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42 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein relaxter, unglaublich witziger Pynchon-Noir
Larry "Doc" Sportello ist Privatdetektiv im Los Angeles der Siebziger, ein sanftmütiger Grasraucher, der Underdogs gegen das System vertritt. Eines Tages erhält er Besuch von seiner Ex Shasta. Sie sorgt sich um ihren aktuellen Liebhaber, den Immobilienhai Mickey Wolfmann, der von seiner Frau und deren Liebhaber in eine Nervenklinik abgeschoben werden soll. Bevor...
Veröffentlicht am 21. September 2010 von AZ

versus
43 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Vollkommen bescheuert
Larry "Doc" Sportello betreibt in Gordita Beach, einem Vorort von L.A., ein Detektivbüro, praktisch direkt am Strand. Doc ist kleinwüchsig, langhaarig, ständig von einer Mariuhanawolke umgeben und etwas ambulantem Sex nie abgeneigt. Seine seit einem Jahr nicht mehr gesehene Ex Shasta taucht plötzlich auf und bittet ihn um Hilfe. Letztlich geht es um...
Veröffentlicht am 15. November 2010 von Thomas Liehr


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42 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein relaxter, unglaublich witziger Pynchon-Noir, 21. September 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Natürliche Mängel (Gebundene Ausgabe)
Larry "Doc" Sportello ist Privatdetektiv im Los Angeles der Siebziger, ein sanftmütiger Grasraucher, der Underdogs gegen das System vertritt. Eines Tages erhält er Besuch von seiner Ex Shasta. Sie sorgt sich um ihren aktuellen Liebhaber, den Immobilienhai Mickey Wolfmann, der von seiner Frau und deren Liebhaber in eine Nervenklinik abgeschoben werden soll. Bevor Doc tätig werden kann, ist das gesamte Quartett verschwunden. Stattdessen beauftragt ihn ein zweiter Klient, Schulden aus dessen Knastzeit einzutreiben, und zwar ausgerechnet bei einem von Wolfmanns Bodyguards. Die Suche endet mit einem überraschenden Knockout und dem Erwachen neben der Leiche des Gesuchten.
Dies ist natürlich erst der Beginn einer turbulenten Jagd kreuz und quer durch Los Angeles.
Anders als bei seinen weltumspannenden früheren Werken ist Pynchon diesmal sehr konzentriert, was Zeit, Ort und Handlung betrifft. Die Siebziger haben gerade begonnen. Die Welt kreist um Nixon, Vietnam und Charles Manson. Um Drogen und Musik. Das ARPAnet beginnt seinen Siegeszug und der Sender NBC will Raumschiff Enterprise absetzen. Pynchon läßt diese Zeit in allen Einzelheiten auferstehen, als Kulisse für eine reinrassige Krimigeschichte. Er nutzt alle Möglichkeiten des Genre, ohne dessen Grenzen sprengen zu wollen oder es zur Parodie verkommen zu lassen. Der Fall ist originell komponiert, obwohl er aus bewährten Bestandteilen besteht. Es kommt eben immer darauf an, was man daraus macht. Pynchon destilliert aus der gesamten Kriminalliteratur ein wahres Feuerwerk an schelmischer Unterhaltung.
Doc kommt - wie sollte es bei Pynchon anders sein - einer Verschwörung auf die Spur, die irgendwie mit dem Boot "Goldener Fang" zu tun hat. Der Name soll aber auch für eine Geheimorganisation stehen, die möglicherweise aus Zahnärzten besteht. Ist ein Toter mit Bissspuren ein Hinweis oder handelt es sich doch nur um ein ein simples asiatisches Drogenkartell? Wie in jedem guten Krimi üblich, werden zahlreiche falsche Fährten gelegt, aber man sollte sich nicht darauf verlassen, dass alle am Ende wieder aufgegriffen werden.
Auch die Figuren gehören zur üblichen Besetzung von hardboiled-Krimis, sind aber pynchonesk überarbeitet. Das heißt sie reden in halbseitigen Schachtelsätzen, singen schräge Lieder, neigen zu Drogenmissbrauch und verlieren sich in absurden Assoziationen. Dazu kommen vergleichsweise alltägliche Bedrohungen wie neonazistische Rockerbanden, Mafiosi, humorlose Cops, Drogenschmuggler und skrupellose Bauunternehmer. Und mitten drin der gutmütige Doc, den seine drogenbedingten Erinnerungslücken nicht daran hindern, im Verlauf der Handlung gleich mehrere Fälle zu lösen, die natürlich alle miteinander zusammenhängen.

"Natürliche Mängel" ist das witzigste und zugänglichste Buch, das Pynchon jemals geschrieben hat. Eine Krimikomödie voller Nostalgie. Leichtfüßig, beschwingt und randvoll mit Musik (was hätte es für ein Hörbuch werden können). Durch die fröhliche und durchweg sympathische Hauptfigur des Doc Sportello wirkt das Buch optimistischer als alle Vorgänger. Die Hippieideale, auf die Pynchon mit Vineland bereits einen Abgesang verfasst hat, existieren hier noch und stehen in voller Blüte. Zur Einstimmung auf das Lesevergnügen empfehlen sich alle Freak-Brothers-Comics, die Cheech & Chong-Filme, natürlich The Big Lebowski und ein ausgewogener Sixties-Soundtrack.
Wer schon immer wissen wollte, was die Fans an diesem Autor finden, kann hier einen ersten Eindruck bekommen, bevor er sich an seine Mammutwerke wie V, Die Enden der Parabel oder Gegen den Tag heranwagt.
Wenn man natürliche Mängel bei diesem Buch finden müsste, bräuchte man allerdings nicht lange suchen. Das Cover der deutschen Ausgabe ist gegenüber dem Original so unsagbar lieb- und einfaltslos, dass man den Schutzumschlag am liebsten mit der Verpackungsfolie wegwerfen möchte.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Urgesteine leben länger, 28. Januar 2011
Von 
Detlef Knut "donkelmann" (Oberkassel) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Natürliche Mängel (Gebundene Ausgabe)
Wer lange Zeit keinen Detektivroman gelesen hat, der kann sich mit dem neuen Roman des medienscheuen Thomas Pynchon wieder an dieses Genre herantasten. "Natürliche Mängel", so der deutsche Titel für "Inherent Vice", führt zurück in das Kalifornien von 1970. Allerdings sollte der Leser keinen Detektiv a la Philipp Marlowe oder Mike Hammer erwarten. Larry "Doc" Sportello ist ein Detektiv Anfang Zwanzig und fest in der Hippie-Szene verankert. Er verschmäht den Stoff nicht und hat seinem Detektivbüro den vielsagenden Namen "Location, Survaillance, Detection" - kurz: LSD - gegeben. Nur den chronischen Geldmangel hat er gemein mit den anderen klassischen Romandetektiven. Deshalb ist ihm wie auch jenen jeder Auftrag recht. So nimmt er noch schnell den Auftrag zum Schuldeneintreiben an. Beim Leibwächter des in Los Angeles angesehensten Immobilienhais soll er das Geld beschaffen. Leichte Sache, denkt er sich, taucht jedoch bei seiner Arbeit in den neon-gelben Nebel eines Marihuana-Rauschs. Als er wieder wach wird, blickt er in das Gesicht seines Lieblingspolizisten. Der Schlamassel kann beginnen: neben ihm liegt der Leibwächter tot auf dem Boden, der Immobilienhai ist spurlos verschwunden, entführt. Sein Lieblingspolizist ist nicht gut auf Hippies zu sprechen.

Auf stets wechselnden Schauplätzen in L. A. und Las Vegas lässt Pynchon seinen Detektiv ermitteln, höchst ominöse Gestalten agieren in der Handlung und legen falsche Fährten sowohl für den Ermittler als auch für den Leser. Dazu gehören auch der Lieblingspolizist Bigfoot Bjornsen, der Stacheldraht sammeln sein Hobby nennt, Sportellos Anwalt, der hauptsächlich auf Donald Duck spezialisiert ist, ein Verbrechersyndikat mit dem chinesisch klingen Namen "Goldener Fang", Verbrecher wie Charles Manson und Richard Nixon.

Mit viel Humor und jede Menge kleiner Details lässt der Autor die frühen 1970er Jahre in Kalifornien im Kopf der Leser entstehen. Der Humor drückt sich in der Skurilität der Figuren und ihren Dialogen aus. Äußerst unterhaltsam ist das plötzliche Erscheinen von Sportellos Eltern vor seiner Wohnung, die er zusammen mit einem Kumpel bewohnt. Oder auch die folgende Szene:

"Doc stellte fest, dass er keine Zigaretten mehr hatte. Er legte den Hörer auf den Küchentisch und ging seine Stange Kools suchen, die sich nach längeren Nachforschungen im Gefrierfach fand, neben den Resten einer Pizza, deren Vorhandensein er vergessen hatte und deren Zutaten er trotz ihrer Buntheit nicht mehr alle identifizieren konnte. Da er trotzdem leichten Hunger verspürte, beschloss er, sich ein Sandwich mit Erdnussbutter und Mayonnaise zu schmieren, machte eine kalte Dose Burgie ausfindig und wollte schon ins andere Zimmer gehen, um den Fernseher einzuschalten, als er seltsame Geräusche hörte, die vom Telefon kamen, dessen Hörer offenbar abgenommen war ..."

Die vielen Details sorgen bei den Lesern, die die Zeit selbst miterlebt haben, für unerschöpfliche Möglichkeiten, den Erinnerungen auf die Sprünge zu helfen. Neben Fernsehserien wie "Raumschiff Enterprise" wird mit viel Musik im West Coast Sound an die damalige Zeit erinnert. Die Beach Boys scheinen dem Leser unaufhörlich im Ohr zu klingen, schrille Neonreklamen laufen vor seinem geistigen Auge ab, auf jeder dritten Seite wird er zum Kiffen animiert.

Nicht zuletzt dank der gelungenen Übersetzung von Nikolaus Stingl bietet der Roman beste Unterhaltung auf hohem Niveau mit der Bedienung eines Genres in allen Details und Klischees, die von diesem Genre erwartet werden. Eine Zeitreise in eine vergangene, jedoch nicht zu ferne, Zeit, die von vielen Lesern auch mit verklärten Augen gesehen werden wird und die von den jüngeren Lesern zu einer Aufklärungsreise über ihre Eltern führen kann.
Und noch ein kleiner Tipp: auf YouTube oder bei Amazon kann der Videotrailer zum Roman angeschaut werden, der angeblich vom Autor selbst besprochen sein soll.
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43 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Vollkommen bescheuert, 15. November 2010
Von 
Thomas Liehr (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Natürliche Mängel (Gebundene Ausgabe)
Larry "Doc" Sportello betreibt in Gordita Beach, einem Vorort von L.A., ein Detektivbüro, praktisch direkt am Strand. Doc ist kleinwüchsig, langhaarig, ständig von einer Mariuhanawolke umgeben und etwas ambulantem Sex nie abgeneigt. Seine seit einem Jahr nicht mehr gesehene Ex Shasta taucht plötzlich auf und bittet ihn um Hilfe. Letztlich geht es um das Verschwinden ihres Geliebten Michael Wolfmann, einem Immobilienbaron, aber schon der erste Ortstermin verwickelt den Kifferinvestigator in einen Mordfall. Schließlich wacht er, schwer halluzinierend, neben der Leiche eines Wolfmann-Bodyguards auf, und blickt in das reale Gesicht von "Bigfoot" Bjornsen, einem LAPD-Detective. Wir schreiben die frühen Siebziger. Die meisten Leute kiffen, kauen auf getränkten Löschblättern herum, hören Surfermusik und tragen schreiendbunte Klamotten, nicht selten paisleygemustert.

Der neueste Roman des mysteriösen Romanciers ("Die Enden der Parabel", "Vineland", "Mason & Dixon") liest sich tatsächlich vergleichsweise leicht, wenn man als Messlatte Pynchons sonstige Veröffentlichungen anlegt. Man versteht den Text, ohne ständig Literaturlisten wälzen oder Fremdwörterbücher zur Hand nehmen zu müssen, aber das bedeutet noch längst nicht, dass man auch dem Inhalt zu folgen in der Lage ist. Da gibt es eine Organisation subversiver Zahnärzte, eine faschistoide Truppe namens "Kalifornien Erwache!", ein seltsames Schmuggelschiff, das "Goldener Fang" getauft wurde, da wuseln drogensüchtige Drogenspitzel herum, von denen einer beispielsweise Bassist der Surfband "The Boards" war (oder immer noch ist), es tauchen sogar Zombies (metaphorische oder echte - wer weiß es?) auf, dann führt die Handlung plötzlich nach Vegas oder auf die Baustelle einer utopischen, kostenlos zu bewohnenden Siedlung, die Wolfmann gerade plante. Auf jeder Seite werden zwei, drei neue Figuren eher nachlässig eingeführt, zwischen obskuren Liedtexten und ziellosen Dialogen, von Charles Manson ist die Rede und von Richard Nixon, dessen Konterfei merkwürdigerweise auf gefälschten 20-Dollar-Noten zu finden ist, die irgendwie mit dem Schiff "Goldener Fang" zu tun haben. Die Schauplätze werden weggeraucht wie die Joints, die Doc Sportello ständig inhaliert, und so ab Seite 200 bestand mein einziges Interesse nur noch darin, diese total bescheuerte, absolut ungenießbare Schwarte möglichst schnell hinter mich zu bringen.

Die Kritiker feiern dieses Buch. Was bleibt ihnen auch übrig? Sie unterstellen alles mögliche, ziehen Vergleiche, interpretieren, enträtseln Hinweise und entschlüsseln akribisch, aber ich habe keine einzige Rezension finden können, in der erklärt wurde, wovon zur Hölle dieser stinkend langweilige Blödsinn handelt (oder was das Ende zu bedeuten hat). Fraglos wird sprachlich und stilistisch einiges geboten, und möglicherweise gäbe es für alles, was in diesem durchgeknallten Traktat passiert, auch eine schlüssige und nachvollziehbare Erklärung, die sich im Kopf des mysteriösen Schriftstellers befindet, aber solange sie dort bleibt, kann sie mir bitteschön gestohlen bleiben. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach trägt der Kaiser keine Kleider, aber im Gegensatz zum Kaiser im Märchen weiß er es. Und er findet das lustig. Für das Mysterium Pynchon gibt es insofern (nach der Lektüre seines Gesamtwerks) eine simple Erklärung: Der Mann veralbert uns.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen groovy, 25. Mai 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Natürliche Mängel (Taschenbuch)
ich spare mir die zusammenfassung der story, aber entgegen der meinung einiger hier bin ich entschieden der meinung, bei diesem buch handelt es sich um einen ECHTEN pynchon. auch wenn es aus der reihe faellt. das buch ist seinem helden doc sportello nicht ganz unaehnlich, etwas verkifft mueht es sich ueber die ersten 130 seiten, laesst mich raetseln, ob der autor in finanzielle noete geraten sein koennte und hier ein wenig verzweifelt an einer verfilmbaren symbiose klassischer detektivromane mit einem helden a la big lebowski zu scheitern droht. er macht da nichts falsch, aber, hey, von einem pynchon erwarte ich mehr als solides handwerk. zu wenig war mir in diesem anfang zu spueren vom alten pynchon, dem wahnwitz seiner roten, gelben, gruenen ... faeden, dieser ueberschaeumenden phantasie, die bis in die grammatik der saetze ihre haken schlaegt. aber dann.
als waere ein schalter umgelegt, spuert man die freude am schreiben wiederkehren. und vielleicht war es auch meine fast verlorene lust am lesen, die dieses buch erst wiederbeleben musste. dieser witzige, ernste, auf jeden fall so noch nicht dagewesene krimi steigert sich von nun an bis zur letzten seite. und macht bis dahin unheimlich viel spass. unbedingte leseempfehlung meinerseits! und immer schoen alle namen merken!

ps: etwas zu viele druckfehler fuer meinen geschmack in der erstausgabe (hardcover).
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3.0 von 5 Sternen Die einen sagen so, die andern so..........., 2. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Natürliche Mängel (Taschenbuch)
Thomas Pynchon, geheimnisvoller und sagenumwobener amerikanischer Autor, dessen Werk zwischen Unlesbarkeit und Genialität wandelt, hat sich am Genre des Kriminalromans versucht. Doch Vorsicht mit einem „Krimi“ im Üblichen Sinne hat das Buch wenig gemein. Ermittler ist ein gewisser Larry Sportello, der von allen nur Doc genannt wird und der drei Hobbys frönt: Mariuhana, Surfer-Musik und Sex. Seine Detektei nennt sich dann auch folgerichtig Location, Survaillance and Detection" (LSD). Man schreibt das Jahr 1970, die Hippiekultur hat ihren Höhepunkt bereits überschritten, die Protagonisten wissen es nur noch nicht. Der Inhalt ist schnell erzählt und recht banal: Sportellos Ex-Flamme bittet Doc um Hilfe, da ihr derzeitiger Lover, ein stinkreicher Immobilienhändler verschwunden ist, sie befürchtet das Schlimmste. Doc tappt bekifft in die Falle, hat aber auch ab und an einen lichten Moment, was im letztlich das Leben rettet. Der Roman ist voll absurder Situationskomik, die Spaß macht, hat aber auch Seiten deren Inhalt kaum einer nachzuerzählen in der Lage wäre, geschweige deren Sinn man erfassen könnte. Ein Roman auf hohem literarischem Niveau zwischen Genie und Absurdität, Langeweile, und schreiender Komik.
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4.0 von 5 Sternen Normalen Maßstäben nach beinahe unlesbar, 25. Oktober 2012
Von 
Th. Leibfried "TL" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Natürliche Mängel (Taschenbuch)
Und damit an sich auch unrezensierbar. Dennoch versucht genau dieses der ein oder andere, mich einschlossen, logischerweise mit stark auseinandergehenden Ergebnissen. "Natürliche Mängel" ist nach "Vineland" der zweite Roman des Literatur-Geistes Thomas Pynchon, den ich fertig gelesen habe. Pynchon ist seit vielen Jahrzehnten nicht mehr gesehen worden, veröffentlicht aber regelmäßig, als Phantom quasi, neue Romane. "Gegen den Tag" steht angelesen im Regal, wer weiß, wann ich die Kraft aufbringe, mich noch einmal da ran zu wagen. Schon von "Vineland", das ich vor sechs Jahren las, weiß ich nichts mehr, ganz ehrlich. Und möglicherweise wird mir das mit diesem Roman wieder passieren. Die Frage ist nur, ob das dramatisch und die Lesezeit eine verlorene ist. Und ich glaube, nein, das ist es nicht.

Pynchon zu lesen ist eher wie einen Film zu schauen, von dem man schon beim Sehen weiß, dass er einen auf eine ganz spezielle Art und Weise fesselt, von dem aber langfristig höchstens ein Gefühl zurückbleibt. Der Roman liest sich stellenweise auch wie ein Drehbuch, auch und gerade durch einen phasenweise enorm hohen Anteil an Dialogen. Sucht man allerdings den roten Faden, oder besser: den Anfang und das Ende einer Geschichte inklusive einer stringenten Entwicklung, sucht man vergebens.

Doc Sportello, ein Privatdetektiv der ganz speziellen Sorte, gerät in einen Strudel von Verwicklungen, die Pynchon erschafft, aber nicht zur Erlösung der Leser wieder auflöst. Und dieser Strudel ist für Sportello nichts, was ohne sein Zutun geschieht, sondern er tut alles, um diesen Wirbel noch zu verstärken. Um 1970 herum spielt die Handlung an der kalifornischen Küste, und Musik, Sex und Drogen spielen eine dominante Rolle. Wirklich nüchtern ist Sportello nie. Und wirklich nüchtern fühlt man sich als Leser auch nicht, wenn Pynchon von Exzessen, der diese Phase prägenden Musik, dem Surfer-Leben Kaliforniens erzählt. Niemand wird allen Hinweisen, Namen, Andeutungen folgen können, der nicht Thomas Pynchon heißt. Oder was soll man anfangen mit einem Satz wie: "Hör zu, ich bin in Temecula aufgewachsen, das ist Krazy-Kat-Countra, da drückt man immer Ignaz und nicht Offisa Pupp die Daumen." (Ignaz und Offisa Pupp sind keine Figuren im Roman.) Und das alles von einem Autor, der mittlerweile Mitte siebzig ist.

Aber der Roman ist, wenn man sich auf ihn einlässt, auch wirklich amüsant. Nicht vordergründig oder aus der Geschichte resultierend, sondern aus der puren Verwendung von Sprache. "Art trug eine Hornbrille von blasser Farbe unter einer hohen, ungetrübten Stirn, und an dem Gesicht, das er in Gesellschaft zeigte, war wenig auszusetzen, außer vielleicht einem etwas paralysierten Ausdruck, als wäre da ein klemmender Reißverschluss, von dem er nicht recht wusste, wie er ihn aufkriegen sollte." Ich finde das witzig, auch wenn ich längst nicht mehr weiß, wer Art überhaupt ist.

Im Original heißt der Roman "Inherent vice" und das bedeutet auf Deutsch in etwa "Angeborene Laster" oder etwas Ähnliches. Das erscheint mir deutlich passender als "Natürliche Mängel", was am Ende des Romans im Zusammenhang mit Versicherungen als Begriff auftaucht. So gut wie vier Sternen könnte ich auch zwei oder drei vergeben, je nachdem was genau ich als Maßstab anlege. Allerdings sind vier Sterne keine Leseempfehlung für jeden, beileibe nicht. Und wenn der "Stern" schreibt, dass dieser Roman das "zugänglichste Werk des größten amerikanischen Autors ist", dann darf erstens darüber diskutiert werden, ob es nicht andere, größere gibt und zweitens mag man Muffesausen vor allen anderen Werken bekommen. Und mit was? Mit Recht!
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen bekiffter Hippiedetektiv mit hellen Momenten, 28. September 2011
Rezension bezieht sich auf: Natürliche Mängel (Gebundene Ausgabe)
So recht weiß ich nicht, was ich von diesem Buch halten soll.

Worum geht es? Larry 'Doc' Sportello ist Privatdetektiv im Kalifornien der beginnenden 70er Jahre. In erster Linie aber ist er Hippie, und zwar einer, der dem Zynismus seiner Zeit einen (praktisch vom Dope imprägnierten?) Idealismus entgegen hält. Doc läuft in Sandalen durch LA, chillt am Strand, schämt sich nicht für seinen blonden Afro und trägt Motto-T-Shirts (z.B. 'Perlen-vor-Säue'). Bei Stress bekommt er ein psychogenes »rektales Pochen« und bei Begegnungen mit liebreizenden Damen unverblümt einen Ständer.
Zu Docs Kundschaft zählen seine Ex-Freundin, die sich um den psychischen Zustand und den physischen Verbleib ihres neuen Lovers sorgt (seines Zeichens Bauunternehmer mit einer Vorliebe für Aktdarstellungen auf Krawatten), eine Heroinsüchtige, deren Mann an einer Überdosis gestorben sein soll, von dem sie aber glaubt, er lebe noch, oder auch mal Ex-Knastis, die in Waffengeschäfte mit einer militanten, nationalistischen Organisation namens »Kalifornien erwache« verstrickt sein könnten. Dann ist da noch der zwielichtige Polizist Bigfoot, der seine eigenen Pläne mit Doc hat. Ringsherum schwirren Surfer & Rockbands durchs Szenario, User und neureligiöse Mystiker, Vietnamveteranen, ein Anwalt, der auf Donald Duck und daily soaps hängen geblieben ist, und sonstige Verhaltensoriginelle - sympathisch Gestörte aus Docs Bekanntenkreis. Er selbst ist der größte Verpeiler und der größte Checker in seinem Revier.
Auch wenn es nicht so aussieht, als ob irgend jemand Doc für seine Detektei-Dienste je bezahlen wird, legt der los, den Leuten auf den Zahn zu fühlen, und gerät dabei immer tiefer in die Machenschaften von Immobilienhaien, Polizei, Drogenkartellen, von Auftragskillern und dem FBI; alle sind sie (scheinbar) in seine Fälle involviert.

Na gut, die Detektivstory an sich ist gar nicht so spektakulär, eher schon, wie Doc sich durchs Geschehen kifft, vögelt & philosophiert, vorlaut, gewitzt, philanthropisch, und dabei so etwas wie einen roten Faden spinnt.

Am Ende ist man nicht unbedingt schlauer - außer dass man jetzt weiß, wie es in Docs Leben so aussieht, und dass man ein bisschen Hippie-Feeling und das Stampfen des Surf-Rhythmus' aus der Lektüre mitnehmen kann (Pynchon, Jahrgang 1937, ist in puncto Summer of Love atmosphärisch, nostalgisch, aber er verklärt nicht). Und: Man darf sich prächtig amüsieren über verpeilte Aktionen, Schlagfertigkeit und das ganze Panoptikum schräger Gestalten. Nicht zuletzt erstaunt aber Docs unverbrüchlicher Idealismus.

Das wäre jetzt alles nicht sonderlich bemerkenswert - eben ein kurzweiliges, gekonnt geschriebenes Buch. Aber dieses Buch stammt aus der Feder von Thomas Pynchon!
Wer Pynchon einmal gelesen hat, weiß, wozu dieser Autor fähig ist: Sinfonien epischen Wahnsinns, garniert mit handfestem Witz. Burlesken und explizite Erotik im Wechselbad mit kristallener Sprache und existenzialistischer Sinnsuche. Alles zusammen galoppiert oder mäandert oder oszilliert oder suppt auf hohem Niveau und mit atemberaubender Kraft durch Handlungen, deren Dimensionen man nicht immer erfasst, und deren Zusammenhänge etwas Mystisches, oft Paranoides haben, indessen immer die Möglichkeit in sich bergen, gar nicht gegeben zu sein. Körperlich spürbare Spannung, zum Bersten, man könnte diese Bücher zerfleischen oder sich ihnen in einer Art sexuellen Selbstaufgabe völlig hingeben. Freunden solcher Literatur seien die Pynchon-Klassiker "Die Enden der Parabel" (Übersetzung von Elfriede Jelinek) oder "V." wärmstens ans Herz gelegt.

Und "Natürliche Mängel"? Auch hier hat Pynchon die Verschachtelung von Anekdoten, Geschichten und falschen Fährten in die Kriminalstory aufgenommen, nur füllt diese sich nicht wie sonst mit dem (mit Verlaub) Ejakulat intellektueller und sprachlicher Orgien, was manch eingefleischter Pynchon-Leser übel nimmt.
"Natürliche Mängel" ist mitnichten ein dichter, schwerer Brocken, im Gegenteil. Ein Mangel? Pynchon hat hier sein Talent im Zaum gehalten, man fragt sich, warum? Ein Pynchon quasi, der kein Pynchon ist.
Trotzdem - bzw. eben genau Pynchon-atypisch - ist das Buch entspannt, in einem Ritt zu lesen und letztendlich sehr amüsant, das sollte hier nicht untergehen. Vielleicht wollte Pynchon einmal zeigen, dass er auch einfach nur gekonnt unterhalten kann?

Natürliche Mängel
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pynchon light, 25. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Natürliche Mängel (Gebundene Ausgabe)
Ein "Krimi" von Thomas Pynchon. Wie soll man sich das vorstellen? Am besten gar nicht, da hilft nur lesen. Ich habe mich wieder mal köstlich amüsiert mit dem Menschen, der bei den Simpsons immer mit einer Tüte auf dem Kopf erscheint. EIn bisschen wie eine Mischung aus einem Chandler/Marlowe-Roman und "Viel Rauch um Nichts". Wer's mag... ich mag's!
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8 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der neue Roman von Thomas Pynchon ist ein prima zu lesender Rausch der Sinne, 25. September 2010
Von 
Rezension bezieht sich auf: Natürliche Mängel (Gebundene Ausgabe)
Der preisgekrönte amerikanische Schriftsteller Thomas Pynchon ist seit einem halben Jahrhundert für die Öffentlichkeit schier unsichtbar.

Medienrummel, Interviews, Werbung in eigener Sache oder Lesetouren finden schlicht und einfach nicht statt, so dass sich Pynchon ausschließlich über seine Bücher definiert. Und die haben es regelmäßig in sich, sie sind gewichtig, was sowohl auf Inhalt als auch auf das in den Händen liegende Buch selbst zutrifft und von vielen Seiten werden die umfangreichen Romane Pynchons als nicht gerade leicht zu konsumierende Lektüre bezeichnet.
Dem ist ganz sicher so, denn Pynchon liebt es, sich in seinen ausufernden Handlungen in alle nur denkbaren Richtungen zu verästeln und da kann man als Leser schon mal gelegentlich den Faden verlieren.
Der neueste Roman "Natürliche Mängel", der in einer angenehm flüssigen deutschen Übersetzung von Nikolaus Stingl beim Rowohlt Verlag erschienen ist, macht da mit seinen knapp 500 Seiten und der fassbaren weil leicht zu überblickenden Handlung durchaus eine rühmliche Ausnahme, denn er ist geeignet, Thomas Pynchon nicht nur seinen zahlreichen Literaturfreunden sondern auch einem breiteren Lesepublikum nahe zu bringen.

Vom Plot sei an dieser Stelle berichtet, dass er den gern mal kiffenden und in der Flower Power Zeit der späten 60er Jahre lebenden Privatdetektiv Doc Sportello und den zähen Polizisten Bigfoot" Bjornsen in das Surferparadies von Los Angeles begleitet, wo Sex, Drugs und Rock'n'Roll nicht nur groß geschrieben werden sondern in riesigen Lettern am Firmament kleben. Als sich Doc Sportello auf die Suche nach dem neuen Liebhaber seiner Exfreundin macht, beginnen sich Rausch und Wirklichkeit zu vermischen und Pynchons Protagonisten wälzen sich in den schillernsten Farben der drogengesättigten Luft, die man in ihrer nebeligen Konsistenz meint, in Stücke zerschneiden zu können.

Das alles macht beim Lesen riesigen Spaß und manchmal meint man in der Trockenheit der Dialoge einen Hauch Raymond Chandler zu erkennen, der dem Buch so richtig gut tut. Stilistisch gelungen und prima lesbar schlendert Pynchon mit schnoddrigem Ton durch seine Geschichte und von Anfang an gelingt es ihm dabei, seine Leser auf einen wundersamen und wunderbaren Trip mitzunehmen. Große Literatur!
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Psychedelischer Trip in die 60er, 20. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Natürliche Mängel (Gebundene Ausgabe)
Thomas Pynchons neuer Roman ist teilweise ein Trip an sich. Der Held der Geschichte Doc Sportello ist ein Hippie, Kiffer und Privatdetektiv, der so einige Passagen seines Lebens und der Geschichte schlichtweg vergessen hat, Dopergedächtnis eben. Die Löcher in seinen Erinnerungen teilt der Leser mit ihm, was zu einigen Lücken in der Logik der Story führt, die einen zu dem Verdacht führt, dass Pynchon selber so einiges eingeworfen haben muß, während er dieses Buch schrieb! Trotzdem, oder gerade deswegen, macht dieses Buch jede Menge Spass. Ich gehöre zu den Pynchon-Unbedarften, Mängel war mein erster Pynchon- doch macht das Buch Lust auf mehr. Die teilweise etwas wirre Story und die nicht ganz nachvollziehbaren Schlüsse im Kriminalfall lassen mich einen Punkt abziehen, sonst sehr gelungen.
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Natürliche Mängel
Natürliche Mängel von Thomas Pynchon (Taschenbuch - 1. Juni 2012)
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