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32 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Was bleibt nach der psychischen Zerstörung?, 23. September 2003
Rezension bezieht sich auf: Liquidation: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Lektor eines ungarischen Verlags sucht den verschollenen Roman des Selbstmörders B. Die Suche nach dem Roman entspringt nicht literarischer Begeisterung, sondern soll eine Frage beantworten: Was kann von einer Persönlichkeit übrig bleiben, wenn sie in den Fängen einer totalitären Diktatur war? Bereits in seinen früheren Romanen stellte Kertesz fest, dass in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern nicht nur eine physische Vernichtung stattfand. Auch ein psychische. Immer wieder scheint sich Kertesz die Frage zu stellen: Kann man mit einer zerstörten Persönlichkeit weiterleben und wenn ja, wie? In Liquidation scheint er darauf eine Antwort zu suchen. Weiterleben, nur weil die biologische Existenz ein Fakt ist? Selbstmord wäre die logische Konsequenz. An anderer Stelle des Buches scheint er die Feststellung zu treffen, dass man sein Leben nicht einfach wegwerfen darf, auch wenn die Menschen Mörder und schlecht sind. Es zeigt sich, dass die persönlichen Handlungsspielräume von Menschen mit Erfahrungen wie Auschwitz und totalitären Diktaturen geringer sind, sofern sie versuchen zu begreifen was geschehen ist. Natürlich trägt „Liquidation" autobiographische Züge von Kertesz. Genau wie der Selbstmörder B., lebte der Nobelpreisträger jahrelang zurückgezogen in einer kleinen Plattenbau-Wohnung und versagte sich die Teilnahme am öffentlichen Leben. Teils aus innerlichem Protest gegen die ungarische Diktatur, teils als Konsequenz aus seiner Erfahrung als früherer KZ-Häftling. Weiterleben, oder die biologische Existenz beenden weil die Seele längst gestorben ist? In einem furiosen Finale bleibt die Beantwortung dieser Frage offen und gibt Stoff für tagelange, eigene Gedankenarbeit. Inhaltlich hochinteressant, strukturell genial und sprachlich ausgezeichnet. Der Nobelpreisträger zeigt sich in Bestform. Manchmal allerdings kann man als Nicht-Betroffener den emotionalen Höhepunkten im Buch nicht ganz folgen und wird misstrauisch. Ein Beispiel: B. wurde im Konzentrationslager geboren. Für ihn resultiert daraus, dass er nie Kinder haben darf. Als seine Frau aber einen solchen Wunsch äußert, kann man die beschriebene Reaktion von B. nur als vollkommen „theatralisch" bezeichnen. Die gesamte Argumentation des Buches leidet darunter erheblich, weil viele Positionen von B. in meinen Augen kindisch wirken. Manchmal hat man sogar das Gefühl, B. ist so etwas wie der ungarische Schlingensief. Das ist schade, denn es reduziert die Glaubwürdigkeit der Thematik, weil alle Register der Emotionalisierung gezogen werden und sich die Frage stellt, ob man nicht auch bei der Bewältigung von Konzentrationslager und kommunistischer Diktatur überziehen kann? Besser ausgedrückt: Auch als Nicht-Betroffener muss man letztlich verstehen können, welche Verhaltensweisen aus den Erfahrungen resultieren. Sonst kommt man zu dem Urteil, dass die Betroffenen nicht mehr nachvollziehbar „abdrehen". Dies wäre zwar auch eine Erkenntnis, aber Kertesz will ja wohlbegründet argumentieren und überzeugen. Trotzdem ein außerordentlich interessantes und lesenswertes Buch.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gibt es ein Wort gegen den Schrecken? Einen Autor, der dem Abgrund standhält? - Ich ähnele Gott, diesem Schurken ...", 21. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Liquidation (Taschenbuch)
Imre Kertész' Werk ist wie kein anderes mit den Schrecken von Holocaust, mit dem Erschrecken über den Kommunismus in Ungarn und anderswo und den ganzen Unmenschlichkeiten einer Zeit verbunden. Kertész entfaltet in diesem Buch über der Figur B, die in Auschwitz geboren wurde, die Geschichte eines Autors, sein ganzes Gelingen und Misslingen am eigenen Dasein, dieses ganze Problem mit dem Schreiben, des Autorseins im Angesicht eines Schreckens, das Menschen über sich und andere zu bringen vermögen. Das Buch Liquidation gehört zu den ganz großen Literaturen, mit denen der Autor versucht, die eigene Biographie im eigenen Wort zu erfassen, auszumessen, zu begreifen. Aber es gelingt ihm nur im ganzen Schrecken am Selbstbild, an einem Selbstmord B's, der ebenso verständlich wie unbegreiflich ist. Kertész einfühlsames Buch Liquidation begeistert in seiner erschütternden Wirkung, die es auf den Leser ausübt, die fesselnd und abstoßend zugleich ist und das Begreifen, das Sagen nur noch verstummen, stumm bleiben kann.

Meine Bewertung generell lautet: 5 Sterne = absolut herausragend; 4 Sterne = sehr gut, sehr zu empfehlen; 3 Sterne = wirklich gut, zu empfehlen; 2 Sterne = lesenswert, aber nicht ganz überzeugend; 1 Stern = abzuraten.
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Liquidation
Liquidation von Imre Kertész (Taschenbuch - 1. November 2005)
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