sommer und immer wieder kehrenden bis auf grammatische Variationen ziemlich gleich lautende Lamenti, dass alles so schlimm sei und wie Gott das zulassen könne. Die Sprache ist nicht einfach nur sachlich und nüchtern - das ist sie meist bei Roth und den Amerikanern -, sondern einfach und manchmal fast primitiv. Eher wie ein begabter Oberschüler als ein anerkannter Schriftsteller. Die ethischen, philosophischen und religiösen Überlegungen sind ebenso sehr oberflächlich und primitiv. Nichts neues für jemand, der sich mit dieser dem Leben immanenten Frage auch nur mal halbwegs gedanklich beschäftigt hat. Dadurch und durch die Handlungsarmut im ganzen langweilig, durch die schwache Sprache manchmal ein bisschen beleidigend.

Fazit: Ein Werk, das einem Schriftsteller vom Range Roths' nicht würdig ist und des Lesens eher nicht wert. Vielleicht als Strandlektüre, um die Zeit zu vertreiben.
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1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kurz und bündig, 17. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Nemesis: Roman (Gebundene Ausgabe)
Von Philip Roth habe ich nur immer in den Feuilletons gelesen oder sonst in irgend einer Buchsendung im TV was mitbekommen, richtig angesprochen hat es mich jedoch nie.
Dieser Titel aber wollte ich unbedingt lesen, da das aufgegriffene Thema Polio sehr interessant zu scheinen war.
Und es war genau so, die Erzählung war sehr flott zu lesen, auch sein Schreibstil hat mich begeistert, angenehm und man erhält Tempo ohne Anstrengung. Die Hauptperson war über das ganze Buch hinweg mit Selbstmitleid beschäftigt, irritierend auf die Dauer.
Schlussendlich kurz und bündiges Buch.
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0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Langweilig, 8. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Nemesis (Taschenbuch)
Auch dieser Titel von Philip Roth hat mich nicht überzeugt. Es kommt erst gar keine Spannung auf. Gefällt mir nicht.
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1 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen DER GOTT DER RACHE Vom Gewicht des Gewissens, 6. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Nemesis: Roman (Gebundene Ausgabe)
Plötzlich und unerwartet. Das liest man nicht selten in Todesanzeigen. Und es ist der Tod, der in einem jüdischen Viertel in den USA Einzug hält. Plötzlich und unerwartet sterben zumeist junge Menschen, oder, wenn sie die Epidemie überleben, die Kinderlähmung heißt, bleiben sie ein Leben lang Krüppel. Mit dem Namen der Rachegöttin "Nemesis" titelt Philip Roth sein neuestes Buch und es gelingt ihm ein dichtes, schauerliches Drama, über einen Fluch, der über die Leute kommt und darüber, wie Unwissen die Angst vergrößert. Denn in diesem Sommer 1944, dem Sommer der Verheerung durch Polio, weiß man noch nicht, woher die Kinderlähmung kommt und wie sie zu bekämpfen ist.

Der Sportlehrer Bucky Cantor hält der Panik seinen gestählten Körper und seine guten Nerven entgegen: Seit seiner Jugend kompensiert er eine extreme Kurzsichtigkeit mit sportlichen Übungen und besonderem Mut. Er ist es, der ein paar italienische Jungs, die versuchen seine jüdischen Jungs zu provozieren, scharf zurückweist. Und doch rotzen die Italiener auf seinen Sportplatz: Sie wollen "Kinderlähmung verbreiten". Denn scheinbar hatte der Polio-Erreger seine tödliche Ernte in einem italienischen Viertel begonnen und die nationale Rivalität verlangt, dass sich die Juden gefälligst auch anstecken, und die wiederum glauben fest daran, dass die Rotze schuld an den ersten jüdischen Fällen von Polio sei.

Es ist der letzte "gute" Krieg, der gegen deutsche und japanische Faschisten, den die USA führt. Und alle Freunde von Bucky Cantor sind an der Front. Auf den Straßen sieht man kaum Männer seines Alters und der Lehrer schämt sich darüber: Seiner extremen Kurzsichtigkeit wegen hat ihn die Armee nicht genommen, sein Gebrechen wird ihm zur doppelten Last, der wirklichen Behinderung wegen und der Belastung seines Stolzes: Ist er nicht auch Mann, muss er nicht auch seine Heimat verteidigen, was steht er hier herum, auf einem kleinen Sportplatz, den er in den Schulferien betreut? Also nimmt er den Kampf gegen Polio als Ersatz für den wirklichen Krieg, er räumt auf, säubert den Waschraum des Sportplatzes, um den anonymen Virus weg zu waschen.

"Ich möchte Ihnen die Hand schütteln, junger Mann," sagt ein Vater seiner Schüler zu Bucky, "Sie haben diesen Itakern gezeigt, was eine Harke ist. Diesen dreckigen Hunden." Und wenn es nicht die Itaker gewesen sind, dann könnte es der Hotdog-Verkäufer sein, glaubt man, bei dem einige der infizierten Kinder gegessen haben oder auch der Idiot des Viertels, ein zurückgebliebener Mann Ende Dreißig, der sich gern in der Nähe des Sportplatzes aufhält: Die Jungen vertreiben ihn, der sich nicht wäscht, der ein Virusträger sein könnte. Die Seuche verändert das beschauliche Viertel, in dem man sich kennt und in dem man die Nähe seiner jüdischen Nachbarn schätzt, weil Bekanntes bisher Schutz zu bieten schien. Jetzt dringt das Unbekannte ein, das Fremde, die Krankheit.

Der Tod vieler seiner Schüler lastet auf dem Gewissen des Lehrers: Er war doch für sie verantwortlich, wie konnten sie ihm wegsterben? In seiner Hilflosigkeit fragt er seinen Gott, warum der das ihm, den Jungen und den Familien antut. Bucky und will nicht "vor einem kaltblütigen Kindermörder im Staub . . . kriechen". Es erscheint ihm wie eine Versuchung, als ihm seine Freundin einen Job als Ferienbetreuer in einem Sommercamp anbietet: Weit weg von der verseuchten Stadt, in die gesunde Natur soll er kommen und natürlich auch zu seiner Liebe. "Du hast ein Gewissen", beteuert ihm der Vater seiner Freundin, " und ein Gewissen ist etwas Wunderbares - allerdings nur solange es nicht anfängt, dich für etwas verantwortlich zu machen, das außerhalb deines Verantwortungsbereiches liegt."

Bucky wird in das Sommercamp fahren und es wird Fälle von Polio im Camp geben und das Gewissen des jungen Mannes wird den Leser bis zur letzten Seite begleiten. Auf diesem Weg wird Philip Roth eine Lektion erteilen: Über die Grenze von Verantwortung und die Entgrenzung durch Panik. Dass er dem Leser zugleich eine wunderbare Lektüre schenkt, versteht sich bei einem Autor seiner Größe von selbst.

Lange nach dem Sommer 1944 gibt der Markt und der Kalte Krieg eine Lektion, die im Buch von Roth keinen Platz hat aber eine Fußnote wert ist: Zwei von mehreren Vätern des Antipolio-Mittels, der amerikanische Arzt Jonas Salk und sein auch in den USA lebender Kollege Albert Sahin entwickeln beide ein eigenes Mittel. Das von Salk kommt zuerst auf den Markt, obwohl es noch Fehler aufweist. Für das Medikament von Sahin, das sich als das besser herausstellt, stehen deshalb keine finaziellen Mittel mehr für die notwendigen Massentests zur Verfügung. Sahin gibt seine Forschungsergebnisse an die Sowjetunion. Dort wird das Mittel erfolgreich verbreitet. Bereit ab 1960 wurde in der DDR, dank ihrer Beziehungen zur Sowjewtuinion, die Schluckimpfung flächendeckend eingesetzt, in der Bundesrepublik, die des kalten Krieges wegen einen Umweg zum Medikament über Österreich suchte, kam es erst zwei Jahre später zum Einsatz. Das sollte ein paar Tausend Tote kosten.
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3 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Schade um die schönen Regentage meines Urlaubs, 3. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Nemesis: Roman (Gebundene Ausgabe)
Fast noch nie habe ich ein Buch genervter "endlich" fertig gelesen, wie "Nemesis".
Ich frage mich sehr, wie solch ambitionsloser, nichtssagender Text, der unliterarischer kaum sein kann, ein Bestseller werden konnte.
Es war ein herrlicher Urlaub, den ich mit viel schönem Wetter genoss. Dann freute ich mich darauf, dies hochgelobte Buch an den wenigen Regentagen lesen zu können ... was für ein Reinfall.

Mehr Kommentar ist es auch wirklich nicht wert.
Eines noch schnell: Zeitverschwendung.
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3 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Eigentlich langweilig., 10. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Nemesis: Roman (Gebundene Ausgabe)
Zum Glück war das keine langer Schmöker im sonstigen Stil von Roth. Typisch amerikanisch: Alles wird am Ende gut. Kein Wunder, dass Roth bisher noch keinen Nobelpreis bekommen hat.
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Nemesis
Nemesis von Philip Roth (Taschenbuch - 1. November 2012)
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