Kundenrezensionen


25 Rezensionen
5 Sterne:
 (19)
4 Sterne:
 (5)
3 Sterne:
 (1)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


50 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Tanzkomposition
Rudolf Nurejew war schlechthin "der" Tänzer des vorigen Jahrhunderts, der schöne Mann aus der verbotenen Stadt Ufa, der Waffenschmiede der ehemaligen Sowjetunion.In diese Stadt wurden damals die Intellektuellen verbannt, wenn sie Zwangsarbeit leisten mussten. Dort wuchs das Kind "Rudik" auf, und der dann schon berühmte Tänzer Rudolf Nurejew setzte sich...
Veröffentlicht am 12. Dezember 2003 von Carl-heinrich Bock

versus
11 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen zuviel erwartet?
Nachdem Elke Heidenreich in ihrer Sendung Lesen! mächtig Appetit auf dieses Buch gemacht hat und auch die Rezensionen mehr als überschwänglich waren, ging ich mit großer Neugier an dieses Buch heran.
Leider verloren sich die einzelnen Handlungsstränge und Chraraktere in für mich nicht nachvollziehbaren Orts- und Zeitwechsel und mehrmals...
Veröffentlicht am 30. Januar 2004 von K. Dittrich


‹ Zurück | 1 2 3 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

50 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Tanzkomposition, 12. Dezember 2003
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Tänzer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Rudolf Nurejew war schlechthin "der" Tänzer des vorigen Jahrhunderts, der schöne Mann aus der verbotenen Stadt Ufa, der Waffenschmiede der ehemaligen Sowjetunion.In diese Stadt wurden damals die Intellektuellen verbannt, wenn sie Zwangsarbeit leisten mussten. Dort wuchs das Kind "Rudik" auf, und der dann schon berühmte Tänzer Rudolf Nurejew setzte sich 1961 in den Westen ab und erlangte Weltruhm. Es gibt natürlich jede Menge Biographien über ihn und Colum McCann hat diese mit Sicherheit alle gelesen.
Er arbeitet sich in seinem Roman an diesen realen Daten und Gegebenheiten entlang. McCann geht es um den Menschen hinter dem Hauch seines ihn umgebenden Glanzes. Aber er stellt sich vor, wie alles gewesen sein könnte: Die armselige, karge Kindheit in Kriegszeiten; die Jugend im stalinistischen Russland-wahrlich keine Zeit in der man sich als Künstler entfalten konnte.Spät erst hat dieser wunderschöne Tatarenjunge "Rudnik" zu tanzen angefangen, gefördert von der Ballerina Anna, die nach Ufa verbannt war und sein Talent dort entdeckte.Und dann der Westen. Nurejew, der umjubelte Star, dem man schon in der ersten Saison in Paris nicht nur Rosen, Narzissen, Liebesbriefe, Unterwäsche, Hotelschlüssel und erotische Polaroidfotos auf die Bühne warf, sondern immer auch Todesdrohungen und Glasscherben.
Mit einer Aufzählung dieser Dinge, die auf die Bühne fliegen, fängt dieses Buch an und es endet mit einer Aufzählung der Dinge, die nach Nurejews Tod versteigert werden. Was bleibt von seinem Leben übrig? Den Tod selbst erwähnt McCann nicht. Wir wissen, er starb 1993, im Alter von nur 55 Jahren.
Es beginnt in den Kriegswirren in einem Hospital in Ufa. McCann beschreibt in diesem Buch das Elend von Soldaten so eindrucksvoll, wie man es wohl nicht noch einmal wieder finden wird. Die russischen Soldaten kehren heim, haben ihre Schuldigkeit getan, werden in Ufa abgeladen, wo sie keiner sieht, mit amputierten Gliedmaßen, mit schwersten Verletzungen. Und das Kind "Rudik" tanzt für sie, da tanzt er zum ersten Mal, findet sein erstes Publikum, erhält den ersten Beifall von diesen schwer verletzten Soldaten. Ein unter die Haut gehendes Kapitel.
Aber es gibt in diesem Buch auch ein ganz berauschendes Kapitel, dass sich über 45 Seiten hinzieht und dass man wirklich liest ohne das Buch aus der Hand zu legen. Das ist das Kapitel welches erzählt wie der homosexuelle Rudolf mit seinem Freund Victor nachts durch New York streift. Ruhelos, von einer Schwulenbar zur anderen, von einer Sauna zur anderen. Morgens landen sie schließlich am Schlachthof, bei den Lastwagenfahrern. Dort findet man da dann noch in einem Fahrerhaus einen letzten Partner. Unruhig, eckstatisch, egozentrisch und auf der Suche nach dem Spiel mit dem Feuer, nach abnormer Sexualität natürlich.
Zwischen den Kapiteln dann die Stationen eines Lebens. Aus seiner Sicht, aus der Sicht seiner Familie und der seiner Freunde. Jedes Kapitel hat eine andere Melodie. Es wird niemals langweilig. Und es liest sich auch wie eine Chronik des vergangenen Jahrhunderts, es ist das Portrait der Zeit in der der Eiserne Vorhang fällt.
Ein späteres Kapitel beschreibt dann wie sein Freund Victor an Aids stirbt. Das Wort Aids erwähnt McCann nicht, es kreist über diesem Kapitel. Es ist ein trauriges und elendes Ende. Wir wissen, auch Nurejew hat seinen homosexuellen Freiheitsdrang, seine sexuelle Lust bitter bezahlt. Er ist auch wie sein Freund an Ads gestorben.
Dann der Glanz der zahlreichen Parties nach den Ballettpremieren. Übrigens ist vom Tanz selber gar nicht so viel die Rede. Nurejew selber ist der Tanz, Es heißt einmal:"Er ist zu Hause im Königreich seiner selbst". Und wenn er in die Luft springt, hat man das Gefühl, er wird nie wieder auf den Boden kommen.
Nurejew war unwahrscheinlich schön und faszinierend, ein Fanatiker seiner Kunst. Faszinierend ist auch dieses Buch, es ist spannend, poetisch, es ist lebendig und belebend. McCann, ein irischer Autor der seit Jahren in New York lebt, ist ein Geschichtenschreiber wie wir wirklich nur wenige kennen. Und ob die Geschichte die er hier erzählt wahr ist oder nicht, das ist schließlich ganz egal, sie ist auf jeden fall wahrhaftig. Sie bringt uns einen der größten Künstler des vergangenen Jahrhunderts sehr nahe und zeigt darüber hinaus auch den Preis auf, den man zahlen muss, um so ein begnadeter Künstler zu sein.
Das Buch muss man einfach lesen, weil es wunderbare Literatur ist.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Tanz ohne Gleichen., 20. November 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Tänzer. Roman um den Ballettänzer Rudolf Nurejew. (Taschenbuch)
Der rote Einband ist schon Sinnbild der Leidenschaft, die diesen Roman treiben wird. McCanns Geschichte des Balletttänzers Nurejew nahm mich mit wie selten ein Roman. Angefangen in der Trostlosigkeit der Sowjetunion nach dem zweiten Weltkrieg, über den kometenhaften Aufstieg nach der Flucht in den Westen findet dieser Roman sein Finale wieder in der Sowjetunion, in die Nurejew, nach seine Flucht in der Heimat geächtet, für 48 Stunden kurz vor dem Tode seiner Mutter zurückkehren darf. Dazwischen wechseln Tempo und Stil der Geschichte immer wieder mit dem Blickwinkel von Nurejews Begleitern: die Ruhe und Gelassenheit von Schuhmacher und Haushälterin die den von sich selbst Getriebenen Momente der Ruhe geben, die hysterisch-hektische, erotisierende Triebhaftigkeit die seinen Liebespartnern innewohnt und die disziplinierte, dem Tanz hingegebene Spannung seiner Partnerinnen. Dazwischen: Nurejew, seine Familien und seine Ziehfamilie. Allesamt hin- und hergerissen, ja zerrissen von der Suche nach Wärme, Liebe und Anerkennung für Nurejew und für einander. Die Geschichte eines Lebens, die Einblicke in Milieus und Zeiten gibt, in die man sonst selbst kaum reisen kann und die manchmal den Atem raubt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Künstler zwischen Genie und Wahnsinn, 19. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Tänzer. Roman um den Ballettänzer Rudolf Nurejew. (Taschenbuch)
...das ist die Realität Nurejews gewesen, welche dem Autor zu erfassen voll und ganz gelungen ist - jedoch eben nicht durch reine historische Faktentreue, sondern duch Wandel der Sprache, der Rollen, der Gescwindigkeit, der Farben. Der Leser wird hineingezogen in einen wilden, schönen Strudel des Fühlens und Erlebens, wird Teil des Hin- und Herschwingens zwischen Äufbäumen gegen sozialistische Unterdrückung und Opfer werden von kapitalistischen Auswüchsen, spürt die Verzweiflung im Hetzen von Mensch zu Mensch und Affäre zu Affäre - einfach ein tolles Buch.
Literarisch ein Genuß.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


29 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch wie ein Tanz, 11. August 2003
Von 
Helmut Cremers "Helmut Cremers" (Oberhausen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Tänzer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch wie ein Tanz um die Legende Rudolf Nurejew. Dumpf beginnt er, dieser Tanz, in den ärmlichen Verhältnissen der russischen Stadt Ufa.Aber dort leuchtet ein Stern. Der heranwachsende "Rudik", der die Verwundeten des Zweiten Weltkriegs mit seinem Vortanz Vergangenheit vergessen läßt.Ballerina Anna erkennt dieses großartige Talent und fördert es.Schon bald ist Rudik Star des St. Petersburger Ensembles und schließlich, nach einem Gastspiel in Paris,"verrät" er seine russische Heimat. Er wird zum Star, zum schillernden Stern der westlichen Welt. Keiner, der ihn nicht kennt, nicht bewundert,nicht von ihm verzaubert wird, von seinem Tanz nicht und nicht von seiner Persönlichkeit.Und Nurejew ist es, der verwöhnte Fanatiker seiner Kunst,er ist es, dem eins versagt bleibt, was er sich am sehnlichsten wünscht: von seiner Mutter erkannt zu werden.
Die Zerrissenheit seiner Seele, das ist das Thema von Colum McCann.Wer war er wirklich, wie hat er tatsächlich gefühlt,wie sehr konnte wirklich andere Menschen lieben, dieser begnadete, egozentrische Tänzer?
Lassen Sie sich auf diesen Tanz ein. Der Autor hat eine hervorragende "Tanzkomposition" geschrieben. Ein exentrischer, außergewöhnlicher, sehr intimer Tanz.
Dieses Buch ist kein Film. Es ist ein Buch. Gott sei Dank. Wenn Sie die ersten "Schritte" gelesen haben,werden Sie leicht mittanzen können oder Sie werden es lassen!
Ein Buch wie ein Theaterabend eben... nur noch besser!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sein Leben dem Ruhm, 1. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Tänzer. Roman um den Ballettänzer Rudolf Nurejew. (Taschenbuch)
Colum Mc Cann setzt in seinem Roman das Leben des russisch-österreichischen Balletttänzers Rudolf Nurejew in ein Licht, das nicht nur Anhängern des Balletts schmeichelt sondern auch dem breiten Volk eine neue Sichtweise bietet.

Von Kindesbeinen an verfolgt der Leser die Geschichte des Ausnahmetänzers und nicht nur seine Geschichte. Aus der Perspektive sehr unterschiedlicher Menschen wird sein Werdegang beschrieben und damit die Situation in Russland am Ende und nach dem zweiten Weltkrieg, die Unterschiede der westlichen, kapitalistischen zur östlichen, kommunistischen Welt sind sehr deutlich heraus gearbeitet. Seine Wegbegleiter und Erzähler sind Familienmitglieder, seine erste Tanzlehrerin, ihr Mann und deren Tochter, die ihn in Leningrad aufnimmt, seine Partner auf der Bühne, im Leben und in der Lieben. Sogar er selbst wird erzählen, doch nur solange er die Unschuld eines Kindes behält. Mit seinem wachsenden Ruhm wird er immer unzugänglicher und lässt zum Schluss von sich nur noch durch seine ergebene und treue Haushälterin erzählen.

Nicht allein die Geschichte des exzentrischen und manchmal unausstehlichen Nurejew bewegen, sondern auch die unscheinbaren, alltäglicheren Schicksale seiner Begleiter. Die Beschreibung eines unfreien Lebens in Russland ist besonders hervorzuheben. Nurejew selbst muss ein unsagbar ausufernder aber auch leidender und depressiver Mensch gewesen sein. Die letzten Jahre seiner Karriere, das Abstumpfen seines Talents und die Anmerkungen der Presse werden sehr feinfühlig behandelt, seine fortschreitende Aids Erkrankung wird höchstens angedeutet. Über seinen Tod schreibt Mc Cann nicht.

Ein ausgesprochen spannend und bewegend erzählter, sehr raffiniert im Wechsel der Perspektiven und bestechend ehrlich gestalteter Roman, der mit einer Biographie allein den Hauptakteur und Eckpunkte seines Lebens teilt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Rudolf Nurejew - ein TRAUM -Tänzer, 30. Juni 2007
Von 
B. Kugler "Bücherfan" (Michelfeld, BW Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Tänzer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Rudolf Nurejew - der Ballett-Tänzer schlechthin. Das Buch - keine Biografie - erzählt sehr abwechslungsreich von seiner Kindheit, seinem Aufstieg und deutet das Ende leider nur an.

Begonnen wird mit Paris 1961: eine Aufzählung, was in seiner ersten Saison auf die Bühne geworfen wurde.

Es folgt Buch 1: Sowjetunion 1941-1956; Leningrad, Ufa, 1956-1961; Ufa, Leningrad 1961-1964. Es wird aus dem Blickwinkel der ersten Tanzlehrerin erzählt, in Form von Tagebucheintragungen der Tochter der Tanzlehrerin, Julia, wo Rudolf am Anfang seiner Karriere unterkommt. Erwähnt werden die Schwierigkeiten, die seine Familie und seine Freunde in der Sowjetunion haben, nachdem Rudolf sich abgesetzt hat. Und so ergibt sich aus Bruchstücken der Werdegang.

Buch Zwei 1961-1971 Schlaglichter aus der Sicht von Rudolf selbst.

Buch Drei New York 1975 Viktor Pareci berichtet. Das ist das Kapitel, das direkt und für meinen Geschmack etwas zu ausschweifend über die sexuellen Neigungen der beiden und auch anderen Protagonisten berichtet.

Leningrad 1975-1976 Julia adoptiert nach ihrer Scheidung ein Kind. Eine Rahmenhandlung.

Die 80er Jahre Paris, London, Caracas. Jetzt berichtet die Haushälterin von Rudolf, Odile.

Buch Vier Ufa, Leningrad 1984 Jetzt wieder aus der Sicht der Schwester und Julia. Rudolf reist in die Sowjetunion ein und besucht die Familie und Julia.

Das Ende des Buches ist eine unvollständige Aufzählung von Objekten der Rudolf-Nurjew-Sammlung, die versteigert wurden und welche Preise erzielt wurden. Soviel zu seinem Tod.

Sein Reichtum und die Armut der Familie stehen in einem krassen Gegensatz und sind schockierend. Er lässt ein ganzes Orchester einfliegen, die Familie hat nicht genügend zu essen und friert. Rudolf hat einen unberechenbaren Charakter und ist eine exzentrische Persönlichkeit, die nicht immer gut zu seinen Mitmenschen ist. Das beschattet seinen glänzenden Stern etwas.

Seine künstlerische und gegen Ende seines Lebens choreografische Leistungen kommen m.E. zu kurz. AIDS wird nie erwähnt, man muss es schon wissen, dass er daran gestorben ist. Seine HIV-Erkrankung und die letzten Jahre seines Lebens werden im Buch ausgelassen, was schade ist, denn es hätte das Bild abgerundet. Trotzdem lesenswert.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mosaik, 30. Juni 2008
Rezension bezieht sich auf: Der Tänzer (Gebundene Ausgabe)
Da ich kein Ballettkenner oder -fan bin, habe ich keine Biographie erwartet/erwünscht. Trotzdem muß ich sagen, daß ich im Mittelteil das Buch öfters gerne gegen die Wand geklatscht hätte. Für diese 60 Seiten "Nurejew-Splitter" habe ich 5 Tage gebraucht, dermaßen ärgerlich waren sie mir. Es hat mich unglaublich geärgert, mit welcher Arroganz dort Namen der Zeitgeschichte hingestreut werden, und der Leser, der das Pech hat, diese nicht zu kennen, im Dunklen steht, weil er nicht mal googeln kann bei Vornamen: Jacques (Derrida), Ninette (de Valois), Richter (Swatislaw o.s.ä.). Diese 3 kannte ich zufällig, dafür sind mir mind. 15 entgangen.

Ich kann nur vermuten, daß es die verdammte Absicht des Autors war, uns diesem Menschen, dieser Seele "Nurejew" nicht näherkommen zu lassen. Nach genug Ärgern habe ich mich entschieden, daß dieser Weg genial ist.

Die Sprachmächtigkeit des Autors ist grandios. Das Buch beginnt dermaßen stark mit der Heimkehr der russischen Soldaten. Mehrmals las ich diesen Abschnitt. Die Errichtung des Bades für die Soldaten in einem Gewächshaus durch die Frauen. Unvergeßlich. Usw.

Wann immer ANDERE über "Nurejew" schreiben, ist es spannend, informativ, warm, aber nur deshalb, weil wir soviel über diese "Anderen" erfahren, über das Leben in Russland, zu dieser Zeit, und m.E. sind DAS die Hauptfiguren des Romans. Seine Tanzlehrerin, deren Mann und deren Tochter, seine Schwester, Mutter, Vater, ein Bühnenarbeiter, ein namenloser Konkurrent in der Tanzschule, sein Freund Viktor, und nicht zuletzt seine Haushälterin und sein Schuhmacher (wunderschöne Liebesgeschichte). Nur diese Menschen werden wirklich lebendig in dieserm Buch.

Die Figur "Nurejew" dient lediglich als Brennglas. In den 60 Seiten des Mittelteils, um den sich alles nur um ihn dreht, schwirrt er umher wie ein Kolibri, und näher werden wir ihm nicht kommen. NIE spricht er selbst. Und der Autor ist schlau genug, ihm keine Worte in den Mund zu legen. Der Tänzer Nurejew WAR eine Bühnenfigur, die zahllose Menschen inspiriert hat, die einen Zauber verströmt hat. Und dabei bleibt es hier auch. Auch der Leser sitzt hinten im Saal, schaut auf die Bühne und kann diesem Menschen nicht näherkommen, was genau den Zauber ausmacht.

Vielleicht kann man einem Menschen auch nicht näher kommen als im Vorspann: was alles auf die Bühne geworfen wurde, wenn er tanzte, und im Nachspann: was alles versteigert wurde, nachdem er tot war. War schon sehr ergreifend, wieviel eine Liste von Dingen aussagen kann, und daß selbst wenn keiner was über uns schreibt, eine Liste unseres Nachlasses intimer und entlarvender ist als alles, was jemand über uns schreiben könnte.

Ich werde dieses Buch jedenfalls nicht vergessen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hervorragend, 26. Juli 2006
Rezension bezieht sich auf: Der Tänzer (Gebundene Ausgabe)
Colum McCann hat sich mit diesem Roman selbst übertroffen. Ist man einmal in der Geschichte drin, möchte man gar nicht mehr aufhören zu lesen. Wer Exzentriker mag, liegt mit der Lebensbeschreibung Rudolf Nurejews genau richtig. Diese Beschreibung ist zwar sehr künstlerisch und überaus geschickt geschrieben,wird aber trotzdem nie anstrengend,sondern fördert eher eine unterhaltsame Lektüre...

Sehr empfehlenswert,auch für Leute,die sich überhaupt nicht fürs Ballett interessieren.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Exzessive Figuren, 24. September 2010
Von 
Gerhard Mersmann "GM" (Mannheim) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Tänzer. Roman um den Ballettänzer Rudolf Nurejew. (Taschenbuch)
Es gehört eine Menge Selbstvertrauen dazu, mit nur 37 Jahren sich ein einen Roman zu wagen, der eine Figur zum Thema hat, die real und legendär war. Der irische Schriftsteller Colum McCann wählte als Stoff das Leben des Rudolf Nurejew, der 1993 gestorben war und zu den phänomenalsten Gestalten des Ballet gehörte. Niemand hat das Publikum mehr fasziniert und gespalten, nahezu außerirdisch durch seine Bühnenpräsenz und kaum zu ertragen durch seinen Egoismus, seine Exzesse und seine Rücksichtslosigkeit.

Colum McCann hat sich bei der Komposition des Romans für einen multiplen Perspektivismus entschieden, in dem er Zeitgenossen und Lebensgefährten erzählen lässt. Der Protagonist bleibt Nurejew, der jedoch nie unmittelbar auftritt, sondern dessen Partitur gestaltet wird von Edelkomparsen, die die einzelnen Figuren zu einem Ganzen zusammensetzen. Daraus entsteht ein Bild, das fasziniert und gleichzeitig entmythisiert, der alles überragender Tänzer wird eine reale Gestalt, mit ihren Fähigkeiten, Gebrechen und Wunden.

Die Biographie des Tänzers ist ein Dokument des 20. Jahrhunderts, in seiner Zerrissenheit und Absurdität, in seiner Einfalt und Freiheit. In seiner Heimatstadt Ufa, der Waffenschmiede der UdSSR, tanzt Rudnik Nurejew bereits als kleines tatarisches Kind vor den die Lazarette überfüllenden gemetzelten Rotgardisten, die von der Front zurück gebracht werden. Gegen die Widerstände des Vaters, der, wie sollte es anders sein, den begabten Rudnik lieber als Ingenieur oder Arzt gesehen hätte, nimmt er heimlich Tanzunterricht bei Dissidenten, schafft den Sprung nach Leningrad ans Kirow-Theater, leidet unter dem Rigorismus des Regimes, dem natürlich die Homosexualität Nurejews ein Dorn im Auge ist und flieht folgerichtig bei der ersten Auslandstournee in Paris.

Es folgt ein Siegeszug um die Welt, Paris, London und New York werden seine Domizile, er erlangt Ruhm und Reichtum, lebt exzessiv und grotesk. Seine sexuellen Extravaganzen erschüttern selbst das liberale New York, doch dem Magier der Bühne wird alles verziehen. Es ist nicht die künstlerische Qualität, die seinen Ruhm begründet, sondern seine magische Präsenz, die einzigartig ist und ihm Auftritte wie in Wien beschert, nach dem er 89 Vorhänge bekommt!

Der Stachel im Fleisch Nurejews bleibt die Trennung von der Familie, das Wissen um die Trostlosigkeit ihres Daseins und seine Machtlosigkeit, daran etwas zu ändern. Viele seiner Extravaganzen erscheinen als Kompensationshandlungen für diese Impotenz, das Unvermögen, das Schicksal zu ändern. Nurejew hört nicht auf zu tanzen, als es an der Zeit ist, er geht den langsamen Weg nach unten, ohne sich zu beklagen, und stirbt mit 55 als Tribut an seinen exzessiven Lebenswandel.

Colum McCann ist ein Roman gelungen, in dem der Konnex von Ruhm und Verletzlichkeit so deutlich wird wie selten.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein atemberaubendes Buch., 5. August 2010
Von 
Doreen Matthiessen - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Der Tänzer. Roman um den Ballettänzer Rudolf Nurejew. (Taschenbuch)
Colum McCann ist für mich einer der besten zeitgenössischen Autoren - weil er so besondere Themen findet und weil er scheinbar mit den Stilen spielt. In Wahrheit spielt er nicht damit, er beherrscht sie.
In dem Roman "Der Tänzer" ist ihm etwas ganz Besonderes gelungen:
Er erzählt diese Geschichte aus den verschiedensten Perspektiven, lässt Verwandte, Begleiter und Weggefährten des Nurejew subtil und eindringlich zu Wort kommen und verleiht jedem einzelnen eine eigene Sprache.
Das ist die hohe Kunst des Romans, wenn der Autor nicht selbst spricht, sondern sprechen lässt und die Worte immer authentisch klingen.
Obwohl mich die Figur des Tänzers zunächst gar nicht interessierte und ich diesen Roman kaufte, weil ich alle Bücher von McCann nicht nur lesen, sondern auch besitzen will, hat mich dieses Buch gefesselt.
Die morbide Traurigkeit der alten Sowjetunion habe ich nie eindringlicher gesehen. Die rastlose Getriebenheit des Künstlers konnte ich beim lesen spüren, seine Zerrissenheit, die Eitelkeit, die Sehnsucht - alles atemberaubend erzählt.

Carla Berling
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 2 3 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Der Tänzer. Roman um den Ballettänzer Rudolf Nurejew.
Der Tänzer. Roman um den Ballettänzer Rudolf Nurejew. von Colum McCann (Taschenbuch - 1. Dezember 2004)
EUR 9,99
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen