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46 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schwer verdaulich
"Elementarteilchen" liegt einem während und auch nach dem Lesen schwer im Magen. Das liegt unter anderem an den Protagonisten, den Halbbrüdern Bruno und Michel, die beide getrennt von der Mutter und getrennt von einander aufwachsen, und die sich im Jugendalter zum ersten Mal begegnen. Michel führt ein autistisches Forscherleben und hat außer den...
Veröffentlicht am 29. Dezember 2010 von Katja Maria Weinl

versus
22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gut angefangen, Stark nachgelassen
Die Berichterstattung über die Verfilmung des Buches machte mich auf Elementarteilchen aufmerksam. Es sollte mein Houellebecq Erstling sein.
Die Beschreibung der Kindheit und Jugend, mit detaillierten Ausflügen zu den Ahnen der beiden, im ersten Teil des Buches, ist spannend geschrieben und gut zu lesen. Im mittleren Teil des Buches, in dem die Handlung...
Am 5. März 2006 veröffentlicht


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46 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schwer verdaulich, 29. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Elementarteilchen: Filmausgabe (Taschenbuch)
"Elementarteilchen" liegt einem während und auch nach dem Lesen schwer im Magen. Das liegt unter anderem an den Protagonisten, den Halbbrüdern Bruno und Michel, die beide getrennt von der Mutter und getrennt von einander aufwachsen, und die sich im Jugendalter zum ersten Mal begegnen. Michel führt ein autistisches Forscherleben und hat außer den unregelmäßigen Gesprächen mit seinem Bruder keine sozialen Kontakte. Schon als Jugendlicher wird ihm klar, dass menschliche Regungen ihn sein Leben lang niemals erreichen werden. Bruno dagegen ist Zeit seines Lebens auf der Suche nach Kontakt. Da seine Kontaktsuche sich auf sexuelle Begegnungen beschränkt, kann man auch ihm einen gewissen Autismus unterstellen.

Um das Leben dieser beiden Brüder rankt sich nun Houellebecqs eigentliche Geschichte, die die Geschichte aller Menschen, die Ende des 20. Jahrhunderts gelebt haben, ist beziehungsweise sein soll. Im Zuge der immer weiter voranschreitenden Liberalisierung und Individualisierung ist die Welt kein Ort mehr, an dem Menschen glücklich sein können. Einsam, lieblos und depressiv sind Houellebecqs Figuren. Gibt es irgendwo ein Fünkchen Hoffnung, zum Beispiel als Bruno eine Frau namens Christiane trifft und kurze Momente von Glück erfährt, wird dieses Glück jäh zerstört. Christiane sinkt in einem Swingerclub in sich zusammen, sitzt fortan im Rollstuhl und stürzt sich schließlich aus dem Fenster. Brunos Bruder Michel ergeht es nicht besser. Glück ist nicht erlaubt in Houellebecqs Roman oder nicht möglich.

"Elementarteilchen" wurde hoch gelobt und böse zerrissen. Es ist ein Buch mit viel Polarisierungspotential. Houellebecq versteht es zu provozieren. Das fängt schon bei der Sprache an, die nicht zimperlich ist und zwischen absolutistisch anmutenden Thesen, naturwissenschaftlichem Fachwissen und billigem Sexroman hin und her schwankt. Das alles kann dem Leser auch zuviel werden: zuviel Absolutismus in den Ideen, zuviel (pseudo-)intellektuelles Gehabe und zuviel Gerede über Körperflüssigkeiten, Körperteile und Sex. Insbesondere das Sexgeplapper wirkt zuweilen wie eine plumpe Art der Provokation des Autors. Sex sells, heißt es. Vielleicht hat Houellebecq sich das auch gedacht.

Die Erzählstimme des Romans ist schwer zu fassen, auch weil man beim Lesen immer wieder das Gefühl hat, den Autor durch diese Erzählstimme zu hören. Auch eine gewisse Arroganz beim Erzählen könnte man Houellebecq anlasten und nicht dem eigentlichen Erzähler der Geschichte.

Alles in allem ist dieser Roman recht schwer verdaulich. Der Stoff ist deprimierend, alle Figuren sind depressiv, zumindest tendenziell. Zusätzlich wird diese Depressivität der Figuren auf das gesamte Leben der westlichen Welt Ende des 20. Jahrhunderts übertragen und verallgemeinert. Wir alle sind depressiv und einsam, unfähig zu lieben. Hinzu kommt dann noch, dass der Erzähler (oder ist es der Autor?) teilweise sehr unsympathisch wirkt.

Trotzdem ist es ein lesenwertes Buch. Zum einen für Leser, die sich gerne reiben und auf eine grundsätzliche Übereinstimmung mit dem Erzähler verzichten können. Dann auch für Leser, die einen durch und durch negativen Blick auf unsere Zivilisation nicht scheuen und sich gerne mit Ideen, wenn auch absolutistisch dargebotenen, auseinandersetzen. Und natürlich für alle, die Hippies und die 68er Generation noch nie leiden konnten.

Will man hingegen einen Sonntagnachmittag lang in der Hängematte liegend das Leben genießen, sollte man dieses Buch nicht zu Hand nehmen, denn dies ist keine Sonntagnachmittagslektüre. Außer es regnet.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen der reale Ekel/ekelhafte Wirklichkeit - ein Thesenroman, 20. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Elementarteilchen (Taschenbuch)
Houllebecq skizziert die Konsequenzen einer vom Hedonismus geprägten Kultur an zwei scheiternden Protagonisten, welche aus einer solchen erwachsen. Er macht das sehr geschickt, bewusst ekelhaft aber echt. Er zeigt den Werdegang einer Gesellschaft, die den Altar verdrängte und dem Materialismus Vorrang zusicherte und durch Liberaliserung des menschlichen Gebarens in allerlei Wirnisse geriet. Die zweite Seite der 68er - falschverstandene New Age Importe aus Fernost, ein falscher Feminismus, der Selbstverwirklichung über Verantwortung stellte und starke Promiskuität prägte die Mutter der beiden Protagonisten. Eine gesunde Erziehung mit diesem Paradigma ausgeschlossen - die beiden Jungen sind stark verhaltensgestört.

Der eine soziopatischer Erotomane, der andere ein Wissenschaftler, welchem Emotionen unzugänglich sind.

Die Thesen Houllebecqs sind sehr stark und logisch (da wir speziell dieser im Buch dargestellten Konsequenz aus einer falschen Pädagogik und untragbaren Idealen, durch Hedonismus und kapitalistischer Unterhaltungsindustrie gefördert, noch nicht ledig sind, fällt es den jüngeren Lsesern sicher leichter, die Materie zu begreifen), aber es schwingt ein ständiger Pessimismus der subtilsten Sorte mit - dazu mit totalem materialistischem Weltbild Houllebecqs ergibt das eine hoffnungslose Agonie der westlichen Gesellschaft mit einer Pseudo-Lösung, die er am Ende des Buches vorstellt.

Der eine der beiden Brüder, Michel, erschafft die Grundlagen für eine biologische Revolution hinsichtlich der Modifikation der DNA, der Mensch der Zukunft wird unsterblich, bekommt eine ultra-erogene Haut und ist letztlich fast identisch dem Gesellschaftsideal bei Huxleys Brave New World. Sexualität, welche - im westlichen Paradigma - Ursprung allen Leidens ist, wird biologisch wegprogrammiert und der Gegensatz zwischen den Geschlechtern ist aufgehoben. Die Lösung sieht also gleichermaßen dystopisch aus, da Houllebecq den Menschen verneint durch Michels Modifikation. Die Ausblicke sind frappierend: Es ist gelungen, das Leiden, die Angst vor dem Tod zu nehmen, die Sexualität auf die Stimulation und Super-Orgasmen zu beschränken. Dieser "Neosapiens" hat fast keine menschlichen Eigenschaften mehr.

DA dieses Buch nicht in der Lage ist, einen wünschenswerten Ausblick - möge er auch utopisch sein - zumindest in Aussicht zu stellen, reicht es nicht für 5 Punkte. Der Roman riecht nach bösem Determinismus, durch eine ad absurdum geführte menschliche Sexualität und einer gestörten und unabwendbaren Familienbeziehung, die auch auf das heutige Bild der Gesellschaft von Houllebecq als kategorisch betrachtet werden will. Die einzige Schwachstelle. Ansonsten genial, ein wahrer, vielleicht gebrochener Moralist, stellt in visionärer Apokalyptik und schwarzem Humor seine Ängste dar.

Treffsichere Kritik westlichem Habitus, aber vielleicht etwas zu dogmatisch und von großer Trauer.
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47 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Michel und Bruno, 16. Januar 2006
Rezension bezieht sich auf: Elementarteilchen (Taschenbuch)
Selten hat mich ein Roman so beschäftigt wie die Elementarteilchen. Beschäftigt wegen seiner sehr spröden, aber sehr poetischen Sprache. Beschäftigt auch wegen seiner drastischen Sex-Szenen, wobei ich zu der Überzeugung gelangt bin, dass der Roman nur wegen dieser Sex-Szenen an anderer Stelle seine Poesie entfalten kann. Beschäftigt auch, weil das Buch über die emotionale Einsamkeit des Individuums handelt in einer Zeit, in der die grenzenlose sexuelle Freiheit möglich ist und die Menschen gleichzeitig zur Partnerschaft unfähig sind. Der Roman Houellebecqs beschreibt die Lebensgeschichte zweier Halbbrüder, Michel und Bruno, die von verschiedenen Vätern abstammend unterschiedlichste Charaktere entwickelt haben. Michel ist der vergeistigte Wissenschaftler, dessen Leben von Denken und Forschen bestimmt wird und der sich dabei in den praktischen Dingen und in der Liebe als absolut unbeholfen erweist. Er erfindet schließlich einen neuen Menschentyp, der - geklont – Liebe nicht mehr braucht. Bruno ist nicht der Natur-, sondern der Geisteswissenschaftler, der sich vor allem seinen sexuellen Obsessionen widmet und schließlich in der Klapsmühle landet. Zwei besonders berührende Momente des Romans seien hier erwähnt: Christiane, die Frau, mit der Bruno sexuell und emotional zum ersten Mal so etwas wie Zusammengehörigkeit empfindet, stirbt an Nekrose – beim Sex brechen ihr die Knochen. Auch Michels wichtigste weibliche Bezugsperson, die schöne Annabelle, stirbt an Krebs – einem Krebs, der ihre Fortpflanzungsorgane befällt zu einem Zeitpunkt, als sie von Michel ein Kind möchte. In solchen sehr berührenden Momenten stellt Houellebecq die Zerbrechlichkeit und Verletzlichkeit von „Beziehungen“ bewegend dar – allein aus diesem Grund ein sehr lesenswertes Buch.
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54 von 65 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Buch zum Suizid, 16. September 2003
Rezension bezieht sich auf: Elementarteilchen (Taschenbuch)
Suchen Sie ein Buch, das Sie so richtig runterzieht? Kein Existenzialismus, kein Film noire, trotzdem sehr französisch, sehr endzeitig, sehr endgültig, total hoffnungsraubend, total traurig, total frustrierend. Und faszinierend auch. Brillant und unerträglich. Die Geschichte zweier ungleicher Brüder, die nur in einem gleich sind: ihrem persönlichen Unglück und dem Unvermögen, trotz aller Annehmlichkeiten dem Leben Glück abzuringen, das länger dauert als ein Orgasmus. Unvermögen zur Zufriedenheit. Ein Buch über die Rastlosigkeit, die Ruhelosigkeit, die Hoffnungslosigkeit, die Illusion menschlicher Liebe, den berechenbaren Verfall, den Verlust der Ehrfurcht vor dem Leben. Verfall von allem, Fleisch, Körpern, Ethik.
Den Skandal-Autor haben sie ihn genannt, ihn hochgejubelt in seiner schonungslosen Sprache, mit seinen Zoten, seinen Schamlosigkeiten, seinen Entblößungen. Houellebecq muss einen Vertrag mit Antidepressiva-Produzenten haben, um sein Buch so durchzuhalten. Anders könnte er seinen Lesern nicht jeden Funken Mut nehmen. Zumindest aber ist er abonniert auf Etablissments, in denen Intimitäten häufig sind wie Werbeblöcke. Die ihren Besuchern erst die Körpersäfte nehmen und dann jeden Glauben an die Würde des Menschen. Todtraurig, zu Tode betrübend. Ein Künstler darf das, ein Schriftsteller darf das, entgleisen, Grenzen überschreiten, ins Buch kotzen, Rotz und Wasser. Ist schließlich Kunst, nicht schön, aber authentisch, greifbar, erschütternd.
Am Ende beginnt man die Menschheit zu hassen, zu verachten, dann zu bemitleiden. Man klappt zu und stellt fest, erleichtert: Es ist nicht ganz so schlimm. Noch nicht so weit. Sonne scheint noch. Hoffnung bleibt. Armer Houllebecq! Brauchte er das vielleicht, um selbst zu verarbeiten? Um keine Antidepressiva zu brauchen? Muss man auf jeden Fall kennen. Aber nicht mögen.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Erlösung von der Sexualität als Pseudoporno, 16. November 2002
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Elementarteilchen (Taschenbuch)
Houllebecqs "Elkementarteilchen" beschreibt die Biographie zweier Brüder, des hyperrösigen Bruno und des genialen Michel, die zwar unschwer als zwei Seiten des Autors zu erkennen sind, aber ganz unterschiedliche Lebensläufe hinter sich bringen, ehe der erste ( wie schon der Programmierer in "Ausweitung der Kampfzone" ) in der Klapsmühle landet und sich der zweite in Irland umbringt. Interessant an der parallel beschriebenen Entwicklung der beiden Brüder ist das dabei zutagetretende Zeitbild des Autors: er diagnostiziert unsere Epoche als eine Ära des Zerfalls, eingeleitet durch die sexuelle Libertinage, die die Menschen zu Anhängseln ihrer Geschlechtsteile denaturiert, bis hin zu ihrer logischen Vollendung in gewalttätigen Sadismus a'la Manson oder der Erstellung "snuff Videos". Die hippieartigen "Befreier" der Sechziger Jahre erscheinen dabei in denkbar trübem Licht, es sind Verängstigte, die sich vögelnd an die vergehende Jugend klammern und dies mit so gesamtgesellschaftlich-propagandistischem Erfolg, dass das Ideal der Jugendlichkeit zum Fluch für die Nachgeborenen und schließlich auch für sie selbst wird.
Dem gegenüber entwirft Houllebecq das bizarre Panorma der paradiesischen Dünen von Marsaillan ( 249ff.), in dem eine Art "sozialdemokratischer Lust" praktiziert wird, das heißt, dass auf höfliche und dezente Weise es jeder mit jedem, jeder mit jeder oder jede mit jeder ohen Ansehen der Person treiben darf. Man kann ganz irre an diesem Autor werden, wenn man dergleichen seitenweise liest, geradeso als hätten die Menschen von Morgens bis Abends nichts anderes im Kopf, als möglichst oft und in den unbequemsten Stellungen zu kopulieren. Da lese ich doch liebr ein Buch von Houllebecq!
Auf der Linie dieser Sichtweise befindet sich auch der Endplot des Buches. Michel, der sich nach der Einweisung seines Bruders in die Irrenanstalt nach Irland zurückzieht, gelingt es, die Grundlagen der Biologie derart zu revolutionieren, dass auf der Grundlage seiner Erkenntnisse lange nach seinem Selbstmord die zweigeschlechtige Fortpflanzung, also die Sexualität, abgeschafft und ein perfekt geklonter Mensch erschaffen werden kann - ein Finale als Kopfgeburt, das das Thema des Autors aber noch einmal umso deutlicher hervortreten läßt: es sind die Nöte eines von der frei flottierenden Sexualität Geplagten und Verunstalteten, eines von der gesamtgesellschaftlichen Enthemmung entseelten Lustyunkies, dem keine andere Möglichkeit bleibt, als sich entweder selbst neu zu erschaffen oder an der immerwährenden Geilheit zugrundezugehen.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wegweisend, 15. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Elementarteilchen (Taschenbuch)
Was für ein Buch! Ich spare mir Bemerkungen zum Inhalt. In diesem Buch geht es um nicht weniger als die Auslöschung jeglicher romantischen Verklärung der menschlichen Existenz in unserer modernen Welt. Der Mensch, durch einen agressiven Zeitgeist nahezu vollständig individualisiert, wird zur Ware und zum Konsumenten der selben. Er ist in jeglicher Beziehung Marktgesetzen unterworfen. Der Begriff Humankapital sorgte vor wenigen Jahren noch für Aufregung. Worte wie Verbraucher und Konsument werden heute geradezu wohlwollend benutzt und akzepiert. Dieses Markttreiben erfasst zunehmend auch alle immateriellen Bereiche des Menschseins. Der menschliche Körper als Konsum - und Tauschartikel verliert mit zunehmendem Alter an Wert wie ein aufzuzehrendes Rentenkonto. Verzweifelt wird versucht, diesen Wertverlust auf dem Markt der Libido und zärtlichen Zuwendung zu verlangsamen (sein Verweis auf die plastische Chirurgie) oder durch Aneignung von Spiritualität zu kompensieren. Lediglich sein Held Michel scheint sich diesem Basar konsequent zu entziehen, führt aber ein tristes, gefühlarmes und völlig unsinnliches Dasein zwischen Kanarienvogel und Tiefkühlkost. Schließlich ersinnt er eine allgemeine Lösung.
Houellebeqc schaut unterkühlt auf die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte. Trocken erwähnt er, welcher Zeitgeist zunächst von einer Avantgarde propagiert wurde, dann professionell von den Medien gepusht wurde und letztlich Eingang ins Gesetzeswerk des Staates fand. Er spinnt diesen Faden weiter, aus meiner Sicht mit prophetischer Gabe. Alle seine Romane haben dieses Thema. Und alle enden mit einer eher an den Haaren herbei gezogenen Katastrophe. Aber vielleicht ist er auch in dieser Beziehung ein Prophet.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Leben, das kein Leben ist ..., 8. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Elementarteilchen (Taschenbuch)
Houellebecq beschreibt in seinem Roman Elementarteilchen den Zustand einer Gesellschaft, die sich durch Abkehr von ihren traditionellen Werten hin zu Individualisierung und Liberalisierung in einem Zustand der Desorientierung und Desillusionierung befindet. Im Mittelpunkt der Erzaehlung stehen die beiden Brueder Michel und Bruno, die getrennt voneinander aufwachsen und so etwas wie Glueck nicht zu kennen scheinen. Michel ist Forscher und auf diese Taetigkeit, auf diesen Lebensinhalt beschraenkt. Sozialer Kontakte ist er nicht befaehigt. Scheinbar im Gegensatz zu seinem Bruder Bruno, dessen Leben aus der Suche nach (sexuellen) Kontakten zu bestehen scheint. Dennoch ist auch er nicht wirklich zu Kontakten zu seinen Mitmenschen faehig. Getrieben und nicht in der Lage, seinem Leben Nachhaltigkeit jenseits ausgelebter Sexualitaet abzugewinnen. Beide Brueder sind umgeben von einer negativen Grundstimmung, der sich niemand (auch nicht der Leser) mehr entziehen kann und die zwangslaeufig in Depression muendet. Welche Wertigkeit hat Leben, in dem alles moeglich scheint, Grenzen stetig verschoben werden und es dennoch an Sinnhaftigkeit fehlt? Kann eine Gemeinschaft (aus Individuen) ohne Gemeinsamkeit und Miteinander existieren oder gar ueberleben? (Auch das Internet scheint dieser Vorstellung Vorschub zu leisten). Houellebecq macht deutlich, dass individuelle Freiheit und Selbstverwirklichung um jeden Preis ein Preis ist, der zu zahlen einfach zu hoch ist. Wenn Freude, Glueck .... und Hoffnung dabei auf der Strecke bleiben. Entmutigende Fiktion, die schon lange Realitaet geworden ist.
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22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gut angefangen, Stark nachgelassen, 5. März 2006
Von Ein Kunde
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Elementarteilchen (Taschenbuch)
Die Berichterstattung über die Verfilmung des Buches machte mich auf Elementarteilchen aufmerksam. Es sollte mein Houellebecq Erstling sein.
Die Beschreibung der Kindheit und Jugend, mit detaillierten Ausflügen zu den Ahnen der beiden, im ersten Teil des Buches, ist spannend geschrieben und gut zu lesen. Im mittleren Teil des Buches, in dem die Handlung zunehmend verflach, ist der gestörten Sexualität von Bruno weiter Raum geboten. Als besonders störend fand ich jedoch das Ende des Buches, in dem mir die Handlung vollkommen entglitten erschien. Langweilige, pseudowissenschaftliche Gespräche, zu unpassenden und unwahrscheinlichen Situationen wie z.B. am Sterbebett der Mutter, tragen wenig zur Leselust bei. Im letzten Kapitel versteigt sich der Autor schließlich zu Prophezeiungen, auf die in den vergangen 300 Seiten kaum hingearbeitet wurde und die so vollkommen aufgesetzt wirken. Es scheint als wollte der Autor dem Werk in letzter Minute noch einen großen philosophischen Touch geben. Meiner Meinung nach hätte er das aber besser bleiben lassen sollen.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nach der Physik spielt die Biologie die größte Rolle, 9. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Elementarteilchen (Taschenbuch)
Insgesamt muss ich sagen, dass der Roman "Elementarteilchen" das Geständnis eines sehr intelligenten Menschen ist, der viel über diese Welt und die Menschen darin nachgedacht hat und teilweise zu sehr zutreffenden, psychologischen, theologischen, wissenschaftlichen Aussagen gelangt ist.
Auf mich wirkt Houellebecq nicht - wie auf viele Kritiker - sehr negativ und pessimistisch, im Gegenteil, er ist eher realistisch und wirft immer wieder Sätze ein, die man als optimistisch bezeichnen kann, wenn er zum Beispiel meint, nur die Liebe könnte einen noch retten.

Die immer wieder eingestreuten detaillierten Textstellen über manche naturwissenschaftliche Themen, wie z.B. den Verwesungsprozess des Menschen, oder die Erklärung worauf sexuelle Befriedigung beruht, haben mir sehr gut gefallen. Weniger gefallen hat mir die immer wieder auftretende Beschreibung sexueller Praktiken, sexueller Neurosen und sexueller Gedanken.

Seine Erzählweise ist deshalb so gut, weil er es versteht, den Leser in die Tiefe zu ziehen, diese Tiefe entpuppt sich aber bald als Leere, als Zwischenraum. Ich hatte immer wieder das Gefühl in eine andere Dimension zu gelangen, wo es nicht mehr darum geht, die Handlung zu verfolgen. Mein Blick und meine Gedanken wanderten beim Lesen sehr oft in eine unbestimmte Leere, wie wenn ein Flugzeug in einem Luftloch kommt.

Ein anderes Thema, das in diesem Buch immer wieder Beachtung findet ist die Frage nach der individuellen Existenz: Was ist sie? Gibt es sie? Ist sie gut oder schlecht?

Weitere Gedanken widmet Houellebecq dem Tod und dem Älterwerden der Menschen:

"Das tragische Gefühl des Todes sollte in der allgemeineren, etwas verschwommenen Empfindung des Alterns aufgelöst werden".

Der Tod wird negiert, nicht berücksichtigt, der Mensch hat heute keine Angst mehr vor dem Tod, seine Ängste und Leiden hängen beim heutigen Menschen damit zusammen, dass er sich seines Älterwerdens bewusst wird, und mit dem Älterwerden weiß er auch, dass sein Körper und sein Geist verfallen werden und das möchte er so gut es geht umgehen. Deshalb gibt es ja heute den Wahn der Schönheitsoperationen und der chirurgischen Eingriffe, wo Körperteile ersetzt werden.

Weiters behauptet Houellebecq, dass die Religion wichtig für das Bestehen einer Gesellschaft ist:

"Von dem Augenblick an, in dem man nicht mehr an das ewige Leben glaubt, kann es keine Religion mehr geben. Und wenn es die Gesellschaft ohne Religion nicht geben kann, wie du zu glauben scheinst, dann kann es auch keine Gesellschaft mehr geben."

Interessant ist auch die Stelle über das Christentum:

"Die christliche Anthropologie, die in den westlichen Ländern lange vorherrschend war, räumte tatsächlich allem menschlichen Leben von der Zeugung bis zum Tod eine uneingeschränkte Bedeutung ein; diese Bedeutung hängt mit der Tatsache zusammen, dass die Christen an die Existenz einer Seele im Inneren des menschlichen Körpers glaubten -, einer prinzipiell unsterblichen Seele, die dazu bestimmt war, später mit Gott vereint zu werden."

Der Mensch, meint Houellebecq weiter hat ein Bedürfnis nach rationaler Gewissheit, dem er alles andere unterordnet.

Houellebecq nennt auch immer wieder in bestimmten Zusammenhängen berühmte Namen aus Geistes- und Naturwissenschaft: Niels Bohr, Werner Heisenberg, Thomas Mann, Marcel Proust, Carlos Castaneda, Aldous Huxley, usw.
Für mich persönlich ist ein guter Roman dadurch gekennzeichnet, dass nicht nur Fiktion darin vorkommt, sondern auch Bezüge zur Realität. Durch die Erwähnung der vorher genannten Persönlichkeiten bzw. durch die Textpassagen, die sich mit rein wissenschaftlichen Abhandlungen beschäftigen, hat Houellebecq meine Erwartungen zu meiner vollsten Zufriedenheit befriedigt, so dass ich über die elend langen sexuellen Kopforgien des Autors hinweg sehen kann.

Bruno, der Sexbesessene, ist sich der Tatsache bewusst, dass er zu nichts gut ist:

"Ich bin unfähig, Schweine zu züchten. Ich habe keine Ahnung, wie Würste, Gabeln oder Handys hergestellt werden. Ich bin unfähig, all die Gegenstände zu produzieren, die mich umgeben, die ich benutze oder verschlinge; ich bin nicht einmal dazu fähig, ihren Herstellungsprozess zu begreifen. Wenn die Industrie zum Stillstand käme und die Ingenieure und Facharbeiter alle verschwinden würden, wäre ich unfähig, die Sache wieder in Gang zu bringen, ich wäre nicht einmal in der Lage, für mein eigenes Überleben zu sorgen: Ich wüsste nicht, wie ich mich ernähren, bekleiden und vor Unwettern schützen soll; meine persönlichen technischen Kompetenzen sind denen des Neandertalers weit unterlegen. Ich bin völlig abhängig von der Gesellschaft, die mich umgibt, und bin trotzdem so gut wie unnütz für sie; alles was ich kann, beschränkt sich darauf, zweifelhafte Kommentare über veraltete Kulturgüter abzugeben. Und trotzdem beziehe ich ein Gehalt, und sogar ein gutes Gehalt, das weit über dem Durchschnitt liegt."

Zukunftsperspektiven, wie die Trennung von Sexualität und Zeugung (inspiriert durch den Roman "Schöne Neue Welt" von Aldous Huxley), wie das Verschwinden des Menschen zugunsten eines gut funktionierenden, nur bestimmte Gefühle zulassenden, selbst gebastelten Menschen werden gegen Ende des Romans angeführt.

Die Sprache ist klar und einfach, so dass man den Roman zügig lesen kann.

Hier noch ein paar der besten Textstellen:

Das Ich ist eine unregelmäßig auftretende Neurose, und der Mensch war noch weit davon entfernt, geheilt zu sein.

Aber der Mensch lässt sich schnell dazu verleiten, Hierarchien aufzubauen und strebt unter großem Einsatz danach, sich seinen Mitmenschen überlegen zu fühlen.

Mitten in der großen natürlichen Barbarei ist es den Menschen manchmal (wenn auch selten) gelungen, kleine, warme, von der Liebe besonnte Plätze zu schaffen. Kleine, abgekapselte reservierte Bereiche, in denen Intersubjektivität und Liebe herrschten.

"Die Freiheit der anderen dehnt die meine bis ins Unendliche aus" (Michail Bakunin)

So picken Tauben (Columba livia) häufig auf dem Boden herum, wenn sie die begehrte Nahrung nicht erhalten können, obwohl sich auf dem Boden keinerlei Nahrung befindet. Sie verfallen nicht nur in dieses wahllose Pickverhalten, sondern gehen auch oft dazu über, ihre Flügel glatt zu streichen; ein solches inadäquates Verhalten, das häufig in Situationen auftritt, die eine Frustration oder einen Konflikt beinhalten, wird Ersatzhandlung genannt.

Wenn wir die gegenwärtigen Ereignisse unseres Lebens betrachten, schwanken wir ständig zwischen dem Glauben an den Zufall und der Evidenz des Determinismus. Doch wenn es sich um die Vergangenheit handelt, haben wir überhaupt keinen Zweifel mehr: Es scheint uns völlig klar, dass sich alles so abgespielt hat, wie es sich tatsächlich abspielen musste.

Selbst Gott kann das Geschehene nicht ungeschehen machen.

Der kulturelle Ruhm war nur ein schlechter Ersatz für den wahren Ruhm, den in den Medien gefeierten Ruhm; und dieser an die Unterhaltungsindustrie gebundene Ruhm brachte viel höhere Geldsummen in Umlauf als jede andere menschliche Tätigkeit. Was war schon ein Bankier, ein Minister, ein Firmenchef im Vergleich zu einem Filmschauspieler oder einem Rockstar?

Die traditionelle Hellsichtigkeit der an Depressionen leidenden Menschen, die häufig als eine radikale Abwendung von allen menschlichen Belangen beschrieben wird, äußert sich in erster Linie durch ein fehlendes Interesse an Dingen, die tatsächlich ziemlich uninteressant sind. Daher kann man sich zur Not einen depressiven Menschen vorstellen, der verliebt ist - ein depressiver Mensch jedoch, der patriotische Gefühle zeigt, dürfte völlig undenkbar sein.

Michel war jedoch davon überzeugt, dass die Struktur der Attraktoren innerhalb des sich entwickelnden Netzes von Neuronen und Synapsen der Schlüssel zur Erklärung der menschlichen Meinungen und Handlungen war.

... Dass sich die Menschheit rühmen dürfe, "die erste Spezies der bekannten Welt zu sein, die die Bedingungen geschaffen hat, sich selbst zu ersetzen."
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23 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gesellschaftskritisch und anspruchsvoll, 17. Oktober 2004
Von 
Rezension bezieht sich auf: Elementarteilchen (Taschenbuch)
"Elementarteilchen" ist in meinen Augen weder ein Renner noch verdammenswert.
Es ist die Geschichte zweier (Halb-)Brüder (Bruno und Michel), die sich nicht viel zu sagen haben. Sie lernen sich erst kennen, als sie schon fast erwachsen sind, obwohl sie die gleichee Schule besuchen. Später treffen sie sich, weil sie einfach miteinander verwandt sind.
Beide haben ein Faible für Naturwissenschaften. Michel wird Molekularbiologe, Bruno Lehrer (für Mathematik, glaube ich; aber dies wird im Buch nicht näher ausgeführt). Und beide versuchen, den alltäglichen Wahnsinn zu meistern. Oder den Wahnsinn alltäglich zu meistern. Oder der Alltag macht sie wahnsinnig. Wer weiß das schon so genau. Und eben dieser Wahnsinn bemächtigt sich beider schließlich.
Bruno und Michel zerbrechen an der Liebe, einer Liebe, die sie nie bekamen. Zunächst nicht von ihrer Mutter Janine, die sich amerikanisch-modern Jane nannte, und sich mit NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren), Transzendentaler Meditation und vor allem viel jüngeren Männern beschäftigte. Jedenfalls mit allem anderen; nur nicht mit ihren Söhnen. Dies geht soweit, dass Bruno seine Mutter nur zweimal sieht: Einmal während seiner Schulzeit als sich seine Eltern darüber berateen, was aus dem Prügelknaben (Bruno wird auf gemeinste Art von seinen Mitschülern gedemütigt) werden solle. Das zweitemal trifft er seine Mutter, als sie im Sterben liegt. Sie, die sich immerdar die Jugend bewahren wollte, kämpft nun mit dem Ende. Bruno, der sich schon in einer Nervenheilanstalt befindet, ist voller Hass auf sie. Und er schleudert ihr diesen Hass entgegen. Wer kann es ihm verdenken?
Michel macht da sein Charakter scheinbar viel weniger zu schaffen. Er scheint keine Liebe zu brauchen. Als Annabelle, das hübscheste Mädchen der Schule, sich ihm zuwendet, betrachtet er sie wie eine Schwester. Er ge nießt ihre Umarmungen, wenn sie ihn nach der Schule abholt. Aber er hat kein Bedürfnis sie zu küssen. Zwar weiß er wohl, dass sie es über kurz oder lang von ihm erwartet, aber für ihn spielen Sex und Erotik nur eine sehr untergeordnete Rolle. Das gilt auch für später. Er trifft Annabelle wieder, und es entsteht seine erste wirkliche Beziehung. Beide sind glücklich, werden aber schon bald vom Schicksal eingeholt. Ammabelle bekommt Krebs, kurz nachdem sie von Michel ein Kind empfangen hat, und nimmt sich das Leben.
Ganz anders als bei Michel spielt bei Bruno Sex schon immer eine wichtige Rolle. Er onaniert recht häufig und inbrünstig in Ermangelung einer Frau. Weil sein Äußeres wenig ansprechend ist und auch sein Gemöcht nicht den Idealmaßen entspricht, kommt er bei Frauen nicht zum Zuge. Daher gibt er fast die Hälfte seiner Einkünfte für käufliche Liebe aus. Auch Bruno hat seine erste richtige Beziehung in seinen Vierzigern. Zwar war er einst verheiratet, aber so richtig zu lieben lernt er erst bei Christine. Aber auch Christine nimmt sich das Leben, weil sie unheilbar krank ist.
Schließlich und endlich setzen die beiden Brüder ihrem Leben ein Ende. Bruno zerbricht an der Sinnlosigkeit seines Lebens ohne Christine. Michel verabschiedet sich erst, nachdem seine lebenslangen Forschungen einen Abschluss gefunden haben.
Houllebecq hat eine ganz bestimmte Art zu schreiben. Mitten in der schönsten Fabuliererei wirft er ein paar trockene wissenschaftliche Fakten ein. Da geht es um den genetischen Code der Drosophila (Essigfliege), philosophische Anmerkungen oder mathematische Gleichungen einer bestimmten Gattung. Insofern ist dieses Buch anspruchsvoll. Schade jedoch, dass der Übersetzer Uli Wittmann nicht so beschlagen ist wie der Autor, denn er erkennt "Analysis" nicht als Bereich der Mathematik, der sich im weitesten Sinne mit Funktionen beschäftigt, sondern übersetzt es mit "Analyse", was in diesem Zusammenhang einfach falsch ist.
Leider gibt es in diesem Buch auch sehr naturalistische Beschreibungen von sadistischen Metzeleien. Bei Lektüre derselben hat sich mir fast der Magen umgedreht. Hätte man sich sparen können.
Sehr gut gelingt dem Autor jedoch die Beschreibung der sogenannten Hippie-Bewegung und deren Mitglieder, die nicht bereit sind, für wen oder was auch immer Verantwortung zu übernehmen.
Resümierend kann ich jedoch sagen, dass ich mit diesem Werk nichts gelesen hätte, was nicht schon dagewesen wäre. Nur die Form (die wissenschaftlichen Einsprengesel) ist ein bisschen anders...
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Elementarteilchen
Elementarteilchen von Michel Houellebecq (Taschenbuch - 1. August 2006)
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