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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Demokratie?
Ich habe die Stadt der Blinden geliebt und bin eben mit feuchten Augen fertig geworden mit der Stadt der Sehenden und bin SEHR beeindruckt. Der Autor sieht auf dem Klappenbild aus wie ein netter Onkel und zerlegt in dem Buch so ziemlich jede alltägliche Norm, die wir da draussen in der Realität vorgesetzt bekommen. Freie Zeitungen? Freie...
Veröffentlicht am 3. Januar 2010 von grc_king

versus
23 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zwanghaft wirkender Versuch einer Fortsetzung; ohne Botschaft.
Nach "Die Stadt der Blinden" war "Die Stadt der Sehenden" mein zweites Buch von Saramago. Ich finde gefallen an seinem Schreibstil, der metaphernreichen Sprache, den komplizierten Satzgefügen, dem Verzicht auf Anführungszeichen und ähnliche 'Hilsmittel', der Anonymität seiner Charaktere.

Die Stadt der Sehenden versprach eigentlich, eine...
Veröffentlicht am 19. März 2007 von Martin Adler


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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Demokratie?, 3. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Stadt der Sehenden (Taschenbuch)
Ich habe die Stadt der Blinden geliebt und bin eben mit feuchten Augen fertig geworden mit der Stadt der Sehenden und bin SEHR beeindruckt. Der Autor sieht auf dem Klappenbild aus wie ein netter Onkel und zerlegt in dem Buch so ziemlich jede alltägliche Norm, die wir da draussen in der Realität vorgesetzt bekommen. Freie Zeitungen? Freie Meinungsäußerung? Demokratie? Ich bin kein subversiver Verschwörungstheoretiker, aber viele Dinge in der Politik und Demokratie sind aktuell nicht besonders vorbildlich - vielleicht können wir es nicht besser, vielleicht aber doch. Genau letzteres glaube ich und glaubt auch Saramago. Ich habe dieses Buch mit dem Willen beendet, weiter daran zu glauben, daß wir es besser können. Wer daran Interesse hat, dem empfehle ich dieses Buch.
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17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Politikum, 20. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Stadt der Sehenden (Taschenbuch)
Im Gegensatz zu den meisten Kritikern hier, habe ich die "Stadt der Sehenden" VOR dem hier oft zitierten "Stadt der Blinden" gelesen und hatte vielleicht nicht diese unermesslich hohe Erwartungshaltung. Gut so, sagt man.

Denn...
Saramago's Roman ist eine wirklich zu Lachen komische und zum Weinen traurige Parabel, durchaus nachvollziehbar erscheint das Verhalten der Städter, denen es ganz einfach reicht, dass man auf ihrem Rücken große Politik spielt.
Mündige Bürger beginnen sich still zu wehren, gewaltloser Widerstand der dann auf die Hilflosigkeit der scheinbar so Mächtigen trifft. Eine wunderbare Idee und wunderbar ausgeführt.

Man sollte diesen Roman nicht als Nachfolger der "Blinden" sehen, obschon der Marketingtrick - anders mag man es nicht bezeichnen - ein durchsichtiger ist.
Dem Werk selbst wird dadurch unrecht getan, denn irgendwie ist Saramago's Satire fast Pflichtlektüre für den mündigen Bürger, der sich schließlich täglich auf der Nase herumtanzen lässt.

LG
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fesselnd und erschreckend, 21. Oktober 2009
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Stadt der Sehenden (Taschenbuch)
"Die Stadt der Sehenden" ist sozusagen der Nachfolger von "Die Stadt der Blinden". Das Buch ist auch ohne den ersten Teil sehr gut zu verstehen, da es eine eher lose Fortsetzung darstellt. Es ist jedoch für das Verständnis hilfreich, wenn man wenigstens den Inhalt des ersten Teils grob kennt, also beispielsweise aus einer Buchbesprechung. Dies reicht völlig.
Die oft angesprochene schwierige Art in der Saramago schreibt, fand ich persönlich eher hilfreich, da sie nicht nur mehr Aufmerksamkeit beim Lesen erfordert, sondern die ganze Geschichte auch sehr dynamisch erscheinen lässt. Wenn er Dialoge zwischen zwei Personen ohne Anführungszeichen, nur durch Kommata getrennt, in einem Satz darstellt, wirkt das ganze nicht so statisch, sondern viel lebendiger. Und wenn man sich mal an seinen Stil gewöhnt hat, ist das alles kein Problem mehr.
Inhaltlich hat Saramago eine typische "Was wäre wenn"-Geschichte verarbeitet. Die zentrale Frage: Was wäre wenn plöotzlich die Mehrheit der Wähler einen leeren Stimmzettel abgibt und die amtierenden Parteien somit ihre Legitimation verlieren. Die Reaktion der Parteien erscheint erschreckend real und könnte so tatsächlich stattfinden. Und es zeigt, dass auch eine Demokratie unseres Formats eine gewisse Diktatur ist und auch sehr schnell zu totalitären Tendenzen führen kann. Der Staat, eigentlich für die Bürger zuständig und von diesen legitimiert, erkennt nicht, dass er die Bürger zunehmend bevormundet und steuern will. Trotz aller Unwahrscheinlichkeiten des Plots, zeigt die Handlung doch deutlich, was passieren könnte und auch wohl passieren würde. Der Gesellschaft wird sehr schön ein Spiegel vorgehalten und das Buch sollte meiner Meinung nach zur Pflichtlektüre unserer Politiker werden. Das Parteigerangel, Gerangel um Posten, Wählerstimmen etc. werden dauerhaft praktiziert, selbst in der größten Not, in der das Land eine fähige Regierung "für" das Volk bräuchte, beschränkt sich deren Aktivität und Horizont nur auf das eigene Wohl oder das Wohl der Partei. Nach außen hin wird dies jedoch immer unter dem Deckmantel der Demokratie getarnt, und alle Aktionen, selbst die Ermordung von Unschuldigen, werden stets als notwendiges Übel zur Rettung der Gesellschaft vor sich selbst deklariert.
Fazit: Ein sehr gutes Buch, mit erschreckenden, weil nachvollziehbaren Abläufen. Und das erschreckende für unsere Politiker sollte sein, dass wir diese Abläufe wirklich nachvollziehen können und für vorstellbar halten.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Düster, verzweifelt, eindrucksvoll, 20. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Stadt der Sehenden (Taschenbuch)
In jener Stadt, die vier Jahre zuvor von einer plötzlichen Blindheitsepidemie heimgesucht wurde, trägt sich erneut ein unerklärliches, aufrüttelndes Ereignis zu: bei einer regulären Parlamentswahl bleibt eine überwältigende Mehrheit von Stimmzetteln leer!

Die politische Führung ist völlig konsterniert und sieht fassungslos zu, wie die Menschen mit der Situation umgehen bzw. weiterleben, als wäre nichts gewesen. Erste Repressalien sollen die Bürger zur Vernunft bringen, doch sie ergreifen Eigeninitiative und organisieren sich die Straßenreinigung und die Verbrechensaufklärung einfach selbst, als der Staat ihnen diese Dienste nicht mehr zur Verfügung stellt.

Die Politik glaubt an eine Verschwörung und ermittelt gegen einige Verdächtige, riegelt die Stadt hermetisch ab, nimmt Menschen in Haft und schickt einen gestandenen langjährigen Polizisten auf eine spezielle Mission ...

Wie schon bei "Die Stadt der Blinden", auf die das Buch immer wieder Bezug nimmt, erstaunt Saramago auch hier wieder mit ellenlangen Sätzen ohne wörtliche Rede, sehr langen Absätzen und außergewöhnlichen Metaphern. Zunächst erschlagen diese Stilmittel den Leser beinahe, durch die ersten 50 Seiten musste ich mich mühsam kämpfen. Die Beschreibung der Wahl an sich empfand ich schon fast als quälend politisch und zäh, doch sobald es um die Folgen der vielen leer gebliebenen Stimmzettel ging, war der Bann gebrochen.

Saramago schreibt düster, verzweifelt, eine drückende, beängstigende Stimmung lässt sich förmlich greifen - so wie es in dieser Stadt im Belagerungszustand sein muss. Er schildert eine Extremsituation, die nicht nur die Bürger der Landes, sondern auch die intriganten und selbstherrlichen Politiker an ihre Grenzen bringt. Kein Buch zum Wohlfühlen und gemütlichen Eintauchen, sondern ein Stück Literatur, das Konzentration verlangt und irritiert, aufwühlt, Unbehagen verursacht, aber gerade deswegen im Gedächtnis bleibt.
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14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Carte Blanche oder Tabula Rasa?, 27. April 2006
Rezension bezieht sich auf: Die Stadt der Sehenden (Gebundene Ausgabe)
Carte Blanche oder Tabula Rasa?

Bereits vor zehn Jahren veröffentlichte der portugiesische Literaturnobelpreisträger Jose Saramago eine beißende politische Parabel mit dem deutschen Titel „Die Stadt der Blinden". Sein neuester Roman „Die Stadt der Sehenden" spielt in der gleichen Stadt und auch einige der damaligen Personen treten wieder auf. Doch diesmal haben sich die Vorzeichen gewandelt und aus braven Staatsbürgen werden aufständische Terroristen, die ihre Regierenden dadurch in Angst und Schrecken versetzen, dass sie das „Abstimmen durch das Volk" wörtlich nehmen und ihren Unmut über die selbstherrlich herrschenden Demokraten dadurch kund tun, dass über 75 % der Wahlzettel unbeschriftet abgegeben werden. Die völlig verstörten Parteien schieben das nahe liegende vor: Die Menschen sind bequem und das Wetter war mies. Schnell werden Neuwahlen angesetzt, doch das Ergebnis ist noch niederschmetternder - diesmal sind es 83 % der Stimmzettel, die völlig leer abgegeben werden. Ungewöhnliche Zeiten erfordern auch in westlichen Demokratien ungewöhnliche Mittel und so verlässt die Regierung mit all ihren Behörden die Stadt und schirmt die Stadt voller Terroristen mittels militärischer Mittel ab, nimmt willkürliche Verhaftungen und Folterungen vor. Was tut man nicht alles, um die Demokratie zu schützen...

In den Wochen vor den Wahlen stellen die Medien die so beliebte „Sonntagsfrage": Wen würden sie wählen, wenn heute Wahl wäre? Saramagos Leser könnten sich zu Beginn des Romans etwa folgende Version dieser Frage stellen: „Was glauben Sie, würde mit der Rechtsordnung geschehen, wenn sich von Jetzt auf Gleich die regierende Demokratie auflösen würde, ohne das ein anderes Rechts- oder Regierungssystem in Kraft tritt?". Die häufigste Antwort würde wohl lauten - DAS CHAOS oder DIE ANARCHIE würde ausbrechen. Der Leser lehnt sich selbstzufrieden in seinen Lehnstuhl zurück und blättert eine Seite weiter. Doch Saramago treibt seine politische Parabel auf die Spitze und überrascht den Leser mit einer völlig anderen Antwort, welche ungeahnte komplizierte und komplexe Folgen hat, denn in der Stadt bleibt es völlig ruhig. Erfüllt die Demokratie noch einen Sinn oder sind die Regierungsapparate so mit administrativem Gewicht belastet, dass sie verwaltet und nicht regiert? Oder sollen Politiker nur noch Repräsentieren wie die Queen in England? Und wie weit würde die Allianz, bestehend aus allen abgewählten Politikern quer hinweg über alle Parteien, gehen, um an der Macht zu bleiben?

Natürlich werden die nach der Wahl folgenden Ereignisse nicht in plumpem Schwarz-weiß gezeichnet, sondern der Autor führt uns an Hand von Platzhaltern wie der Bürgermeister oder der Innenminister vielfältiges mögliches Handeln auf solch eine vertrackte Situation vor, die von Defätismus oder Aussitzen über Verweigerung der Zustimmung zu den Maßnahmen und Amtsniederlegung bis hin zum offenen Widerstand gegen die diktatorischen reichen. Mit diesen ausführlichen und für den weiteren Verlauf des Romans notwendigen Überlegungen beschäftigt uns der Autor ca. 200 Seiten, bis er dann seine Erzählung auf zwei Figuren, deren Handlungen und Motivationen konzentriert.

Fazit: Faszinierende, vielschichtige politische Parabel. Aus dem Symbol der weißen Flagge wird ein rotes Tuch. Der wortschwallenden einlullenden Rhetorik und den Wortblasen der Politiker setzt Saramago mit seinem Buch die Macht der Tabula Rasa gegenüber. Wie ein Kind, das fasziniert beobachtet, wie eine simple Nadelspitze so ein gewaltiges Werk wie einen prall gefüllten Luftballon zum Platzen bringen kann, führt uns der Nobelpreisträger vor Augen, wie schmal der Grat zwischen den verschiedenen politischen Denksystemen sein kann.
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23 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zwanghaft wirkender Versuch einer Fortsetzung; ohne Botschaft., 19. März 2007
Von 
Martin Adler (Ravensburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Stadt der Sehenden (Gebundene Ausgabe)
Nach "Die Stadt der Blinden" war "Die Stadt der Sehenden" mein zweites Buch von Saramago. Ich finde gefallen an seinem Schreibstil, der metaphernreichen Sprache, den komplizierten Satzgefügen, dem Verzicht auf Anführungszeichen und ähnliche 'Hilsmittel', der Anonymität seiner Charaktere.

Die Stadt der Sehenden versprach eigentlich, eine interssante Lektüre zu werden: Die Idee, dass einem demokratischen System durch mehrheitliches Nichtwählen die Legitimationsgrundlage entzogen wird. Auch der Rückzug der staatlichen Ordnungsmacht, als parallele zum 'Die Stadt der Blinden', hätte zu einer interessanten Geschichte genutzt werden können. Anders als in jenem Buch entwickelt sich hier keine Anarchie, selbst ohne Polizeischutz scheint das Leben in der Stadt weiterhin seinen geordneten Lauf zu nehmen. Dies ist zwar unrealistisch, doch man könnte darüber hinwegsehen, wenn es einem höheren Zweck dienen Würde: dem Übermitteln einer Botschaft. Eine solche fehlt dem Buch allerdings völlig. Ratlose Politiker, die in einer solchen für sie völlig neuen Situation keine andere Lösung sehen, als willkürlich irgendwelche Schuldigen für das 'Weißwählen' zu finden, das als 'subversiver Akt' gegen das System angesehen wird. Es entwickelt sich eine Geschichte, in der ein unschuldiges Volk einer Reihe ignoranter, egoistischer Politiker (über die kaum ein negatives Klischee ausgelassen wird) gegenübersteht. Falls Saramago versuchen wollte, eine ähnliche Parabel über die Hoffnungslosigkeit der Auflehnung gegen eine übermächtige Staatsmacht zu schaffen wie George Orwell in seinem "1984", ist dieser Versuch gründlich misslungen.

Rein formal kann man das Buch in zwei Häften unterteilen:

In der ersten gibt es keine persönliche Perspektive, es wird vielmehr aus der 'Vogelperspektive' betrachtet, wie auf das 'Weißwählen' reagiert wird. Zur Mitte, als das Buch aufgrund dieser 'Oberflächlichkeit' und des Mangels einer Identifikationsfigur unlesbar zu werden droht und man sich schon fragt, was denn wohl die Frau des Augenarztes aus "Die Stadt der Blinden" mit der Geschichte zu tun hat, vollzieht sich der Wechsel zur Perspektive eines Kommissars, der zunächst damit beauftragt wird, die "Wurzel des Übels" ausfindig zu machen, sich dann allerdings der Unsinnigkeit dieses Auftrags bewusst wird, da es dieses Übel nicht zu geben scheint.

Es wirkt ein wenig so, als wollte Saramago zwanghaft an einige Punkte aus "Die Stadt der Blinden" anknüpfen und Parallelen schaffen: In beiden Büchern die Frau des Augenarztes als moralische Instanz, als Heldin, dort das 'Weiße Übel' als Blindheit, hier in Form weißer Stimmzettel.

Doch Saramago ist es leider nicht gelungen, aus diesem interessanten Ansatz eine ebenso interessante, fesselnde und nachdenklich stimmende Geschichte zu machen. Vor allem hat er in diesem Buch eines nicht geschafft: Eine Botschaft zu übermitteln.
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21 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Aufgeblasene, zähe Kurzgeschichte, 24. Januar 2007
Von 
Thomas Liehr (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Stadt der Sehenden (Gebundene Ausgabe)
Die Titelähnlichkeit zum grandiosen "Die Stadt der Blinden" ist nicht nur Marketingtrick. Wie im "Vorgänger" skizziert Saramago eine Grenzsituation, beobachtet seine - namenlosen und häufig nur angedeuteten - Figuren bei ihren Aktionen und Reaktionen. Allerdings gibt es erhebliche, entscheidende Unterschiede.

In der Hauptstadt des - ebenfalls namenlosen - Landes kommt es bei Kommunalwahlen zum Eklat: Erst geht niemand hin, und dann, als sich um Punkt 16:00 Uhr doch noch die Wahllokale füllen, wählen die Bürger nicht richtig. Bei der Auszählung stellt sich heraus, daß die meisten leere ("weiße") Stimmzettel abgegeben haben. Die rasch angesetzte Wiederholung der Wahl zeitigt das gleiche Ergebnis. Kurzerhand ruft die Regierung, beherrscht von der PDR, der Partei der Rechten (das Dreiparteiensystem besteht aus der PDR, der Partei der Mitte und der Partei der Linken), den Notstand aus. In der Folge eskaliert die Situation, es kommt zu Bespitzelung, Folter, Mord und vielem mehr.

Mit Verlaub, dieser Roman ist bestenfalls geeignet, das Ansehen des Literaturnobelpreisträgers zu verschlechtern. Von fast schon lächerlicher Naivität gekennzeichnet und mit vielen inhaltlichen Fehlern durchsetzt, bietet das zähe, mühselig erzählte und weitgehend unspannende Buch weder ein Aha-Erlebnis, noch, wie das "Die Stadt der Blinden" tat, eine nachvollziehbare, tatsächlich ängstigende Ausgangssituation. Saramagos fiktiver Staat mit seiner klischeehaften Besetzung der Machtpositionen entspricht einem Gesellschaftsentwurf, der in dieser Form kaum auf reale Verhältnisse adaptierbar ist. Das Buch liest sich wie der Angsttraum eines sehr naiven Linken. Und Saramagos Stil, der in "Die Stadt der Blinden" noch geeignet war, die überaus deprimierende, aber zwingende Handlungsfolge zu transportieren, nervt hier nur. Zudem gibt es viele, zu viele Parallelen, aber das Was-wäre-wenn-Szenario in "Die Stadt der Sehenden" hätte bestenfalls für eine Kurzgeschichte ausgereicht.

Jedenfalls mußte ich beim Lesen ständig gegen die Ermüdung ankämpfen.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer schon immer wissen wollte ..., 13. November 2006
Von 
Thomas Winzer "winniwinzig" (Korschenbroich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Stadt der Sehenden (Gebundene Ausgabe)
wie manche Politiker ticken, wie sie auf mitunter krankhafte Ideen kommen, der ist bei Saramago bestens aufgehoben.

Hier wird nicht ein menschenfeindlicher Staat beleuchtet, nein, es sind ganz offensichtlich menschenfeindliche sogenannte Staatsdiener, die der Autor meisterhaft vorstellt, ihr Denken und damit die Wurzeln ihres Handelns schonungslos ans Licht bringt.

Man braucht Zeit, um sich einzulesen, ist man doch sog. normale Interpunktion und Absätze gewohnt, Konventionen, auf die Saramago verzichtet.

Aber wehe, man hat sich gefangen nehmen lassen ...

Schon lange nicht mehr hat mich ein Buch in dieser Weise berührt und nachdenklich gemacht.

(Nicht unbedingt DIE Lektüre für depressive Phasen!)
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11 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Die Stadt der Sehenden, 15. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: Die Stadt der Sehenden (Gebundene Ausgabe)
Vorab muß ich sagen, daß José Saramago mit seiner "Stadt der Blinden" mein absoluter Lieblingsautor geworden ist. Es kann auch sein, daß ich dieses Buch deshalb nicht gut finde, da ich politisch nicht so aktiv bin, wie manch anderer. Da lange Rezensionen auch nicht mein Ding sind, mache ich es kurz. Es ist unheimlich schwer zu lesen, da José Saramago in einem durchschreibt. Ohne Anführungszeichen, Kommas etc. Die ersten 50 Seiten liest man in der Hoffnung, noch in irgendeiner Form in die Geschichte einsteigen zu können. Leider klappt dies nur schleppend bishin zu gar nicht. Es tut mir leid, aber mit diesem Buch hat er mir dieses Mal leider keinen Gefallen getan. Lest die "Stadt der Blinden". Das ist wirklich ein super tolles Buch.
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13 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hornissennest, 15. Juni 2006
Von 
Esther (Graz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Stadt der Sehenden (Gebundene Ausgabe)
Sind es zu Beginn die ausbleibenden Wähler, die Wahlvorsteher und Vertreter der Parteien in Nervosität versetzen, werden es nach Auszählung der Stimmen die Minister sein. 83% der Bevölkerung haben weiße Stimmzettel abgegeben. Ohne die Ursache der weißen Wahl zu ergründen, verhängt die Regierung den Ausnahmezustand, gefolgt von Belagerungszustand bis hin zu Selbstüberlassung der Abtrünnigen. Dennoch sollen sie enttäuscht werden, denn die Bürger der belagerten Stadt führen ihr Leben wie gewohnt - Streik, Demonstrationen, Gewalt und Anarchie lassen vergebens auf sich warten, womit sie unweigerlich in ein Hornissennest im Sinne des gedemütigten Rechtsstaates stechen.

Wunderbar komisch beschreibt Saramago in den ersten 200 Seiten die Situation aus der Perspektive der Regierung - karikierte Dialoge, sinnlose Machtkämpfe und zwecklose Entscheidungen. Die Lösung zeigt sich im Brief des kleinen Mannes und errichtet die Brücke zur Epidemie der weißen Blindheit, die vor vier Jahren in eben dieser Stadt ihr Unheil verrichtete und plötzlich verwandelt sich der fabelhafte Sarkasmus in unaufhaltbare Unzurechnungsfähigkeit seitens der Behörden.

Eines der schönsten, komischsten und tragischsten Bücher, die ich gelesen habe. Absolut empfehlenswert!!!
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Die Stadt der Sehenden
Die Stadt der Sehenden von José Saramago (Taschenbuch - 1. Oktober 2007)
Gebraucht & neu ab: EUR 11,49
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