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Kundenrezensionen

4,3 von 5 Sternen1.076
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am 7. April 2011
>Tschick< ist das wunderbarste Buch, das ich je über das Erwachsenwerden gelesen habe.
Ich habe mich beim Lesen köstlich amüsiert, stellenweise fast kaputtgelacht, nicht alleine wegen dem jugendlichen Sprachgebrauch, sondern auch wegen der kuriosen Figuren, der stimmigen Dialoge und der hinreißenden Situationskomik.

Wolfgang Herrndorf erzählt die Geschichte zweier Achtklässler, zweier uncooler vierzehnjähriger Außenseiter, die auf Umwegen zueinander finden, und sich in den ersten Tagen ihrer Sommerferien mit einem gestohlenen Lada auf den Weg in die Walachei machen. So beginnt die haarsträubende Reise der beiden planlosen Helden Maik und Tschick (der eigentlich Andrej Tschichatschow heißt) durch die ostdeutsche Provinz. Und diese rastlose Reise hat es in sich, denn was der langweilige Maik und der durchtriebene Tschick zusammen erleben ist komisch, reichlich durchgeknallt und stets ein klein wenig nachdenklich.

In unverkrampft frecher Sprache hat Wolfgang Herrndorf die Gefühlswelt zweier Heranwachsender zu Papier gebracht. Dabei gelingt es ihm ganz wunderbar, die jugendliche Zerissenheit zwischen rührender Einsamkeit, Unsicherheit, liebevoller Empfindsamkeit und der vorhandenen pubertären Coolness einzufangen. (Und ganz nebenbei: "Tschick" ist nicht nur die Abkürzung für Tschichatschow, sondern im österreichischen auch der Ausdruck für "Kippe" - also Coolness bereits im Titel mit inbegriffen...) Der Ton ist durchwegs richtig getroffen und läßt trotz all dem Witz auch Themen wie Freundschaft, Zugehörigkeit, erste Liebe und Endlichkeit anklingen.

Der Roman beginnt mit dem Ende und endet viel zu schnell. Und trotz des Tempos ist >Tschick< ein kluges Buch, ein endkomischer Roman, ein abgefahrenes Roadmovie und im besten Sinne beste Unterhaltung mit zwei Helden, die dem Leser einfach ans Herz wachsen.

Ein Dankeschön an den großartigen Autor für diesen literarischen Spaß! Doch in welchem Genre sucht man dieses originelle Buch nun? Ist es ein Jugendbuch? Ein Abenteuerroman? Ein Heimatroman? Ein Stück deutsche Literatur? - Schwer zu beschreiben, denn es ist wohl von allem ein bisschen und noch viel mehr, es ist einfach >Tschick<!
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am 20. Februar 2014
Inhalt
Maik ist ein unscheinbarer Junge ohne Freunde, ein Langweiler wie er selbst sagt. Seine Familie ist äußerlich gehobener Mittelstand mit Pool im Garten hinter der Fassade aber zerüttet mit alkoholkranker Mutter und verantwortungslosem Vater.
Tschick ist neu an der Schule, kommt öfter betrunken zum Unterricht lebt bei seinem Bruder und erzählt sonst nichts von sich.
Man ist versucht zu glauben, zwei Jungs wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Doch dann steht Tschick eines Tages mit einem geklauten Lada vor Maiks Haus und das Abenteuer beginnt.

Mein Lieblingszitat (S.209)
Der Mensch ist schlecht. Und vielleicht stimmte das ja auch, und der Mensch war zu 99 Prozent schlecht. Aber das Seltsame war, dass Tschick und ich auf unserer Reise fast ausschließlich dem einen Prozent begegneten, das nicht schlecht war.[...] Auf so was sollte man in der Schule vielleicht auch mal hinweisen, damit man nicht völlig davon überrascht wird.

Meinung
Wollte ich eine Spannungskurve zeichnen, würde sie oben beginnen, schnell abfallen, eine kurze zeitlang im Bereich null rumdümpeln um dann bis zum Ende hin nur noch anzusteigen. Ich fand das Buch einfach genial! Die Geschichte ist gut durchdacht, realistisch genug, dass man sich vorstellen kann das es genau so passiert ist und die Charaktere sind glaubhaft gezeichnet. Und während es um Spaß und das erreichen von Zielen geht, lässt Herrndorf seinen Protagonisten Maik philosophisch anmutende Gedanken in den Raum werfen, über das Älter werden, über Lebenspläne und über den Tod der alles was ein Mensch jemals getan oder erlebte hat, wie den Toten selbst früher oder später in Vergessenheit geraten lässt.

Fazit
Kurz und knapp: Absolut Lesenwert!
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am 3. September 2012
Ein universelles Buch, in das man hineintaucht und nie wieder von der Außenwelt gestört werden möchte. Treffend und genau inspiziert Herrndorf die dem Menschen eigene Komik und macht Lust auf noch mehr Tschick.

Der Klappentext überschlägt sich förmlich vor Lob, er wird sogar neben der "verdammten Blechtrommel" eingereiht. Kein Wunder also, dass die Erwartungen entsprechend hoch sind. Umso mehr erstaunt es jedoch, dass dieser kleine Spiegel-Bestseller allesamt weit übertrifft.

Witzig und charmant erzählt Herrndorf die Geschichte vom ungelenk-coolen Tschick und Maik, der nicht weiß wie er aus seiner eigenen Langweiligkeit ausbrechen soll. Mit Tschick hat er einen Charakter zum Leben erweckt, der noch viele Lesegenerationen nach uns seine Lebendigkeit verloren haben wird. Ein Poet im Russenkostüm und jüdischer Zigeuner zugleich, mit einer lässigen Galanz, die jeden Hipster in den Schatten stellt.

Sich selbst definiert er in aller Bescheidenheit. Wichtig für ihn ist nur, dass er aus der Walachei kommt und einen Opa ohne Zähne und fünf Zigaretten im Ohr hat. Kaum mehr weiß Maik von diesem neuen Klassenkameraden als dieser eines Tages mit einem geknackten Lada in der Hofeinfahrt auftaucht und ihn zu einem Trip durch Deutschland überredet. Und Maik lässt sich schneller auf dieses Angebot ein, als sein Vater die neue Sekretärin flachlegen kann.

Warum auch nicht, er hat schließlich allen Grund dazu. Ein Vater, der ihn nicht verstehen will, eine Mutter, die ihn dafür zwar für voll nimmt - aber leider ein lästiges Alkoholproblem hat und schließlich ein Mädchen, in das er heillos verliebt ist. Doch in seinem Leben regt sich nicht das kleinste Abenteuerlüftchen, denn obwohl Maik unter seiner spröden Schale kein Langweiler ist, verharrt sein Alltag in regungslosem, vor Langeweile starrendem Stillstand.

Jetzt bietet sich die beste Gelegenheit dazu, denn Maik sitzt einsamgelassen daheim, die Mutter mal wieder auf Entzug, der Vater in Affärengefilden, also was mit der ungewollten Freizeit anfangen?

Mit vor Sarkasmus triefenden Sätzen würzt der Autor das Buch und man kann gar nicht genug davon bekommen. Man hofft, man will, man verlangt eine Fortsetzung!

Bei ihrer wilden Reise durch Deutschland treffen sie bald auf Isa, die einen Mut beweist, der jeden Erwachsenen in die Knie zwingt und ausgestattet mit einer Lebenslust, die ihresgleichen sucht. Wild und geheimnisvoll wie sie ist, dauert es nicht lange, und Maik verliebt sich in diesen Ronja-Räubertochter-Verschnitt. Einem Umstand, dem wir Leser einige wunderschöne Absätze zu verdanken haben, die man einrahmen und sich über Bett hängen möchte.

Pointiert und witzig zeigt Herrndorf auf die Banalitäten des deutschen Alltags und manche Parallelen zu aktuellen Ereignissen ziehen die Mundwinkel immer wieder gekonnt himmelwärts.
Er schreckt nicht davor zurück, Tabuthemen mit einer jugendlichen Naivität und leicht schräggelegtem Kopf zu betrachten und setzt dabei schonungslos den Finger in so manch offene Gesellschaftswunde. So komisch, so traurig, so treffend, das man sich auch hin und wieder an die Gegenwartsphilosophen Calvin und Hobbes erinnert fühlt.

Nur einen kleinen Pro-Forma-Negativpunkt habe ich als Randnotiz: Die beiden Protagonisten sind so cool, so lässig, so "angekommen", dass man ihnen ihr zartes Alter von 14 Jahren nur schwer abnimmt. Gleichzeitig fragt man sich, warum man selbst damals so ein übersteuerter Hormonhaufen war und wird ein wenig neidisch auf diese wundervolle Zeit.

Auf ihrem Weg in die Walachei machen Tschick und Maik eine wichtige Entdeckung: dass der Mensch lange nicht so schlecht ist, wie allerorts gepredigt wird. Subtil beschämt liest man, dass niemand einen mehr auf das Gute im Menschen vorbereitet.
Und tatsächlich haben die beiden viele kuriose Begegnungen, die uns in Erinnerung rufen, dass auch wir in diesen Genuss kommen könnten - wenn wir es nur zulassen. Schließlich beschert eines dieser Aufeinandertreffen uns unvergessliche Sätze wie diesen hier:

"Glaubt mir", sagte er, "ihr schließt ein Mal die Augen und öffnet sie wieder, und welk hängt das Fleisch in Fetzen. Die Liebe, die Liebe! Carpe diem."

Also, liebe Leute, lest das Buch! Es kostet nicht viel Zeit und ist sie hundertmal wert.
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am 9. Juni 2011
Der Ich-Erzähler Maik Klingenberg ist 14 Jahre alt, geht in Berlin auf's Gymnasium; ist ein Langweiler, ein Außenseiter, hat keine Freunde. Sein Vater ist erfolgreicher Immobilienmakler, seine Mutter geht regelmäßig 'auf die Beautyfarm', wie sie ihre Entzugsklinik bezeichnet. Die drei wohnen in einem tollen Haus mit Pool. Eine ganz normale deutsche Familie eben. Da kommt der gleichaltrige Andrej Tschichatschow, genannt Tschick, in Maiks Klasse. Die beiden mögen sich nicht und es passiert erst mal nichts Weltbewegendes. Doch irgendwann in den unvermeidlichen Sommerferien brechen die zwei mit einem 'gefundenen' Lada auf zu einer abenteuerlichen Spritztour gen Walachei, durch unbekannte Gegenden Brandenburgs. Sie treffen auf ihrer Reise die sonderbarsten und eigentümlichsten Menschen.

Der Plot scheint klar und vorhersehbar. Herrndorfs Sprache wirkt zu Beginn aufgesetzt jugendlich cool und gebrochen. Doch die Geschichte entwickelt einen magischen Sog, die beiden zunehmend sympathischen Protagonisten gönnen dem Leser einen eigenwillig schrägen Blick auf und in unsere nahe und manchmal fremde Welt. Es geht um die erste Liebe, ums Erwachsenwerden, um Freundschaft und Menschlichkeit, um Verantwortung und Freiheit, um Denkschablonen und Phantasie, um Oberflächlichkeiten und political incorrectness. Die vielschichtige Geschichte ist in einem passend schnoddrigen Tonfall geschrieben und entwickelt sich absolut fesselnd; für Jugendliche wie für Erwachsene.
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am 27. April 2012
Ich habe nach all den Rezensionen und Artikeln (u.a. in der FAZ) den Eindruck gewonnen, dass es sich eindeutig nicht um einen Jugendroman handelt, auch wenn die beiden Protagonisten Jugendliche sind. Anhand dieser Erwartung habe ich das Buch gekauft, gelesen und nun auch bewertet.

Fangen wir mit dem Positiven an: Ich habe das Buch in 3 Tagen durchgelesen, was ich bei Büchern eigentlich sehr selten tue. Das bedeutet, dass das Buch sehr angenehm und interessant zu lesen ist. Sprachlich zwar sehr einfach gestrickt und oftmals auch ein zu künstlicher Jugendslang ('alter Finne' nervt mich bereits nach dem zweiten Mal, dazu der sehr unauthentisch konstruierte Satzbau), dafür aber mit vielen lustigen Passagen und Anekdoten, die wohl jeder aus seiner Schulzeit kennt. Das beinhaltet sowohl die Beschreibung verschiedener Lehrer-Stereotypen, die oftmals auftretende Langeweile in den Sommerferien und die Aufregung rund um die erste Liebe. Bis hierhin kann ich nachvollziehen, warum die meisten Rezensenten von einer sehr angenehmen Reise in ihre eigene Vergangenheit sprechen.

Relativ schnell wird das Buch für mich dann aber unglaubwürdig, überzeichnet und wiederholend. Dass zwei Jugendliche im Alter von 14 Jahren ein Auto klauen und damit mehrere Tage quer durch Deutschland heizen, mag man mit viel Phantasie noch durchgehen lassen. Die einzelnen Geschichten, die ihnen während dieser Fahrt aber widerfahren, lassen für mich eigentlich keine andere Schublade als den typischen Jugendroman offen. Von schießenden Kriegsveteranen über Verfolungsjagden mit der Polizei, Krankenhausaufenthalte und überschlagenden Autos wird keine absurde Szene ausgelassen. Das ist schade, da zwischenzeitlich auch wieder interessante und realistische Passagen auftreten: das Treffen mit Isa auf dem Schrottplatz und die Beschreibung der Familie um Friedemann beispielsweise haben mir sehr gut gefallen und sorgen dafür, dass ich das Buch insgesamt als lesbar bezeichnen würde - das wäre es nämlich ohne die sporadischen Highlights nicht.

Und genau hier frage ich mich, was an diesem Buch nun so genial sein soll (Zitat FAZ: "Auch in fünfzig Jahren wird dies noch ein Roman sein, den wir lesen wollen.")! Mir fehlt die inhaltliche Tiefe und die Genialität darin. Wie gesagt, das Buch liest sich angenehm und oftmals lustig, kommt für mich aber nicht über einen (guten) klischeehaften Jugendroman hinaus, auch wenn vereinzelte Dialoge beweisen, dass dieses Buch großartig hätte werden können. Nach und nach werden die Erlebnisse aber immer surrealer und sorgen so dafür, dass die gesamte Authenzität und der mitschwingende Wehmut plastisch wirkt. Ich kann so etwas leider nicht ausblenden, vor allem nicht, wenn ich ein Buch unter derart anderen Erwartungen lese.

Daher mein Fazit: Als gutes Jugendbuch zu empfehlen, dessen Kauf man auf keinen Fall bereuen wird. Unter Berücksichtigung der bisherigen Rezensionen und Kritiken blieb das Buch für meinen Geschmack jedoch deutlich hinter den Erwartungen zurück, weswegen ich die Lobenshymnen - gerade aus dem Feuilleton - nicht nachvollziehen kann.
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am 18. Mai 2016
«Tschick» heißt der Roman, der 2010 den schriftstellerischen Durchbruch für Wolfgang Herrndorf brachte, mit Millionenauflage und lang anhaltender Platzierung auf den Bestsellerlisten. Die nach einem der beiden Protagonisten benannte Coming-of-Age-Story ist mit Jugendroman nur unzureichend klassifiziert. Was die Zielgruppe anbelangt, dürften die meisten der begeisterten Leser die Adoleszenzphase längst hinter sich haben, die Thematik dieses Romans geht andererseits aber auch weit über das für Jugendliche als Lesestoff so anziehend Abenteuerliche hinaus, sie bietet wenig Sensation und Action, wie sie reizüberflutete Kids heute nun einfach mal erwarten.

Der Plot ist kunstvoll aufgebaut und beginnt mit dem Ende einer Ausreißertour, die Maik und Tschick, zwei 14jährige Klassenkameraden aus ganz unterschiedlichem Milieu, während der großen Ferien spontan in einem gestohlenen Lada unternehmen. Ich-Erzähler Maik ist wohlstandsverwahrlost, oft sich selbst überlassen, die Mutter Alkoholikerin, der Vater Unternehmer hart am Rande des Bankrotts, er betrügt die Mutter ungeniert mit seiner jungen Assistentin. Tschick, aus einer russlanddeutschen Familie stammend, in prekären Verhältnissen in einem Plattenbau am Rande Berlins lebend, hat die Idee zur «Reise», er ist auch derjenige, der als geübter Autoknacker den Lada «besorgt». Beide werden als Außenseiter von den anderen Schülern ignoriert, sind nicht zu Tatjanas Geburtstagsparty eingeladen wie all die anderen, empfinden das als Demütigung und wollen nur noch weg. In die Walachei, zu seinem Opa, schlägt Tschick vor. In einer Rückschau wird von dieser odysseeartigen Reise während der großen Ferien berichtet, die etwa eine Woche dauert. Und die natürlich allerlei Überraschungen birgt, die Jungs immer wieder in haarsträubende Situationen bringt, wo sie nicht weiterwissen. Erstaunlicherweise finden sich aber auch fast immer Menschen, die helfen, die ganz OK sind. «Seit ich klein war, hat mein Vater mir beigebracht, das die Welt schlecht ist. […] Und vielleicht stimmte das ja auch, und der Mensch war zu 99 Prozent schlecht. Aber das Seltsame war, dass Tschick und ich fast ausschließlich dem einen Prozent begegneten, das nicht schlecht war».

Heraus aus dem Einflussbereich der Erwachsenen, die weite Reise ins Unbekannte, der Beengtheit des eigenen kleinen Welt entfliehen, das waren die Motive, die der Autor bei einer Rückbesinnung auf seine eigene Jugend fand als Auslöser für derartige Abenteuerlust, wie er in einem Interview erklärte. In einer wunderbar stimmigen Sprache hat er den Jargon der Jugend getroffen, ohne ins Vulgäre, Unverständliche abzugleiten. Er hat behutsam, fast unmerklich, sein tieferes Wissen in die naive Gedankenwelt von Maik einfließen lassen, andererseits dessen noch unverdaute Eindrücke und Erlebnisse ironisch in die Erzählung eingebaut - und erzeugt damit oft große Heiterkeit beim Leser. Denn meist sind es die Erwachsenen, die da eulenspiegelhaft vorgeführt werden und sich lächerlich machen. Ein guter Teil des Lesespaßes liegt darin, die Welt einmal aus dieser unverdorbenen Perspektive zu betrachten, auch lassen sich erstaunliche Erkenntnisse daraus gewinnen.

Mit Freundschaft, Liebe, Treue, Eifersucht, Hilfsbereitschaft, Ausgrenzung, Einsamkeit, Krankheit und Tod berührt der Roman viele Themenbereiche unseres Lebens, macht nachdenklich, auch wenn das turbulente Geschehen dominiert. Kein Wunder übrigens, dass eine Verfilmung schon in Arbeit ist, der Stoff schreit geradezu danach. Vieles im Roman entwickelt sich aus stimmigen Dialogen, wobei die lebensnahen Figuren allesamt sympathisch wirken. Diese positive Grundstimmung und der rasante Plot macht es dem Leser schwer, das Buch aus der Hand zu legen, ich jedenfalls habe es in einem Rutsch durchgelesen. Leichte Kost sicherlich, aber nicht niveaulos, Urlaub vom Alltag, um den Kopf mal frei zu bekommen von dem vielen Negativen, das medial pausenlos auf uns einwirkt.
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am 13. Mai 2016
Und irgendwie habe ich das Gefühl, Herrndorf wollte doch ein bisschen den "Fänger im Roggen" imitieren. Schon der Aufbau ist ziemlich ähnlich: erst einmal ist der Protagonist in der Gegenwart, nachdem schon alles passiert ist, was die Leser nun erwartet, dann folgt die eigentliche Geschichte, auch hier eine Fahrt/Reise nach irgendwo. Auch die Art zu erzählen, ist einfach zu ähnlich. Kann mir kaum vorstellen, dass das Zufall ist. Andererseits... klar, es ist schon zu verstehen, dass man sich gern an dem sicher erfolgreichsten Jugendroman des 20. JH orientiert, wenn man selbst einen schreibt. (Nein, Harry Potter ist eine "Jugendbuchreihe", dito solche Sachen wie "Twilight", "Percy Jackson" - und außerdem kann man das alles echt nicht mit "Tschick" oder dem "Fänger" vergleichen.
Das Buch ist eine gute Ferienlektüre, da stören dann auch einige doch etwas klischeehafte Stellen nicht (allein Tschick selbst ist ein ziemlicher Klischee-Typ - ein seltsamer Russe, intelligent und doch prollig, vor dem alle total Respekt habe, sogar die Lehrer, Bingo; und natürlich ist Maik in ein Mädchen verknallt)
Was ich aber auch finde: das Buch sollte man besser nicht als Schullektüre lesen. Fängt man an, es zu analysieren, fällt doch auf, wie wenig Handlung es eigentlich hat und dass Maiks Gedanken einfach nicht so tiefsinnig und authentisch sind wie Holdens.
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am 14. Juni 2013
Maik Klingenberg ist vierzehn und geht in die achte Klasse einer Schule in Berlin. Dort ist er ein Außenseiter und Maik meint auch zu wissen, warum: Er hält sich selbst für unwahrscheinlich langweilig. Tragischerweise ist er jedoch verliebt in Tatjana, eine Mitschülerin, welche ihn aber überhaupt nicht beachtet. Kurz vor den Sommerferien kündigt Tatjana an, ihren Geburtstag ganz groß zu feiern, alle sollen eingeladen sein. Mit alle sind jedoch nicht alle gemeint, unter anderem ist Maik nicht eingeladen, und dass, obwohl er vorher schon ein riesiges Beyonce-Bild gezeichnet hat. Totbetrübt geht Maik in die Ferien, welche er in den ersten zwei Wochen alleine in der elterlichen Villa verbringen kann, denn Maiks Mutter fährt zu einer Entziehungskur, und sein Vater verreist mit seiner Sekretärin.
Doch dann taucht Tschick plötzlich mit einem gestohlenen Lada auf, er ist ein Schulkamerad von Maik und ebenfalls nicht zur Geburtstagsfeier eingeladen. Eigentlich heißt er Andrej Tschichatschow und ist vor vier Jahren mit seinem Bruder aus Russland nach Berlin immigriert und hat es kurioserweise von der Förderschule bis auf das Gymnasium geschafft.
Tschick schlägt Maik vor, eine Fahrt in die Walachei zu machen, das Ziel ist auch schon bekannt: Ein Onkel von Tschick soll dort leben. Während Maik seinem ominösen Schulkameraden zu erklären versucht, dass es die Walachei als Land gar nicht gäbe, schafft Tschick es trotzdem, ihn zu überreden, mitzukommen... und so beginnt eine außergewöhnliche Reise ohne Karte und Kompass, aber mit Fertigpizzen und einem Riesenstapel Mangas in die ostdeutsche Provinz.

Ich habe dieses Buch im Rahmen des Schulunterrichts gelesen, was einen ja an sich schon anders an ein Buch rangehen lässt, als wenn man sich das Buch eigenwillig beschafft. Doch ich muss sagen, dass es mir doch gefallen hat. Immerhin habe ich es innerhalb von nur einem Tag durchgelesen.
Wolfgang Herrndorf hat es mit <Tschick> geschafft, einen tollen Abenteuerroman zu schreiben und mit dem Hauptprotagonisten Maik Klingenberg ist ihm ein Charakter gelungen, in dem wir uns alle wiedererkennen können, denn man muss nicht unbedingt ein Langweiler sein, geschweige denn ein irgendwie gearteter Außenseiter, um die Gedanken- und Gefühlswelten des vierzehnjährigen Jungen zu verstehen. Bei mir gab es jedenfalls sehr oft Momente, in denen ich sehr gut nachvollziehen konnte, wie es Maik gehen muss. Beispielsweise, dass er ein Mädchen liebt, das ihn aber überhaupt nicht wahrnimmt. Bezeichnend für das Leben eines Schülers war auch die Schilderung des Sportunterrichts. Maik, sonst auch im Sport eher unauffällig, zeigt Spitzenleistungen beim Hochsprung und geht sogar als Sieger hervor, nur um dann feststellen zu müssen, dass ihn niemand beachtet und sich alle Mädchen nur für die Leistungen der coolen Jungs interessieren, egal wie gut oder schlecht sie sein mögen. All diese Schulszenen, die Herrndorf in Tschick beschreibt, hat jeder von uns schon einmal erlebt, entweder am eigenen Leibe oder bei Mitschülern. Es gelingt dadurch auch prima, sich sofort in den Protagonisten hineinversetzen zu können und man fiebert mit ihm mit, wenn er mal wieder eine (für ihn) große Entscheidung treffen muss.
So freut man sich auch für Maik, als Tschick mit dem gestohlenen Lada auftaucht. Und als dieser Maik versucht zu überreden, etwas total Verrücktes zu machen, weiß man schon, wie Maik reagieren wird und hegt doch den Wunsch, er würde auf die Frage, ob er in den Lada einsteigen wolle, mit "Ja" antworten. Denn obwohl Tschick im Roman bis dato weniger durch gute Manieren und Freundlichkeit aufgefallen ist, merkt man als Leser, dass er genau das Richtige ist, was einem Menschen wie Maik passieren kann. Und auch, wenn die beiden im weiteren Verlauf der Geschichte vieles am Rande des Gesetzes und darüber hinaus tun, verfolgt man doch fasziniert, welch große Entwicklung Maik Klingenberg im Laufe der Reise durch die ostdeutsche Provinz vollzieht.

Sprachlich ist das Buch besonders zu loben, denn Herrndorf schafft es, das Erzählte klingen zu lassen, wie, als wenn es von einem Vierzehnjährigen erzählt worden wäre. Ich persönlich habe mich unweigerlich an die Erzählweise aus Forrest Gump erinnert gefühlt, nur geht es hier wirklich um einen in weiten Teilen noch sehr naiven und unerfahrenen Jungen. Gelegentlich suchen die jungen Protagonisten noch nach geeigneten Wörtern, um ihr Anliegen klarzumachen, werden dabei dann oft ungewollt philosophisch. So werden in dem Roman einige große Themen aufgegriffen, wie der Umgang mit dem Tod oder die Bedeutung von echter Freundschaft.

Im Grunde lässt sich über dieses Buch sagen, dass es absolut lesenswert ist. Für mich ist es glasklar in die Sektion Jugendliteratur einzuordnen, ganz einfach, weil es ein typisches Thema behandelt und die Erzählweise der eines Jugendbuches entspricht. Jedoch empfehle ich es trotzdem jedem Erwachsenen, der Lust an einer toll erzählten Geschichte hat und sich gerne an die eigene Kindheit zurückerinnern will. Ich habe es zumindest gerne gelesen und dass ich für "Erwachsenenliteratur" oft mehr als einen Tag brauche und dieses Buch innerhalb eines Tages verschlungen habe, zeigt, wie gut ich dieses Buch fand.
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TOP 500 REZENSENTam 17. August 2012
Leider verknüpft amazon die Rezensionen von Buch und Hörspiel.

Da seine alkoholabhängige Mutter mal wieder in einer Entzugsklinik ist und sein Vater mit seiner hübschen, jungen Assistentin auf Geschäftsreise muss, bleibt der vierzehnjährige Maik in den Sommerferien vierzehn Tage allein zu Hause. Eigentlich hat sich Maik auf 14 Tage Videospiele und Suhlen in Liebeskummer eingestellt, denn als uncooler Spinner ist er natürlich nicht auf die Party seines Schwarms Tatjana eingeladen. Doch dann steht plötzlich Andrej Tschitscharow genannt Tschick, der neue Russe aus der Klasse, das Enfant terrible des Jahrgangs, mit einem kurzgeschlossenen Lada vor der Haustür. Tschick lädt Maik zu einer Spritztour zu seinen Verwandten in die Walachei ein. Ohne Straßenkarten, ohne Kompass, ohne Plan tuckern die beiden Teenager durch das Berliner Hinterland und lernen dabei einige merkwürdige Gestallten kennen.

Wolfgang Herrndorf wollte ein Buch schreiben wie jene, die er als Kind gerne las. Er liebte wohl Tom Sawyer und Huckleberry Fin, denn diese Geschichte mutet ein wenig wie eine moderne Variante dieser Geschichte an. Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch den Banjo Soundtrack von Andreas Bick. Ein modernes Road-Movie mit ein wenig Coming-of-Age und einem recht ausgelutschten Geheimnis, das nicht hätte sein müssen und irgendwie ein arg gewolltes Zugeständnis an den Zeitgeist ist und damit schon wieder fast vorhersehbar.
2011 produzierte der NDR ein zweiteiliges Hörspiel basierend auf diesem Roman. Regie führte Iris Drögekamp.
Die Hauptrolle des Maik spricht der 1983 geborene Julian Greis, aber man merkt ihm sein Alter im Hörspiel nicht an. Die Stimme wirkt sehr jung und ich habe mich zunächst gefragt, woher die Produzenten einen so begabten Teenager hatten, der diese Geschichte so wunderbar bissig und lakonisch erzählt. Tschick wird von dem 1986 geborenen Constantin von Jascheroff (deutsche Stimme von Anakin Skywalker) gesprochen, der nicht ganz so jung klingt, aber den russischen Akzent glaubwürdig darstellt. Normalerweise klingt es immer sehr falsch oder gekünstelt, wenn ein deutscher versucht den russischen Akzent nachzumachen, diesmal ist es gelungen.
In weiteren Rollen findet man zwar keine großen Namen, aber trotzdem sehr gute Sprecher, die ihre Rolle lebendig und glaubwürdig spielen.

Isa: Effi Rabsilber
Josef Klingenberg: Stephan Schad
Frau Klingenberg: Ulrike Grote
Schürmann: Samuel Weiss
Wolkow: Michael Prelle
Wagenbach: Gerhard Garbers
Strahl: Hanns Jörg Krumpholz
Kaltwasser: Hannes Hellmann
Fricke: Gerd Baltus
Richter Burgmüller: Uli Pleßmann
Polizist: Heiko Raulin
Frau: Caroline Ebner
André: Gunnar Frietsch
Friedemann: Joshua Sommer
Florentine: Selina Schröder
Elisabeth: Franziska Rarey
Jonas: Bennet Zippel
Schüler Klasse 6, 8: Gunnar Frietsch, Giuseppe Restivo, Carlotta Höhne, Ronja Lauther, Selina Schröder, Joshua Sommer

Fazit: Es reizt mich jetzt nicht, das Buch zu lesen. Das Hörspiel jedoch macht Spaß. Da dudelt Richard Clayderman aus dem Radio der coolen Jungs, da Stimmt die Atmosphäre, die Klangkulisse und die Sprecher. Wegen der sehr gelungen Umsetzung 5 Sterne, der Geschichte an sich würde ich nur 4 Sterne geben.
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am 19. Mai 2016
Der Roman erzählt von zwei Schülern, Maik und Tschick, im Alter von 14 und 15 Jahren. Sie begeben sich auf eine unglaubliche, verrückte und witzige Reise mit einem „geborgten“ Lada, der eigentlich schon schrottreif ist. Auf ihrer Tour in die Walachei lernen Tschick und Maik schräge Typen kennen. Doch werden sie ihr Ziel erreichen und es bis in die Walachei schaffen ?
Das Buch ist in einer sehr amüsanten Jugendsprache geschrieben, die sehr gut zur Geschichte passt. Es ist sehr spannend und bleibt das auch bis zum Schluss. Die Geschichte finde ich persönlich sehr verrückt aber denkbar. Ich empfehle das Buch jedem, der einen sehr lustigen und spannenden Roman über Freundschaft, Liebe und Leichtsinn lesen möchte. Der Autor des Buches, Wolfgang Herrndorf, hat diesen Roadtrip todkrank im Krankenhaus und außerdem in Abschnitten geschrieben. Das merkt man zwar auch, aber genau das ist es, was diese Buch so lebendig macht.
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