Kundenrezensionen


45 Rezensionen
5 Sterne:
 (14)
4 Sterne:
 (12)
3 Sterne:
 (10)
2 Sterne:
 (7)
1 Sterne:
 (2)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


35 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vom männlichen Älterwerden
Gegriffen habe ich zu Philip Roths „Das sterbende Tier" aus guter Tradition, wegen der ausgesprochen guten Erfahrung, die ich mit den Werken dieses großen Zeitgenossen der amerikanischen Literatur gemacht habe. Nachdem ich vor dem Lesen mir die hiesigen Rezensionen durchgelesen und dann den Roman begonnen hatte, war ich schnell der selben Meinung wie viele...
Veröffentlicht am 7. Dezember 2004 von Th. Leibfried

versus
25 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Leiden des alten Kepesh und die Geschichte der beiden Amerikas
David Kepesh ist in die Jahre gekommen, und um es gleich zu sagen: sonderlich verändert hat er sich nicht. Er ist der gleiche Schwerenöter geblieben, dessen Grundfrage "Wie lange werden junge Frauen für mich noch erreichbar sein?" (S. 29) ihn Tag und Nacht beschäftigt. Gottlob ist er inzwischen zu einem geachteten Kulturkritiker aufgestiegen, so dass...
Veröffentlicht am 8. November 2006 von euripides50


‹ Zurück | 1 25 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

35 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vom männlichen Älterwerden, 7. Dezember 2004
Von 
Th. Leibfried "TL" (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das sterbende Tier (Taschenbuch)
Gegriffen habe ich zu Philip Roths „Das sterbende Tier" aus guter Tradition, wegen der ausgesprochen guten Erfahrung, die ich mit den Werken dieses großen Zeitgenossen der amerikanischen Literatur gemacht habe. Nachdem ich vor dem Lesen mir die hiesigen Rezensionen durchgelesen und dann den Roman begonnen hatte, war ich schnell der selben Meinung wie viele Rezensenten auch: Roth wiederholt sich, Roth kennt nur noch ein Thema. Je weiter ich in diesem kurzen Roman kam, umso mehr entfernte ich mich jedoch von dieser vorschnellen Einschätzung.
Philip Roth zeichnet schonungslos und dabei gewohnt humoristisch ein Bild des männlichen Älterwerdens. Dass dabei Phantasien eine Rolle spielen, ist klar bei Roth. Auch dass dabei eine Fokussierung auf die Weiblichkeit, ja sogar auf primär weibliche Merkmale geschieht, überrascht nicht, wenn man das Werk von Roth kennt.
„Was soll man machen, wenn man zweiundsechzig ist und all die Körperteile, die bisher unauffällig waren (Nieren, Lunge, Venen, Arterien, Gehirn, Därme, Prostata, Herz) im Begriff sind, sich Besorgnis erregend bemerkbar zu machen, während das Organ, das sich ein Leben lang mehr als anderen bemerkbar gemacht hat, dazu verurteilt ist, zur Bedeutungslosigkeit zu verkümmern?" Witziger und dichter habe ich das noch nie gelesen.
Roth malt erschreckende Visionen, die vielen Lesern, ich nehme mich da nicht aus, verstörend vorkommen müssen. Er provoziert. „Die Ehe ist bestenfalls ein verlässliches Stimulans für die Erregungen, die heimliche Seitensprünge bereithält."
Die Botschaft, die Roth dem Leser mit der Handlung, mit dem Plot mitgibt, ist: Älterwerden ist etwas Normales. Das Leben hält auch mit siebzig noch Erstaunliches parat, wenn man es zulässt. Jungsein schützt nicht vor körperlicher Unversehrtheit, körperlicher Niedergang kann altersunabhängig sein.
„Das sterbende Tier" ist zwar empfehlenswert, auch nicht nur, aber insbesondere für Philip-Roth-geübte Leser. Ich wiederhole an dieser Stelle meine Empfehlungen aus dem Werk Philip Roths: „Sabbaths Theater", „Portnoys Beschwerden" (nichts für moralisch Zartbesaitete) und „Mein Leben als Sohn".
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der alternde Literaturprofessor und ......., 26. Juni 2004
Von 
Dr. Matthias Korner "brundisium" (Ratingen, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Im jüngsten, meinem ersten Werk von Philip Roth geht es um die Geschichte von Liebe, Sehnsucht und Hörigkeit eines 62-jährigen ehemaligen Literaturprofessoren zur 24-jährigen hübschen aus Kuba stammenden Consuela Castillo. In US-amerikanischem College-Umfeld entwickelt sich zwischen beiden eine amour fou mit heftigen sexuellen Spitzen. Vor allem ihre vollen, wunderbar geformten, festen Brüste haben es ihm angetan. Doch das Idyll ist endlich. Eine unbeabsichtigte Kränkung führt zur Trennung. Jahre später kommt es unter dramatischen Vorzeichen zu einem Wiedersehen.
In ‚Das sterbende Tier' nimmt sich der 1933 in New Jersey geborene und mit zahlreichen amerikanischen Preisen ausgezeichnete Autor mit dem Leben und Sterben alternder Männer, ihrem Sex und ihrer Eifersucht großer Themen an. Dabei geht es alles andere als jugendfrei zu. Vielleicht interessiert und amüsiert das von Max Volkert Martens vorzüglich gelesene Hörbuch gerade deswegen. Ein schönes Stück Unterhaltung, das Appetit auf mehr von Philip Roth macht, und sich bestens als Geschenk eignet. Dazu trägt die geschmackvoll gestaltete Hülle des Hörbuches nit einem berühmten Bild von Modigliani bei.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine grossartiger und grundehrlicher Monolog über Liebe, Lust, Verantwortung und Prinzipien., 18. August 2006
Rezension bezieht sich auf: Das sterbende Tier (Taschenbuch)
Mir scheint es, als hätte man Roth mit diesem Roman etwas mißverstanden. Viele fühlen sich abgestossen von Sexualität in diesem Alter. Dass Kepesh als fast 70-jähriger nicht an heimischen Eisenbahnanlagen bastelt und sich dem körperlichen und geistigen Verfall des Seniums hingibt - das kann man ihm vorwerfen. Dass er die Klischees des Alters nicht erfüllt - dessen macht er sich schuldig.
Wer sich von solch einem intensiven sexuellen Trieb in diesem Alter abgestoßen fühlt, wird wohl in einigen Jahren selbst eher der Eisenbahnbastler-Fraktion angehören. Wer sich von David Kepesh abgestoßen fühlt, bei dem wollte Roth händereibend sicher genau dies bezwecken. Frauen kommen schlecht weg im Monolog Kepeshs - blasse Sexualobjekte. Ist man also als Frau von diesem Roman abgestoßen, folgt man wohl einem durchaus berechtigten Gefühl.

David Kepesh ist in seiner Selbstbezogenheit kaum zu überbieten. Seine Freundinnen werden ins Gesamtbild seiner musikalischen und sexuellen Ästhetik gepresst. Wo er ihnen gegenüber ehrlich sein müsste, lügt er, damit sein Lebensentwurf bestehen bleibt. Doch zuletzt scheitert er, und das ist das Kernstück der Geschichte. Eine 24-jährige, wenn auch sehr schön und mit atemberaubendem Körper gesegnet, jedoch sonst geradezu gewöhnlich (ich verstehe Herrn Reich-Ranicki nicht), bringt seine Konstruktion zu Fall.
Kepesh selbst spürt von Anfang an, dass ihn mehr als sexuelle Obsession an sie bindet. Als sie schließlich an Brustkrebs erkrankt, empfindet er einen völligen Verlust der sexuellen Anziehungskraft. Doch ganz entgegen seiner Lebensphilosophie ist er erfüllt von Besorgnis und Hilflosigkeit. Trotz aller Distanz und alternder Intellektualität ist Kepesh vor diesen Dingen nicht gefeit.

David Kepesh ist ein Mann mit Prinzipien, das muss man ihm lassen. Sein Leben folgt einem festen Drehbuch. Bindungen kann und will er nicht eingehen, will nichts von sich preisgeben. Er bezahlt es mit Einsamkeit, die die Grundstimmung seiner Geschichte ist: nicht besonders tief, nicht besonders verzweifelt, aber wie in alter Bekannter, mit dem zusammen man lebt und den man weder liebt noch hasst. Sein bester Freund stirbt, seine junge ehemalige Geliebte ist sterbenskrank. Es sieht so aus, als würde er allein zurückbleiben. Seine Beteuerungen gegenüber Consuela, in denen er die Krankheit und die Aussichten verharmlost, sind reine Hilflosigkeit und panische Angst vor der Einsamkeit. Ist das der Preis, den er für seine Vitalität, seine Wachheit und den hohen Vergnügungswert in seinem Leben bezahlt ? Angst vor dem Tod hat er, er sieht die Jahre verrinnen und sieht Freunde sterben. Dieses elementare Gefühl Angst feuert seine elementaren Triebe an.

Roth schafft es, Kepeshs Prinzipien gekonnt zu spiegeln, indem er die Ansichten von dessen Sohn schildert. Auch der hat das Bedürfnis nach wilder Sexualität und betrügt seine Ehefrau, bleibt jedoch im Stadium von Selbstbetrug und Heuchelei stehen, da er sich weder für die radikale Lösung seines Vaters entscheiden kann noch seine Bedürfnisse unbefriedigt lassen kann. David Kepesh will nichts beschönigen oder rechtfertigen, er ist ehrlich gegenüber sich selbst und verurteilt sich nicht weniger als seinen Sohn.

Fazit: es ist eine eigentümliche Lebens- und Liebesgeschichte eines vitalen Endsechzigers, mit dem Roth die Toleranzgrenze des Lesers austestet. Dies ist ein Roman der (alt)männlichen Emanzipation, der durch Roths meisterhafte Erzählkunst schon allein zum Erlebnis wird. Es ist Liebe, von der Kepesh in so hohem Alter aus der Bahn geworfen wird.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie verwandelt man Freiheit in ein System? oder Über die sexuelle Revolte, 12. Juli 2011
Von 
Timo Brandt "Ways are, there you go" (Quickborn) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das sterbende Tier (Taschenbuch)
"Nein, man kann es nicht verstehen. Solange man selbst nicht alt ist, versteht man nur, dass die Zeit den Alten ihren Stempel aufgedrückt hat. Doch wenn das alles ist, was man versteht, fixiert man sie in der Zeit, und das bedeutet, dass man eigentlich überhaupt nichts versteht. Alt zu sein bedeutet für alle, die noch nicht alt sind, dass man -gewesen- ist. Aber wenn sie alt sind, bedeutet es, dass sie trotz Ihrer Gewesenheit, zusätzlich zu ihrer Gewesenheit, über ihre Gewesenheit hinaus noch immer sind. Ihre Gewesenheit ist sehr lebendig."

Vorweg: Jedes Buch von Charakter -sollte- mit einem verständnisvollen Blick bedacht werden. "Was man nicht schätzen kann, sollte man trotzdem versuchen zu achten."
Ich las Philip Roth, weil er zum Kanon der modernen Literatur gehört. Ich machte mir keinen Kopf darum, dass es vielleicht noch etwas zu früh für mich sein könnte, ihn zu lesen; doch während des Lesens wurde mir klar, dass hier eine -andere- Erfahrung zu mir sprach. Jeder Leser nehme daher zur Kenntnis, dass ich zum Zeitpunkt der Rezension noch im Teenageralter bin. Ich möchte ein Buch gerne durch und durch verstehen und vielleicht kann mir das bei Roth in meinem Alter noch nicht gelingen. Deswegen schreibe ich das hier vorne weg.

"Stellen sie sich das Alter so vor: Es ist eine alltägliche Tatsache, dass ihr Leben auf dem Spiel steht. [...] Davon abgesehen ist man unsterblich solange man lebt."

Das sterbende Tier ist trotz seiner Schmalheit ziemlich vielschichtig: Die Grundgeschichte bildet die Obsession eines älteren Mannes für eine jüngere Frau, eine seiner Studentinnen, aber damit allein gibt sich Roth noch nicht als Inhalt zufrieden. Gleichzeitig und währenddessen gibt er uns eine kleine Geschichtsstunde in amerikanischer Sexualethik und erzählt uns von einer damit verwobenen Familientragödie.
Denn der Protagonist sah und sieht die Ehe (uns so schätzt er auch alle anderen Männer ein) als Beraubung der Freiheit, da sie auch zwangsläufig irgendwann den Sex tötet. Und Sex ist für ihn alles, - "denn nur beim Vögeln übt man an allem, was einem verhasst ist und was einen zu Boden drückt, eine reine, wenn auch nur momentane Vergeltung. Nur dann ist man voll und ganz lebendig, voll und ganz man selbst. Die Unsittlichkeit ist nicht im Sex, sondern in allem anderen." Deswegen verlässt er seine Frau und den Sohn frühzeitig.

Doch wie weit geht die Freiheit und wie macht man aus einer sexuellen Freiheit ein System, das funktioniert? Und was ist, wenn man sich plötzlich nach Sicherheit sehnt, weil die eigene Freiheit plötzlich mit der der anderen konfrontiert wird, die ja auch genau so frei sind?

Was mich an Roth beeindruckt hat ist zweierlei: Erstens seine Sprache (übersetzt klar, aber man kann immer noch eine unglaubliche saubere Stilführung und Erzählweise spüren, wie sie mir öfter bei ihm vorgeschwärmt wurde), seine durch und durch klare Prosa und zweitens die unglaubliche Verschleierung der Distanz zwischen Autor und Protagonist. Ich weiß nicht, ob Roth hier durch David Kepesh spricht, ob es seine Ansichten sind, oder ein gerissener Schachzug, um etwas aufzuzeigen. Wahrscheinlich ist es keins von beidem und Roth ist tatsächlich einer dieser Autoren, die einfach Geschichten schreiben. Aber das bleibt jedem Leser selbst überlassen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Buch mit Nachhaltigkeit!, 15. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Das sterbende Tier (Taschenbuch)
Nach Mein Leben als Sohn ist es das zweite Buch, das ich von Philip Roth gelesen habe. Und auch Das sterbende Tier ist sicherlich ein Buch, dass einen zwischenzeitlich und nachhaltig nachdenklich macht und nicht einfach nur "weggelesen" werden kann.

David Kepesh, ein über sechzig Jahre alter Professor mit einen gewissen öffentlichen Bekanntheitsgrad dank Fernseh- und Radiosendungen, erläutert dem Leser seine Liebe zu einer seiner Studentinnen (die nicht die erste Geliebte aus seinem studentischen Umfeld war). Dabei wird seine hartnäckige Einstellung zur sexuellen Revolution und seine Ablehnung jeglicher dauerhaften und verpflichtenden, partnerschaftlichen Verbindung deutlich. Doch gerade zu dieser Studentin, die so anders ist als ihre Vorgängerinnen und die Kepesh sehr bald zu vergöttern beginnt, entwickelt der Professor ganz andere Gefühle. Diese scheinen ihn fast um den Verstand zu bringen, während ihrer Affäre in Form von Eifersucht und Verlustängsten und als die Studentin ihn verlässt, in Form von quälender Sehnsucht. Erst als sie überraschend wieder in sein Leben zurückkehrt, verwandelt sich der starke, auf ihren faszinierenden Körper gerichtete Trieb von Kepesh in etwas anderes und seine Angst vor dem Verbindlichen scheint zu bröckeln.

Das Buch hat mich die meiste Zeit gefesselt und erst recht gut unterhalten. Einige Abstriche muss ich machen, weil mir gerade im letzten Abschnitt einige thematische Ausflüge im Zusammenhang mit den Vorgängen bei der Jahrtausendwende etwas überflüssig erschienen.

Erst nach Ende des Buches, einige Zeit nach dem Lesen, wurde mir jedoch seine Nachhaltigkeit bewusst. Die Widersprüche, die die Gedanken und Ausführungen Kepesh zuletzt offenbaren, machen doch noch einige Momente nachdenklich und etwas differenzierter auf das Gelesene zurückblicken.

Mein Urteil für Das sterbende Tier schwankt zwischen drei und vier Sternen, aber da ich keine halben Sterne darstellen kann, geb ich ihm dann doch ganze vier.

****
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


25 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Leiden des alten Kepesh und die Geschichte der beiden Amerikas, 8. November 2006
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das sterbende Tier (Taschenbuch)
David Kepesh ist in die Jahre gekommen, und um es gleich zu sagen: sonderlich verändert hat er sich nicht. Er ist der gleiche Schwerenöter geblieben, dessen Grundfrage "Wie lange werden junge Frauen für mich noch erreichbar sein?" (S. 29) ihn Tag und Nacht beschäftigt. Gottlob ist er inzwischen zu einem geachteten Kulturkritiker aufgestiegen, so dass noch kein Grund zur Sorge besteht, denn die jungen Frauen sehen noch immer Schlange. Meist sind es blutjunge Studentinnen, die er in seinen Seminaren zuerst kennen lernen und in Ruhe begutachten kann. Wenn sie ihm gefallen, lädt er sie in seine Dependance ein, wo er ihnen (innerlich rösig bis zum Mundschaum) Velasquez-Drucke zeigt oder ihnen Bach vorspielt, ehe sie ihn endlich an ihre Wäsche lassen. So auch die junge Kubanerin Consulea, deren unglaublichen Brüste es dem Meister angetan haben, wenn sie auch beim ersten Verkehr auf ihm herumwippt, wie ein Kind auf einer Schaukel ( S. 35) und auch bei den Feinheiten des Blow Jobs ganz offensichtlich noch viel lernen muss. Doch das sind doch nur Peanuts, bald verfällt Meister Kepesh der betörenden Jugend der schönen Latina, er sehnt sich Stunde um Stunde nur noch nach ihrem Hintern und ihren Brüsten und lebt in zunehmender Angst, als alter Hahn in Bälde abgehängt zu werden. Als es dann passiert, fällt ist der Jammer natürlich groß. "Ich spielte Beethoven und masturbierte" heißt es dazu in dem vorliegenden Roman, doch weil man auch das nicht allzu lange durchhalten kann, beginnt der Protagonist ab etwa S. 64 eine lange Reflexion über die beiden Amerikas, das sittenstrenge der Puritaner von Jamestown und das libertäre von Merry Mount, das jenen untergründigen Strang der amerikanischen Sittengeschichte repräsentiert, der schließlich in der 68er Kulturrevolution zur offiziellen Doktrin der Gesellschaft geworden ist. Man weiß zwar nicht recht, wie diese seitenlangen Betrachtungen in die Handlung passen sollen, aber was Roth dazu anmerkt, ist lesenswert und erhellend. "Es war ein kindisches, absurdes, unbeherrschtes, drastisches Durcheinander" ( S. 69), heißt es in dem vorliegenden Buch über die Jugendbewegung, ein Chaos, "das den Sitten, die man bislang nur aus Gangsterfilmen kannte, zum Durchbruch verhalf." Da war der junge Kepesh natürlich gerne mit von der Partie, er verließ Frau und Sohn und "vögelte, mit wem ich nur konnte" (S. 71). Dass der Sohn, den er verlassen hat. ihn verachtet kann der hypertolerante Kepesh natürlich verstehen, wenngleich er selbst mit sich nicht ganz so hart ins Gericht gehen möchte. Hundert Seiten sind inzwischen vorüber, nun hat man es bald geschafft, denkt man, doch da taucht plötzlich die schöne Consuela mit den unglaublichen Brüsten wieder auf, doch leider ist sie in der Zwischenzeit an Brustkrebs erkrankt, was die Begier des Meisters erheblich reduziert. Er begrabscht sie noch ein wenig, macht einige Aktfotos, dann muss die Schöne unters Messer.

Das ist im Wesentlichen die Handlung der 159 Seiten des vorliegenden Buches, eine teilweisen anödende, teilweise unterhaltsame Suada des Immergleichen, die man so oder ähnlich schon dutzendfach bei Roth gelesen hat. Sonderlicher Sprachwitz wird nicht entfaltet, auch von einer interessanten Romanstruktur ist nichts zu entdecken. Der Autor lässt seine Hauptfigur einfach und unzusammenhängend erzählen, was ihm so alles in den Sinn kommt: die Sehnsucht nach jungen Frauen, ein wenig Altmännersex, ein wenig Essay, ein wenig Krebs, ein wenig Beethoven, Tod und Eifersucht- eben ein echter Roth in seiner unnachahmlich dekadenten Kontur, kurzweilig, seicht, amoralisch bis in die Penisspitze. Wer so etwas mag, soll es goutieren, für mich beinhaltet das vorliegende Buch in seiner ganzen geistigen Form auch eine Erklärung dafür, warum das Stockholmer Nobelpreiskomitee bisher mit Recht gezögert hat, Roth mit dem Nobelpreis auszuzeichnen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Große Literatur, 7. April 2006
Rezension bezieht sich auf: Das sterbende Tier (Taschenbuch)
So wie dieses wünsche ich mir jedes Buch. Es fesselt von der ersten bis zur letzten Zeile. Besonders gut gefällt mir bei Roth, dass er offenbar in seinen Bücher alle Charaktere nicht nur als gut oder böse, sympathisch oder unsympathisch, sondern sehr differenziert darstellt. So auch hier. Der Ich-Erzähler David Kepesh hält über weite Strecken des Textes ein Plädoyer für die (fast) grenzenlose persönliche insbesondere sexuelle Freiheit. Dass man dazu auch anderer Ansicht sein kann, liegt auf der Hand. Die Gegenansicht stellt Roth dar, indem er Kepesh von seinem Sohn erzählen lässt. Dieser lehnt seinen Vater und dessen Ansichten als verantwortungs- und rücksichtslos ab. Durch die Wiedergabe der gegenteiligen Ansichten von Vater und Sohn mitsamt den dazugehörigen Argumenten regt Roth den Leser an, sich über seine eigenen Ansichten klar zu werden und Position zu beziehen. Insgesamt ist "das sterbende Tier" daher ein Werk, dass zugleich viel Spaß macht und einen auch noch nach beendeter Lektüre eine Zeit lang in Gedanken beschäftigt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein glaubwürdiger Monolog eines Frauenverführers, 23. April 2014
Von 
Felix-Ine - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Das sterbende Tier (Taschenbuch)
David Kepesh liebt die Frauen. In seinen zweiundsechzig Jahren hat der berühmte Kulturkritiker und Professor einer New Yorker Universität keine Möglichkeit ausgelassen speziell junge Studentinnen in sein Bett zu bekommen.

Den Preis dafür hat er zahlen müssen. Das Scheitern seiner Ehe und die Entfremdung zu seinem Sohn war die Folge. Die Jahre seiner Ehe bezeichnet er als die schlimmsten seines Lebens. Nie wieder würde er eine Bindung eingehen.

Ein über Jahrzehnte praktizierter Liebesreigen ungeahnten Ausmaßes erfasste ihn. David verlor sich in seinen Geliebten und nahm teil an den sexuellen Freizügigkeiten der sechziger Jahre, in denen er als Dozent tätig war. Die Revolution dieser berüchtigten Zeit, die sexuelle Umwälzung war ein Angriff auf das seit Jahrhunderten kulturell und moralisch geprägte Wertesystem.
Die unumkehrbare Verwandlung der Jugend hatte begonnen und damit veränderte sich das bislang festgelegte Frauenbild.

David Kepesh hat als Kunstkritiker einen gewissen Status. Seine Fernsehauftritte haben ihm zu einem großen Bekanntheitsgrad verholfen, seine Buchrezensionen und Berichte auf Channel Thirteen öffnen ihm die Herzen der jungen Studentinnen, die aus Gründen intellektuellem und journalistischem Glamour seine Nähe suchen. Er verführt, betrügt und belügt seine Gespielinnen und macht sie zugleich glücklich. Ein Frauenversteher, wie es scheint.

Die vierundzwanzigjährige Kubanerin Consuela Castillo verändert diesen Mann, nimmt ihn gefangen in ihre auffällige Schönheit, der edlen Gestalt, der makellos reinen und weißen Haut, ihrem glänzenden schwarzem Haar und den umwerfenden vollen Brüsten. Er betet sie an und weiß zugleich, dass sie ihm, dem inzwischen zweiundsechzigjährigem Mann, nie gehören wird.

David erlebt die intensivsten Liebesstunden mit dieser ungehemmten und erotischen Frau, spürt das Chaos des Erotik, die radikale Destabilisierung, die das Wesen der sexuellen Erregung ist. Bei dem Liebeserlebnis ist ihm wichtig, dass die Dominanz wechselt, dass ein fortwährendes Ungleichgewicht bestehen bleibt.

Es ist ein sehr erotischer Roman des Autors Philip Roth, in den ich mich als Leser hineinbegeben hatte, ohne zu ahnen, dass er so ins Detail geht. Der Roman entwickelt einen ungemeinen Sog in das Liebesleben des David Kepesh und seiner Consuela und ist ein glaubwürdiger Monolog über das Leben dieses Mannes und seiner Verlustängste .

Kepesh zitiert u.a. John Milton und berichtet über dessen Traktate einer Scheidung: " Männer haben keine Ahnung von den brutalen, tragischen Aspekten dessen, worauf sie sich einlassen."

Und David genießt sein Leben als ungebundener Mann, die Sinnlichkeit, Erotik und den Körper der Frau mit all ihren Geheimnissen.
Seine große Liebe jedoch verliert er.

Der Originaltitel des 2001 erschienenen Buches lautet "The Dying Animal".
Philip Roth wurde 1933 in New Jersey geboren. Er erhielt den Pulitzer-Preis für Amerikanisches Idyll . Für Der menschliche Makel erhielt er seinen zweiten PEN / Faulkner Award und den britischen W. H. Smith Award als bestes Buch des Jahres, zudem den französischen Prix Medici als bestes ausländisches Buch des Jahres. 2001 wurde er mit der höchsten Auszeichnung der American Academy of Arts and Letters bedacht, der Goldmedaille für Belletristik.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine treffende Sexualgeschichte, 14. Februar 2003
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das sterbende Tier: Roman (Gebundene Ausgabe)
Philip Roth Das sterbende Tier Carl Hanser Verlag ISBN 3446 20273 0
S.165
Der Titel des Buches ist gleichsam eine Parabel auf den Inhalt: die sterbende Sexualität.
Es ist ein Buch über die Triebe des Menschen, über die Besessenheit, über das Altwerden und den Verlust.
Der Icherzähler, ein alternder Professor der Literatur und der Kulturkritik, legt gewissermaßen Rechenschaft ab über sein Sexualleben, das vergangene und das gegenwärtige. Allgemeine Betrachtungen über das Leben als Mann, Ehemann und Vater bereichern die Erzählung. Es ist der typische Philip Roth: scharf in der Beobachtung und sezierend in der Betrachtung , entwirft er ein Menschenbild, in dem es, neben der Kultiviertheit und Bildung, neben dem arrivierten Leben als prominenter Kulturkritiker, den von Sexualtrieben gepeinigten Mann gibt, der sich bis zur Selbstaufgabe unterwirft , besessen ist von Lebensgier, und damit alle Bindungen unterläuft und zunichte macht, um am Ende der Einsamkeit entgegenzusehen.
Wenn es auch nicht das beste seiner Bücher ist: wer Philip Roth schätzt, wird in diesem Buch den verstehenden und auch zynisch-selbstkritischen Autor wiederfinden, den wir bereits aus anderen seiner Bücher kennen. Ich mag ihn, weil er Zeitströmungen auf besondere Art und Weise reflektierend wiederzugeben vermag.
Claudine Borries
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erwartungsgemäß, 12. Februar 2003
Rezension bezieht sich auf: Das sterbende Tier: Roman (Gebundene Ausgabe)
Nach dem "menschlichen Makel", wohl die wichtigste Neuerscheinung der letzens Jahres, ist die Latte natürlich hoch gesteckt - aber Roth schafft es in der Tat fast, diese Hürde mit dem (im Gegensatz zum o.g. Schwergewicht) schmalem Band zu meistern. (Ganz abgesehen davon, das ein Vergleich eigentlich Unsinn ist...)
Nach immerhin 25 Jahren läßt Roth David Kepesh - er kam bereits in "Die Brust" und "Professor der Begierde" vor - als Protagonisten fungieren und eine einigermaßen ungewöhnliche neue Liebe erleben - mit kafkaesquen Abstechern, die natürlich schon durch "Die Brust" vorprogrammiert erscheinen - und auch dieses Mal bestimmt eine Brust einen Wendepunkt der Geschichte...
Es fällt mir schwer, nicht zu viel oder zu wenig zu erzählen oder gar wild drauf los zu interpretieren, daher einfach mein Appell: lesen! Zwar nicht ganz so eine Sensation wie der "Makel", aber zweifelsohne mehr als lesenswert. Eigentlich eher 4.75 Sterne, aber ich runde mal auf.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 25 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Das sterbende Tier
Das sterbende Tier von Philip Roth (Taschenbuch - 1. Oktober 2004)
EUR 7,99
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen