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22
3,5 von 5 Sternen
Nacht des Orakels
Format: TaschenbuchÄndern
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Nach „Stadt aus Glas" mein zweiter Auster-Roman. Motiviert durch die großartigen amerikanischen, schreibenden Zeitgenossen wie Philip Roth, John Updike, John Irving oder Jonathan Franzen griff ich auch zu den beiden Auster-Romanen. Bei „Stadt aus Glas" war ich mir auch zum Ende des Buches nicht sicher, was genau ich von diesem Roman zu halten hatte und habe, verzichtete deshalb auch auf eine Rezension.
Mit „Nacht des Orakels" ging es mir zwischenzeitlich ganz anders. Versunken in die fordernde Vielschichtigkeit des Romans, habe ich das Lesen genossen: Ich (als erste Ebene), habe einen Roman von Paul Auster (zweite Ebene) in der Hand, der den Ich-Erzähler Sidney Orr (dritte Ebene) über einen John Bowen (vierte Ebene) schreiben lässt, der wiederum einen Roman einer gewissen Sylvia Maxwell (fünfte Ebene) lesen lässt, dessen Figuren schließlich die sechste Ebene darstellen. Man muss entweder konzentriert bleiben, um den Überblick über diese vielen Schichten zu behalten, oder man versinkt, nicht tragisch, in der Sprache und der Magie Paul Austers.
Leider geht dem Roman, bei weniger als 300 Seiten und dem Talent Austers eigentlich verwunderlich, in meinen Augen ein bisschen die Luft aus. Das Ende ist ein wenig beliebig, ich möchte gar nicht sagen: vorhersehbar. Das nicht.
Schön finde ich, dass ich nicht der einzige bin, der beim Lesen von Auster an Haruki Murakami denken muss, dessen Hauptwerke ich mit großem Vergnügen gelesen habe. Murakami hält die Magie bis zur letzten Seite seiner Werke aufrecht, Auster gelingt das bei mir nicht. (Vielen Dank auch dem Rezensenten, der bemerkt hat, dass Trause umgestellt Auster heißt.)
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. Mai 2004
Wer das Buch zur Hand nimmt, sollte in den nächsten vier bis fünf Stunden nichts vorhaben. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass irgend jemand Paul Austers "Nacht des Orakels" vorzeitig wieder aus der Hand legen kann. Es ist faszinierend, wie Auster Handlungsstränge entwickelt, weiterspinnt, und dann auf einmal, fast schon nebenbei, wieder fallen lässt. Alles scheint sich logisch zu entwickeln, man ahnt, worauf es hinausläuft, wartet eigentlich nur, wie er es zu Ende bringt, und dann ist auf einmal alles anders. Nichts und niemand spielt am Ende die Rolle, die er oder es zu haben scheint, und trotzdem ist alles logisch. "Was für ein Erzähler", wurde Auster in Sigrid Löfflers "Literaturen" gelobt. Man möchte ergänzen: Was für ein Buch.
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 22. März 2004
"Wenn Worte töten konnten, musste ich meine Zunge sorgfältig in Zaum halten...". Magie, Paul Austers Roman ist im wahrsten Sinne des Wortes magisch. Der Magier Auster - was für grandiose Lesestunden hat er hier gezaubert - breitet Welten aus, die keine klare Abgrenzung von Realität und Fantasie kennen.
Der Schriftsteller Sidney Orr leidet nach einem Krankenhausaufenthalt an Schreibhemmung. Ihm fällt ein blaues portugiesisches Notizbuch in die Hände. Überraschend bricht seine Schreibblockade, und es fallen ihm wieder Geschichten ein, die er in das Notizbuch aufzeichnet. Rätselhaft ist, er schreibt in seinem Zimmer, seine Frau Gracia kann ihn dort aber nicht entdecken, wenn sie nach ihm schaut. Eine von Paul Austers wunderbaren Einfällen. Es bedeutet aber nur, dass Sidney in seine erfundene Geschichte total abgetaucht ist, darum seine Umgebung nicht mehr wahrnimmt, und Gracia ihn folglich auch nicht sehen kann. Die erfundene Geschichte im Notizbuch könnte sich zu einem Roman entfalten, führt aber durch eine zufällige Gedankenlosigkeit des Protagonisten selbstverschuldet in eine Sackgasse. Eine dritte Ebene, der Roman im Roman im Roman ist das Werk einer Schriftstellerin. In "Nacht des Orakels" schreibt sie über einen Leutnant im ersten Weltkrieg, der durch eine Granatenexplosion erblindet und prophetische Fähigkeiten erlangt, die ihn letztlich ins Verderben führen.
Sidney erfindet bedrohliche Geschichten, die sich in seinem Leben zu realisieren beginnen und übersieht beinahe, dass seine Ehe in Gefahr ist. Er fühlt sich durchsichtig wie der Leutnant, "der für die Schwingungen in seiner Umgebung so empfänglich war, dass er wusste, was passieren würde, ehe die Ereignisse selbst stattfanden". Und Sidney resümiert: "Die Zukunft war bereits in mir...".
Paul Austers Roman besteht aus verschiedenen Erzählsträngen, ist sehr ereignisreich und bunt. Doch alles was Auster erzählt ist ineinander verwoben, jede Begebenheit passt. Ein einziger Sog, kein einziges Stocken. Dieser Roman übertrifft "Das Buch der Illusionen". Dort wurde der Romanverlauf durch Beschreibungen von Filminhalten zerstückelt. Paul Auster hat den Weg vom Drehbuch zum Roman wiedergefunden. "Ich hatte nie daran gedacht, noch einmal Drehbücher zu schreiben" erfährt der überraschte Leser.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. Dezember 2004
Das Buch handelt von einem Schriftsteller, der nach einer längeren Krankheit wieder in das Leben zurück kommt und dabei einige überaus merkwürdige Dinge erlebt beziehungsweise sie zu erleben glaubt. Ausgangspunkt seiner abstrusen Geschichte ist der Kauf eines Notizbuches aus Portugal, das ihn zum Aufzeichnen von Stoffen verleitet, die er für seine zukünftigen Bücher zu verwenden gedenkt. Die Geschichte spielt auf mehreren Ereignisebenen und erfordert einige Aufmerksamkeit, diese dem Verlauf der Erzählung korrekt zuzuordnen. Allerdings verliert sich der Erzähler/Schriftsteller letztlich selbst in diesen Geschichten, die von zufälligen Ereignissen nur so strotzen, und taucht in ihnen ein. Auch wenn Paul Auster als der Zeremonienmeister des Zufalls bezeichnet wird, und auch wenn er schreibt: „die Welt wird vom Zufall regiert", so wird hinsichtlich der Zufälle vielleicht doch einige Male zu ‚dick' aufgetragen, was das Ganze etwas unrealistisch oder teilweise an den Haaren herbeigezogen erscheinen lässt. Nichtsdestotrotz ist die Story spannend geschrieben und fesselt den Leser nahezu bis zum Ende, von dem allerdings höhere Erwartungen geweckt werden, als dieses letztlich liefert.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 19. Juli 2009
Paul Auster verzerrt seine Handlungen abermals und konstruiert diese über verschiedene Ebenen zu einer Brücke, die sich anbietet, über die Realität und ihre Probleme hinweg zu steigen.

Zentrale Figur ist ein Autor - Sidney Orr - in Brooklyn, Mitte Dreißig und nach einem lebensgefährlichen Unfall wieder auf dem Weg zurück ins Leben an der Seite seiner Ehefrau. Aus dem Krankenhaus entlassen, beginnt er mit Hilfe eines nagelneuen, portugiesischen, blauen Notizbuches in einer rasanten Flut eine neue Geschichte zu schreiben: "Nacht des Orakels".

Etwa bis zur Hälft des Romans verfolgen wir Leser die Handlung des Romans unseres genesenden Autors, die wiederum von der Publikation eines in Vergessenheit geratenen Romans einer längst verstorbenen Autorin und der daraus resultierenden Verstrickungen des Protagonisten Nick Bowen ... handelt. Dabei wird Sidney so vertieft in seine Arbeit, den Veränderungen in seinem privaten Umfeld nicht folgen. Als er Bowen plötzlich in eine Lage manövriert, aus der es kein Entkommen gibt, sitzen sowohl Nick als auch Sidney fest. Gleichzeitig beginnt sich die Handlung rund um Sidney Orr, seine Ehe und den sehr gut befreundeten John Trause zu verdichten. Von "Nacht des Orakels" wird nun keine Rede mehr sein - d.h. das Manöver rund um Nick Bowen bleibt ungeklärt - hier darf (wie so oft bei Auster) gemutmaßt werden.

Gerade dieser Schachzug gefällt mir ausgesprochen gut, da ich persönlich eher an Sidney's Geschichte als an jener des Nick Bowen interessiert war. Das Ende lässt an Siri Hustvedt's "Was ich liebte" erinnern, die Elemente der unterschiedlichen Ebenen sind auch im "Mann im Dunkeln" wieder zu entdecken. Die Sidesteps, die weder mit Rahmen- noch mit fiktiver Handlung rund um Bowen zu tun haben, erfrischen und zeigen New York erneut von seiner unzugänglichsten Seite, die dieser Stadt ihre Faszination verleiht.

Sprachlich unkompliziert und direkt in Wortwahl, dennoch ist auf Grund der unterschiedlichen Ebenen Aufmerksamkeit geboten.
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32 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. Februar 2004
Weil das Buch wie ein guter Krimi einerseits dem tragischen Ende zustrebt, das auf den letzten Zeilen seine Tragik aufhebt und zum Glück wird und andererseits in immer neue Ebenen entführt, die teilweise auch optisch in Form seitenlanger Fußnoten verblüffen, kann man die Handlung nur begrenzt erzählen, ohne dem Buch die Spannung zu nehmen:
In Brooklyn findet der 35jährige Schriftsteller Sidney Orr, von den Ärzten eigentlich schon aufgegeben, langsam ins Leben zurück und verliert sich gleich wieder in ihm: Der Kauf einer Schreibkladde (wunderbar sinnlich beschrieben) eröffnet ihm immer neue Schreibmöglichkeiten, die aber, wie sein paralleles reales Leben, in Sackgassen führen, die auf anderer Ebene das Motiv Stephen Kings variieren, der in einem seiner Bücher eine Sexszene beschreibt, bei der ein Mann die Geliebte nackt mit Händen und Füßen an das Bett in einem einsamen Liebesnest kettet - und dann an einem Herzinfarkt stirbt und die Geliebte aussichtslos zurücklässt.
Bei Auster sind es die Geschichten in den Geschichten, bei denen die Personen in ähnliche Situationen geraten - die nie aufgelöst werden, während das reale Leben des Schriftstellers mit seiner geheimnisvollen Frau in diese Geschichten einbiegt und wieder aus ihnen herausführt.
Als deutscher Leser wird man dabei u. a. sparsam mit unserer unfassbaren Geschichte konfrontiert, bis hin zum Falksimile-Abdruck eines Warschauer Telefonbuchs von 1937/38 mit dem polnischen Namen Orlowscy, der später zu Auster amerikanisiert wurde. Kleine Skizzen unserer grenzenlosen Barbarei sind Ausschnitte der Realität, die Auster mit anderen Realitäten und Irrealitäten zu einem spannenden Ganzen verwebt, bei dem man am Ende erschöpft, geistig und körperlich zerzaust mit dem Autor durchs Dunkel zum Glück taumelt. Und dabei die amerikanische Seele gut und viele andere ein bisschen kennen lernt. Zum Schluss ist die Schreibkladde vernichtet, sind viele tot oder unauffindbar, Sidney und Grace leben. Was für ein Buch!
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 16. August 2007
Zugegeben, ein großer Auster-Fan war ich noch nie, hatte jedoch zu Beginn dieses Buches das Gefühl, dies könne sich eventuell ändern. Zuvor habe ich "Im Land der letzten Dinge", "Die New York-Trilogie" und "Die Musik des Zufalls" gelesen. Nun also zu "Nacht des Orakels":

Die intellektuelle Selbstverliebtheit des Autors -so werte ich die verschachtelte Konstruktion mit den diversen Erzählebenen, deren Protagonisten letzten Endes weitgehend Schriftsteller bzw. artverwandte Berufe sind- empfand ich anfangs als störend, die Sprünge zwischen Zeitebenen via Fußnoten auch als etwas eigenwillig, habe mich aber schließlich vom Handlungsverlauf mehr und mehr gebannt befunden. Eigenwillige und teils herrlich schräge Ideen und Bilder, unerwartete Handlungsmanöver, feinsinniger Humor und das alles sprachlich aufs beste präsentiert bereiteten mir in der ersten Hälfte dieses Buches wirklich größte Freude. Den in einer anderen Rezension gemachten Vergleich mit meinem Lieblingsautor Murakami möchte ich absolut gelten lassen. Ich selbst habe dies durchaus ebenso empfunden.

Und dann etwa knapp zur Hälfte des Werkes: Hinter Nick Bowen schnappt die Tür ins Schloss, die Spannung hat somit ihren ersten absoluten Höhepunkt erreicht, man KANN jetzt das Buch nicht weglegen, so mächtig und kräftig ist der Sog, den das Buch zu diesem Zeitpunkt auszuüben vermag.

Und das wars dann auch schon.

Danach das verzweifelte Warten des Lesers, dass es "endlich weitergeht", aber nichts dergleichen, das Warten ist komplett umsonst. Es folgt statt dessen Lektüre, die man sich eigentlich sparen kann, es sei denn man ist hartgesottener Auster-Fan: Vorhersehbare Handlung, langweilend, öde und teilweise hahnebüchend konstruiert (die Geschichte mit Jacob Trause). Das krasse Gegenteil zur ersten Hälfte also.

Zuletzt war ich froh, als ich endlich "durch" war und werde künftig mit Auster weiter umgehen wie bisher, nämlich gar nicht.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. Mai 2004
Was Austers Misere der letzten Bücher kennzeichnet, ist der fulminante Einstieg in ein zu üppig konstruiertes Universum, ein übergangsloses Weiterrennen in einen auf dann nicht mehr angenehm unplausiblen Mittelteil zu einen hilflosen Versuch, alles zu einem Höhepunkt zu treiben, der abrupt endet und nachschwingen soll (Auster als Liebhaber klassischer Musik hat wahrscheinlich Mahlers 9te mindestens einmal zu oft gehört). Beherrscht hat er dies wie kein anderer in der "New York Trilogie", mehr noch in "Moon Palace", recht gut noch in "Music of chance". Der Schritt, in Timbuktu eine ganz andere Richtung einzuschlagen, war richtig und in der Umsetzung genial. Der Versuch, an alte Zeiten anzuknüpfen scheiterte fast peinlich in "book of illusions", das im Mittelteil den Spannungsbogen völlig zerstört und belanglos und vorhersehbar endet. "oracle night" ist deutlich besser, doch auch hier kann er den Spannungsbogen nach der Hälfte des Buches nicht mehr halten, wenn die Geschichte in der Geschichte in eine Sackgasse läuft und er in seiner eigentlichen erzählung diese erahnte Prophezeiung einlöst, in dem er seine Erzählstränge hilflos in immer neue Richtungen wandern läßt. Die Kulmination zur Erkenntnis, die seinem Helden seine Zukunft in Gestalt des schwarzbemantelnten Junkies vorführt, ist fast peinlich und so vorhersehbar wie alles Weitere. Die Anspielungen auf "don't look now" ("Wenn die Gondeln Trauer tragen") vorher und die vielen Insiderverweise wirken fast aufgesetzt und häufig hilflos, so mesiterhaft die Fußnotenverweise auch aus Realität und seiner Fantasie verknüpft sein mögen. Nicht falsch verstehen: Lesenswert und stellenweise brilliant ist es trotzdem, doch ich werde den Eindruck nicht los, daß Auster nach der Hälfte seiner Arbeit das Interesse daran verloren hat. Die Faszination der Geschichte in der Geschichte ist ähnlich wie Hector Manns Filme in "book of illusions" das eigentlich Herausragende, wenn dem Leser nicht mehr klar ist, worauf er seine Aufmerksamkeit richten soll, wenn jede einzelne der Geschichten (drei in einer, um genau zu sein) ähnlich intensiv daherkommt. (wobei die Chance, den Roman im Roman im Roman (die Oracle night) wirklich mit den anderen Geschichten zu verweben, seltsam schnell vertan wird)Es iat sein seine Leistung, das Schreiben (oder auch das künstlerische Schaffen) an sich wieder einmal erklären zu wollen und können. Ich hoffe auf eine Sammlung von Kurzgeschichten. Austers Stärke liegt heutzutage darin, auf den ersten Blick absurde Situationen zu skizzieren und unerwartete Wendungen in diese Schilderungen einzubauen. Der Versuch, diese zum Ende hin aufzulösen, ist in seinen letzten beiden Werken hilflos und überflüssig. Der abrupte Abbruch einer Kurzgeschichte und die Notwendigkeit für den Leser, mögliche Lösungen im Kopf durchzuspielen, könnte von Auster wie von keinem anderen umgesetzt werden. Ohne zynisch wirken zu wollen: Hätte Auster "oracle night" nach dem ausweglosen Schicksal seines Helden in der 2.Geschichte in der 1.Geschichte mit einer minimalen Brücke zur Ratlosigkeit seines Helden in der 1. Geschichte abrupt enden lassen, wäre ihm ein mehr als bemerkenswertes Werk gelungen, das kein zweiter so hätte konstruieren können. So ist es lesenswert, teilweise sicher fast meisterhaft, aber insgesamt durch den hilflosen Versuch, die eigene konstruierte Welt zu erklären und das Tempo abschließend aus der ruhigeren Fahrt zu steigern, leider insgesamt nicht mehr als sehr unterhaltsam...
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VINE-PRODUKTTESTERam 11. Dezember 2012
"Manchmal wissen wir Dinge, bevor sie passieren, auch wenn wir nicht wissen, dass wir sie wissen. Ich bin durch diese neun Tage im September 1982 gestolpert wie durch dichten Nebel. Ich habe versucht, eine Erzählung zu schreiben, und bin in eine Sackgasse geraten. Ich habe versucht, die Idee für einen Film zu verkaufen, und bin abgewiesen worden. Ich habe das Manuskript meines Freundes verloren, ich habe beinahe meine Frau verloren. Aber jenseits all der Fehltritte und Torheiten, die ich in dieser Woche beging, habe ich etwas gewusst, dessen ich mir nicht bewusst war. Die Zukunft war bereits in mir, und ich rüstete mich für die Katastrophen, die mir bevorstanden."

Der junge Schriftsteller Sydney Orr erholt sich von einer lebensbedrohlichen Erkrankung. Auf seinen täglichen Streifzügen durch seine Heimatstadt New York versucht er "den Haufen defekter Teile und neurologischer Rätsel" aus dem sein Körper besteht, wieder in etwas anderes als "Ausschussware" zu verwandeln. Seit seiner Entlassung aus dem Krankenhaus im Mai hat er keine Zeile mehr geschrieben. Im September führt ihn sein täglicher Spaziergang in den Norden der Stadt statt nach Süden, wo er in einem Schreibwarenladen ein besonderes Notizbuch findet und kauft. Wieder zu Hause beginnt er sofort zu schreiben. "Die Worte kamen schnell, wie von selbst, scheinbar ohne große Anstrengung. Solange ich meine Hand weiter von links nach rechts bewegte, war das nächste Wort immer schon da und wartete nur, mir aus der Feder zu fließen".

Auster erzählt eine Geschichte in der Geschichte. Die Erlebnisse des Ich-Erzählers Sydney bilden die Rahmenhandlung. Wie im Zitat zu Beginn beschrieben, geht es um neun Tage im September während derer das Leben des jungen Autors eine dramatische Wende nimmt. Die zweite Handlungsebene ist der fiktive Roman, den Sidney in seinem Notizbuch skizziert und der auf unheilvolle Weise in seinem wirklichen Leben ankommt. Das Schicksal seiner erfundenen Figur Nick, der beinahe von einem herabstürzenden Backstein erschlagen wird und darauf hin sein bisheriges Leben verlässt, findet sich in den Träumen von Sidneys Frau Grace wieder, die nie einen Blick in das blaue Notizbuch geworfen hat.

"Nacht des Orakel" ist ein glänzend konstruierter Roman der von der besonderen Art des Ausdrucks lebt. Austers Sprache ist smart, lässig und elegant. Man folgt dem scheinbar harmlosen Beginn mit mäßiger Neugier um kurze Zeit vom Strudel der sich überstürzenden Ereignisse überrascht und mitgerissen zu werden. Auster verliert dabei nie den ruhigen, beinahe hypnotischen, Erzählfluss. Es ist wie bei einem Gruselfilm, der nicht von schockierenden Szenen lebt, sondern allein vom Spiel mit Licht und Schatten. Die Szene in der Sidney seine fiktive Figur Nick in eine ausweglose Situation bringt, aus der er ihn mit keinem literarischen Kniff mehr zu befreien weiß, ist so ein Beispiel. Der Fehler der Nick unterläuft ist unspektakulär (er steckt einen bestimmten Zimmerschlüssel nicht, wie gewohnt, in die Hosentasche). Die Auswirkung dagegen ist so schauerlich, dass einem der Atem stockt (obwohl es sich nur um das Schicksal einer, von einer fiktiven Figur erfundenen, fiktiven Figur handelt!).

Es gäbe noch mehr gutes über "Nacht des Orakels" zu sagen. Die Atmosphäre New Yorks in den frühen 1980er Jahren die das Buch atmet, die verschwenderische Zeitfülle die den gemächlichen Sätzen entströmt, das anregende Gedankengut dass den Verstand des Lesers herausfordert, die Fußnoten die den ganzen Roman durchziehen und beinahe einen eigenen Roman bilden. Die beste Empfehlung bietet aber der Autor selber: "Schon als mir die Tränen aus den Augen strömten, war ich glücklicher als je zuvor, am Leben zu sein. Dieses Glückgefühl war jenseits von Trost, jenseits von Elend, jenseits alles Hässlichen und Schönen auf der Welt". Es ist die Quintessenz aus knapp dreihundert bemerkenswerten Seiten.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. August 2004
Man sollte mit dem Lesen dieses Buches nur beginnen, wenn man in den nächsten fünf, sechs Stunden sonst nichts zu tun hat: Es ist so spannend, geradezu atemberaubend, dass man es nicht mehr aus der Hand legen möchte. Der beste Auster seit der "Musik des Zufalls"!
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