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am 8. März 2006
Fast die ganze Familie Sonnino wurde innerhalb weniger Wochen in deutschen Konzentrationslagern ausgelöscht. Nur eine überlebte, Piera. Jahrzehnte später erzählt sie uns ihre Geschichte. Die Nacht von Auschwitz gibt acht Opfern des Nazi-Terrors ein Gesicht, hebt sie aus der Masse der Toten heraus und personifiziert das unendliche Leid.
Mit den Rassengesetzen vom August 1938 veränderte sich der Alltag der Sonninos dramatisch. Sie wurden von heute auf morgen entlassen oder wurden von den staatlichen Schulen verwiesen. Giorgio, den Jüngsten, quälten Panikattacken; Pieras Mutter schien innerhalb weniger Tage um Jahre gealtert zu sein und ihr Vater zerbrach unter dem Druck des deprimierenden Alltags; die bedrückende Lage löste bei Pieras Eltern eher Scham als den Willen zur Gegenwehr aus. Sie ließen sich lieber zu Unrecht beschimpfen als andere anzuklagen. Ihnen war nur daran gelegen, auf dieser Erde so wenig wie möglich aufzufallen.
In den beiden letzten Kriegsjahren zog sich das Netz der Bedrohung immer enger zusammen. Piera und die ihren bewegten sich in einer nachgerade absurd anmutenden Spirale immer um Genua herum. Vom Zentrum in die Vororte, von dort aufs Land, vom Land zurück in die Stadt, von einer Notunterkunft zur nächsten, bis im Oktober 1944 das Ende nahte.
Am 28. Oktober 1944 ist die letzte Etappe erreicht. Die Sonninos wurden die Rampe des KZ Auschwitz hinunter getrieben - am selben Tag, an dem auch Anne und Margot Frank zusammen mit 1306 anderen weiblichen Gefangenen in Bergen-Belsen eintraf. Hunger, Durst und eine unendliche Müdigkeit machen das Leben zur Hölle! Besonders bedrückend ist die letzte Nacht, die die Familie gemeinsam verbringt; sie wissen dass es keine weitere mehr geben wird. Acht durch Blutsbande vereinte Menschen, die sich zum letzten Mal aneinander klammern und voneinander Abschied nehmen.
Piera Sonnino, Häftling Nr. A26699, hat das Grauen von Auschwitz überlebt und ist für immer gezeichnet. Im September 1950, nach längeren Aufenthalten in Sanatorien und Erholungsheim, kehrte sie nach Genua zurück und es sollte noch Jahre dauern, bis sie endlich die Kraft fand, an ihrem Schreibtisch die ersten Worte ihrer Lebensgeschichte aufs Papier zu bringen, Worte ohne Hass und ohne anklagenden Unterton.
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am 17. August 2009
Dieser Bericht über die fast vollständige Auslöschung einer italo-jüdischen Familie ist in seiner sprachlichen Direktheit und Kargheit ein seltenes Dokument. Buchstabe für Buchstabe, Beistrich für Beistrich, Punkt für Punkt sind so gesetzt, dass der Naziterror bei der Lektüre in all seiner Bedrohlichkeit und vor allem in unglaublicher Deutlichkeit spürbar wird.
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