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Kundenrezensionen

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am 6. April 2011
Um es kurz zu machen: Ich war dankbar, dass es sich um einen kurzen Roman handelt.
Länger hätte ich diese amerikanische Heldengeschichte über einen blitzblanken Sportler nicht mehr lesen mögen, länger hätte ich mich auch mit seinem blitzblanken pädagogischen Eros nicht mehr herumschlagen mögen; vor meinem inneren Auge mäanderte da ein sportbegeisterter naiver Muscle-Shirt tragender Saubermannsgeist über die Polio-verseuchten Sportplätze Newarks. Der erste Teil des Romans scheint mit platt und ohne jede Doppelbödigkeit erzählt; nirgendwo tut sich etwas auf, überall gähnt der Abgrund des Banalen.
Die Küchenphilosophie der zweiten Hälfte des Romans erinnerte mich daran, wie ich mich einmal an einem Buch von Paul Coelho versucht hatte, allerdings fehlt hier die pathetische Wärme Coelhos. Philosphisch finde ich nun gar nichts; Scheinphilosphieren würde ich das eher nennen
Nein, mich hat das Buch absolut kalt gelassen, in Teilen genervt. Sprachlich faszinierte es mich überhaupt nicht; natürlich kann ich nicht beurteilen, was der Übersetzung geschuldet ist.
Aus meiner Sicht das schwächste Buch Roths. Ich war sehr enttäuscht, denn weiterhin halte ich ihn für einen der wichtigsten Schriftsteller der USA; allerdings beweist er das mit diesem Buch nicht.
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am 16. Mai 2014
Nemesis von Philip Roth ist ein kleines Buch mit einem großen Thema. Im Sommer 1944 bricht in Newark eine Polioepidemie aus, zuerst im italienischen Viertel, später in dem jüdischen Viertel, in dem der Protagonist des Buchs, Bucky Cantor, lebt. Polio ist die große Unbekannte, eine der größten Bedrohungen der Zeit.

Niemand weiß, wodurch Polio übertragen wird. Die Krankheit bricht bevorzugt im Sommer aus, betrifft hauptsächlich, aber nicht ausschließlich, Kinder und ist oft lokal begrenzt auf gewisse Stadtteile. Sind die Erreger im Trink- oder Badewasser, werden sie von Hitze, Schmutz oder ungewaschenem Obst verbreitet? Ist der behinderte Horace, der ungewaschen beim Spielplatz auftaucht, und allen die Hand schütteln will, der Überträger der Krankheit? Haben die italienischen Jugendlichen Polio verbreitet, als sie vor den Kindern auf den Boden gespuckt haben?

Eltern wissen nicht, wie sie ihre Kinder schützen sollen. Dürfen die Kinder weiterhin zu dem Spielplatz gehen, auf dem Bucky Cantor die Aufsicht hat? Sollen sie dort lieber im Schatten sitzen, anstatt in der prallen Sonne Baseball zu spielen? Manche Eltern verbieten den Kindern, sich Hot Dogs zu kaufen, weil das Restaurant nicht sauber genug erscheint. Manche reagieren rational, obwohl sie selbst betroffen sind. Andere versuchen um jeden Preis, einen Schuldigen zu finden. Alle sind verunsichert.

Die Reaktion auf die Erkrankung spiegelt die Facetten menschlichen Leids wider: Wut, Verzweiflung, Resignation. Gedanken, die nicht gedacht werden dürfen, drängen sich auf. Warum ist der sportlichste, freundlichste und gescheiteste Junge des Viertels betroffen und die Kinder, die andere terrorisieren, oder jene, die ohnehin kränklich und schwach sind, nicht? Wie zynisch muss ein Gott sein, wenn er dieses Leid und diese Ungerechtigkeit zulässt? Das sind die Gedanken von Bucky. Vor diesem Sommer lebte er in einer beinahe heilen Welt. Er wohnte bei seiner Großmutter, arbeitete als Lehrer und verliebte sich in eine Kollegin, Marcia.

Marcia arbeitet in einem Camp in den Poconos, wo die reichen Leute ihre Kinder vor der Polioepidemie in Sicherheit bringen. Bucky schwankt ständig hin und her, ob er eine Stelle in Marcias Camp annehmen, oder die Kinder in Newark weiter betreuen soll. Schließlich entscheidet er sich für das Camp. Er verbringt einige wunderschöne, glückliche Tage mit Marcia. Dann erkrankt das erste Kind im Camp, das Kind, mit dem Bucky Turmspringen geübt hat. Kurz darauf erkrankt Bucky selbst. Er weiß nicht, ob er Polio ins Camp eingeschleppt hat, aber er kann diese Möglichkeit nicht ausschließen. Es scheint fast, als ob er das gar nicht will.

Siebenundzwanzig Jahre später begegnen wir Bucky wieder. Er ist ein von der Krankheit deformierter und vom Leben verbitterter Mann. Er konnte nicht weiterleben wie vorher mit der Schuld, die er glaubte, auf sich geladen zu haben. Er konnte Marcia nie wieder in die Augen schauen, weil das Idealbild von einem Ehemann, das er für sie darstellen wollte, zerstört war.

Wir erfahren nicht viel über Buckys innere Qualen und über sein Leben während und nach der Krankheit. Ein großer Roman hätte mit Buckys Erkrankung erst richtig begonnen. Philip Roth hat sich aber entschieden, über dieses monumentale Thema von Schuld und Sühne, von Krankheit und zerstörter Idylle, von Verunsicherung und Missverständnis ein kurzes, dünnes, kleines Buch zu schreiben. Und das finde ich schade.
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TOP 500 REZENSENTam 28. Mai 2011
Nachdem ich Empörung und Die Demütigung gelesen habe, war wohl der kürzlich von einer Woche verliehene Booker Prize an Phillip Roth der Impulsgeber nun doch mich an das neue Buch von ihm heranzuwagen, dass nun schon seit Wochen bereit liegt und ich zögerte, damit zu beginnen. Obwohl Phillip Roth ein von mir geschätzter Autor ist, habe ich trotzdem den Eindruck, dass seine Bücher immer weniger gehaltvoll werden, oder anders ausgedrückt seine früheren Werke von höherer Qualität und Aussagekraft zeugen. Wenn ich mir ein wenig in die Rezensionen von amazon-Rezensenten anschaue, ist dies für mich auch spürbar, und bestätigt in gewissem Sinne, meine Vermutung. All' die Lobeshymnen auf seine Sprache und was weiss ich, muten nur noch wie alter Kaffee an...Ein Grund, irgendwann, etwas Älteres mir von ihm zu besorgen, um einen weiteren Gesamtüberblick seines Werkes zu bekommen. Irgendwie kommt es mir so vor, alle wissen was er kann, halten ihm die Treue, auch wenn er schon Besseres abgeliefert hat, schlucken wir also die Enttäuschung (die natürlich mit unserer Erwartung etwas zu tun hat..) und hoffen auf Besseres dieses namhaften Autors...Was war da mit dem Nobelpeis? Ach, vergessen wir das mal...

Im Mittelpunkt dieses Romaan, steht Bucky Cantor, Sportlehrer, 23 Jahre, er betreut den dortigen Sportplatz in Newark, einem Ort namens Weequahik, wir sind im Jahre 1944, also Ende des zweiten Weltkrieges, der dortige Ort wird von der Poliokrankheit heimgesucht, Buckys Freunde kämpfen in Europa für Amerika, aufgrund seiner schlechten Augen wurde er ausgemustert und kann dort nicht teilnehmen. Seine Schüler liebt er, will ihnen durch Sport etwas von seinen Werten vermitteln. Als die ersten Kinder erkranken und auch sterben, machen sich die dortigen Einwohner Sorgen, wie diese Krankheit verbreitet wird, auch Bucky kommt an den Punkt, wo er sich frägt, ob er Träger der Krankheit und damit auch "Verbreiter" der Krankheit ist. Erzählt wird uns diese Geschichte von Arnold Mesnikoff, einem ehemaligen Sportschüler, der selbst an der Kinderlähmung erkrankte und uns die dramatische Geschichte Buckys vor Augen führt.

Fazit: Der vorliegende Roth, wäre keiner, hätte er nicht über einen langen Zeitbogen von gut 30 Jahren (1944-1971) eine Geschichte zu erzählen, um dann wie in Rückblenden, eine Vergangenheit darzustellen versucht, die berührenden Charakter hat. Ein Protagonist, der mit sich selbst, Gott und seinem Schicksal hadert. Der die Liebe zur eigenen Geliebten Marcia verweigert und sich immer mehr in Selbstanklage, Bitternis, und innerer Verweigerung vorfindet, weil er selbst irgendwann von der Krankheit betroffen ist. Phillip Roth geht zurück zu jenem Punkt, als er noch jung seinen Jugendlichen das Speerwerfen beibringt, angesichts eines gesunden und muskulösen Körpers, der von seiner Zukunft noch nichts zu wissen scheint. Nur in wenigen Strichen, beschreibt Roth, jenen Schrei, der beim Speerwurf zum Ausdruck kommt, der etwas vom "Kern des Wesens" uns erzählen will.

Die Erinnerung oder gerade die Gegenüberstellung, des gezeichneten Bucky, der nicht nur im Körper sondern auch im Geist gezeichnet ist, und die Idylle, wo sportliche Momente etwas Kraftvoll-Schönes ausstrahlen, trägt die Handschrift eines Phillip Roth, die den Leser im Innersten treffen können...
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am 9. September 2012
Philip Roth hat die Angst eingefangen. Die Angst vor einer Krankheit die einen selber jeden Augenblick erreichen kann oder vielleicht schon erreicht hat. Dies zu einer Zeit, in der man dem Schicksal hilflos ausgeliefert war. Die detaillierte Beschreibung zeigt ein dramatisches, scheinbar unausweichliches Übel, dem die Menschen ausgesetzt sind. Lebensläufe ändern sich auf eine erschreckend radikale Weise.
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"Vom Augenblick der Zeugung an regiert der Zufall - die Tyrannei der Umstände - alles." Mit diesem Zufall muss sich der Protagonist aus Philip Roths neuem Roman "Nemesis" abfinden und gegen ihn kämpfen.
Roth selbst gehört neben Don DeLillo, Cormac McCarthy und Paul Auster zweifelsohne zu den großen Gegenwartsliteraten der USA. Seine Themen beschäftigen seit Menschengedenken und er schafft es immer wieder diese in neue Gewänder zu kleiden. Er ist kein Schriftsteller, der mit (s)einem moralisch erhobenen Zeigefinger auf die Schwächen der Gesellschaft und des Individuums deutet, sondern schafft es in seinen Romanen den Leser selbst denken und urteilen zu lassen.

Erzählt wird die Geschichte von Bucky Cantor, 23 Jahre alt und Aufsicht auf dem örtlichen Sportplatz. Zur Zeit des zweiten Weltkrieges, in der sämtliche seiner Freunde kämpfen wollen und dürfen, muss er, wegen seiner schlechten Augen, in seinem Heimatort Newark bleiben. Eines Tages bricht eine Polio-Epidemie aus und die ersten Kinder werden krank bzw. sterben. Hat Bucky seine Aufsichtspflicht verlässt? Ist er vielleicht sogar Schuld an diesem Unglück? Sind die Kinder wegen ihm gestorben?

Soweit ließe sich die Rahmenhandlung skizzieren, deren Ausmaße sich auf 219 Seiten erstrecken und den Leser durch eine flüssige Sprache Roths zu fesseln wissen. Die sprachliche Brillanz, die in vielen Rezensionen zu diesem Roman gelobt wird, hat sich mir jedoch nicht erschließen wollen: keine stilistische Raffinesse in Form gut gewählter Metaphorik oder einer sprachlichen Doppelbödigkeit, wie sie mir vor geraumer Zeit bei Paul Austers Roman "Unsichtbar" positiv aufgefallen war. Ganz im Gegenteil: stellenweise empfand ich die Wortwahl als flach und einfallslos. Bewusst wurde mir dieser Umstand, als ich realisieren musste, dass ich während des Lesens so gut wie keine Zitate aus dem Buch abschrieb, wie es vor ein paar Monaten noch mit "Die Demütigung" der Fall war.

Der Charakter des Bucky Cantor wird durch die Augen des Ich-Erzählers Arnie Mesnikoff geschildert und dargestellt. Der Leser erfährt einiges über Cantors Kindheit, sein Denken und Handeln, er bleibt aber dennoch blaß. Ein Gefühl wie Sympathie wollte genau so wenig entstehen wie Antipathie: Bucky war mir zwar nicht egal, aber sein Leid und seine innere Zerrissenheit ging mir nicht allzu nah, auch wenn sie für mich verständlich war.
Diese Zerrissenheit ist ein gewichtiger Kern des Romans. Philip Roth zeigt am Beispiel einer einzelnen Person was Schuld und Sühne mit einem Menschen anrichten können. Zweifel an sich selbst und der Sinnhaftigkeit der Existenz sind dabei nur ein kleiner Bestandteil seines Denkens. Diese Passagen sind es, die gefallen. Insbesondere im letzten der drei Kapitel wird dies deutlich, denn hier findet der anfangs objektiv bleibende Ich-Erzähler zu einem Urteil über Buckys Situation. Diese Sequenz ist so vollgeladen und spannend, dass ich mich geärgert habe, dass Roth es nicht vermochte, die vollen 219 Seiten so brillant zu schreiben.

Die Frage, die sich mir jetzt stellt, ist die, ob meine Kritik nun meckern auf hohem Niveau ist? Sind die Leser Roths von ihm bereits so viel Gutes gewöhnt, dass die Enttäuschung über "Nemesis" größer ausfällt als es bei anderen Autoren der Fall gewesen wäre?
Ich denke nicht: Roth hat dennoch einen Roman geschaffen, dessen Thematik zeitlos und interessant ist, die Umsetzung war für meinen Geschmack jedoch zu zäh und fade geschrieben; Roth hin oder her.

Ich freue mich dennoch auf den nächsten Roman dieses großen Romanciers, weiterempfehlen werde ich "Nemesis" aber nicht.
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am 10. April 2012
Die Geschichte ist wie immer von P. Roth in guten Worten verfasst, bewegt und überrascht am Ende. Die Schilderung des persönlichen Dramas des Bucky Cantors hat mir insbesondere deshalb sehr gut gefallen, weil es dem Autoren wieder einmal gelingt, auf das Drama "zuzuschreiben." Und wie erwähnt, das Ende hat mich überrascht. Vier Sterne, für den ewigen Anwärter auf den Literaturnobelpreis.
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VINE-PRODUKTTESTERam 17. April 2013
Zwei Katastrophen: Weltkrieg und Polio-Epedemie, ein armer Stadtteil in Newark, ein engagierter junger Sportlehrer, deren Glaubenszweifel hervorbrechen, als er die vielen Erkrankungen und die Hilflosigkeit dagegen miterlebt.
Er würde gern in den Krieg ziehen, heldenhaft für Amerika gegen die Nazis kämpfen, doch seine starke Kurzsichtigkeit verhindert dies.
Er zermartert sich mit Selbstzweifeln und Schuldzuweisungen. Er macht sich selber das Leben so schwer, dieser junge Sportlehrer, für den es eigentlich sehr gut aussieht, von außen betrachtet: er ist bei liebevollen Großeltern aufgewachsen, hat einen Beruf, der ihm Freude macht und eine junge Verlobte, die er wirklich liebt, und sie ist auch Feuer und Flamme für ihn.
Doch all das hält ihn nicht davon ab, sich als Schuldigen für die Katastrophe zu betrachten - und aus diesen Selbstvorwürfen kommt er zeit seines Lebens nicht mehr heraus.
Seine innere Sackgasse wird vorhersehbar.

Die Stimmung des Romans ist duster und hoffnungslos. Keiner kann den Protagonisten aus seinem inneren Gefängnis befreien.

Die inneren Kämpfe sind gut dargestellt, die Glaubenszweifel nachvollziehbar, doch seine Grenzen, sein Teufelskreis hat mich beim Lesen genervt. Da gibt es keine Lösung, keine Unterbrechung, keine Hilfe und auch keinen Trost. Allerdings führt der Autor auf, wie andere mit dem Konflikt fertig werden. Vielleicht wäre alles andere zu trivial?
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am 3. Mai 2011
Philip Roth berichtet in diesem Roman sehr distanziert aus Sicht eines Sportschülers über seinen Lehrer (Cantor) in den Vierzigerjahren in Newark, USA. Der 2. Weltkrieg geht in seine letzte Phase. Der junge Lehrer aus jüdischem Umfeld kann wegen seiner erheblichen Sehschwäche nicht eingezogen werden, wohl aber alle seine Freunde. Darunter leidet der junge Mann. Als dann in seinem Ort auch und besonders in seiner Sportgruppe eine Polioepidemie ausbricht, flüchtet er zu seiner Verlobten in ein fernes Ferienlager im Wald am See. Als auch dort Polio ausbricht, wird auch Cantor krank und behält nach andauerndem Krankenhaus- und Rehaaufenthalt eine erhebliche Invalidität zurück. Sein bester Freund fällt in Frankreich und er macht sich den Vorwurf, nicht auch dort gekämpft zu haben,die Polio in die Sportgruppe und das Ferienlager eingeschleppt zu haben. Er weist seiner nach seiner Genesung sogar die Liebe seiner Verlobten zurück und führt ein verzweifeltes, von Selbstvorwürfen geprägtes Leben in Einsamkeit und beruflicher Chancenlosigkeit und hadert mit seinem Gott. Grausam einprägsam, gut geschrieben, schnörkellos.
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am 6. Mai 2011
Im Sommer 1944 wird die Stadt Newark im Nordosten Amerikas von einer Polioepidemie heimgesucht. Während ein großer Teil der Bevölkerung seine Kinder in Sommercamps am Land vor der Kinderlähmung zu schützen versucht, hat Bucky Cantor ein junger Sportlehrer, die Aufsicht über den Sportplatz und versucht dort, den Kindern einen geregelten und unbeschwerten Sommer zu ermöglichen. Doch der Ring der Krankheitsfälle zieht sich immer enger zusammen und bald schon gibt es die ersten schweren Erkrankungen in der Sportgruppe von Mr. Cantor.

Zu diesem Zeitpunkt - im Jahr 1944 - herrscht also Krieg an zwei Fronten. Während die Soldaten in Europa und im Pazifik gerade die alles entscheidende Schlacht führen, kämpfen die Einwohner der Stadt gegen einen unsichtbaren Feind, von dem sie nicht einmal wissen, wie er zu besiegen ist. Die ersten Todesfälle folgen, Kinder mit 14 Jahren sterben innerhalb von 48 Stunden. Bucky's Freundin Marcia kann ihn schließlich dazu überreden, zu ihr in ein Sommercamp zu kommen und dort die Aufsicht über eine Schwimmgruppe zu übernehmen. Doch kaum ist Mr. Cantor im Camp angelangt, treten dort die ersten Poliofälle auf ... ist er womöglich der Bote des Todes?

Philip Roth hat eine sehr spannende und tragische Geschichte geschrieben. Nicht nur, dass man als Leser atemlos mitverfolgt, wie sich eine großteils tödliche Krankheit ausbreitet, parallel dazu wird man auch Zeuge des inneren Konflikts, den Bucky Cantor mit Gott hat. Warum - so lässt der Autor seinen Protagonisten denken - warum hat sich Gott dazu entschlossen ein Kindermörder zu sein?

Ich kann das Buch als sehr lesenswert empfehlen. Es gewährt uns Einblicke in eine längst vergangene Zeit, zeigt die Hilflosigkeit und Unwissenheit im Umgang mit Viruserkrankungen, die Ängste und Sorgen der Menschen, die z. B. einen Sohn im Krieg verlieren und einen anderen durch Kinderlähmung und die daraus resultierenden inneren Konflikte mit einem Gott, der sich als gnadenlos erweist.

Zusatzinfo: Nemesis ist die Göttin des gerechten Zorns - auch Rachegöttin genannt.
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am 27. August 2011
Bucky Cantor ist im Jahr 1944 erst 23 Jahre alt und kommt als Sportlehrer direkt vom College, als er die Aufsicht über den Sportplatz einer Highschool während der Sommerferien in Newark übernimmt. Als es in der Stadt zu einer Polioepidemie kommt, versucht er Ruhe zu verbreiten, auch noch als einer seiner Lieblingsschüler zu Tode kommt. Als weitere Schüler sterben und er von Eltern beschimpft wird, das Rennen in der Hitze hätte die Polioepidemie ausgelöst, verlässt er Newark und fährt zu seiner Verlobten Marcia, die als Lehrerin in einem Sommercamp in Indian Hill arbeitet. Als es auch dort zu einem Fall von Polio kommt, bricht Buckys heile Welt endgültig auseinander.
Philip Roth benennt seinen Roman nach der griechischen Rachegöttin 'Nemesis' und so hadert auch die Hauptfigur Bucky Cantor in diesem bewegenden Roman immer wieder mit seinem Gott, der neben dem Zweiten Weltkrieg auch noch die Kinderlähmung in die Welt gebracht hat. Was Bucky als bösen Willen seines Gottes ansieht, bezeichnet der Erzähler aber als 'Tyrannei der Umstände' in die Bucky verwickelt wird und die sein Leben prägen. Der Roman ist bis in die kleinen Details wunderbar geschrieben und das Schicksal von Bucky, dessen Leben durch sein starkes Pflicht- und Verantwortungsgefühl vorgezeichnet scheint, lässt einen als Leser betroffen und traurig zurück.
Eine bewegende Geschichte, die einen auch nach dem Lesen des Buches noch gefangen hält und zum Nachdenken bringt.
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