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82 von 86 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kolossaler Rundumschlag
Na klar, man muss es einfach gelesen haben, dachte ich mir, das Werk, von dem so oft die Rede ist, an das sich angesichts der über 500 Seiten aber die wenigsten so richtig heranwagen.

Gut, gesagt, getan, gelesen. Und nun steht mir vor Staunen immer noch der Mund offen: Rushdie gelingt es mit seinem Werk einen kolossalen Rundumschlag durch mehrere...
Veröffentlicht am 7. Februar 2007 von RaphaelSinclair

versus
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schwere Kost
Ich kaufte dieses Buch, da ich mir selbst ein Bild über den Inhalt machen wollte, auf Grund dessen der Autor zum Tode verurteilt wurde. Das Buch ist als leichte Unterhaltung nicht geeignet. Ich quälte mich regelrecht durch die Kapitel. Auch der Stil, die ungewohnt blumige und langatmige Erzählweise ist sehr gewöhnungsbedürftig (nichts für...
Vor 7 Monaten von Anubis veröffentlicht


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82 von 86 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kolossaler Rundumschlag, 7. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Die satanischen Verse (Taschenbuch)
Na klar, man muss es einfach gelesen haben, dachte ich mir, das Werk, von dem so oft die Rede ist, an das sich angesichts der über 500 Seiten aber die wenigsten so richtig heranwagen.

Gut, gesagt, getan, gelesen. Und nun steht mir vor Staunen immer noch der Mund offen: Rushdie gelingt es mit seinem Werk einen kolossalen Rundumschlag durch mehrere Jahrtausende Kultur, Geschichte, Literatur und Religion zu schlagen. Es scheint, als habe er die Schriften der drei monotheistischen Weltreligionen, Ovids Metamorphosen, Dantes Divina Comedia und viele Märchen, sowohl westlicher als auch orientalischer Provinienz, in einen großen Kochtopf gegeben, sie mit einer spannenden Handlung und fantastischer Erzählweise gewürzt und schließlich mit einer Prise grotesken Humors verfeinert.

Scheinbar schwerelos springt der Erzähler in Raum und Zeit, eben noch im Bombay des 20. Jahrhunderts, dann schon wieder im Mekka zur Zeit Mohameds, um daraufhin wieder den Ort und die Zeit zu wechseln. Großartig auch die Verschmelzung von fantastischen Elementen mit der Realität, wobei dem Leser jeweils verschiedene Versionen angeboten werden, und er sich selbst die Frage stellen muss: War es so oder war es nicht so?

Um es noch mal kurz zusammenzufassen: Rushdies Satanische Verse sind allumfassend, monumental und daher bei einmaligem Lesen wohl überhaupt nicht zu verdauen. Dennoch sollte man sich weder von der Dicke des Buches noch von der manchmal etwas fremdartig anmutenden und unverständlich scheinenden Erzählung nicht abschrecken lassen. Also ich habe nach ersten Anlaufschwierigkeiten (Kapitel 2!) das Buch nicht mehr aus der Hand legen können und mich dabei keine Sekunde gelangweilt!
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42 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch als Wegmarke eines Zeitenbruchs, 9. März 2008
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die satanischen Verse (Taschenbuch)
Mitunter markieren Bücher Zeitenwenden. Ein solches Buch ist Salman Rushdies "Satanische Verse", nicht weil es so unglaublich gut, sondern weil es so unglaublich exemplarisch ist. Mit der Fatwa, die die Islamisten in der ganzen Welt nach dem Erscheinen des Buches gegen den Autor ausriefen, wurde eine Epoche eingeläutet, für die Samuel Huntington erst einige Jahre später den Begriff "Clash of Zivilisation" einführen sollte.
Was ist es nun, was dieses Buch so unglaublich brisant macht? Das ist nicht so einfach zu erklären, weil die "Satanischen Verse" drei Bücher in einem bündeln. Zunächst ist es ein Buch über den modernen Inder, der im Kontakt mit der westlichen Moderne seinen Glauben verliert. Also auch ein Buch über Salman Rushdie selbst. Dargestellt wird dieser Handlungsstrang durch Gibril und Saladin aus Bombay, die nach einem Flugzeugabsturz eine Metamorphose durchmachen - aus dem einen wird der Erzengel Gabriel aus dem anderen der Scheitan", wobei es für den Leser nicht immer deutlich wird, wo Imagination, magischer Realismus, Psychose und Realität am Werk sein sollen. Da ist der moderne Poet am Werk, und dem Leser stehen vor lauter bizzarer Unwahrscheinlichkeiten die Haare unter Hut, Kappe oder Turban regelrecht zu Berge.
Das weltweite Aufsehen und die Morddrohungen des schiitischen Klerus erregte die zweite Geschichte, die den Propheten Mohammed als einen taktisch begabten Schwindler darstellt und seine Harmesdamen in eine prekäre Nähe zu Prostituierten rückt. Nach dem westlichen Literatur- und Toleranzverständnis befindet sich in diesen Passagen nichts Geschmackloses oder Unanständiges, aber innerhalb des Islams können solche Passagen einem Autor das Leben kosten. Das in aller Klarheit deutlich gemacht und damit gleichsam als Antikörper einer neuen Epoche eine so heftige Immunreaktionen erzeugt zu haben, dass über den Gegensatz von Islam und Moderne kein Zweifel mehr möglich ist, das ist das bleibende Verdienst dieses Buches.
Die dritte Geschichte des vorliegenden Buches handelt von der Pilgerfahrt eines moslemischen Dorfes aus Maharasthra nach Mekka, an deren Ende die gesamte Pilgerschar im arabischen Meer ertrinkt, als sie versucht, von Bombay durch den Ozean nach Arabien zu wandern. Für mich ist dies die eindrucksvollste Geschichte des Buches, ich selbst habe sie am Chowpattybeach in Bombay gelesen, genau an dem Ort, an dem der Autor die Gotterfüllten ertrinken und damit unendliche Assoziationen über das Verhältnis von Religion und Moderne evozierten lässt.
Insgesamt besitzt das Buch eine unglaubliche Sprachkraft, eine traumwandlerische Sicherheit des Ausdrucks, eine schier unbegrenzte Erfindungsgabe und eine fast sinnlich spürbare Anschaulichkeit, die auch durch gelegentliche Exkurse nicht beeinträchtigt wird. Sogar zu lachen gibt es in diesem so geschichtsschweren Werk das eine oder andere - man lese nur die Passagen, in denen London tropisch wurde, die Karikatur des Ayatollah oder die Darstellung von Cat Stevens, der als moslemischer Konvertit und durchgeknallter Bilal X die Bühne der Weltliteratur betritt. Dass Rushdie dafür vom Ayatollah ( Teheran ) und von Cat Stevens (London) gleichermaßen mit dem Tod bedroht wurde, sagt mehr aus über die wahren Frontstellungen unserer Gegenwart als hundert Romane.
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46 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterhaft, 15. August 2003
Von 
B. Lutze (Potsdam) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die satanischen Verse (Taschenbuch)
Ein unglaublich wichtiges Buch. Nicht weil es die Authenzität Mohammeds in Frage stellt oder den Engel Gabriel in Form eines schizophrenen, gescheiterten Schauspielers mit Mundgeruch darstellt, sondern weil es generell neue Denkanstöße gibt, was den Glauben an sich betrifft: Menschen glauben das, was sie glauben wollen. Die satanischen Verse tauchen in dem Buch zweimal auf: Zum ersten Mal empfängt sie Mohammed von einem falschen Engel Gabriel, als es um die Anerkennung der wichtigsten Heidengötter in Mekka geht. Zum zweiten Mal flüstert Saladin Chamcha satanische Verse durchs Telefon zu Farischta, woraufhin Gibril Farishta verrückt wird und vollends durchdreht. Beide Male stellen sich die satanischen Verse als Falschwahrheiten heraus, die der Empfänger im Grunde hören wollte und schon vor dem Empfangen glaubte. Diese Allegorie finde ich meisterhaft und atemberaubend. Wie oft ist das doch wirklich so, dass wir in heiligen Schriften nur die Bestätigung für das Suchen, was wir ohnehin glauben wollen, ohne bereit zu sein, uns von den alten Denkmustern zu befreien. Salman Ruschdie überspitzt hier natürlich, aber er schildert die Geschichte Mohammeds aus Sicht eines schizophrenen Träumers. Als literarisches Stilmittel finde ich das, auch als gläubiger Mensch, sehr spannend.
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22 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Aufgeklärte Irrationalität, 12. Mai 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die satanischen Verse (Taschenbuch)
Was in diesem Buch an Nebenhandlungen erzählt wird, was sich an Nebenschauplätzen abspielt, was sich aus Nebenrollen entwickelt, hier und jetzt und in der Vergangenheit, in der Luft und auf dem Boden, im Himmel und auf der Erde und auch irgendwo dazwischen, das ist typisch für die großartige Erzählkunst Rushdies. Es kann auch nicht anders erzählt werden von Göttern und Dämonen, Menschen die sich verwandeln zu Engeln, Teufeln, Geistern, oder von prototypischen Menschenleben, in denen Erfolg, Demütigung, Enttäuschung erlitten wird, schließlich einer Wandlung eines Emigranten aus der Irrationalität der uns unvorstellbaren indischen Welt zur übertriebenen Rationalität des Immigranten in England und wieder zurück zur Irrationalität eines Teufels und eines Engels.
Rushdie schöpft aus der überreichen Misch-Masch-Kultur seiner Heimat Indien, die er wohl in London in verkleinerter und auch abgeschwächter Form wiedergefunden hat. Er beschreibt den Verlust eines Glaubens an einen Gott, an irgendeine Gottheit, mit phantastischen, nur so von Göttern und deren Derivaten gespickten Bildern. Trotz der unzähligen Erzähl-Stränge verliert Rushdie nie den "Roten Faden". Dieser Faden ist letztlich die verzweifelte Suche nach einer Identität eines Auswanderers zwischen den beiden Urbildern der Rationalität und Irrationalität, England und Indien.
Wieso sich Islamisten durch dieses Buch zur Fatwa beleidigt fühlen? Wird doch der Ayatolla, vor seiner Revolution im Londoner Exil, als übermenschlicher Imam dargestellt, der "reine Kraft" ist, "ein elementares Wesen; er bewegt sich ohne jede Regung, handelt ohne jedes Tun, spricht, ohne einen Laut von sich zu geben." Und: "... der Imam, wenn er sich bewegen möchte, stillt bleibt und die Welt um sich herum bewegen kann." Doch Rushdies Vergehen ist die Sicht auf den Propheten aus aufgeklärten, europäischen Augen, den er als historisch begreifbares Produkt seiner Zeit darstellt. Damit stellt er die allerhöchste Integrationsfigur der Moslems in Frage, leitet sich die Legitimation eines Oberhaupts eines islamischen Staates doch einzig und allein von einer direkten Linie vom Propheten ab. Zum anderen ist die Fatwa als Präzedenzfall bestens geeignet, um den universalen Anspruch der Islamisten zu demonstrieren und hat so kaum etwas mit den "Satanischen Versen" zu tun: Rushdie ist als britischer Staatsbürger der erste nicht in einem islamischen Staat Lebende, der mit einer juristischen Sanktion aus dem islamischen Recht belegt worden ist, das bis zu diesem Zeitpunkt nur für die islamische Welt gegolten hat.
Wer reicht Fabulierkunst liebt, dem ist dieses Buch zu empfehlen. Es ist nicht Rushdies bestes, zählt aber zu seinen besten.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Halluzinationen eines Engels, 5. September 2007
Rezension bezieht sich auf: Die satanischen Verse (Taschenbuch)
In diesem Jahr habe ich das Buch - knapp 20 Jahre nach seinem ersten Erscheinen - zum zweiten Mal gelesen. Möglich, dass es mich beim ersten Lesen zu sehr verwirrt hatte; jedenfalls hatte ich nicht mehr allzu viel behalten. Wobei ich ja gleich zugeben muss: so leichtfüßig dieses Buch daherkommt, so ist es doch manchmal sehr verwirrend. Es ist ein ungeheuer bunter Teppich, der da gewirkt wird, mit einer Unzahl von Personen und Handlungen. Es springt quer durch die Zeiten, es erzählt von Wundern, die es doch zugleich in Frage stellt; es ist eine Komödie und doch zugleich tieftraurig.
Unterteilt ist das Buch in neun Kapitel. Im ersten, dritten, fünften, siebten und neunten geht es um das Schicksal seiner zwei Protagonisten Gibril Farishta und Saladin Chamcha, beide Filmschauspieler aus Bombay, die in "Bollywood" Produktionen mitgewirkt haben. Gemeinsam stürzen sie nach der Sprengung ihres Flugzeugs, der "Ghulistan" (im Islam einer der beiden Paradiesgärten) aus 12000 Metern vom Himmel. Wunderbarerweise überleben sie diesen Sturz. Sie kommen an der englischen Kanalküste herunter und verwandeln sich; Gibril Farishta in den Engel Gibril (im Christentum identisch mit dem Engel Gabriel) Saladin Chamcha in den Teufel. Deshalb wird Chamcha auch gleich verhaftet und von der Polizei misshandelt, während Gibril unbehelligt nach Großbritannien einreisen darf.
Während es in den ungeraden Kapiteln eher um "profane" Dinge geht (also um den Ehebruch von Chamchas Frau mit dessen besten Freund, um die Probleme von Einwanderern in Großbritannien und vieles anderes) erzählen die Kapitel zwei, vier, sechs und acht von den "himmlischen" Dingen. Ob hier wohl das Wort "Legende" angemessen ist? Ich bin mir da nicht so sicher. Jedenfalls geht es im zweiten und vierten Kapitel um den Propheten Mohammed (im Buch mit dem Schimpfnamen "Mahound" genannt, den ihm die Christen des Mittelalters gaben) der gegen die Vielgötterei in "Jahilia" (also Mekka) ankämpft und dabei gegen den reichen und mächtigen Karim Abu Simbel und dessen Frau Hind antreten muss, die verschiedene Göttinnen verehren. Es ist ein ungleicher Kampf, denn Abu Simbel und seine Frau sind einflussreich und Mahounds Anhänger sind wenige und stammen zudem noch aus der Unterschicht. Aber dann macht Abu Simbel Mahound ein Angebot: Wenn er drei weibliche Gottheiten als Engelwesen in seiner Lehre anerkennt, will Abu Simbel - und mit ihm ganz Jahilia - sich zum neuen Gott Allah bekehren, der nach Mahounds Lehre allein Gott ist. Also steigt Mahound auf den Berg, auf dem er immer die Offenbarungen des Engels Gibril bekommt und erfährt dort, dass die drei alten Gottheiten als Engelwesen in die Lehre aufgenommen werden. Später nimmt Mahound, von Zweifeln gequält, die Worte wieder zurück; sie seien ihm nicht von Gibril, sondern vom Satan eingegeben worden.
Unmöglich auf so begrenztem Raum auch nur eine Skizze des Geschehens zu geben. Aber einige Züge dieses Romans sollen doch noch Erwähnung finden. Da ist vor allem Gibril, in seiner Doppelrolle als Mensch und Engel. Die Verknüpfung zwischen der Ebene des realen und des legendenhaften ist wunderbar gestaltet. Der Berg, auf den der Prophet zum Empfang seiner Botschaften steigt, heißt "Mount Cone" und Alleluja Cone wiederum ist die Freundin Gibril Farishtas, eine Bergsteigerin. Gibril selbst ist sich unsicher, was er dem Propheten sagen soll; im Grunde ist es der Prophet selbst, der sich die Offenbarungen gibt. In den späteren legendenhaften Kapiteln heißt es sogar: Gibril träumte", und aus dem Traum entwickelt sich dann die Handlung.
Natürlich ist Rushdie ein Skeptiker; da haben die Muslime, die dieses Buch mitsamt seinem Autor in die Hölle verdammt haben, schon recht. Es stellt die Religion in Frage; nicht nur den Islam, sondern eigentlich jede Religion. Aber wirklich festzulegen ist Salman Rushdie nicht. Weder auf den Glauben, noch auf den Zweifel. Im ersten Kapitel geschieht das Wunder: Zwei Menschen, die aus 12000 Metern abstürzen, überleben. Im achten Kapitel dagegen, wo es um die Wiederholung des Zugs der Israeliten durch das Schilfmeer geht, nur dass hier indische Pilger durch das Meer nach Mekka ziehen wollen, geschieht es eben nicht; die Pilger ertrinken. Ja, im Grunde sät Rushdie selbst Zweifel daran, ob das, was er da geschrieben hat, wirklich wahr ist. Es können eben alles auch nur die Halluzinationen eines Menschen sein, der den Namen eines Engels trägt.
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20 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sehr gutes Buch mit kleinen Schwachstellen, 13. Dezember 2006
Rezension bezieht sich auf: Die satanischen Verse (Taschenbuch)
Wer kennt sie nicht, die Geschichten die sich um dieses Buch ranken?? Nachdem ich mir den Klappentext durchgelesen hatte, konnte ich noch weniger nachvollziehen wie es zu Khomeinis Fatwa kommen konnte. Was war denn an der Lebensgeschichte zweier indischer Schauspieler die ein Flugzeugunglück überleben so verwerflich, dass eine derartig unverzeihliche Beleidigung des Islam vorliegen sollte???

Mittlerweile weiß ich, dass sich der Zorn der islamischen Glaubensgemeinschaft auf den Teil des Buches bezieht welcher die Entstehung des Islam beleuchtet. Und in der Tat, diese ist nicht sehr schmeichelhaft dargestellt.

Kurz zu Inhalt und Aufbau:

Besagte zwei Schauspieler überleben nicht nur auf wundersame Weise den Fall aus tausenden Metern Höhe, sie beginnen danach sich zu verändern. Saladin verwandelt sich in den buchstäblichen Teufel mit Hörnern und Hufen und Gibril wird zum Engel mit Heiligenschein. Je weiter man mit der Geschichte vorankommt desto mehr drängt sich einem der Gedanke auf, dass für beide Verwandlungen nur einer verantwortlich sein kann - der Teufel höchstpersönlich. Saladins Seele passt sich langsam seiner körperlichen Veränderung an - er wird böse und rachsüchtig - während Gibril durch die seine nur Leid und Schmerz erfährt - keine Spur von einem göttlichen Geschenk also.

Das Buch springt kapitelweise zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit und gewährt uns einen Einblick in die vergangenen Taten des Erzengels Gabriel, wobei Gibril "gezwungen" wird dies alles in seinen Träumen mitzuerleben. Und hier ist schon eine der Schwachstellen des Buches. Die häufigen Sprünge und die Abwesenheit jeglicher Zeitangaben machen es einem zweitweise sehr schwer sich in dem Ablauf der Geschichte zurechtzufinden.

Eine weitere Schwachstelle ist die Unzahl an Personen, verschiedenen Handlungsorten und zwischendurch eingeschobenen Anekdoten die die aktuelle Handlung weder erklären, noch ergänzen, noch sonst irgendwie vorwärts bringen. Sie sind für sich allein gesehen zwar sehr interessant und unterhaltsam, stören aber in der ursprünglichen Geschichte um Gibril und Saladin nur. In diesem Fall gilt: Weniger ist mehr!!!

Fazit: Schwere Kost, keine Frage - vor allem durch die sehr langen, verschachtelten Sätze! Am Ende bleiben Fragen offen und zeitweise sehr realitätsfern. Aber seien wir ehrlich: Die haupthandelnden Personen sind ein Teufel und ein Engel - wer erwartet da noch großen Realitätsbezug?

Wenn man sich also mit den oben genannten Schwachstellen anfreunden kann - AUF JEDEN FALL LESEN! Es lohnt sich!
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr beeindruckend, wenn man durchhält., 18. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Die satanischen Verse (Taschenbuch)
Als Autor hat man es gut: am Schreibtisch sitzend kann man die absonderlichsten Figuren und Handlungen erdenken und zusammenbasteln, völlig egal, was da möglich, realistisch oder vordergründig sinnvoll ist. Als Leser muß man für Rushdies Buch schon Durchhaltevermögen und Hartnäckigkeit mitbringen, aber toll, daß man reich dafür belohnt wird. Wenn etwas auf die Nerven gegangen ist, dann die unzähligen Nebenfiguren mit ihren ebenfalls reichhaltigen Stoffen, die den Leser meilenweit wegführen.

Mich wundert es nicht, dass dieses Buch für Rushdie zur Lebensgefahr geworden ist. Die Geschichte des Islam wird derart schmucklos auf den Boden des unspektakulären Alltags gezerrt und aufs Bunteste mit ihm verwoben. Mohammed wird beim Schimpfnamen genannt, sein Wirken ist offene Machtpolitik, seine Offenbarungen fadenscheinig. Der Erzengel ist ein egozentrischer schizophrener Bollywoodschauspieler und Mörder, der sich am Ende umbringt und der wirklich auch sonst nicht viel Gutes tut. Der Teufel ist die wahrscheinlich sympathischste Figur von allen: Selbstzweifler, voller Haß gegen sich und seine Herkunft, zurückhaltend, Verlierertyp. Wir erfahren die Verwandlung der beiden Inder nach ihrem Flugzugabsturz als völlig beliebig, wie wäre es denn umgekehrt gewesen - Gibril als Teufel ? Der Imam im Exil ist ein abstoßend harter Menschenhasser. Die Pilger mit ihrem Ziel Mekka gehen über Leichen, ertrinken dann lächelnd im Meer, als sie erwarten, das sich dieses für sie teilt. Dieser Roman zweifelt nicht am Islam selbst, sondern am Glauben an Propheterie, Machtmißbrauch und falsche Wahrheiten.

Rushdies Vielfältigkeit ist schon sehr beeindruckend: wie kann man so viele Stoffe und Bilder derart miteinander verbinden ? Sehr einnehmend auch der Kontrast zwischen dem ausschweifenden Schreibstil, wenn es um London, Saladin und Gibril geht und der Wechsel zum geradezu beklemmend geradlinigen Stil bei den eingewobenen Geschichten über Mekka und die Pilgerfahrt.

Eine kleine Perle des Romans war für mich Saladin Chamcha und sein Verhältnis zum dominanten Vater. Das ist sehr offenherzig geschildert und man kann gut nachvollziehen, warum Saladin seiner Heimat den Rücken gekehrt hat. Die Versöhnung am Sterbebett ist ergreifend.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bunt und tiefgruendig, 28. Juni 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die satanischen Verse (Taschenbuch)
Dieses Buch erzaehlt nicht eine, sondern unendlich viele kleine Geschichten. Vieles wird fuer den durchschnittlichen Mitteleuropaer moeglicherweise auch mit Lexikon schwer verstaendlich bleiben, doch insgesamt ist dies (abseits vom Skandal) ein echtes Lesevergnuegen, das ganz tief hineinfuehrt in eine fremde, faszinierende Welt. Religion(en), Mythen, Maerchen, die zentralen Themen von Metamorphose und Migration bestimmen dieses Buch. Doch am faszinierendsten sind vielleicht die vielen kleinen, originellen Charakterisierungen, die merkwuerdigen und oft skurrilen Einfaelle, der sehr englische Humor und die ueberraschenden Verwicklungen und Wendungen. Mit einem Wort oder auch nur einem Satz ist dieses Buch nicht zu fassen, aber es lohnt ganz sicher eine intensive und moeglichst vorurteilsfreie Lektuere.
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23 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Teil von jener Kraft, 2. Dezember 2005
Von 
Rolf-Peter Wille (Taipei Taiwan) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die satanischen Verse (Taschenbuch)
Satanische Verse. Der Versuch einer Synopsis würde wohl scheitern: Schaitan (Satan), offensichtlich das erzählende "Ich" dieses Romans, singt seine Verse zu versiert, zu verwoben, zu eitel—in Kürze, zu teuflisch. Leser, die glauben, nur satirische Religions- oder Sozialkritik zu vernehmen, werden hier wohl bereits diesen diabolischen Verführungskünsten zum Opfer gefallen sein, wie ja auch fast alle Charaktere innerhalb des Romans, ob Prophet, Imam oder Bergsteiger, ihren fanatischen Glauben diversen "suggestions diaboliques" verdanken.
Der Böse erscheint aber hier nur relativ diabolisch und, dass noch kein Sataniker Herrn Rushdie wegen dieser Blasphemie zur ewigen Seligkeit verdammt hat, wundert mich ausserordentlich. Er, der Böse nämlich, wirkt hauptsächlich durch seine indischen Protagonisten, Gibreel Farishta und Sala(hud)din Chamcha(wala), die er aus seinem unsteten Element, der Luft, auf London fallen lässt. Aus dem explodierenden Flugzeug fallen beide "downdown", umarmen sich "head-to-tail" und ihre weiteren Lebenswege verschlingen sich in einem fantastischen Gewebe nicht unähnlich den labyrinthischen Verirrungen des Mönchs Medardus und seines Doppelgängers, Graf Viktorin, in ETA Hoffmanns "Die Elixiere des Teufels" (1816). Und nicht allein ihre Lebenswege. Wirklichkeit vermischt sich magisch mit Traum, die Gegenwart verursacht die Vergangenheit, das Profane Heiliges; der Bollywood Star Gibreel Farishta verwandelt sich in den Erzengel Gabriel und Prostituierte verkörpern die 12 Gemahlinnen des Propheten (sogar auch eine bereits verschiedene, die die nekrophilen Gelüste ihrer Liebhaber befriedigt).
Ist dies die Hölle von El Bosco? Eigentlich nicht. Trotz, oder vielleicht sogar wegen, der teuflischen Verdrehungen bleiben wir doch stets im Gewürzgarten der indischen Lüste. In Ellowen Deeowen (L o n d o n) verwandelt sich Saladin Chamcha zwar in einen stinkenden (Sünden)bock und, wie er von der Londoner Polizei brutalisiert wird, erinnert es stark an Kafkas Gregor Samsa ("Die Verwandlung, 1916). Chamcha = Samsa. Er liegt als ein "Insekt" auf dem Boden des Polizeiwagens (wie ein grosser Käfer?). Aber er stirbt nicht in dieser Isolation. Die teuflische Metamorphose, die "Demoniasis", ist nur vorübergehend. Eine Metapher.
Und was ist der Teufel? Er ist, wie Goethes Mephistopheles "ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft". Die Antithese. Er ist auch der satirische Dichter Baal im Kampf mit dem dogmatischen Mahound (der fiktive Prophet in dieser Traumszene, "Mohammed"). "Prostituierte und Dichter, Mahound. Wir sind die Leute, denen du nicht vergeben kannst." sagt Baal vor seiner Hinrichtung. Der Prophet: "Dichter und Prostituierte. Ich sehe keinen Unterschied hier." Schwere Beleidigungen—doch für wen eigentlich? Je länger man liest, desto weniger weiss man’s: Mahound ist nicht immer dogmatisch. Ursprünglich war er Geschäftsmann. Der Dichter war ein Feigling und man konnte ihn kaufen. Und nur die Prostituierten zeigen wirkliche Barmherzigkeit, wenn sie Baal helfen. Satan ist überall und er schafft das Leben, böse und gut.
"Nun gut, wer bist du denn? --Ein Teil vo jener Kraft…" Dies ist auch das Epigraph von Michail Bulgakows Roman "Der Meister und Margarita" (~1930). Rushdies "Mahound" Traumszenen erinnern in der Tat an Bulgakows grossartige Kreuzigungsszene ("Pontius Pilatus", "Die Hinrichtung"), aber sie erreichen nicht ihre visionäre Wucht. Bulgakows Prosa ist sehr viel konzentrierter. Rushdies rhetorische Konstruktion ist oft zu seriell. Er packt zu viele Attribute und Metaphern in seine Sätze. Alle sind sehr farbig und amüsant, aber seine Muse zählt sie nur auf, anstatt sie kontrapunktisch zu verknüpfen. Als Leser erlebe ich nun ein Dilemma: Entweder lese ich prestissimo, lese ich oberflächlich, verpasse ich all die Leckerbissen. Oder ich lese molto rubato, schleckere all die Delhi-, Delhi-, Delikatessen auf dem Buffettisch, Mumbai oder London, …und muss dann mit Verdauungsstörungen rechnen.
Doch es gibt zum Glück auch konzentrierte Erzählungen in den Satanischen Versen, unvergesslich die wundersame Geschichte von Titlipur, der reichen armen Stadt mit den magischen Schmetterlingen. Wie der Rattenfänger von Hameln lockt die fanatische kleine Prophetin Ayesha die Einwohner von Titlipur. Die gesamte Stadt, Arme, Reiche, Prophetin und Schmetterlinge pilgern durch Indien, durch Grausamkeiten, durch Mirakel, durch das Arabische Meer nach Mekka. Diese Geschichte allein ist Weltliteratur.
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13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Blick in eine muslimische Seele, 21. Oktober 2002
Von 
Vogel-Sedlmayr, Gereon (Passau, Bayern Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die satanischen Verse (Taschenbuch)
Salman Rushdie hat einen zugegebenermaßen schwer verdaulichen Roman geschrieben. Die Haupthandlung des Buches (erzählt in den ungeradzahligen Kapiteln 1,3,5,7 und 9) handelt von zwei indischen Muslimen, die beide mit großen Hoffnungen nach London kommen, dort scheitern und schließlich nach Indien zurückkehren. Darin eingewoben sind die in den Kapiteln 2,4,6 und 8 wiedergegebenen Traumsequenzen, in denen der eine Protagonist seine religiösen Wurzeln in verfremdeter Form "verarbeitet". Diese Träume quälen ihn, es gelingt ihm allerdings nicht, sich von ihnen frei zu machen.
Die Geschichte ist in einer an Anspielungen, Wundergeschichten und Märchen reichen Form erzählt. Bei der Übersetzung hat man mit heißer Nadel genäht - was die Lektüre im Deutschen zusätzlich erschwert. Auch wenn es in meinem Falle lange gedauert hat, bis ich mich mit diesem Buch anfreundet habe: mittlerweile bin ich der Überzeugung, dass es zu Recht ein Klassiker geworden ist.
Die Lektüre lohnt sich nicht nur deshalb, weil sie ästhetisches Vergnügen bereitet. Mithilfe dieses Buches und der schrillen Reaktionen darauf kann man verstehen, wie Muslime heute zwischen Islam und Westen hin- und hergerissen sind.
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Die satanischen Verse
Die satanischen Verse von Salman Rushdie (Taschenbuch - 1. August 2006)
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