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95
3,6 von 5 Sternen
Unendlicher Spaß
Format: TaschenbuchÄndern
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226 von 233 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Es ist vollbracht: Ich habe diesen 1547 seitigen, gewaltigen Roman durchgelesen; meinen derzeit höchsten literarischen Gipfel erklommen. Das Problem: der Abstieg wird mir sehr schwer fallen, dass kann ich jetzt, 15 Minuten nach Durchlesen des Romans, schon absehen.

David Foster Wallace ist mit "Unendlicher Spaß" etwas Gewaltiges gelungen. Eine Allegorie voller süchtiger, kranker und depressiver Protagonisten, die sich auf ca. 30-40 erstrecken und den Leser, jeder für sich, in ihren Bann ziehen.
Der Inhalt spielt in einer nahen Zukunft und dreht sich in erster Linie um Hal; Hal ist ein hochintelligenter Schüler und begabter Tennisspieler. Er ist an der E.T.A., einer Schule für Jugendliche, die sich im Tennisbereich äußerst talentiert zeigen. Wir schreiben das Jahr der Inkontinenz-Unterwäsche, denn die Regierung hat die Jahreszahlen an große Werbefirmen verkauft, die damit nun ihre Produkte anpreisen können und ebenfalls das Recht erkaufen, die amerikanische Freiheitsstatue, mit dem entsprechenden Produkt auszustatten - ergo: Der Miss Liberty wurde eine gigantische Windel, die Inkontinenz-Unterwäsche, angezogen. Außerdem gibt es die nordamerikanischen Staaten nicht mehr, denn diese haben sich zur O.N.A.N. zusammengeschlossen, der Organization of North American Nations, die von rollstuhlfahrenden Terroristen, den A.F.R., terrorisiert werden. "Unendlicher Spaß" ist der Titel eines Films, den Hals Vater gedreht hat, und den jeden, der diese "Patrone", wie diese DVD-Verschnitte genannt werden, in verwahrloste und unwillige Geschöpfe verwandelt, die nur noch einen Lebensinhalt
haben - diesen Film zu sehen.

Sie sehen, dass diese kurze Inhaltsangabe vor Abkürzungen und wirren Ideen nur so strotzt - dabei habe ich noch nicht mal alle Charaktere, die eine zentrale Rolle in diesem Meisterwerk spielen, genannt.
David Foster Wallace hat auf diesen knapp 1.600 Seiten eine eigene Welt geschaffen, eine Welt voller süchtiger, nach Aufmerksamkeit lechzender Menschen, deren Hauptgedanken um harte Drogen kreisen. Wir sind in einer Welt gelandet, die abgestumpft ist. Wie sagt Wallace in seinem Buch so treffend:
"Ja, ich bin paranoid, aber bin ich paranoid genug?"

Seine Charaktere sind in einem Strudel, einem Teufelskreis aus einer selbstzerstörenden Sucht gefangen, aus der es absolut kein entrinnen gibt. Oder doch?
Foster Wallace beschreibt die Seelenzustände seiner "kleinen, literarischen Kinder" mit einer Detaillgenauigkeit und einem Erfindungsreichtum, wie ich es von keinem zweiten Autoren bisher kennen lernen durfte.
Mal wird es in einem narrativen Ton beschrieben, schwenkt es plötzlich in harte Gossensprache um anschließend im folgenden Kapitel in eine vor Fremdwörtern nur so wimmelnden Sprache zu rutschen.
Der Autor verlangt von seinem Leser eine Menge ab. Dieses Buch liest sich nicht einfach so zwischen Tür und Angel, man benötigt Aufmerksamkeit, ein Fremdwörterlexikon und viel Zeit. Ich habe "Unendlicher Spaß" in gut 4 Wochen durchgelesen und habe nun Angst!
Angst vor neuen Büchern, denn dieses Buch hat mein Leserverhalten und meinen Anspruch an gute Lektüre mehr als verändert. Ich bin an diesem Buch gewachsen.

Teilweise erinnert diese realistische Schreibweise an einen Tatsachenroman, der von einem Drogenjunkie geschrieben wurde. Das Buch ist entlarvend, lakonisch und nekrotisch beklemmend.
(Seite 1398:) "Die Wahrheit macht dich frei! Aber vorher macht sie dich fertig!"

Mein Appell an Sie: Lassen Sie sich von diesem gigantischen Umfang nicht abschrecken, tauchen Sie ein ist die unendliche Welt voller morbidem Spaß und Irrsinn. Ich muss ehrlich sagen, mich hat diese Buch süchtig gemacht, jede freie Minute, die ich zu Hause hatte, habe ich zum Lesen verwendet - das hat bisher kein Buch bei mir geschafft. Wagen Sie es, Sie werden es nicht bereuen!

P.S. Als kleine Unterstützung zum Lesen würde ich Ihnen begleitend empfehlen, die Website des Verlages zu dem Buch aufzusuchen, in der 20 Autoren über "Unendlicher Spaß" schreiben, teilweise zusammenfassend und teilweise interpretierend, was mir beim Lesen ungemein geholfen hat um Sachverhalte aus einem anderen Blickwinkel zu sehen oder einfach wieder in den Kopf zu rufen, den bei diesem Umfang an Seiten, Inhalt und Charakteren verliert man ganz schnell den Überblick!
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271 von 285 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. November 2009
Für jede Frage, die Sie mit Ja beantworten können, erhalten Sie 1 Punkt:

a) Bei einem Roman schätze ich am meisten treffende Wendungen, die eine Situation, eine Landschaft oder ein Gesicht beschreiben - dies alles möglichst mit der Meisterschaft, wie man sie nur von alten Haiku-Meistern kennt.
b) Ich kann gut damit umgehen, wenn ich einen Autor lese, der über geradezu enzyklopädisches Wissen verfügt und davon rege, gezielt, manchmal aber auch redundant Gebrauch macht.

c) Das Fremdwörterbuch ist mein Freund.
d) Ein Endnoten-Apparat gehöhrt zu jedem modernen Roman.
e) Ich werde nicht gleich selbst depressiv, wenn es den Romanfiguren meist eher mies geht und sie sich selber und gegenseitig das Leben schwer machen (dauernd, ohne Ende).
f) Superrealistische Schilderungen von Erkrankungen oder Suchtproblemen stossen mich nicht ab, sondern wecken mein Interesse.
g) Auch Abhandlungen über Hornhäute, Hypersalivation, Erbrechen, pädophile Aktivitäten nach durchzechter Nacht, etc. können mich nicht schrecken.
h) Ich finde ein Roman darf durchaus die ganzen gesellschaftlichen Gepflogenheiten, das politische, wie das wirtschaftliche System über mehere 100 Seiten hinweg durch den Dreck ziehen - schliesslich ist es ja angebracht und Hauptsache: gut gemacht.

Hand aufs Herz, wenn Sie nicht mindestens auf 5 Punkte kommen, rate ich Ihnen vom Unendlichen Spass dringend ab. Ansonstens lesen Sie weiter und geniessen gleich vier Amuse-Bouche, frisch vom Herd des Chefs:
- "Er verfügt über jenen seltenen spinalen Sinn für die Schönheit des Gewöhnlichen, den Mutter Natur nur jenen gewährt, die das Gesehene nicht in Worte fassen können."
- "... im Sprechzimmer seltsam scharf, rein und süss gerochen, das olfaktorische Äquivalent von Neonlicht."
- "Wenn man auf einem belebten Stadtgehweg die Augen schliesst, klingen die Schritte all der Leute in ihren verschiedenen Schuhen zusammengenommen, als würde etwas von etwas Riesigem und Unermüdlichem und Geduldigem gekaut."
- "Das Fensterlicht im Zimmer verdunkelt sich zu dem Kaopectate-Ton, der schon immer die Kurz-vor-Sonnenuntergang-Tageszeit gekennzeichnet hat, ..."

Wer kennt im deutschen Sprachraum denn schon Kaopectate? Ich jedenfalls musste eine Website suchen, auf der man Bilder von Tabletten und Pillen findet, um mir den Kaopectate-Ton vergegenwärtigen zu können. Es hat sich gelohnt - Kaopectate wird oder wurde in der Darreichungsform durchscheinender Gel-Pillen von orange-bräunlicher Farbe verkauft - ... da kommt tatsächlich Abendstimmung auf.

Folgende Fragen sollten Sie mit einem herzhaften Nein beantworten können, sonst besteht die Gefahr, dass "Unendlicher Spass" für Sie nichts neues bereit hält (der Schwierigkeitsgrad steigt von Frage zu Frage leicht an):
Wussten Sie schon, dass ...
1) es Leute gibt, die sich so tief in die us-amerikanische Fernsehserie M*A*S*H verbeissen, dass selbst manische Wetten-Dass-?-Zuschauer noch etwas lernen könnten? (...)
2) das harmlos klingende Demerol eigentlich ein synthetischer Morphinersatz der Einstufung K-II, oder noch genauer Meperidinhydrochlorid ist? (Anmerkung 189, etwas populärwissenschaftlicher auch in Anmerkung 12)
3) Plutonium-239 schliesslich der Abfallfraktion UF4 beigemischt wird, die von Montpellier hochgepumpt wird? (823)
4) auch Sie bei einem Eschaton-Game froh wären, einen super Lobber (Tennis) auf Ihrer Seite zu wissen? (...)
5) Anmerkung b zu Anmerkung 39 nur wieder auf Anmerkung 304 verweist, worin wir auf zehn eng bedruckten Seiten u.a. den lang ersehnten Verweis (5) auf ein "Sektenbestimmungsbuch in Stichworten" erhalten? (1515)

Worum drehen sich denn die 1545 Seiten, 388 Anmerkungen, bzw. die 1480 Gramm Papier?

Wenn man früher mal menschliche Wärme mit einer aromatisch duftenden Pizza aus dem Steinofen hätte vergleichen können, dann hat man es aus Wallace' Perspektive heute wohl eher mit einem billigen Aldi-Fladen zu tun, der lieblos in der Mikrowelle zu einem bleichen, gefrierbrandigen, namenlosen Etwas aufgetaut wurde. Wallace gerät nun wirklich nicht unter den Verdacht irgendetwas schönreden zu wollen - wohltuend ist aber, dass kaum je etwas direkt angeprangert wird, die Figuren sprechen aus sich heraus und disseminieren (Fremdwörterbuch ist mein Freund) nicht einfach in Sprechblasen die Botschaften des Erzählers.
Während es in vielen Romanen sicher um Gefühle, Enttäuschungen, Liebe, Sex, Umweltprobleme und Erfolg geht, engt sich im Unendlichen Spass das Sortiment doch etwas ein. Natürlich kommen die heute gängigen Topoi auch alle irgendwie vor, doch der Fokus liegt auf: Drogen, dann nochmal Drogen, der Beschaffung von Drogen, dem Entzug von Drogen, dem Sprechen darüber, wie man an Drogen kaputt gegangen ist, dem cold turkey, dem Alltagsgebaren von Drogenabhängigen, die in der Meinung irren, sie hätten es noch im Griff, dem Alltag von ehemaligen Drogenabhängigen und aktuell Drogenabhängigen im sogenannten Ennet House, den Anonymen Alkoholikern und ihren Weisheiten, die zwar keine sind, aber dennoch geglaubt werden sollten, denjenigen die schon seit vielen vielen Jahren clean oder trocken sind und gerade deswegen irgendwie noch verrückter wurden, den total durchgeknallten Kanadiern, die sich in ihren Rollstühlen gegen die USA verschwören, ja die ganze O.N.A.N. mit letaler Unterhaltung überziehen wollen, die seinerzeit noch der verrückte Storch, alias Er Selbst, alias J.O.I. ausgebrütet hat. Wir erfahren von einem, der sich in seinem Wahnsinn darauf spezialisiert hat, jeweils ca. um 22:25 die Haustiere anderer Leute aufzuschlitzen und dies eigentlich nur, weil es ihm langsam zu monoton geworden ist, immer nur Katzen in einen Müllsack einzutüten.
Man muss das Buch einfach lieben oder hassen. Man wird abgestossen oder hineingesogen, man beginnt darin zu leben, gemütlich wird einem dabei nicht, aber man beginnt sich zu fragen, ob man die Welt nicht doch einen Tick mehr so sehen sollte, wie Wallace das getan hat. Und warum hat er es so gesehen? Es gibt keine konstruktive Kritik, es gibt keine Polemik oder Satire - denn die haben wahrscheinlich längst abgewirtschaftet; es gibt bittere Anekdoten über die Angehörigen von Figuren, schreckliche Zwänge, es gibt die Anmerkungen, die glatt als Pharmalexikon durchgehen können. Es kann in diesem Roman vorkommen, dass sich ein Teenager deutlich mehr für die mathematischen Implikationen eines herunterfallenden Möbelbeschlags interessiert als für den staub-allergischen und fast tödlichen Anfall seines Erzeugers, nur wenige Zeilen vorher. Ein Spannungsbogen, der den ganzen Text überstreicht, damit wir als Leser dranbleiben, um quasi mit einer Karotte vor der Rübe durch diesen Folianten zu waten? Fehlanzeige. Figuren tauchen oft von dort auf, wo sie bald darauf wieder abtauchen: dem Nichts. Wer aber schon mal wissen wollte, wie sich eine ausgewachsene Depression von innen anfühlt, kommt ab Seite 99 bis 114 auf seine Rechnung. "... alles klingt scharf, ja, stachelig und scharf, als hätte alles, was man hört plötzlich Zähne." ... "Als wäre jeder Zelle und jedem Atom oder jeder Gerhinzelle oder was weiss ich so schlecht, dass sie kotzen will, aber nicht kann ..." Die Beschreibung der Depression von Kate Gompert ist brillant. Ferner geht es um einen S.C.H.M.A.Z., also ein übernatürlich schönes Mädchen, das bei einem Säureangriff so richtig die Karte umdekoriert bekommt (sie hat noch Glück, dass sie nicht gleich völlig entkartet wurde), obwohl die Säure eigentlich ihrem spinnerten Dad gegolten hätte und sie dadurch ev. sogar noch schöner geworden ist, also sie eh schon war. Aber so ganz klar wird das nie und David F. Wallace können wir nicht mehr fragen, da er am 12. September 2008 im Alter von 46 suizidiert hat.

Dann natürlich Philosphie, Intention, Ideologie und die Rafinessen aller nach-joyceschen Bemühungen, die sich nur den Adepten der postmodernen Narrationstheorie erschliessen können. Dazu kann ich dann nichts mehr sagen und verweise nur auf [...] Dort tobt der 100-tägige Krieg um das Schattenloch der Transeidetiker, die Anhöhen des Poststrukutralismus, die foucaultschen Kapillarmächte, die psychoanalytischen Resthoffnungen, etc. pp. Amüsant, mit Visualisierungen von Romanfiguren, Örtlichkeiten und Mandelbrotmengen. Hin und wieder finden sich auch geradezu erhellende Passagen (ja, auf dieser Website, wie auch im Buch).

Zu guter Letzt: manchmal habe ich mich gefragt, ob das Original (Infinite Jest) überhaupt an die deutsche Übersetzung von Ulrich Blumenbach herankommt. Danke für das geniale Deutsch.
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184 von 194 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 12. September 2009
Anfänglich abgeschreckt von Allem, Umfang, Preis, Rezensionen (fulminat, überbordend, kompliziert, wegweisend, bla...), dann doch spontan gekauft (muss ich haben!), ohne auf Büchereien, Paperbacks oder wohlmeinende Freunde zu warten.
Und Glück gehabt. Zwar nicht ganz, bei der Seitentzahl aber schon annähernd unendlicher Spaß. Und wie Vorredner schon sagten, es zieht einen förmlich in die Geschichte/Geschichten. Ursprünglich wollte ich zur Beruhigung meiner Nerven zeitgleich ein leichter verdauliches Buch beginnen, um einen unkomplizierten Notanker als pflegeleichtes Betthupferl zu haben. Inzwischen unnötig und ungelesen. Ich will dringend im "Spaß" weiter lesen. Aber nicht, damit ich den Fortgang der Geschichte miterleben darf, zu 90% um einfach wieder in diese Stimmung abzutauchen. Auch der Effekt, bei Seite 200 noch mal von vorne anzufangen, trat bei mir ein. Ich hatte aber zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, etwas Entscheidendes verpasst zu haben, nur die leise Ahnung, alles noch mal irgendwie anders erleben zu können.

Dieses Buch hat alles, was ich normalerweise nur in sehr geringen Dosen oder nicht immer vertrage: über 1000 Seiten, bisweilen nicht endende Monstersätze, wirre Übergänge, zu viele Fremdwörter. Merkwürdig ist nur, dass zumindest mich das zu keinem Zeitpunkt gestört hat. O.k., man sollte sich irgendwann mit sich selber einigen, ob jedes Fremdwort nachgeschaut werden soll (dann Lexikon direkt daneben legen), oder ob einem die genaue Bedeutung eher egal ist (kein Problem, die meisten sind nicht weiter wichtig und die Bedeutung kann weitgehend immer erraten werden).

Aber einmal begonnen, sog mich der Schmöker schlicht und ergreifend zwischen seine Seiten. Man findet sich in einer Parallelwelt wieder, von der man nie so genau weiß, wie weit entfernt diese von der eigenen Welt eigentlich ist. Alltäglicher Wahnsinn, bizarre Lebensentwürfe und psychische Abnormitäten werden in schillernden und immer wechselnden Farben haarklein beschrieben, die Sprache durchweg passend zu der großen Anzahl der Charaktere.
Nicht zuletzt kommt diese Nähe wohl auch durch die eigenen Lebensumstände des im letzten Jahr durch Selbstmord gestorbenen Autors. In vielen Passagen ist förmlich zu spüren, dass hier die vermeindlich erfundene Geschichte mehr als deutliche autobiographische Züge enthält. HIer geht es um das Innen, nicht das Außen.

Und wer soll das alles lesen? Ich für meinen Teil bin ein Fan von lebensnahen Geschichten, alltäglichen Vorkommnissen, den Untiefen des wirklichen Lebens, welche in Worten beschrieben werden, die mir leider fehlen. Ich liebe T.C.Boyle, Nick Hornby, Paul Auster. Klare, direkte Sprache, Charaktere, die vom Leben nicht verschont werden, realitätsnah.
Und um überhaupt einen Anhaltspunkt zu geben, diese Buch erinnert mich sehr oft an "Die Korrekturen" von Franzen. Und selbiges würde ich am liebsten noch essen, so gut finde ich das...

Leute, lest es doch einfach. Und wenn es nix war, ihr bekommt es bei Amazon oder Ebay locker wieder weg. Wenn es aber dann so wichtig wird, wie für mich jetzt, dann darf es nicht weniger sein. Dick, gebunden und bereit, jeden Tag wieder zu zeigen, dass Andere noch viel verrückter sind.
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28 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 15. Oktober 2009
Vor allem gilt hier: nur nicht von der Kritik abschrecken lassen. Vergleiche mit Ulysses und ähnlichen "Meilensteinen der Weltliteratur" könnten einen glatt zu der Vermutung verleiten, dieses Buch sei nur für Akademiker ein Vergnügen. Ein folgenschwerer Irrtum, denn egal, was man von seiner Stellung in der Literaturgeschichte halten mag (die mir persönlich ziemlich egal ist), ist dieser Roman einfach ein großes (und umfangreiches) Lesevergnügen.

Ich würde jedem empfehlen, sich Zeit für die Lektüre zu nehmen, nicht nur, weil das Buch so lang ist, sondern vor allem, weil mehrere Geschichten parallel und nicht chronologisch erzählt werden. Sobald man denkt, man hätte raus, worum es geht, findet man sich unversehens in der seitenlangen Beschreibung der Lebensgeschichte einer völlig unbekannten Person wieder, die dann ca dreihundert Seiten lang auch nicht mehr auftaucht, und wenn,dann plötzlich nicht mehr als Hauptperson, sondern als Randfigur in einer anderen Geschichte. Zugegeben, da kann man schon mal den Überblick (und die Geduld) verlieren. Und was die Fußnoten angeht, kann ich jeden verstehen, der nach mehreren Seiten Lektüre in winziger Schrift, nach wildem Blättern zum Ende der Fußnote, um die Fußnote in der Fußnote zu finden und einem ungläubigen Blick auf den lapidaren Hinweis "Don't ask" zum Dank für all diese Mühen, den Impuls verspürt hat, das blöde Ding an die Wand zu schmeißen. Diese kleinen Scherze muss man dem Autor verzeihen können, wenn man sich hier amüsieren will. Ebenso, wie man darüber hinwegsehen muss, dass der Roman an manchen Stellen schon etwas von einem "alten" science fiction hat (er ist ja auch schon vor über zehn Jahren erschienen), so dass heute noch fantastische wissenschaftliche Entwicklungen manchmal auf die Technologie der 90er Jahre treffen (Mobiltelefone brauchen eine ausfahrbare Antenne, Computer haben keine Flachbildschirme- um zwei kleine Beispiele zu nennen).

Hundert Seiten lang war ich mir nicht sicher, ob ich den Roman beenden würde. Etwa zehn Tage lang war es meine einzige Freizeitbeschäftigung, dieses Buch zu lesen, und nicht einmal die Tennismatchbeschreibungen haben mich gelangweilt (was eigentlich schon alles über das Erzähltalent des Autors sagt). "Unendlicher Spaß" ist witzig, albern, satirisch, tiefgründig, spannend, originell, eindrucksvoll, traurig und unheimlich, wenn man sich vor Augen führt, wie nahe manche Beschreibungen der Lebensrealität des Autors kommen könnten. Was mich an dem Buch wirklich stört, ist die Tatsache, dass von den vielen angefangenen Geschichten keine zum Abschluss kommt. Das muss man natürlich nicht als Schwäche sehen. Trotzdem stellt sich wie bei oben genannter Fußnote das Gefühl ein, dass man für sein Durchhaltevermögen nicht grade belohnt wird. Man muss sich damit abfinden, dass hier der Weg das Ziel ist.
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35 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 25. November 2009
Es gibt Bücher, die hat man einfach im gut sortierten Regal, dazu gehören z.B. der (meiner Meinung nach - auch in der gefeierten Wollenschläger-Übersetzung - so gut wie ungenießbare) "Ulysses" oder Musils gewaltiges, aber ebenso schwergängiges Fragment "Der Mann ohne Eigenschaften". Romane von monströsem Umfang, die einhellig als Meisterwerke bezeichnet und meines Erachtens nur von den wenigsten Besitzern, die keine hauptamtlichen Literaturkritiker sind, auch wirklich gelesen werden. Zuweilen versucht man es, vielleicht zum x-ten Mal, etwa an einem verregneten Herbstwochenende, und irgendwo gegen Ende des ersten Drittels fragt man sich dann, warum man sich das antut. Also zurück mit der Schwarte, aber an eine Stelle im Regal, die jeder Besucher sofort sieht.

Ulrich Blumenbachs sechsjähriger Übersetzungsarbeit ist es zu verdanken, dass da jetzt noch so ein Ziegel steht: "Unendlicher Spaß" suggeriert der Titel. Gleich vorweg sei angemerkt, dass es wirklich (jedenfalls meistens) ein großer Spaß ist, dieses Buch zu lesen. Und die fast vier Wochen, die ich dafür gebraucht habe, kamen mir auch nahezu unendlich vor. Die Frage, welches Buch ich zuvor gelesen habe, hätte ich nach spätestens zwei Wochen nicht mehr beantworten können. Es kam mir vor, als würde ich mich irgendwie schon immer durch Wallaces Opus Magnum fressen.

Tausendsechshundert Seiten, davon über zweihundert "Anmerkungen und Errata", die man sich übrigens durchaus antun sollte. Dünn bedrucktes Papier, hochwertige Ausstattung - ein zumindest äußerlich gefälliges Buch.

Nun, der Himalaya ist auch ein schönes Gebirge, wenn man es sich im Fernsehen anschaut oder mit dem Hubschrauber drumherum fliegt. Einen der Achttausender dann auch zu besteigen, das ist eine ganz andere Angelegenheit. Barfuß und ohne Sauerstoffgerät - das wäre ein passender Vergleich zur "Unendlicher Spaß"-Lektüre.
Schon der Einstieg macht es nicht leicht. Da sitzt ein offenbar hochintelligenter, aber anscheinend sprachgestörter Junge vor dem Aufnahmeausschuss einer Universität. Wir schreiben das "Jahr des Glad-Müllbeutels". Später, während der Haupthandlung, die im "Jahr der Inkontinenz-Unterwäsche" spielt, erfahren wir, dass die Jahreszahlen inzwischen als Werbeplätze an Firmen vergeben werden, weil es Fernsehen im herkömmlichen Sinn und also auch Fernsehwerbung nicht mehr gibt. Das Geld wird dafür genutzt, die inzwischen als gewaltige Müllhalden umfunktionierten Neu-England-Staaten zu finanzieren, um die herum riesige Gebläse aufgestellt wurden, damit es im Rest des Landes nicht stinkt. Aber das ist nur ein Randaspekt.
Danach erlebt man mit, wie jemand auf eine Frau wartet, die ihm Drogen bringen soll - in einer erzählerischen Akribie, die ich so noch nie erlebt habe. Die ersten vierzig, fünfzig Seiten zeigen allerdings, was auf den Leser zukommen wird. Schwer, das in wenige Worte zu fassen. Fantastische Satzbauten, Unmengen von Fremdwörtern und Neologismen, schräge Abkürzungen, bildhafte, dichte, aber ausufernde Sprache, und all das immer verbunden mit dem Gefühl: So dürfte man eigentlich nicht erzählen, aber, heiliger Pfeffer, besser kann man es vermutlich nicht machen.

Im Zentrum der Handlung stehen eine Tennisakademie namens E.T.A. und ein in unmittelbarer Nähe liegendes Haus für Drogensüchtige auf Entzug. Der junge Hal, Spross des E.T.A-Gründers und Filmemachers James Incandenza, der sich selbst getötet hat, indem er seinen Kopf in einen umgebauten Mikrowellenherd steckte, gehört zu den Ausnahmetalenten an der "Enfield Tennis Academy", und wie die meisten Tennistalente holt er sich das bisschen Wohlgefühl in der wenigen trainingsfreien Zeit über Drogen. Sein großer Bruder Orin, der wie Hal kaum zu Emotionen fähig ist, spielt als Punter für eine Baseballmannschaft. Der mittlere Bruder, den Hal "Troll" nennt, lebt als Faktotum an der Akademie. Mario ist schwer behindert und kann nur mit Hilfe eines Polizeischlosses stehen. Er hat quasi das Erbe des legendären Vaters angetreten, denn er läuft ständig mit einer "Bolex"-Filmkamera auf dem Schädel herum.
Ein anderes Erbe dieses Vaters ist ein Film mit dem Titel "Unendlicher Spaß". Von diesem sagenumwobenen Streifen gibt es zwar einige Kopien, aber viele Leute sind auf der Suche nach der Master-Patrone, darunter die A.F.R., eine kanadische Terroristenorganisation, deren Mitglieder allesamt an den Rollstuhl gefesselt sind. Wer diesen Film sieht, will nichts anderes mehr tun. Er versetzt den Zuschauer in einen Zustand, der alle Lebenserhaltungsreflexe abschaltet, bis man schließlich daran stirbt. Eine ideale Waffe also, zum Beispiel im Krieg gegen O.N.A.N., die Organisation, die aus den U.S.A. und Kanada hervorging.

Der Versuch, die gewaltige Schar an Figuren, Schauplätzen, Handlungssträngen und Entwicklungen zusammenzufassen, muss scheitern, deshalb stoppe ich an dieser Stelle. Wenn es in diesem Buch um "etwas" geht, dann um Drogen im weitesten Sinne (und eben nicht nur chemische), Lust und Selbstverwirklichung. Das Gros des Personals ist entstellt, schlicht verrückt oder hat irgendein anderes Päckchen zu tragen. Wenigstens das, mit dem Leben klarzukommen.

Wenn man etwas an diesem unfassbaren Werk kritisieren wollen würde, dann höchstens die Tatsache, dass Wallace im Jahr 1996 eine Zukunft geschildert hat, die von unserer Gegenwart längst überholt wurde, was die technischen Aspekte anbetrifft. Es gibt bei ihm zwar hochauflösende "Teleputer", aber einige andere seiner Zukunftsskizzen technischer Art sind von Internet und DSL bereits dahingerafft oder übertroffen worden. Das gilt auch für die - leider nicht ganz unwesentlichen - "Unterhaltungspatronen", auf denen in "Unendlicher Spaß" Filme und Serien per Postversand zum Zuschauer kommen. Die Dystopie scheitert hieran jedoch nicht.

So, ich bin oben angekommen, die Füße sind blau und ich kriege kaum Luft, aber für diese Aussicht hat es sich gelohnt. Ein Buch wie dieses habe ich noch nie gelesen und werde es wahrscheinlich auch nie wieder tun, und zwar nicht aus einer Verweigerungshaltung heraus, sondern weil ich kaum glaube, dass dieser Wurf von irgendwem wiederholt werden kann. Manchmal schwergängig, häufig noch schwerer zu verstehen, zuweilen kryptisch, nicht selten herausfordernd, meistens hochintelligent, manchmal auch weit mehr als das, hin und wieder spröde, teilweise sogar abstoßend, grundsätzlich vielschichtig, jederzeit abwechslungsreich, oft sperrig, aber immer präzise und vollständig unvergleichbar. Ein Buch wie kein anderes, und zwar in jeder Hinsicht. Wahrhaft schön, und das gilt für jedes einzelne verdammte Wort.

Vielleicht komme ich nächstes Jahr wieder.
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23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Meine Geschichte mit diesem Buch fängt im Jahr 2001 an, als ich mir die gut 1000-seitige Taschenbuchausgabe der Englischen Fassung zulegte. Anfangs sehr begeistert über den Schreibstil und den Humor wurde das Lesen mehr und mehr zur Qual und nach etwa 300 Seiten gab ich "entkräftet" auf. Dennoch ließ mich die Geschichte nicht los. Jeweils nach dem Lesen von englischen Harry-Potter-Büchern war die Motivation wieder da, reichte aber selten für mehr als etwa 20 Seiten... Seither steht das Buch mit zwei Lesezeichen im Bücherschrank.
Riesengroß war die Freude, als ich hörte, dass im letzten Jahr (endlich) die deutsche Fassung erscheinen sollte. Dabei erfuhr ich auch, dass der Autor sich 2008 selbst entkartete... Schade.
Kaum erschienen, war das Buch auch schon gekauft, ich konnte allerdings erst ein paar Wochen später mit dem Lesen angefangen. Nachdem ich jetzt, gut drei Monate später, das ganze Buch durchgelesen habe, kann ich mich im Wesentlichen der Rezension "Der ultimative Test für unschlüssige Leser..." anschließen, allerdings hätte ich da noch ergänzende Anmerkungen bzw. Eindrücke:

Zunächst rein formal heisst es richtig: SCH.M.A.Z. Und nicht S.C.H.M.A.Z. (steht für "SCHönstes Mädchen Aller Zeiten"). Irgendwie ist mir das wichtig :-)

Zum Buch: Beim Lesen dieses Buches ist offenbar weniger die Handlung oder auch einzelne Charaktere als solche wichtig, weniger das einzelne Warum bezogen auf einzelne Personen oder Ereignisse im Buch, als vielmehr das "Meta-Warum?", das Gefühl wie es ist, in dieser geschilderten (zukünftigen) Welt zu leben. Es geht meiner Ansicht nach mehr um die gesellschaftliche Entwicklung, die der Autor Mitte der 90er für die mehr oder weniger nahe Zukunft erwartete, und immerhin spielt die Geschichte quasi im "jetzt" - zumindest der selbst nachgerechneten Zeitrechnung des Buches nach. Das ist so ein Bischen wie bei "1984" - einem Buch das noch einen Tuck (oder zwei) weniger fröhlich ist als "unendlicher Spaß". Aber auch bei "unendlicher Spaß" kann man quasi vergleichen: was von dem, das der Autor für diese Zeit vorhergesehen hat, ist Realität? Oder zumindest so ähnlich wie im Buch geschildert? Da kommt auch nicht unbedingt Freude auf...

Gut gefallen haben mir:
Neben der reinen Sprache, dass Gegebenheiten, die an scheinbar unpassenden Stellen ausführlichst beschrieben werden, und wo man sich fragt, was außer der Demonstration reiner Formulierkunst uns der Autor damit vermitteln will, später im Buch wieder Bezug finden, indem irgendwelche Leute genau wegen dieser Geschichte irgendetwas taten oder dachten oder irgendwelche Komplexe entwickelt haben. Erstaunlich wie isch die Wege der einzelnen Protagonisten an den unglaublichsten Stellen kreuzen, "wie klein die Welt ist", auch in dem Buch. Das waren im übrigen recht viele solcher Stellen...
Faszinierend war der Blick ins Innenleben von Drogensüchtigen verschiedenster Art, der Anonymen Alkoholiker sowie der Funktionsweise einer Sport-Akademie (wobei ich nicht glaube, dass es bedeutende Unteschiede abgesehen von den Sportarten gibt - man kann hier viel übertragen denke ich). Die vermeintliche Harmlosigkeit von "Bob Hope", die man in seiner Jugend von mancherlei Seite vermittelt bekommen hat, steht auch in einem ganz anderen Licht da, insbesondere die Langzeit-Folgen des Konsums...

Weniger gut gefallen haben mir:
Dass das Lesen streckenweise echt super anstrengend ist, wenn man nicht den Faden verlieren will - wobei man sich hinterher oft denkt: auch egal... Oft schwirrt einem schon nach 20 Minuten der Kopf, insbesondere nach einem vorangegangenen langen Arbeitstag.
Auch weniger gefallen hat mir, dass die Geschichte kein richtiges Ende hat, ähnlich wie beim "Besen im System". Der Leser wird über Vieles im Unklaren gelassen, Vieles erschließt sich nur durch Andeutungen, durch die sich logische Schußfolgerungen quasi aufdrängen, wobei das hier (verglichen mit dem "Besen...") durch Perspektivenwechsel noch erschwert wird: welche Sichtweise ist nun die Richtige auf das Geschehen? Während beim Besen das allermeiste durch Andeutungen zumindest erklärbar wird, ist bei diesem Buch irgendwann schlicht Stromausfall.

Und wie lese ich jetzt so ein Buch?
Die Methode der AA (siehe Seite 1235/1236) hilft. Übertragen heisst das: Nicht ständig die Seiten zählen, die man geschafft hat, und vor allem nicht dauernd nach vorne schauen (sooo viel noch?!). So wie ein Straßenfeger, der gut eineinhalb Kilometer Straße (um nicht zu sagen: 1545 Meter) mit einem einfachen Besen fegen muss: immer vor die Füße schauen und einfach weiterfegen! Irgendwann schaut man auf und denkt sich: oh, so weit schon? Das ständige Seitenzählen ist eher kontraproduktiv.

Mein Fazit: Ich bin froh, dass ich dieses Buch gelesen habe. Aber ich bin auch froh, dass das jetzt vorbei ist. Wie andere schon sagten: entweder man liebt das Buch, oder eben nicht. Mir hat's gefallen, aber für fünf Sterne hat mich doch zu viel gestört.
Ergänzung: Ein Buch mit mehr als 1500 Seiten in einem weißen (!) Einband?!? Was soll den DER Quatsch? Ist das Absicht? Ich denke: ja. In den USA war das Buch seinerzeit ein Verkaufserfolg, aber viele haben das Buch nur gekauft, weil es gerade "hip" war - wirklich gelesen bzw. DURCHgelesen haben es die Wenigsten. Bei diesem Einband kann man dem Buch im Regal ansehen, ob es gelesen wurde oder nicht. Das wäre - mit Blick auf die Fußnoten, wo ich mich recht oft des Eindrucks nicht erwehren konnte, dass der Autor die Leser schlichtweg ärgern wollte - im Sinne des Autors... Man muss sich also entscheiden: Schöne Geschichte oder schön im Regal.

Zum Abschluß möchte auch ich einen einzigen Satz (!) aus dem Buch zitieren, der einem vielleicht hilft, zu beurteilen, ob man so etwas lesen möchte. Ach ja, es gibt durchaus längere Sätze mit weniger Satzzeichen, dies ist also nur ein durchschnittlich langer Satz. Viel Spaß:
"Der Schraubenschlüssel im Pfeffer war, dass in Providence niemand damit gerechnet hatte, dass pünktlich zum Spielanpfiff vor dem Pizzitola Athletic Center die gesamte Dachlatten und Schlagringe schwingende dworknistische Phalanx für die Prävention von und den Protest gegen Frauenverdinglichung der Brown University auftauchen würde, zwei PPPFVs pro Motorrad, die durch die filigranen Tore bretterten, als wären die aus nassen Kleenex, und die Arena stürmten, unterstützt von einer Division schneidiger N.O.W.-Studentinnen der Brown Univ., die in der ersten Auszeit von den billigen Plätzen aus einen Zangenangriff durchführten, genau in dem Augenblick, als das erste Pyramidenmanöver der Brown-Cheerleader in einem Flugspagat kulminierte, das den Punktezähler an der Pizzitola-Anzeigetafel gegen sein Schaltpult zurücktaumeln ließ, wodurch er an der Tafel genau in dem Moment die Nullen von sowohl HEIM als auch GÄSTE löschte, als die schalldämpferlosen PPPFV-Hobel böswillig durch die Bodentunnel auf die Spielfläche posaunten; im anschließenden Handgemenge wurden nicht nur Cheerleader, Peptrupp und anmutige Brown-Univ.-Sirenen entweder von wie Knüttel geschwungenen Dachlatten geschrägt oder um sich tretend und kreischend über die vierschrötigen Schultern der militanten PPPFVs geworfen und auf dröhnenden Hobeln abtransportiert, wodurch das empfindliche Nervensystem des Power Forward der Yale intakt, wenn auch überhitzt blieb, sondern von einem PPPFV-Schlagring beziehungsweise einem desorientierten Schiedsrichter mit Kampfsporterfahrung wurden auch zwei Starter der Brown Univ. Bruin gefällt, ein Center und ein Shooting-Guard - beide nach einer strapaziösen Woche des Vorsprechens und Probens anmutiger Sirenen zu entsaftet und benommen, um einen anständigen Sprint hinlegen zu können, als das Handgemenge auf Pizzitola-Parkett überschwappte; und als die Spielfläche endlich geräumt und die Tragen abgetragen waren, wurde das Spiel wiederaufgenommen, und Yale Univ. machte Brown Univ. mit über zwanzig Punkten Vorsprung platt."
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 12. März 2010
... und doch unendlich gut ... irgendwie ...

Wie soll man eine Rezension für ein Buch schreiben, das aus einer Aneinanderreihung von Begebenheiten und endlosen Beschreibungen besteht ... und das auf über 1400 Seiten.

Die Protagonisten versuchen in einem System zu überleben, in dem alles, was wir heute kennen, ins Extreme verzerrt wird. Drogenmissbrauch wird zur Normalität, vielversprechende Jungsportler werden durch unglaubliche Trainingsmühlen gedreht, Selbstmorde werden auf unvorstellbare Weise begangen, Medien üben beängstigende Macht auf die Menschen aus, Monatsnamen werden durch Produktnamen ersetzt u.v.m.
So extrem, wie das Leben erzählt wird - genauso extrem ist die Beschreibungswut des Schriftstellers. Und als Leser tut man das, was viele Menschen auch tun, wenn zuviel auf sie einströmt: Sie schalten ab.

Jedenfalls ging es mir so - manche Beschreibungen waren so ausführlich, dass mein Blick auf der Suche nach der neuen Szene nur über die Zeilen huschte, und ich kaum etwas im Gedächtnis behielt. Der Effekt war - jene Stellen, an denen Menschen an der Sinnlosigkeit ihres Treibens verzweifelten, bekamen eine unerträgliche Schärfe.

Ist es möglicherweise das, was David Foster Wallace sah? Sah er, wie die Menschen sich immer weiter spezialisieren, immer extremer in ihren Fähigkeiten und damit auch in ihrem Versagen werden? Bin ich als Leser so perfekt, dass ich den seitenlangen Beschreibungen von Lüftungskanälen folge oder setze ich mich darüber hinweg?

Genau das ist das Besondere an diesem Buch - es ist eine gigantische Komposition. Es ist wie eine überlange Oper, bei der man ab und zu nach einem Bonbon in der Tasche kramt, weil's grad ein wenig fad ist.
In seiner Gesamtheit ist es dennoch ein grandioses Werk (aber für die Mühseligkeiten hab ich einen Stern abgezogen)
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. Dezember 2012
Da ich diesen Roman tatsächlich von Deckel zu Deckel gelese habe, verstehe ich die Irritationen bei denjenigen, die 400 Seiten hinter sich gebracht haben (dort aufzuhören ist unglücklich) - um sich dann zu ergeben.
Zugegeben: Es bedarf wohl - sofern man damit nicht beruflich assoziert ist - einer persönlichen Extremsituation, um dieses Buch wirklich durchzuhalten. Dann allerdings - es steigert sich über die letzten Hunderte von Seiten - entfaltet es eine Kraft, die ich keinem anderen Buch je zugetraut hätte. Es kann retten. Wer die Kritik am Dauerironismus der Postmoderne nicht verstanden hat, ist natürlich schlecht bedient. D.F.W. ist ein abstrakte Konzepte nutzender Herzblutschreiber von unerhörter Art. "Endlich hat mal jemand die Wahrheit geschrieben, und keiner hat's gemerkt", sagte ein Freund, der sich den Text ebenfalls vollständig angetan hat. Und antun muss man ihn sich. Er ist eine Zumutung.
Niemals hätte ich es für möglich gehalten, dass ein einzelner Mensch derartiges zustande bringen würde, einen Roman, der mühelos alles nur Vorstellbare verschluckt - auch alles Erträgliche. Ohne dabei eitel verspielt zu sein. Das Ding ist bitter ernst (und nicht etwa "pubertär". Es wirkt nur vielleicht so - zunächst - und das hat seinen Sinn.)
Der Roman hätte auch Anlass sein können für eine Debatte zur strikten Trennung von Autor und Erzähler. Hier ist oft ganz klar nicht zu trennen. Das Ganze ist wie ein gigantischer Hilfeschrei, der in gescheiter Literaturwissenschaftelei untergegangen ist.
Besonders beeindruckend: das Finale um Gately und die zirkuläre Struktur des Gesamtwerks.

Anmerkung: Man sollte es wohl komplett im Original lesen; ohne die Unterstützung des kongenialen Übersetzers Ulrich Blumenbach wäre ich jedoch an mancher Stelle aufgschmissen gewesen. So habe ich halb die deutsche, halb die Originalfassug gelesen.

ES GIBT KEIN BUCH WIE DIESES.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 7. Juli 2013
Mit gutem Grund kann man anzweifeln, dass in unseren Zeiten noch ein Gesellschaftsroman möglich ist. Mit "Unendlicher Spaß" ist dies jedoch David Foster Wallace gelungen. Es wirkt fast wie ein Wunder, doch Wallace schafft es, in nur zwei Orten - der Tennisakademie ETA und der Ennet House-Entzugsklinik - nicht nur die us-amerikanische, sondern die gesamte westliche Gesellschaft und ihren, UNSEREN Zeitgeist gleichsam allegorisch abzubilden.

Zu sehr wurde in der deutschen wie in der us-amerikanischen Literaturkritik das Chaotische, das Hoffnungslose dieses Romans hervorgehoben - ohne jedoch zu sehen, dass dieses Buch auch einen Apell an die Menschlichkeit impliziert und zumindest den Funken einer Hoffnung aufglimmen lässt (Don Gately, Mario Incandenza und in seltenen Momenten Hal Incandenza). Und wer die Schönheit der Chaotik in den Fraktalen der Mathematik kennt, versteht dann auch, weshalb Wallace dieses als adäquate Grundstruktur des Romans verwendet hat.

Zurecht hat dieses Werk Kultstatus erreicht, selbst unter denen, die nicht in seine philosophischen Tiefen vordringen können - wohl, weil jeder intuitiv zu fühlen scheint, dass in diesem Buch etwas über uns selbst gesagt wird.

5 leuchtende Sterne.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 21. Juni 2012
Mittlerweile ist es mehr als 2 Jahre her, dass ich "Unendlicher Spaß" gelesen habe. Immernoch verfolge ich mit Vergnügen die Rezensionen, die nach dem ersten Eindruck der Lektüre dieses unendlichen Werkes verfasst und veröffentlicht werden.
Vielem davon kann ich zustimmen, manch anderer Sicht nicht. Natürlich ist es die Sprache, die überwältigt. Und ja: der Roman berührt unmittelbar durch das unglaubliche Mitgefül, mit dem Foster Wallace seine Figuren begleitet. Der im wahrsten Sinne wahnsinnige Humor...Es gibt auch meiner Meinung nach nichts Vergleichbares und jedes Werk, dass man danach zur Hand nimmt, muss sich daran (bisher erfolglos) messen. Das Entscheidende an "Unendlicher Spaß" ist für mich jedoch etwas Anderes: ein Gefühl, dass mich seit der letzten Seite des Romans und trotz aller in der Erinnerung verblichenen Details nicht verlassen hat. Fast weniger ein Gefühl als ein Art "Haltung". Für mich bleibt einfach die Gewissheit der unendlichen Leere, die bleibt, wenn man alle Wärme, alle Liebe und alle menschliche Nähe und Anteilnahme von (zugegeben krass überspitzten) modernen Lebenswelten subtrahiert. Andersherum - und kurz gefasst - wird es vielleicht deutlicher: Menschlichkeit ist alles, was wir haben - ohne sie sind wir Monster, Zombies, bestenfalls gefühlsleere Hüllen wie Hal. Seit "Unendlicher Spaß" bin ich mir sicherer als je zuvor, was ich vom Leben erwarten und was ich vermeiden möchte. Was mehr als bleibende Gewissheit kann man von Literatur erwarten?
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