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Kundenrezensionen

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am 23. April 2007
In seinem 1988 erschienenen Debut beschreibt Franzen vor dem Hintergrund typischer Motive der 80er Jahre wie Verschwörung, Überwachung und Verfall der Städte eine fiktive Verschwörung indischer Immigranten und deren Auswirkungen auf das Leben der führenden Familien in St. Louis.

Andere Leitmotive wie Terror und die Angst vor Überfremdung oder Doppelmoral gewinnen durch die Ereignisse im neuen Jahrtausend eine Aktualität, die sie vermutlich nicht einmal zu Zeiten der Entstehung dieses Romans hatten, was einen Großteil des durchaus vorhandenen Reizes ausmacht. Dennoch würde ich das Werk nicht dem Genre Gesellschaftsroman zuordnen, da die Schilderung von Milieus und Existenzen doch oberflächlich bleibt und kein ganzheitliches Zeitbild zeichnet.

Auffallend finde ich bereits hier Franzens Fähigkeit, große Zusammenhänge zu komponieren und einen farbigen, fast übervollen Rahmen für seine Geschichte zu erschaffen. Virtuos wechselt er zwischen Zeiten und Erzählperspektiven, auch wenn manche Wechsel arg ruckartig vonstatten gehen.

Leider weist Franzens Roman aber auch einige überraschend deutlichen Schwächen auf. So werden viele der Charaktere zwar ausführlich beschrieben, wirken aber seltsam blutleer und leblos, wie z.B. Jammu, die Polizeichefin, die ja eine zentrale Rolle spielt. Gerade auch die Motive, die die umtriebige Jammu und ihre indischen Freunde zu den intriganten Umtrieben veranlassen, bleiben letztendlich unklar, wenn man von sekundären Gründen (wie Gewinnen aus Immobilienhandel) absieht, die ja kaum der Grund für eine derart umfassende Verschwörung ausgerechnet in St. Louis sein können. Darunter leidet der gesamte Roman, dessen Fortgang oft nicht plausibel oder gar zwingend wirkt. Spießer brechen aus, Junkies handeln durchdacht wie Schachspieler, Mörder zeigen Sanftmut und Verschwörer zögern; von diesen - einzeln unbedingt erzählenswerten - Widersprüchen gibt es leider zu viele, da das Innenleben der Hauptpersonen trotz aller Erläuterungen kaum nachvollziehbar bleibt.

Trotz meiner kritischen Anmerkungen muss ich aber zugeben, dass ich die 672 Seiten in wenigen Tagen verschlungen hatte, da das Sammelsurium an Personen einfach zu schillernd und farbig ist, um den Leser kalt zu lassen. Obwohl noch keineswegs auf dem Niveau von ,Korrekturen`, ist der Roman meiner Meinung nach unbedingt lesenswert - auf ,Schweres Beben` bin ich bereits gespannt.
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am 23. September 2003
Der mit seinen "Korrekturen" bei uns bekannt gewordene Franzen ist hierzulande nun auch mit seinem Erstling "Die 27ste Stadt" zu lesen. Schade, dass man ihm das auch anmerkt. Die nicht so ganz fiktive Stadt St. Louis ist einziger Erzählort. Eine Inder-Mafia, angeführt von der Polizeichefin Jammu, nimmt sich vor, die bestehende Ordnung zu stören, um aussergewöhnliche Gewinne aus Grundstücksgeschäften realisieren zu können. Das Spannende daran ist, dass die Unterwanderung der biederen, bürgerlichen Oberschicht nicht durch Attentate und Entführungen gelingen soll, sondern durch das Gift des Stachels "Krise". Auf fast hundert Seiten der insgesamt über sechshundert entwickelt sich schon so etwas wie Krise bei den örtlichen Unternehmern und deren Familien, die die Geschicke der Stadt bislang bestimmten. Nur einer widersteht allen untugendhaften Angriffen, der Bauunternehmer Martin Probst ist der gute Mensch von St. Louis - und bleibt es bis zum Schluss.
Das ist also die Umkehrung aller Werte: die Polizeichefin ist die Femme fatal, der Bauunternehmer der saubere, familienpflegende Gute. Am Ende geht doch alles schief. Es gibt viele Tode und die Moral siegt nicht. Wäre es anders, wäre der Roman noch mehr Märchen.
Teilweise verliert man den Überblick über die vielen auftretenden Figuren, man muss also schon zügig durchlesen. So lebendig beschrieben wie die Protagonisten bei den Korrekturen sind die Handelnden in der 27sten Stadt nicht. Das Subtile des Heraufbeschwörens einer Krise als Waffe, im Gegensatz zu Bomben und Gewehren, macht anfangs sehr neugierig und man sucht Parallelen in der hiesigen Stadt oder Landespolitik. Leider entscheiden sich die Figuren im Roman dann immer mehr für die traditionellen Vorgehensweisen: Bomben, Entführung, Mord.
Franzen hat sich längst weiterentwickelt, sein letzter Roman ist halt besser, als sein erster. Das soll nicht wundern. Also freuen wir uns auf seinen nächsten, seinen wirklich nächsten allerdings. Der Verlag wird, um die Wartezeit zu verkürzen wohl inzwischen seinen Zweitling "Strong Motion" herausbringen. Aber auch der müsste schon besser sein als die 27ste Stadt.
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am 14. November 2006
... die Jonathan Franzen da vollführt hat. Dabei ist gemeint, welchen Wechsel der Stile es von diesem ersten Buch bis zu "Die Korrekturen" gegeben hat.

Die Meinungen über "Die 27ste Stadt" gehen hier auf amazon.de weit auseinander - man muss aber klar feststellen, dass das Buch immerhin das Erstlingswerk des Autors ist, 1988 geschrieben wurde und 1984 handelt. So ist verständlich, dass andere Themen auf der Tagesordnung standen: die Lethargie der 80er, verwahrlosende Städte in weiten Teilen der USA, die allseits gefürchtete Atombombe, die aufkommende Globalisierung, etc.

Erst in seinem dritten Buch (Die Korrekturen) hat Franzen, der selbst in St. Louis aufgewachsen ist, dann den Faden wiederaufgenommen, und ein großartiges Portrait der USA und dem Verfall der Gesellschaft geschrieben. In "Die 27ste Stadt" übte er nur...

Oft habe ich mich beim Lesen, vor allen Dingen am Anfang, dabei ertappt, wie ich kurz auf den Einband geschielt habe, um zu prüfen, ob ich wirklich ein Buch von Franzen in der Hand habe. Das rührt wohl daher, weil ich, wie wahrscheinlich viele andere, zuerst "Die Korrekturen" gelesen habe. Jetzt erst dieses Buch zu lesen, ist wohl die falsche Reihenfolge. Rohwolt hat sich augenscheinlich nach dem Erfolg des letzten Buches entschieden, auch die Erstlingswerke zu veröffentlichen.

Die Handlung ist dann nämlich doch teils arg abstrus und an den Haaren herbeigezogen: Eine Inderin wird neue Polizeichefin in St. Louis und zieht in ihrem Sog eine ganze Heerschaar von weiteren Indern in die Stadt, die dieser nicht nur Gutes wollen. Das sie dabei selbst (fast) alle Fäden dunkler Machenschaften in der Hand hat, merkt der Leser erst nach und nach. Geleitet von kommunistischen, sozialistischen und bloßen machtgierigen Motiven, versucht ein ganzes Netzwerk von Gefolgsleuten der neuen Chefin im Amt, die Stadt nach deren Vorstellungen zu verändern. Dies geschieht mit einer Art 'Sozialterror', die wichtige Leute in St. Louis zu bestimmten Aktionen veranlassen soll. Das ist nicht sofort und einfach zu verstehen - Franzen ist ein Meister des politischen und zwischenmenschlichen Geklüngels und beschreibt daher jedes Detail.

Affären, Mord und Lügen gehören ebenso dazu wie einige logische Fehler im Buch, die mich verwirrt haben. Es sind dies zum Beispiel zwei Textstellen, die begonnen werden, jeden Bezug vermissen lassen und auch im Verlauf der Handlung nicht aufgeklärt werden. Dazu gesellen sich noch ein paar Übersetzungsfehler und kuriose Details, die einem Deutschen normalerweise nicht auffallen: das eine Baseball- gegen eine Footballmannschaft spielt, ist doch eher selten.

Trotzdem ist dieses Buch extrem flüssig zu lesen, die 670 Seiten sind nicht als solche wahrnehmbar. Es lässt sich ohne weiteres des immense Können Franzens herauslesen, weil er wie kein anderer z.B. Gesichtsausdrücke, Gefühlsregungen und Bewegungen beschreiben kann. Darüberhinaus ist eine große Sachkenntnis und politische Recherchearbeit vonnöten, um so einen Roman zu schreiben. Das dies hier einigermaßen in eine verwirrende Handlung verpackt wird, ist dann nach dem Beenden des Buches eher nebensächlich. Es ist nach wie vor ein gutes Buch.
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am 2. Juni 2005
Die Erwartungen an "Die 27ste Stadt" konnten eigentlich nur zu hoch sein, nachdem Franzen mit den "Korrekturen" so zu begeistern wusste. Sein ausgefeiltes Portrait des Zerfalls einer amerikanischen Familie ist sicherlich ein Glanzpunkt am Buchmarkt der letzten Jahre. Wenn dann aber vom gleichen Autor ein Buch hervorgekramt wird, das bereits mehr als 15 Jahre auf den Buckel hat, sollte man mit hochgesteckten Erwartungen lieber vorsichtig sein, denn wer vorher "Die Korrekturen" gelesen hat, der hat in gewissem Sinne schon die Sahne abgelöffelt.
"Die 27ste Stadt" lässt Franzens großes Talent zwar immer wieder aufblitzen, hat aber dennoch nicht durchgängig Klasse genug, um auf ganzer Linie zu überzeugen. Die Ansätze dessen, was Franzen auch gerade mit Blick auf "Die Korrekturen" so brillant gemacht hat, sind zwar erkennbar, das Buch damit sicherlich für Franzen-Fans interessanter Stoff, dennoch fehlt am Ende das gewisse Etwas.
Ein wenig wirkt "Die 27ste Stadt" wie ein Roman, der nicht so recht weiß, was er will. Ein ehrgeiziges Buch hat Franzen geschaffen, das Kritik am Zerfall der amerikanischen Gesellschaft übt, im Großen, sprich auf sozialer Ebene, wie im Kleinen, anhand der Familie Probst geschildert. Während im Vordergrund wirtschaftlicher Aufschwung den Beginn einer neuen Epoche für St. Louis verheißt, nachdem die Inderin S. Jammu zur Polizeichefin gewählt wurde, verfallen im Hintergrund die moralischen Werte. Aufstieg und Zerfall gehen Hand in Hand.
Der Kern also überzeugt auch schon in Franzens Erstlingswerk, was aber hier und da Kopfschmerzen verursacht, ist der Rahmen. Weiß die "indische Verschwörung" als ironischer Seitenhieb anfangs noch zu überzeugen (schließlich heißen im Englischen sowohl Inder als auch Indianer "Indians"), so bleibt das ganze Verschwörungsgerüst leider ziemlich wackelig. Die Verschwörungsgeschichte wirkt ein wenig so, als wäre sie einfach nur Mittel zum Zweck.
Was Franzen auf erzählerischer Ebene an Punkten verliert, bügelt er sprachlich wieder aus. Wohlakzentuierte und stimmige Vergleiche erzeugen beim Lesen reichhaltige Bilder. Figuren und Handlungen wirken durch Franzens gekonntes Formulieren sehr lebendig. Der Roman hat vor allem auch auf sprachlicher Ebene eine faszinierende Tiefgründigkeit.
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Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts prophezeite man St. Louis eine glänzende Zukunft als bedeutendster Metropole Amerikas voraus. Doch in den Achtziger Jahren ist es eine Stadt des Verfalls, auf Platz 27 der amerikanischen Städte abgerutscht.
Das will S. Jammu, der Export aus Indien, ändern. Mit sich bringt sie die besagte Braut des reichsten Junggesellen aus St. Louis und zahlreiche weitere Helfer, die für sie Bomben legen, damit das rasche Zupacken der Polizeichefin ihr einen Ruf verschafft, für sie Intrigen spinnen, die Frauen und Töchter der einheimischen Oberschicht verführen, um damit die Männer psychisch zu destabilisieren und auch sonst alles tun, was man von klugen Indern erwartet, von dem ein guter Amerikaner ja weiß, dass sie intrigant und reich sind. Ein Mix aus Abhöranlagen, Bombenanschlägen und sexueller Verführung sucht die führenden Familien der Stadt und den Leser heim, langsam bildet sich ein unzugänglicher Dschungel aus Korruption und Verschwörungen.
Gut geschrieben ist das Buch, mancher, der St. Louis kennt, mag die Strukturen erkennen, die Personen sind teilweise stimmig und doch lässt das Werk einen schalen Geschmack zurück. Haben sich keine weißen Bösewichter gefunden, keine einheimischen Intriganten für diese Kolportage? Mag sein, dass es ironisch gemeint war, doch davon bekommt der Leser nichts mit, außer einer Geschichte, die vor Unwahrscheinlichkeiten strotzt wie so mancher anderer Thriller, nur dass hier einfach die Spannung fehlt.
Kein Wunder, dass es erst jetzt übersetzt wurde und hätte Franzen mit seinen „Korrekturen" nicht Furore gemacht, wäre dieses Werk in Deutschland immer noch unbekannt. Niemand hätte es vermisst.
Dass Rowohlt das Buch herausgebracht hat, mag vom ökonomischen Standpunkt verständlich sein, aber es ist ganz sicher kein Buch, das man unbedingt lesen sollte.
(C) Hans Peter Roentgen
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am 25. September 2003
Franzen erzählt in seinem 1988 verfassten Erstlingswerk das alltägliche Drama des „urban renewal" (Luxusmodernisierung, Flächensanierung, Immobilienspekulation, Verdrängung sozial schwacher Mieter etc.) auf nicht gerade alltägliche Art und Weise. St. Louis ist auf den unbedeutenden 27. Platz in der Rangfolge amerikanischer Städte abgerutscht. Alles soll anders werden als eine Inderin aus Bombay zur Polizeichefin ernannt wird. Und alles wird anders werden. S. Jammu erobert in kürzester Zeit die Herzen der Stadt - allerdings nicht nur mit Fleiß und Charme. Sie erhält Unterstützung von einer ausgewählten indischen Gefolgschaft, die mit einem Mix aus Abhöranlagen, Bombenanschlägen und sexueller Verführung die führenden Familien der Stadt unbemerkt in Lebenskrisen stürzen sollen. Langsam bildet sich ein unzugänglicher Dschungel aus Intrigen, Korruption, Verschwörungen, Rassismus, Kolonialismus, Kaltem Krieg und einem alles entscheidenden Referendum. Doch um all das geht es nicht wirklich. Viel mehr geht es um den banalen Wahnsinn, der in weißen, amerikanischen Familien einzieht, wenn die Moralität des suburbanen Alltags brüchig wird. Dass „Suburbia" - in der Gestalt von Websters Groves, dem Ort von Franzens Kindheit - mit all seinen negativen Konsequenzen für die Kernstädte dieser Welt eine prinzipiell zweifelhafte gesellschaftspolitische Erfindung war, das ist Teil des Romans.
Wie auch in den „Korrekturen" stellt Franzen hier sprachgewaltig einen bunten Strauß bizarrer Ideen zusammen. Doch dort wo die „Korrekturen" durch eine unaufgeregte Lust am Schreiben und Beschreiben überzeugten, wirkt „Die 27. Stadt" etwas krampfhaft um Originalität bemüht - einzelne Stories des ausgetüftelten Plots finden nur widerwillig wieder zusammen. Zeichneten sich die „Korrekturen" aus meiner Sicht durch die Überschaubarkeit des liebenswert realistisch skizzierten Personals aus, so ist es hier manchmal schwierig, den Überblick über die Vielzahl der beteiligten Figuren zu behalten. Trotzdem und trotz einiger entbehrlicher Längen: Ich habe das Buch gerne gelesen, fand es durchaus spannend, bisweilen sogar fesselnd.
Hätte sich der Verlag entschieden, das Buch auch ohne den großen Erfolg der Korrekturen nachzulegen? Wohl nicht. Warum also nicht auf das Taschenbuch warten, oder noch besser, gleich auf die englische Version zurückgreifen. Denn in weiten Teilen ist der Roman nicht übersetzbar. Die Story lebt von der Polysemie des englischen Wortes „Indian" (Inder und Indianer) und wenn „Indianer" eine amerikanische Stadt erobern, dann ist das eben etwas ganz anderes als wenn dies „Inder" tun.
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am 10. Oktober 2003
"27" ist die trostlose Platzierung, auf die die ehemals blühende Stadt St. Loius im Business Ranking abgestürzt ist.
Franzen nähert sich Schauplätzen wie eine Kamera. Bei den Korrekturen waren es der Ort, das Wetter, das Elternhaus, der ominöse blaue Sessel des Vaters. Hier sind es St. Louis und seine langweiligen, ereignislosen Strassen, die Aufsehen erregenden indischen Einwanderer und die Hauptdarstellerin Jammu.
Auf eigentümliche Weise kreiert Franzen für die Hauptfigur Jammu ein psychologische Waffe, um die Schlüsselpersonen der Stadt "weich" zu klopfen: Man versetze die Zielpersonen in eine instabile "Krise", aus der heraus sie dann aus freiem Willen Jammu auf den Leim gehen. (Psycho-)Terror und dessen mediale Wirkung also als Mittel der Manipulation. Aktueller geht es kaum!
Die Handlung: St. Louis und sein Umland sollen fusioniert werden. So der Plan der aus Indien rekrutierten neuen Polizeichefin Jammu. Diese wird im Hintergrund von indischen Spekulanten gestützt, die aus den fusionsbedingten Wertverschiebungen von Grundstücken und Immobilien ihren Profit ziehen wollen. Im Ort formieren sich die Gegner und Befürworter der Fusion. Jammu versucht über subtile "Krisen" die wichtigsten Gegner der Fusion für eine Unterstützung zu gewinnen. Auch vor Anschlägen schreckt sie dabei nicht zurück. Und so spitzt sich die Situation zu bis zum Tag der Abstimmung...
Kritisch anzumerken ist die teilweise Langatmigkeit, mit der die Szenerien und Figuren aufgebaut werden. Erschwerend kommen laufende Szenenwechsel hinzu. Viele Handlungsstränge werden aufgebaut und stehen gelassen, bis sie beim nächsten Crash wieder gebraucht werden.
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TOP 500 REZENSENTam 29. Januar 2006
Martin Probst hat den St. Louis Arch erbaut, das große Wahrzeichen des amerikanischen Aufbruchs nach Westen. Die Stadt, in der er das getan hat, war dereinst die viertgrößte Metropole der Vereinigten Staaten und galt manchen lange Zeit als die natürliche Hauptstadt des Landes. Heute befindet sich St. Louis dagegen im freien Fall – der stolze Arch ragt über einem Ort, der auf den Platz 27 auf damit auf den Rang einer amerikanischen Allerweltsstadt abgestürzt ist. Das ist die Lebenswelt von Martin Probst, einem erfolgreichen Bauunternehmen, der als geachteter Vorsitzende des städtischen Wohlfahrtsvereins sein Leben mit schwierigen Bekannten, eitlen Freunden, missgünstigen Schwägern, skurrilen Geschäftspartnern und Ehefrau und Tochter lebt, so gut es eben geht. Ein Gesellschaftsroman über den Niedergang der amerikanischen Stadt?
Nicht nur, denn in dieser 27ste Stadt wird nach der Pensionierung des Posteininhabers völlig überraschend die Inderin Susan Jammu Polizeichefin – und das zu einem Zeitpunkt, als der reichste Junggeselle der Stadt, Sydney Hammacker, die indische Prinzessin Aisha aus Bombay heiratet. Plötzlich tauchen auf den Straßen immer mehr indische Zuwanderer auf, eine indianische (nicht indische!) Terrorgruppe macht von sich reden, Bomben detonieren, Wälder brennen, und Macheinengewehre rattern in der bis dahin so friedlich vor sich hin schrumpfende Gemeinde. Wieso das? Polizeichefin Susan Jammu und Prinzessin Aisha und mit ihnen eine ganze Horde indischer Finsterlinge, so erfährt der erstaunte Leser, haben es sich zum Ziel gesetzt, St. Louis in den Griff zu bekommen, und um dieses Ziel zu erreichen, wird integriert, verwanzt, gelogen und wenn es sein muss, auch gemordet. Also doch kein Gesellschaftsroman sondern eher ein Thriller?
Die Antwort ist: beides, und das ist das Hauptproblem des Romans. Jedes der beiden konkurrierenden Plots hätte zu einem guten Buch verarbeitet werden können, entweder zu einem Gesellschaftsroman im Stile von Updike oder Wolfe zu einem solider Thriller ala Ludlum oder Harris. Zusammen aber stehen sie sich über die gesamte Romanlänge im Weg und enttäuschen sowohl die an literarischen Feinheiten wie die an Mord und Totschlag interessierten Leser. Vor allem die Grundidee der indischen Verschwörung mutet ein wenig an wie die Geschichte vom Satan aus der Kiste, von dem keiner weiß, woher er kommt und warum er überhaupt so böse ist. Auch der groteskerweise erst nach 500 Seiten nachgelieferte und vollkommen uninspirierte Lebenslauf von Susan Jammu macht die Motivlage der emsigen Polizeichefin nicht plausibler. Was veranlasst diese unfassbar begabte und von Indira Gandhi persönlich geförderte Indo-Amerikanerin, eine doch so relativ unbedeutende Stadt wie St. Louis zum Schauplatz einer gigantischen Verwanzungs- und Manipulierungsstrategie zu machen, wo sie doch daheim ein wunderbares Leben führen könnte? Das wird niemand begreifen.
Der Bauunternehmer Martin Probst, anfänglich der Gegenspieler der bösen Polizeichefin, übernimmt die Rolle des Noah, über den das Unglück hereinbricht, ohne dass er die geringste Ahnung besitzt, wieso. Sein Hund wird getötet, seine Tochter zieht aus, seine Kunden machen Bankrott – zu guter Letzt wird auch noch seine Frau entführt und erschossen. Er selbst verfällt dem morbiden Charme der Polizeichefin, obwohl sie „von der Seite aussieht wie eine Greisin, die keine zehn Jahre mehr zu leben haben wird“. Das wird erst recht niemand verstehen können.
Auf kommunaler und politischer Ebene dreht sich derweil alles um ein großes Referendum, mit dem auf Initiative von Polizeichefin die Wiedervereinigung von City und County eingeleitet werden soll, ein Plan, den die einen heftig befürworten und die andere ebenso heftig bekämpfen. Welche Vor- und Nachteile dieses Referendum haben soll, wird übrigens auf immer ein Geheimnis des Autors bleiben – aus dem Text und der Handlung heraus ist das für normalintelligente Leser jedenfalls nicht zu erschließen.
So torkelt der große Roman zwischen Gesellschaftskritik und Thriller über Hunderte von Seiten vor sich hin. Firmenchefs verlegen ihre Firmenzentrale vom Land in die Stadt und werden gefeuert, Finanzdezernenten werden ermordet, und als sei das nicht genug, tappen noch über zwei Dutzend Nebenfiguren wie Blinde und ohne erkennbar poetologische Funktion durch die weit gespannte Handlung des Romans. Am Ende kommt dann alles anders, als man denkt. Das Referendum scheitert mangels Wahlbeteiligung, was denn Autor zu einem rätselhaften Kurzessay über Amerika veranlasst ( S. 632f. ). Die so unglaublich willensstarke Jammu, die geradezu frappant an die böse Generalin Wu in Schätzings „Schwarm“ erinnert, erschießt sich, Martin Probst, um Hund, Frau, Haus und Tochter ärmer, sichtet die Überreste seines Lebens - und der Leser bleibt ratlos zurück.
Die Thriller-Elemente und die am Ende gerade drehbuchartige Erzähltechnik haben ihn bis zuletzt bei der Stange gehalten, die geistreichen Miniaturen und brillante Apercus, die bereits den großen Jonathan Frantzen der "Korrekturen" ahnen lassen, haben ihn für viele Unstimmigkeiten und Längen entschädigt. Trotzdem bleibt alles am Ende die Empfindung, dass hier ein Romanprojekt an seiner viel zu gewaltigen Ambition und der Vermischung der Genres gescheitert ist und dass man ein Werk gelesen hat, in dem sich der junge Romancier (Franzen war bei der Veröffentlichung des Romans gerade mal 29 Jahre alt) noch nicht so recht entscheiden konnte, ob er Philip Roth oder Ken Follett sein wollte.
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am 21. Oktober 2005
Nachdem mich Franzens "Korrekturen" vollkommen umgehauen hatten, wollte ich natürlich mehr von ihm lesen und habe mich für die "27ste Stadt" entschieden (weil es "Schweres Beben" noch nicht als Taschenbuch gibt). Bei diesem Roman habe ich etwas länger dazu gebraucht, mich einzulesen und mußte mich auch etwas mehr durch schwierige Passagen durcharbeiten, als bei seinem Vorgänger (der ja eigentlich ein Nachfolger ist), aber dann kamen immer wieder ganz faszinierende Stellen. Ganz besonders der letzte Teil des Buches, ungefähr das letzte Drittel, war mal wieder ganz toll zu lesen.
Bei Franzen gilt nun für mich: Durchhalten, du wirst immer wieder reich dafür belohnt!
Nun mußte ich "Schweres Beben" doch schon als gebundene Ausgabe haben, weil ich nicht auf die Taschenbuchausgabe warten kann und quäle mich nun (besonders im Bett) mit diesem riesigen, schweren Monstrum von Buch herum und frage mich immer wieder, ob Franzen das wohl alles extra für mich geschrieben hat.
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am 25. März 2015
Den Verrissen mancher meiner Vorgänger kann ich mich zwar nicht so ganz anschließen, trotzdem blieben auch bei mir nach der Lektüre des über 600 Seiten starken Werkes einige Fragen offen. Zweifellos ist der Roman sehr intelligent geschrieben. Es geht um Macht, deren Missbrauch, Intrigen und politische Ränke. Allerdings wird bis zum Schluss nicht so recht klar, worin genau das sog. „Projekt“ der einen Hauptfigur, der indischstämmigen Polizeichefin von St. Louis, S. Jammu, besteht und zu welchem Zweck genau sie ihre intriganten und kriminellen Fäden spinnt. Ich habe mich während des Lesens immer öfter gefragt, was das Ganze denn nun wirklich sollte und worauf der Autor mit seiner Story hinauswollte.
Auch kam bei mir erst ziemlich zum Schluss der Geschichte so etwas wie Spannung auf, wie sie denn nun endet. Insgesamt also ein etwas getrübtes Lesevergnügen und nicht mehr als drei Sterne.
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