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23 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen persönliche Reflexionen
Mit Spannung habe ich es erwartet, das neue Buch von Jonathan Franzen. Schon sein autobiographischer Welterfolg "Die Korrekturen" hat mich in den Bann gezogen, nun auch "Die Unruhezone".

Es ist sicher nicht so ein "großer Wurf", so ein "Literaturknaller" wie der 2001 mit dem "National Book Award" ausgezeichnete Roman. Man kann es auf keinen Fall als...
Veröffentlicht am 15. März 2007 von HeikeG

versus
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Dem Kommerz geschuldet
Der Literaturmarkt giert nach neuem Material des Superstars Jonathan Franzen. In dieser Logik muss man das Buch mit dem (dämlich übersetzten) Titel "Die Unruhezone" betrachten. So ziemlich jeder begeisterte Leser der "Korrekturen" will mehr von Franzen. Deshalb werden ein paar Essays ergänzt, irgendwie zusammengepackt und zwischen zwei Buchdeckeel...
Veröffentlicht am 5. Oktober 2008 von Nice2829


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23 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen persönliche Reflexionen, 15. März 2007
Von 
HeikeG (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Mit Spannung habe ich es erwartet, das neue Buch von Jonathan Franzen. Schon sein autobiographischer Welterfolg "Die Korrekturen" hat mich in den Bann gezogen, nun auch "Die Unruhezone".

Es ist sicher nicht so ein "großer Wurf", so ein "Literaturknaller" wie der 2001 mit dem "National Book Award" ausgezeichnete Roman. Man kann es auf keinen Fall als Nachfolger bezeichnen. Dazu ist dieses Buch - gespickt mit vielen Fremdwörtern - zu sehr intellektuell. Es beansprucht "keine einzige quantitativ, inhaltlich oder erzählerisch spektakuläre Kategorie der Literatur", wie "DIE ZEIT" schreibt, aber...

Jonathan Franzen hat ein schönes Buch geschrieben.

Er erzählt uns wieder einmal aus seinem Leben: seiner Kindheut und Jugend im amerikanischen Mittelwesten und seinem Erwachsenenleben in New York.

In sechs wahrhaft kunstvollen Essays berichtet Franzen "von bizarren Familienverhältnissen, diversen Demütigungen und vom Wunsch, den Schein zu wahren", sei es die Erstbegegnung mit deutscher Wesensart in Gestalt einer irritierend reizvollen Österreicherin oder die Bedeutung Kafkas für den Verlust der Jungfräulichkeit.

Wie immer sind seine Geschichten bescheiden, urkomisch, selbstironisch und traurig ergreifend zugleich. Wir begleiten Franzen auf seinem Weg vom phobiengeplagten ängstlichen Kind (er hat Angst vor Spinnen, Schlaflosigkeit, Angelhaken, Schultanzveranstaltungen, Baseball, Höhen, Bienen, Urinalen, der Pubertät, Musiklehrern, Hunden, der Schulcafeteria, Tadeln, älteren Teenagern, Quallen, Umkleideräumen, Bumerangs, beliebten Mädchen, Turmspringen) zum gefeierten Star der US-Literatur.

Es ist ein Buch der Freiheit zur Unvollkommenheit. Ich kann mich nur anschließen wenn "DIE WELT" schreibt: "Wer mit Franzen über Franzen lacht, kann gar nicht anders: Immer lacht er auch über sich selbst."

Nur wenigen gelingt, was ihm nahezu perfekt gelingt:

Er braucht nur seinen "Bleistift" und zwei, drei Striche, und die Figur oder Szene ist da.

Ihm sei verziehen, dass er dieses mal an manchen Stellen gar vier bis fünf Striche benötigte ;-). Trotzdem hebt sich dieses Buch für den gewillten Leser wohltuend vom Literatur-Mainstream ab.

Die Rezensentin der Wochenzeitschrift "DIE ZEIT" meinte: "Franzen macht aus einer Mücke nicht gleich einen Elefanten. Aber er lässt die Mücke zu ausführlich kreisen."

Meine Meinung: "Herr Franzen, lassen Sie die Mücke ruhig kreisen, ich mag - auch wenn ich Mücken nicht so gern habe - ihr Buch und Ihren Erzählstil. Und diese Art von Literatur darf ruhig etwas ausufernder sein."

Danke, für diesen schönen Essay-Band!
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Persönliche Reflexionen akustisch noch näher gebracht, 10. April 2007
Von 
HeikeG (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Mit Spannung habe ich es erwartet, das neue Buch von Jonathan Franzen. Schon sein autobiographischer Welterfolg "Die Korrekturen" hat mich in den Bann gezogen, nun auch "Die Unruhezone".

Es ist sicher nicht so ein "großer Wurf", so ein "Literaturknaller" wie der 2001 mit dem "National Book Award" ausgezeichnete Roman. Man kann es auf keinen Fall als Nachfolger bezeichnen. Dazu ist dieses Buch - gespickt mit vielen Fremdwörtern - zu sehr intellektuell. Es beansprucht "keine einzige quantitativ, inhaltlich oder erzählerisch spektakuläre Kategorie der Literatur", wie "DIE ZEIT" schreibt, aber...

Jonathan Franzen hat ein schönes Buch geschrieben.

Er erzählt uns wieder einmal aus seinem Leben: seiner Kindheit und Jugend im amerikanischen Mittelwesten und seinem Erwachsenenleben in New York.
In sechs wahrhaft kunstvollen Essays berichtet Franzen "von bizarren Familienverhältnissen, diversen Demütigungen und vom Wunsch, den Schein zu wahren", sei es die Erstbegegnung mit deutscher Wesensart in Gestalt einer irritierend reizvollen Österreicherin oder die Bedeutung Kafkas für den Verlust der Jungfräulichkeit.
Wie immer sind seine Geschichten bescheiden, urkomisch, selbstironisch und traurig ergreifend zugleich. Wir begleiten Franzen auf seinem Weg vom phobiengeplagten ängstlichen Kind (er hat Angst vor Spinnen, Schlaflosigkeit, Angelhaken, Schultanzveranstaltungen, Baseball, Höhen, Bienen, Urinalen, der Pubertät, Musiklehrern, Hunden, der Schulcafeteria, Tadeln, älteren Teenagern, Quallen, Umkleideräumen, Bumerangs, beliebten Mädchen, Turmspringen) zum gefeierten Star der US-Literatur.

Es ist ein Buch der Freiheit zur Unvollkommenheit. Ich kann mich nur anschließen wenn "DIE WELT" schreibt: "Wer mit Franzen über Franzen lacht, kann gar nicht anders: Immer lacht er auch über sich selbst."

Nur wenigen gelingt, was ihm nahezu perfekt gelingt:
Er braucht nur seinen "Bleistift" und zwei, drei Striche, und die Figur oder Szene ist da.

Ihm sei verziehen, dass er dieses mal an manchen Stellen gar vier bis fünf Striche benötigte ;-). Trotzdem hebt sich dieses Buch für den gewillten Leser wohltuend vom Literatur-Mainstream ab.

Die Rezensentin der Wochenzeitschrift "DIE ZEIT" meinte: "Franzen macht aus einer Mücke nicht gleich einen Elefanten. Aber er lässt die Mücke zu ausführlich kreisen."
Meine Meinung: "Herr Franzen, lassen Sie die Mücke ruhig kreisen, ich mag - auch wenn ich Mücken nicht so gern habe - ihr Buch und Ihren Erzählstil. Und diese Art von Literatur darf ruhig etwas ausufernder sein."

Danke, für diesen schönen Essay-Band!

Das Hörbuch wird gekonnt warmherzig und sehr persönlich von Heikko Deutschmann gelesen. Ich finde, dass dadurch das geschriebene Wort des "Meisters" sogar noch gewinnt. Dieses Hörbuch ist eine wertvolle Ergänzung zum Original-Essayband.
Heikko Deutschmann versteht es akustisch, dass ich mich noch einmal intensiv mit den tiefgründigen Erzählungen auseinandergesetzt habe.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein ruhiges Hörbuch, 20. November 2011
Von 
Villette - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
"Die Unruhezone" ist Jonathan Franzens ruhige Betrachtung seines Lebens. Ebenso ruhig ist auch die Lesung von Heikko Deutschmann. Auf 6 CDs bekommt man bedächtige Reflexionen über Charlie Brown, kirchliche Jugendgruppen, Schulstreiche, erste Lieben und reifere Lieben, Klimawandel und Vogelbeobachtung geboten. Deutschmann trifft stets den richtigen Ton dieses unaufgeregten Rückblicks. Unaufgeregt ist er, weil es sich eben um einen Rückblick handelt. Franzen hat schon alles erlebt, was er erzählt, er ist nicht mehr mittendrin. Das hat gleichzeitig zur Folge, dass auch der Leser nie mittendrin ist, sondern aus einer überlegten Distanz zuhört. Die Erzählungen werden dadurch zwar nicht langweilig, aber auch nicht wirklich spannend. Dass Franzen schreiben kann, merkt man natürlich in jeder Minute. Seine Beschreibungen und Überlegungen sind sehr kunstvoll, wenn auch nicht künstlich. Alles wirkt sehr authentisch und vor allem abgeklärt. Natürlich zieht Franzen, wann immer er kann, einen Bogen von seinen persönlichen Erinnerungen zur jeweiligen Situation oder Atmosphäre in der Gesellschaft. Trotzdem schweift er nicht ab. Er bleibt im Grunde bei sich und gibt viel Persönliches preis. Vielleicht weiß man am Ende etwas zu viel von ihm. Ein anstrengender Mensch ist er schon. Mir hat das Hörbuch ganz gut gefallen, besonders weil es sich um eine hervorragende Lesung handelt. Man muss das Buch aber nicht kennen.
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21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ich will mehr von Franzen, 17. April 2007
Von 
Die Übersetzung des Titels ist schon missglückt. Aus "The Discomfort Zone" wurde "Die Unruhezone". Es wundert mich, dass Franzen, der ja der deutschen Sprache mächtig ist, diese eigenwillige Veränderung, die tatsächlich sinnentstellend ist, zugelassen hat. Discomfort Zone bezieht sich auf ein Streitthema zwischen Franzens Eltern hinsichtlich der Raumtemperatur im Wohnzimmer. Die Mutter, die die Temperatur auf 20°C einstellt und der Vater, der darauf verweist, dass der Comfort-Bereich auf dem Thermostat zwischen 22 und 26°C blau markiert sei. Insofern wird der Raum zur "Discomfort Zone" und nicht zur "Unruhezone".

Die Kritiken sind eher schlecht, zeitweilig gar vernichtend. Lediglich die Kritik von Sigrid Löffler ist ernsthaft und wird dem Autor und dem Buch gerecht.

Wieso muss Franzen nun permanent an den Korrekturen gemessen werden. Wieso muss alles, was er nun noch veröffentlichen wird, noch besser sein? Ein absurder Anspruch! Selbst ein nur halb so gutes Buch wie die Korrekturen ist immer noch ein sehr gutes Buch. Es handelt sich bei diesem neuen Werk nicht ein mal um einen Roman. Essays sind es eigentlich auch nicht. Eine Autobiographie ebenfalls nicht, obwohl sehr autobiographisch. Als Untertitel heisst es "eine Geschichte von mir"; nicht mehr und nicht weniger. Ich ziehe dieses 250 Seiten Büchlein jedem deutschsprachigen Roman vor.

Franzen geht schonungslos mit sich um, beschreibt sich als wenig liebenswertes und linkisches Kind und Jugendlichen und deshalb scheinen die Kritiker zu meinen, sie könnten ebenso mit ihm ins Gericht gehen. Aber diese Deppen begreifen nicht, wie wunderbar er es macht. Er hält kurz den Finger in diverse Wunden, verweilt nie zu lange, wird nie pathetisch, betreibt keine billige Nabelschau. Er schafft es immer wieder, mich zu überraschen, er bringt mich zum Lachen und er rührt mich an. Nichts von dem, was er schreibt, ist mir wirklich fremd. Allerdings beschreibt er Dinge so, wie ich sie noch nie zuvor gelesen habe.

Besonders gut wird seine verstorbene Mutter gezeichnet. Meist kühl und distanziert! Und dann gibt es einen Satz wie diesen und es haut mich um: "Am letzten Tag, den ich mit meiner Mutter verbrachte, ..., stellte sie mir immer wieder die selben Fragen: ... Meine Mutter hoffte auf einen kleinen Ausblick darauf, wie mein Leben nach ihrem Tod weitergehen könnte."

Später schreibt er:"Meine Mutter mochte es, wenn sie in etwas einbezogen war, und dezidierte Meinungen zu haben war ein Mittel, sich nicht ausgeschlossen zu fühlen." War man vorher von ihr entnervt, weil sie alles kommentierte, schafft er es mit einem Satz, wieder eine Ballance herzustellen und Sympathie zu wecken.

Ok, hier und dort könnte er auf ein Fremdwort verzichten. Wir wissen doch, dass er sie alle kennt. Das Kapitel über Vögelbeobachtung ... hier und dort war es mir zu viel mit der Ornithologie ... aber ich würde auch nicht darauf verzichten wollen.

Im Stern wurde hämisch bemerkt, dass nach den Korrekturen kein Roman mehr von Franzen kommt. Ich bin allerdings zuversichtlich. Er wird kommen ... irgendwann ... und er wird mich bestimmt begeistern.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Dem Kommerz geschuldet, 5. Oktober 2008
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Unruhezone: Eine Geschichte von mir (Taschenbuch)
Der Literaturmarkt giert nach neuem Material des Superstars Jonathan Franzen. In dieser Logik muss man das Buch mit dem (dämlich übersetzten) Titel "Die Unruhezone" betrachten. So ziemlich jeder begeisterte Leser der "Korrekturen" will mehr von Franzen. Deshalb werden ein paar Essays ergänzt, irgendwie zusammengepackt und zwischen zwei Buchdeckeel gepresst.

Das klingt jetzt schlimmer, als das Resultat dieses Prozesses wirklich ist. Gelangweilt haben mich die Erinnerungen des Autors nie. Manches ist interessant, um Hintergründe seines Werks zu verstehen, manches liest sich unterhaltsam, manches ist auch belanglos.

Niemand muss dieses Buch gelesen haben. Auf keinen Fall sollte man die "Unruhezone" als erstes Franzen-Buch lesen. Wer aber den Rest kennt und schätzt: Bitte zugreifen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hörbuch, 20. November 2011
Von 
Villette - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Unruhezone (Audio CD)
"Die Unruhezone" ist Jonathan Franzens ruhige Betrachtung seines Lebens. Ebenso ruhig ist auch die Lesung von Heikko Deutschmann. Auf 6 CDs bekommt man bedächtige Reflexionen über Charlie Brown, kirchliche Jugendgruppen, Schulstreiche, erste Lieben und reifere Lieben, Klimawandel und Vogelbeobachtung geboten. Deutschmann trifft stets den richtigen Ton dieses unaufgeregten Rückblicks. Unaufgeregt ist er, weil es sich eben um einen Rückblick handelt. Franzen hat schon alles erlebt, was er erzählt, er ist nicht mehr mittendrin. Das hat gleichzeitig zur Folge, dass auch der Leser nie mittendrin ist, sondern aus einer überlegten Distanz zuhört. Die Erzählungen werden dadurch zwar nicht langweilig, aber auch nicht wirklich spannend. Dass Franzen schreiben kann, merkt man natürlich in jeder Minute. Seine Beschreibungen und Überlegungen sind sehr kunstvoll, wenn auch nicht künstlich. Alles wirkt sehr authentisch und vor allem abgeklärt. Natürlich zieht Franzen, wann immer er kann, einen Bogen von seinen persönlichen Erinnerungen zur jeweiligen Situation oder Atmosphäre in der Gesellschaft. Trotzdem schweift er nicht ab. Er bleibt im Grunde bei sich und gibt viel Persönliches preis. Vielleicht weiß man am Ende etwas zu viel von ihm. Ein anstrengender Mensch ist er schon. Mir hat das Hörbuch ganz gut gefallen, besonders weil es sich um eine hervorragende Lesung handelt. Man muss das Buch aber nicht kennen.
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die exemplarische Biographie eines Mittelschichtkindes - mit viel Augenzwinkern erzählt, 22. März 2007
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Mit der Weisheit der reifen Jahre auf die liebenswerten Dummheiten der eigenen Kindheit und Jugend zurückzublicken, mit der Souveränität des Erwachsenen die kleinen Katastrophen der frühen Jahre zugleich bejahen und relativieren zu können, hat etwas ungemein Liebeswertes. "Die frühen Jahre" von Coetze oder "Afrikanische Spiele" von Ernst Jünger, sind gelungene Beispiele für dieses Genre, nun hat sich auch Jonathan Franzen mit seinem Buch "Die Unuhezone" in diesem Metier versucht.
Der für Franzens Verhältnisse schmale Band von ca. 250 Seiten beschreibt die Geschichte eines amerikanischen Mittelschichtskindes deswegen ganz ohne das epische Ambiente der "Korrekturen", aber durchaus mit beachtlicher sprachlicher Raffinesse Er beginnt interessanterweise mit dem Verkauf des elterlichen Hauses ( übrigens genauso wie der erste Band der Marquez-Autobiographie "Leben um davon zu erzählen"), um alsdann die verschiedenen Etappen des eigenen Lebenslaufes in lockerer Folge abzuhandeln. Von den Klippen der Adoleszenz ("Die Adoleszenz genießt man am besten unbefangen, doch leider ist Befangenheit ihr bestimmendes Symptom"), über die unterschiedlichen Möglichkeiten, die in jedem Menschen angelegt sind (dargestellt in einer zauberhaften Szene, in der der kleine Jonathan seinen Piephahn zeigt um sich anschließend zum Gotterbarmen zu schämen), geht die Lebensreise zu den Jugendcamps der Siebziger Jahren und der ihnen eigenen liberalen Ausdünnung der Gegenwartereligion, über die Eltern und ihre "Komfortzonen", über die Brüder und die Liebe bis hin zur Ehe, die trotz aller Mühen scheitert - alles unterhaltsam erzählt, so dass es kaum einen Generationengenossen geben wird, der sich nicht hier und da wieder erkennen und anerkennend sagen wird: ja, ja, so oder ähnlich ist es gewesen. .
Aber am Ende bleibt doch ein leises Unbehagen. Denn was Franzen erzählt ist nicht sonderlich originell, und das, was originell ist, bliebt in einer eigenttümlichen Schwebe, in einem Nebel, in dem sich der Autor hinter seiner Sprachmacht eher verhüllt als entbirgt. Dass Franzens Ehe scheitert, dass sein "kleiner Eheplanet kaputt" geht, ist traurig, wird, wird aber nicht sonderlich einprägsam erzählt. Sein schulischer Schabernack, der im Buch reichlich breiten Raum einnimmt, erinnert in seiner Betulichkeit ein wenig an die Feuerzangenbowle, und was Franzen über seine orntitologischen Passionen schreibt, könnte auch von Woody Allen stammen. Am überzeugendsten gelungen sind die Passagen über die gegenwärtigen Klima- und Ökohysterie, aber auch die werden so doppeldeutig vorgetragen, dass man am Ende nicht recht, weiß, ob sich der Autor über dieses Phänomen lustig macht oder wirklich betroffen ist. Vielleicht aber ist diese Unentschiedenheit zwischen Ernsthaftigkeit und Distanz und das Ozillieren zwischen Enthüllung und Verbergen gerade exemplarische an der Generation, die im vorliegenden Buch beschrieben wird. Vielleicht aber auch nicht.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Neuer Frentzen - keine Einstiegsdroge - aber perfekt für Fortgeschrittene, 9. April 2007
Sie haben viel von Franzen gehört, jetzt wollen Sie endlich was von Ihm lesen? Dann wählen Sie lieber die Korrekturen, die Unruhezone ist als eigenständiges Einstiegswerk eine (zu) dünne Suppe. Franzen verliert sich wie gewohnt in unglaublichen Detaildarstellungen, trifft dabei auf längst vergessen geglaubte Gefühle, und beschreibt die in ungeheurer Exaktheit, und findet auch phantastische Lösungsansätze. Wichtige Dinge, wie die gescheiterte Ehe, kommen vielleicht ein wenig zu kurz, scheinbaren und tatsächlichen Banalitäten wird wiederum sehr viel Platz eingeräumt, dass man sich die frage stellt, was er eigentlich aussagen will. Für Neulinge würde ich nur 3 Sterne geben, vielleicht 4, auch weil die sprachliche Qualität (auch der Übersetzung) über jeden Zweifel erhaben ist. Dass die Korrekturleser über zwei, drei Fehler gestolpert sind, fällt negativ auf, das geschieht aber auch durch den extremen Kontrast: Franzen ist nun einmal einer der talentiertesten Schreiber unserer Tage.

Franzen-Fans werden die Dinge anders sehen. Ich zumindest bin mittlerweile einer, und ich habe keine Zweifel, dass sich Jonathan Franzen mal wieder seine 5 Sterne verdient hat. Nein, es ist nicht so epochal wie Die Korrekturen, und wohl auch nicht annähernd spannend wie Schweres Beben. Vielleicht wird auch seine Schreibe etwas zu professionell, vielleicht ist Frantzen mittlerweile auch ganz einfach zu saturiert. Aber gerade das macht ihn wiederum auch spannend, so wie auch schon seine Annäherung an den ungeliebten Kafka.

Für den Frenzen-Liebhaber ist das Werk aber schon alleine deshalb eine schöne Sache, weil er immer wieder über sich selbst erzählt, weil man plötzlich Auflösungen zu älteren Rätsel bekommt.

Manches aus der Vorankündigung ist vielleicht etwas zu vollmundig, weil einfach die Auflösung doch noch nicht kommt. Aber so ist Frentzen nun einmal. Lesenswert ist das Buch allemal, vor allem für seine treuen Leser, und für alle Snoopy-Fans.
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4.0 von 5 Sternen Schöne Sammlung persönlicher Essays, 24. Januar 2010
Von 
Ich mag Jonathan Franzens Essays, und in gewisser Hinsicht ist auch dieses Buch eine Sammlung von Essays: Franzen erzählt und reflektiert Erlebnisse aus seiner Kindheit, Jugend und Erwachsenenleben. Er erzählt von seinen Eltern, deren Beziehung zueinander und zu ihren Kindern. Er erzählt vom Heranwachsen, von Schulstreichen, von seiner Kirchengruppe, von seinen ersten Versuchen in der Liebe und am Ende auch von seiner ersten Ehe, ihrer Trennung und seiner nächsten Beziehung. All diese Motive greifen ineinander, beziehen sich aufeinander und werden gleichzeitig nüchtern aber auch liebevoll vor dem Leser ausgebreitet und eingeordnet. Und nebenbei erfährt man einiges über den bürgerlichen Lebensstil im mittleren Westen der USA in den 60ern und 70ern.

Der einzige Minuspunkt sind die aus meiner Sicht zu lang geratenen Schilderungen von Franzens später Hinwendung zur Vogelbeobachtung. Seitenlang erzählt Franzen von speziellen Vogelarten und Beobachtungserlebnissen, die aber wirklich nur für Vogelfreunde interessant sind. Für den ornithologisch unkundigen Leser ergibt sich aus diesem letzten Fünftel des Buchs nur ein einziges Mal eine Erkenntnis, als Franzen, durchaus herzzerreißend, schildert, wie er in einem Park in Tränen ausbricht, als er nach langer Suche das selten zu beobachtende Paar einer bestimmten Entenart sieht.

Ansonsten aber mag ich den Stil von Franzen sehr: Anspruchsvoll, aber dennoch lesbar. Sachlich, aber empathisch. Distanziert, aber durchaus warmherzig.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Blaß, 21. Januar 2008
Nach den "Korrekturen" war ich so gespannt auf ein wirklich neues (und nicht nur neu aufgelegtes) Buch von Franzen, daß ich nicht die deutsche Übersetzung von "The Discomfort Zone" abwarten wollte, sondern schon im Herbst 2006 die englische Originalversion lesen mußte. Leider ist Franzens neuestes Werk eine Enttäuschung. Es mag in der Natur der Sache liegen, daß eine Autobiographie selten so spannend und voller Ideen ist, wie ein Roman. Aber selbst wenn man das berücksichtigt, bleibt das Buch im Vergleich zu den "Korrekturen" blaß. The Discomfort Zone beginnt mit den hinreißend beschriebenen Versuchen des Autors, sein Elternhaus zu verkaufen; hier zeigt Franzen noch einmal, welch große schriftstellerische Begabung in ihm steckt. Dann aber geht der Wortwitz und mit ihm auch die erzählerische Stringenz des Werks verloren. Ständig werden episodenhaft Geschichten aus seinem Leben erzählt, ohne daß hieraus ein organisches Ganzes entsteht. Im zweiten Kapitel wird beispielsweise detailliert die persönliche Entwicklung eines protestantischen Jungendpfarrers beschrieben, ohne daß dabei klar wird, welche Bedeutung dieser Mensch für den Autor hatte und warum sich der Leser für diesen Menschen interessieren soll. Schon im nächsten Kapitel wird dieser Person keine einzige weitere Zeile mehr gewidmet. Stattdessen erfahren wir von den ersten sexuellen Erfahrungen des Helden - nur: wozu? Denn ohne erkennbaren Zusammenhang mit dem vorangegangenen Kapitel beschreibt der Autor im letzten Kapitel, wie es dazu kam, daß er sich dem Hobby des Vögelbeobachtens verschrieben hat. Dieses Thema nutzt er zugleich als Aufhänger für seine Kritik an der Umweltpolitik von Präsident Bush. Zeitlich wesentlich später einzuordnen, zeigt das Kapitel zunächst nur, daß rund zwanzig Jahre von Franzens Leben offenbar ohne jedes Ereignis verstrichen sind. Auch die Frauen, denen er in den ersten Kapiteln noch zu Füßen lag, werden nicht mehr erwähnt. Niemand erfährt, woher die "Kalifornierin", die er offenbar geheiratet hat, gekommen ist. Das ganze Buch wirkt schlicht unausgegoren und unfertig, als sollte der Autor damit nur im Gespräch gehalten werden, bis sein nächstes, "richtiges" Buch erscheint. Dafür spricht auch folgendes: Das letzte Kapitel wurde unabhängig von "The Discomfort Zone" bereits in "The New Yorker" veröffentlicht und der Autobiographie offenbar nur als "Füller" angehängt. Vielleicht gibt das noch nicht so lange Leben Franzens einfach nicht genug her für eine gute Biographie. Trotzdem zwei Sterne, weil Franzens großartige Sprache auch weniger gelungene Geschichten zu einem gewissen Lesevergnügen machen kann.
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Die Unruhezone: Eine Geschichte von mir
Die Unruhezone: Eine Geschichte von mir von Jonathan Franzen (Taschenbuch - 1. Juli 2008)
EUR 8,95
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