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325 von 367 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auf die Interpretation kommt es an...
Nachdem ich viele der über 300 Rezensionen zu diesem Buch gelesen habe, muss ich feststellen, dass das Buch von vielen Lesern offensichtlich falsch verstanden wurde. Natürlich ist es kein spannendes Buch mit einem klar definierten Plot, der in einem Höhepunkt kumuliert, denn das ist meines Erachtens nach auch nicht der Anspruch dieses Werkes. Vielmehr ist...
Veröffentlicht am 5. März 2009 von Alexander Schmitt

versus
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Trägt Daniel Kehlmann manchmal eine Donald-Duck-Krawatte?
Wenn ein Roman schon fast 10 Jahre auf dem Buckel hat und endlos oft nicht nur von der deutscher Kulturschickeria (eine literarische Sensation – Ein großes Buch, ein genialer Streich steht hinten auf dem Klappdeckel) positiver geht’s-gar-nicht-mehr besprochen wurde, bleibt für den Ich-bin-normal-Leser leider wenig Neues zu vermelden übrig...
Vor 8 Monaten von Wolfgang Haberl veröffentlicht


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325 von 367 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auf die Interpretation kommt es an..., 5. März 2009
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Vermessung der Welt (Taschenbuch)
Nachdem ich viele der über 300 Rezensionen zu diesem Buch gelesen habe, muss ich feststellen, dass das Buch von vielen Lesern offensichtlich falsch verstanden wurde. Natürlich ist es kein spannendes Buch mit einem klar definierten Plot, der in einem Höhepunkt kumuliert, denn das ist meines Erachtens nach auch nicht der Anspruch dieses Werkes. Vielmehr ist Kehlmanns Roman in erster Linie eine satirische, bisweilen karikierende Darstellung des "Deutschseins", und zwar in zeitlich ungebundenen Kategorien eingebettet. Auch wenn die Handlung bereits vor 200 Jahren stattfand, so sind die meisten Stereotypen doch bis heute erhalten. In zweiter Linie ist es wohl eine philosophische Abhandlung über das Altern, das Kehlmann wie kein Zweiter auf sehr subtile, würdevolle, aber auch lustige Art und Weise betrachtet.

Hervorzuheben ist meiner Meinung nach besonders sein Schreibstil. Als Vielleser von Gegenwartslitaratur (nicht nur deutschsprachiger zwar) war Kehlmanns Roman stilistisch gesehen für mich ein besonderer Genuss. Die oftmals kritisierte, immer anwesende indirekte Rede schafft eine ganz besondere und auch nötige Distanz zu der lange zurückliegenden Handlung, was ich (als Geschichtsstudent) ausschließlich positiv bewerten kann. Historische Romane, in denen die direkte Rede überwiegt, können per se nicht authentisch sein, denn wer will genau wissen können, was wirklich gesagt wurde?!

Über kleinere Ungenauigkeiten bei der biographischen Recherche zu Gauß und Humboldt kann man durchaus hinwegsehen, sie tun der Handlung bzw. vielmehr der Aussage des Buches keinen Abbruch. Auch den Titel des Buches empfinde ich im Gegensatz zu vielen anderen Lesern nicht als störend, da es eben genau die Vermessung der Welt ist, die die Leben der beiden Charaktere miteinander verbindet und im Übrigen auch eine sehr "deutsche" Wesensart darstellt. Auch die Doppeldeutigkeit des Wortes "vermessen" ist hier nicht zu vernachlässigen.

Insgesamt gelingt es Kehlmann also sehr gut, ein leicht zu lesendes, zumeist lustiges, inhaltlich interessantes, wenn auch nicht spannendes, Buch zu verfassen, das durch die Einbettung in die Biographien zweier großer deutscher Wissenschaftler einen hervorragenden Rahmen besitzt.
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51 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Urbarmachung des Konjunktivs, 27. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Vermessung der Welt (Taschenbuch)
"Man heiratet, wenn man nichts Wesentliches im Leben vorhat." Wer einen solchen Satz von sich gibt, der muss in der Tat noch einiges vorhaben. Und wer als junger Mann furchtlos bei einer der ersten Ballonfahrten Pilâtre de Roziers dabei ist und gar nicht genug davon haben kann, weil man von oben die Krümmung des Raumes erahnt, dürfte buchstäblich zu Höherem berufen sein. Der Frauenverächter ist Alexander von Humboldt, der Ballonfahrer Carl Friedrich Gauß. Mit seinen Reisen quer über den amerikanischen Kontinent hat Humboldt, der kleine Bruder des Hochschulreformers und Politikers, diese Ankündigung dann auch eindrucksvoll wahr gemacht: vom Orinoko hinauf zu den Anden-Höhen von Pichincha und Chimborazo und schließlich zu den Pyramiden von Teotihuacan bei Mexiko-Stadt. In der Schilderung von Humboldts Südamerika-Expedition hat auch Kehlmanns Roman seine Höhepunkte, etwa wenn der Baron und sein Alter Ego Bonpland auf dem Weg zum Gipfel des Chimborazo (galt damals als der höchste Berg der Welt) oder schon vorher im Dschungel nach der Einnahme von Curare halluzinieren.
Parallel zu Humboldts Biografie schildert der Autor das Leben des genialen Mathematikers, Kartografen und Sternenkundlers Gauß. Der Reiz besteht in der antagonistischen Anlage dieser beiden genial begabten Männer: Enthusiastisch, rastlos, von einer unersättlichen Neugier auf unentdeckte Wissensgebiete getrieben und beseelt von einem geradezu naiven Optimismus und Glauben an die Vernunft des Menschen der eine; häuslich, hypochondrisch, notorisch schlecht gelaunt und tyrannisch der andere. Mit einer Begegnung der ungleichen Helden in Berlin, die im letzten Drittel wieder aufgenommen wird, setzt der Roman ein. Ansonsten folgt er den Lebensläufen Humboldts und Gauß', wie es deren Biografie erforderlich macht, auf getrennten Wegen - und Buchseiten.
Kehlmanns - man möchte fast schon sagen: einzigartige - Leistung ist die Urbarmachung einer oft verschmähten grammatikalischen Form, des Konjunktivs eins, für die schöngeistige Literatur. Denn welches immense Humor- und Ironie-Potenzial die Darstellungsform der indirekten Rede birgt, hat man bis zu Kehlmanns meisterlich durchgeführter Entdeckungsreise kaum für möglich gehalten. Eine Kostprobe: Als Humboldt auf dem Rio Negro mit einheimischen Geistergeschichten-Erzählern zu wetteifern versucht und Goethes "Über allen Gipfeln ist Ruh'" auf Spanisch rezitiert, klingt das so: "Oberhalb aller Bergspitzen sei es still, in den Bäumen kein Wind zu fühlen, auch die Vögel seien ruhig, und bald werde man tot sein. Alle sahen ihn an. Fertig, sagte Humboldt. Ja wie, fragte Bonpland."
Die Art und Weise, wie Kehlmann seine konjunktivisch-distanzierte Erzählweise zum Quell für herrliche Ironie und pointierte Lakonik macht, ist der eigentliche Geniestreich dieses Buches. Es ist demgemäß auch der Humor, der blanke Unterhaltungswert, der den verdienten Erfolg dieses Romanes ausmacht, nicht die Lebendigkeit der Tableaus oder das Fesselnde der Reiseberichte. Man folgt den Lebensläufen seiner beiden Hauptfiguren nicht gebannt, weil der Strudel der Ereignisse und der Sog des Abenteuers einen so mitreißen. Auch die psychologische Entwicklung seiner Protagonisten interessiert nur am Rande. In der einzelnen Szene, in der Verdichtung im referierten Dialog entfaltet der Roman seine Wirkung. Auch tragische Wendungen haben stets eine komische Seite. Etwa das Altern und der ärgerliche Tribut, den der stets jugendlich wirkende Humboldt der Verringerung seiner Vitalität auf seiner Asienreise zollt, wo der Erzähler ihn, die Berühmtheit, zur traurigen Tussaud'schen Wachsfigur im Zarenreich herabgewürdigt sieht, der Humboldts Lebenselixier, die Basisarbeit mit Mineralien und allem Indigenen, verweigert wird. Oder Gauß' Kampf gegen die eigene Sprödheit und Hartherzigkeit, der sich erst im Alter und Moment der endgültigen Trennung eine zaghafte Umarmung für seinen Spross Eugen abringen lässt.
Die zweite große Leistung dieses Buches: Es ist pure Bildung. Kehlmann veranschaulicht diejenige Epoche, in der Deutschland als Nation wurzelt. Fortwährend tauchen am Rande sympathisch karikierte Gestalten von historischer Dimension auf: Immanuel Kant, Goethe, Daguerre, Turnvater Jahn, US-Präsident Thomas Jefferson und natürlich der große Bruder Wilhelm.
Humboldts Pariser Zeit ist dem Buch indes kaum mehr als einen Satz wert. Das liegt in der Natur der Sache. Hier wird die Welt vermessen und nicht die Langsamkeit entdeckt. Kehlmanns Entscheidung für eine distanziert-lakonische Erzählweise zwingt zu Raffungen und zur Selektion, verweigert ihm allerdings auch - und das ist das einzige nennenswerte Manko des Buches - den Lebenswegen seiner Hauptfiguren konsequent bis zum Ende zu folgen. (Beide wurden ja auch ziemlich alt.) Vielleicht war die Befürchtung zu groß, eine humorlose Sache wie der Tod eines Helden eigne sich nicht für ironische Brechungen des bis dahin benutzten Kalibers. Der Autor entschließt sich stattdessen dafür, etwa in der Mitte des Buches eine dritte Hauptfigur aufzubauen, Gauß' Sohn Eugen, und ihm mit dessen Reise nach Amerika die Schlussperspektive des Romans zu überlassen. Sicher, auch das funktioniert, auch ist Eugen ein dankbarer Kristallisationspunkt für das Junge Deutschland, das Kehlmann zu wichtig war, um es als bloße historische Kulisse herhalten zu lassen. Doch es kann kein Zweifel daran bestehen, dass Kehlmann auch den Abschied der beiden Gelehrten von der von ihnen erforschten Welt in einer Weise komisch und zugleich anrührend hätte gestalten können, die das I-Tüpfelchen auf ein rundum gelungenes Werk gewesen wäre. Dass man als Leser darauf verzichten muss, nachdem man vorher Zeuge werden konnte, wie völlig verschieden das Wissen der beiden Welt-Vermesser um die eigene Endlichkeit sich ausprägte, tut einem am Ende doch ein bisschen Leid.
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28 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen über die Augen des Jaguar und die Reinheit der Zahlen, 13. Februar 2009
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Vermessung der Welt (Taschenbuch)
Maßlos, überbewertet, Abklatsch - das sind die Kritiken mit einem Stern. Ehrlich gesagt, hatte ich so was Ähnliches auch erwartet bei diesem Buch, das lange auf der Bestsellerliste ganz oben stand. Deswegen hatte ich es nicht gekauft. Und habe es dann geschenkt bekommen und gelesen. Und war angenehm überrascht. Damit habe ich nicht gerechnet. An die 1-2 Sterne-Kritiker: ich kann diese Meinungen verstehen.

Doch mir gefallen dieser Stil und diese Erzählweise, sie setzen sich angenehm ab von vielen anderen.Indirekte Rede statt direkter, Phantasie ersetzt Wirklichkeit bzw. ergänzt sie, so dass man nicht weiß, was momentan zutrifft. Dieses Nichtwissen, war's jetzt so oder doch nicht, macht die Erzählung interessant. Ein sehr gutes Stilmittel.

Kurze Sätze, manchmal ironisch gefärbt, manchmal witzig, für Humboldt schien es für Kehlmann einfacher gewesen zu sein, diesen Ton zu treffen, der den Leser schmunzeln lässt. Hier haben wir zwei Genies, die unterschiedlicher kaum sein können, die beide jedoch in ihrem eigenbrötlerischen Gehabe sehr schwierige Typen sind; denen es zu einem großen Maß an Sozialkompetenz fehlt, die jedoch absolut zielgerichtet ihrer Bestimmung folgen und der Welt brillante Erkenntnisse vermitteln.

Ich denke, man sollte das Buch mit dem gebotenen Respekt, aber nicht mit zu viel Ernst lesen. Wer mehr über Gauß und Humboldt wissen und lernen möchte - und diese Erzählung stiftet geradezu an - der kann sich entsprechend informieren und trockene Biografien lesen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Trägt Daniel Kehlmann manchmal eine Donald-Duck-Krawatte?, 23. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Vermessung der Welt (Taschenbuch)
Wenn ein Roman schon fast 10 Jahre auf dem Buckel hat und endlos oft nicht nur von der deutscher Kulturschickeria (eine literarische Sensation – Ein großes Buch, ein genialer Streich steht hinten auf dem Klappdeckel) positiver geht’s-gar-nicht-mehr besprochen wurde, bleibt für den Ich-bin-normal-Leser leider wenig Neues zu vermelden übrig. „Die Vermessung der Welt“ ist nicht nur ein superkluger, ironischer, glatt und kugelsicher geschriebener Roman, den man gern und schnell zu Ende liest, er beschäftigt sich inhaltlich mit den wahrscheinlich interessantesten Epochen der deutschen Kulturgeschichte (und anderem mehr). Die Biografien von Alexander von Humboldt und Friedrich Gauß bieten Ausblicke auf die Aufklärung, den Sturm und Drang, die Klassik, die Romantik, Napoleon, den Wiener Kongress, die Entstehung der modernen Wissenschaften, das Kolonialleben in Südamerika, die neu gegründeten Vereinigten Staaten und das zaristische Russland mit ihren wuselnden politischen und philosophischen Fragestellungen. Das (und das war noch bei weitem nicht alles) ist schon fast zu viel des Guten für ein einziges Buch. Wenn Daniel Kehlmann dann noch Dutzende von Bildungsostereiern in seinem Text versteckt, ist „Die Vermessung der Welt“ endgültig zum gefundenen Fressen für den Literaturunterricht in Deutschleistungskursen und Hauptseminaren geworden (es gibt für solche Unternehmungen inzwischen natürlich auch einen eigenen Materialienband zum Roman). Um ein Bestseller zu werden, musste Kehlmanns Buch zwangsläufig den Zeitgeist einer kriselnden postindustriellen Wohlfahrtsgesellschaft abpassen: Rationalismus, Kant, Goethe, imperialistische Bestrebungen, deutsche Zucht und Ordnung werden mit feinem Humor kritisiert, es schimmert überall ein klein wenig Sympathie für Chaos, Anarchie und Poesie durch, aber jede klare und radikale Position für oder gegen irgendjemanden oder irgendetwas meidet Kehlmann wie der Teufel das Weihwasser. Als ausgewogener und nachhaltiger Autor, will man ja schließlich so eine gemäßigt kulturkritische Lektüre sowohl Herrn Krethi als auch Frau Plethi zumuten, ohne dass die gleich vor Schreck in Ohnmacht fallen. Den berühmten große Wurf, als der „Die Vermessung der Welt“ bezeichnet worden ist, hab ich nach der Lektüre des Buchs nicht runterplumpsen hören. Auf mich wirkt es eher wie ein junger perfekter Bankbeamter im tadellosen Anzug, der einen bei der Geldanlage berät. Dessen bizarre Donald-Duck-Krawatte und das unpassende On The Road auf dem Schreibtisch nerven da nur und ändern nichts Grundsätzliches daran, dass einem nach der Beratung nichts anderes übrigbleibt, als rundum damit zufrieden zu sein. Ein Buch, das wirklich was Neues wagt, wo man den Autor schwitzen sieht und dem Leser eins husten hört, ist „Die Vermessung der Welt“ nicht. Vielleicht sollten bei seiner Einschätzung ein paar Superlative weniger fallen und sein Schatten nicht gleich alles verdunkeln. Nicht nur Goethe hat über Italien geschrieben, es gäbe auch den viel weniger bekannten Johann Gottfried Seume zu entdecken.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kurzweilige Abhandlung - mit nur einem Problem, 26. Dezember 2012
Ich habe diesen Roman mit Freude gelesen, obwohl ich auf das Thema lange keine Lust hatte, weil ich befürchtete, das Buch könne dröge sein. Das Gegenteil ist der Fall: Die Episoden um die drei Forscher sind knapp und lebendig erzählt, mit wenigen Strichen schafft Kehlmann Bilder von Humboldt (Alexander & Wilhelm) und Gauß. Der Humor ist entgegen der Verlagsbeschreibung mitunter sogar deutlich ausgeprägt, und es entsteht auch ein guter Eindruck von den Beschwernissen der damaligen Lebensverhältnisse.

Womit wir bei einem generellen Problem wären, das über eine Kritik an diesem Buch hinausreicht: Es handelt sich trotz allem um einen Roman, und mir fällt es schwer, das biografisch Verbürgte von der Fiktion zu trennen. Was ist wahr, was ausgedacht? Schwer zu sagen. Dieser Roman ist so dicht, dass ich geneigt bin, alles zu glauben.
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39 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Doppelbiografie zweier Genies ironisch und witzig erzählt!, 2. April 2008
Von 
Doris K. (Hamm NRW) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Die Vermessung der Welt (Taschenbuch)
Ein Buch, welches sich in vielerlei Hinsicht von anderen Büchern abhebt. Als erstes ist mir natürlich der Erzählstil aufgefallen, der in indirekter Rede gehalten wurde. Das gefiel mir richtig gut, war zwar ungewöhnlich, aber nicht schwer zu lesen. Diese außergewöhnliche Sprache passte einfach zu der Geschichte, zu den Personen und zu der Zeit sowieso, nämlich das ausgehende 18.Jahrhundert, Anfang des 19.Jahrhunderts.

Dann ist da noch die Geschichte, in der es um den Naturforscher und Entdecker Alexander von Humboldt und den Mathematiker, Astronom, Geodät und Physiker Carl Friedrich Gauß geht. Hier handelt es sich um eine Doppelbiografie, die das Leben dieser beiden Genies zwar nur oberflächlich, dafür aber witzig und geistreich darstellt. Trotzdem schafft es der Autor, die Geschichte interessant und informativ zu gestalten. Wenn man auch nicht das Meiste über das Leben dieser beiden Männer erfährt, da Kehlmann viel mehr Stoff gehabt hätte, um ausführlicher auf das Geschehen hätte eingehen können, bekommt man doch einen Einblick, was Humboldt und Gauß in jener Zeit bewirken konnten. Es wäre für mich zwar schön gewesen, mehr zu erfahren, aber so musste ich mich mit den wenigen Informationen in diesem Buch zufrieden geben. Dass die Gestaltung der Personen auch nur oberflächlich bleibt, fand ich hier nicht so schlimm, da es einfach zum Erzählstil passte.

Zuletzt begeistert vor allem die Ironie und der Witz, was uns durchs ganze Buch begleitet. Versteckte Philosophie und viel Wissenswertes über die Natur waren bei mir die Beweggründe, welche die Spannung aufrecht erhalten haben. Und das bisschen, was über die beiden Genies zu erfahren war, war sehr interessant. Da nur wenig Historisches in die Geschichte eingebaut wurde und der größte Teil fiktiv ist, hat mir ein Anhang gefehlt, indem man dies hätte nachlesen können. So musste ich mich selbst ein wenig schlau machen, wobei ich noch mehr Hintergrundwissen erfahren habe. Wer dies auch machen möchte, den kann ich Wikipedia empfehlen, da hier ausführlich über die beiden Männer berichtet wird. Ich kann das Buch jedenfalls weiter empfehlen und möchte nicht missen es gelesen zu haben. Ich finde zwar nicht unbedingt, dass man dieses Buch so hochloben muss, seinen Platz auf den Bestsellerlisten hat es aber auf jeden Fall verdient.
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159 von 200 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Keine Kehlmann- Euphorie ausgebrochen, 14. März 2008
Recht witzig und amüsant geschrieben, begleitet es zwei der exzellentesten Forscher des ausgehenden 18. Jahrhunderts durch ihr völlig verschiedenes Leben: Alexander von Humboldt, der im nördlichen Südamerika forscht, den Orinoko befährt, auf Vulkane klettert, in Höhlen kriecht und die Kopfläuse der Eingeborenen zählt. Der alles mißt und kostet und katalogisiert, was ihm unterkommt. Beinahe sein ganzes Leben auf Reisen verbringt. Und Friedrich Gauß, der geniale Mathematiker, Astronom, zuletzt auch Physiker, der kaum glaubhafte Erkenntnisse en passant gewinnt, ein Eigenbrötler ist, ein Frauenliebhaber, zuletzt im Alter ein Grantscherm wird. Gewiss ist das Buch gut zu lesen, auch informativ, bietet einige Facetten aus Wissenschaft und Politik der Zeit, läßt den Schluß zu, dass Gauß das wirkliche Genie war, Humboldt eher ein verbohrter, penetranter Pedant, beide sozial wenig gebildet, rücksichtslos, eigensinnig, stur. Was fehlt, ist der Rote Faden in dem Buch: es ist eine Geschichte ohne lebendige, sich aufbauende Handlung, ohne Spannung (wenn auch spannend erzählt) aus sich heraus, ohne Anfang und Ende. Der Erzählfluss plätschert locker dahin, doch es fehlt die Quelle und der große Strom, der ins Meer fließt. Die Begleitgeschichten (z.B. von Herrn Bonpland) muss man recherchieren, es geht nicht hervor, was Geschichte ist und was Fiktion. Alles in Allem ein angenehm zu lesendes Werk, bringt etwas Licht in das Leben der beiden Gestalten, aber mit der überschwenglichen Beweihräucherung der Klappentexte (wo, bitte sind die "fabelhaften Dialoge"?) bin ich nicht einverstanden.
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Witzig, Ironisch, Brillant ... und ganz anders als erwartet, 10. November 2005
Inhaltlich ist dies ein Buch über die Weltsicht zweier Personen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnte. Der eine, Humboldt genannt, muß die Welt im wahrsten Sinne "erfahren". Die Welt ist nur da, wenn Sie auch vermessen worden ist, und zwar von ihm selbst. Daß auch ein Herr Bonpland dabei war, vergessen wir doch bitte möglichst schnell.
Der Gegenpol, verkörpert duch einen Herrn Gauß, versteht die Welt nur als schwachen, höchst unvollkommenen, von Magenbeschwerden zum Beispiel getrübten Widerschein einer im Geist oder in der Zukunft liegenden Idee.
In alternierenden Kapitel wird der Weg der beiden Protagonisten beginnend mit ihrer Jugend zu einem Treffen bei der Akademie der Wissenschaften in Preußen geschildert. Sind die einzelnen Kapitel für sich schon sehr witzig in der Beschreibung der Kollision von einfachem, normalem Leben und dem Pathos der Forschung, so sind die Kapitel in denen die Begegnung und das Miteinander Reden und Aneinander Vorbeireden von Humboldt und Gauss geschildert werden ein einziges Feuerwerk an subtil verzogener Ironie und ein Kammerstück literarischer Dialoggestaltung.
Das Buch endet mit dem Scheitern aber auch dem "dialektischen"
Sieg der Weltvermessungen. Gauss' Sohn kollidiert recht schmerzhaft mit der Obrigkeit und wandert gezwungenermaßen in die von Humboldt durchmessene Neue Welt aus.
Humboldt hingegen organisiert eine Expedition nach Russland und Asien, kommt aber ob seines Ruhms nicht mehr dazu selbst zu forschen. Vielmehr wird er von den lokalen Wissenschaftsgrößen mit vorgefertigten Exponaten (sorgfältig beschriftet natürlich) empfangen und lebt völlig im luftleeren Raum fremder Abstraktionen.
Das Buch ist amüsant zu lesen, originell und wunderbar in seinen Dialogen.
Es ist jedoch kein Roman. Eine erkennbare innere Entwicklung der Helden findet nur rudimentär statt. Ebenso wenig ist dieses Buch eine klassisch-literarische Wissenschaftlerbiografie. Daß die Helden Gauss und Humboldt heißen ist praktisch zufällig, für das Buch aber nicht notwendig. Insofern sind auch die konkreten wissenschaftlichen Erfolge Humboldts oder Gauss' für die Handlung der Geschichte eher zweitrangig.
Dem Genre nach ist es eher eine kunstvoll ineinander verschlungene Doppelerzählung. Die öffentlichen Hochlobigungen für dieses Büchlein halte ich für deutlich verfehlt und irrelevant, am Kern der Geschichte vorbeijubelnd. Zumindestens scheinen die meisten Kritiker das Buch nicht wirklich gelesen zu haben, auch Herrn Reich-Ranitzky wäre es ans Herz zu legen, die Bücher, die man bespricht zu lesen. Aber was kann der Autor dafür?
Dieses Buch garantiert Lesespaß, hintergründigen Humor, Ironie, augenzwinkernde Verehrung für die Unbegreiflichkeit von Genies und die zur Zeit wohl besten literarischen Dialoge eines deutschsprachigen Autors.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gut gelungen, 27. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Vermessung der Welt (Taschenbuch)
Als Ich von meinem Deutschlehrer dieses Buch mit dem Satz ,,Bitte über die Ferien lesen" in die Hand gedrückt bekommen habe, war die Erwartungshaltung nicht unbedingt sehr groß. Als ich dann jedoch angefangen habe mit den ersten paar Seiten wurde mir schnell klar, dass dieses Buch kein "Wilhelm Tell" oder anderweitiges Werk ist. Zu meiner Überraschung fand ich das Buch gut, konnte es dementsprechend nicht aus den Händen geben und war nach drei Tagen schon mit dem Buch fertig.
Ich hatte davor noch nicht wirklich viel über Humboldt und Gauß gewusst, lediglich das sie einmal gelebt hatten. Die Schilderung der Abenteuer von Humboldt und des scheinbar immer unterforderten Genies Gauß fand ich sehr gut gelungen, da der Roman eine sehr persönliche Tiefe besitzt. Es faszinierte mich besonders wie Kehlmann es schaffte trotz der indirekten Rede eine gewisse Nähe zu den Personen aufzubauen, die er möglicherweise nicht einmal mit direkter Rede hätte aufbauen können. Auch war es interessant für mich zu erfahren, wie Gauß und Humboldt ihrer Zeit in gewisser Weise voraus waren, indem sie die Welt viel pragmatischer beziehungsweise objektiver betrachtet haben als "normale" Menschen zu dieser Zeit.
Das irgendwelche Fakten von Humboldt oder Gauß von Kehlmann außer Acht gelassen waren, fand ich persönlich nicht schlimm, da Kehlmanns Roman mehr die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den beiden Genies und ihrer Umgebung aufzeigen wollte, teils mit deutschen Vorurteilen(die heute noch Bestand haben) oder auch einfach nur durch Komik.

Insgesamt war es das beste Buch was ich in 11 Jahren Schule zu Lesen bekam und kann dieses Buch demjenigen weiterempfehlen, der Lust und Spaß am Lesen hat und von anderen historischen Romanen, wie dieser einer ist, bisher enttäuscht war.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Es krümmt sich der Raum und dehnt sich die Zeit., 29. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Vermessung der Welt (Kindle Edition)
sagt Gauß in einem späten Kapitel dieses Bestsellers aus Kehlmanns Feder. Einsteins Relativitätstheorie aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts baut zweifelsohne auf den Beobachtungen und Überlegungen von Gauß auf, dass aber Gauß diese bahnbrechende Theorie schon ca. 100 Jahre früher gedacht und artikuliert haben soll, ist wohl eher der künstlerischen Freiheit zuzuordnen, als eine tatsächliche historische Tatsache.
Ich gestehe, dass ich einige Jahre gebraucht habe, den Roman zu Ende zu lesen. Das ist mir tatsächlich erst in einem 3. oder 4. Anlauf gelungen. Ich würde sagen, etwas überschätzt das Ganze. Auch wenn wahrscheinlich die absoluten Verkaufszahlen gegen mich sprechen, ist es doch ein etwas langatmiger Bericht über das Leben zweier bedeutender Wissenschaftler, die in napoleonischer Zeit auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik und in den damaligen einzelnen souveränen Staaten lebten und arbeiteten. Genauer gesagt, Gauß rührte sich kaum vom Fleck, während Humboldt zu seinen Reisen aufbrach. Ehrlich gesagt, finde ich die Schilderung eben dieses alltäglichen Lebens weitaus interessanter als die ganze Romanbiographie mit ihren abwechselnden Kapiteln Gauß und Humboldt und wieder Gauß und Humboldt. Es lohnt sich, die letzten 100 Seiten zu lesen. Bewerten würde ich das ganze mit vielleicht 3 Punkten
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Die Vermessung der Welt
Die Vermessung der Welt von Daniel Kehlmann (Taschenbuch - 29. Februar 2008)
EUR 9,99
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