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am 20. August 2010
Das Buch besteht aus fünf Erzählungen.
MISTER SQUISHY.
Resigniertes Reflektieren des 34-jährigen TFG-Moderators (TFG= Target Focus Group) Terry Schmidt aus der Market-Research-Agentur "Delta y" über den Sinn seines Tuns und Lebens an einem Vormittag während der Phase 3 der Zielgruppenerprobung (Focus Testing) eines neuen schokointensiven High-Concept-Mister-Squishy-Pausenriegel. Dies eingebettet in eine groteske Bürointrige. Das ganze im nüchternen Protokollstil gehalten: "Einer der Männer in der Gruppe besaß die Kopfform einer Birne, ein anderer einen rautenförmigen, besser: achsenasymmetrisch rhomboiden, drachenförmigen Kopf; der zweitälteste Verbraucher hatte graue Stoppelhaare und eine überentwickelte Oberlippe, die ihm ein affenartiges Aussehen verlieh."
DIE SEELE IST KEIN HAMMERWERK.
Somnambulös gefärbte Erinnerungen eines "minderbegabten" Kindes aus dem Jahre 1960 über einen Vorfall im Gemeinschaftskunde-Unterricht, als der Vertretungslehrer Mr. Johnson ganz plötzlich vom Wahnsinn gepackt wurde und die Tafel mit "TÖTET SIE ALLE" voll schrieb. Ein Text voller Symbolik, die sich mir, fürchte ich, nicht vollumfänglich erschloss. Trotzdem ein literarisches Leckerbissen.
INKARNATIONEN GEBRANNTER KINDER.
Eine sehr traurige 4-seitige Betrachtung über unbeabsichtigte und nicht wieder gutzumachende Verletzungen derer, die uns am meisten bedeuten. Existenziell.
NOCH EIN PIONIER.
Aufstieg und Fall eines Wunderkindes in einem paläolitischen Dritt-Welt-Dorf, von einem distinguierten Herren berichtet ("Gleichwohl möchte ich es Ihnen überlassen, meine Herren, sich ein Urteil zu bilden, wie schließlich jeder von Ihnen es umgekehrt ja auch jedem von uns überlassen hat."). Borges lässt grüßen.
IN ALTER VERTRAUTHEIT.
Beichte eines Yuppie über die Ursachen seines Selbstmords sowie eine originelle Theorie darüber, was geschieht, wenn ein Mensch stirbt.
"...ich habe mich selbst angewidert, weil ich so ein Heuchler war, aber ich konnte nichts dagegen tun. Und was habe ich nicht alles versucht: EST, Rennradtouren nach Nova Scotia und zurück, Hypnose, Kokain, Sakralisations-Chiropraktik, Beitritt zu einer charismatischen Kirche, Joggen, ehrenamtliche Tätigkeit für das Ad Council, Meditationskurse, Freimaurer, Analyse, Landmark Forum, A Course in Miracles, einen Rechtshemisphären-Malworkshop, Zölibat, Sammeln und Restaurieren von Oldtimer-Korvetten und der Versuch, zwei Monate lang jede Nacht mit einer anderen Frau zu schlafen ..."
D.F. Wallace sagte in einem Interview, dass er in seiner Prosa wiederzugeben versucht, wie es sich anfühlt, heute zu leben. In einer vernunftgesättigten Welt zu leben, wo es zu allem mehrere konkurrierende, Objektivität beanspruchende Ansichten gibt, dazu noch eigene Erfahrungen, Gedanken, Gefühle. Dass er zeigen will, wie sich Denken im Kopf eines modernen Menschen unter diesen Bedingungen abspielt.
Im vorliegenden Erzählungsband gelingt ihm das ausgezeichnet. Wenn Sie Interesse haben, dem heutigen westlich geprägten Menschen in seine Gehirnwindungen zu schauen, ist das Buch das Richtige für Sie. Mit etwas kognitiver Anstrengung und Ruhe lassen sich die Texte, trotz oft verschachtelter Sätze - die übrigens nicht wie eine Attitüde, sondern organisch, ja geradezu notwendig erscheinen, um die Gedankenkakophonie adäquat wiederzugeben -, gut lesen. Einmalig ist auch der herrliche Humor gogol`schen Anschlags, vom dem die Storys durchtränkt sind.
Bombig, fünf Sterne.
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am 31. Oktober 2009
Fünf Geschichten des amerikanischen Autors David Foster Wallace sind in dem Band IN ALTER VERTRAUTHEIT versammelt. Vier davon sind recht lange Erzählungen bis zu 90 Seiten und eine umfasst lediglich vier Seiten. Alle sind stilistisch und thematisch völlig unterschiedlich. Ihr Spektrum reicht von einer überzeichneter Gegenwartswahrnehmung bis hin zu einer parabolischen Darstellung unserer Kultur und Geschichte wie in der Geschichte NOCH EIN PIONIER. Hierin geht es um einen Indianerstamm in den weiten Amazoniens, dem ein Kind mit außergewöhnlichen Fähigkeiten geboren wird. Noch im Kleinkindalter wird das Kind einmal wöchentlich befragt. Es übernimmt die Funktion eines Orakels. Zur effizientesten Auslastung der Befragung arrangieren sich Beraterstäbe, die die bestmöglichen Fragen austüfteln, mit der Folge, dass dieses Buschvolk im Vergleich zu den anderen Nachbarvölkern außerordentliche evolutionäre Fortschritte macht. Bis eines Tages ein Angehöriger des Nachbarvolkes bei der Befragung einreiht und seinerseits eine folgenreiche Frage stellt. Die weitere Entwicklung wird nicht verraten. Skurril ist aber auch, wie die Geschichte präsentiert wird. Es handelt sich nämlich dabei um ein belauschtes Gespräch in einem Flugzeug, deren Anfang und Ende der mithörende Erzähler leider verpasst hat.
Die Geschichte DIE SEELE IST KEIN HAMMERWERK handelt von dem Amoklauf eines Lehrers in der Schule. Beschrieben wird dies von einem kleinen Jungen, der die meiste Zeit der Schulstunde durch ein verzerrendes Fenster nach draußen schaut und die Schemen, die er dort wahrnimmt in eigene Geschichten umwandelt, ehe eine unheimliche Macht den vorne unterrichtenden Lehrer ergreift, der immer häufiger zwanghaft TÖTE SIE ALLE an die Tafel schreibt, bevor es zur großen Katastrophe kommt.
Bei der ersten Geschichte MISTER SQUISHY geht es um die Einführung eines neuen Schokoriegels auf den Markt und die damit verbundene Werbestrategie. Eine wunderbar erzählte Geschichte aus den Chefetagen der Konsumwirtschaft. Dass es eigentlich um einen Giftanschlag durch einen Schokoriegel geht - und damit vielleicht um einen Kommentar auf die durchgeknallte Welt des Konsumismus - überrascht bei diesem Autor kaum noch.
Die letzte Erzählung NEON IN ALTER VERTRAUTHEIT berichtet von einem Heuchler, der in einem ausführlichen logischen Schlussverfahren darauf kommt, dass die einzige Möglichkeit kein Heuchler zu sein der Selbstmord ist, den er zum Schluss vollzieht. Hier wie bei allen Geschichten von Wallace sind der Einfallsreichtum und das Sprachliche absolut zwingend, fast wie ein Sog. Schon der Beginn der letzten Geschichte macht dies deutlich: "Ich war mein Leben lang ein Heuchler. Ungelogen. Ich habe praktisch die ganze Zeit nur versucht, bei anderen Leuten einen bestimmten Eindruck zu erwecken. Meistens wollte ich gemocht oder bewundert werden. Gut, vielleicht ist es ein bisschen komplizierter. Aber letzten Endes wollte ich gemocht und geliebt werden."
Wer sollte sich davon nicht gefangen nehmen lassen. David Foster Wallace ist ein Knüller.

Thomas Reuter
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am 6. September 2008
Wer lesen möchte, was es bedeutet, mit Erzählungen auf der Höhe der Zeit zu sein, der sollte sich David Foster Wallace anvertrauen. Nicht nur, dass er dem Dialog offensichtlich misstraut, ihn wenn überhaupt indirekt wiedergibt, er scheut auch nicht davor zurück, die Sprache der modernen Welt zu benutzen, um seine Figuren darin einzupacken. In Mister Squishy dringt Foster in die Welt der Werbeindustrie ein, sieht sich den Gefahren der Vermarktung eines Schokoriegels ausgesetzt und schafft es trotz aller Werbeblase, Marktanalysen die Menschen dahinter zu zeigen. Das ist nicht einfach zu lesen. Nicht unbedingt als Nachttischlektüre geeignet, auch Freunde von Schmökern werden nicht unbedingt Gefallen daran finden. Wallace entführt uns nicht in eine fremde Welt, er zeigt sie uns, hält sie uns wie einen Happen hin. Wer sich auf Wallace einläßt, wird mit Geschichten verwöhnt, die ihm keiner nachmacht. Seine Sprache reißt mit und verstört. Wie packend einfach er zu erzählen versteht, beweist er in der Inkarnation gebrannter Kinder, die so lebensecht nachgezeichnet ist, dass einen das Grauen packt. Ob Heuchler, ob Lehrer durchdrehen, ob einen bei einem Flug einem Passagier dunkle Ahnungen befallen, Foster ist der Mann, um davon zu erzählen.
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am 16. September 2008
wenn man 1 m unter einer 1,5o m hohen latte durchspringt, kann man das keine rezension nennen. WIR wollen ÜBER die latte. was bedeutet das? das bedeutet zunächst: die wallaceschen teXte als EXTREM doppel- um nicht zu sagen: mehrbödig zu verstehn. nun kann man das mögen, oder nicht. wenn man es NICHT mag, sollte man die hand heben, und hier! rufen. worauf aber hat ein LESER das recht? richtig: auf DURCHDRUNGENE kenntnis. denn der rezensent handelt ja quasi an lesers statt: als sein stellvertreter; als anlocker; verführer; stop-schild; urteilsgeber etc. dazu muß er allerdings butter bei die fische geben (gräten reichen nicht). fangen wir an: in alter vertrautheit enthält eine auswahl der amerikanischen ausgabe (mittlerweile ist teil 2 erschienen: vergessenheit), nämlich:

mister squishy
die seele ist kein hammerwerk
inkarnation gebrannter kinder
noch ein pionier
in alter vertrautheit

so. das die titel. die TEXTE sollte man befragen. ich greife 2 heraus.

ist mr. schmidt die hauptperson in mister squishy oder der schokoriegel? ist es die konkurrenzarena der werbeagentur (who is fooling whom?)oder die comicfigur, die da, zu welchem zweck auch immer, sich mit saugnäpfchen die fassade hochhangelt? die unbekannte stimme in der fußnote auf seite 82 (wer ist >wir<)? oder ist das ganze nichts als ein pastiche auf die marketingwelt?

die seele ist kein hammerwerk. für mich eine kindergeschichte, deren rahmen radikal auf den stand der dinge gebracht wurd, dh: sie befindet sich auf der höhe der entsetzenszeit, deren mitproduzenten wir sind.

in kompleXem tagtraum sinnt ein kleiner junge am klassenzimmerfenster comics aus, die er bis ins graunvolle hinein ausimaginiert.

einsprungpunkt für seine phantasieausflüge ist ihm das drahtgitterglas. dessen 84 kleine quadrate und, am rechten rand, 12 schmale rechtecke (höchste genauigkeit war immer schon phantastisch) setzen, statt sie zu reguliern, die bilderfolgen überhaupt erst FREI. streunende hunde, beispielsweise, geben die vorlage. er nimmt sie, wie der erzähler sagt, in sein, HErrliche formel!, "quadrantenkalibriertes visier". was DANN passiert, spinnt er aus: die summa aller geschichten ist ein selbstbild. und so, in erfundnes versunken, entgeht ihm völlig, wie, vorn im zimmer, sein lehrer plötzlich stimmenbesessen? paranoid? seelenlos? getrieben wird, TÖTET SIE TÖTET SIE ALLE der tafel einzuschreiben, so, als tätowiere er, eine maschine, ein lebendiges wesen.

comicevokation und eXplodierende gewaltrealität sind, anders als die schulweisheit uns glauben machen will, von gleichem wirklichkeitsgrad und gleicher wirklichkeitsfülle.

eine andre lesart öffnet andre sicht: wie foster wallace in einem interview sagt: Vielleicht geht es in meinem Buch um Männer, die versuchen, damit klarzukommen, daß sie klein und unbedeutend sind.

DAS ist ein zeitsyndrom. gesellschaftlich; politisch; literarisch. wenn einer auf dem witzig=gebrochen=ironisch=artistischen niveau eines philip roth schreibt; oder eben foster wallace: kommt zur vielfach gebrochnen erleuchtung des lesers der zugewinn an sprachLUST. was nicht nur eine belebende erfahrung, sondern VERGNÜGUNGSKAPITAL ist. sehr nützlich in einer doch meist ödalltäglichen welt. zur vermehrung dieses kapitals trägt jede dieser geschichten bei. oftauch, allerdings: wirds einem, wie wir männer sind, übel. das starke geschlecht sollte das wissen. es könntsich dann so mancher illusion entschlagen. wasja nichts andres heißt, als: tragische beziehungen müssen nicht sein.

ja, aber: was ist denn nun der kern der wallaceschen poetik? der ist:

auf BIZARRE art und weise geschichten zu erzählen, die bislang meistnur mit MORALISCHEM fluchtpunkt vorgetragen wurden. oder auf identifikation durch betroffenheit hinausliefen. die verweigerung dieser identifikation durch erzähltechnische verkomplizierung und unentscheidbarkeit ist die herausforderung an den leser. keine lösungen. wenn er aber MITMACHT (dafür muß er mehr wissen wollen, als er weiß), hat er gewonnen.

was?

zukunftsfähigkeit.

wer die kurzen interviews mit fiesen männern kennt, wird zustimmen wollen.
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am 28. August 2009
Von Freunden empfohlen und durch gute Kritiken auf das Buch aufmerksam gemacht, wurde ich von der Lektüre schwer enttäuscht: ich habe den vielbeschworenen Humor vermisst und ebenso die angeblich scharfzüngige (Gesellschafts-)Kritik. Statt dessen waren für mich die Erzählungen langatmig, viel zu wortreich und ausgewalzt und ärgerlich gespickt mit Fremdwörtern (auch wenn das zumindest in einem Fall satirisch zu verstehen wäre). Lediglich die kürzeste Geschichte um ein verbrühtes Kleinkind hat den sprachlichen Drive, der dem Thema angemessen ist und mich als Leser mitreißen konnte.
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am 3. März 2007
Wenn sich ein Kind verbrüht, könnte sich heißes Wasser in seiner Windel gesammelt haben. Nun gut, das lernen wir aus der kürzesten Geschichte dieses Buches. Alle anderen sind langatmig und -weilig. Wenn man hört, dass Harald Schmidt den Autor schätzt, ahnt man warum: Er kann genau so wenig wie Schmidt in seinen Kolumnen wirkliche Spannung erzeugen, er hat eigentlich nichts Wichtiges zu sagen und er ist dabei auch noch unnötig kompliziert. Jedem Text Foster Wallaces merkt man die ungeordneteten Grübeleien seines Autors an.
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