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Kundenrezensionen

48
4,6 von 5 Sternen
Empörung
Format: TaschenbuchÄndern
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. Oktober 2009
"Empörung" ist ein grandioser, kurzer Roman, stimmig, schlüssig und von einer überwältigenden, präzisen erzählerischen Kraft. Der Inhalt wird in anderen Rezensionen ja gut genug widergegeben. Beeindruckt hat ich die originelle Konzeption des Romans, die die Frage offenlässt, wer hier eigentlich erzählt. Darüberhinaus hatte ich zum ersten Mal seit ich Literatur lese den Eindruck, dass hier einer eine Vision des Jenseits entwickelt, die tatsächlich nahe an der Wahrheit sein könnte - obwohl er sicher mit seiner Sicht auf die Welt der Toten kolossal danebenliegt. Denn anzunehmen, dass ein Schriftsteller die Welt der Toten so erfindet, wie sie tatsächlich ist, wäre wohl anmassend. Aber eben, man hat bei der Schilderung von Roth den schauerlichen Eindruck, ein Gefühl für das Jenseits zu entwickeln, eine Ahnung davon zu haben, wie sich das anfühlen könnte, tot zu sein. Allein das berührt den Leser, macht ihn hoffnungsfroh und unglaublich traurig zugleich. Was für ein Stück Literatur - diese Entschlossenheit des Protagonisten, wo er doch die Unsicherheit in Person ist, diese Liebe von zwei Menschen, die einerseits tief und andererseits unglaublich oberflächlich ist; solche gegensätzlichen Eindrücke unter einen Hut zu kriegen - Wow!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 8. Februar 2010
Das Buch habe ich in einem Rutsch gelesen (die Originalversien). Die tragischen Konsequenzen des Handelns von Marcus und die Atmosphäre der McCarthy Ära und Korea Krieg ergeben einen spannenden Plot. Ich war mir des Koreakriegs u.ä. gar nicht mehr bewußt, weil der Geschichtsunterricht zu meiner Zeit meistens totlangweilig war. In diesem Roman werden die Zusammenhänge mit dem aktuellen Weltgeschehen auf ganz einfache Weise verdeutlicht.
Am meisten jedoch haben mich die Einblicke in die sehr sensible Gefühlswelt des heranwachsenden Jungen berührt. Tatsächlich gibt es Männer, wie Philip Roth, die diese (mir weiblichem Wesen leider oft unsichtbare) Gefühlswelt hervorragend zum Ausdruck bringen können. Danke dafür.
Tolles Buch !
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Die USA im Jahre 1951. Der blutige Koreakrieg fordert unzählige junge Menschenleben. Aus Angst ebenfalls auf dem Schlachtfeld zu sterben, schreibt sich der 18jährige Marcus im Winesburg College ein. Es ist weit genug weg, um sich dem Einflussbereiches seines Vaters, eines koscheren Metzgers, zu entziehen, dessen Sorge um sein Wohlergehen ihn in der letzten Zeit fast erstickt hätte. Dort angekommen muss er jedoch zweimal kurz hintereinander umziehen, da er mit seinen Zimmergenossen nicht klar kommt. Beim ersten Date mit seiner Kommilitonin Olivia macht er für ihn völlig überraschend und verwirrend erste sexuelle Erfahrungen. Das bringt ihn dermaßen aus dem Ruder, dass er Olivia fortan ignoriert, was im weiteren Verlauf dramatische Folgen hat.

Marcus gerät mit Mitstudenten und der Leitung in Konflikt. Er kann sich nicht damit abfinden, per Verordnung 40 Mal den Gottesdienst besuchen zu müssen. Für ihn, der Bertrand Russell gelesen hat, eine unerträglich Diskriminierung. Über das und anderes gerät er mit dem Dean des Colleges in ein heftiges Streitgespräch. Aber eigentlich möchte er doch nur, der beste Schüler seines Jahrgangs sein und die nötige Ruhe zum Lernen haben....

Philip Roth schrieb eine Geschichte über einen jungen Mann Mitte des letzten Jahrhunderts, die zu berühren vermag, obgleich er nicht umfassend als Sympathieträger dienen kann. Man wird hineinversetzt in eine inzwischen fremd erscheinende Zeit, in der Prüderie und ein Wertekodex herrschte, die heute kaum noch vorstellbar sind. Als Kontrapunkt beschreibt Roth aber düstere und ganz und gar nicht regelkonforme Vorgänge und gibt hinzu Einblick in die dunkle Seele etlicher Menschen im Umfeld Marcus'. Interessant aber auch die philosophischen Einschübe bezüglich Gedanken über Sterben und Tod. Gegen Ende driftet die Handlung in die Beschreibung einer Massenhysterie am College ab, zu der ich aber keine historischen Fakten finden konnte.

Es ließt Joachim Schönfeld, was den Stoff zusätzlich aufwertet.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. Dezember 2010
Marcus ist der geliebte Sohn und Einzelkind des koscheren Metzgers Messner und seiner Frau. Marcus liebt seine Eltern und hat auch keinen richtigen Konflikt mit ihnen. Aber er nimmt sich als junger unabhängiger Amerikaner wahr und möchte sein Leben nun selbst in die Hand nehmen. Wie bei Robert Musils Die Verwirrungen des jungen Zöglings Törleß" treibt es den postpubertären und sehr begabten Mann von zuhause fort, um erwachsen zu werden. Er qualifiziert sich für ein ultrakonservatives College viele hundert Meilen von zuhause entfernt. Dort trifft er auf eine spießig-prüde und verlogene Stimmung, die Marcus zutiefst bedrückt. Er sieht, dass er die Freiheit, die er suchte, dort nicht findet, möchte aber unbedingt als bester Student das College absolvieren, um dann seine Freiheit zu finden. Die verdeckten homoerotischen Ambitionen eines Mitschülers bringen ihn in erste Schwierigkeiten mit dem Dekan des College. Später hat er ein sexuelles Abenteuer mit einer Mitschülerin, das ihn weiter unter Druck bringt. In einem furiosen Konfliktgespräch mit dem Dekan wirft er diesem die konservative, verlogene Internatsführung und die rückständige Moral dieser Zeit vor. Sein Schlusssatz in dem Konfliktgespräch lautet ihr könnt mich mal" und er kotzt dem Dekan sein Büro voll.
Marcus Nöte werden auch von anderen Studenten so wahrgenommen und sie entlädt sich bei diesen in einer kollektiven Stürmung der Mädchenwohnheime. Marcus ist jedoch nicht dabei. Er steht allein, weil er einen anderen Weg geht, um gegen die Unterdrückung aufzubegehren. Statt wie Törleß (bei R. Musil) nach Hause zurückzukehren, zieht Marcus in den Korea Krieg und findet dort den Tod.
Philip Roth hat die Stimmung der Zeit und die Gefühle von Marcus in vollendeter Sprache zu Papier gebracht. Das Buch ist kurz, liest sich sehr flüssig und spannend und bewegt zutiefst. Ein ganz außergewöhnlich gutes Buch, ich meine: Weltliteratur.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Das Wesen großer Literatur, so kann man getrost behaupten, besteht darin, die universalen Topoi der menschlichen Existenz aus der konkreten Erfahrung einer historischen Epoche zu aktualisieren. Der jüdisch-amerikanische Schriftsteller Philip Roth gehört zweifelsohne zu den wenigen lebenden Schriftstellern, denen dieses immer wieder gelingt. Mit Werken wie Der menschliche Makel, Operation Shylock, Ein amerikanisches Idyll, Sabbaths Theater oder Das sterbendeTier ist ihm dieses immer wieder gelungen. Roth gilt als einer der produktivsten unter den amerikanischen Schriftstellern und in der letzten Dekade erscheint fast jährlich ein neuer Roman, manchmal zu dem Preis nicht stetiger Güte. Mit dem 2008 erschienen Roman Empörung (Indignation) jedoch konnte Roth erneut zeigen, zu welchen Qualitäten er fähig ist.

Der Roman spielt in den USA des Jahres 1951, dem zweiten Jahr des Korea-Krieges. Hauptfigur ist der Sohn eines in Newark lebenden jüdischen Koscher-Metzgers, Marcus Messner. Die Familie lebt in einem armen, aber intakten Viertel auf der anderen Hudsonseite der Metropole New York, neben der jüdischen gibt es noch eine große italienische Gemeinde. Marcus Messner besucht zunächst ein kleineres, bescheidenes College in Newark, wo er and der Seite der Kinder aus den Nachbarfamilien durchaus gute Noten nach Hause bringt. Er hilft seinen Eltern in der Metzgerei und lernt früh, dass man nicht immer mögen muss, was man tut, dass aber gemacht werden muss, was zu machen ist. Ab einem bestimmten Zeitpunkt entwickelt der Vater jedoch eine Art fürsorglicher Paranoia, er steigert sich in die Befürchtung, sein Sohn käme auf die schiefe Bahn und er beginnt ihn zu verfolgen.

Marcus wächst dieser Zustand ins Unerträgliche und er entschließt sich, um der Verfolgung und Reglementierung zu entkommen, in das fern gelegene Winesburg College in Ohio zu gehen. Dort reüssiert er weiter in seinen Fächern, kollidiert aber zunehmend mit den Mittelstandskonventionen. Er tritt weder einer Verbindung bei, und anstatt sich im Kommers zu suhlen jobbt er in einer Bar, um das nötige Geld zu verdienen. Er macht seine ersten sexuellen Erfahrungen mit einem Mädchen, das bereits einen Entzug hinter sich hat und grenzt sich damit noch mehr aus. In nahezu historisch anmutenden Dialogen mit dem Rektor der Schule, in dem dieser ihm das Oktroi der Konvention plausibel machen will und Marcus Messner auf sein einfaches, bürgerliches amerikanisches Freiheitsrecht jenseits der Religion und Ideologie pocht, wird die die Unauflösbarkeit dieser Freiheiten mit den tatsächlichen Lebensbedingungen des jüdischen Underdogs deutlich. Marcus scheitert letztendlich an der Weigerung, am obligatorischen Gottesdienst teilzunehmen und kommt daher nicht zu dem Recht, auf einer Universität zu studieren, sondern er landet auf einem Schlachtfeld im fernen Korea, wo er knapp zwanzigjährig sein von Hoffnungen und Leistungen geprägtes Leben verliert.

Neben einer nahezu typisch Rothschen Variante des Vater-Sohn-Konfliktes brilliert der Roman mit dem Universalthema, inwieweit das Allgemeine Recht dem Underdog zugänglich ist, zu welchem Preis er es erwirbt, und welchen preis er zahlt, wenn er sich die Forderung nach einem Sonderverhalten verbittet.
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Zu Recht haben sich die Kritiker dieses Jahr erneut darüber aufgeregt, dass Philip Roth bei der Verleihung des Nobelpreises für Literatur wieder übergangen wurde. Denn der 76-jährige Amerikaner gehört nun mal zu den besten Erzählern der Gegenwart. Und bräuchte es trotzdem noch einen Beweis, so würden selbst diese 200 Seiten genügen. Kompakter kann man wohl nicht mehr schreiben, ohne dass der Leser das Gefühl hat, nun sei noch an jedem Buchstaben gefeilt worden. Und es ist auch schwierig, Philip Roth beim heikelsten aller Themen, dem Tod, zu übertreffen.

Von meiner selbstauferlegten Regel, keine Belletristik zu besprechen, mache ich hier eine Ausnahme, weil dieses Buch nun auch in der Audiofassung vorliegt, die ich mir nach der Lektüre ebenfalls angeschafft habe. Und so entdeckte ich auch einen neuen Sprecher, dessen Name ich mir merken werde. Joachim Schönfeld war gerade mal sechs Jahre alt, als Philip Roth 1969 mit "Portnoys Beschwerden" für den ersten von vielen Literaturskandalen sorgte. Aber nicht aus Marketinggründen, wie das heute oft bewusst inszeniert wird, sondern mit seiner Klarheit, die ihn auch in den folgenden Jahren auszeichnen sollte. Geht es um Sex, geht es eben um Sex. Will Roth enge kleinbürgerliche jüdische Verhältnisse aufzeigen, werden sie eben in aller Schärfe aufgezeigt. Spricht er über den Tod, dann säuseln keine Barockengel um die Gruft. Hat er Angst vor dem Altern, dann spürt der Leser diese Angst. Ist Empörung angesagt, dann wird sie geäußert.

Wer noch nie einen Roman von Philip Roth gelesen, gehört oder gesehen hat, könnte nun meinen, in diesem Buch stünden schauerliche Dinge im Mittelpunkt. Aber dem ist nicht so. Marcus Messner ist ein Sohn, wie es 1951 viele gab. Und er musste auch nicht unbedingt mehr ertragen als seine Altersgenossen, obwohl er als Metzgersohn nicht der damaligen Schicht angehörte, die automatisch Karriere machten. Er hat nur das Pech, dass er seinen Vater liebt und dieser eines Tages vom Gedanken besessen wird, seinen Sohn vor dem Bösen in der Welt beschützen zu müssen. Also flieht er und gibt damit dem Bösen erst recht die Möglichkeit, ihn einzuholen. Denn weil er sich nicht jeder blöden Anweisung von Lehrern fügt, nicht jede Macke von Mitschülern ertragen will und zur falschen Zeit mit der falschen Freundin schläft, rächt sich der bürgerliche Schicksalsgott an ihm und damit auch an seiner Familie. Und das alles wird von Joachim Schönfeld so vorgetragen, dass es dem Leser unter die Haut geht, obwohl doch alles irgendwie normal ist.

Mein Fazit: Als Einstieg in das grandiose Werk von Philip Roth kann ich diese kurze und dichte Erzählung mit Überzeugung empfehlen. Sie zeigt viel von dem auf, was diesen amerikanischen Romancier so außergewöhnlich macht. Nicht zuletzt, dass man nicht mit Wortungetümen und Satzknäuel aufwarten muss, um stilistische Brillanz zu beweisen.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. März 2009
Markus "Markie" Messner wächst als Einzelkind in einfachen Verhältnissen, dennoch wohl behütet im Schoss einer jüdischen Metzgerfamilie in einer Kleinstadt in New Jersey, auf. Der fleißige Einser-Schüler ist stets hilfsbereit, folgsam und hat sein Ziel eines Jura-Studiums fest im Blick. Doch die krankhafte Angst und Kontrollsucht seines Vaters lassen Markie auf ein kleines katholisches College im ländlichen Ohio fliehen. Auch hier stimmen seine Noten und schon bald hofft er in der Mitschülerin Olivia die Liebe gefunden zu haben. Doch schon bald eckt Markie an. Denn das Lieben hat er in seinem Elternhaus ebenso wenig gelernt wie die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen und sich in eine Gemeinschaft zu integrieren. Die Dinge nehmen ihren traurigen Lauf, er wird dem Dekan des Colleges auffällig, muss dieses am Ende verlassen und landet als Soldat im Korea-Krieg.

Philip Roth zeichnet wieder einmal gekonnt ein Bild der US-amerikanischen Gesellschaft. Dabei schafft er das Kunststück, die Sorgen und Probleme aus dem beginnenden Kalten Krieg mit denen aus der Zeit nach 9/11 in Deckung zu bringen. Herrscht im Kalten Krieg der McCarthy-Ära eine Angst vor Kommunisten, Andersdenkenden, und Atombomben, so ist es nach dem 11. September die Angst vor Islamisten und Bombenterror. Die Familien fürchten um den Verlust ihrer Söhne und Familienväter in unverstandenen Kriegen weit entfernt ' sei es nun in Korea, Irak oder Afghanistan. Diese Bilder schimmern immer wieder zwischen den Sätzen hindurch und geben dem Buch einen tagesaktuellen Anstrich.
Auch wenn sich die USA stets als religiös tolerant gibt, eine eigene religiöse Meinung wird Markie nicht zugesprochen. Vielmehr versucht man ihn in ein bestehendes religiöses Schema zu pressen. Dies alles berichtet der Ich-Erzähler absurderweise aus dem Jenseits, nicht aus dem Paradies oder gar der Hölle, sondern die Seele ist gefangen im Nichts einer ewigen Wiederholung der eigenen Erinnerungen.

Philip Roth thematisiert wieder einmal das Erwachsenwerden eines Jungen mit all seinen Begleiterscheinungen: Eigene Orientierungslosigkeit, Erwartungshaltung der Eltern und Lehrer, der erste Sex. Am Ende scheitert Markie an den Normen und Grenzen. Er kommt an ein College um zu lernen, doch bekommt er nicht die Möglichkeit seine eigenen Erfahrungen zu machen und daraus zu lernen. Auch versucht er, den gestellten Anforderungen zu genügen, erkennt allerdings nicht, dass er sich in den falschen Grenzen aufhält. Das Scheitern des Helden ist vorprogrammiert und er scheitert nicht nur an der Gesellschaft, sondern auch an sich selbst. Die ganze Dramatik zeigt sich, wenn man sich vor Augen führt, welche Gründe letztlich zu seinem Schulverweis führen. Die ganze Doppelmoral einer Gesellschaft wird offenbar, ebenso wie die Folgerung, dass wie immer das schwächste Glied der Gemeinschaft die Konsequenzen zu tragen hat.

Philip Roth schreibt mit einer routinierten Selbstverständlichkeit, die jahrzehntelanges Beobachten voraussetzt. Das Ergebnis mag unbequem sein, doch bereitet es Freude, die Geschichte mit all seiner Frische und Energie zu verfolgen. Die Brillanz des Autoren und seines Übersetzers Werner Schmitz findet sich dann in der ebenso schlichten und klaren wie teilweise poetischen und eindringlichen Sprache. Man muss sich immer wieder einbremsen, um bei aller mitreißenden Geschichte die wunderschöne Sprache noch ausreichend genießen zu können.

Ein wunderschönes und mitreißendes Buch über das Scheitern eines Jungen und der Gesellschaft.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Immer und immer hat Philip Roth sein Leben als Vorlage für seine Literatur benutzt - ohne dass er jemals als Protagonist seiner Romane hätte in Erscheinung treten wollen. Das dürfte auch für den neuen Roman "Empörung" gelten.

Und wieder treffen wir einen Helden, den wir schon zu kennen glauben. Denn wie Portnoy und andere ist Marcus Messner in den psychologischen und pädagogischen Fallen seinen Elternhauses gefangen. Aufgewachsen in einem koscheren Metzgerladen in einem jüdischen Viertel von Newark/New Jersey und damit in tiefster Provinz verbringt er seine Kindheit und Jugend mehr oder weníger ereignislos - "bewacht" von einem krankhaft und bis zur Manie besorgten Vater. Danach besucht der hochintelligente Marcus / Markie das sehr konservative College in Winesburg/Ohio und wird am Ende im Koreakrieg getötet.

Eigentlich unspektakulär, würde nicht Philip Roth daraus eine Geschichte
machen, die einer griechischen Tragödie ähnelt. Sozusagen aus dem Jenseits beschreibt er die Entwicklung des Jungen, der sich einmal in seinem Leben "empört" und diese Empörung mit dem Tode bezahlt. Davor aber liegen alle Tugenden und Untugenden, die Philip Roth in seinemn Büchern immer wieder thematisiert: Unerfahrenheit und Schicksals-ergebenheit, Widerstand und Unterwerfung, Sex und Mut; provinzielle Enge und geistige Borniertheit, Ambivalenz zum Judentum und die daraus entstehenden Konflikte.

In diesen Spannungsfeldern erlebt Marcus nicht nur das Elternhaus, in dem er als Metzgergehilfe mitarbeitet, sondern auch Highschool und College. Er erlebt und erleidet heuchlerische Moral und Repression, er vermeint zu lieben und erfährt doch nur Sex, er ist ein Einzelgänger, der sich allen sozialen Gruppierungen verweigert.

In brillanter Form erzählt die Geschichte von einem Rebellen wider Willen, für den seine Rebellion zwangsläufig wird, der seine "Empörung" als Begriff der chinesischen Nationalhymne entnimmt, der nicht in der Lage ist, die Konflikte für sich zu lösen, in die er als jüdischer Intellektueller innerhalb einer konservativ-christlichen und immer latent antisemitischen Gesellschaft permanent gerät. In allem aber geht es - wie sein Vater es formuliert hat, "um das Leben, wo der kleinste Fehler tragische Auswirkungen haben kann".

Marcus erzählt das alles selbst - schnörkel- und schon fast leidenschaftslos. Und erst am Schluss des Romans erfährt der Leser, das Markus des Colleges verwiesen wurde, eingezogen wurde, in den Koreakrieg ziehen musste, um dort bei einem Angriff ums Leben zu kommen.

Selten wird die Wechselbeziehung zwischen Individuum und Gesellschaft und Geschichte so deutlich ausformuliert wie in diesem grandiosen und mit Bravour erzählten Roman. Ein reifes, um nicht zu sagen ein Meisterwerk.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. Juni 2011
In den fünfziger Jahren: Der Vater des neunzehnjährigen Marcus ist ein koscherer Metzger und wird zunehmende von Angstphantasien heimgesucht. Marcus flüchtet vor dieser Paranoia in ein College nach Ohio, wo er sich weigert, einer Studentenverbindung beizutreten, um seine Unabhängigkeit zu wahren. Als er auch noch sein Zimmer zweimal wechselt und sich schließlich allein im scheußlichsten Loch des ganzen Campus einquartiert, kommt es zu einer problematischen Auseinandersetzung mit dem Administrator, der Marcus in McCarthy-Manier ausfragt und bei dem Marcus Bertrand Russells religionskritische Anschauungen zitiert. Er lernt ein Mädchen kennen, hat seine ersten sexuellen Erfahrungen, verbindet dieses Erlebnis ' ein anständiges Mädchen macht doch so etwas nicht ' mit der Tatsache, daß ihre Eltern geschieden sind. Marcus' Mutter taucht plötzlich auf, will sich von seinem Vater, dessen Wahnvorstellungen unerträglich geworden sind, scheiden lassen, was er in Hinblick auf seine Erlebnisse verhindern will. Die Auseinandersetzung mit dem Administrator geht weiter, diesem ist Marcus' nonkonformistische Lebensweise ein Dorn im Auge, Marcus wiederum fürchtet zu Recht, ein Schulverweis würde ihm den Einsatz im Koreakrieg bescheren ' wozu es letztendlich kommt' Ich habe von diesem Autor bislang noch nichts gelesen, das werde ich schleunigst ändern. Ein ausgezeichnetes Buch, das die Beklemmungen der fünfziger Jahre vergegenwärtigt und immer besser wird, je weiter ich gelesen habe.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Seine Bücher "Jedermann", "Der menschliche Makel", "Täuschung"oder "Exit Ghost" wurden ganz euphorisch besprochen. Wenn sich der heute 75 - jährige Autor in den letzten Romanen mit den Schrecken des Alters beschäftig hat, Impotenz, körperliche Gebrechen, Angst vor dem Tod, so wählt er in seinem jüngsten, 29. Roman, in einer "Coming-of-Age-Geschichte" einen ganz anderen Weg. In sprachlicher Vollkommenheit erzählt er eine Jugendgeschichte, die eines, wie Philip Roth, 1932 geborenen Jungen. Es ist eine Figur wie Roth sie schon häufig hatte, ein bisschen er selbst, ein aus dem jüdischen Kleinbürgertum stammender junger Mann aus Newark, Sohn einer jüdischen Einwanderfamilie. Es spielt in den fünfziger Jahren, also, eigentlich beschreibt er einen alten Mann, aber er beschreibt ihn in seiner Jugend. Der Vater betreibt, von der Mutter unterstützt, einen kleinen koscheren Metzgerladen. Schon früh lernt der Sohn Marcus mit Messern und Blut umzugehen, Hühner auszunehmen und Tiere ausbluten zu lassen.

Sprachlich brillant, wie dieser Autor das Milieu, den Umgang mit den Instrumenten des Tötens, das blutige Handwerk des koscheren Tötens, die Härte und die Einfalt des Metzgerberufs, die ergreifende Figur dieses Vaters, des aufrechten, arbeitsamen Metzgers, der aus Sorge um seinen Sohn nahezu verrückt wird - das sind atemberaubende, enormen Sog entwickelnde Stellen.

Marcus, der mit Blut aufgewachsen war, fühlt sich eigentlich zu Höherem berufen, will Anwalt werden, geht auf das örtliche College. Die Eltern sind glücklich darüber, unterstützen ihn. Aber der Vater übertreibt den Protektionismus, die Überwachung wird für den Jungen schließlich zu groß. Und obwohl er seinen Vater liebt flieht er auf das konservative, hoch angesehene College von Winesburg in Ohio.

Hier beginnt die Geschichte nun sehr jugendlich zu werden, so ein bisschen "Feuerzangenbowle". Es ist eine richtige College Geschichte mit allem was dazu gehört, mit Mädels, nervenden Zimmerkameraden, allerlei Streitigkeiten und Diskriminierung. Es gab auch ein Mädchen, auf das er ein Auge geworfen hat, die psychisch labile Olivia. In dem großen Auto seines Freundes fährt er mit ihr Essen, anschließend kommt es auf einem Parkplatz zu einem unzüchtigen Blowjob.

Marcus will als Jahrgangsbester abschneiden, seinem Vater zeigen, das er lernt und lernt. Er verfolgt ständig nur das eine Ziel, alles zu tun, um seine Eltern nicht zu enttäuschen, weil sie für ihn so viele finanzielle Opfer bringen. Und so langsam merkt man, wie das Verhängnis fortschreitet durch die kleinen Fehler, die der Musterschüler macht.

Und dann platzt auf Seite 52 die Bombe, denn dort erfährt der Leser plötzlich das hier eine Geschichte aus dem Jenseits präsentiert wird. Der Marcus lebt gar nicht mehr. Der, der hier erzählt ist ein Toter, der mit sich selber redet, quasi ein Selbstgespräch führt. Eigentlich erzählt er, wie man im Nachspann "Aus und vorbei", erfährt im Morphium Koma, in einem Zustand "tiefster Bewusstlosigkeit" der seine "Geistestätigkeit" vor dem nahenden Tod noch aufrecht so lange erhält wie die Morphium Wirkung anhält. Nicht das Gedächtnis ist ausgelöscht, es ist die Zeit und im Nachleben gibt es andauernde Erinnerungen, es gibt keinen Schlaf und keinen Traum. Und hier haben wir mit Trick wieder den alten Philip Roth, der hier in einer biografischen Variante der über den Tod und das Sterben nachdenkt. Da sind wir wieder zurück bei der elektrisierenden Trostlosigkeit, den auch andere Alterromane des Autors hatten.

Was ist passiert? Marcus hat sich auf dem College in eine stille Kammer zurückgezogen, wo er ungestört lernen kann. Als er vom Dekan wegen seiner Anpassungsunfähigkeit und seiner mangelnden sozialen Kompetenz getadelt wird, kann er nur mit "Empörung" reagieren.

Dann besucht ihn die Mutter, eröffnet ihm etwas für orthodoxe Juden undenkbares, dass sie sich von dem vor Sorge um den Sohn verrückt gewordenen Vater trennen will. Marcus leidet unter dieser Vorstellung, da will die Mutter den Gedanken revidieren, wenn er im Gegenzug von seiner Freundin lässt, die schon einen Selbstmordversuch hinter sich hat. Sie ist ihrer Meinung nach labil und Labile sind gefährlich. Unglaublich Stellen wie die, wo er den Selbstmordversuch seiner Freundin mit einer koscheren Schlachtung vergleicht.

Das trügerisch kurze Buch verdichtet sich in der zweiten Hälfte, es kriegt fast schon die Dimension einer griechischen Tragödie, man merkt da bricht in das Leben dieses gewollten Musterknaben das Schicksal herein.

Auf diesem College muss er vierzig Mal im Jahr als Jude zum christlichen Gottesdienst gehen. Das lehnt Marcus ab, hat sich geschickt davor gedrückt in dem er einen Stellvertreter hinschickte. Die Sache flog auf. Alle Angebote die Sache wieder gut zu machen schlägt er aus, bleibt standhaft. Er muss die Schule verlassen und wird in den Koreakrieg geschickt. Und hier im Koreakrieg schließt sich die Geschichte auf einer sehr viel größeren Schlachtbank als die des koscheren Metzgers. Noch nie war er von so viel Blut umgeben, seit seiner Kindheit im elterlichen Schlachthaus, und die Stahlklinge die ihn aufschlitzte war ein Instrument was den Messern seines Vater sehr ähnelte. Als die vom Morphium herbeigerufenen Reflektionen vergangen waren, "war er nur noch Opfer seines letzten Konflikts".

So ist er gestorben und wenn er uns erklärt:"Ich weiß nicht wo ich hier bin, sicher nicht in dem geräumigen Himmel. wo die guten Menschen alle wieder zusammenkommen; Ich weiß nicht, seit wann ich hier bin; Ich weiß nicht wer sonst noch hier ist; Ist die Ewigkeit dazu da, dass man über die Details eines ganzen Lebens nachgrübelt?; Man hat sein Leben noch am Hals, wenn man gestorben ist." - da kriegt die Sache einen ganz großen, tief aufwühlenden Ernst.

Bisher wurde ihm der Nobelpreis verwehrt, vielleicht bekommt er ihn für sein neuestes Buch "Empörung". In jeder Beziehung ein wahres Meisterwerk das ich emphatisch empfehle.
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