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TOP 500 REZENSENTam 6. August 2012
Portnoy's Complaint - so heißt dieser Roman, mit dem Philip Roth 1969 zum Bestseller (und großem Romancier) wurde, in der Originalausgabe. Allerdings passt die deutsche Übersetzung perfekt, denn sowohl in Englisch, als auch auf Deutsch, ist das Attributwort Complaint/Beschwerde mehrdeutig. Es kann Beschwerde im Sinne von Klage bedeuten, aber auch Beschwerde im Sinne von Krankheit oder Leiden.

Alexander Portnoy, wie Roth aufgewachsen in Newark, in jüdischen Vierteln, ist ein 33jähriger Neurotiker voller Selbstzweifel und Seelenballast. Und er ist der festen Überzeugung, dass man ihn bloß dazu gemacht hat. Seine überfürsorglichen Eltern sind Schuld, die ihm das Leben von vorneherein als extrasaubere Sache prophezeit haben, dass er dann mit dem Erwachen seiner Sexualität aber von einer ganz anderen Seite kennenlernen musste, die sich nicht vereinbaren ließ mit der kleinen Gefügigkeit seiner Kindheit und Erziehung. Seine moralische Integrität und Selbstbefindlichkeit schwinden in dem Zwist aus Anerzogenem und Triebhaften, sein Gewissen und sein Geschlecht stehen im dauerhaften Wettstreit. Das ist der Sprengstoff - seines Charakters, und letztendlich des ganzen Buches: fragile sexuelle Realität kontra ebenso fragiler, anerzogener jüdischer Mentalität, zusammengeführt zu einer ständigen Zerreisprobe. Elterliche Erwartungen und Sex werden zum Sinnbild zweier verschiedener, doch gleichsam in ihrer Problematik schon fast wieder ähnlicher, unvereinbarer Welten, ohne Möglichkeit der Erfüllung oder Verbindung.

Zum Aufbau des Buches fallen einem vielleicht vor allem zwei Bezeichnungen ein: Unstrukturiert und etwas aberwitzig - und doch: es ist sehr gut zu lesen (nicht so perfekt, wie im Vergleich zu anderen Roth-Romanen, aber doch sehr flüssig). Das liegt wohl vor allem an der gut getimten Abstimmung von Abschweifung, Reflexion und des sich langsam übergreifend aufbauenden Bildes der Romanfigur, die einen mal mit ihren aggressiven Beichten verschreckt und einem dann wieder mit den Momenten durchblitzender Sehnsucht näherkommt. Klug werden dem Leser mal die zentralen Problematiken der Figur in Form von Anklagen und Analysen aufgedrängt, dann entdeckt er sie wieder selbst in den einfachen Schilderungen aus seinem Leben - so gesehen ein Meisterwerk der Symbiose zweier erzählerischer Bestrebungen.

Viele mögen das rasante Buch, dass weniger von einem Roman, denn von einem Monolog hat (oder zumindest eine Synthese aus beidem ist), als bloße Satire oder als Analyse lesen (und man kann es auch, gut und problemlos, so lesen). Aber für mich ist es vielmehr eine der besten Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit dem sexuellen Konfliktpotential, die weit über die bloße Essayistik vieler Betrachtungen hinausgeht und weit über den bloßen Präzedenzfall des Protagonisten. Portnoy ist ein suchender, der die Glorie im Hang des Menschen zur sexuellen Überhöhung sieht. Doch immer wieder, eigentlich ständig, zeigen sich Risse in diesem Glauben, von denen er weiß, dass sie die Bestätigung eines tieferen Unglücks sind - ein Unglück, das ihm gleichzeitig Angst wegen seiner scheinbaren und immer stärkeren Unausweichlichkeit macht. Letztlich zweifeln seine tiefsten Gewissheiten nicht an der Sexualität, aber an ihrem abgeleiteten, beschworenen Symbolplatz in den Beziehungen zwischen Menschen. Denn Sexualität, dass kann man aus diesem Buch lernen, ist kein Verbindungsaufbau - kann es nicht sein - sondern nur die Verbindung selbst, die möglicherweise etwas aufbaut.

Portnoys Beschwerden ist ein Schlüsselroman - und gerade deshalb ein Allerweltsbuch, das immer etwas schwierig sein wird, aber auch sehr wandelbar und deswegen möglicherweise längerfristig von Bedeutung. Vielleicht ist es nicht das beste Buch, das je über Sex geschrieben wurde. Aber es ist zumindest das beste, das auf solch erheiternd-vielschichtige Weise darüber geschrieben wurde, wofür Sex oft gehalten wird. Mit einem Urteil aufräumen will das Buch dabei allerdings nicht, auch nicht sich eins erlauben. Aber es will die Urteile reflektieren. Und das gelingt, wenn der Leser es will, sehr gut.
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am 23. Januar 2013
Dass es in den USA Ende der Sechziger Jahre möglich war, so ein dezidiert sexbezogenes Buch zu schreiben – das dann auch noch äußerst erfolgreich war – mag man sich gar nicht vorstellen. Wenn ich heute einige "Stellen" zitieren würde, würde Amazon meine Rezension nicht veröffentlichen. Und auf einer CD stünde drauf "parental advisory: explicit content". Roth hat in einem Interview mal erzählt, dass er in New York mit einem Taxifahrer namens Portnoy gefahren ist. Der Taximann stieß wüste Drohungen gegen den Autor aus, der inkognito neben ihm saß. Was eine Eltern von diesem literarischen Rundumschlag hielten, kann man sich denken. Worum es hier eigentlich geht? Portnoy, dezidiert jüdischer Intellektueller mit gehobenem Verwaltungsjob, blickt zurück auf sein noch junges Leben. Es ist ein Monolog, den er offenbar seinem Psychiater in der Analyse hält, auf 260 Seiten. Dabei geht es vor allem um seine ausgefallenen sexuellen Vorlieben und Neurosen, seine Beziehungsunfähigkeit und seine daraus resultierenden – seelischen – Beschwerden. Nicht lustig? Denkste!
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Portnoys Beschwerden von Philip Roth

Ein eigentlich schrecklicher Roman. Der Ich-Erzähler "kotzt", um es wie Portnoy vulgär auszudrücken, sein Leben dem bekannten, auch real existierenden Psychiater Dr. Spielvogel auf den Schreibtisch. Er verschmutzt sinnbildlich zusätzlich den Teppichboden, die Couch und den Anzug des Psychiaters. Es ist ein einziges Herausschleudern von Beschwerden, ein ständiges Hinterfragen, ein Jammern und Lamentieren. Eigentlich unerträglich das ganze Gehabe des Protagonisten. Der Psychiater (der sich in seinem echten Leben genau mit diesen Themen befasst hat) sagt kein einziges Wort.

Unerträglich erscheinen auch die sich immer wiederholenden Beschreibungen der exzessiven Masturbationen. Später kommen die ebenfalls schwer zu ertragenen Beschreibungen der sexuellen Praktiken hinzu. Dieser Mensch ist auf seine Sexualität reduziert. Somit ist er ein perfektes Produkt der Evolution, ausgerichtet allein auf die Streuung seiner Gene und damit Erhaltung seiner Art, sonst nichts. Und er ist natürlich ein Kind seiner Zeit, der 60iger Jahre.

Er kommt aus einem besorgten und behüteten Elternhaus. Vom Vater übermäßig verehrt und geliebt. Der Sohn soll, wie üblich, das erreichen, was der Vater als Versicherungsvertreter nicht erreichen konnte. Dabei sieht er wohl, wie der Vater sich quälen muss, um den geschundenen Unterprivilegierten aus den sogenannten schlechten Wohngegenden ausgerechnet Lebensversicherungen zu verkaufen. Und das nicht ohne Erfolg. Er schämt sich für seinen Vater, weil dieser so ungebildet sei. Er selbst fühlt sich hoch gebildet und spricht dauernd von seinem hohen IQ. Allerdings ist von dieser vermeintlichen Hochbegabung wenig zu spüren.

Die Mutter überbesorgt, sie liebt ihren Sohn über alle Maßen. Er ist überbeschützt und fühlt sich gefesselt und eingeengt. Freud und Ödipus sind nahe.

Das Judentum mit all seinen Ritualen und in seinen Augen unsinnigen Regeln hasst er offenbar über alles. Er scheint es zu verabscheuen. Religion ist seiner Auffassung nach Unterdrückung. Glaube sei Illusion.

Doch so einfach ist es nicht mit diesem Roman, der bei seinem Erscheinen 1969 Empörung auslöste. Es gibt hoch interessante Passagen, die dem Leser den Atem stocken lassen.

Zentraler Punkt ist immer wieder die Sucht der amerikanischen Juden zu leiden, wie er es ausdrückt. Alle Last und Schuld der Welt nehmen sie auf ihre Schultern. Dazu verfolgt und gequält auf der ganzen Erde. Er will diese Last nicht mehr tragen.

An anderer Stelle sagt er, warum sollte er sich von einem Mädchen einfangen lassen, nur um ihre bürgerliche Existenz zu sichern und es damit zufriedenzustellen. Die Frauen jagen einen Mann, um ihn als Ehemann an sich zu binden, um damit das bürgerliche Überleben mit Haushalt und Kindern zu sichern, wie es eben üblich ist. Er könne sich nicht vorstellen, ein Leben lang nur eine Frau zu begehren, wenn doch nach einigen Jahren eigentlich alles vorbei sei. Daher werde er sich nicht binden und niemandem etwas versprechen.
Irgendwann merkt er jedoch, dass dieses ständige Jagen nach neuen Abenteuern sinnlos und leer ist. Plötzlich träumt er von jener Idylle mit Frau und Kindern, die er groß werden sieht und die er prägen könnte, denen er Vater sein möchte. Dazu ein Haus mit Garten, Freunde und die üblichen Sonntagsvergnügen des amerikanischen Sommers mit viel Sport und Spiel. Oder ist diese Idylle eine Illusion hinter der Leid, Trennung, verlassene Kinder, brutale Scheidungskriege vor bekanntermaßen rigiden New Yorker Gerichten warten?

Ein ungewöhnlich geschriebener Aufschrei eines Zweifelnden.Dem Leser wird es nicht leicht gemacht in diesen hastigen, anklagenden, überheblichen, verzweifelten, zeitweise unglaublich erhellenden, einfach hingeworfenen Ausbrüchen.
Weltliteratur. Absolut lesenswert!
Gelesen wurde die Orginalversion auf Kindle.Sehr empfehlenswert.
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am 18. Oktober 2010
Unbestreitbar ein literarisches Kunstwerk und Meisterstück. Realistisch und absurd zugleich und sicher nichts für schwache Gemüter.

Aber Vorsicht: Die Neuausgabe enthält nicht den zusätzlichen Kurzroman Goobbye Columbus und die fünf Stories.

Deshalb Finger weg von der Neuausgabe und die Komplettversion (Portnoys Beschwerden / Goodbye, Columbus. Roman, Kurzroman und fünf Stories.) lesen!
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am 24. November 2013
"Doktor Spielvogel, das ist mein Leben, mein einziges Leben, und ich lebe es mitten in einem jüdischen Witz! Ich bin der Sohn im jüdischen Witz - nur dass es kein Witz ist!" S43

Alexander Portnoy ist an einem Punkt in seinem 33-jährigen, narzisstischen Leben angelangt, indem er innerlich unheilbar zerrissen ist zwischen dem Wunsch, eine Familie zu Gründen und dem Bewahren einer solchen Familie vor dem "Jüdisch-sein". In einem temporeichen Monolog hechelt, nein keucht er die große Misere seines bitteren Lebens seinem wortlosen Zuhörer und Psychiater Doktor Spielvogel entgegen bis ihm in einem hyperventilierendem, orgastischem Schrei der Verzweiflung die Luft ausgeht!

Portnoy ist ein überaus intelligenter, selbstbewusster, angesehener Mensch, ganz anders als sein Vater, der als Versicherungsvertreter so sehr an seinem Tun zweifelte, dass er Zeit seines Lebens an chronischer Verstopfung litt. Alexander war der Held des Vaters, sein personifizierte Erfolgsfaktor. Doch Alexanders einziger Gedanke galt Sex - und vor allem Sex mit "Schicksen"! Denn er wehrte sich vor all den jüdischen Bräuchen, er rebellierte gegen die Religion ganz allgemein und versuchte durch das Beherrschen nicht-jüdischer Frauen, seine "Judenfrage" zu ignorieren. Mit nur mäßigem Erfolg.

"Wenn ihnen Arthur Miller als Erlöser von 'Schicksen' gefallen hat, werden Sie Alex einfach lieben!" S163

Ich habe den Roman als unglaublich humorvoll und unterhaltsam empfunden. Es ist erneut ein New-York / Newark Roman Philip Roths der seinem Zeitgeist absolut gerecht wird. Die atemlosen Beschreibung unterschiedlicher Sexpraktiken - an sich selbst, mit einem oder mehreren Partnern oder einer gewöhnlichen Leber, die schon eine Stunden nach den sexuellen Freuden am Tisch der Familie Portnoy genussvoll verspeist wird - sorgten 1967 in USA für helle Aufregung. Die Rückblenden im Monolog auf Kindheit, Jugend oder Portnoys erste Liebesbeziehungen im jungen Erwachsenenalter sind sehr erfrischend, seine Charaktere eunverwechselbar. Natürlich ist der Roman in keiner Zeile politisch korrekt. Portnoys Frauenbild klafft zwischen der reinen, jüdischen Mutter und der blonden "Schickse" in Person seiner ungebildeten Freundin dem Model Mary Jane Reed - genannt "Äffchen" und steht in starkem Widerspruch zu seinem Beruf als stellvertretender Kommissar der New Yorker Gleichbehandlungskommission, was den satirischen Charakter zusätzlich verstärkt!

Überlassen wir das Häufchen Elend dem berühmten Doktor, der wohl im Nachspann doch noch zu Wort gekommen war - wir wissen es nicht!

Ein Must Read" der Weltliteratur des 20. Jahrhunderts!
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am 10. Dezember 2009
Der 33-jährige amerikanische Jude Alexander Portnoy berichtet in einer Art Monolog seinem Psychoanalytiker Dr. Spielvogel seine Lebensgeschichte, wobei er assoziativ von einem Ereignis zum nächsten springt.
Als Sohn eines jüdischen Versicherungsvertreters und einer jüdischen "Übermutter" ist Alexanders Leben von klein auf von Schuldgefühlen, Scham, Hemmungen und Versagensängsten geprägt. Der Vater, lebenslang an Verstopfung leidend, erscheint verweichlicht, gedemütigt, verständnislos, die Mutter allgegenwärtig, perfekt, kontrollierend, mit einem gestörten Verhältnis zu den Gojims.

Alexander, ein hochbegabter Schüler und Student, lehnt sich früh gegen die Beschränktheit seines Elternhauses auf. Er erklärt sich zum Atheisten und in der Pubertät beginnt er geradezu manisch zu onanieren - immer im Geheimen, immer mit der Angst vor Entdeckung. Später versucht er sein sexuelles Verlangen mit immer neuen Frauen zu stillen. Bis er das Mannequin Mary Jane Reed, eine blonde "schikse", trifft, die seine sexuellen Bedürfnisse zu teilen scheint. Aufgrund ihrer Herkunft und ihres Auftretens muss auch diese Beziehung unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.
Während einer Reise nach Rom und Athen kommt es zu einer dramatischen Trennung, die Alexander nach Israel fliehen lässt, auf "Erlösung" hoffend. Dort in Israel muss Alexander eine herbe Niederlage hinnehmen.

Der jetzt von Werner Schmitz neu übersetzte Roman Philp Roths erschien erstmals 1967 in Amerika. Damals aufgrund des Themas und der oft schamlosen Sprache spektakulär, kann dieses Buch heute nicht mehr so entsetzen. Trotzdem ist "Portnoys Beschwerden" zeitlos lesenswert.
Sehr überspitzt schildert Philip Roth das Leben eines Juden in Amerika des 20. Jahrhunderts, ständig auf der Suche nach der eigenen Identität, unglücklich, verkrampft und verkniffen.
Wie zerrissen Alexander zwischen Lust und Schuld, zwischen sexuellem Verlangen und seinen hohen moralischen Ansprüchen an sich selbst ist, schildert der Autor wortreich und mit hohem Tempo. Sprühend von Einfallsreichtum und schrägen Situationen, ist das Buch eine kurzweilige und witzige Lektüre.

Philip Roth schildert Alexander Portnoys Leben, als Jurist stellvertretender Kommissar der New Yorker Gleichbehandlungskommission, der nicht zu seinen sexuellen Begierden und Vorlieben stehen kann und darf in drastischer Sprache. Es ist die Lebensbeichte eines amerikanischen Juden, der sich auch mit 33 Jahren nirgends zugehörig fühlt und sich durch seine Selbstanklagen zu zerfleischen droht.
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am 13. März 2016
Der Autor gibt einen guten Einblick in die Verhältnisse der amerikanischen Juden; Man kann gut sehen, auch Minderheiten leben ihren speziellen Rassismus aus.
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am 29. November 2009
ein gutes buch, mit dem ganz eigenwilligen jüdischen humor, gleichermaßen anspruchsvoll und heiter.
da liegt ein mann im besten alter beim psychiater auf dem sofa und versucht, diesem sein lebensdrama zu verdeutlichen. der mann ist ein gesellschaftlich erfolgreicher amerikanischer jude, aber er hat mit all dem ein gewaltiges problem, denn er wollte schon immer und will immer noch raus aus diesem vorgefertigten gefüge, aus diesem familiären und religiösen mief; er bekämpft seine dominante mutter, einen sehr zwielichten rabbi, er liebt seinen hypochondrischen, chronisch verstopften und in seiner lebensstellung festgefahrenen vater. und er will eigentlich weg von alldem.

die pubertät bringt ihm schlimme verwirrung, exzessives onanieren dominiert seinen alltag, er hat sexfantasien, in denen auch schicksen die hauptrolle spielen, was doppeltes fegefeuer nach sich ziehen müsste. er bringt es zu staatstragenden ämtern, hat aber ein unstillbares verlangen nach dem weiblichen geschlecht, wenigstens einem teil davon. er überredet seine freundin zu einem flotten dreier, was diese in eine sinnkrise stürzt, möglicherweise sogar vom balkon. er flüchtet ins mutterland seiner religion, um zu sich selbst zu finden. dort trifft ihn aber die heilige impotenz in dem moment, als er erfahren muß, dass die frauen dort den schicksen nicht unähnlich sind. sein leben- ein einziges tohuwabohu, eine sinnsuche, eine männliche sinnsuche.

das buch ist flüssig geschrieben, eröffnet dem leser eine eigentümliche, andere, interessante welt des jüdischen ostküstenamerika, stellenweise sehr lustig, aber letztlich doch mit ernsthafter problemverarbeitung. werde demnächst mehr von p.roth lesen, auf alle fälle.
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Der erstmals 1969 erschienene Roman "Portnoy's Complaint", der seinerzeit nicht nur weltweit ein großer Erfolg war, weil viele darin eine gelungene Kritik an den amerikanischen Juden in dem Amerika des 20. Jahrhundert sahen, sondern auch wegen Netz beschmutzendem Antisemitismus große Missbilligung erzeugte, erscheint jetzt in einer neuen Übersetzung von Werner Schmitz. "Portnoy's Beschwerde", eine jüdische Familiengeschichte, zählt zu den Hauptwerken von Philip Roth, dem einzigen lebenden amerikanischen Romantiker, dessen Werk in seiner Gesamtausgabe von der Library of America herausgegeben wird.

Ich habe viele Bücher von Philip Roth mit Begeisterung gelesen, zuletzt "Empörung" (s. meine Rezension 15.03.09) und so bin ich mit viel Erwartung auch an dieses Werk herangegangen. Letztlich, das sei vorweg geschickt, bin ich enttäuscht von dieser Lektüre. Philip Roth hätte eigentlich schon längst den Literatur Nobelpreis verdient, ist auch dieses Jahr wieder leer ausgegangen. Der Grund mag darin liegen, dass man in der Schwedischen Akademie die überwältigende Weltmacht der anglo -amerikanischen Literatur nicht noch weiter stärken will und ihr eher etwas entgegen halten möchte, aus einem ganz anderen Bereich, Literatur von den Rändern, Literatur von Emigranten, von Sprachwechsler, von Exil Autoren, Literatur aus den kleinen Sprachen.

Zum Inhalt: Der 33 jährige Anwalt Alexander Portnoy befindet sich auf der Praxiscouch des jüdischen Psychoanalytikers Dr. Spielvogel, Klischee des österreichischen-jüdischen Freud-Schülers. Portnoy erzählt seine sozial und sexuell verwirrte Lebensgeschichte, bei der er im Laufe der Erzählung Anzeichen eines ödipalen Komplexes erkennen lässt.

Er beginnt mit seiner Kindheit, die er im jüdischen Viertel von Newark im Kreise seiner kontrollsüchtigen Übermutter, seiner dicklichen, nicht geliebten Schwester und seinem schwächlichen hypochondrischen Vater verbringt. Er absolviert mit Auszeichnung die Schule wird schließlich stellvertretender Kommissar der New Yorker Gleichbehandlungskommission. Ihm wird in subjektiver und überzeichneter Persiflage klar, dass er die Vorurteile der Juden durch die nichtjüdischen "Gojim" zwar äußerlich bekämpfen kann, im Inneren aber nicht zu zerstören vermag.

Die Komplexe, die die Eltern dem Alexander eingeimpft haben kann er nicht abschütteln, so fühlt er sich einerseits immer noch als braver Sohn seiner Eltern, anderseits revoltiert er seit seiner Pubertät dagegen, versucht sich zu befeien, aus dem ungeliebten jüdisch- amerikanischen Mittelklassedasein auszubrechen.

Seine Revolte beginnt mit ausschweifenden Selbstbefriedigungspraktiken wie Exhibitionismus, krankhaften Voyeurismus, übertriebenem Fetischismus, Narzissmus, Lustempfinden vermittelnder Autoerotik und ungehemmtem Oralverkehr. Dabei kommt es jedoch eher zu Angst vor Bestrafung, denn echter sexueller Befriedigung. Wahre sexuelle Erfüllung findet er in der Folge auch nicht bei seinem hemmungslosen und lasterhaften Sexualleben mit immer wieder wechselnden Partnerinnen, Jüdinnen oder nichtjüdischen Schicksen". Immer wieder endet alles in Minderwertigkei's- oder Schuldkomplexen.

Seine letzte Beziehung ist die zu der ungebildeten, in sexuellen Praktiken erfahrenen Mary Jane Reed, "Äffchen" genannt. Auch das erweist sich als Fehlgriff. Diese Frau, die er auf der Straße aufgelesen hatte, verlässt er nach einer Nacht zu Dritt mit einer Prostituierten aus panischer Angst vor Syphillis. Mit der Erkenntnis, -wo sie lieben begehren sie nicht und wo sie begehren können sie nicht lieben, - hin und her gerissen zwischen Begierde die mit seinem Gewissen vereinbar ist, flieht er nach Israel und genießt das Gefühl nun nicht mehr Teil einer Minderheit zu sein. Doch als er mit einer jungen Frau, einem Leutnant der jüdischen Armee, Geschlechtsverkehr haben möchte verliert er seine Erektion. Diese Detumeszenz sagt ihm, dass er auch hier als Amerikaner in Wirklichkeit wieder Außenseiter ist.

Alexander Portnoy bleibt sein Leben lang Enthusiast, Romantiker, Nachahmer,ein Mensch bei dem alles im hellen Tageslicht passiert. Das Melodramatische, die Zufälle in Träumen, die grausam lächerlichen Situationen, die Banalitäten, die Unglücke und Missgeschicke, die glücklichen und unglücklichen Umstände, die Angst vor Kastrationen, all das was andere Menschen mit geschlossenen Augen erleben, erlebt dieser Protagonist mit offenen Augen. Sein Leben hat eigentlich keinen latenten Inhalt.

Dr. Spielvogel mischt sich an keiner Stelle in den Bericht des Ich-Erzählers ein. Erst am Ende, als Portnoy sein Leben vor dem Psychiater schonungslos ausgebreitet hat, heißt es pointiert: "Vielleicht wir jetzt können beginnen?"

Immer wieder setzt sich Philip Roth in seinen Romanen, Erzählungen und Essays mit dem Hang der Amerikaner zur Diskriminierung Andersdenkender auseinander. Sein jüdischer Familienhintergrund und seine Ehe Erfahrungen fließen immer wieder in seine Werke ein und geben ihnen beeindruckende emotionale und sachlich fundierte Tiefe. Davon war in Portnoy's Beschwerden eigentlich wenig zu merken.

Die für damalige Verhältnisse vulgäre Sprache, die für viel Skandal sorgte, hat auch mich an diesem Buch über weite Strecken gestört. Es ist schon bewundernswert, wenn auch nicht beneidenswert, welche ungeheueren Perversitäten dem Autor einfallen. Eine brillante Satire wäre es auch ohne dieses vielen krankhaften und ekelhaften Perversionen geblieben.
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am 8. Februar 2012
Dieses Buch ist meiner Meinung nach, das lustigste Buch, das jemals über Sex geschrieben wurde. Zudem eine Offenbarung der männlichen Psyche...;-) alles in allem ein wunderbarer Lesegenuss!
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