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22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Asche zu Asche, Staub zu Staub
Schon der Titel von Philip Roths "The Humbling" bringt fuer den deutschen Leser die ersten Schwierigkeiten, gibt es doch keine eindeutige deutsche Uebersetzung fuer "Humbling". Die Bedeutung im Deutschen bewegt sich irgendwo zwischen Demut, Demuetigung (humiliation) und Bescheidenheit (humility). Mehr eine Art positiver Demuetigung, ein Herunterholen aus zu hohen Hoehen,...
Veröffentlicht am 16. Juli 2010 von Dr. Robert R.

versus
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Denn wo viel Weisheit ist, da ist viel Grämens; und wer viel lernt, der muß viel leiden. (Pred 1,18)
Philip Roth kennt seine Themen: Scheitern in jungen Jahren, Angst, Desillusion im Alter, Tod, Sterben und Sex. Die jungen Jahre kennen keine Demütigung, doch das Alter strotzt hier bei Roth so davon. Nicht als Demütigung von außen, sondern eine, die aus dem tiefsten Inneren diesen Simon Axler trifft, weil ihm seine Karriere als Schauspieler im wahrsten...
Vor 21 Monaten von kpoac veröffentlicht


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22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Asche zu Asche, Staub zu Staub, 16. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Demütigung: Roman (Gebundene Ausgabe)
Schon der Titel von Philip Roths "The Humbling" bringt fuer den deutschen Leser die ersten Schwierigkeiten, gibt es doch keine eindeutige deutsche Uebersetzung fuer "Humbling". Die Bedeutung im Deutschen bewegt sich irgendwo zwischen Demut, Demuetigung (humiliation) und Bescheidenheit (humility). Mehr eine Art positiver Demuetigung, ein Herunterholen aus zu hohen Hoehen, ein Bescheiden-machen, oder eine "Bescheidung" (humble = bescheiden); Demut lehren, bzw. lernen.

Philip Roth erzaehlt uns auf 140 Seiten, die "Bescheidung" des Simon Axler, den schmerzhaften Reality Check eines alternden Mannes, der seine besten Tage lange und weit hinter sich gelassen hat. Ehemals ein gefeierter und sehr erfolgreicher Schauspieler, hat er nun, das 70ste Lebensjahr im Visier, sein Talent verloren und mit ihm seine Frau. Er hat sich selbst in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, lehnt es ab neue Theaterrollen anzunehmen und hat sich vollstaendig aus dem oeffentlichen Leben zurueckgezogen. Im Grunde hat er sich selbst aufgegeben.

In dieser Situation begegnet er nun, nach 30 Jahren, Pegeen, der Tochter alter Schauspielkollegen und Freunde aus frueheren Tagen. Die mittlerweile 40-jaehrige Frau und der 65-jaehrige Simon beginnen eine genauso eigenartige wie ungleiche Affaere. Wie schon aus den Grundkoordinaten dieser Konstellation ableitbar, handelt es sich dabei um alles andere als eine "normale" Beziehung, insbes. auch deshalb, da Pegeen bis zu diesem Zeitpunkt ein Leben als lesbische Frau gelebt hat. Letztlich geht es jedoch wieder, wie in allen neueren Buechern Roths, um das Thema Altern, Sterben und Tod.

Zeit seines Lebens hat Roth immer nur ueber Themen geschrieben, die unmittelbar mit ihm selbst und seinem Leben zu genau diesem Zeitpunkt zu tun hatten. Vielleicht ist das auch sein Geheimnis, gelingt ihm doch immer wieder Authentizitaet zu erzeugen: nichts von dem was er schreibt ist konstruiert oder gekuenstelt, alles ist von unmittelbarer Relevanz und Wichtigkeit, alles hat Gehalt und Tiefe - zu jedem Zeitpunkt. Und: Er schreibt immer nur und ausschliesslich ueber sich selbst.

Wie schon zuvor in "Everyman", oder "Exit Ghost", so ist auch "The Humbling" gekennzeichnet durch ein sehr minimalistisches Setup, das bereits allein im Umfang der Buecher seinen deutlichen Ausdruck hat. Die Geschichte selbst ist auch inhaltlich wieder sehr knapp, nur mit dem Wesentlichen und Wichtigen versehen. Keine gedanklichen Verzweigungen, keine Wechsel der Perspektive oder Erzaehlebenen. Sehr geradlinig und schlank - kondensierter Inhalt.

Roths Gedanken kreisen nur noch um ein Thema: ein alter Mann, der im Begriff ist zu Sterben und seinen koerperlichen und geistigen Niedergang aufmerksam verfolgt und zu Protokoll gibt. Letztlich ist es genau das, was Roth selbst auch tut: Uns seinen eigenen Niedergang minutioes zu erzaehlen. All die Gedanken, Phantasien und Obsessionen, die Zeit seines Lebens immer gegenwaertig, wichtig und maechtig waren - sie sind es immer noch, alle, und mit derselben Heftigkeit und Wichtigkeit. Waren die Hauptmotive in "Everyman" und "Exit Ghost" jedoch eher Krankheit und koerperlicher Niedergang, so hat in "The Humbling" das Thema Sex wieder einen besonderen Stellenwert.

Man muss schon weit in Roths Schaffen zuruecklesen, um die bisweilen regelrecht abstossend wirkenden sexuellen Phantasien zu lokalisieren, die uns im dritten Kapitel praesentiert werden. Seit "Sabbath's Theatre" habe ich keine solchen Derbheiten bei Philip Roth mehr gelesen. Zwar kurz und keinesfalls in uebergrosser Dimension, aber dennoch hat es ausgereicht um mich, einen trainierten Roth Leser, kurzzeitig zu schockieren. Musste das nun sein?

Vermutlich schon. Ist es doch mehr seine eigene Verzweiflung ob der Unwiederbringlichkeit des Lebens als junger aktiver Mann, die hier schockieren, denn seine Phantasien selbst. Wie sagte schon Andreas Gryphius: "Es ist alles ganz eitel." Asche zu Asche, Staub zu Staub. Die eigene Erfahrung als aelter werdender Mann wird mit der Lektuere von Roths Buechern nicht gerade einfacher.

So sind die letzten Buecher von Roth an sich Dokument seines eigenen Verfalls. Trotzdem sie immer noch die einzigartige Klasse von Philip Roth als Schriftsteller dokumentieren, haben sie in ihrer relativen Klasse doch stark nachgelassen. Die Plots werden einfach und vergleichbar ueberschaubar, keine Komplikationen mehr, eindeutige Fragestellungen und eindeutige Antworten. Keine komplexen Reflexionen mehr ueber das Leben, sondern das geradlinige Addressieren der Themen an sich. Wie Simon Axler das Schauspielern immer schwerer faellt, so scheint auch das Schreiben dem alternden Roth nicht unbedingt mehr leichter zu fallen. Wieder spielt also die Autobiographie Roths eine wichtige Rolle und zwar in ihrer authentischsten Version: auch Philip Roths beste Tage sind tatsaechlich vorbei.

Dennoch und wie immer volle Punktzahl fuer einen der groessten Schriftsteller dieser, vergangener und auch zukuenftiger Tage und klare Leseempfehlung fuer "The Humbling".
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42 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Philip Roth ist wieder mit seinen Dauerthemen präsent: Alter, Sex & Tod, 9. März 2010
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Demütigung: Roman (Gebundene Ausgabe)
Philip Roth, der allseits geschätzte amerikanische Daueranwärter auf den Literaturnobelpreis, schreibt seit vielen Jahren fleißig gegen sein eigenes Alter, zehrende Krankheiten und seine Einsamkeit an und heraus kommen dabei veritable Romane, die sich immer wieder um Roths Hauptthemen Sex, Alter und Tod drehen.

Auch in seinem jüngsten wohltuend kurz geratenen Roman "Die Demütigung" (Hanser Verlag) sind es diese Themen, die ihn bewegen, die Handlung vorantreiben und einen tiefen Einblick in die Gedankenwelten seiner beiden Hauptfiguren gestatten.

Simon Axler ist Mitte 60, einst ein gefeierter Bühnenstar und jetzt im Alter an seinen eigenen Ansprüchen gescheitert. Getrennt von seiner Frau und in psychiatrischer Behandlung fehlt ihm etwas im Leben, wofür es sich lohnt, die Mühen der zunehmenden Gebrechlichkeit auf sich zu nehmen.
Pegeen Mike ist 40, lesbisch veranlagt und die Tochter von Axlers alten Künstlerweggefährten. Das Leben mit all seinen boshaften oder wunderschönen Zufällen ist es, das die beiden ungleichen Partner zusammen führt, ihnen ein Stück Wonne, Zukunftsglaube und Sicherheit zurückbringt.
Abenteuerlust und Entdeckerfreude eint die beiden Liebenden zudem und nach einigen Gedankenspielen setzen sie den Plan einer Dreierbeziehung in die Tat um. Für eine Nacht.

Philip Roth bemüht sich redlich, den Spagat zwischen ernster Literatur und purer Unterhaltung zu meistern, was ihm am Ende auch gelingt. Dies jedoch geht zu Lasten der literarischen Gesamtqualität und der kleine Roman erscheint als Füllmasse zwischen zwei größeren Projekten. Vielleicht hat sich Roth einfach nur eine sexuell geprägte Phantasie, einen Traum oder Wunschtraum von der Seele geschrieben und dafür teure Stunden beim Psychiater gespart, was aber keinesfalls verwerflich ist. Entstanden ist dabei ein richtig gut lesbares Buch mit einer Allerweltsgeschichte von der Liebe und vom Scheitern, die den erfahrenen Autor Roth natürlich in jedem Satz erkennen lässt, ohne Anspruch auf einen der vorderen Ränge in seinem formidablen literarischen Schaffen zu erheben.
Eines kann Philip Roth auf jeden Fall niemand absprechen, nämlich die Tatsache, dass er in seinen schwächeren Werken immer noch weit über dem literarischen Durchschnitt liegt, der jedes Jahr auf den internationalen Buchmarkt drängt.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Denn wo viel Weisheit ist, da ist viel Grämens; und wer viel lernt, der muß viel leiden. (Pred 1,18), 14. Oktober 2012
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Demütigung (Taschenbuch)
Philip Roth kennt seine Themen: Scheitern in jungen Jahren, Angst, Desillusion im Alter, Tod, Sterben und Sex. Die jungen Jahre kennen keine Demütigung, doch das Alter strotzt hier bei Roth so davon. Nicht als Demütigung von außen, sondern eine, die aus dem tiefsten Inneren diesen Simon Axler trifft, weil ihm seine Karriere als Schauspieler im wahrsten Sinne aus dem Gedächtnis fällt. Nicht mehr in der Lage, Texte zu behalten, spürt er seine desolate Lage, die ihm den Beruf nimmt, wie dieser zuvor sein Leben genommen hat. Ein Aufenthalt in der Psychiatrie soll helfen. Zurückgeworfen auf sich selbst, flüchtet er in eine anregende Affäre und erfährt dort - trotz oberflächlicher Freude - seine Ängste in dem kurzen, lieblosen aber leidenschaftlichen Zusammensein, das er sich mit einer überspannten Jüngeren gönnt. Am Ende bleibt das Leid, zerstörte Hoffnung, die Einsamkeit und das nicht gewordene Ich. Der Verfall. Der Tod.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schlusspunkt mit Jagdflinte, 13. Mai 2010
Von 
Gerhard Mersmann "GM" (Mannheim) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Demütigung: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mit dem 2009 erschienen Roman Demütigung veröffentlichte Philip Roth sein 30. Buch. Es ist nicht verwunderlich, dass der Autor, nunmehr selbst gut in den Siebzigern, in der letzten Dekade vermehrt das Phänomen des alternden Mannes thematisiert. Bereits in Jedermann und Exit Ghost hatte er die letzte Lebensphase des Mannes mit seinen tragischen und komischen Implikationen zum Gegenstand der Betrachtung gemacht. In Demütigung steigert er die bereits verwendete Metaphorik, indem er als Hauptfigur einen einstmals gefeierten Schauspieler zum Protagonisten macht.

Simon Axler, der in den Staaten als einer der großen Darsteller des Falstaff, Peer Gynt oder Hamlet galt, verliert, als er das sechzigste Lebensjahr überschritten hat, seine Kraft und Magie. Er versagt in den Rollen, die ihm nach wie vor angetragen werden, vergisst die Texte, liest und spricht sie wie ein Unbeteiligter, ihm gelingt nicht mehr, das Publikum zu faszinieren. Eine schwere Lebenskrise erreicht ihn mit der negativen Kritik, und sie entwickelt sich zu einem Selbstzweifel pathologischer Dimension, als er einsieht, wie berechtigt die Enttäuschung des Publikums ist. Axler zieht sich zunächst in sein Landhaus im Staate New York zurück, um in sich zu kehren, erkennt aber bald, dass diese selbst gewählte Einkehr keine Abhilfe schafft.

Er lässt sich in eine psychatrische Klinik einliefern, in der er zu der Erkenntnis kommt, dass er sich von seinem früheren Leben als gefeierter Schauspieler verabschieden muss. Zurück in seinem Landhaus erhält er unerwartet Besuch von der Tochter eines früher befreundeten Paares. Diese, 30 Jahre jünger als er, entflieht gerade einer lesbischen Bindung und bleibt bei ihm. Es entwickelt sich eine leidenschaftliche erotische Beziehung, deren Vorzeichen nicht auf Dauer deuten, von Axler jedoch ausgeblendet werden. Die Eltern, seine früheren Freunde, sind gegen die Beziehung und frühere Lebenspartnerinnen, die enttäuscht wurden, warnen Axler vor der neuen Gefährtin. Er ignoriert die Hinweise und flieht mit der Frau in erotische Eskapaden, die sich bis hin zu Sex mit einer zweiten Frau steigern, was allerdings die Rückorientierung seiner jungen Liebe zur lesbischen Vergangenheit zur Folge hat. So plötzlich wie sie kam, verließ sie ihn und Axler steht vor den von ihm empfundenen Trümmern seines Lebens. In einer letzten Empfindung von Schmach und Demütigung ergreift er das Jagdgewehr, rezitiert ein letztes Mal das Finale einer seiner großen Rollen und setzt seinem Leben ein Ende.

Im Gegensatz zu anderen Romanen, in denen Roth das Thema des Aura- und Machtverlustes des alternden Mannes aufgreift, kommen in Demütigung die Perspektiven von Ironie und Selbstironie nicht mehr vor. Stattdessen kehrt eine Sachlichkeit der Betrachtung ein, die zuweilen den Eindruck aufkommen lässt, als verfolge mit dem Autor wie dem Leser eine Welt den Untergang des Protagonisten aus einer distanzierten Perspektive, die kein Mitgefühl mehr zulässt. Und genau darin besteht die empfundene Demütigung.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Immer noch besser als der Großteil am Buchmarkt, 20. September 2013
Von 
Th. Leibfried "TL" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Demütigung (Taschenbuch)
Sicher ist "Die Demütigung" nicht das beste Buch Philip Roths. Bei weitem nicht. Es gehört nicht einmal zu den besten seiner Bücher. Aber es immer noch besser als vieles, wohl als das meiste, das ansonsten auf den Buchmarkt kommt. Roth zieht seinen mittlerweile abgeschlossenen Rückzug vom Schreiben konsequent durch, thematisch und inhaltlich. Es geht nur noch um das Altern, um das Altern als Mann. Unter dem Roth zu leiden scheint.

Der berühmte Theater- und Filmschauspieler Simon Axler kann nicht mehr spielen, ihn befällt eine Schauspielunfähigkeit. Inmitten seiner Krise verlässt ihn seine Ehefrau. Daraufhin weist sich Axler selbst in eine psychiatrische Klinik ein, in der er knappe vier Woche verbringt. Plötzlich taucht die 25 Jahre jüngere Tochter alter Freunde auf, die seit siebzehn Jahre offen lesbisch lebt. Sie, die Hochschuldozentin, verlässt ihre Freundin, eine Dekanin an ihrer Universität. Und sie lässt sich auf eine Beziehung mit Simon ein, zieht teilweise zu ihm ins Haus.

Als Leser weiß man von vorneherein, dass die Liebesgeschichte keine ist, nicht glücklich enden kann. Es sind Dramen, die Roth schreibt, mittlerweile auch nahezu befreit von seinem typischen Humor, der so viele seiner Werke (und ich habe nahezu alle gelesen) prägte. Ob man ihm männliche Altersphantasien zum Vorwurf macht oder diese einfach hinnimmt als Teil seines eigenen Prozesses, scheint Typ- oder Geschmackssache zu sein. Mich stört es nicht, Szenen wie in diesem Roman kamen auch schon in seinen früheren Werken vor. Man denke nur an Sabbaths Theater.
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22 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Fremdscham!, 13. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Demütigung: Roman (Gebundene Ausgabe)
Man möge mir verzeihen. Als großer Philip-Roth-Leser (und -Fan) muss ich meiner Enttäuschung hier einfach Luft machen: was für ein grottenschlechtes Buch!!! Wirklich: WARUM hält einen großen Schriftsteller wie Roth niemand davon ab, so ein klischeebeladenes, bedeutungsschwangeres, altersgeiles Groschnheftchen auf den Markt zu werfen? Wagt in diesem Stadium des Ruhms ein Verlag keine Widerworte mehr? Möchte man dem alternden Schriftsteller nicht die Laune verhageln? Oder was?!

Aber von vorn. Der gealterte Schauspieler Simon Axler kann plötzlich - hups - seine Bühnenmagie nicht wiederfinden. Allein für diesen klischeetriefenden, das Theater übermystifizierenden Einstieg möchte man Roth sofort abstrafen (er sollte es besser wissen, war er doch mit der Schauspielerin Claire Bloom verheiratet und hatte sicher Einblicke in die durchaus auch handwerklichen Arbeitsprozesse der Schauspielkunst). Magie also weg, Schauspieler verzweifelt. Da will der Mann sich natürlich sofort umbringen. Bevor er aber (SPOILER) endlich dazu kommt, muss er vorher nochmal schnell seine Alterssäfte in eine wesentlich jüngere Dame hineinpumpen. Wenn schon, denn schon! wird sich da Roth gedacht haben und macht aus dem Mädel namens Pegeen nicht nur eine Lesbe, sondern schnallt ihr auch gleich noch einen Riesendildo um und lässt sie eine weitere Dame zum flotten Dreier mit dem fidelen Greis ins Bett locken. Gut möglich, dass das der Traum aller Männer jenseits der 70 ist. Aber schön wäre es doch, wenn daraus etwas weniger platte, heruntergenudelte Literatur würde. Dieser Simon Axler nämlich ist so weinerlich, egozentrisch und selbstmitleidstriefend beschrieben, dass es einem letztendlich völlig wurscht ist, mit wem er ins Bett geht. Stattdessen wartet man darauf, dass Pegeen (völlig absehbar) die Schnauze voll hat und er sich endlich erschießt.

Bleibt zu hoffen, dass dies nicht Philip Roths letztes Wort war. Es wäre ein Jammer, wenn der Schriftsteller, der mit "Exit Ghost" und "Human Stain" so unvergessliche Bücher geschaffen hat, mit einem kleinen, minderwertigen Machwerk wie diesem abtreten würde. Write, Philip, write!
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sehr knapp vs. zu knapp, 11. September 2011
Von 
Timo Brandt "Ways are, there you go" (Quickborn) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Demütigung: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mit seiner neuen Serie von (Kurz-)Romanen hatte mich Philip Roth bisher sehr überzeugt; Jedermann und Empörung haben mir sehr gut gefallen, stilistisch und thematisch (siehe jeweils meine Rezension). Die wohl von Roth auf fünf Bücher angelegte Serie (Band 4 ist mit Nemesis bereit erschienen) findet ihren etwas traurigen "Höhepunkt" nun in diesem leicht tristen Buch über Alter und Verlangen (obwohl von letzterem wenig zwischen den Zeilen durchscheint).

Simon Axler, 65, Schauspieler, ist der Protagonist; über ihn wird uns nichts verschwiegen. Der Roman beginnt mit den Worten: "Er hatte seinen Zauber verloren. Der Impuls war erloschen. Auf der Bühne hatte er nie versagt - alles, was er getan hatte, war stark und erfolgreich gewesen, doch dann war das Schreckliche geschehen: Er konnte nicht mehr spielen."

Also versagt er doch, letztendlich, darauf läuft es hinaus. Diese tiefe, existenzielle Krise, Alptraum jedes Malers, Schriftstellers, Darstellers, jedes Künstlers, schleudert den alten Mann tief in die Abgründe seiner Identität. Ein Leben lang hat er gespielt, ein Leben lang hat er, teils unwissentlich, teils wissentlich, Rollen gespielt und nun kann er nicht mal mehr die eigene spielen. Er denkt an Selbstmord.
In Sachen Thema beginnen wir also vielversprechend, aber das Ganze erweist sich bald schon als Zwielicht in das unvorbereitet viel andere, manch unpassende, Komponenten eindringen, die sich unschön überlappen.

Ja, man kann diesen Roman mit einem Wort beschreiben: Trist. Egal wie sehr man sich auf Geschichte und Tiefe und die Personen einlässt, alles wirkt dem Einband entsprechen kühlblau, frostig, schattenhaft. Stilistisch ist das wie immer sehr gekonnt und auch an brillanten Konfrontationsszenen mangelt es nicht. Doch am Ende ist dieser Roman zu knapp, zu eng liegt er an, zu sehr laufen Inhalt und Form am Ende auseinander. Es ist kein schlechtes Buch, aber: es ist kein guter Philip Roth, es gibt bessere.

P.S.: Ich werde auch das Gefühl nicht los, dass Philipp Roth diesen Roman mit das Das sterbende Tier schon mal geschrieben hat, nur, dass dort, der Coverfarbe entsprechend, alles rot und betont und hier alles blau und verschwiegen ist.
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Alternder Schauspieler in Not...., 10. März 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Demütigung: Roman (Gebundene Ausgabe)
In seinem neuen Roman " Die Demütigung" greift Philip Roth die alten Themen von Liebe, Sehnsucht, Obsession und betrogenen Hoffnungen wie in seinen letzten Romanen ein weiteres Mal auf.
Nicht mehr sein Alter Ego Zuckermann taucht auf, sondern ein unbekannter Schauspieler, Simon Axler, ist der Held. Er ist 65 Jahre alt und übernimmt den Part des alten Mannes, der an seinen Fähigkeiten zweifelt und nach einem Nervenzusammenbruch nicht mehr spielen kann. Sein Agent Jerry, schon achtzig Jahre alt, tut sein Bestes; doch Simon kann nicht mehr!
Zu allem Übel ist seine letzte Ehe gescheitert, weil seine Frau Victoria mit ihrem Leben selber nicht zurechtkam.
In zögernder Freude erlebt er mit der Tochter eines alten Freundes, die plötzlich bei ihm auftaucht, noch einmal das leidenschaftliche Aufflackern seiner Lebensgeister. Pegeen Mike leidet am Leben und hatte sich in Frauenbeziehungen geflüchtet. Ob sie die Richtige für ihn sein kann? 25 Jahre jünger als Axler ist sie bereit, einmal eine Männeraffäre zu riskieren.
Philip Roth lässt all' die Verzückungen einer neuen Beziehung aufscheinen und zeigt uns die Qualen der Vergeblichkeit. Der Held gerät ins Abseits eines fiktiven Glücks , das nicht von Dauer sein kann. In seine Hoffnung mischt sich Skepsis, die Axler sagen lässt: "In den vergangenen Jahren war mein Leben gefährlich instabil, und ich fühle mich nicht stark genug, die Zerstörung meiner Hoffnungen auszuhalten."
Obsession, Sex und Enttäuschung: es sind die alten Themen, mit denen Philip Roth sich und den Leser beschäftigt.
Die Schärfe seiner Wahrnehmung und Beobachtung steigert sich während der Erzählung, so dass man wieder einmal staunt, wie intensiv Philip Roth über die Bedrängungen rudimentärer Gefühle zu sprechen weiß.
Er hat mit diesem Roman die Reihe von kleinen Werken über das unausweichlich nahende Alter fortgeschrieben. Unterhaltsam, zuweilen etwas zermürbend, wenn er z.B. Simon Axler in endlosen Tiraden über das Ende seiner Schauspielerkarriere lamentieren lässt, steigert der Roman mit fortschreitender Lektüre seine Dynamik. Roth weiß über Ängste, Hoffnungen und Verluste faszinierend zu berichten!
Es ist nicht das beste Werk von Philip Roth und dennoch: fast alles, was er beginnt, gewinnt an Schärfe und Tiefe beim Betrachten des menschlichen Verfalls. Man hat sein neuestes Buch erwartet und hofft noch auf viele weitere.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Tragikomische Schreibübung eines Großmeisters, 9. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Demütigung: Roman (Gebundene Ausgabe)
Vorneweg: Philip Roth ist und bleibt ein Großmeister des Erzählens und so war noch jedes seiner Bücher lesenswert, auch dieses. Dieses novellenhafte kleine Bändchen ist mir jedoch eines seiner schwächeren. Zu musterhaft und zu konstruiert ist das Thema: Da ist der alternde Schauspieler Simon Axler, der nicht mehr spielen kann und neuen Lebensmut gewinnt als sich für ihn der alte Männertraum erfüllt, die Liebe einer jungen Lesbe zu gewinnen und diese zu einer "richtigen Frau" zu machen. Axler täuscht sich selbst so sehr in dieser Verbindung zur 25 Jahre jüngeren Pegeen, dass er am Ende die Qualität seiner Spermien für eine späte Familiengründung prüfen lässt. So erfährt er schließlich die Demütigung, nur das Experiment einer emotional unreifen Kindfrau gewesen zu sein.

Soviel Roth von den Leiden und Träumen des alternden Mannes versteht, so wenig versteht er doch von Frauen. Die weiblichen Charaktere entgleiten ihm zu Klischees (oder besser flat characters) und ins Lächerliche. Ob es sich dabei um Pegeens große Liebe handelt, die ein Mann wurde, die lesbische Dekanin, die an der Eifersucht zu Axler zerbricht oder Pegeen selbst, die Lesbe, die ihr Sexspielzeug auf Axlers Bett auskippt. Auch die in einer Binnenerzählung erscheinende Psychiatrie Freundschaft Axlers, die ihren päderastischen Ehemann ermodert, bleibt leider flach.

Das Motiv der Demütigung erscheint in vielen Facetten und Varianten von Demütigungen erfahren letztlich alle Personen dieser Novelle, auch die Randfiguren. Bitter, tragisch und doch nie ohne Komik. Es bleibt das Gefühl, Roth habe hier eine Schreibübung abgeliefert, die nicht ganz ernst zu nehmen ist. So gelesen, macht sie Spaß und ist jedem zu empfehlen, der Roth bereits schätzt oder Freude daran hat, die Konstruktion von Literatur zu analysieren. Rothschen Lesebeginnern sei zunächst die Lektüre eines seiner großen Romane empfohlen. Die Übersetzung aus dem Amerikanischen ist übrigens brillant.
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5.0 von 5 Sternen der Größte, 7. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Demütigung (Taschenbuch)
Wenn man bedenkt, wer alles in der letzten Zeit den Literaturnobelpreis erhalten hat, ist es geradezu ein Skandal, daß dieser größte lebende Autor hier konsequent ignoriert wird. Roth ist der einzige, dem es gelingt auf 120 Seiten mehr über das Leben zu sagen, als so mancher Nobelpreisträger in seinem gesamten OEuvre, auch wenn dieses Buch noch nicht einmal sein bestes ist.
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Die Demütigung
Die Demütigung von Philip Roth (Taschenbuch - 1. November 2011)
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