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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Debut, das es in sich hat
Nach dem Sensationserfolg von "Die Vermessung der Welt" legt nun der Rowohlt-Verlag Daniel Kehlmanns ersten Roman vor, den der Schriftsteller als 22-Jähriger schrieb.
Auch wenn der Roman - laut Verlag - vom Autor "behutsam" überarbeitet wurde, muss man nach der Lektüre des Buches feststellen: Der Meister von 2005 kündigt sich bereits in seinem 1...
Veröffentlicht am 22. Juli 2007 von Amazon Kundenrezensionen

versus
17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mathematik + Religion = Magie ??
Dieser Roman des mittlerweile renommierten Autors stammt aus dem Jahre 1997, als Kehlmann gerade 22 Jahre alt war. Darauf weist auch der hohe Anspruch hin, den er in der romanhaften Verbindung von Mathematik, Religion und Magie stellt. Ein anderer hat vor ihm ein ganzes Leben gebraucht, um diese drei Gebiete in einem umfassenden Werk zu "fassen", doch Kehlmann wollte...
Veröffentlicht am 17. Oktober 2007 von Frank Raudszus


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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Debut, das es in sich hat, 22. Juli 2007
Von 
Amazon Kundenrezensionen "wolfgang_neubacher" (A - 5203 Köstendorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Beerholms Vorstellung (Taschenbuch)
Nach dem Sensationserfolg von "Die Vermessung der Welt" legt nun der Rowohlt-Verlag Daniel Kehlmanns ersten Roman vor, den der Schriftsteller als 22-Jähriger schrieb.
Auch wenn der Roman - laut Verlag - vom Autor "behutsam" überarbeitet wurde, muss man nach der Lektüre des Buches feststellen: Der Meister von 2005 kündigt sich bereits in seinem 1. Buch an.
Arthur Beerholm sitzt im Kaffeehaus auf einem Fernsehturm unter freiem Himmel. Seit einem Monat schreibt er hier seine "Autobiografie" - und will dann offensichtlich vom Turm springen: Seine Mutter, bei der Geburt sehr jung und aus ärmlichen Verhältnissen stammend, gab ihn zur Adoption frei. Einen Vater kannte er nie. Arthur kommt zur freundlichen Familie Beerholm. Ella Beerholm, seine Stiefmutter, an der der Junge sehr hängt, wird von einem Blitz erschlagen. Nun übt sein - etwas eigenwilliger - Stiefvater die alleinige Erziehungsgewalt aus. Doch nicht lange, denn Arthur kommt ziemlich bald in ein Schweizer Internat. Warum, ist schnell klar: Beerholm heiratet seine junge Hausangestellte.
Im Internat lernt er zaubern, wobei er, je älter er wird, mit diesem Begriff immer mehr Schwierigkeiten hat. "Zaubern" ist für ihn Manipulation. Ein Zauberer hat keine Macht über die Wirklicheit! Einzige Lösung für Arthur: Die Tricktechnik, die verborgenen Griffe "hinabsinken lassen in das Halbdunkel des Unterbewußten". Und das macht er auch - wenigstens für eine gewisse Zeit. Dass er dazwischen ein Theologiestudium abschließt, macht seinen Fall für den Leser nur umso rätselhafter...
Summa summarum: Ein wunderbares Buch, in dem die Naturwissenschaften (wie auch in "Die Vermessung der Welt") eine wichtige Rolle spielen; aber auch ein Buch, das den Leser voll fordert (und das sich ihm voll wahrscheinlich erst nach dem 2. Lesen erschließt).
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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen fesselnde Melodramaturgie, 7. September 2006
Lange nicht habe ich einen Roman gelesen, der mich so sehr angesprochen hat und die Identifikation mit dem äusserst sensiblen, menschenscheuem Protagonisten war rührend.

Ein Idealist mit einem Traum, der es ihm kurzzeitig ermöglicht, der Realität zu entfliehen, doch schließlich in den Wahnsinn treibt.

Gleichzeitig ein Kampf gegen die stumpfsinnige Masse Menschheit

und der erneute Beweis für die Beschränktheit des menschlichen Geistes im Versuch Gottes Schöpfung zu verstehen.

Der beste Roman Kehlmanns, obwohl der warscheinlich unbekannteste.
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17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mathematik + Religion = Magie ??, 17. Oktober 2007
Von 
Frank Raudszus (Darmstadt) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Beerholms Vorstellung (Taschenbuch)
Dieser Roman des mittlerweile renommierten Autors stammt aus dem Jahre 1997, als Kehlmann gerade 22 Jahre alt war. Darauf weist auch der hohe Anspruch hin, den er in der romanhaften Verbindung von Mathematik, Religion und Magie stellt. Ein anderer hat vor ihm ein ganzes Leben gebraucht, um diese drei Gebiete in einem umfassenden Werk zu "fassen", doch Kehlmann wollte offensichtlich im Schnelldurchgang und auf 250 Seiten erfassen, "was die Welt im Innersten zusammenhält". Seine schriftstellerische Qualität zeigt sich immerhin darin, dass der Versuch nicht zur Lächerlichkeit gerät, obwohl er die drei Gebiete im "Handstreich" erobert.

Der Ich-Erzähler wächst - überdeutliches und dramaturgisch nicht notwendiges Symbol für die "Unbehaustheit" des Menschen - als Adoptivkind eines kinderlosen Ehepaares auf. Nach dem frühen Blitzschlagtod der Ziehmutter - nächster ironischer Symbolverweis auf das Überirdische! - bringt er die folgenden Jahre in einem Schweizer Internat zu, wo er schon bald seine Liebe zur Mathematik entdeckt. Doch die Abgründe der Mathematik, nämlich das in dieser Wissenschaft geradezu obszöne Aufscheinen des Undefinierten - vulgo: Unendlichkeit - in der Gestalt der Singularität schockieren den von der in sich geschlossenen Logik der Mathematik faszinierten Jungen geradezu elementar. Dass eine mathematische Funktion - als Beispiel nennt Kehlmann f(x)=4/x - an einer Stelle ins "Unendliche", nicht mehr Fassbare ausbrechen kann, nimmt für ihn jenseitigen Charakter an, was seine Hinwendung zur Religion zur Folge hat. Er beschließt Theologie zu studieren und bringt es auf diesem Gebiet sogar zu den niederen Priesterweihen. Doch wochenlange Exerzitien mit absolutem Rede-, Arbeits- und Leseverbot lassen ihn an der strengen, keiner menschlichen Logik zugänglichen Disziplin der Religion zweifeln. Die bedingungslose Unterwerfung unter einen nicht hinterfragbaren Glauben lässt ihn zum zweiten Mal ausbrechen und sich in seine Jugendleidenschaft, die Magie, retten. Diese Rückwendung zur ursrprünglich kindlichen Zauberei - und nichts als eine professionelle Variante dieses Zeitvertreibs ist es anfangs - wirkt wie eine Kapitulation vor den erkenntnistheoretischen Grenzen des menschlichen Geistes. Was man weder mit Mathematik noch mit Religion erklären kann, dem musss man in geradezu verzweifelter Ironie mit dem Zaubertrick gegenübertreten. So wie die Kunst des Zauberers aus simplen, wenn auch lange geübten Tricks besteht, so ist auch die Welt nur ein Zaubertrick einer höheren Instanz, die sich über die dummen Zuschauer lustig macht.

Auch wenn Kehlmann mit diesem Buch eine durchaus spannende, temporeiche und über weite Strecken geistreiche Geschichte entwickelt, zielt der Themenkomplex letztlich doch höher als die Kugel schließlich fliegt. Zu schnell werden die weiten Felder der Mathematik und der Religion durchschritten und im Vorbeigehen abgegrast, zu wenig trägt die Magie wirklich als Alternative oder als Pakt mit dem Bösen; zu sehr bleibt die Geschichte im Unverbindlichen weil nur Originellen stecken. Dennoch ist die Lektüre jedem durchschnittlichen Thriller oder den pseudo-tiefsinnigen Nabelschauen schwermütiger Jungdichter vorzuziehen, und die Gedanken über Mathematik und Religion entbehren nicht einer gewissen Originalität.
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17 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großes Talent und traumhaft phantastisches Buch, 9. Dezember 2005
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Beerholms Vorstellung: Roman (Taschenbuch)
Mir sind nur wenige Schriftsteller bekannt, die die skurrile Leistung eines sich selbst erzeugenden Buches vollbracht haben. Daniel Kehlmann kann das, auch wenn die Phantasie dabei manchmal (nach meinem Geschmack noch zu oft) mit ihm durchgeht.
In Anlehnung an M. C. Escher sich selbst zeichnenden Hände hat Kehlmann dieses Buch geschaffen. Autor und Leser wissen nicht: Träume ich oder ist das Wirklichkeit?
Alles hängt mit allem zusammen. Kehlmann, Beerholm und der Leser stehen vermeintlich mehrfach kurz vor der alles umfassenden Erkenntnis, dem Verstehen der universalen Zusammenhänge. Und nicht nur Beerholm ergreift dabei der Schwindel, so, wenn er den (meta-) physischen Zusammenhang der mathematischen Unendlichkeit und dem christlichen Glauben herstellt.
Immer wieder beschreibt Kehlmann in seinen Werken Menschen an der Grenze zum Wahnsinn, hier den Zauberer, Magier Beerholm.
Kehlmann ist dabei nichts heilig. Allmachtsphantasien suchen Kehlmann, pardon, Beerholm heim. Selbst vor christlichen Allegorien wie der des "brennenden Busches" macht er nicht halt. Am Ende, so scheint es, gehorcht ihm gar die Materie. Doch gleich Ikarus, der der Sonne zu nahe kommt, ist der Absturz Beerholms programmiert, natürlich nicht, ohne die Fallgeschwindigkeit vorher zu berechnen.
Traumgleich erschafft Beerholm sich auch seine Eva/Nimue, von der weder er noch der Leser letztlich genau sagen können, existiert sie nur in seiner Phantasie oder ist sie wirklich?
Ein im wahrsten Sinne des Wortes "traumhaftes" Buch. Allerdings nur für Leser, die so etwas schätzen. Unschwer lassen sich Anlehnungen an große andere Autoren erkennen. So erinnert mich nicht nur das Kapitel 4 stark an Hermann Hesses "Glasperlenspiel".
Am Ende dieses Buches wacht der Leser wie aus einem schweren Traum auf - und fragt sich "Habe ich das nun gelesen? Oder habe ich nur geträumt, so ein Buch gelesen zu haben?" Ich versichere Ihnen, ich bin mir selber nicht ganz sicher ...
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen mittelmäßiger Anfang und gute zweite Hälfte, 28. Januar 2009
Von 
Rezension bezieht sich auf: Beerholms Vorstellung (Taschenbuch)
Wie in allen Kehlmann Romanen (vielleicht mit Ausnahme von "Die Vermessung der Welt") sind seine Figuren auch hier nicht gerade lebensfroh und begeisterungsfähig. Beerholms Mitmenschen schleppen sich mehr schlecht als recht durch ihr nun mal zu lebendes Leben. Aber Beerholm selbst ist dabei der größte Lebensverweigerer. Er zeigt, egal bei welchen Ereignissen, ob nun die Adoptivmutter auf erschütternde Weise stirbt oder auch bei dem Verlust seines Erbes, weder Trauer noch Wut. Auch zu schöneren Gefühlen, wie der Liebe, kann er sich nicht durchringen. Er versucht immer unbeteiligt zu bleiben. Nur die Mathematik (auch ja eher nüchtern zu sehen) und mit ihr dann die Magie locken ihn zeitweise in ein existierendes Leben mit anderen Menschen.

Ich hätte mir den Roman manchmal etwas rasanter und klarer ausgedrückt gewünscht. Daher hat mir der letzte Teil des Buches auch am Besten gefallen, da bekommt der Autor nämlich die Kurve. Am Anfang ist nicht immer so klar wo Herr Kehlmann hin will. Für das noch unglaublich junge Alter des Autors gibt es allerdings noch einen extra Stern.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Buch der Jugend,, 22. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Beerholms Vorstellung (Taschenbuch)
dass man so wohl nur mit Anfang 20 schreiben kann - denn Kopf voll unbeantworteter Fragen, dass Herz gefüllt mit postpubertärer Melancholie. Leider erreicht der Erstling nicht die Qualität der grandiosen Folgewerke, vielleicht sollte man ihn daher auch vor jenen lesen.
Ein Buch mit (pseudo)autobiographischem Ansatz, stark reflektierend, nur selten ausbrechend aus der Mollgrundstimmung, die Story etwas verquast und gefühlt zugunsten von Zustandsbeschreibungen der Handelnen stark in den Hintergrund tretend.
Unzweifelhaft ein sehr talentierter Autor, der mit diesem Werk Ansätze aber noch nicht sein Talent aufzeigt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Welt als Wille und Vorstellung - ein Geheimtipp unter den Kehlmanns, 3. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Beerholms Vorstellung (Taschenbuch)
Ich habe dieses Buch erst nach dem wohl bekanntesten Kehlmann Werk "Die Vermessung der Welt" gelesen und musste feststellen, dass Beerholms Vorstellung zu unrecht weniger bekannt ist und mehr Leser verdient hätte.
Der Roman hat mich gefesselt von der ersten bis zur letzten Seite. Realität und Phantasie, Wirklichkeit und Traum sind auf meisterhafte Weise miteinander verwoben und schließlich nicht mehr unterscheidbar. Der Leser, aber nicht nur dieser, sondern auch der Autor scheinen nicht mehr zu wissen was wahr und was Vorstellung ist. Magie, Religion und Mathematik werden auf wundersame Weise gestreift, vertieft und miteinander verwoben. Bei allem bleibt das Buch aber gut zu lesen. Der Leser erlebt den Akt des Erschaffens des Buches mit oder doch nicht?
Fazit: ein muss für alle Kehlmann-Fans!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Netz aus Zahlen trägt die Welt..., 8. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Beerholms Vorstellung (Taschenbuch)
...Arthur Beerholm weiß das genau, aber er bekommt aus diesen ganzen Zahlen irgendwie keine Gleichung zusammen. Jedenfalls nicht am Anfang seines Lebens. Arthur kennt seinen Vater nicht, seine Mutter gibt ihn zur Adoption frei. Er landet bei Familie Beerholm und muss zusehen, wie seine Stiefmutter vom Blitz erschlagen wird. Danach interessiert sich Arthur für Karten- und Zaubertricks, aber...er landet letztendlich bei der Religion. Arthur will Priester werden, und er würde das auch schaffen, doch kurz vor Beendigung des Studiums schmeißt er alles hin und wendet sich wieder der Zauberei zu. Arthur beherrscht die Mechanik und er kennt die Zahlen, aber so lange er selbst weiß, dass er trickst und täuscht, glaubt er nicht an seine Kunst. Darum wendet er sich an den Magier Jan van Rode, der ihn tatsächlich als Schüler aufnimmt. Kurze Zeit später ist Arthur der gefragteste Magier überhaupt. Woran das liegt? Arthur ist sich da ganz sicher: Er trickst nicht mehr, er zaubert tatsächlich! Wohin dieser Weg allerdings führt, dass können weder Arthur, noch der geneigte Leser erahnen...

Nachdem ich Daniel Kehlmanns Romane -Die Vermessung der Welt- und -Ruhm- gelesen hatte, nahm ich mir jetzt auch Kehlmanns Erstling zur Hand. Und tatsächlich: Wie in allen Kehlmann-Romanen ist die deutsche Sprache auch hier der Star. Kehlmanns Protagonist ist ein Magier, und Kehlmann scheint selbst ebenfalls in diesem Genre zu arbeiten. Allerdings zaubert er weder Kaninchen noch Tauben aus dem Hut, sondern Wörter und Sätze aufs Papier. Wie er das macht, das hat große Klasse und erinnert, mich jedenfalls, an große Vorgänger wie Brecht oder Böll. Kehlmanns Schreibe hat diesen gewissen Touch, der aus jeder Geschichte ein Abenteuer macht. Das ist bei -Beerholms Vorstellung- ebenfalls deutlich zu spüren.

Was mir zudem sehr gut an Kehlmanns Roman gefallen hat, war der Kniff des Autors, uns als Leser, in einigen Passagen der Geschichte, direkt anzusprechen. Da hat die Ich-Erzählung des Arthur Beerholm ihre absoluten Höhepunkte. Kehlmann hält das Niveau der Story von Anfang bis Ende und sorgt dafür, dass der Leser am Stoff klebt, um herauszubekommen, wie Beerholms Erzählung zu Ende geht. Ausflüge ins Reich der Mythologie und zu Merlin, dem größten Magier aller Zeiten, sorgen dabei für reichlich Kurzweil.

Ich kann ihnen die Romane von Daniel Kehlmann jederzeit empfehlen. Auch -Beerholms Vorstellung- ist ein überaus gelungenes Buch, das sich in jedem gut sortierten Bücherregal gut macht.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kehlmanns Meisterwerk!, 13. August 2011
Von 
Timo Brandt "Ways are, there you go" (Quickborn) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Beerholms Vorstellung: Roman (Taschenbuch)
-"Die ganze sichtbare Welt in ihrer Vielfalt und Verschlungenheit mit ihrem ungeheuren Inventar an Menschen, Tieren, Hunden, Versicherungsagenten, Krokodilen, Blumen, Ozeanen, Sonnen, Planeten und Galaxien ruht auf einem Geflecht von Zahlen. Die Winkelsumme eines Dreieckes ist der zweier rechter gleich; ein Satz ist wahr oder sein Widerspruch, nicht aber ein Dritter; ein Körper verharrt in einem Zustand, solange keine Kraft auf ihn wirkt. [...] Allen Dingen schreibt ein unerbittlich klarer Geist seine Gesetzte vor.
Nun, was also bedeutet die Wiederkehr der Karte? Was bedeutet Magie? Sie bedeutet schlicht, dass der Geist den Stoff vorschreiben kann, wie er sich zu verhalten hat, dass dieser gehorchen muss, wo jener befiehlt.
Das glaubte ich damals."-

Das letzte Buch, das ich von Kehlmann noch lesen konnte, sein Erstling Beerholms Vorstellung.
Und es ist ein Meisterwerk.

Das bisherige kehlmannsche Werk habe ich äußerst unterschiedlich aufgenommen (man siehe meine Rezensionen zu den anderen Büchern, speziell zu Ich und Kaminski und Ruhm.) Das hat unterschiedliche Gründe, oft hat es mit der inneren Atmosphäre oder den Charakteren zu tun oder wohl auch mit meiner ganz persönlichen Aversion gegen etwas.
Ganz ohne Zweifel ist Kehlmann ein bestechender Schriftsteller und ein großartiger Stilist. Das muss man bei jedem seiner Bücher betonen. Doch hier, in seinem Erstling, hier hat er wirklich und wahrhaftig das geschrieben, was man einen Roman nennen kann (So kann man Mahlers Zeit, wie ich finde, zum Beispiel nicht bezeichnen), hier schreibt er wahrlich eine fesselnde und sich selbst wandelnde Geschichte, hier entwickelt sich ein Charakter der wirklich Brüche, Leben und Identität aufweist.

Es geht um einen Waisenjungen namens Beerholm, der bei Pflegeeltern unterkommt. Seine Geschichte erzählt er von der ersten bis zur letzten Seite selbst, weswegen die Wahrheit auch manchmal zwischen Realität und Einbildung, zwischen Schein und sein nicht mehr zu definieren ist; zumal Beerholm ja auch eine magische Begabung hat und die Tricks mit der Illusion quasi zu seinem Wesen gehören. Doch seine Lebensreise hält noch viel mehr bereit, als bloß einige Zaubertricks. Seine Faszination für die Unendlichkeit der Mathematik und sein Wille, etwas Sicheres und Unantastbares zu finden oder zu schaffen, finden sich in seinem Leben immer wieder aufs Seltsamste zusammen.

-"Seltsam: Ist unser Gedächtnis so löchrig, dass es nur einige Augenblicke aus der davonfließenden Zeit filtern kann; oder besitzen wir tatsächlich nur selten und kurz die volle Kraft unserer Wahrnehmung?"-

Wenn man Romane liest, dann zählt auch, was am Ende zurückbleibt, was für ein Gefühl. Ob man sich glücklich fühlt, angefüllt von der Geschichte oder nur mit Appetit auf Glück über die letzte Seite hinaus allein gelassen wird. In diesem Buch, in dem sich die oben bereits erwähnte fesselnde Geschichte, mit stilisten Feinheiten und Schönheiten verbindet (siehe ganz unten) wird man romangemäß entlassen: man ist begeistert und fühlt sich er- und auch etwas beklommen.

-"Die Langeweile breitete sich aus wie Tinte, geträufelt in Wasser."-

-"... und stell es dir vor: Das farbige Glas in der dunklen dämonenbesetzten Wand einer Kathedrale. Ein Sonnenstrahl berührt es und auf einmal glänzt die darin eingefrorene Helligkeit auf."-
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5.0 von 5 Sternen Magie und die Psychologie des Menschen - eine aufwühlende Mischung, 27. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Beerholms Vorstellung (Taschenbuch)
"Beerholms Vorstellung" ist meiner Meinung nach ein sehr anspruchsvoller Roman, der mich mit vielen Gedanken nach dem Lesen zurückgelassen hat, weil er zum einen viele geniale Erzählmomente bietet und zum anderen bedrückende Momente auslöst.
Es ist einfach genial, wie Kehlmann das Thema "Zauberei und Magie" mit der psychischen Existenz des Menschen verbindet und das Einzelschicksal des Protagonisten Beerholm so vielschichtig beschreibt. Jedes Wort steht am richtigen Ort, der Schreibstil ist sehr lebendig, der Protagonist in all seinen Zügen eine unglaublich spannende Romanfigur.
Was mich besonders fasziniert hat, ist wie Kehlmann einen völlig neuen Blick auf die Magie lenkt, unter der Berücksichtigung von theologischen, mathematischen wie psychosozialen Aspekten - das hat mich unglaublich fasziniert.

Allerdings ist "Beerholms Vorstellung" keine leichte Kost zum "Lesen zwischendurch". Mich hat der Roman tief bewegt und (häufig auch in negativer Weise) berührt und beschäftigt. Und gerade deswegen finde ich, dass "Beerholms Vorstellung" ein absolutes lesenswertes Buch für diejenigen ist, die auf der Suche nach anspruchsvoller zeitgenössischer Literatur sind.
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Beerholms Vorstellung
Beerholms Vorstellung von Daniel Kehlmann (Taschenbuch - 2. Juli 2007)
EUR 8,99
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