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VINE-PRODUKTTESTERam 11. November 2004
Cal Stephanides, Enkel griechischer Einwanderer, die sich in Detroit niedergelassen haben, erzählt seine Familiensaga ausgehend vom Aufbruch der Großeltern aus Smyrna bis zu seinem Leben als Hermaphrodit.
Von Anfang an lässt der Erzähler den Leser nicht im Ungewissen über seine Eigentümlichkeit, Merkmale beiderlei Geschlechts zu besitzen, was bei ihm genetisch bedingt ist. Um den genauen Weg des Gens zu verfolgen, das, über Generationen rezessiv vorhanden, nun bei ihm dominant geworden ist, setzt er bei seinen Großeltern Lefty und Desdemona an, die zwar von Geburt her sowohl Geschwister als auch Cousins sind, aber dennoch später ein Ehepaar werden. Ihr gemeinsamer Sohn Milton heiratet auch eine direkte Cousine.
Der Autor erzählt die Geschichte, die in weiten Teilen eine Leidensgeschichte ist, leicht und locker, melancholisch zwar, aber ohne Jammer oder Sentimentalität. Auffallens ist die Langsamkeit und die epische Breite schon in diesem Teil des Buches, der eigentlich nur Vorgeschichte ist.
Der Moment, auf den hin sich die Spannung des Buches aufbaut, ist die Entdeckung der Zweigeschlechtlichkeit und die Frage, wie Cal dies verkraftet und wie es sein weiteres Leben beeinflusst. Doch vorher lebt er zunächst 14 Jahre als Mädchen; er entdeckt Besonderheiten an sich - seine pubertäte Entwicklung ist nicht die eines Mädchens - und empfindet Liebe und sexuelles Hingezogensein zu Mädchen. Als Leser steht man daneben und fragt sich fassungslos, wieso in all den Jahren sowohl der Mutter (z.B. beim Wickeln) als auch den Ärzten die Zweigeschlechtlichkeit verborgen blieb. Der einzige, der feststellt, dass er anders ist als die andern und sich daher z.B. vor Umkleidekabinen drückt, ist Cal selbst, aber was mit ihm/ihr nicht stimmt, weiss er/sie natürlich nicht.
Der in meinen Augen beste, weil komprimierteste und damit dichteste Teil ist die Phase zwischen Entdeckung und Rückkehr. Auch für den Leser wird es Zeit, Cals häusliche Enge und die feste Bindung an die ganze griechisch-stämmige Verwandtschaft zu verlassen und sich in ein neues Umfeld zu begeben.
"Middlesex" ist ein ansprechendes gutes Buch; wenn die Langsamkeit und das schleichende Erzähltempo (muss man wirklich eine halbe Seite lang den Inhalt des Kosmetikschrankes einer 13jährigen beschreiben?) gelegentlich von schnelleren Passagen unterbrochen wären, denn nicht alle Begebenheiten sind gleich wichtig, hätte ich 5 Sterne gegeben.
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am 7. Mai 2003
Ach, ein wundervolles Buch: Auch wenn ich es anfangs nicht lesen wollte – Hermaphroditen gehörten bisher nicht auf die Hitliste der Themen, die mich brennend interessieren –, kann man sich der Geschichte schon nach der ersten Seite gar nicht mehr entziehen: Eugenides erzählt eine hinreißend berührende, humorvolle und ganz und gar dramatische Familiengeschichte, die um 1920 in einem kleinen Dorf in Griechenland mit einem Geschwisterpaar beginnt und auf dem Weg nach Amerika eine inzestuöse Wendung nimmt, und nach langen Jahren in Detroit schließlich im heutigen Berlin landet. In der Geschichte des Mädchens Callie, die nach einer verwirrenden Liebesgeschichte erst nach einem Unfall in ihrer Pubertät endlich erfährt, warum sie so anders ist, als die anderen Mädchen, geht es dabei auch gar nicht um Abnormalität: Callie oder Cal und ihre/seine erstaunliche Suche nach dem eigene Geschlecht verkörpern die ewigen Fragen danach, wer man eigentlich ist, woher man kommt, und wohin man gehört. Eugenides erzählt nicht nur eine sensationelle Geschichte, die man noch nie gehört hat, sondern verliert innerhalb seines komplexen Romans nie das Gleichgewicht, beschreibt alle häufig verunsichernden Facetten mit Einsicht, Intelligenz und großer Wärme.
Und wenn man plötzlich am Ende dieses Romans angekommen ist, bleibt einem als Trost nur, dass man ja gleich wieder von vorne anfangen kann.
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am 7. Juli 2006
Dies ist die Geschichte von Schwester und Bruder im Griechenland der Zwanziger Jahre, die durch Kriegswirren und Flucht zu Mann und Frau werden. Jahre später hat der Inzest überraschende Folgen: der Hermaphroditismus eines Enkels, des Erzählers Callie Stephanides, der genetisch ein Mann ist, als Mädchen aufwächst, und im pubertären Alter seine zweite Geburt in einem anderen Geschlecht erlebt.

Ein Roman, der alles sein will: packendes Geschichtszeugnis, Liebesgeschichte, Familiensaga, wissenschaftlicher Exkurs in die Genetik, Selbstfindung eines Heranwachsenden und eine Geschichte der Stadt Detroit. Kann so etwas gut gehen ? Mit origineller und erfrischender Sprache schafft es Eugenides stets, den überaus weiten Bogen zu spannen. Man merkt dem Roman die Ordnung und Organisiertheit an, die nötig ist, um dem gerecht zu werden. Aber ist es nicht genau das, was das Leben ist: ein Potpurri aus Diesem und Jenem? Mit einem originellen Wortreichtum wie einem bunten Blumenstrauss hat Eugenides die Zügel stets fest in der Hand. Die Häufigkeit, mit der sich in diesem Roman unglaubliche Begebenheiten aneinanderreichen, stellt allerdings das Durchschnittsleben mit Sicherheit in den Schatten. Herzerfrischend kommt der Roman daher, die über 700 Seiten werden so zum kurzweiligen Vergnügen.

Zwischendurch stösst man im Text immer wieder auf wirklich sensationelle Passagen, hier vor allem zu nennen die erste Liebe zu dem Mädchen, das nur "das Objekt" genannt wird (ab Seite 451 der rororo-Paperback-Ausgabe). Frei von sexuellen Vorurteilen und Erfahrungen erlebt der Romanheld eine überaus feinfühlige Flut erster sexueller Regungen. Zu diesem Zeitpunkt ist ihm sein männliches Geschlecht noch nicht bekannt, wenngleich er es an seinen Gefühlen zu diesem Mädchen schon spürt.
Auch beeindruckend: die letzten Sekunden im Leben des Vaters von Callie. Nach einem Autounfall stürzt er, im Auto sitzend, in den Fluss. Dass das Leben in den letzten Sekunden vor dem Tod wie Filmbilder vor den Augen abläuft, das hat man schon oft gehört und gelesen. Aber noch niemals habe ich es mit solch einer Gegenwärtigkeit und Bildhaftigkeit miterlebt, die direkt ins Herz trifft (ab Seite 707).

Sucht man im Internet nach mehr Informtionen über den Autor des Romans, stösst man auf frappierende Ähnlichkeiten zu Callie Stephanides: beschreibt sich der Romanheld im Erwachsenenalter, ähnelt diese Schilderung dem Bilde von Eugenides ziemlich, ebenso andere Details: der Wohnsitz in Berlin und eine Ehefrau/Freundin mit asiatischer Abstammung. Anscheinend hat der Autor sich seinen Platz im Roman geschaffen.

Fazit: Ein toller Roman, ein buntes Kaleidoskop voller unglaublicher Begebenheiten. Eine wilde Achterbahn, die es verdient, vom Leser verschlungen zu werden.
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am 4. Juli 2003
Vor den über 700 Seiten könnte man schon Angst haben. Wird die Familiensaga eines nach Amerika ausgewanderten Griechen wirklich fesseln können? Wie schon bei Jonathan Frantzen, zieht man auch bei J. Eugenides den Vergleich mit den Boodenbrooks und erschauert: war das nicht unendlich langweilig? Ja, es war, wenn man es mit dieser Geschichte vergleicht. Sie fließt und fließt und man kann gar nicht aufhören. Doch der Inhalt kann es nicht sein, denn man weiß schon, wie es ausgehen wird. der Klappentext beschreibt rasant kurz die ganze Handlung. Also ist es etwas anderes, das einen fasziniert am Buch kleben läßt, warum man sich einen langen Urlaub wünscht, um es in einem Ruck lesen zu können. Diese wunderbare Sprache ist das eine - das wünschte man sich gern von einem deutschen Schriftsteller auch. Der Übersetzer jedenfalls muß auch genial sein - die scharf gezeichneten Personen sind das andere. Ich möchte nie eine Verfilmung von dem Buch sehen, denn meine Bilder sind fix und fertig im Kopf. Genauer als Eugenides bringt es ein Regisseur, bzw. Filmproduzent niemals hin. Ja und Sex gibt es in Middlesex auch. Schön zu lesen. Wenn man schon weiß, dass es Inzest und Hermaphroditisches gibt, dann kann man schon erstaunt sein, wie geschmackvoll das zu beschreiben ist. Vielleicht liegt es aber daran, dass Griechen damit schon seit über 3000 Jahren damit irgendwie umgehen können. Aber das ist alles nicht so wichtig. Wichtig ist: unbedingt lesen!
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am 14. Mai 2003
Jeffrey Eugenides Middlesex ISBN 3 498 01670 9
Nach Jonathan Franzen und J.Safran Foer ist nun Jeffrey Eugenides mit einem meisterhaft geschriebenen Roman hervorgetreten.
Vom Jahr 1922 bist 2001 spannt sich der Bogen einer Familiensaga, die ihresgleichen sucht.
Flüchtlinge griechischer Herkunft , die Geschwister Eleutherios und Desdemona, fliehen 1922 im Zusammenhang mit dem Zerfall des osmanischen Reichs vor den marodierenden und mordenden Türken zuerst nach Smyrna und schließlich in die USA.
In Detroit treffen die beiden auf ihre Cousine Sourmelina, verheiratet mit Jimmy Zizmo , einer recht zwielichtigen Figur.
Eleutherios heißt nun Lefty, Sourmelina wird zu Lina, nur Desdemona behält ihren Namen.
Aus einer bravourös inszenierten Geschwisterehe zwischen Lefty und Desdemona geht ein Sohn mit Namen Milton hervor und nach einigen Jahren die Tochter Zoe. Sourmelina und J.Zizmo bekommen die Tochter Tessie.
Cousin und Cousinen wachsen zusammen in einem Haushalt auf, und wieder kommt es zwischen ihnen zu einer Verwandtenehe. Milt und Tessie heiraten. Ein Sohn und die Tocher Calliope gehen aus dieser Verbindung hervor. Calliope ist der/die IcherzählerIn. Die Zwitterbezeichnung hat etwas mit einer sehr ernsten und verstörenden Erfahrung für alle Beteiligten zu tun.
Es geht in diesem Zusammenhang auch um wechselnde Identitäten,
Mann-Frau, Pubertät und Entwicklung, und um wechselnde Lebensbezüge wie Emigration u.a.

Voller Witz , Humor und Phantasie werden in die Verbindung der Geschwister
Eleutherios und Desdemona und die folgenden Familienverwirrungen Fragmente aus der griechischen Götterwelt hineingesponnen. Es bleibt aber nicht bei den mythischen Deutungen , sondern sehr realistisch erfährt man im Laufe der Lebensbeschreibungen dieser Personen etwas über die zuerst griechisch -türkische, später amerikanische Geschichte. Prohibition, Börsenkrach und Wirtschaftskrise 1929, Koreakrieg und Rassenkravalle 1967,--das Leben spielt sich im Rahmen dieser historischen Ereignisse ab.
Daß die ehemaligen Griechen mit ihren Erinnerungen und noch in der Vergangenheit wurzelnden Gewohnheiten allmählich Sprößlinge hervorbringen, die der amerikanischen Zivilisation verbunden sind, liegt auf der Hand. Desdemona ist wohl diejenige, die die Tradition der Vergangenheit am wenigsten abstreifen kann und sich in düsteren Vorahnungen und von Gott erwarteten Bestrafungen verfängt.
Der Übergang von der zunächst von mythischen und auch komischen Bestandteilen durchsetzten Handlung zur realen, nüchternen amerikanischen Wirklichkeit ist für meine Begriffe hervorragend gelungen.
Das Buch ist voller Einfallsreichtum, eine Episode reiht sich an die andere, phantastisch, überschäumend , nie aber geht der Faden der Familiengeschichte verloren.
Viele der beschriebenen Erfahrungen regen zum Schmunzeln an, andere zum Nachdenken. Atemlos folgt man den Familienereignissen , keine Minute möchte man das Buch aus der Hand legen. Sprachlich und inhaltlich bleibt der/die LeserIn bis zuletzt gefesselt. Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen.
Von Erzählern dieser Art wünscht man sich noch viele!
Claudine Borries
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"Ich wurde eigentlich zweimal geboren." - Mit diesem Satz beginnt einer der aufregendsten Romane der letzten Jahre. Ein Roman über "die Achterbahnfahrt eines Gens durch die Zeit", dessen Mutation auf dem fünften Chromosom rezessiv ist. Und daraus wird ein 5-alpha-Reduktase-Pseudohermaphrodit. Das war die erste Geburt von Calliope. Die zweite erfolgte vierzehn Jahre später. Aus dem Mädchen Calliope wurde Cal, der gleichzeitig der allwissende Ich-Erzähler in diesem phantastischen Roman ist.

Er erzählt die Geschichte der griechischen Familie Stephanides, die in den zwanziger Jahren nach dem Triumph Atatürks im brennenden Smyrna aus der Türkei vertrieben wird, in Amerika die Jahre der Depression und den Zweiten Weltkrieg, die Rassenunruhen in Detroit und die Hippie-Bewegung erlebt. Damit ist der zeitgeschichtliche und lebensgeschichtliche Rahmen abgesteckt, in dem sich Werden und Wachsen und Verändern von Calliope Stephanides in Cal Stephanides abspielen. Calliope, als Mädchen aufgewachsen und erzogen, muss feststellen, dass sie im Gegensatz zu anderen Mädchen eine flachbrüstige Bohnenstange bleibt, ihr "Bügelbrett"
nur mühevoll mit ausgestopften BHs weiblich kaschiert werden kann. Und bald muss sie auch erkennen, dass ihre primären Geschlechtsmerkmale nicht so sind, wie sie sein sollten. Ein schmerzhafter Prozess in der Pubertät, der auch Auswirkungen auf die ganze Familie hat. Und letztlich dazu führt, dass Calliope mehr oder weniger freiwillig die Erkenntnis dämmert, dass sie eigentlich ein Junge sein könnten, anders gesagt: ein Hermaphrodit.

Begonnen hat alles, als 1922 die Geschwister Desdemona und Lefty durch einen inzestuösen Akt zu Eltern und später dann zu Großeltern wurden. Und damit beginnt auch die Odyssee dieses mysteriösen alpha-Gens. Die sich daraus ergebenden Lebensverwicklungen, die psychologischen Verwerfungen über drei Generationen hinweg sind Inhalt des Romans von nahezu homerischen Zuschnitt.

Erzählt wird aus der Sicht des 41-jährigen Cal, mittlerweile Angehöriger der amerikanischen Botschaft in Berlin. Seine erzählerische Allwissenheit erlaubt ihm Einblicke in die intimsten Details seiner prenatalen und postnatalen Lebensgeschichte, sie lässt ihn souverän mit den Fakten spielen, mythologische Bezüge herzustellen und unterschiedlichste Plots miteinander verbinden

Welchen Anteil die Autobiographie des Jeffrey Eugenides an diesem Buch hat, wollen wir einmal dahin gestellt sein lassen. Auf jeden Fall beherrscht der Autor, der dieses Epos in Berlin geschrieben hat, sein Metier als ein Schriftsteller, den man gut und gern in der Tradition der großen Erzähler des 19. Jahrhunderts sehen kann. Calliope, die Muse der epischen Dichtung, stand ihm jedenfalls treu zur Seite. Und so ist "Míddlesex" ein brillant erzählter, ein außerordentlich witziger, ein lebenskluger und ein überaus moderner Roman.

Jeffrey Eugenides ist mit diesem seinem zweiten Roman - nach "Die Selbstmord-Schwestern" - ein furioses und aufregendes Buch gelungen, das völlig zu Recht mit dem renommierten Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde.
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am 11. Juni 2010
Ein spannendes Buch, welches zunächst in der Tradition der Familiengeschichten zu stehen scheint, dann aber doch wieder wie eine fitktive Autobiografie klingt und eigentlich über das Thema des Hermaphroditismus oder Intersexualität aufklären möchte. Die Einordnung mag nicht recht gelingen, was ein wesentliches Spannungsmoment des Werkes darstellt und sehr köstlich ist.

Stellenweise bedient sich Eugenides eigentlich der Filmbranche und dreht mehrere Kurzfilme in seinem Text, was ihm - schon allein aufgrund der Zeit seiner Erscheinung - weit besser gelingt als Heinrich von Kleist einst in seinem "Michael Kohlhaas". Tatsächlich ist dies aber kaum das Bemerkenswerteste. Hervorstechend sind die Überleitungen, die elegant jede Situation und jede Szene miteinander verbindet und die starke Bezugnahme zu jeweils übergestellten Themen bzw. DEM übergestellten Thema. Damit skizziert die Struktur des Textes, worum es in dem Buch eigentlich geht. Um Kausalität.

Zum Teil erscheinen die angestellten Ursache-Wirkung-Verhältinsse irrwitzig, machen jedoch innerhalb der Geschichte Sinn bzw. man sympathisiert so stark damit, dass es rund wird. Dies ist für alle der Marshmallow im Kakao, denen die Freude an der Kunst vergangene Zeiten aufleben zu lassen und z.T. ernste Situationen mit einem hohen Witz zu beschreiben, der keinesfalls abwertet, nicht genügt.

Definitiv ein Buch, welches seine Auszeichnungen verdient hat.

weitere Empehlungen:

Tender Bar
Blindfisch
Für Amadeo
Memoirs of a Geisha (Vintage International)
Zähl nicht die Stunden bis zur Ewigkeit
Die Entdeckung des Himmels (rororo)
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am 28. Juni 2008
Cal alias Calliope Stephanides kommt als Hermaphrodit zur Welt. Der Grund? Ein schwerer Fall von Inzucht in der Familie. Cals Großeltern verlieben sich ineinander, obwohl sie Bruder und Schwester sind, müssen aus einem kleinasiatischen Dorf vor den einfallenden Türken fliehen und landen schließlich 1922 in Detroit ...verheiratet.

Middlesex ist eine Familiengeschichte über drei Generationen, eine Einwanderergeschichte, eine Teenagerstory, die Geschichte Amerikas im 20. Jahrhundert und noch einiges mehr - neun von zehn Autoren hätten sich an der Fülle der Geschehnisse, verschiedenen Erzählstränge und Perspektivwechsel verhoben, nicht Eugenides, seine Erzählkunst ist sagenhaft.

Vielen erscheint gerade der Mittelteil, das Leben von Cals Eltern langatmig und uninteressant, doch ich finde, dass es die perfekte Einleitung zur eigentlichen Geschichte darstellt, nämlich der Geschichte von Cal, der Geschichte des Mannes, der als Mädchen aufwuchs. Hier wird Eugenides unheimlich stark, sprüht vor einer Gefühls- und Detailgenauigkeit, dass einem beim Lesen der Atem stockt. Aus der Hand legen kann man den Schmöker jetzt auf keinen Fall mehr. Die ersten dreihundert Seiten sind die berühmte Ruhe vor dem Sturm, und ein Sturm ist es, den der Autor im letzten Drittel des Buches entfacht.

Jonathan Franzen wählte für seine Korrekturen eher das gemächliche Midtempo, Eugenides überzeugt mit crescendo-artigem Aufbau. Qualitätsunterschiede gibt es kaum. Fazit: Amerika hat einfach die besten Erzähler, und Jeffrey Eugenides ist einer von ihnen!
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am 2. Februar 2010
Es wird die Lebensgeschichte eines Hermaphroditen aus Detroit erzählt. Calliope ist Nachkomme griechischer Einwanderer aus den 20er Jahren.
Die Lebensgeschichte wird aus der Ich-Perspektive sehr persönlich erzählt, aber auch in einen historischen Bezug gestellt. Es wundert daher wenig, dass Eugenides' Roman mit der Lebensgeschichte der Großeltern beginnt. Durch diesen frühen Beginn der Erzählung wird die Dimension dieser Erbbesonderheit deutlich und gleichzeitig in den speziellen historischen Kontext gestellt.
Dieser Roman gehört zu den schönsten Romanen, die ich gelesen habe. Das Buch ist niemals langweilig, im Gegenteil: auf jeder Seite wird der Spannungsbogen gehalten oder verstärkt. Die Lebensgeschichte selbst geht sehr zu Herzen ohne jemals schnulzig zu sein. Es ist ein interessantes Thema, über das ich noch nie zuvor in Romanform gelesen habe. Alle Charaktere sind glaubwürdig und authentisch dargestellt. Wie in vielen Lebensgeschichten so stecken natürlich auch in dieser zahlreiche kleine Geschichten, Anekdoten und Begebenheiten, die so schön zu lesen sind. Der Schreibstil ist einfach, klar, flüssig und sehr humorvoll, so dass man wirklich Lesefreude hat und keine Angst vor 734 Seiten Literatur" haben muss. Das Buch hat den Pulitzerpreis gewonnen und ist (dennoch) ein Werk, das sich nicht an eine kleine Leserelite wendet, sondern an ein ganz breites Publikum.
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TOP 500 REZENSENTam 22. Februar 2006
Jeffrey Eugenides Roman „Middlesex“ hatte ich mehrere Male in Buchhandlungen in der Hand, konnte mich aufgrund des Klappentextes jedoch nicht entscheiden, das Buch zu kaufen. Kürzlich setzte ich es dennoch auf meine Wunschliste und habe es gelesen. Allen, denen es ähnlich geht, die sich noch nicht dazu entschließen konnten, den Roman zu kaufen und vor allem zu lesen, und die sich, wenn das auch keine notwendige Bedingung ist, für moderne amerikanische Literatur interessieren, kann ich nur raten, das schnellstens zu ändern. „Middlesex“ ist ein großartiges Werk, eine Familiengeschichte griechischer Einwanderer in den Vereinigten Staaten. Es umfasst die Zeitspanne eines halben Jahrhunderts, beginnend am Anfang der 20er Jahre.
Der Inhalt wurde in anderen Rezensionen ausreichend beschrieben, deshalb nur in einem Satz: Es geht um Calliope Cal Stephandides, einen Hermaphroditen, als Mädchen bei der Geburt erkannt und erzogen, und in der Pubertät zum männlichen Geschlecht „konvertiert“. Die Geschichte als solche ist bereits bemerkenswert, außergewöhnlich ist jedoch die psychologische Dichte, mit der Eugenides die Welt mit den Augen eines Menschen beschreibt, der Mann und Frau gleichzeitig, aber dennoch beides nicht zur Gänze ist. Dass man daneben Einblicke erhält in die Welt südosteuropäischer Einwanderer in den Vereinigten Staaten von Amerika oder die medizinischen Aspekte des Intersexualität ist ein schöner Nebeneffekt, spielt aber bei der Beurteilung des Buches nur eine untergeordnete Rolle.
Das wirklich Verblüffende für mich war und ist, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass Hauptfigur (Ich-Erzähler) und Autor NICHT ein und dieselbe Person sind. Eugenides gelingt die Sicht dieses beide Geschlechter in sich vereinigenden Wesens so authentisch, wie man das in der Regel nur aus Autobiographien kennt.
Eugenides, für diesen Roman, aus meiner Sicht völlig zu recht mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet, reiht sich ein in die große Phalanx zeitgenössischer Autoren wie John Irving (dessen Grundoptimismus man in diesem Buch findet), John Updike (dessen Humor „Middlesex“ mitbringt) oder Jonathan Franzen (dessen Scharfzüngigkeit Eugenides sein Eigen nennt).
Für dieses Buch kann es nur ein Urteil geben: fünf Sterne. „Middlesex“ hat es geschafft, sich in meine persönlichen Allzeit-Top 20 einzureihen und steht dort, um nur die amerikanischen Werke zu nennen, mit „Die Korrekturen“, „Owen Meany“, „Rabbit in Ruhe“, „Sabbaths Theater“ und „Das Hotel New Hampshire“.
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