Kundenrezensionen


 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


81 von 90 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von Reihenhäuschen und Tanzcombos
Mein damaliger bester Freund wuchs in genau jener Vorstadtsiedlung auf, die der 1962 geborene Autor Heinz Strunk in diesem Buch beschreibt. Ich selbst empfand es dort damals immer als sehr angenehm, und wenn man ganz genau hinsieht, dann sind auch Strunks Reminiszenzen an dieses grüne und friedliche Wohnviertel gelegentlich von fast liebevoller Melancholie...
Veröffentlicht am 31. Mai 2006 von H.Schwoch

versus
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Immer geil abliefern..
Ich habe auf den ausdrücklichen Hinweis meines Schlagzeugers mich dieses Romans angenommen. "Das muss man als Mucker gelesen haben!", erzählte er mir begeistert. Also habe ich mich hingesetzt und bin eingetaucht in die Welt des Heinz Struck, der sein tristes Dasein als Bläser einer Tanzmusikkapelle fristet.
Ist man selbst Musiker und kennt die...
Veröffentlicht am 15. April 2013 von Jonathan Jochem


‹ Zurück | 1 222 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

81 von 90 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von Reihenhäuschen und Tanzcombos, 31. Mai 2006
Von 
Rezension bezieht sich auf: Fleisch ist mein Gemüse (Taschenbuch)
Mein damaliger bester Freund wuchs in genau jener Vorstadtsiedlung auf, die der 1962 geborene Autor Heinz Strunk in diesem Buch beschreibt. Ich selbst empfand es dort damals immer als sehr angenehm, und wenn man ganz genau hinsieht, dann sind auch Strunks Reminiszenzen an dieses grüne und friedliche Wohnviertel gelegentlich von fast liebevoller Melancholie geprägt. Letzte Woche habe ich die Gegend für einen nostalgischen Spaziergang mal wieder aufgesucht und dabei festgestellt, dass sich zwischen Walsroder Ring, Bispinger Weg und Celler Weg äußerlich rein gar nichts verändert hat.

Im Wesentlichen spielt "Fleisch ist mein Gemüse" aber in einem Zeitraum von etwa zwölf Jahren, die der Autor als durchaus begabter Saxophonist einer ansonsten unsäglich schlechten Tanzcombo namens Tiffanys (bitte niemals 'Die Tiffanys' sagen!!) auf Hochzeiten, Schützenbällen und Silvesterfeiern im erweiterten Bereich des Landkreises Harburg verbracht hat. Heinz Strunk ist ein begnadeter Erzähler seiner eigenen Lebensgeschichte, und die unmittelbare Wucht dieses grandios geschriebenen Buches verdankt sich wohl ganz wesentlich dem Umstand, dass es sich hier gleichsam um einen Tatsachenbericht handelt. Es wäre interessant zu wissen, ob eine von ihm ausgedachte, also rein fiktive Story auch nur annähernd gleichartige Qualitäten aufweisen würde.

Wer in diesem Buch zu schmökern beginnt, der wird es nicht wieder aus den Händen legen, bis er es quasi in einem einzigen, nur von den wesentlichsten Dingen der Daseinserhaltung unterbrochenen Durchgang zu Ende gelesen hat. Es ist zum Brüllen komisch, ironisch und lakonisch, gleichzeitig aber auch geprägt von schmerzhaftester (Selbst-)Ehrlichkeit und maßloser Trauer über die tägliche Bürde einer jeden Durchschnittsexistenz. Zwischen ungebremsten Lachanfällen und allertiefstem Mitleiden liegt beim Lesen häufig nicht mehr als ein Augenaufschlag.

Für "Fleisch ist mein Gemüse", das inzwischen bereits in der 16. Auflage (!) vorliegt, gilt in jedem Fall meine allerhöchste Empfehlungsstufe. Und jenes Reihenhäuschen, in dem der Autor so viele Jahre vor sich hin wohnte, sollte eigentlich längst eine ausgewiesene Kultstätte zigtausender Heinz-Strunk-Anhänger sein!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


61 von 70 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Heinzi goes Tiffany und ich war dabei, 14. November 2005
Ich habe "Fleisch ist mein Gemüse" während einer eigentlich langweiligen Fahrt von Münster zur Insel Fehmarn gehört. Gemeinsam mit einem Bandkumpel, mit dem ich seit mehreren Jahren Cover-Rockmusik mache und ebenfalls unzählige "Mucken" auf Geburtstagen und Hochzeiten bestritten habe, wollte ich mir zwei ruhige Tage auf der Insel gönnen.
Um es kurz zu machen. Die Fahrt verging wie im Flug. Das Hörbuch zog uns bereits nach kürzester Zeit in seinen Bann. Zwischenzeitlich lachten wir Tränen ("Ihr Schweine, Ihr. Was macht Ihr hier oben die ganze Zeit" oder "Neger beim Friseur") , zwischenzeitlich hörten wir einfach nur gebannt, ergriffen und bewegt zu.
Vielleicht war es deshalb so genial, weil vieles, was Heinz mit "Tiffanys" erlebt hat, aktuell noch unser Alltag ist. So kam uns vieles sehr vertraut vor (Muckerstarre, endloses Warten, verlassene Gasthöfe, Hochzeitsgesellschaften, endloses Auf- und Abbauen etc.)
Das Hörbuch hat uns so fasziniert, dass wir auf dem Rückweg mit Hilfe des Navigationssystemes in Hamburg-Harburg spontan eine Art private Stadtführung unternahmen und uns viele Orte des Hörbuches einfach einmal ansahen(Heinzes Wohnhaussiedlung incl. Zwergenhäuser, diverse Straßen und vor allem die PHÖNIX-Gummiwerke). Es war wie eine Fahrt durch unsere Phantasie und zugleich der Höhepunkt des Wochenendes. Das Hörbuch ist schlicht weg genial. Der Sprecher und Autor unendlich nett und echt und man wünscht sich fast, mit ihm einfach mal ein Stündchen zu quatschen. Denn natürlich will man wissen, wie es mit Heinzer nach dem Ausstieg bei "Tiffanys" weiterging. Ich hoffe sehr auf eine Fortsetzung, denn die ist er uns irgendwie schuldig.
Wir jedenfalls können "Fleisch ist mein Gemüse" nur wärmstens empfehlen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


43 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen All mein Respekt gilt den Tanzmuckern, 11. Februar 2006
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Fleisch ist mein Gemüse (Taschenbuch)
Ich habe dieses Buch voller Abscheu dem Land und dessen Sitten gegenüber angefangen, und aufgehört habe ich mit einem großen Platz für das Land in meinem Herzen.
All die Schützenfeste, Hochzeiten und anderen Saufrituale könnte ich als junger niedersächsischer Dorfmensch miterlebt haben, die Atmosphäre, die Lieder, die Leute. Auch, wenn man meint, man hasse all das, dank Herrn Strunk lernt man es wieder schätzen. Diese brachiale Ironie, diese Absurdität, herrlich. Aber dieses Buch ist durch und durch ehrlich, man traut sich gar nicht zu denken, es sei erfunden, geschweige denn, seine Glaubwürdigkeit infrage zu stellen. Und eines ist noch wunderbar: Trotz Eigenleben entwickelnder Akne und schweren Problemen mit Frauen ist der gute Herr Strunk einer der lustigsten Menschen hierzulande geworden (wie gesagt, ich halte jedes Wort in diesem Buch für wahr, weil ich schlicht und ergreifend weiß, dass es stimmt).
Und endlich lache ich auch nicht mehr über all die schlechten Showbands, sondern zolle ihnen gewaltigen Respekt-diese armen Leute, die unterbezahlt doofe Schlager für noch dööfere Besoffene spielen müssen, jahrelang. Obwohl sie größeres könnten.
Heinz Strunk, mein Leidensgefährte,...
er spricht mir von der Seele
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


46 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Leute: begeistert!, 19. November 2004
Rezension bezieht sich auf: Fleisch ist mein Gemüse (Taschenbuch)
800 Auftritte hatte Heinz "Heinzer" Strunk mit der Tanzkapelle Tiffanys. "Die immer gleichen endlosen Mucken" schreibt Heinzer und lässt den Leser an zahlreichen Hochzeitsfeiern, Schützenfesten, Sylvesterpartys und Geburtstagen teilhaben. Trotz sich stets wiederholender Rituale ist beim Lesen von Langeweile keine Spur! Eine großartige, nie dagewesene Analyse erbärmlicher Dorffeten der 80er und 90er Jahre aus Sicht eines verzweifelten Berufsmusikers. In Fleisch-ist-mein-Gemüse am besten wiederfinden werden sich diejenigen, die selber einmal Tanzmusik gemacht haben, sich nächtelang auf dörflichen Tanzfesten amüsiert haben, mit nicht enden wollender Akne zu kämpfen hatten, alkohol- oder spielsüchtig waren, eine kranke Mutter zu pflegen hatten oder bei denen es mit den Frauen nie so geklappt hat wie man gern gewollt hätte ... Also im Grunde jeder. Wenn man es nicht besser wüsste, müsste man sich ernsthaft Gedanken machen, ob wohl aus dem armen Heinzer noch mal was geworden ist. Die Leute: begeistert!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Erfrischend und deprimierend anderer Rückblick auf die "tolle" Jugendzeit..., 14. November 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Auch ich, wie der Autor selbst Jahrgang 62, bin durch einen Kumpel an das Hörbuch gekommen. X-mal hatte dieser ganz gespannt schon nachgefragt, ob ich es denn endlich mal gehört hätte.

Ich bin dabei! CD4. An einem Abend, beim Sortieren meiner Lego-Sammlung.

Zunächst fielen mir Genuschel und wenig harmonische Aussprache Strunks auf. Dazu pubertärer Wortschatz und gehässig-"äffige" Gesangeinlagen = Fast war ich schon ein wenig abgenervt und sah mich das Hörbuch bereits weiterreichen...

Irgendwo bei CD2 war ich dann "drin". Geenauuu: Das sind sie, die Hits der 80er. Irgendwie vertraut. Und irgendwie auch ganz schön flach und fade. Und ob nun Kneipe, Ballsaal oder "Disse" in Harburg, Niedersachsen oder Schleswig-Holstein - wie sich das Gehabe doch zu gleichen scheint bzw. schien - damals.

Irgendwann fragte ich mich, ob Strunk das alles wohl frei erfunden hat? - Hat er ob des Einführungstextes wohl nicht... ;-) Und allzu bekannt kommen mir auch die politischen und gesellschaftlichen Hintergründe jener Zeit und einige seiner Begierden, Träume, (Not)lösungen etc. vor.

Sicher: Strunk schildert jene (seine?) Zeit arg negativ, lieblos und manchmal geradezu gehässig inkl. "sich selbst" als dem Erzähler gegenüber. Ich hoffe, seine Jugend war nicht (nur) so?! ;-)

Aber ich denke, so manche Jugend war ganz sicher auch nicht so positiv, wie sie gerne am Stammtisch - oder bei Silberhochzeiten und Dorffesten mit Bands wie "Tiffanys" :-O - dargestellt wird? ;-) - Wer erzählt schon gern von seinen Mißerfolgen, geplatzten Träumen und inneren Abgründen? ;-) Genau das macht "Fleisch ist mein Gemüse" erfrischend oder auch deprimierend anders. Mal hören, wie es heute abend in Harburg und Umgebung so weitergeht :-)

Übrigens: Wo wir gerade bei eher weniger euphorischen Rückblicken sind: Vielleicht erinnert sich der eine oder andere an den "Schluchtenflitzer" mit Andy aus der bayerischen Provinz auf seiner "Kreischler"? Gibt es jetzt als Kleinserie wieder auf DVD! Einfach mal googlen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Kurt Cobain der Tanzmusik, 12. September 2006
Von 
junior-soprano - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Fleisch ist mein Gemüse (Taschenbuch)
Heinz Strunk ist erst spät zu einem, wenn auch noch begrenzten, Ruhm gekommen. Der Mann ist inzwischen über 40 und machte in der Sendung Zimmer frei einen interessanten und sympathischen, aber auch unsicheren Eindruck. Studio Braun, diese Mitschnitte von Juxanrufen und die Sendung Fleischmann-TV auf Viva waren kleinere Erfolge.
Fleisch ist mein Gemüse könnte die Wende für Heinz Strunk bedeuten und ihn aufrücken lassen in die Liga der anspuchsvolleren deutschen Satiriker. Es ist auf den ersten Blick nicht allzu tiefschürfend, was Strunk in diesem Buch über seine Zeit in einer Laien-Band schreibt. Aber es ist auch nie ausschließlich albern. Der Mann hat schon einiges miterlebt, er kann tatsächlich gut schreiben und er hat interessantes zu berichten. Der Titel des Buchs klingt etwas gewollt witzig, ist aber gut gewählt, um dem Buch Aufmerksamkeit zu bescheren.
Ist es ein Buch über das Erwachsenwerden? Eher nicht, da die Geschichte die Zeit vom 22. bis zum 34. Lebensjahr erzählt. Sicherlich die Zeit, in der man sich von den Kindheitsträumen verabschiedet und die wesentlichen Weichen fürs Leben stellt. Strunk leidet offensichtlich darunter solch folgenschwere Entscheidungen treffen zu müssen. Er ist ein Träumer. Aber ein pessimistischer Träumer. Gerne wäre er Profimusiker geworden, konnte sich aber nicht zu einem Studium aufraffen, trotz Abitur und Talent. Seiner Meinung nach fehle ihm die wichtigste Voraussetzung: der Wille zum Erfolg. Und das ist einer der wenigen bemerkenswerten Sätze, die Dieter Bohlen bisher gelungen sind: "Erfolg ist die Ausnahme".
Strunks Welt ist klein und deprimierend. Uneheliches Einzelkind. Kleines Haus, in dem er bis zum Ende des Buchs mit seiner, ebenfalls depressiven, Mutter wohnt. Schwere Hautkrankheit. Keine Freundin bis zum 34. Lebensjahr. Aufgewachsen in Hamburg-Harburg, dem Viertel, daß die Attentäter vom 11.9.01 bereits so sehr abgeschreckt hatte, daß sie eine Terrorzelle gründeten, um Geborgenheit zu finden. Kein Witz.
Fleisch ist mein Gemüse ist stellenweise äußerst amüsant geschrieben, es enthält einige wirklich großartige Gags. Der triste Alltag in der niedersächsischen Provinz in den Achtzigern und Neunzigern ist besonders für Menschen aus dieser Gegend sehr unterhaltsam, weil gut beobachtet und pointiert dargestellt. Für Liebhaber des Trash werden echte Perlen der Schlagermusik ins Gedächtnis zurückgerufen. Ich persönlich finde ja einige der, durch den Kakao gezogenen Interpreten und Songs gar nicht schlecht.
Ob das Buch wirklich bis ins letzte Detail autobiographisch ist, weiß ich nicht. Ist er nie auf die Idee gekommen seiner quälenden Erfolglosigkeit bei Frauen mit Geld ein Ende zu bereiten? Jemand der geradezu peinlich offen über seine Hautkrankheit schreibt, verschweigt seine Bordell-Besuche? Das ist nur eine der vielen Fragen, die ich Strunk gerne persönlich stellen würde und das ist dann auch ein Reiz des Buchs, man stellt sich Strunk als hilfsbedürftigen Freund vor, mit dem man gerne lange Gespräche führen würde und von dem man im Gegenzug viel über das Leben und die Musik erfahren könnte.
Besonders interessant ist Fleisch ist mein Gemüse für all jene, die gerne Musik zu ihrem Beruf machen wollen, und generell für alle, die im kreativen Bereich Fuß fassen wollen. Strunk faßt es ganz richtig zusammen: viele richten es sich ganz bequem in ihrer Rolle als verkannte Genies ein und scheuen es sich der Öffentlichkeit zu stellen. Aber wer nur für sich selbst malt, schreibt, musiziert etc. der wird nicht herausfinden, ob er wirklich ein Künstler ist oder sich nur für einen hält. Strunk ist sehr hart in seinem Urteil. Es wird klar warum er Probleme hat Freunde und eine Frau zu finden, wo er so sehr mit sich selbst im Unreinen ist. Wer mit 20 noch kein Instrument beherrscht, mit 30 noch nicht den großen Durchbruch geschafft hat, aus dem wird auch nichts mehr, das scheint mitunter die Botschaft zu sein. Strunk selbst hat das Gegenteil bewiesen und fährt seine Ernte erst mit über 40 ein.
Eine Spur zu weinerlich, zu selbstmitleidig ist er, um ein größeres Publikum begeistern zu können. Bei Max Goldt etwa ist immer die große Welt spür- und greifbar, das hat etwas erhebendes. Strunk steht sich selbst im Weg. Er ist ein wenig der Kurt Cobain der Tanzmusik, hochbegabt, launisch, depressiv und mit einem sehr speziellen Humor.

Strunk hebt sich angenehm vom zu derben Diermar Wischmeyer ab, der sich auch mit der niedersächsischen Provinz abgemüht hat. Allerdings ist er genau so klug und witzig wie dieser. Angenehmerweise er ist auch kein Florian Illies, der mit seinem, unsympathisch wirkenden und durch nichts gerechtfertigten, blasierten Überlegenheitsgefühl nervt. Leider ist er aber auch kein Helge Schneider oder Max Goldt. Auch wenn er sich bei letzerem bedient zu haben scheint.
Wer meint, daß das Buch nur oberflächlich sei, dem kann ich nicht zustimmen. Für mich hat Strunk mit diesem Buch erreicht, was ihm mit seiner Musik bislang nicht vergönnt war und was selbst vielen weit berühmteren Musikern und Autoren nicht gelingt: er hat ein Kunstwerk geschaffen, daß berührt und nachdenklich macht, und dabei auch noch gut unterhält. Die große Botschaft des Buchs lautet für mich, daß auch ewige Verlierer wie Mucker, die auf Hochzeiten spielen müssen, Anerkennung verdient haben. Warum so sehr damit quälen den vermeintlichen Ansprüchen anderer Menschen zu entsprechen? Studium, teures Auto, großes Haus, schöne Frau, Traumkarriere, Reisen - schön und gut. Aber wer das eine oder andere oder gar nichts davon hat, ist deshalb nicht wertlos. Könnte vom Papst sein, diese Botschaft. Eine andere gefällig? "Alle wollen etwas sein, niemand will etwas werden". (Goethe). Oder einfach nur: "Here we are now entertain us."
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mooaaaariiooouuss...., 2. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: Fleisch ist mein Gemüse (Taschenbuch)
Fleisch ist mein Gemüse von Heinz Strunk ist ein herrlich komisches Buch über das Leben eines mittelmäßigen Musikers, der mit der noch mittelmäßigeren Live-Tanz-Musik-Band "Tiffanys" versucht, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Vielleicht muss man in der norddeutschen Provinz aufgewachsen sein, um den ganz Umfang des Humors in diesem autobiografischen Werk begreifen zu können. Vieles erinnerte mich an meine aktive Zelt- und Scheunenparty-Zeit. Die Veranstaltungen hießen Landjugend-Scheunenfete, Heuhaufenfest oder Sommernacht am See. Die Bands waren Royal Flash oder die Yankees (wobei die Yankees wirklich klasse waren oder sind, weil die mucken immer noch). Aber ansonsten gab es doch deutliche Parallelen zu den im Buch geschilderten Ereignissen. Spätestens wenn die Jungbauern-Masse lautstark "Mooaaariioouss" forderte war klar: das wir ein herrliches Fest...

Diese Buch beschreibt mit voller Härte, wunderbare Komik, aber manchmal auch mit erstaunlicher Sentimentalität das Leben zwischen verstaubtem Reihenhaus Wohnzimmer, schmuddeliger Spielhalle und den unendlichen Weiten der ländlichen Wochenenden.
Danke Heinzer, für die Einblicke ins Leben eines "Muckers" vom Typ Versager, danke für die Sozialstudie über sie unbekannte Spezies "Mucker" und danke für die Auffrischung meiner Jugenderinnerungen. Es war nicht alles schlecht damals, aber vieles...
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ...und der Heinzer ist doppelt gut!, 2. Februar 2007
Von 
Hans-Juergen Philippi (Weiterstadt, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Fleisch ist mein Gemüse (Taschenbuch)
Ein ganz wichtiger Aspekt vorweg: das Buch richtet sich an eine sehr spezielle Zielgruppe - der Untertitel "Eine Landjugend mit Musik" wurde schließlich nicht ohne Grund gewählt. Denn so wie ein Auto-Schrauber megalustige Geschichten für Kollegen zu erzählen vermag, über die kein Jurist auch nur eine Miene verzieht, kann "Fleich ist mein Gemüse" nicht jedermanns Geschmack treffen. Wer etwa einer Akademikerfamilie entstammt und unter "Musiksammlung" seine 3 BRAVO-Hits-CDs versteht, wird möglicherweise das eine oder andere Zugangsproblem zu dieser genial subversiven Art des Humors haben.

Das gesagt, wird das Buch für mich in doppelter Hinsicht ein Volltreffer:

a) Ist der Leser ein zum Protagonisten in etwa gleichaltriger (Geburtsjahrgang 196*) männlicher Zeitgenosse und vielleicht sogar ähnlich provinziell groß geworden, kriegt er beim Lesen das Dauergrinsen nicht aus dem Gesicht, gepaart von beständigem Kopfnicken: Genauso war's! Das Grinsen wird höchstens unterbrochen von krampfartigen Lachattacken, wenn mal wieder ein Knüllerspruch vom Stapel gelassen wird. Und die gibt es zahlreich.
b) Abgesehen von der amüsanten Erzählweise liefert Heinz Strunk im Tiefflug eine oft messerscharfe Gesellschaftskritik ab - zumindest für die Schicht, in der er sich bewegt(e). Und es sind ja nicht eben wenige Leute, die nachvollziehen können welche Rollenklischees der gemeine Schützenbruder zu erfüllen hat oder wie sich auch in der ach so modernen Welt von heute noch immer Dummheit, Suff und Aggressivität gerne zusammen finden.

Während andere Generation-Golf-Bücher Profit daraus ziehen, sich süffisant und mit unterschwelliger Häme über die selbst erlebten 80er lustig zu machen, dokumentiert Heinz Strunk die Tragik-Komödie seiner Jugend schmerzhaft und ehrlich: Sie ist seltsam, traurig, irre, oft beschi****, manchmal trotzdem schön - es war halt wie es war, am Ende doch irgendwie ok und sollte wohl so sein. Früher war eben nicht alles besser. Und auch nicht schlechter, nur anders.

Seltsam wie man erst mit zunehmenden Alter merkt, dass es gar nicht so übel war/ist, anders als andere zu sein und eine Außenseiterrolle einzunehmen. So ist man zumindest in der eigenen Weltsicht nicht nur eine von Millionen grauen Gestalten in der gesichts- und charakterlosen Masse.
Du weißt was ich meine, Heinzer!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schön, wenn man nicht dabei war..., 15. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Fleisch ist mein Gemüse (Taschenbuch)
Wenn man weiß, dass Heinz Strunk bei Studio Braun ist (und auf VIVA "Fleischmann-TV" gemacht hat), hat man gewisse Erwartungen an "Fleisch ist mein Gemüse". Er hat bei den Telefonterroristen schon die Rolle desjenigen inne, der in Volksfloskeln spricht, ungefähr so, wie die Leute, denen man eher aus dem Weg geht, wenn sie so schon anfangen. Persifliert kann man aber darüber lachen, und in der Form war das Buch dann auch zu erwarten.
Wenn man seine Stimme kennt, kann man Heinz Strunk (bzw. Jürgen Dose) durchaus reden hören, während man liest. Aber das Lachen bleibt einem schnell im Halse stecken. Unerwartet ernst und sachlich, wenn auch in der gut beobachteten Sprache seines Klientels, erzählt er von einer Jugend mit einer Mutter, die im medizinischen Sinne verrückt ist, und den daraus resultierenden Depressionen. Der Heinz des Romans ist eigentlich ein verkommenes Subjekt, depressiv, alkohol- und spielsüchtig ("Stichwort: Angstfreie Zone", um mal eine seiner Formulierungen zu benutzen), ohne Selbstwertgefühl, aber dafür im eigenen Rahmen ein selbstgerechtes Arschloch. Seine Mitmusiker stehen auf der gesellschaftlichen Leiter genauso weit unten wie er (weshalb man sich ja zusammentat), aber wie überall gibt es auch dort Hierarchierangeleien. Und wie er seine Musikschüler behandelt, ist ebenfalls Folge eines unterfüllten Machtbedürftnisses.
Immerhin ist Strunk nicht der Voll-Loser. Folge seiner extrem langweiligen Jugend ist ein versiertes Blasinstrumentespiel, mit dem er seine Mitmusiker bei Tiffanys, der Tanzkapelle, die der Leser über Bucheslänge begleitet, musikalisch locker in den Schatten stellt. Und da kommt das nächste deprimierende Element: die Veranstaltungen, auf denen er zu spielen hat. Ab Harburg südwärts in der niedersächsischen Pampa, auf Schützenfesten, Lokalpromihochzeiten, Jugendtanzabenden oder Silvesterfeiern, auf Schützensälen, in heruntergekommenen Hotels oder irgendwo auf freier Pläne in gammeligen Schuppen - auf Veranstaltungen, die man, wenn man im Nordkreis Gifhorn aufwuchs, kennt und, wenn man einigermaßen Geschmack und Verstand hatte, alsbald mied. Das Publikum dort ist nicht minder mitleiderregend als die ausrangierten Exschlagerstars, die bisweilen Tiffanys als Begleitband buchen.
Nicht zuletzt der erste Sex ist eines der Ziele, die Strunk in knapp 15 Jahren als Tanzmusiker verfehlt, aber mit ständigem "Abmelken" zu kompensieren versucht. Er scheitert überall auf unterem Niveau, aber dennoch deprimierend nachvollziehbar. Im Prinzip muß man "Fleisch ist mein Gemüse" und "Dorfpunks" von Strunks Studio-Braun-Kollegen Rocko Schamoni parallel lesen, denn beide erzählen von Adoleszenz auf dem Lande, aber mit gegensätzlichen Verläufen. Aus dem Punk ist immerhin "was geworden", bei Strunk fehlt am Ende jede Hoffnung auf ein besseres Leben. Das Buch ist deutlich aus heutiger Sicht geschrieben und verklärt nichts, im Gegenteil, bietet sogar noch eine selbstvernichtende, realistische Sichtweise des geschilderten Lebens. Man muß nur ausblenden, dass er später eben im "Comedy"-Geschäft recht erfolgreich wurde...
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Grossartig! Lustig! Böse und Unterhaltsam!, 18. April 2006
Von 
Rezension bezieht sich auf: Fleisch ist mein Gemüse (Taschenbuch)
Selten so gelacht! Selten so gegruselt oder Gänsehaut bekommen.

Es ist alles so authentisch provinziell, wie man es sich selbst garnicht vorstellen kann! Wie die schlimmsten Alpträume, über die deutschen Kleinstadtproll-Wüsten Schützenfest, Karneval oder Silvesterfeiereien: Fleischplatte mit brauner Soße. Kette

rauchen, Dosenbier, Spiegeleier und Merkur-Disk 2000.

Strunk ließt das dann auch noch so vor, dass man denk, man sitze mitten dabei und kucke ihm bei seinem Märtyrium und Abmelk-Orgien zu. Man kann es fast riechen! Wer glaubt er habe eine beschissene Jugend gehabt, der muss sich das anhören. Is nämlich alles halb-so-wild dagegen!

Das beste das ich seit langem gehört habe. Das nachfolge (Hör-)Buch "Mit Hass gekocht" hab ich schon bestellt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 222 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Fleisch ist mein Gemüse
Fleisch ist mein Gemüse von Heinz Strunk (Taschenbuch - 1. Oktober 2004)
EUR 8,99
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen