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32 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Robert Altman der Literatur
"Schwere Beben" entstand 1992 und weist stilistisch bereits den Weg zum Nachfolger "Die Korrekturen". Wieder wird das Innenleben einer Familie, der Familie Holland, akribisch seziert. Wieder wechselt Franzen innerhalb des Romanes die Perspektive und zerlegt den Roman dafür in vier Teile, chronologisch geordnet und doch subtil mit Rückblenden angereichert, die...
Veröffentlicht am 2. September 2007 von dreamjastie

versus
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ganz ok - aber mehr nicht
Nicht immer ist Lesen das wahre Vergnügen. Manchmal ist es fast wie Arbeit. Dann nämlich, wenn man sich vorgenommen hat, vom Autor eines der besten Romane der letzten zehn Jahre auch die beiden Vorgängerwerke zu lesen. "Schweres Beben" ist genauso umfangreich wie Korrekturen, es wird wieder eine Familiengeschichte erzählt, es ist auch von Jonathan...
Veröffentlicht am 6. Januar 2008 von Tobias Nazemi


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32 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Robert Altman der Literatur, 2. September 2007
Von 
dreamjastie (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Schweres Beben (Taschenbuch)
"Schwere Beben" entstand 1992 und weist stilistisch bereits den Weg zum Nachfolger "Die Korrekturen". Wieder wird das Innenleben einer Familie, der Familie Holland, akribisch seziert. Wieder wechselt Franzen innerhalb des Romanes die Perspektive und zerlegt den Roman dafür in vier Teile, chronologisch geordnet und doch subtil mit Rückblenden angereichert, die dem Leser zum rechten Zeitpunkt das eben Nötige enthüllen. Doch Franzen wäre nicht Franzen, würde er es sich und uns so einfach machen, denn jeder Teil des Romanes beinhaltet subtile Perspektivwechsel, als wolle er damit unterstreichen, dass im Leben nichts so ist, wie es scheint, dass alles in Bewegung ist: die weiten Passagen, die im wesentlichen und sehr akribisch Louis Holland begleiten, enfant terrible der Familie und überhaupt nicht zufrieden damit, dass seine Mutter dank einer Erbschaft jetzt Millionärin ist und sich augenblicklich daran macht, das Geld auszugeben; jene Passagen, am Anfang und am Ende des Romanes, legen den Fokus zunächst und sehr kurz auf seine schnöselige Schwester Eileen. An dem Punkt, an dem sich Louis von seiner Freundin Renee Seitchek trennt, im Mittelteil, wechselt Franzen die Perspektive und übergibt den Stab an Renee, die die Geschichte durch ihre geradezu detektivische Arbeit nunmehr vorantreibt, und doch beginnt er diesen zweiten Teil zunächst mit einer eingehenden Skizzierung ihres Studienkollegen Howard Chung. In dem Moment jedoch, in dem ein Anschlag auf sie verübt wird, wechselt er zurück zu Louis, der gerade im Haus seines Vaters Bob ankommt, um sehr schnell und unvermittelt auf diesen überzuspringen und ihm und seinen Erinnerungen Raum zu geben, die einiges von den Hintergründen der Geschichte zu enthüllen haben.
Und Franzen wäre nicht Franzen, wenn sich der Titel (im Original "Strong Motion") nur auf die Erdbeben-Serie bezöge, die den Großraum Boston heimsucht und als erstes Louis' exzentrische Großmutter zum Opfer hat. Denn damit, genauer mit ihrem bereits erwähnten Erbe, beginnen die Probleme, brechen alte Konflikte auf und entstehen neue Kontakte.
"Seit acht Jahren versuche ich, meinen Sender politikfrei zu machen", erklärt der Exilrusse Bressler Louis Holland, der als Techniker in seiner Radiostation arbeitet. "Es ist mein amerikanischer Traum - ein Sender, in dem den ganzen Tag geredet wird (keine Musik, das wäre ge-mo-gelt!), ohne dass EIN Wort über Politik fällt. Ein Radio, das den ganzen Tag Wortbeiträge bringt und keine Ideologie. Reden wir über Kunst, Philosophie, Humor, das Leben. Reden wir darüber, was es heißt, ein Mensch zu sein. Und je näher ich meinem Ziel komme - man kann es in Grafik zeigen, Louis -, je näher ich meinem Ziel komme, desto weniger Leute chören mir zu!"
So wie die Vision von Louis' Chef scheitern muss, weil Politik zu dem gehört und sich einmischt in das, was es heißt, ein Mensch zu sein, so drängt das Große und Ganze quasi als Beweis auch in das Leben der Familie Holland und stellt sie vor eine Zerreißprobe.
Und so ist auch dieser Roman das Psychogramm einer Familie und gleichzeitig das eines ganzen Landes, einer ganzen Gesellschaft. Denn je mehr Louis' Freundin Renee, die engagierte Seismologin, sich mit den Ursachen der Erdbebenserie um Boston beschäftigt, um so mehr gerät sie in einen Umweltskandal, der ein bezeichnendes Licht auf die amerikanische Wirtschaft wirft und darauf, dass - wir ahnten es - die Moral vor der Tür zu bleiben hat, wenn es ums ganz große Geld geht. Ein Konflikt, der wiederum in die Familie Holland hineingetragen wird, denn hinter den ganzen Vorgängen steckt ausgerechnet der Chemiekonzern Sweeting-Aldren, dessen Großaktionärin Louis' Mutter durch das Antreten ihrer Erbschaft plötzlich ist. Und so verwebt Franzen die Wege all seiner Protagonisten kunstvoll und leichthändig und erweist sich einmal mehr als ein Robert Altman der Literatur.
Franzen macht schon bei diesem Roman alles richtig: die Sprache ist ausgefeilt (und gut übersetzt), die Geschichte melancholisch und humorvoll zugleich und der Plot an den richtigen Stellen gebrochen. "Schwere Beben" bietet somit 685 anregende Seiten mit hervorragender amerikanischer Literatur.
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21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Keine Chance gegen die "Korrekturen", oder doch?, 10. August 2005
Rezension bezieht sich auf: Schweres Beben (Gebundene Ausgabe)
Ich sags gleich raus: Franzen hat mich mit seinen "Korrekturen" gepackt, wie schon seit Jahren kein Autor. Natürlich waren die Erwartungen gegenüber dem Frühwerk etwas geschmälert. Und wer - und davon gehe ich bei den meisten aus - die "Korrekturen" schon intus hat, wird zumindest phasenweise enttäuscht. sein. Gut, die Rahmenhandlung ist fast spannender, fast realistischer, wenngleich etwas weltverschwörerischer. Doch um die Story geht es nicht, es geht um die Darstellung der Charaktere und natürlich um die detailverliebten Darstellungen, die manchen Lesern ja auch langatmig vorkommen können. Mag der Autor hier noch nicht so perfekt gewesensein, wie später bei den Korrekturen, so liegt vielleicht gerade darin die Faszination. Mal ähnelt die Detailtreue den Korrekturen, mal ist sie weit schwächer ausgeprägt. Das ist nicht unspannend.
Aber: Die beiden Hauptcharaktere werden brilliant dargestellt, und zumindest ich habe - obwohl von Alter und Sozialistion doch eher den Korrekturen-Helden mehr zugetan - beim Lesen nicht absetzen können, wurde vom Autor noch mehr gepackt als bei den Korrekturen, zumindest phasenweise.
Natürlich ist das alles subjektiv: Schon auf den ersten Seiten fand ich "Schweres Beben" zumindest gut, dann begann eine Phase, in der mir das an "Korrekturen" erinnernde Strickmuster langweilig wurde - aber nur kurz, dann war ich drinnen und wollte immer nur mehr, mehr und mehr - so wie seinerzeit schon bei den Korrekturen, nur war diesmal meine Gier noch unbändiger.
Ich weiß nicht, ob man "Schweres Beben" nicht besser vor "Korrekturen" lesen sollte, aber auf alle Fälle ist es neben seinem Hauptwerk das empfehelenswerteste Buch von Franzen - und wie gesagt, mich hat es unglaublich gepackt.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Endergebnis: Lamberts 2 – Hollands 1, 29. November 2006
Von 
Th. Leibfried "TL" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Schweres Beben (Taschenbuch)
Man kann der Problematik schwerlich ausweichen, dass man ein Buch eines Autors liest, das einen fasziniert, man dann anschließend sich dem weiteren Werk dieses Autors annimmt, auf frühere Werke stößt und enttäuscht wird. So ging es mir nach der Lektüre von Franzens Meisterwerk ‚Die Korrekturen’ mit seinem Erstlingswerk ‚Die 27ste Stadt’, was mich dennoch nicht davon abhielt, den zwischen diesen beiden entstandene Roman ‚Schweres Beben’ zu lesen.

Der Umwelt-Liebes-Wirtschaftsroman zeigt zweifelsohne das enorme Talent Franzens. Seine Dialoge sind meisterhaft, die Charakterisierung der Hauptfiguren, neben der gesamten Familie Holland vor allem die junge Seismologin Renée, ebenfalls. Man wird von den Dialogen regelrecht aufgesogen, so sarkastisch, so realistisch schreibt er.

Für mich persönlich spielt Franzen jedoch mit zu vielen Themen auf einmal: Umweltkatastrophen ausgelöst durch Wirtschaftsinteressen, die Abtreibungsproblematik und ihre Auswüchse in den USA gemischt mit religiösem Fanatismus, Familienpsychogramme im typisch-amerikanischen Mittelstand, Liebesgeschichte zweier Außenseiter. (Auch die ‚Korrekturen’ wären für mich noch einen Deut genialer ohne den Ausflug ins Baltikum.)

Die ‚Korrekturen’ mit der Familie Lambert im Mittelpunkt bleiben für mich mit Abstand das Meisterwerk Franzens und ein Meilenstein in der amerikanischen Gegenwartsliteratur. ‚Schweres Beben’ gefällt mir allerdings deutlich besser als ‚Die 27ste Stadt’. Und damit muss man ihm eines lassen: Er wird bisher von Roman zu Roman – für die er sich ausreichend Zeit lässt – besser. Ich bin gespannt, ob er diese Entwicklung mit seinem nächsten Werk halten kann, oder zumindest nicht abfällt.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ganz ok - aber mehr nicht, 6. Januar 2008
Von 
Tobias Nazemi - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Schweres Beben (Taschenbuch)
Nicht immer ist Lesen das wahre Vergnügen. Manchmal ist es fast wie Arbeit. Dann nämlich, wenn man sich vorgenommen hat, vom Autor eines der besten Romane der letzten zehn Jahre auch die beiden Vorgängerwerke zu lesen. "Schweres Beben" ist genauso umfangreich wie Korrekturen, es wird wieder eine Familiengeschichte erzählt, es ist auch von Jonathan Franzen - aber das waren dann auch schon die Gemeinsamkeiten. Der zweite Roman von Franzen ist lediglich Durchschnittsware. Ein Plot auf Michael Crichton-Niveau etwas literarisch aufgewertet. Und gerade das stört. Immer wieder unterbricht Franzen den Erzählstrang durch langatmige Beschreibungen von Stadtvierteln, wirren Gedankenspielen seiner Protagonisten und in die Länge gezogenen Dialogen. Mein Gefühl: hier übt einer für den ganzen großen literarischen Wurf. Dies soll ihm aber erst in seinem nächsten Roman gelingen.

Trotz der knapp siebenhundert Seiten kann ich mich mit keiner der Figuren der Romanfamilie Holland anfreunden. Weder mit der lieblosen Mutter, der oberflächlichen Tochter, den Alt-68er-Vater und auch nicht mit der Hauptfigur Louis. Franzen scheint sie alle selbst nicht zu mögen. Und obwohl Louis detailliert beschrieben und erzählerisch minutiös begleitet wird, bleibt diese Figur seltsam farblos.

Auf dem Buchrücken steht: ...eine der schönsten Liebesgeschichten unserer Zeit". Vielleicht bin ich ja gefühlskalt, aber von Liebe habe ich in diesem Buch überhaupt nichts gelesen. Wenn die in vieler Hinsicht merkwürdige Beziehung zwischen Louis Holland und der Wissenschaftlerin Renee wirklich eine der schönsten Liebesgeschichten unserer Zeit sein soll, dann müssen wir uns ernsthaft Sorgen um unsere Zeit machen. Er ist mit ihr zusammen, weil keine andere sich für ihn interessiert, verlässt sie sofort, als die junge hübsche Lauren wieder auftaucht und kommt schließlich wieder zu ihr zurück, weil die biestige Lauren ihn nicht ran lässt. Sie nimmt ihn, weil er nicht locker lässt, sich penetrant bei ihr festsetzt und ihr scheinbar sowieso alles egal ist. Am Ende entscheiden sich beide für den Spatz in der Hand, weil die Tauben auf dem Dach für beide unerreichbar sind.

Was gut rüberkommt und das Buch trotz allem doch lesbar macht, ist die Beschreibung der Lieblosigkeit der Mutter, die Entfremdung und Kälte zwischen den Geschwistern und die durchaus spannende Geschichte über ein sich unethisch verhaltenes Chemieunternehmen. Das wars dann aber auch.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erschütterungen aller Art, 16. April 2007
Von 
HeikeG (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Schweres Beben (Gebundene Ausgabe)
"Schweres Beben" - der Titel lässt schon einiges erahnen.

Man kann ihn in unterschiedlicher Weise interpretieren. Zum einen geht es in diesem Roman ganz konkret um Erdbeben: immer wieder finden Erdbeben statt und treiben die Handlung voran. Aber sie sind auch eine Metapher für zwischenmenschliche Beziehungen.

Im Großen und Ganzen geht es in diesem Roman um Konsumgier, Wirtschaftskriminalität, Umweltschutz, Abtreibung, Religion, Liebe und persönliche Verantwortung.

Aber es dauert ein paar Seiten, bis die Handlung dynamisch und spannend wird, denn Jonathan Franzen geht nicht nur auf viele Themen ein, sondern auch auf Nebensächlichkeiten und Biografien von Randfiguren.

Man liest auf fast 700 Seiten nicht nur einen Roman, vielmehr hat man den Eindruck, zwischen mehreren Romanen zu zappen, einem Kriminal-, einem Familien-, einem Liebes-, einem Entwicklungs- und einem Campusroman; sie sind miteinander verknüpft:

Der Krimi beginnt damit, dass die Seismologin Renée Seitchek eine schockierende Entdeckung macht: die Erdbeben sind größtenteils auf kriminelle Machenschaften eines Chemieunternehmens zurückzuführen.

Der Familienroman wiederum zeigt eine Familie, die auseinander driftet. Mutter und Tochter sind gesellschaftlich angepasste Egoistinnen, die ihre materiellen Interessen wahrzunehmen wissen. Vater und Sohn zeichnen sich durch Nonkonformismus und Gleichgültigkeit gegenüber finanziellen Belangen aus. Gezeichnet ist ein Konflikt zwischen Sohn und Mutter. Diese erbt einen Teil der Aktien des kriminellen Chemieunternehmens, und so wird die Brücke zwischen Familienroman und Kriminalroman geschlagen.

Der Sohn Louis liebt Renée, was zum Liebesroman hinüberleitet.

Der Entwicklungsroman führt vor, wie aus dem unentschlossenen, teilweise aggressiven Einzelgänger Louis, ein milder und versöhnlicher Mensch wird, der sich in die Gesellschaft zu integrieren beginnt.

Bleibt als letztes der Campusroman, welcher in einem geologischen Institut der Harvard-Universität, besonders in dem dortigen Computerraum, spielt, wo Nachwuchswissenschaftler nicht gerade einträchtig ihren Forschungen nachgehen.

Trotzdem hat der Roman ein durchgehendes Thema, die Umweltzerstörung. Auch im unsensationellen Alltag wird der Blick immer wieder darauf gelenkt, wie sehr die Abfälle der Industriegesellschaft die Welt verschandeln. Aufzählungen von weggeworfenen hässlichen Gegenständen durchziehen den Text.

Keineswegs erschwerend war für mich, dass Franzen oftmals unangekündigt in der Zeit hin- und her springt (dies ist eine "Eigenheit", die ich schon in den "Korrekturen" faszinierend fand). Es könnte natürlich für den ein oder anderen Leser eine echte Herausforderung werden, an jeder Stelle den Überblick über die Zeit zu behalten, in der die momentane Handlung spielt.

Franzen punktet wieder deutlich im sprachlichen Bereich. Lange Schachtelsätze, die sich teilweise über ganze Absätze ziehen, sind keine Seltenheit, doch sind sie stets so formuliert, dass man beim Lesen nie den Überblick verliert. "Schweres Beben" ist wunderbar zu lesen und macht auch auf sprachlicher Ebene einfach Spaß.

Fazit:

Ein Gesellschaftsbild zu zeichnen anhand einer Familiensaga - das ist Franzens hohe Kunst.

Thematisch hat Franzen sein Buch ziemlich vollgepackt, oftmals schweift er in seiner Erzählung ab und verlangt von seinen Lesern dadurch einen langen Atem. Inhaltlich ist "Schweres Beben" durchaus interessant und auch hochaktuell, ein spannender und tiefsinniger Roman, der den Leser in die Abgründe der amerikanischen Gesellschaft entführt.

Das Buch hat einen unwiderstehlichen Humor zwischen ironisch und giftig. Franzen erzählt in grandios unerbittlichen Dialogen und verwebt virtuos Charaktere, private Beziehungen und soziales und politisch-wirtschaftliches Geschehen ineinander.

"Schweres Beben" ist moralisch und zynisch, heftig und sanft, komisch und traurig zugleich, ein bunter, lauter, leidenschaftlicher, wütender, manchmal aber auch romantischer Roman.

Wer "Die Korrekturen" gern gelesen hat, dürfte "Schweres Beben" nicht reizlos finden. Es enthält bereits einige Charaktere und Konstellationen, die in "Korrekturen" aufgegriffen und variiert werden. und wer einen Liebes-, Familien-, Gesellschafts- und Katastrophenroman in einem vollgepackten Paket ertragen kann, der ist bei "Schweres Beben" an der richtigen Adresse.

Anmerkungen zum Hörbuch:

Auch der Hörbuchliebhaber kann sich entspannt zurücklehnen, denn man hat eine sorgsam gekürzte Lesung im CD-Player, die alle Handlungsstränge enthält und nur die vereinzelt bemängelten Längen präzise ausräumt. Die Handlung wird so geschickt verdichtet, dass man tatsächlich nichts vermisst.

Den unverwechselbaren "Franzen-Ton" vermag Gerd Wameling präzise zu treffen und vermittelt dem Hörer somit die gesamte im Text schlummernde Emotionswelt. Er hat ein unglaublich wandlungsfähige Stimme und macht dadurch die Lesung - ohne Musik und Geräusche - recht abwechslungsreich. Er individualisiert jeden Protagonisten und brilliert bei der Herausarbeitung versteckter Pointen. Sehr lustig ist Louis' Chef beim Radiosender, ein eingewanderter Russe. Folglich verleiht ihm Wameling einen russischen Zungenschlag, der allerdings schon einen gehörigen amerikanischen Einschlag beim gerollten R anklingen lässt. Auch das Tempo versteht er einfühlsam zu regulieren, so dass der Hörer mitbekommt, wann eine Rückblende beginnt. Und in zärtlichen Szenen wie zwischen Renee und Louis ist er unschlagbar in seiner feinfühligen Darstellung. Ein echter Pluspunkt. Da kann man schon mal über seine Charleys-Tante-Stimme für bestimmte Frauenfiguren hinwegsehen ;-)

Das Booklet bietet Informationen zu Autor, Sprecher und Produktion.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Erde kracht - der Hörer lacht, 10. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Schweres Beben (Audio CD)
Melanie, frisch gebackene Alleinerbin eines Multi-Millionen-Erbes, wird ihres neuen Lebens nicht froh: ihre Tochter heult sich die Augen aus, weil sie ihr vom Vermögen nichts abgibt. Ihr hochintelligenter, aber in ihren Augen missratener Sohn Louis, dessen einziges Manko das Fehlen jeglichen Interesses an Konsumgütern ist, verachtet sie wegen ihrer Egozentrik und ihres Geizes und ihr Ehemann bekifft sich lieber, statt mit ihr zu reden – geschweige denn andere Dinge gemeinsam zu tun. Genüsslich seziert Franzen in seinem Roman „Schweres Beben“ die amerikanische Familie und den American-Way-of-Life ohne jedoch ein hoffnungsloses Bild der amerikanischen Jugend zu präsentieren.
Wie ein Domino-Effekt setzt ein Erdbeben eine Kette von Ereignissen in Kraft, deren Zusammenhang anfangs nicht offensichtlich ist. Das „Schwere Beben“, so der Titel des Romans, haut Louis volltrunkene Großmutter dergestalt von den Beinen, dass sie an den Folgen stirbt. Die Freude über das 22 Millionen Dollar schwere Vermächtnis tröstet Melanie, Louis Mutter und Allein-Erbin, schnell über den Verlust der ohnehin unbeliebten Verwandten hinweg. Doch ans Teilen denkt die egozentrische Mutter nicht. Weder Louis, einer Mischung aus Bill Gates und Woody Allen, noch ihrer Tochter Eileen, Abziehbild von Cameron Diaz, will sie einen Cent abgeben.
Zufällig lernt Louis die Seismologin Renee kennen, die die Ursachen der Beben erforscht. Diese findet bei ihren Recherchen zu den merkwürdigen Erdbeben ein Gutachten des Chemiekonzerns Sweeting-Aldren aus dem hervorgeht, dass dieser Konzern seit über 20 Jahren illegal giftige Abwässer in unterirdisch angelegte Reservoirs entsorgt. Diese brisante Entdeckung bringt die beiden in Lebensgefahr und sie haben ihre Liebe Not, unbeschadet zu entkommen. Apropos Liebe: natürlich verlieben sich die Beiden ineinander, streiten, verlassen und versöhnen sich wieder bis zum Tränen treibenden Happy End. Doch Franzen beschränkt sich nicht auf die Elemente des Kriminal- und Liebesromans. Durch viele größere und kleinere Episoden flichtt er geschickt gesellschaftskritische Töne in den Plot. So prangert er die Macht der Fernsehprediger genau so an wie die bigotte Moral der Amerikaner. Er scheut sich auch nicht vor Kritik an der überbordenden Reagan-Administration oder an der Profitgier Multi-nationaler Konzerne.
Das dieses Mammutwerk weder langatmig noch überfrachtet wirkt, verdankt man dem Umstand, dass es sich hier um eine brillant verfasste „autorisierte Lesefassung“ handelt, die die manchmal bemängelten Längen der Buchausgabe vermeidet, ohne dabei selbst kleinste Details unter den Tisch fallen zu lassen. Franzens ganz besondere Kunst liegt in der Ausgestaltung seiner Dialoge. Als Beispiel empfehle ich hier auf der zweiten CD den dritten Track. Unglaubliche 8 Minuten braucht die völlig entnervte Melanie, um Louis dazu zu bringen, sie nicht mehr zu dem ererbten Vermögen zu befragen. Diese intensive, ironische, überzeichnende und witzige Grundhaltung durch zieht den gesamten Roman.
Dass dem Hörer auch ja nicht die kleinste Anspielung verloren geht, dafür sorgt Gerd Wameling mit seinem ausgeklügelten Vortrag. Gerade die Szenen, in denen sich Louis Mutter Melanie, dem gespielten Nervenzusammenbruch nahe, theatralisch Verzweiflung mimend, in Selbstmitleid ergeht, sind einfach großartig und wahnsinnig witzig. Dabei gelingt es dem Sprecher spielend, den Hörer über die gesamte Laufzeit an den Kopfhörer zu fesseln. Seine prägnante, jedoch nie unangenehme Stimme geht auch bei Bahnhofsansagen nicht in die Knie sondern setzt sich im Ohr des Hörers fest. Das Hörbuch wird in einer stabilen Schmuckbox geliefert, dem ein informatives Booklet beiliegt. Einziger, und wirklich winzigster Kritikpunkt ist das fehlende Namens- und Ortsregister, das den Hörgenuss noch vervollständigen würde, welcher jedoch bisher kein einziger Hörverlag mitliefert.
Fazit: Nicht nur die Erde, sondern auch das Zwerchfell zittert bei diesem Hörbuch. Franzen ist ein begnadeter Erzähler, dem man eventuelle Längen gerne verzeiht und sich an seiner Detailfülle und genauen Recherche ergötzt. Ein positivistischer Roman, ein Spiegel der Gesellschaft, ein Liebesroman und ein Öko-Thriller – all diese Komponenten vereint Franzen ohne sich dabei in Klischees oder Kitsch zu verlieren. Dieser Roman wärmt mehr als ein Kaminfeuer.
(C) Wolfgang Haan
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zäh..., 24. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: Schweres Beben (Taschenbuch)
"Was Franzen jedenfalls damals schon konnte, ist, den Leser über fast 700 Seiten gefesselt zu halten und für seine Charaktere zu interessieren", schreibt die Amazon-Redaktion, doch genau das wollte Franzen bei mir ganz und gar nicht gelingen. Während "Die Korrekturen" eins der besten Bücher ist, die ich je gelesen habe und die "27te Stadt" zumindest als Hörbuch ganz unterhaltsam war, verging mir bei "Schweres Beben" ziemlich schnell die Lust, die Geschichte weiter zu verfolgen. Keine Sekunde lang hat eine der Hauptpersonen mich näher interessiert, und so fand ich es von Anfang an extrem störend, wenn Franzen deren Alltagshandlungen bis ins kleinste Detail seziert. Wieso ist es für den Leser wichtig zu wissen, was Louis alles sieht, während er eine Straße entlang geht, obwohl das für den Verlauf der Handlung völlig unerheblich ist?
Genauso wenig überzeugt die Charakterzeichnung in meinen Augen, denn ich konnte kaum jemals eine Reaktion wirklich nachvollziehen. "Louis fühlte sich innerlich so abgestorben", liest man z. B. auf S. 120 als Reaktion darauf, dass Vater Bob Louis' neuen Bekannten eine langweilig-krude Anekdote erzählt, so dass sich mir häufiger der Verdacht aufdrängte, dass der Autor hier lediglich versucht, Relevanz zu erzeugen, wo keine ist.
Endgültig verloren hat Franzen mich dann auf S. 125/26, wo er auf über einer (kleingedruckten!) Seite ausführlichst beschreibt, welche Müllstücke im Frühling am Straßenrand liegen. So kriegt man 700 Seiten natürlich auch voll...
Den zweiten Stern gibt's bei mir lediglich, weil man an manchen Stellen eben doch schon die geniale Erzählweise der "Korrekturen" vorausahnen kann. Um ein Drittel bis die Hälfte gekürzt, wäre bestimmt auch "Schweres Beben" ein literarisches Schwergewicht.
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20 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Kein Vergleich mit "Korrekturen"!, 31. Juli 2005
Rezension bezieht sich auf: Schweres Beben (Gebundene Ausgabe)
Eigentlich war es ja schon vorher klar: Wenn ein Verlag sich nach einem großen Erfolg entschließt, frühe Werke des Autors zu veröffentlichen, ist die Enttäuschung in aller Regel vorprogrammiert! Nach der "27ten Stadt" im vergangenen Jahr so leider auch mit "Schweres Beben", ein Franzen aus dem Jahr 1992.
Wieder stellt der Leser fest, dass nur "Korrekturen" die Tiefe und das Format eines großen Romans haben!
Dabei beginnt das neue Buch von Jonathan Franzen durchaus vielversprechend: Wieder findet sich der Leser recht schnell in die Handlung rein, wieder geht es um eine Durchschnittsfamilie, ihren inneren Zusammenhalt, ihre Brüche, ihre Lebenslügen.
Erzählt wird diesmal von einer Familie mit zwei erwachsenen Kindern, die anlässlich des Todes der Stiefgroßmutter zusammenkommt, die durch ein Erdbeben plötzlich zu Tode kam. Schamlos zanken sich die Familienmitglieder um das stattliche Erbe, während sich zeitgleich eine Liebesgeschichte anbahnt zwischen dem Sohn und einer Seismographin, die das Beben untersucht... soweit so gut! Dieser Stoff gibt schon einiges her und Franzen gelingt es auch auf den ersten hundertfünfzig Seiten Spannung zu erzeugen. Dann jedoch flacht das Buch mehr und mehr ab und Franzen schafft es nicht mehr, den Leser bei der Stange zu halten. Natürlich liegt die Messlatte bei diesem Autor besonders hoch, vielleicht hat man auch zuviele ähnliche Geschichten in den letzten Jahren gelesen, denn amerikanische Familiengeschichten liegen ja durchaus im Trend! Dennoch, mit Korrekturen hat Franzen Maßstäbe gesetzt, einen Nerv getroffen! So warte ich gespannt auf ein wirklich neues Buch von ihm!
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Erde - genötigt und misshandelt, 9. November 2007
Von 
Esther (Graz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Schweres Beben (Taschenbuch)
Die Hollands sind eine typische Familie, zwei Kinder: Tochter (Eileen) und Sohn (Louis), beide (angehende) Akademiker - ob Technik oder Betriebswirtschaft - einerlei! Vater Holland (Bob) Universitätsprofessor, unverbesserlicher Idealist und tragikomische Figur (außerhalb der eigenen vier Wände). Mutter Holland (Melanie) ungewisse Millionenerbin, vorläufig weniger flüssig, selbstbezogen und dennoch unbegrenzt hoffnungslos. Miteinander kommen sie mehr schlecht als recht aus - obwohl: Bemühungen vorhanden.

Mehrere kleine Erdbeben im Raum Boston verunsichern die Bevölkerung, kleine Schäden am Eigentum werden repariert, eine ältere Dame stirbt und vererbt Melanie Holland die Millionen ihres Vaters in Form von Aktien eines Chemiekonzerns. Als sich die Seismologin Rene - Freundin von Louis - für die unvermutet auftretenden seismischen Aktivitäten zu interessieren beginnt, mündet der (geplante?) Familienroman in ein politisches und durchaus spannendes (Liebes)Drama mit Thrillerallüren.

Die Charaktere sind sehr klar gezeichnet, unterschiedlicher könnten sie nicht sein - eine Familie schlechthin. Während die materiell sehr verzogene Eileen eine Lebensweise pflegt, wie Mütter sie führen, gibt Louis sich größte Mühe, seinen hartnäckigen Konfrontationskurs auch in der neuen Beziehung strikt beizubehalten, eckt dort an, wo keine Kanten zu sehen sind, verletzt Menschen mutwillig, um seine Grenzen abzustecken und fragt sich anschließend, warum eine Entschuldigung nicht ausreicht, um dort weiter zu machen, wo er kurz mal unterbrochen hat.

Rund um interessante aber sehr zynische Personen, eine spannende Story, laufend wechselnde Perspektiven trotz vorherrschendem Erzählstrang, ernsthafte, einfühlsame Situationen in einer vorwiegend sehr realistischen Geschichte. Ein etwas schwaches Ende - a la: "Friede Freude Eierkuchen" - schmälert die generell sehr gute Performance dieses durchaus empfehlenswerten Romans etwas.
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4.0 von 5 Sternen Leichtfüßige Fingerübungen, 17. Februar 2010
Rezension bezieht sich auf: Schweres Beben (Taschenbuch)
Eine Serie von leichten bis mittelschweren Beben im Großraum Boston bringt zum Ende der 1990er Jahre hin das Leben einer ganzen Familie in Bewegung.
Der plötzliche Tod der reichen Erbtante infolge eines dieser Beben führt die Familie zunächst aus verschiedenen Teilen der Staaten zusammen, nur um sie dann mit immer größer werdenden Brüchen, sowohl in den Beziehungen zueinander als auch im moralischen Fundament, zu konfrontieren. Die komplizierte Liebe von Louis, dem Sohn bzw. Enkel besagter Familie, zu einer Seismologin führt dann in einem wiederum von Beben begleiteten Showdown zur Aufdeckung eines großen Industriekomplotts und indirekt auch zur Klärung einiger Konflikte innerhalb der Familie, nachdem deren zahlreiche Leichen im Keller entdeckt werden.

Vorher bearbeitet Franzen aber sehr gekonnt noch Themen wie den Aufstieg der U.S.A. auf Kosten der Indianer und der Umwelt, die Fragwürdigkeit fundamentalistischer Ansichten zum Thema Abtreibung sowie die Fragwürdigkeit des kapitalistischen Systems insgesamt ab. Und als Bonus gibt es eine leider zu kurz geratene Waschbärengeschichte.

Was als die offensichtliche, große Parallele der Geschichte etwas aufgesetzt wirkt - die Erdbeben als Entsprechung zu den inneren Verwerfungen in der Familie - wird von Franzens Fabulierlust schnell vergessen gemacht.
In seinem zweiten Buch gibt es zwar noch einige recht offensichtliche Schönheitsfehler - etwa die oben angeführte Parallele oder auch die zum Teil nicht wie üblich lebendige Charakterzeichnung. So bleibt dem Leser etwa Louis, eine der Hauptpersonen, übers gesamte Buch gesehen merkwürdig fremd, während sein Schwager trotz deutlich kürzerer Passagen schnell plastisch wirkt.

Dennoch kann man insgesamt schon einige von Franzens großen Stärken hier versammelt finden - die fast epische Wucht der Entwicklung, die scheinbare Unvermeidlichkeit der Geschehnisse aus psychologischer Sicht und die wieder sehr unterhaltsamen und lehrreichen Exkurse, die für mich die Höhepunkte im zweiten Teil des Buches darstellen.
Auch wenn die Meisterschaft der Korrekturen" hier tatsächlich noch nicht erreicht wurde überragt dieses Buch aus meiner Sicht doch sehr Vieles von dem, was alljährlich auf den Buchmarkt schwappt. Ich kann die Lektüre nur empfehlen!
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Schweres Beben
Schweres Beben von Jonathan Franzen (Taschenbuch - 1. August 2006)
EUR 10,99
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