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56 von 59 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Eine Herausforderung für den Leser,
Von Niclas Grabowski "niclas grabowski" (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (VINE®-PRODUKTTESTER) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Gegen den Tag (Gebundene Ausgabe)
Eigentlich enthält dieses Buch viele, wunderbare, bewegende Geschichten. Eine Tochter sucht nach ihrer Mutter, die ihren Vater für einen Zauberer verlassen hat. Zwei von drei Brüdern suchen nach dem Mörder ihres Vaters, der dann auch noch die Schwester der Brüder geheiratet hat. Ein Mann hat eine Schuld auf sich geladen, die er nicht kennt und sucht nach einer neuen Existenz, wobei er zwischen die Fronten eines Krieges gerät, den er nicht versteht. Ein reicher Magnat versucht, die Welt zu kontrollieren, scheitert bei dem Versuch aber schon innerhalb seiner eigenen Familie. Und ein junger Mann sucht nach der Wahrheit in der Welt der Physik, wobei er Versuchungen ohne Ende aus der realen Welt widerstehen muss.Jede einzelne dieser großartigen Geschichten ist allerdings nicht so einfach durch den Leser genießbar. Das ganze findet sich in einem Buch von fast 1.600 Seiten, das mich selbst als Schnellleser fast acht Wochen beschäftigt hat und mir neben zwei kleinen Ausflügen in die Welt der Trivialliteratur und einem Sachbuch über das hier relevante Zeitalter praktisch alle Zeit geraubt hat. Denn außer den genannten Geschichten selbst gibt es hier noch unglaublich viele Nebenfiguren, die meisten davon mit eigener Biographie ausgestattet, dazu dann noch Gedichte und Gesänge in Versform, ausgefeilte Passagen über Träume, Parallelwelten, multidimensionale Universen und amerikanische Kleinstädte der späten Wildwestzeit. Außerdem darf man dann noch lesen, wie aus schönen Mädchen gefallene Mädchen werden - ein bisschen literarische Pornographie darf also auch sein, durchaus gelungen übrigens. Und dann gibt es auch noch Anspielungen ohne Ende auf Geschichte, Gesellschaft, Politik und Wissenschaft des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Mir hat beim Lesen sehr geholfen, dass diese Zeit, von ca. 1890 bis kurz nach dem 1. Weltkrieg eine Art Spezialgebiet von mir ist. Sonst hätte ich den vielen, eingestreuten Texten wie den Theorien über die Existenz des Äthers, den politischen Diskussionen über den Anarchismus, Gordon in Khartum, der Hohlwelttheorie und den vielen weiteren kleinen und größeren Passagen über abseitige Themen der damaligen Zeit kaum folgen können. Und auch die wunderbare Parodie auf die Trivialliteratur der damaligen Ära wie zum Beispiel bei Jules Verne und H.G. Wells (eine Gruppe dauerhaft jugendlicher, Luftschiff fahrender Abenteurer) hätte bei mir nur Kopfschütteln verursacht statt mich zu amüsieren. Man sollte daher nicht davon ausgehen, dass auch nur irgendeiner dieser vielen, komplexen Sätze dieses Buches zufällig oder einfach nur schön ist. Nein, hier ist alles gut recherchiert, hat seinen Sinn und seinen Hintergrund. Warum schreibt jetzt jemand so ein Monster von einem Roman und warum sollte ein anderer das eigentlich auch noch alles lesen? Ist das nun alles nur unterhaltsamer Manierismus? Beim Lesen hat man an vielen Stellen den Eindruck, dass die Welt des ausgehenden, viktorianischen Zeitalters der unseren doch nicht ganz verschieden ist. Ich habe den Verdacht, dass der Autor die historische Welt genau dort überspitzt darstellt, manchmal sogar als Karikatur, wo sie unserer am ähnlichsten ist. So in der Verteilung von Macht und Reichtum und der merkwürdigen Hilflosigkeit aller Parteien in der Gesellschaft, mit den sich daraus ergebenden Ungerechtigkeiten umzugehen. Auf der anderen Seite ist dies aber auch nicht gerade ein antikapitalistisches Buch. Die bombenden Anarchisten, um die es hier auch geht, kommen nicht viel besser weg als die kapitalistischen Verschwörer. Und das reine Böse, das kommt eher aus dem Eis im Norden (ein weiteres, lustiges Zitat von Trivialliteratur und -film) und hat metaphysische Qualität. Insgesamt geht es hier darum, wie Menschen versuchen, in einer zunehmend chaotischen Welt dennoch ein bisschen Glück und Integrität bewahren können. Und mit dieser letzten Botschaft sind wir mit diesem Roman dann doch direkt in unserer heutigen Welt und Zeit angekommen. Wer Zeit hat, der lese also. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Eine Herausforderung die sich lohnt,
Von Manarola (Salzburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Gegen den Tag (Gebundene Ausgabe)
Eine Inhaltsangabe ist hier nicht notwendig, dazu gibt es hier bereits viele hervorragende Rezensionen, die ich nicht zu wiederholen brauche.Hilfreich ist vielleicht ein Erfahrungsbericht, wie man Zugang zu dem Buch finden kann. Zu Beginn: Entweder man liebt es und ist bereit sich mit größter Intensität dem Buch zu widmen, oder man kann nichts damit anfangen, und lässt es bald liegen. Beides scheint logisch und verständlich. Ich gehöre, infiziert vom Pynchon-Fieber durch Die Enden der Parabel" zur ersten Spezies. Eine weitere gute Voraussetzung ist vielleicht der Ulysses von Joyce (oder eine gute Folgelektüre). Es ist schier unmöglich sich dem Buch in herkömmlichen Lesestil zu nähern. Zu verwirrend sind die unzähligen Charaktere, die Handlungsstränge, die Überlagerung von Zeiten, Orten, Realitäten und Fiktion. 1.) Ich habe daher schon bald während der Lektüre begonnen die Kapitel, mit stichwortartiger Inhaltsbeschreibung aufzuschreiben und 2.) die Personen zu notieren. Lesen, Notizen machen, später ins Word nachtippen. Das alleine half schon bei der Sache zu bleiben, das spätere Nachlesen und Nachsehen wo den wer schon mal vorgekommen ist verschaffte mir Orientierung. Und dann gibt es noch 3.) diese Wunderbare WIKI-Homepage( http://against-the-day.pynchonwiki.com/wiki/index.php?title=Main_Page ) über das Buch, in Englisch zwar aber gut lesbar, in der Seite für Seite kommentiert wird. Eine wahre Fundgrube, herrlich, um sich darin zu verlieren und Anspielungen, historische Ereignisse, Namensgebungen zu erkunden. 4.) Dann noch die englische Version des Buches. Übersetzungen laufen ja Gefahr, viel zu verlieren vom Original. Auch wenn ich des englischen nicht so mächtig bin, dass ich einen Pynchon locker im Original verarbeite, so manche Stelle war doch interessant, in beiden Versionen nachzulesen. Aber es wurde auch schon andernorts festgestellt: Die Übersetzung ist eine Meisterleistung. Das Buch sprüht auch im Deutschen eine ungeheure Sprachgewalt aus. In keiner Stelle (auch in jenen, die ich 1:1 verglich) hatte ich das Gefühl, dass hier auch nur 1 Millimeter an Genialität verloren ging. Durch diese Übersetzung ist das Buch - weit vor den meisten deutschsprachigen Autoren - auch zu einem Ereignis der deutschen Weltliteratur geworden. Und 5.) schließlich, wenn mir eine Stelle, ein Satz oder Absatz, bis zu einer Seite besonders schön vorkamen, habe ich Sie angestrichen und herausgeschrieben - zum Wieder-Lesen. Dadurch lernte ich die mitunter unglaubliche Sprachgewalt des Thomas Pynchon noch mehr zu schätzen. Das Fazit: Die Lektüre dauerte 7 Monate, vieles bleibt verwirrend, verborgen. Ich freue mich schon auf wissenschaftliche Erklärungen" wie es sich von Joyce zu Hauf gibt um einfach noch besser zu verstehen. Ich freue mich auf ein Wiederlesen - irgendwann wenn die Lust mich pactk. Es bleiben unzählige vergnüglich-anstrengende Pynchon Stunden in Erinnerung Es wäre eines der handvoll Bücher, die ich auf die berühmte Insel mitnehmen würde. Hier noch - für jene die noch Überlegen sich das Werk "anzutun" - ein paar meiner Lieblingszitate: S. 357: Niemand indes, der mit dem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik vertraut war, hätte erwartet, dass der Transfer der Mittel reibungslos ablief - irgendwie gingen dabei immer ein paar türkische Pfund verloren und schufen Gelegenheiten, die nicht beim Schopf zu packen es eines Menschen bedurft hätte, der auf dem schlecht markierten Pfad zur Heiligkeit erheblich weiter fortgeschritten war als Clive Crouchmas. S. 641 Gleich darauf erhob sich, von Alonzo Meatman aus dem unter einem Unstern stehenden Glockenturm mit dem Fernglas beobachtet, die Inconvenience mit allen Anzeichen von Verdrossenheit über der Candlebrow University in einen windlosen, feuchten Tag und überließ die Rätsel der Zeit denen, die genug von diesem Gut besaßen, um sich seinem gründlichen Studium zu widmen. S. 672 An dem Tag, als Dally nach New York aufgebrochen war, hatte Merle sich eingeredet, er habe seine Brille verlegt, und alles durchwühlt, was ihm in den Sinn gekommen war, hatte in Schachteln nachgesehen, unter Tagesdecken und hinter den Wandverkleideungen des Wagens, bis er eine alte Stoffpuppe namens Clarabella fand, die vor Jahren in Kansas City zu ihnen gestoßen war, wie Dally es ausdrückte, und nun einfach so im Staub herumlag, und zu seiner Überraschung wurde er mit einem Mal von Gefühlen überwältigt, die, so kam es ihm vor, irgendwie nicht die seinen waren - als wäre seine Verlorenheit die der alten Clarabella, verstoßen im hellen Licht des Tages und weit und breit kein kleines Mädchen mehr, das sie aufhob. S.750 Cyprian wartete auf den schrecklichen Ansturm der innern Gewissheit, dass er sie nie wieder sehen würde. Er würde dem Anfall von Trauer so lange Widerstand leisten, bis er in seinem Zimmer wäre und den Tränen freien Lauf würde lassen können, und das würde auf unabsehbare Zeit, wenn nicht für immer, so weitergehen und im Umkreis mehrerer Kilometer jedermann langweilen, und ganze Trupps von College-Dienern würden ein ums andere Mal ihre Mopps auswringen - doch obgleich er die ganze Nacht und den folgenden Tag (während ihr Zug über Kanäle fuhr, vorbei an bewaldteten Hügeln und dem Irrenhaus von Osnabrück, und sie schließlich in Hannover in den Anschlusszug nach Göttingen umstieg) und dann eine weitere Nacht und einen Tag, ja eigentlich noch lange nach ihrer Abreise aus Cambridge vergeblich auf diesen Überall von Traurigkeit wartete, begriff er recht bald, dass ihm irgendeine abwegige, bereits vertraute Form des Schicksals, welche ihm nichts verhieß, sondern vielmehr vor etwas bewahrte, die Gewähr bot, dies" - was immer es auch sein mochte - sei noch nicht ganz vorbei. S. 857 Endlich lächelte er, ein zerbrechlicher Augenblick, wie ein vorüberschwebender Nebelschwaden. S. 938 Ihr kurzer Seitenblick war nur schwer von einem zu unterscheiden, aus dem Bestürzung sprach. S. 976 Der Augenblick der Ernüchterung kam jedoch im Verlauf eines jener langen postkoitalen Monologe, die Ruperta irgendwann für nötig erachtete und Reef inzwischen einigermaßen entspannend fand. S. 1.134 Es gibt Orte, die wir fürchten, Orte die wir erträumen, und Orte, die uns zum Exil geworden sind, was wir zuweilen erst bemerken, wenn es zu spät ist S. 1.291 Auf der Waage eines durchschnittlichen Arbeitstages hatte Cyprians Selbstachtung - unter Gentleman-Agenten der Zeit fast einmalig - selten viel mehr Gewicht gehabt als die Augenwimper einer frischgeborenen Mücke S. 1.345 Sie waren einander schon zu nahe, um nicht in eine Umarmung zu gleiten, die so stimmig war wie die Lösung eines Rätsels. Dort in der Stille, bevor die lärmenden Erntewochen Besitz von den Feldern ergreifen würden, auf denen sich die Schoten in den heißen Flachlandbrisen hörbar regten, stellt sie zu niemandes als ihrer eigenen Überraschung fest, wie weit ihre Körper ihnen schon voraus waren und wie wenig Geduld sie mit dem Verstand hatten, der sie einander ferngehalten hatte. S. 1.367 Einen Augenblick lang, als hätte ein Luftzug eines unbestimmten Flügels sein Gesicht gestreift, begriff er, dass die Geschichte dieses ganzen schrecklichen Kontinents bis hin zum Pazifischen Ozean und zum arktischen Eis ebendiese Geschichte von Exil und Wanderung war: der Weiße, der gegen den Indianer vorging, die Konzerne aus dem Osten, die gegen den Weißen vorgingen, und ihre mit Bohnern und Dynamit vorgetragenen Einfälle i die Tiefenschichten der heiligen Berge, des heiligen Landes. S. 1.438 Eines Tages wachte sie auf und begriff klar und deutlich, dass es, wenn man bereit war, auf Ankerkennung zu versichten, möglich wurde, nahezu grenzenlos Gutes zu tun. S. 1.477 Für die ruhelosen Toten, verstehst du, spielt die Geographie keine Rolle, für sie sind das alles unerledigte Geschichten, es geht darum, wo ein Saldo ausgeglichen werden muss, weil die ganze Geschichte dieser Balkanvölker nur aus Rache besteht, hin und her, Familien gegen Familien, und das hört nie auf, und deshalb gibt es ein Volk von Balkan-Geistern, Leute, di, was weiß ich, auf irgendeinem Berg in Bulgarien oder sonst wo erschossen werden, keine Ahnung haben, wo sie sind, wo sie hinkommen, und alles, was sie spüren, ist dieses Ungleichgewicht - dass etwas nicht stimmt und wieder in Ordnung gebracht werden muss. Und wenn Entfernung nichts bedeutet, dann treten sie überall dort in Erscheinung, wo ein kampf im Gange ist, der die gleiche Form hat, die gleiche Geschichte des hin und her gehenden Tötens, und das kann an irgendeinem Ort in China sein, von dem wir nie was hören, oder eben hier, einen Häuserblock weiter, mitten in den Tiefen der USA." Ewball, Mann, das ist vielleicht ein irres Gerede." S. 1.596 (Schluss) Einst ein Vehikel, das einer Pilgerfahrt durch den Himmel diente, hat sie sich in ihre eigenen Bestimmung verwandelt, und man befasst sich zumindest mit jedem Wunsch, der geäußert werden kann, auch wenn er nicht immer erfüllt wird. Wenn jeder Wunsch in Erfüllung finge, hieße das, dass in der bislang bekannten Schöpfung irgendwie etwas unbeabsichtigtes, selbstlos gewährtes Gutes entstanden oder jedenfalls für uns erreichbarer geworden wäre. Dafür hat bisher niemand an Bord der Inconvenience Anzeichen entdecken können. Doch sie wissen - Miles war sich ganz sicher -, dass es irgendwo ist, wie eine heranziehender Regensturm, nur unsichtbar. Bald werden sie bemerken, dass die Messgeräte einen Druckabfall anzeigen. Sie werden spüren, wie der Wind sich dreht. Sie werden die geschwärzten Brillen aufsetzen, um die Herrlichkeit sehen zu können, die den Himmel zerreißen wird. Sie fliegen der Gnade entgegen. ------ Und last but not least - meine Lieblingsstelle S. 967 Denn sie hatte zwar all die Winter überstanden und war im Frühling an den Fluss im Tal zurückgekehrt, sie war oft tage- und nächtelang durch Beifußgestrüpp galoppiert, wo Steppenhühner rechts und links donnernd aufgestoben waren und der einst perfekte Rhythmus des Pferdes unter ihr fehlerhaft und sterblich geworden war, doch sie hatte ihr Glück, davon war sie überzeugt, mit der abgegriffenen Unglücksmünze all jener jungen Frauen bezahlt, die nicht zurückgekehrt, sonder vor der Zeit untergegangen waren, all jener Dixies und Fans und Mignonettes, die zu hübsch waren, um allein zu bleiben, zu verrückt für die Stadt, die ihre Tage zu früh in einem Bordell beschossen hatten, in einer nicht rief genug in den erbarmungslosen Frost einer Bergflanke gegrabenen Höhlem alles nur für irgendwelche jungen Männer, die zu betäubt waren von ihrer eigenen Liebe dafür, ins Dunkel hinein zu explodieren, mit Mädchenhänden, die unlösbar fest ein Medaillon mit dem Bild einer Mutter oder einem Kind umklammerten, das sie auf der anderen Seite einer Wasserscheide zurückgelassen hatten, mit Mädchennamen, die ebenso zurückgelassen worden waren, verschwunden hinter Decknamen, die sie aus Geschäfts- oder einfach Sicherheitsgründen angenommen hatten, irgendwo in einem miesen kleinen Winkel, so weit von Gottes Angesicht entfernt, dass es keine große Rolle spielte, was sie getan hatten oder tun würden, um denen zu entfliehen, auf deren Liste von Anmaßungen sich anscheinend auch das Recht, über andere zu urteilen verirrt hatte ... Stray war hier, sie waren verschwunden, und Reef war Gott weiß wo - Franks sehnsuchtsvolles Ebenbild, Jesses Vater, Webbs unentschlossener Rächer, ihre eigene traurige Geschichte, ihr immer wiederkehrender, schlimmer, nie Wirklichkeit gewordener Traum. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
62 von 72 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen
Ode an den Menschen,
Von Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Gegen den Tag (Gebundene Ausgabe)
Am 20. November 2006 hat das schreibende Mysterium namens Thomas Pynchon seinen neuen Roman "Against the Day" veröffentlicht, welcher nun auch in deutscher Übersetzung vorliegt. Dies ist erst der sechste Roman des Autors, der vor gut 40 Jahren die literarische Weltbühne betrat. Verwirrend, chaotisch, unverständlich; Pynchon sprengte und sprengt alle Maßstäbe. Konsequent verweigert er sich den Konventionen des hergebrachten Erzählens und katapultiert den willigen Leser in eine Welt bestehend aus unzähligen Charakteren samt deren Schicksalen, die mal mehr, meist aber weniger miteinander verknüpft sind, verwirrt mit seitenlangen Diskussionen diverser mathematischer Problematiken auf Doktorandenniveau sowie drogengeschwängerten Gesprächen über die Möglichkeiten einer vierten Dimension samt deren Auswirkungen auf unsere als natürlich empfundene Raum-Zeit-Struktur. Mit nahezu 1800 Seiten ist "Gegen den Tag" Pynchons bisher längster Roman, deren Inhalt und Charakter kaum im Rahmen einer Rezension adäquat repräsentiert werden kann. Kein Grund natürlich, es nicht trotzdem zu versuchen.Es gibt sogar so etwas wie einen Plot, der viele der im Roman auftauchenden Figuren, sei es auch noch so periphär, miteinander verbindet. Im Auftrag des grundbösen Großkapitalisten Scarsdale Vibe wird der Anarchist Webb Traverse von den beiden Auftragskillern Deuce Kindred und Sloat Fresno ermordet. Webbs Söhne schwören Rache, was sie im Laufe der Handlung aus unterschiedlichsten Gründen in alle Ecken der Welt und darüber hinaus verschlägt. Kit studiert, auf Kosten von Scarsdale Vibe, Mathematik in Göttingen, bis Vibe sich eines besseren besinnt und Kit auf seine persönliche Abschussliste setzt. Reef gerät auf vielen Wegen und über seinen Bruder Kit in die Gesellschaft der schönen Mathematikerin Yashmeen Halfcourt sowie des Strichers Cyprian Latewood und bereist im Auftrag der geheimen TWIT Organisation die halbe Welt. Zur Entspannung zelebrieren die drei die wildesten Sexorgien. Frank, dem dritten Bruder, gelingt es recht schnell, einen der beiden Killer zu töten, muss dann aber selbst um sein Leben fürchten. Lake, Webbs einzige Tochter, heiratet einen der beiden Mörder ihres Vaters und wird deren beider Sexsklavin. Das Rachemotiv kommt auch im Titel des Romans zum Ausdruck. Im fünften Buch Mose heißt es: "Is not this preserved in my treausury, Against the day of vengeance and requital, against the time they lose their footing. Close at is the day of their disaster and their fate is rushing upon them" (Deut. 32, 34-5). Doch die Rachestory ist, wie gesagt, nur eines von vielen Thematiken des Romans. Daneben bilden Zeit und unserer Sinn für Geschichte weitere Schwerpunkte: "Your whole history has been one religious war, secret crusades, disguised under false names" belehrt der Engländer Prance den Amerikaner Kit. "You tried to exterminate African shamanism by kidnapping half the continent into slavery, giving them Christian names, and shoving your particular version of the Bible down their throats, and look what happened" (777). Da sich der Roman zwischen den Jahren 1893 und der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg abspielt, spielt sie "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts", so die Bezeichnung des Historikers George Kennan, die Rolle des unfassbaren, unabwendbaren Unglücks im Leben der Charaktere. Nur einige Zeitreisende, die den Horror bereits erlebt haben, wissen ob der Zukunft und fungieren als Propheten des Untergangs der Welt, so wie sie im Roman noch ist: "This world you take to be 'the' world will die, and descend into Hell, and all history after that will belong properly to the history of Hell [...] Flanders will be the mass grave of History" (554). Und auch Cyprian wird auf dem Balkan eines besseren belehrt, was den Sinn der Geschichte angeht: "What North Europe thinks of as its history is actually quite provincial and of limited interest. Different sorts of Christian killing each other, and that's about it. The northern powers are more like administrators, who manipulate other people's history but produce none of their own [...] Lives as they are lived, deaths as they are died, all that is made of flesh, blood, semen, bone, fire, pain, shit, madness, intoxication, visions, everything that has been passing down here forever, is real history" (828). Doch was hat das alles nun zu bedeuten? Vielleicht, dass der einzelne Mensch mit seinem eigenen Leben, von denen es im Roman so viele gibt, hilflos ist gegenüber den großen historischen Entwicklungen, die aber wiederum vom Menschen erst möglich gemacht wurden. So ist der Erste Weltkrieg ohne den menschgemachten technischen Fortschritt nicht zu erklären. Es bedarf schon einiges, sich auf diesen Roman einzulassen. Bei einigen Kapiteln wusste ich weder, wo und zu welchem Zeitpunkt die Handlung spielt und wer eigentlich die Beteiligten sind. Und irgendwann taucht dann ein Name auf, der vor hunderten von Seiten schon einmal in einem Nebensatz erwähnt wurde. Und wenn plötzlich Hunde anfangen, in alten slavischen Sprachen zu sprechen (vgl. S.784) oder Romane von Henry James zu lesen (vgl. S.5), muss man das auch zuerst einmal sacken lassen. Zentrum der Handlung ist eben nicht der Plot, sondern die Lebensgeschichten der einzelnen Menschen mit ihren Schicksalen, Tragödien, Ängsten, Obsessionen, Sehnsüchten, Mordgelüsten, Geldgier usw. Sie befinden sich in einer Welt, in der Geschichte und Zeit sich dermaßen beschleunigt haben, dass der Einzelne die Kontrolle über sein persönliches Schicksal nicht mehr in den eigenen Händen hält. Die Katastrophe, der Krieg, lauert am zeitlichen Horizont und im Angesicht des industrialisierten Massenmordes erscheint es zunehmend seltsam, was allein der Tod eines einzelnen Menschen, Webb Traverse, für Entwicklungen auslöst. Mehr als 1700 Seiten für einen Toten. Was für ein Buch wäre denn dann zu schreiben, um die Schicksale der Millionen Toten des 20. Jahrhunderts darzustellen? So ein Buch kann es gar nicht geben! Vielleicht liegt allein dieser genuin humanistischer Gedanke dem Roman zu Grunde. "On this island [...] no one ever speaks plainly [...] - all English, spoken or written, is looked down on as no more than strings of text cleverly encrypted. Nothing beyond. Any who may come to feel betrayed by them, insulted, even hurt, even grievously, are simply 'taking it too seriously'" (224). Es ist, als ob Thomas Pynchon höchst selbst hier auf die Reaktionen auf seine Romane in den vergangenen vierzig Jahren reagiert und der Welt zuruft: "Grämt euch nicht, erfreut euch einfach an meiner Sprache, meinen Charakteren und deren aberwitzigen Abenteuer. Spart euch eure geradezu krankhafte Sinnsuche in jedem Nebensatz." Und in der Tat bietet "Gegen den Tag" zahllose Einzelepisoden, die das gesamte Spektrum menschlicher Erfahrungsmöglichkeiten abdecken. Was bleibt ist ein Leseerlebnis der besonderen Art, auch wenn man "den Sinn" nicht zu entdecken vermag. Einen Stern Abzug gibt es, weil Pynchon sein Meisterwerk Gravity's Rainbow von 1974 nicht überbieten kann und nun wohl damit leben muss, immer daran gemessen zu werden. Trotzdem natürlich ist auch "Gegen den Tag" nichts weniger als ein magnus opum der englischsprachigen Literatur. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Die Welt wie sie ist oder nicht,
Rezension bezieht sich auf: Gegen den Tag (Gebundene Ausgabe)
Es gibt gewisse Schriftsteller, deren Werk sich einer Einordnung entzieht, die die menschlichen Maßstäbe in jeglicher Hinsicht sprengen. Zwar ist es problematisch, das von einem noch lebenden Schriftsteller zu sagen, aber ich bin mir sicher, Pynchons Werk wird die Zeiten überdauern.Der Behauptung einiger Vorrezesenten, das es den Figuren an psychologischer Tiefe fehlen würde, kann ich mich in keinster Weise anschließen. Sicherlich handeln viele von ihnen neurotisch, dennoch bekommt jede Figur mehr Leben eingehaucht, als die meisten Figuren in den neorealistischen Familienromanen, die unseren Literaturbetrieb überschwemmen. Dieses Buch ist, wie ein Vorredner gesagt hat, ein Ziegelstein von vier Kapiteln, ein Tetralith, wie er von einer der Figuren zu Beginn des Romans aus Luftschiffen geworfen wird. Allerdings existieren 5 Kapitel, entgegen der Behauptung meines Vorrezessenten, wobei das fünfte Kapitel wohl aufgrund seiner fast fragmentarischen Länge ausser Acht gelassen wurde. Was ist das fünfte Kapitel? Der Mörtel, der die Ziegelsteine zusammenhält. Die magische Überschreitung der Zahl 4, der chinesischen Zahl des Todes, die sich als Thema durch das ganze Buch zieht. Das Kapitel in dem der Gnade entgegengeflogen wird. Am Ende werden von derselben Figur, die am Anfang Attentate mit Ziegelsteinen verübte, Nahrungspakete für Hungernde abgeworfen. Dieses Werk ist ein bewegendes Manifest der Toleranz und des Humanismus. Eine Aufforderung (das titelgebende Bibelzitat lautet "heavens and the earth ... [are] reserved unto fire against the day of judgment and perdition of ungodly men", das Richten über die Gottlosen und Spinner (Pynchons Lieblinge), Gott zu überlassen und nicht zu versuchen es selbst auf irdische Weise zu tun. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Der Gnade entgegen...,
Rezension bezieht sich auf: Gegen den Tag (Taschenbuch)
Soeben habe ich das Buch nach der letzten Seite zugeklappt. Gut zwei Monate habe ich gebraucht, mich hindurch zu arbeiten. Ganz bestimmt werde ich es nie wieder lesen (wegen "Arbeit"). Gleichwohl vergebe ich fünf Sterne. Pynchons Werk ist streckenweise ein Western, ein Spionage-Thriller, eine Love-Story, streckenweise ein philosophisches, mathematisches, technisches Buch, und wer nach dem rotem Faden fragt, wird ein Wollknäuel vorfinden. Sprachlich ist es ein Genuss (dank der offensichtlich kongenialen Arbeit der Übersetzer), immer wieder öffnet sich mit einem Halbsatz eine ganze Welt. Hier und da fühlte ich mich an Jules Verne erinnert, an Karl May, an Oliver Sacks, an James Joyce. Unterhaltsam, spannend, fesselnd, amüsant. Den Hammer (weil einen völlig neuen Blick auf den Roman eröffnend) fand ich auf der letzten Seite: Nicht nur, dass wir Erdenmenschen wohl alle (um Pynchons Ausdruck zu variieren) "Freundinnen und Freunde der Fährnis" sind, (Mit)Fahrerinnen und -Fahrer im Raumschiff Inconvenience, das (auch symbolisch) immer mal den Blick auf den besternten Himmel verhindert. Sondern auch, dass "in der bislang bekannten Schöpfung irgendwie etwas unbeabsichtigtes, selbstlos gewährtes Gutes entstanden oder jedenfalls für uns erreichbarer geworden wäre", wofür die unzähligen Figuren des Romans zwar keine Anzeichen entdeckt haben. Zugleich wissen sie jedoch, "dass es irgendwo ist, ... nur unsichtbar." Das entspricht dem biblischen "schon da und noch nicht" des am Ende der Zeiten wiederum erreichten paradiesischen Zustands der Gottesnähe, den Jesus verkündigt. So lautet denn auch Pynchons letzter Satz in diesem Riesenwerk: Sie fliegen der Gnade entgegen."
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23 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein gewaltiges Epos - leicht zu lesen, ein wenig anarchisch und reich an Humor,
Von Der Buch-Vorleser "André Hanke" (Sachsen) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 1000 REZENSENT) (VINE®-PRODUKTTESTER)
Rezension bezieht sich auf: Gegen den Tag (Gebundene Ausgabe)
Der amerikanische Autor Thomas Pynchon ist für die Literaturwelt ein Mann ohne Gesicht. Seit gut 50 Jahren scheut er Fotos, Interviews und den literarischen Mainstream überhaupt und beschränkt sich darauf, von Zeit zu Zeit ein gutes Buch zu schreiben. Mit seinem neuen Roman Gegen den Tag" hat Pynchon nun nach fast zehnjähriger Arbeit einen Wahnsinnswälzer vorgelegt, der den Vergleich mit dem besten, was heute auf den Büchermarkt kommt, nicht zu scheuen braucht. Einziges Handicap ist der monumentale Umfang mit fast 1600 eng bedruckten und auf Dünndruckpapier vom Rowohlt Verlag präsentierten Seiten, die wohl manchen potentiellen Leser im Vorfeld abschrecken könnten. Wer sich aber dem literarischen Monumentalwerk stellt wird von Thomas Pynchon überaus reichlich belohnt. Nicht nur, dass dieses Buch - auch Dank der hervorragenden Übersetzung von Nikolaus Stingl und Dirk van Gunsteren - leicht und flüssig zu lesen ist, Pynchon bringt auch alle seine ihm stets wichtigen Themen in einer personell weit verzweigten Handlung unter, die doch nur einen Zeitraum von gut 25 Jahren vom Ende des 19. Jahrhunderts bis nach dem ersten Weltkrieg umfasst. Viel Geschichte ist in dem Buch verpackt, die Bergarbeiterunruhen von Colorado und der Kampf des Minenkumpels Webb Traverse und seiner Söhne gegen die allgegenwärtige Ausbeutung geben dem Buch ein bissiges Gesicht. Es ist - wie immer bei Pynchon - der Kampf des Individuums gegen die Umwelt, die es nicht herbeigerufen hat, in der es aber als Teil der Gesellschaft gefangen, zum Dulden und gar zum Mitmachen gezwungen ist. Und Webb, Bombenleger aus Überzeugung, macht mit...Der Roman Gegen den Tag" ist wahrhaft gelungen, er macht beim Lesen Spaß, ist trotz kleinerer Längen immer von einem nicht versiegenden Spannungsbogen getragen und flüssig wird der Leser durch eine Familiengeschichte geschippert, der er sich nicht zu entziehen vermag. Ein neuer großer Wurf von Thomas Pynchon und ein fantastisches Alterswerk. Und hoffentlich noch nicht das letzte Buch. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5.0 von 5 Sternen
Das Genie unserer Zeit,
Von
Rezension bezieht sich auf: Gegen den Tag (Gebundene Ausgabe)
Irgendwo schreitet er auch auf den Spuren Castanedas, John Fords, und Paul Newmans in den alten Filmen zwischen den USA und Mexiko, heißt "Frank", handelt mit Waffen, und ist wieder eine Verwandlung desselben Charakters, ist oder ist nicht der Vater/Onkel seines Kindes ... Thomas Pynchon führt uns durch eine Karte magischer Orte - wie jetzt gerade durch die Widerlegung der Relativitätstheorie durch überlichtschnelle Neutrinos, bzw. der Messung im Tunnel zwischen der Schweiz und Italien - wie jener Tunnel im Roman erscheint, in dem "Reef", der amerikaische Cowboy, einer der vielen alter Egos scheinbar einer Hauptfigur - erfolgreich mit dem Bergmonster ringt, ebenfalls zwischen der Schweiz und Italien ... Man ist geneigt zu sagen: wenn eine Geschichte, dann diese Geschichte - die eben dadurch, daß sie u.a. auch eine völlig absurde Wissenschaftsgeschichte - der Quaternionisten beispielsweise - als machtvolles und doch gleichwohl offensichtlich irrationales magisches Vorgebäude zur Relativitätstheorie, die einmal im Buch erwähnt wird - darstellt, oft eben deshalb merkwürdig und retro-ästhetisch treffend zu einem unausgesprochenen Portrait der Gegenwart wird. Alles dann auch musikalisch komponiert, wie überhaupt das Buch Pynchon diesmal musiktheoretisch und philosophisch fabulieren läßt, gründlich bis tief in Details klassischer Musik und Ton überhaupt.Könnte man das Buch verfilmen? Gewiss, das wäre machbar und kongenial umzusetzen, aber nur als sehr sehr langes Epos und unter Einsatz aller inzwischen verfügbarer cineastischer Raffinessen. Kürzungen wären aber für so einen Film nicht möglich, das Buch ist größer als jeder denkbare Film. Man wäre ein Jahrzehnt beschäftigt. Auch, wenn es bisweilen scheint, als verlöre der Erzähler sich manchmal zu tief in die Details einer unglaubtlich detail-verliebten Schilderungs-Kraft, so holt er doch - gerade durch die manchmal dazu im Gegensatz zur epischen Kraft stehende, fast groteske Komprimierung, mit der schockierende Details minimiert, doch auch geschichts-relevant unvermeidbar gerade durch dieses stilistsiches Mittel der Minimierung hervorgehoben werden, bewußt, mit viel understatement, voller Anspielungen in jedem Satz und nahezu über-souverän den Leser genau wieder an der Halte-Stelle ab, wo eine Figur zu wichtig geworden zu sein scheint, um weiter von ihr zu erzählen, bis sie - als Nebenfigur - doch wieder auftaucht. Das ist schon ein ganz starkes Argument, dieses Buch! "Kit", ein drittes Alter-Ego auf der Sohnes-Ebene verwandelt sich durch die Uni vom Cowboy zum sibirischen Schamanen und italienischen Kampfpiloten. Er hat eindeutig die schönste Liebesgeschichte im Buch. Hinter jedem Satz umkreist dieses Wahnsinns-Buch den folgenden Krieg, wie einen unsichtbaren Strudel, dessen Unentrinnbarkeit aus Mythen und Erinnerung gewoben ist. Mit freundlichen Grüßen, Markus Termin Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5.0 von 5 Sternen
Freude nach Zeit der Quahl,
Von
Rezension bezieht sich auf: Gegen den Tag (Gebundene Ausgabe)
Ich habe mir das Buch gekauft, wegen dem positiven Artikel im Stern. Vielleicht hätte mich ''sein zugänglichstes Werk'' hellhörig machen sollen, denn die ersten Seiten waren eine Quahl, besonders für jemanden wie mich, der sich Namen sehr schwierig merken kann, aber nach 400 Seiten macht mir das Buch wirklich Spaß zu lesen und muss mich nicht mehr zwingen es zu lesen. Was mir sehr gut gefällt ist die schnelle Erzählweise und die plötzlichen Orts- und Personenwechsel, am Anfang eher anstrengend aber später hat man sich daran gewöhnt. Durch diesen Effekt wurde das Buch für mich zu keinen Zeitpunkt langweilig, weil man sich nicht zu lange mit einer Person aufhällt bzw man unbedingt mehr über die Geschichte der Person erfahren will und dadurch wieder eine neue Geschichte leist, welche einen auch wieder gefällt, von der man auch wieder mehr erfahren möchte, die Suchtspirale ist definitv vorhanden. Ebenfalls sehr gut gefallen mir die wissenschaftlichen Inhalte im Buch auf dem Level der damaligen Zeit. Zusammengefasst ist ''Gegen den Tag'' ein anspruchsvolles Buch was eine etwas längere Einlesezeit bedarf und eine schnelle Auffangsgabe voraussetzt, aber einen dafür mit vielen tollen, witzigen und cleveren Geschichten belohnt.
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21 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen
Was will uns Pynchon eigentlich sagen...?,
Von Monti77 "Monti" (Grafschaft/Rheinland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Gegen den Tag (Gebundene Ausgabe)
Ich habe als "Leseratte" im fortgesetzten Alter schon einiges an Literatur verschlungen, auch schwierigere und komplexere Themen und scheue mich im Allgemeinen, Trivialitäten überhaupt anzufassen. Dennoch, neugierig auf Pynchon, diesen "Fantomas" der amerikanischen Schreibzunft geworden, muss ich beim Lesen dieses Werkes fast resignieren. Selbst für Leser mit überaus grosszügigem Fremdwörterwissen dürften viele Begrifflichkeiten erst beim Nachschlagen überhaupt erklärbar werden und - davon wimmelt es in diesem Buch. Auch die vielen "Nebenkriegsschauplätze", Personen und Akteure, helfen nicht gerade, das Buch in seiner Gesamtheit zu verstehen. Dazu kommt ein Schreibstil, der durch seine Mammut- mit vielen Nebensätzen auch nicht gerade hilft, einen Durchblick zu erlangen. So fürchte ich fast, dass ich das erste Mal überhaupt ein Buch nicht zu Ende lesen werde, weil die Story ob ihres pseudo-wissenschaftlichen Gefasels um Physik/Mathematik und weiteren naturwissenschaftlichen Phänomenen zum einen absolut langweilig- und zum anderen nur für "Insider" (also die vorherigen Rezensionschreiber) ergründbar zu sein scheint.Im Rheinland würde man es demnach wie folgt ausdrücken: "Wat soll dat?" Ich weiss jedenfalls bislang (noch) nicht, was uns Pynchon mit seinem Roman sagen will - von leichter Hand geschrieben, wie hier im Forum dargestellt, ist dieses Geschreibsel jedenfalls nicht. Dieses Buch weiterempfehlen? Niemals! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
6 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen
Ein guter......,
Rezension bezieht sich auf: Gegen den Tag (Gebundene Ausgabe)
Ein guter......Jules Verne dachte ich beim Lesen der ersten Seiten, sollten sie jetzt an mir Zweifeln lesen sie "Robur" von genantem Autor.Aber mehr noch wie der Start des Luftschiffes zur Weltaustellung in Chicago die, die technikverliebte Zeit des aufbrechenden 20Jahrhunderts umhüllt einen die beschriebene Geschichte auch mit außerordentlich klugen und scharfen Beschreibungen der vorkommenden Figuren. Würde man von diesem Roman die literarische Bürde nehmen, es wäre schlicht ein spannender Abenteuerroman auf allerhöchstem intellektuellen Nivaeu. Was hindert sind die vielen nicht zu Ende geführten Geschichten, die auseinandersetzung mit Gewalt,Krieg usw. und nicht zuletzt die sicherlich manchmal fraghaften Gedankenfolgerungen des Autors. Aber wie auch immer, das Buch ist spannend geschrieben,lehrt zum Nachdenken über sich und die Welt und hat einen wunderschönen Schreibstil. Etwas ärgerlich ist sicherlich bereits oben genanntes das manchmal sogar profan erscheint. Ich habe das Buch jedenfalls neben meine komplette Jules Verne Sammlung gestellt und selbst beim mehrmaligen wiederdurchblättern sah ich mich bestätigt, es ist ein Abenteuerroman des letzten Jahrhunderts. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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Gegen den Tag von Thomas Pynchon (Taschenbuch - 3. Mai 2010)
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