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Kundenrezensionen

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am 19. Januar 2012
Fast zehn Jahre mussten Fans von Jeffrey Eugenides auf ein neues Buch von ihm warten, aber für mich hat es sich absolut gelohnt. "Die Liebeshandlung" ist so viel mehr als einfach nur die Dreiecksbeziehungsgeschichte, als die es oft beschrieben wird. Es fängt damit an, dass die Zeit in der die Handlung spielt, geradezu perfekt gewählt ist. 1982 beschreibt die Generation nach der 68er-Bewegung, die offensichtlich schwer mit dem Erbe der Bewegung zu kämpfen hat. Diese Verwirrung (gerade bei Frauen), wie man möglichst feministisch handelt und wie man zu seinem Recht steht und auch wie man diesen Anspruch verfehlt, indem man sich blind in Ideale stürzt und jegliche Konversation als Angriff versteht, wird im Roman an unterschiedlichen Frauentypen gezeigt, wodurch ein sehr vielschichtiges Bild erzeugt wird. Dabei bleiben die verschiedenen Charaktere aber alle glaubwürdig und extrem gut ausgearbeitet, auch wenn es nur Nebenfiguren sind, die nur für kurze Zeit auftauchen. Ich hatte kein einziges Mal das Gefühl, dass eine der Personen unnachvollziehbar handelt. Was auch viel zu dem Reiz des Buches beiträgt, sind die Dialoge, die teils noch auf Gelerntem vom College beruhen und teilweise die Entwicklung der Charaktere darstellen. (Natürlich sollte man dafür auch an den jeweiligen Studienfächern interessiert sein).
Alles in allem war für mich die Dreiecksbeziehung eher nebensächlich. Im Mittelpunkt der Geschichte steht für mich viel eher die Entwicklung der drei Hauptcharaktere und deren Selbstfindung, wobei die Spannung zwischen "Was will ich sein?" und "Was bin ich?" bzw. "Was kann ich sein?" bei jeder einzelnen Figur individuell gestaltet wurde. Es war eindeutig eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe!
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am 20. Oktober 2011
Die klassische "Liebeshandlung" wie in den von Madeleine so heiß geliebten englischen Romanen des 19. Jahrhunderts, scheint es in der heutigen Literatur, ja im heutigen Leben, nicht mehr zu geben. Was tut Eugenides? Er erzählt genau das, die Geschichte der jungen Literaturstudentin Madeleine, die - ganz verkürzt ausgedrückt- zwischen zwei Verehrern, Mitchell und Leonard, zu wählen hat. Schauplatz ist ein mittelprächtiges amerikanisches College in den 1980er Jahren. Madeleine wirkt zunächst recht oberflächlich, untentschlossen, verwöhnt und naiv, wird aber im Verlauf des Romans unter dem Eindruck ihres Studiums, den Irrläufen der Gefühle, feministischem Zeitgeist und der Lektüre französischer Dekonstruktivisten noch reifen. Mitchell ist ein eher unauffälliger Typ, jedoch offenbar ziemlich begabt, sensibel, und spirituell auf der Suche. Leonard kommt aus einem schwierigen Elternhaus und ist psychisch krank, fasziniert aber als "womanizer" und brillianter Unterhalter, mit klugen, oft auch altklugen Gedanken sein Umfeld. Das ist die gegebene Konstellation. Von hier aus entwickelt Eugenides seine Charaktere, manövriert sie durch wichtige Jahre, in die er sich offenbar besonders gut hineinversetzen kann (wie schon bei "Middlesex"): Jahre, in denen man die Macht und Faszination des Wissens entdeckt, sich aus dem schulischen Wissenskanon emanzipiert und seine eigenen Interessensgebiete erforscht. Jahre der Selbstfindung, der gesunden kritischen Distanzierung vom Elternhaus, der sexuellen Identitätsfindung, der Suche nach dem Lebenssinn usw. Am Ende dieser jugendlichen Selbsterforschung steht Madeleines Entscheidung - welche, wird hier natürlich nicht verraten.

Eugenides outet sich mit der "Liebeshandlung" endgültig als Nostalgiker: Er schwelgt. In den 1980er Jahren, in seiner eigenen Studienzeit, seinen eigenen Jugend- und Reisejahren - in einem Interview hat er "bekannt", sich am stärksten mit Mitchell identifizieren zu können; auch er ist durch Indien gereist, auch er hat im Stift von Mutter Teresa Freiwilligenarbeit geleistet -; und er bemüht sich, ein bedrohtes literarisches Motiv wiederzubeleben. Das ist alles sympathisch, flüssig geschrieben und fesselnd: Auch die Leser werden sich gern durch dieses Milieu jugendlicher Leidenschaft bewegen.

Und trotzdem kam mir beim Lesen immer wieder der Gedanke: Das ist trivial! Nach "Middlesex" hatte ich so viel mehr erwartet. Natürlich hat da schon allein das "exotische" Thema Hermaphroditismus fasziniert, aber es war auch gut unterfüttert, mit der genetischen Geschichte Calliopes, der Vernichtung der Stadt Smyrna, dem griechischen Erbe der Familie, der Geschichte Detroits, und und und.... All diese Handlungsfäden wurden am Ende aufgenommen und hatten Bedeutung für Calliopes Geschichte. Anders in der "Liebeshandlung":

Alles, womit Eugenides hier "Fleisch bei die Fische bekommt", wirkt aufgesetzt. Weder Madeleines Semiotikseminar, noch Mitchells religiöse Studien, Leonards Genexperimente mit Hefe oder aber die Analyse seiner Krankheit werden ausreichend in die Entwicklungsgeschichte der drei Protagonisten eingeflochten. Diese Themen haben zwar eine offensichtliche, oberflächliche Symbolik, aber Eugenides macht sie nicht wirklich zu seinen Themen bzw. zu denen seiner Figuren. Klar, dem Leser soll auch noch Raum zur eigenen Interpretation bleiben, mich hat das aber nicht überzeugt. Auch die nicht-lineare Erzählweise - Eugenides springt in regelmäßigen Abständen ein paar Schritte nach vorn, um dann anschließend die Handlung von hinten aufzurollen - wirkte auf mich sehr mechanisch und diente weder der Handlung noch den Figuren. Und dann der Schluss! Spätestens im letzten Drittel ist Madeleines Entscheidung vorauszusehen. Die Wendung, die Eugenides noch auf den letzten Seiten hineinbringt, ist aus der vorangegangenen Figurenzeichnung heraus überhaupt nicht schlüssig. Das hätte XXX nie getan! Da kommt plötzlich ein Edelmut ins Spiel, den es seit Jane Austen wohl tatsächlich nicht mehr gibt.

Die deutsche Übersetzung scheint mir weniger gelungen als die von Middlesex. Zumindest finde ich ein paar stehende Wendungen wie die Kapitel-Überschriften nicht treffend übersetzt, oder auch Leonards bedrohlicher oder herablassender Unterton in seinen manischen Phasen scheint mir in der deutschen Übersetzung ein wenig "glattgeschrieben". Aber das nur als subjektiver Eindruck einer Laiin.
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am 17. Juli 2012
Jeffrey Eugenides' "Die Liebeshandlung" ist das Beste, was ich in letzter Zeit gelesen habe. Dachte, "Das böse Mädchen" von Mario Vargas Llosa sei nicht zu toppen, aber das war ein Trugschluss. "Die Liebeshandlung" ist einfach genial, ein - auch durch die Länge - richtiger Schmöker zum Eintauchen. Toll finde ich, wie die Figur des Leonards sich entwickelt, sehr interessant, die Auseinandersetzung mit seiner Krankheit. Insgesamt ist der Roman sehr fesselnd, und natürlich erwartet man mit Spannung den Schluss. Wie wird Madeleine sich entscheiden? Ich weiß es noch nicht, mich trennen noch 90 Seiten vom Ende, 90 Seiten, die ich sehr genießen werde, die ich aber auch traurig sein werde darüber, dass ein so wundervolles Buch bald ausgelesen sein wird.

Dass Eugenides scheinbar eigene Erfahrungen verarbeitet hat - auch er ist 1960 geboren - macht den Roman für mich noch reizvoller. Insgesamt kommt mir das Buch wie eine gelungene Mischung aus Douglas Coupland und Tom Wolfes "Ich bin Charlotte Simmons" vor.
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"Es gibt Leute, die sich nie verliebt hätten, wenn sie nicht von der Liebe hätten sprechen hören." Diesen Satz von François de La Rochefoucauld stellt Jeffrey Eugenides seinem lang erwarteten neuen Roman voran. Doch gleich im Anschluss hinterfragt er mit einem Auszug des Songtextes "Once in a lifetime" von Talking Head die Liebe und deren zuweilen zu Tage tretende Schmerzen:
"You may ask yourself,
Well, how did I get here?...
And you may tell yourself,
This is not my beautiful house.
And you may tell yourself,
This ist not my beautiful wife."
Und genau dies zeichnet den Plot des amerikanischen Autors aus. "Die Liebeshandlung" ist zugleich Konstruktion als auch Dekonstruktion der Liebe.

Drei Hauptakteure Anfang zwanzig lieben, leiden, streiten, verzweifeln und jubilieren in Eugenides Roman: zwei Männer - Mitchell und Leonard - und eine Frau - Madeleine. Vielleicht eine Dreiecksgeschichte nach klassischem Muster? Der englische Originaltitel "The Marriage Plot" lässt dies vermuten. Bezeichnet doch dieser Begriff in der Literaturwissenschaft vor allem die viktorianische Literatur, als deren bestes Beispiel die Romane von Jane Austen oder der Schwestern Brontë herangezogen werden können. Die Ehe als finaler Höhepunkt und deren vorangehende Rituale und Verstrickungen des Werbens zwischen Mann und Frau gaben dieser Art des Schreibens Inhalt und Struktur. Doch Jeffrey Eugenides geht es um mehr. Er will die unterschiedlichen "Spielarten der Liebe - die romantische, erotische, platonische Liebe, die Nächstenliebe" ausloten und gleichzeitig eine totgesagte Literaturgattung ins 21. Jahrhundert tragen und vielleicht gar neu beleben.

Angesiedelt hat der Pulitzer-Preisträger seine Handlung in den achtziger Jahren. Der Leser begegnet am Morgen ihrer Collegeabschlussfeier der verkaterten Anglistikstudentin Madeleine, deren Liebeswirren "zu einer Zeit begonnen [hatten], als sie Bücher von französischen Theoretikern las, die den Begriff der Liebe dekonstruierten." Allerdings steckt sie mit ihrem Freund, dem hochintelligenten, charismatischen, aber manisch-depressiven Biologie- und Philosophiestudenten Leonard Bankhead, nicht nur in Liebesnöten. Zuweilen "verschmolz sie zu einer großen protoplasmischen, ekstatischen Einheit" mit ihm. Der Halbgrieche Mitchell Grammaticus, ein Student der Religionswissenschaft, würde allerdings allzu gern den männlichen Hauptpart in Madeleines Leben austauschen und die Rolle mit ihm besetzen. Da ihm das jedoch nicht zu gelingen scheint, begibt er sich lieber auf eine spirituelle Reise durch Europa und Indien. Eine zuweilen emotional-schmerzhafte Verbindung zu Madeleine bleibt dennoch bestehen. Aber wie kann man in Anthony Trollopes "Die Türme von Barchester" lesen: "Es gibt kein Glück in der Liebe, außer am Ende eines englischen Romans." Ob Jeffrey Eugenides Erzählung sich dieses Motto gleichfalls zu Eigen macht? Wer weiß...

Eugenides erzählt nicht stringent chronologisch, sondern springt in seiner Romanhandlung zeitlich zurück, berichtet in Rückblenden, bis er wieder in der Gegenwart ankommt. Dabei lässt er die Erzählperspektive zwischen den drei Protagonisten abwechseln. Nicht selten wird somit ein Ereignis aus mehreren Blickwinkeln betrachtet. In trocken-ironischem, tragikomischem Tonfall lotet der Autor die Liebe in all ihren Spielarten, als auch die Frage nach dem Sinn des Lebens feinfühlig und intelligent aus. "Die Liebeshandlung" wird damit zu einer "geballten Welt- und Sinneserfahrung". Seine stärksten Momente hat das Buch zweifelsohne in den Passagen, in denen sich der amerikanische Autor der Beschreibung des manisch-depressiven Leonard Bankhead annimmt, seinem aussichtslosen Kampf gegen die Krankheit, seiner Qual und Einsamkeit. Vielleicht eine Hommage an den großen David Forster Wallace.

Auch wenn das Buch nicht nahtlos an das geniale "Middlesex" anknüpfen kann, für das Eugenides 2003 den Pulitzerpreis bekam, unterhalten, und das auf literarisch hohem Niveau, hat dieser vielschichtige und dichte "Liebesroman über Liebesromane" allerdings bestens. Und ein Quell literarischer Fundstücke ist es allemal. Aber das kann man bereits mit dem ersten Satz im Text erahnen, der da lautet: "Zunächst mal, schauen Sie sich all diese Bücher an."
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Als hätten sich zwei der wichtigsten amerikanischen Autoren der Gegenwart, Jonathan Franzen und Jeffrey Eugenides, abgesprochen: In ihren jeweils jüngsten Werken "Freiheit" (von Franzen) und "Die Liebeshandlung" (von Eugenides) geht es um eine Dreiecksbeziehung, die im studentischen Milieu ihren Anfang nimmt.

Mit dem Titel seines Buches kokettiert Jeffrey Eugenides, geboren 1960, mit der langen Tradition seines Stoffes: Madeleine befasst sich in ihrem Studium mit der "Liebeshandlung im viktorianischen Roman des 19. Jahrhundert". Und natürlich hat auch diese Geschichte selbst eine Handlung, die denen der Werke von zum Beispiel Jane Austen sehr ähnlich ist: Der etwas biedere Michtell liebt Madeleine, die ihrerseits aber den draufgängerischen Leonhard begehrt. Was folgt, sind 600 Seiten Irrungen und Wirrungen, bis sich endlich das Paar findet, das eigentlich schon die ganze Zeit füreinander bestimmt schien. Das kann man altmodisch finden - andererseits ist es ein universal und zeitlos gültiger Stoff. Warum also sollte ein Autor von heute eine alte Jane-Austen-Handlung nicht in die Gegenwart übersetzen? Die Gesetzte vom Lieben und nicht geliebt werden sind ja nicht mit dem Ende des 19. Jahrhunderts automatisch außer Kraft gesetzt worden.

Und Eugenides versteht sein Handwerk - das wissen seine Fans spätestens seit seinem Welterfolg "Middlesex" (2003). Man folgt den drei so unterschiedlichen Hauptfiguren gerne, ihr Handeln ist psychologisch stimmig, so dass auch auf 621 Seiten keine Langeweile aufkommt. Interessante Nebendiskurse befassen sich mit den großen Religionen, der Philosophie, natürlich der Literaturwissenschaft, der Sinnsuche bei einer Indienreise, der Genforschung oder dem Krankheitsbild der manischen Depression, wirken aber nie so dominant, dass sie die eigentliche (Liebes-)Handlung in den Schatten stellen. Insgesamt ein würdiger Nachfolger für "Middlesex".
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am 19. März 2014
Wie alles von Eugenides ist auch dieses Buch ein packender Knaller für jeden, der feinsinnig Beschriebenes aus dem Leben mag. Bestens intelligent unterhalten lernt man gleichzeitig hautnah das Leben eines Manisch-Depressiven kennen, mit all seinen Schwierigkeiten, Haken und Ösen. Eugenides kann halt ganz ausgezeichnet beschreiben, und für mich ist dies sein bestes Buch. Bisher - ich hoffe, da kommt noch viel!
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am 15. September 2015
Das ist ein aussergewöhnliches Buch, man braucht Zeit es zu lesen, da es sich sehr intensiv mit der manisch depressiven Krankheit beschäftigt.
Aber auch mit der Studienzeit an den amerikanischen Universitäten und den jungen Menschen,die ihren Weg suchen.
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am 13. August 2012
definitiv mein lieblingsbuch des letzen jahres! was für ein kluger, großartiger, hinreißender und total jugendlicher roman! hatte ja schon angst, dass es wieder so wird wie "middlesex" (die ganze griechenland-passage war mir viel zu pittoresk), aber nein, "liebeshandlung" spielt beinah im jetzt und spiegelt so exakt die verfassung von literaturstudenten und existenz-pröblern während meiner eigenen studienzeit, dass ich mich wohlig auf jeder seite wiedergefunden und verstanden habe. eine college-soap vom allerfeinsten.
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am 28. Januar 2012
Es ist das Jahr 1982. Madeleine ist Literaturstudentin und hat sich auf die Liebeshandlungen in Romanen des viktorianischen Zeitalters spezialisiert. Im College ist sie zwischen zwei Verehrern, dem Biologiestudenten Leonhard und dem Religionswissenschaftler Mitchell hin- und hergerissen, entscheidet sich aber dann für Leonard. Dieser ist der Traummann auf dem Campus, hatte unzählige Affären und sexuelle Abenteuer, dürfte bei Madeleine aber eine Art Mutterinstinkt geweckt haben. Denn nach und nach kommt heraus, daß er manisch-depressiv ist, doch Madeleine bleibt bei ihm und heiratet ihn später sogar, was zu einigen Spannungen mit ihren Eltern und ihrer Schwester führt. Leonhards Stimmungswechsel stellen die Beziehung auf eine harte Probe, die Madeleine aber durchzustehen bereit ist. Der zurückgewiesene Mitchell begibt sich mittlerweile mit einem Freund auf Weltreise, macht in Kalkutta bei Mutter Teresa Station und hilft einige Wochen in einem ihrer Krankenhäuser als Pfleger. Er hat Madeleine nicht vergessen und am Schluß kommt es zu einem nicht ganz erwarteten Showdown zwischen den beiden Männern.
Zu Beginn habe ich einen "normalen" Campus-Roman befürchtet, in dem es nur um die großen und kleinen Unglücke und Beziehungen paranoider Studenten aus reichem Hause geht. Doch spätestens als die Krankheit Leonhards ans Licht kommt, wird es anders: der Autor beschreibt in - manchmal zu weit gehenden - Details die Behandlung Leonhards und seine Stimmungen sowie deren Auswirkungen auf die Beziehung mit Madeleine. Er beschreibt junge Menschen auf der Suche nach dem Sinn und er skizziert die - nicht nur - amerikanische Angewohnheit, sich seine Religion aus verschiedenen Versatzstücken selbst zusammenzubasteln. Es geht um verschiedene Arten der Erkenntnis und Selbstverwirklichung: Madeleine mit ihrer romantischen Leidenschaft, Mitchell auf mystischer Suche nach dem Sinn des Lebens, Leonard, der seine Krankheit bei vollem Bewußtsein geradezu wollüstig zelebriert. Trotzdem ist der Roman nicht traurig, es gibt einige sehr humorvolle Dialoge, er scheint mir melancholisch zu sein. Junge Menschen auf der Suche nach ihrem Platz im Leben. Ein Buch, dessen 618 Seiten ich in einem Zug gelesen habe und das ich gerne weiterempfehle.
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am 4. Juni 2012
Ich habe jahrelang ungeduldig auf einen neuen Roman von Eugenides gewartet, und es hat sich vollauf gelohnt!!! Wieder einmal schafft er es, verschiedene Stränge und Ebenen grandios zu verbinden. Besonders beeindruckt hat mich die wirklich eindrückliche Schilderung des Verlaufs einer manisch-depressiven Erkrankung. Als eine, die seit Jahren u.a. mit Menschen arbeitet, die diese Erkrankung haben, ist mir eine solch plastische, einfühlsame Beschreibung des Verlaufs und der Reaktionen und Schwierigkeiten des Erkrankten selbst sowie seiner Umwelt bisher nicht untergekommen.
Ganz abgesehen davon besticht der Roman durch wunderbare Sprache, Humor und Feingefühl.
Ich warte bereits wieder ungeduldig auf das nächste Werk Eugenides`.
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